Laut aktuellen Daten war der Tanker von Tienshan in China unterwegs nach Port Said in Ägypten und sollte dort nächsten Montag ankommen. Seit zwei Wochen gibt es aber kein Signal mehr von ihm. Um die Bergung des Schiffs will sich bisher offenbar niemand kümmern.
Malta bemüht sich nun um internationale Unterstützung, Außenminister Ian Borg wolle das Thema bei einem Treffen des Europäischen Rates ansprechen, hieß es am Dienstag. Malta ist Mitglied der EU und Euro-Zone. Laut Regierungschef Robert Abela befand sich der Tanker zuletzt rund 54 Seemeilen (etwa 100 Kilometer) von Malta entfernt und damit zwar nicht innerhalb der Territorialgewässer der Inselgruppe zwischen Sizilien und Nordafrika, aber innerhalb seiner SAR-Zone. „SAR“ steht für „Search and Rescue“, „Suchen und Retten“.
Explosionen an Bord
Zuletzt war das Schiff in Richtung der italienischen Insel Lampedusa getrieben, aus Italien hieß es dazu, es werde von der Marine und einem Schlepper eskortiert. Nun treibt es auf Malta zu, abhängig von Windrichtung und Meeresströmung. An Bord der 277 Meter langen und 73 Meter breiten „Arctic Metagaz“ war es am 2. März etwa 240 Kilometer vor der Küste Libyens bzw. der Hafenstadt Sirte zu mehreren Explosionen gekommen.
Das unter russischer Flagge fahrende Schiff geriet in Brand. Russland wirft der Ukraine vor, das Schiff mit einem unbemannten Drohnenboot angegriffen zu haben. Kiew äußerte sich nicht dazu. Die 30 Mann Besatzung an Bord seien gerettet worden, hieß.
Lage ist kritisch
Die Lage für das Schiff dürfte jedenfalls sehr kritisch sein. Die libysche Küstenwache hatte erst gemeldet, es sei gesunken, dann zeigten Bilder den Tanker mit über elf Metern Tiefgang mit erheblicher Schlagseite und deutlichen Spuren der Brände an Bord.
Maltas Regierungschef Abela erklärte, er habe die Angelegenheit auf Ebene der EuroMed9-Gruppe, einem Zusammenschluss von neun Mittelmeer- und südeuropäischen Ländern angesprochen. Außerdem habe er den Präsidenten des EU-Rates, Antonio Costa, sowie die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, kontaktiert.
Flüssiggas und 700 Tonnen Öl an Bord
Malta sei auf alle Eventualitäten vorbereitet, hieß es am Dienstag, und verfüge über einen Notfallplan. Kontakte mit russischen Behörden und der Betreibergesellschaft des Tankers hätten bisher aber keine Lösung gebracht. Die maltesischen Behörden warnten Fischer, einen Sicherheitsabstand von mindestens vier Seemeilen (rund 7,4 Kilometer) zu dem Schiff einzuhalten.
Der Tanker transportiert Flüssiggas (LNG) sowie rund 700 Tonnen Treibstoff – Schweröl und Diesel. Das letzte Signal des Schiffs wurde am 2. März gesendet. Seither treibt es als „Geisterschiff“ im zentralen Mittelmeer. Laut verfügbaren Daten wurde der Tanker 2003 gebaut und fuhr bisher unter den Flaggen Norwegens, Singapurs, Liberias, Palaus und schließlich der Russlands.
Italien hat den maltesischen Behörden inzwischen Unterstützung angeboten. Es sollen etwa Techniker sowie verschiedene Einsatzboote, auch solche zur Eindämmung möglicher Umweltschäden, nach Malta entsendet werden, sagte der italienische Staatssekretär Alfredo Mantovano im Interview mit dem Radiosender „Radio 24“ am Montag.
Moskau sieht sich nicht als erster Verantwortlicher
Russland sieht sich nicht mehr für den Tanker verantwortlich und forderte die Mittelmeer-Staaten auf, eine mögliche Umweltkatastrophe zu verhindern und berief sich dabei auf die „auf die derzeitige Lage anwendbaren internationalen Rechtsnormen“, wie die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, zuletzt erklärte.
Gleichzeitig betonte sie, Russland nehme seine Verantwortung als Flaggennation wahr und behalte die Lage unter Kontrolle, indem die Regierung den Kontakt zum Schiffseigentümer und den verantwortlichen Behörden der Anrainerstaaten halte. Moskau behalte sich weitere rechtliche Schritte vor, sobald die juristische Einschätzung des Vorfalls durch die eigenen Sicherheitsbehörden abgeschlossen sei.
Mutmaßliches Schiff der „Schattenflotte“
Als die Besatzung das Schiff verließ, befanden sich laut Sacharowa 450 Tonnen Schweröl und 250 Tonnen Diesel „sowie eine erhebliche Menge Erdgas“ in den Tanks.
Die „Arctic Metagaz“ steht auf Sanktionslisten der EU und der USA, beide rechnen das Schiff der mutmaßlichen russischen „Schattenflotte“ zur Umgehung der Handelssanktionen infolge des Kriegs gegen die Ukraine. Laut Angaben aus Moskau kam der Tanker mit allen gültigen Papieren und gemäß internationaler Regeln aus dem russischen Hafen Murmansk.