Vor mir am Steuer sitzt Judith Hermann. Ihre Finger lose am Lenkrad eingehängt steuert sie den Wagen durch die Nacht.
Ich blicke nach vorne und halte mich mit beiden Händen an den Stäben ihrer Kopfstütze fest.
Der Asphalt rutscht unter uns hindurch, rollt sich im. Rückspiegel wieder aus und verliert sich in der Schwärze der Nacht.
Im Radio dudelt ein Tenorsaxophon vor sich hin. Judith zieht die Wangen ein und bläst sie wieder auf. Ihre Nackenhaare leuchten im Licht entgegenkommender Scheinwerfer.

In meinem Kopf läuft ein Haflingertrio eine Dorfstraße entlang.
Der Takt ihrer Hufe:

Klapp Klapp – Klapp Klapp 

(vorne links, hinten links, Pause
hinten links, hinten rechts, Pause) 

Meine Augen fallen zu. 

Orca

es hat sich ausgelyrikt. Die gewohnte Verzauberung bleibt trotz angestrengtesten Wohlwollens aus. Ich schleppe mich durch die glanzlose Kopie eines alten Glücks.

Die täglichen Sonnenuntergänge sind ein Lichtblick, ja.
Auch die vertrauensvolle Unbeschwertheit meines krebskranken Hundes berührt mich. Überschattet – wie alles- von dem bevorstehenden Abschied.
Überhaupt Abschied: davor, währenddessen und danach: nicht  auszuhalten.

Was mir gefällt, ist das unerklärliche tiefe Bollern und Schwappen wie von einem riesigen unterirdischen Orca-Tank, das aus einem Gulli nahe des Sees aufsteigt. Niemand außer mir scheint Notiz davon zu nehmen.


Eine schwarz-weiße Katze lauert neben einem Misthaufen auf Beute. Ihre Pupillen schmale Striche.


Überall sehe ich Gesichter. Im Laub, in der gekräuselten Wasseroberfläche, in der Rinde alter Bäume.

Nachts liege ich wach und male mir aus, wie ich möglichst schnell davon kommen könnte.
Der Tod durch einen LKW scheint mir seit Kindertagen vorbestimmt.
Ein Traktor täte es auch.
Doch statt des erlösenden Schrittes nach vorne, weiche ich zurück, sobald eines der Ungetüme auf mich zu donnert.