https://steiermark.orf.at/stories/3348398/
…mehr fällt mir zu dieser extrem verallgemeinernden Bullshit Berichterstattung nicht ein.
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…mehr fällt mir zu dieser extrem verallgemeinernden Bullshit Berichterstattung nicht ein.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich beim Eintritt ins Berufsleben immer gestresst von der Urlaubsplanung war – alleine dadurch erschwert, dass ich mich um alles selbst kümmern muss. Für mich bedeutete das vor allem, kleine Brötchen zu backen. Während Freunde und Kollegen auf der ganzen Welt herumreisten, war es für mich bereits ein Meilenstein, als ich im September 2012 die erste mehrtätige Hüttenübernachtung absolvierte (Tappenkarseehütte, Radstädter Tauern). 2013 verbrachte ich ein paar Tage in einem Jugendgästehaus am Grundlsee, hatte aber naturgemäß mit den Schülergruppen meine Probleme (Reizüberflutung). Für Hotels hätte ich telefonieren müssen, was ich damals nicht konnte (und auch heute vermeide), im Sommer des gleichen Jahres kamen noch eine mehrtägige Wanderung mit unterschiedlichen Hütten dazu, auch hier war ich durch viele Familienurlauber mit kleinen Kindern schnell reizüberflutet.
Update, 1.4.
Die Reise wurde wegen der Unwetterschäden auf Teneriffa im März ganz abgesagt. Ich stehe also ohne Urlaubsplanung da. Der nächste Erholungsurlaub ist erst im Juli.
Continue readingWie ich hier weiter tun soll weiß ich auch nicht. Vieles ist zu privat inzwischen. Und wir leben nicht mehr in Zeiten, wo Empowerment honoriert wird.

Vor etwas weniger als zwei Jahren erhielt ich in Österreich meinen Feststellungsbescheid, also 50% Grad der Behinderung für Autismus (andere Diagnosen erreichten weniger als 50%). Freude darüber wäre übertrieben gesagt, denn meist tut man sich das Prozedere wegen bestehendem Leidensdruck an. Prozedere heißt – Facharzttermine, die man großteils selbst zahlen darf, weil es zu wenig Kassenärzte gibt. Natürlich hat man auch keine Zusatzversicherung wegen der Diagnose, die dann zum GdB führt. Nun gut, ich hab das alles bewältigt und obwohl das Untersuchungsgespräch in meinen Augen miserabel ablief, erhielt ich die rettenden 50%. Doch mit einer wichtigen Einschränkung: Gültig nur für zwei Jahre, dann Nachbegutachtung, weil mein Autismus könnte unter Therapie besser werden. Wie man auf diesen Blödsinn kommt, ist mir schleierhaft. Autismus ist nicht heilbar. Lediglich Begleitfolgen wie Angststörungen, Zwangsstörungen und/oder Depressionen können unter Therapie besser werden. Deswegen verschwindet der Autismus aber nicht.
Autismus ist auch keine statische Diagnose, sondern ein Spektrum und eine Dimension, das heißt, es gute und schlechte Tage und es gibt Situationen, wo ich stark eingeschränkt bin und in anderen weniger. Mit dem Alter verändert sich so manches. Meine Ängstlichkeit ist z.B. besser geworden, ich kann leichter Fremde ansprechen, auch telefonieren erfordert weniger Überwindung, aber nach wie vor habe ich z.B. große Schwierigkeiten, mir alles zu merken, was im direkten Gespräch – telefonisch oder im direkten Kontakt – besprochen wird. Ich bin schnell überfordert, wenn ich es nicht sofort notieren kann. Ebenso neige ich weiterhin zum Katastrophieren (siehe vorheriger Beitrag), das heißt, mir oft worst-case-Szenarien auszumalen. Das ist in einem Job mit ständigen Veränderungen eine große psychische Herausforderung, und die bestehende unsichere Weltlage (Kriege, Klima, Rechtsruck) verschärft die mentale Ausgangslage, in der man noch mehr versuchen muss, sich seine Ruheoasen zu schaffen.
Diese Nachbegutachtung steht jetzt im April an und ich warte immer noch auf den exakten Termin. Jetzt schlägt mein Autismus wieder voll zu: Die Angst vor dem Unbekannten, vor dem Ungeplanten. Bereits letzten Herbst musste ich meinen Urlaub bis Ende April bekanntgeben. Der umfasst eine Woche im April. Aktuell wird mein Dienstplan für April gemacht, der spätestens am 15. März feststeht. Ich arbeite im Schichtdienst – ich brauche Vorlaufzeit, um rechtzeitig Wünsche und Termine bekanntzugeben. Und natürlich sind das nicht die einzigen Termine im April. Dem Zahnarzt muss ich bald Bescheid geben, um einen Termin für Weisheitszahnextraktion zu finden – was mit Wundheilung und Nachkontrolle rund zehn Tage in Beschlag nimmt, wo ich wenig Spielraum für weitere Pläne oder Termine habe.
Es steht und fällt mit dem Nachbegutachtungstermin. Darauf anständig vorbereiten möchte ich mich schließlich auch noch, denn die Gefahr besteht, dass ich von einer anderen Gutachterin oder einem anderen Gutachter unter 50% eingestuft werde. Dann würde ich nicht nur um erhöhten Kündigungsschutz umfallen, sondern auch um eine Woche “Behindertenurlaub” – Urlaub, den ich bereits verplanen musste, bzw. der für Familienheimfahrt geplant wäre. Ich kann den Termin einmalig ablehnen – etwa, wenn er genau auf meine Urlaubswoche im April fällt, aber im Mai schaut es nicht besser aus: Pensionsfeiern, Geburtstage, andere Arzttermine – es wird immer enger und enger, je länger ich auf den Termin warten muss. Das erzeugt bei mir eine kaum aushaltbare innere Unruhe – mir fällt es dann immer schwerer, freie Tage noch genießen zu können.
Wobei dieses Mal weitere medizinische (körperliche) Diagnosen hinzukommen werden, die zwar keine 50% ergeben, aber in Kombination mit den bestehenden Diagnosen evtl. über 50% erreichen, wenn berücksichtigt wird, dass mein Alltag dadurch eingeschränkt werden könnte. Aber auch das ist keine Gewissheit. Auf Bluesky las ich zuletzt, wie zumindest zwei namhaftere Autistinnen in Deutschland ihren GdB bei einer Nachbegutachtung wieder verloren haben und jetzt anfechten müssen, ein quälender Prozess, der wieder Zeit und Nerven kostet. Letztendlich ist es Schikane, gerade für Menschen, die im Berufsleben stehen, ob selbstständig oder angestellt, und die auf begünstigte Behinderung angewiesen sind, um ihre Leistung bringen zu können. Von Empowerment reden wir hier gar nicht – die Gesellschaft entwickelt sich durch den Rechtsruck sowieso zurück – es geht vor allem darum, seine Arbeitsfähigkeit zu erhalten und den Alltag bewältigen zu können. Zwei Monate nicht planen zu können bzw. Termine mit Fragezeichen versehen zu müssen (auch angenehme Termine, die einem Freude bereiten), helfen ganz sicher nicht dabei.

Wir Autisten neigen ja mitunter dazu, redensartlich den Teufel an die Wand zu malen. Das heißt, wir haben Angst davor, was alles passieren könnte und glauben dann, die Wahrscheinlichkeit dafür sei sehr hoch. Wir bereiten uns mitunter schon akribisch darauf vor, dass es eintreten könnte, obwohl objektiv wenig dafür spricht, dass es eintreten wird.
Für mich persönlich finde ich das obige Merkblatt hilfreich – anhand von Fragen, die jeder für sich beantwortet, festzustellen, wie wahrscheinlich diese Katastrophen-Szenarien sind, um Ängsten und Gedankenstrudeln entgegenzuwirken.
Vielleicht ist es für den ein oder anderen von Euch auch hilfreich.
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