Krieg in Nahost

Die US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben bunkerbrechende Bomben eingesetzt, um besonders geschützte iranische Raketenstellungen an der Straße von Hormus anzugreifen. „Mehrere“ der Bomben mit einem Gewicht von jeweils knapp 2,3 Tonnen seien „erfolgreich eingesetzt“ worden, teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) mit.

Die Spezialmunition mit besonderer Durchdringungskraft kommt etwa bei Angriffen auf besonders verstärkte Einrichtungen oder unterirdische Bunkeranlagen zum Einsatz. Nach Angaben des US-Militärs zielte der Angriff auf Stellungen mit Marschflugkörpern ab, die gegen Schiffe eingesetzt werden sollten. Sie hätten „eine Bedrohung für den Schiffsverkehr in der Meerenge“ dargestellt.

Die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist eine wichtige Ader für den internationalen Handel mit Öl und Flüssiggas. Der Schiffsverkehr in der Meerenge ist seit Kriegsbeginn vor rund zweieinhalb Wochen praktisch zum Erliegen gekommen.

Russland weitet laut einem US-Zeitungsbericht seine geheimdienstliche und militärische Zusammenarbeit mit dem Iran aktuell aus. Die Regierung in Moskau stelle Teheran Satellitenbilder und Drohnentechnologie zur Verfügung, berichtete das „Wall Street Journal“ gestern. Damit werde der Iran dabei unterstützt, US-Streitkräfte in der Region ins Visier zu nehmen.

Moskaus Ziel sei es, den Krieg in die Länge zu ziehen, da Russland davon militärisch und wirtschaftlich (Stichwort: Ölpreis) profitiere. Die russischen Geheimdienste lieferten Standortdaten von US-Militäreinrichtungen im Nahen Osten. So soll es dem iranischen Militär zuletzt gelungen sein, US-Radareinrichtungen dort anzugreifen.

US-Präsident Donald Trump kritisiert die NATO-Verbündeten für ihre Weigerung, sich am Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Die meisten Partner hätten ihm mitgeteilt, dass sie nicht in den Konflikt verwickelt werden wollten, teilte Trump gestern auf der Plattform Truth Social mit.

Das überrasche ihn nicht, da er die Allianz schon immer als „Einbahnstraße“ betrachtet habe. Vor Journalisten stellte Trump ein baldiges Ende des Krieges in Aussicht.

Die USA seien zwar noch nicht bereit, ihren Militäreinsatz im Iran zu beenden, sagte Trump vor Journalisten. Der Abzug werde jedoch „in sehr naher Zukunft“ erfolgen. Nach Kriegsende würden die Spritpreise sinken.

„Sehr dummer Fehler“

Die Weigerung der Bündnispartner, an der Seite der USA in den Krieg gegen den Iran einzutreten, sei ein „sehr dummer Fehler“, sagte Trump. Die Haltung der Allianz sei „ziemlich schockierend“, sagte Trump.

Es sei nicht gut für die Partnerschaft, wenn Hilfe verweigert werde. Er sei enttäuscht von der NATO. Eine tolle Unterstützung habe es dagegen von Katar, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain gegeben, sagte Trump.

Trump betonte, die USA hätten Milliarden Dollar zur Verteidigung der NATO-Verbündeten ausgegeben. Allerdings seien die USA nicht auf Hilfe angewiesen, um die Straße von Hormus für die Schifffahrt offen zu halten.

EU setzt auf Diplomatie

„Frankreich wird im aktuellen Kontext niemals an einer Operation zur Öffnung oder Befreiung der Straße von Hormus teilnehmen“, sagte der französische Staatschef Emmanuel Macron. Griechenland wiederum lehnt ein bilaterales Abkommen mit dem Iran laut Außenminister George Gerapetritis ab.

Estland dagegen schloss eine militärische Beteiligung zum Schutz von Schiffen in der umkämpften Straße von Hormus nicht kategorisch aus. Das NATO-Land sei bereit, über einen möglichen Beitrag zur US-Mission zu sprechen, sollte Washington offiziell darum bitten, sagte Außenminister Margus Tsahkna einem Rundfunkbericht zufolge.

Die Europäische Union setzt nach den Worten ihrer Außenbeauftragten Kaja Kallas auf Diplomatie. Es müssten diplomatische Wege gefunden werden, um die Seestraße offen zu halten, sagte Kallas der Nachrichtenagentur Reuters. „Niemand ist bereit, seine Leute in der Straße von Hormus in Gefahr zu bringen.“

Aus Protest gegen die US-Offensive gegen den Iran ist der Chef des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joseph Kent, zurückgetreten. „Ich kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar“, schrieb er gestern in einem Brief an US-Präsident Donald Trump, den Kent auf X veröffentlichte.

Es sei offensichtlich, dass die USA den Krieg aufgrund israelischen Drucks begonnen hätten. Kent sagte, Trump habe in seiner ersten Amtszeit noch „besser als jeder andere moderne Präsident“ verstanden, wie man das Militär einsetze, ohne in endlose Kriege verwickelt zu werden.

Er warf Israel vor, dieselbe Taktik wie im Irak-Krieg angewandt zu haben, um die USA in einen verheerenden Krieg samt Tausender Opfer zu ziehen – obwohl es keine Belege dafür gibt. „Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen“, schrieb Kent weiter. Er appellierte an Trump, „darüber nachzudenken, was wir im Iran tun und für wen wir es tun“.

Kent ist nach Angaben des National Counterterrorism Centers Kriegsveteran. Seine Frau Shannon wurde 2019 bei einem Selbstmordattentat in Syrien getötet. Kent selbst schrieb, dass er es nicht unterstützen könne, die nächste Generation in einen Krieg zu schicken, der dem amerikanischen Volk keinen Nutzen bringt.

Der im Krieg gegen den Iran eingesetzte Flugzeugträger „Gerald R. Ford“ muss laut US-Angaben nach einem Feuer an Bord einen Hafen anlaufen.

Das Schiff befinde sich derzeit im Roten Meer und werde wohl vorübergehend die Souda-Bucht auf Kreta ansteuern, hieß es gestern. Es sollen fast 200 Seeleute wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden, ein Soldat sei ausgeflogen worden. Das Feuer war am Donnerstag in der Wäscherei des Schiffs ausgebrochen.

Der Brand stand nach Angaben des US-Militärs von vergangener Woche nicht im Zusammenhang mit Kampfhandlungen. Das Kriegsschiff ist seit neun Monaten im Einsatz. An Bord der „Ford“ befinden sich mehr als 5.000 Seeleute und über 75 Militärflugzeuge, darunter Kampfjets vom Typ F-18 Super Hornet.

Ausland

Die israelischen Siedleraktivitäten im besetzten Westjordanland sind laut einem Bericht des UNO-Menschenrechtsbüros deutlich ausgeweitet worden. Die Aktivitäten deuteten auf koordinierte Aktionen und eine israelische Politik mit Massenvertreibungen hin, „was Befürchtungen einer ethnischen Säuberung aufkommen lässt“, hieß es gestern in dem Bericht.

Die unrechtmäßige Umsiedlung geschützter Personen stelle ein Kriegsverbrechen dar. Das Büro dokumentierte in den zwölf Monaten bis Ende Oktober 2025 insgesamt 1.732 Fälle von Siedlergewalt nach 1.400 Fällen in den zwölf Monaten davor. Der Bericht bezieht sich auf die Periode bis Oktober 2025, die Zeit danach erfasst er nicht.

Die palästinensischen Bewohnerinnen und Bewohner würden ständig schikaniert und eingeschüchtert, und ihre Häuser und Ackerland würden zerstört, berichtete Ajith Sunghay, Leiter des UNO-Menschenrechtsbüros für die besetzten palästinensischen Gebiete.

Israelische Behörden beteiligt

„Die Gewalt durch Siedler ging in koordinierter, strategischer und weitgehend unangefochtener Weise weiter“, so der Bericht. „Wobei die israelischen Behörden eine zentrale Rolle spielten, indem sie Anweisungen geben, sich beteiligen und dieses Verhalten ermöglichen.“ Viele Siedler würden vom Staat mit Waffen ausgestattet und trainiert.

Im Oktober 2025 habe es zu Beginn der Olivenernte 42 Übergriffe durch Siedler gegeben, 131 Palästinenserinnen und Palästinenser seien verletzt worden, so viele wie nie in einem Monat seit 2006. Allein im besetzten Ostjerusalem hätten israelische Behörden den Bau von fast 37.000 neuen Wohnungen und Häusern erlaubt, ebenso 27.200 im Rest des Westjordanlandes.

Die USA sind unter Präsident Donald Trump nun keine „liberale Demokratie“ mehr. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der Demokratiebericht 2025 des „Varieties of Democracy“-Instituts (V-Dem) der schwedischen Universität Göteborg, der gestern vorgestellt wurde. „Die Geschwindigkeit, mit der die amerikanische Demokratie derzeit demontiert wird, ist in der modernen Geschichte beispiellos“, heißt es.

Machtkonzentration der Trump-Regierung

Der Absturz der USA im Demokratieindex im Vergleich zum Vorjahr gründet vor allem auf Machtkonzentration bei der Regierung von US-Präsident Donald Trump, der gerne per Dekret regiert, auf Kosten der Kontrolle durch den Kongress.

Weiters werden die Umgehung von Gerichtsurteilen sowie die Einschränkungen der Bürgerrechte und der Medienfreiheit moniert. Das US-Wahlsystem wird hingegen als noch intakt bewertet.

„Dritte Welle der Autokratisierung“

Der Bericht stellt fest, dass auf weltweiter Ebene der Anteil der Demokratien unter den Staaten auf das Niveau von 1978 zurückgefallen sei. Der Bericht spricht von einer „dritten Welle der Autokratisierung“.

„Der Grad der Demokratie für den Durchschnittsbürger in Westeuropa und Nordamerika ist auf dem niedrigsten Stand seit über 50 Jahren, was in erster Linie auf die fortschreitende Autokratisierung in den USA zurückzuführen ist“, heißt es.

Ungarn insgesamt führend bei Verschlechterungen

Ungarn, das kurz vor einer Parlamentswahl steht, ist laut Bericht unter den autokratisch gewordenen Ländern weltweit „hinsichtlich des Gesamtumfangs der Verschlechterungen an erster Stelle“.

Bei der Definition einer liberalen Demokratie berücksichtigt das V-Dem-Institut schwerpunktmäßig den Schutz der Freiheitsrechte, die Kontrolle der Regierung durch Parlament und Gerichte, eine unabhängige Justiz und freie Wahlen.

Inland

Bei der geplanten Social-Media-Altersgrenze zeichnet sich eine Einigung der Regierung ab. Das Büro von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sowie Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) und NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter haben gestern einen entsprechenden Bericht der „Kronen Zeitung“ bestätigt.

Die genaue Altersgrenze sei noch in Verhandlung, hieß es seitens der SPÖ. Es gebe international unterschiedliche Ansätze, bis wann eine Altersbeschränkung geboten scheint.

Man verhandle aktuell noch, so Babler, der betonte, er sei „guter Dinge, zeitnah zu einem Ergebnis zu kommen“. Pröll betonte, es brauche eine nationale Lösung, da eine europäische Regelung nicht absehbar sei.

Klarnamenspflicht strittig

Umstritten sein dürfte unter anderem noch, ob eine Klarnamenspflicht kommt. Die ÖVP will diese, SPÖ und NEOS sind dagegen. Die EU arbeitet derzeit an einem eigenen, zweistufigen Verfahren der Authentifizierung. Darüber gebe es auch engen Austausch mit Brüssel, so Babler.

NEOS-Mediensprecherin Brandstötter begründete ihren Widerstand zur Klarnamenspflicht damit, Menschen in Österreich müssten sich online weiterhin kritisch über Autokraten in anderen Ländern äußern können, ohne danach Angst um sich oder ihre Familie haben zu müssen. Auch Homosexuelle, die sich nicht geoutet haben, müssten sich etwa anonym in Facebook-Gruppen zu dem Thema austauschen können, nannte sie ein weiteres Beispiel, warum eine Klarnamenspflicht aus ihrer Sicht problematisch ist.

Verknüpft mit Einigung auf Lehrplanreform?

Innerhalb der Koalition könnte die Einigung auf die Altersgrenze bei Social-Media mit einer Einigung bei der Oberstufen-Lehrplanreform (Stichwort: weniger Latein, mehr KI, Medien und Demokratie) verbunden werden, berichtete die APA.

„Jetzt endlich kommt offenbar Bewegung in die Sache“, freute sich Barbara Neßler, Jugend- und Familiensprecherin der Grünen, in einer Aussendung. Ein Antrag der Grünen dazu liege seit vergangenem April im Parlament. „Wir brauchen nicht nur eine Altersgrenze, sondern echte Aufklärung“, forderte sie zudem.

Als „Zensurhammer“ und „Frontalangriff auf die Meinungs- und Informationsfreiheit junger Menschen“ bezeichnete dagegen FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker die Vorhaben der Regierung. „Anstatt unsere Jugendlichen als freie, mündige Bürger heranwachsen zu lassen, wollen ÖVP, SPÖ und NEOS sie auf die Schiene ‚betreuten Denkens‘ trimmen“, kritisierte er.

Wirtschaft

Für Unternehmen soll ein Börsengang künftig leichter und schneller möglich werden. Um an der Börse zugelassen zu werden, muss eine Aktiengesellschaft (AG) bald nur noch ein Jahr etabliert sein und nur noch einen Jahresabschluss veröffentlichen.

Bisher waren es drei Jahre und drei Abschlüsse. Damit soll vor allem jungen Firmen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert werden.

Die Erleichterung ist Teil des „Listing Act“, der gestern den Finanzausschuss passiert hat. Die Novelle setzt EU-Recht in nationales Recht um, geändert werden müssen dafür das Börsegesetz, das Kapitalmarktgesetz, das Referenzwerte-Vollzugsgesetz und das Wertpapieraufsichtsgesetz, wie aus der Parlamentskorrespondenz hervorgeht.

Prospektpflicht ab zwölf Mio. Euro

Im Zuge der Neuerungen wird außerdem der Schwellenwert für ein Wertpapierprospekt auf ein Emissionsvolumen von zwölf Millionen Euro angehoben, bisher musste bereits ab fünf Millionen ein Prospekt veröffentlicht werden.

Weiters gibt es die Option für ein vereinfachtes Prospekt für Emissionsvolumen zwischen zwei und zwölf Millionen Euro. Der Mindeststreubesitz, die Quote, wie viele Aktien bei einem Börsengang frei verkauft und gekauft werden können, sinkt von 25 auf zehn Prozent. Bei Eigengeschäften von Führungskräften wird die Schwelle für die Meldepflicht von 5.000 Euro auf 20.000 Euro pro Kalenderjahr angehoben.

Paraguay hat das Mercosur-Abkommen mit der Europäischen Union als letztes Land der südamerikanischen Wirtschaftsorganisation ratifiziert. Die paraguayische Abgeordnetenkammer stimmte nun einstimmig für die Ratifizierung. Zuvor hatten bereits Brasilien, Argentinien und Uruguay das Handelsabkommen ratifiziert.

Das Handelsabkommen der EU mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Uruguay, Brasilien und Paraguay soll eine der weltweit größten Freihandelszonen schaffen und die meisten Zölle auf beiden Seiten beseitigen. Während die Europäer unter anderem Autos und chemische Produkte nach Südamerika exportieren, liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte Ende Februar angekündigt, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen und dafür nicht die laufende juristische Prüfung abzuwarten. Das Europäische Parlament hatte das Abkommen dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) für eine juristische Prüfung vorgelegt, die mehrere Monate dauern dürfte.

Medien

Der zurückgetretene Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann lässt eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien einbringen. Es bestehe rund um die Vorgänge, die zum Rücktritt Weißmanns als ORF-Generaldirektor führten, der Verdacht „strafrechtlich relevanten Verhaltens mehrerer involvierter Personen“, hieß es in einer Aussendung seines Anwalts. Gestern meldete sich auch die betroffene Mitarbeiterin zu Wort.

Auf APA-Nachfrage wollte Anwalt Norbert Wess „nicht vorpreschen“ und konkretisierte Anzahl der Personen und vermutete Tatbestände nicht. Die Anzeige solle aber in Bälde eingebracht werden. Zuvor hatte Weißmann Wess, der auch den früheren Immobilientycoon Rene Benko vertritt, mit der Prüfung der Causa beauftragt.

Weißmann bestreitet Vorwürfe

Konkret hatte sich Weißmann vor etwas mehr als einer Woche zurückgezogen, nachdem sich eine Mitarbeiterin mit Vorwürfen des Fehlverhaltens Weißmanns ihr gegenüber an den ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze gewandt und u. a. den Rücktritt Weißmanns gefordert hatte.

Daraufhin wurde Weißmann laut Lederer dazu aufgefordert, die vorgelegten Bilder, Tonaufnahmen und Nachrichten zu prüfen. Zum Rücktritt wollen die beiden Stiftungsräte ihn nicht gedrängt haben.

Weißmann sieht das anders und bestreitet die Vorwürfe. Er ließ am Freitag mitteilen, dass die Beziehung zu der Frau „in beidseitigem Interesse“ gewesen sei und er bis heute keinen Überblick über das der ORF-Stiftungsratsspitze vorgelegte Material habe. Auch sei er vom ORF – derzeit ist Weißmann beurlaubt – bisher nicht angehört und von Lederer zum Rücktritt gedrängt worden.

Mitarbeiterin: „Nie eine Affäre“

Nun meldete sich die betroffene ORF-Mitarbeiterin in einer Presseaussendung über ihre Rechtsvertretung zu Wort. Seit sie versuche, „die Angelegenheit rund um die Affäre Weißmann wirkungsvoll und diskret zu lösen“, werde sie diskreditiert. Dass Weißmann nun gerichtliche Schritte androhe, „empfinde ich als ein unangenehm durchsichtiges Ablenkungsmanöver“. Und: Es habe vor allem „nie eine Affäre“ gegeben. Es sei zu keinem Zeitpunkt zu einem intimen physischen Kontakt gekommen. „Dies bin ich bereit, unter Eid zu erklären.“

Nachdem die rechtliche Aufarbeitung Zeit in Anspruch nehmen werde „und ich bis dahin die Verbreitung weiterer Unwahrheiten vermeiden möchte sowie der Öffentlichkeit ein klares Bild des Geschehenen geben möchte, habe ich mich entschieden, mich unter Wahrung meiner Identitäts- und Persönlichkeitsrechte auch an die Öffentlichkeit zu wenden“, heißt es in der Aussendung.

Externe Firma soll bei Aufklärung helfen

Im ORF hat mittlerweile Ingrid Thurnher vorläufig die Geschäfte der ORF-Generaldirektorin übernommen. Sie kündigte „volle Transparenz“ an und sagte, dass es „keine Form des Machtmissbrauchs in diesem Unternehmen geben darf“.

Der ORF-Stiftungsrat empfahl Thurnher die Beiziehung einer externen Firma zur Unterstützung bei der Aufklärung und die Einrichtung einer Taskforce zu Führungskultur. Die Compliance-Stelle im ORF soll sich mit den Vorwürfen gegen Weißmann befassen.