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Donnerstag, 14. Dezember 2017

DELIKATER DREIER MIT BLUNZE ...

Blunze ess ich für mein Leben gern. Immer schon. Auch als Kind konnte man mich nicht abschrecken, wenn man mir erklärte, dass Blunzn Würste aus Schweineblut sind. Und Erdäpfel liebe ich auch. Genauso wie Grammeln. Meine Liebe zu Grammeln ist allerdings jüngeren Datums. Als Kind nahm ich meiner Mutter noch das Versprechen ab, Grammeln nie wieder essen zu müssen – dann noch eher Eiernockerl (die mag ich allerdings heute noch immer nicht) …

Krapferl, die aus einer Mischung von Blunze, Erdapfel und Grammel bestehen: da könnt ich mich reinlegen. Das Rezept ist für zwei Personen als Hauptmahlzeit gedacht, ich hätte aber durchaus noch das eine oder andere zusätzliche Krapferl vertragen. Gottseidank gab’s dazu auch noch Sauerkrautsulz, sonst wär die arme Küchenschabe womöglich verhungert …

Blunznkrapferl mit Sauerkrautsulz 
für 2 Personen

100 g Blunze (Blutwurst)
60 g Grammeln
1 EL neutrales Pflanzenöl
250 g festes Erdäpfelpüree
2 Eidotter
1 TL gehackter Majoran

250 g Sauerkraut
4 Wacholderbeeren
1 Lorbeerblatt
1 Prise Zucker
1 Zwiebel, in Streifen geschnitten
1 Knoblauchzehe, gehackt
125 ml Weißwein (K: Grüner Veltliner)
500 ml Hühnersuppe
Salz, Pfeffer
4 Blatt Gelatine
Öl

Sauerkraut mit Wacholder, Lorbeer, Zucker, Zwiebel, Knoblauch, Weißwein und Suppe in einen Topf geben und etwa eine halbe Stunde bei kleiner Hitze dünsten. Vom Herd nehmen und abschmecken. In einem Sieb abtropfen lassen und den Fonds auffangen. Durch ein Sieb leeren und den Fonds auffangen. Das Kraut abtropfen lassen. Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Ausdrücken und im noch warmen Fonds auflösen. Vier kleine Förmchen mit Öl ausstreichen. Das Sauerkraut hineinfüllen. Mit Fonds auffüllen und im Kühlschrank in zwei bis drei Stunden fest werden lassen.

Das Backrohr auf 220 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Blunze schälen und in kleine Würferl schneiden. Die Grammeln hacken. Öl in einer Pfanne erhitzen. Blunze und Grammeln darin anrösten. Salzen und pfeffern. Mit Majoran würzen. Etwas auskühlen lassen. In eine Schüssel geben und mit dem Erdäpfelpüree mischen. Die Eidotter unterrühren. Vorsichtig kleine Krapferl formen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen und die Krapferl drauflegen. Etwa acht bis zehn Minuten backen. Die Sauerkrautsulz auf einen Teller stürzen und mit den Krapferln servieren.

Ich hab gerade die Krapferl auf einem Foto nachgezählt: Es waren zehn Stück - aber schon eher klein. Das heißt, fünf für den Mitkoch und fünf für mich. Und ich hätte wirklich noch mehr vertragen ...


Donnerstag, 8. Juni 2017

KIRSCHEN UND EIN NEUANFANG


Endlich beginnt die Kirschensaison. Ich mag Kirschen unheimlich gerne. In meinen Rezepten schlägt sich das nicht so nieder, wie ich beim Durchsuchen meines Archivs bemerke. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass ich sie am liebsten pur, ohne jeden Schnickschnack, esse. Beim folgenden Rezept aus dem Nopi-Kochbuch mache ich eine Ausnahme, weil darin zwei weitere Zutaten vorkommen, die ich sehr gerne mag, nämlich Speck und Hühnerleber.

Übrigens: der Grund warum hier noch weniger los ist als in den letzten Wochen ist der, dass wir in Kürze in die Stadt übersiedeln. Es ist also – wie sich jeder vorstellen kann, derzeit etwas chaotisch. Immerhin habe ich jahrelang sehr emsig unser Haus mit ziemlich viel nötigem und weniger nötigem Zeugs befüllt – und das rächt sich jetzt! Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den Neuanfang, auf das Stadtleben und das Kochen in einer neuen Küche.

Hühnerleber in Rotweinjus mit Kirschen und Speck
für 2 Personen

300 g Hühnerlebern,  zugeputzt
200 g Bauchspeck in zentimetergroße Würferl geschnitten
20 g Butter
1 Bund Petersilie, gehackt

für die Rotweinjus:
2 EL Butterschmalz
2 kleine rote Zwiebeln, in Halbkreise geschnitten
frische Thymianblättchen
1 kleine Knoblauchzehe, geschält und flachgedrückt
1 Lorbeerblatt
einige schwarze Pfefferkörner (K: Kampot)
1 EL Zucker
150 ml Rotwein
300 ml Rindsuppe

für die Kirschen:
100 ml Rotwein
70 ml Rotweinessig
40 g Zucker
300 g Kirschen (entsteint gewogen)

Eine Pfanne erhitzen. Wenn sie heiß ist, die Speckwürferl hineingeben und geduldig das Fett auslassen (nicht zu heiß, sonst verbrennen sie!). Das dauert etwa eine Viertelstunde. Dann die Speckwürferl auf Küchenpapier entfetten, das Fett in der Pfanne lassen und die Pfanne beiseite stellen.

Für die Rotweinjus das Butterschmalz bei mittlerer Hitze zerlassen. Die Zwiebeln darin mit etwas Salz rund fünf Minuten anschwitzen. Thymian, Knoblauch, Lorbeer, Pfefferkörner und Zucker dazugeben und kurz mitbraten, bis der Zucker etwas karamellisiert ist. Jetzt den Rotwein zugießen und auf die Hälfte einkochen. Die Suppe zufügen und alles etwa 20 Minuten köcheln lassen. Es sollte etwa 100 Milliliter Flüssigkeit übrig bleiben. Diese durch ein Sieb gießen und beiseite stellen.

Während die Jus einkocht, in einem Topf Rotwein, Rotweinessig und Zucker einkochen, es sollte etwa 50 Milliliter Flüssigkeit übrig bleiben. Die Kirschen zufügen, etwa zwei bis drei Minuten weiter köcheln, dann vom Herd nehmen.

Die Pfanne mit dem ausgelassenen Speckfett erhitzen. Die Hühnerlebern salzen und pfeffern und in etwa drei Minuten braten, dabei wenden. Die Speckwürferl, die Rotweinjus, die Kirschen und die Butter zufügen und unter vorsichtigem Rühren einige Minuten erhitzen. Petersilie unterrühren und mit frischem Baguette und einem Glas Rotwein servieren.

Pria, die Nachbarkatze, kommt gerne auf ein Schläfchen und eine Jause vorbei






Mittwoch, 9. März 2016

WEICHHERZIG


Innereien waren in meiner Kindheit etwas ganz Normales. Sie waren nicht teuer und kamen daher relativ oft auf den Tisch. Ich liebte gebratene und saure Leber, Beuschel und Zunge. Beim Beuschel fischte ich mir immer die Herzstückchen raus, weil ich ihre Konsistenz so gerne mochte.
Trotzdem gibt es Innereien bei uns eher selten - einfach weil sie gar nicht mehr so einfach zu kriegen sind. Als mir die Fleischhauerin daher beim letzten Einkauf frisches Kalbsherz anbot, schlug ich sofort zu. Ich wusste genau, wie ich es machen wollte: in Wurzelrahmsauce, dazu flaumigen Serviettenknödel, für den immer der Mitkoch verantwortlich ist.

Kalbsherz in Wurzelrahmsauce mit Serviettenknödel
für 4 Personen

1 kg Kalbsherz (das waren in diesem Fall 2 Stück)
1 Karotte
1 gelbe Rübe
1/4 Sellerieknolle
1 Petersilwurzel
1 TL Tomatenmark
einige Pfefferkörner
1 Zwiebel
250 ml Weißwein (K: Riesling)
750 ml Rindsuppe
125 ml Sauerrahm, glatt gerührt
Zesten von 1/2 Bio-Zitrone
1 EL Senf
1 Lorbeerblatt
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft
2 EL Petersilie, grob gehackt
Butterschmalz

Wurzelgemüse:
1 Karotte
1 gelbe Rübe
1/4 Sellerieknolle
1 Petersilwurzel
Butter
100 g Bauchspeck, in kleine Würferl geschnitten

Serviettenknödel:
250 g Knödelbrot
1 große Zwiebel, fein gehackt
4 Eier, in Dotter und Klar getrennt
Butter
Salz
etwas Muskatnuss, frisch gerieben
ca. 1/4 Liter Milch
zerlassene Butter



Backrohr auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Das Kalbsherz zuputzen, Fett und Sehnen wegschneiden und das Herz waschen. In grobe Stücke teilen, salzen und pfeffern. In einem großen Bräter in heißem Butterschmalz rundherum kräftig anbraten. Rausfischen, auf einen Teller legen und beiseite stellen. Speckwürferl im selben Bräter knusprig braten. Auf Küchenpapier entfetten (die kommen später ins Wurzelgemüse). Karotte, gelbe Rübe, Zwiebel, Petersilwurzel und 1/4 Sellerieknolle in grobe Stücke schneiden. Noch etwas Butterschmalz in den Bräter geben und das grob geschnittene Gemüse kräftig durchrösten. Tomatenmark und Senf zufügen und kurz mitbraten. Mit Weißwein aufgießen. Lorbeerblatt, Pfefferkörner, Zitronenzesten und die angebratenen Herzstücke zugeben, mit Suppe aufgießen. Zudecken und für eine Stunde ins Backrohr geben. Nach dieser Stunde den Deckel abnehmen und eine weitere Stunde dünsten.

Eine Stunde vor Ende der Gartzeit für den Serviettenknödel die Zwiebel in etwas Butter goldgelb anschwitzen. Gemeinsam mit dem Knödelbrot, den Dottern, der Milch und den Gewürzen in einer Schüssel verrühren. Mindestens 20 Minuten rasten lassen, bis  das Knödelbrot sämtliche Flüssigkeit aufgenommen hat. Das Eiweiß zu  steifem Schnee schlagen. Ein Drittel davon unter die Knödelmasse rühren. Den Rest vorsichtig unterheben. Ein frisches Geschirrtuch zu zwei Dritteln mit zerlassener Butter bestreichen, dann die Knödelmasse darauf zu einer rund zehn Zentimeter dicken Wurst formen.
Das Tuch vorsichtig einschlagen und mit Spagat wie ein Packerl verschnüren. Zugedeckt ca. 40 Minuten auf kleiner Flamme köcheln. Vorsichtig aus dem Geschirrtuch lösen und in fingerdicken Scheiben schneiden.

Während der Knödel kocht, die Karotte, die gelbe Rübe, die Petersilwurzel und die Sellerieknolle für das Wurzelgemüse in ganz feine Streifen schneiden. In etwas Butter bissfest braten, die Speckwürferl zufügen.

Die weichgebratenen Herzstücke aus dem Bräter heben. Die Sauce mit dem Sauerrahm verrühren, mit dem Stabmixer pürieren (vorher das Lorbeerblatt rausfischen!), die Petersilie unterrühren und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Die Herzstücke in dünne Scheiben schneiden und mit Serviettenknödel, der Sauce und dem Wurzelgemüse auf einem Teller anrichten. Alles passte fein zusammen: knackiges Gemüse, sämige Sauce, flaumiger Knödel und dazu das zarte Herz - dessen Konsistenz genauso gut war, wie ich es in Erinnerung habe ...


Dienstag, 31. Dezember 2013

BLUNZN - GERÄUCHERT UND PANIERT

Es wird wahrscheinlich fad, wenn ich schon wieder vom Hoblhof (dort wo die glücklichen Schweine wohnen) und den wunderbaren Produkten der Familie Hobl schwärme. Aber einmal muss ich noch: Kurz vor Weihnachten waren wir wieder mal dort, und neben einem riesigen Schweinsbauch wanderten unter anderem auch zwei geräucherte Blutwürste ins Einkaufskörberl.

So recht wusste ich nicht, was damit anfangen, aber haben musste ich sie. "Die könnt ihr gleich so zur Jausn essen, die ist schon fertig", war zwar ein gutes Verkaufsargument, aber zur Jause aßen wir dann den feinen Speck und die Würscht waren immer noch im Kühlschrank. Doch wenn frische Blunzen gut schmeckt, dann muss geräucherte Blunzen noch viel besser sein, oder? Zumindest, wenn man wie wir auf Geräuchertes steht.

Und weil wir Österreicher alles sehr gerne panieren, gab es panierte Blutwurstradln mit einem flaumigen Kartoffelpüree (die Spezialität des Mitkochs, diesmal kam zusätzlich noch ein kleiner Kohlrabi rein, weil er gerade da war), und ein paar knusprigen Zwiebelringerln obendrauf - ein Gedicht!



Panierte geräucherte Blunzen, Erdäpfel-Kohlrabi-Püree, knusprige Zwiebelringerl
für 2 Personen

2 geräucherte Blutwürste
zum Panieren:
Mehl, Weißbrotbrösel und 2 Eier, verschlagen, ganz leicht gesalzen
Butterschmalz

Püree:
500 g mehlige Erdäpfel
1 kleiner Kohlrabi
Milch
Butter
Salz
Muskat

1 Zwiebel
Mehl
Butterschmalz


Die Blutwürste häuten und in etwa eineinhalb Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Mit Mehl,  Eiern und Bröseln panieren. Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Blunzenradln auf jeder Seite goldbraun braten.

Nein, wir haben nicht alle gegessen, aber die meisten ...
Für das Erdäpfelpüree die Erdäpfel schälen, klein schneiden und in Salzwasser zugedeckt weich kochen. Den Kohlrabi schälen und in Würferl schneiden. In einem zweiten Topf weich kochen (er hat eine andere Garzeit als die Erdäpfel). Das Wasser abgießen. Mit einem Erdäpfelstampfer beides pürieren - keinesfalls mit einem Pürierstab oder Mixer, weil sonst eine Masse entsteht, mit der man Tapeten an die Wand kleben kann. Mit den restlichen Zutaten sämig rühren und mit Salz und Muskat abschmecken.

Die Zwiebel in feine Ringerl schneiden. Bemehlen. Butterschmalz in einem Topf erhitzen und die Zwiebelringerl knusprig braun braten. Auf Küchenpapier entfetten.

Wir haben fast alle Blunzenradln verputzt, die paar, die übrig blieben, schmeckten kalt ausgezeichnet.

BTW: Mit dieser Delikatesse vom Schwein wünsche ich Euch allen ein glückliches Jahr 2014!

Noch ein Blunzen-Rezept bei der Schabe:
Blutwurst-Tarte mit Äpfeln, Speck und Erdäpfeln (und Creme fraiche und Senf)

Sonntag, 29. Dezember 2013

WIE VOM CHOCOLATIER ...

Sieht aber nur so aus - ist gar nichts Süßes. Ist ein kleiner Gruß aus der Küche, der den Auftakt zu unserem Weihnachtsmenü bildete. Ich hab das Foto vor einiger Zeit bei Christian am Blog gesehen und sofort gewusst, dass das die Familie probieren muss. Ich hatte von der letzten Biohendllieferung die Hühnerlebern eingefroren - außerdem gefiel mir die Idee sehr gut, ein Kügelchen zu servieren, das aussieht, als käme es direkt vom Chocolatier ...

Hühnerleberpraline im Walnussmantel mit Birnen-Ingwer-Chutney
für 6 Personen

Leber von 3 Bio-Hendln
2 Schalotten
abgeriebene Schale einer unbehandelten Orange
50 ml Schlagobers
etwa 50 g Walnüsse, grob gehackt
4 cl Cognac
Butter
Salz, Pfeffer

3 Birnen, reif und süßlich
1/2 TL Chiliflocken
4 EL Majoranessig (K: im Herbst selbst angesetzt)
1 Schalotte, fein gehackt
1 EL geriebener Ingwer
Saft einer halben Zitrone
8 EL Zucker
1 Prise Salz



Die Hühnerleber sauber putzen und in kleine Stücke schneiden. Die Schalotten fein hacken und in Butter glasig dünsten. Die Leberstückchen zufügen und einige Minuten braten. Mit Cognac ablöschen, abkühlen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Orangenabrieb abschmecken. Gemeinsam mit Schlagobers fein cuttern. Dann durch ein Sieb streichen. Die feine Paste im Kühlschrank einige Stunden fest werden lassen.

Für das Chutney den Zucker in einer Pfanne karamellisieren. Die Schalotte zufügen, kurz darauf mit Essig ablöschen. Birnen schälen, vierteln, Kerngehäuse entfernen, dann in dünne Streifen schneiden. Zusammen mit Ingwer und Zitronensaft zum Zucker geben. Köcheln, bis sich der Zucker wieder ganz aufgelöst hat. Mit Zitrone und Salz abschmecken. Abkühlen lassen. Von der erkalteten Lebermischung kleine Portionen abstechen und mit feuchten Händen schnell kleine Kugerl wutzeln. In den gehackten Walnüssen wälzen und auf dem Birnenchutney anrichten. Dazu gab's Grissini.

Ganz wunderbar als Gruß aus der Küche- auch wenn dieser Gruß eine gewisse Gefahr in sich birgt. Recht viel besser kann das, was danach kommt, nicht mehr werden ...






Montag, 12. November 2012

ZU LASTEN DER EICHHÖRNCHEN

Eine Sauce von der ich jetzt - nach ein paar Tagen - noch schwärme, mit ganz vielen Walnüssen und Kapern. Ihr süßsaurer, nussiger Geschmack passt perfekt zur zarten Kalbszunge - dazu ein flaumiges Erdäpfelpüree, das der Mitkoch wie immer perfekt zubereitet.

Heuer hab ich mal wirklich fleißig Walnüsse gesammelt und im Haus auf Zeitungspapier zum Trocknen aufgelegt. Der Mitkoch und ich sind nämlich übereingekommen, die Arbeit auf uns zu nehmen und Nüsse zu knacken. Mit einem Glas Wein dazu bei Tisch sitzen hat durchaus gemütlichen Charakter. Aber das geht natürlich zu Lasten der Eichhörnchen, die in den letzten Jahren die Profiteure davon waren, dass ich einfach zu faul zum Nüssesammeln war ...

Kalbszunge mit süßsaurer Walnuss-Kapern-Sauce und Erdäpfelpüree

1 Kalbszunge (ca. 500 g)
1/2 Stück Knollensellerie, geputzt und in Stückchen geschnitten
2 gelbe Rüben, geputzt und in Stückchen geschnitten
1 Zwiebel
2 Lorbeerblätter
einige Pfefferkörner
Salz

Walnusspaste:
250 g geschälte Walnüsse
1 Knoblauchzehe
Olivenöl

Süßsaure Sauce:
5 EL Weißweinessig
70 g feiner Zucker
100 g Salzkapern, gut gespült
100 ml bestes Olivenöl

2 EL Walnusspaste
2 - 4 EL Weißweinessig
4 - 6  EL bestes Olivenöl
Salz

3 große mehlige Erdäpfel
150 ml Milch
150 g Butter
Salz
Muskatnuss

Die Kalbszunge rechtzeitig beim Fleischhauer vorbestellen! Kalbsfilet bekommt man in jeder Fleischhauerei jederzeit - wenn man Innereien haben will, muss man die vorbestellen, weil sich immer weniger Menschen dafür interessieren!

Kalbszunge in einen Topf mit heißem Wasser, dem Gemüse und den Gewürzen geben und mindestens zwei Stunden in der Suppe kochen, bis die Zunge weich ist. Überkühlen lassen, die Haut abziehen. In Scheiben schneiden und in der Suppe warm halten.


Die geschälten Walnüsse im vorgeheizten Backrohr bei 170 Grad ungefähr acht Minuten rösten. Noch warm in ein Geschirrtuch geben und und so gut wie möglich abrubbeln. Die Nüsse im Mörser mit Olivenöl und Knoblauch zu einer Paste verarbeiten (man kann sie auch cuttern, die Version mit dem Mörser hab ich aufgegeben, als ich einen Krampf im Arm hatte). Für dieses Rezept braucht man zwei Esslöffel der Paste, der Rest wird für eine Spaghettisauce eingefroren.

Für die süßsaure Sauce Zucker und Weißweinessig aufkochen und zu einem klaren Sirup einkochen. Die Kapern kleinhacken und nach und nach in den Sirup geben. Langsam das Olivenöl einrinnen lassen, die Temperatur reduzieren und ungefähr 20 Minuten sanft wärmen (nicht kochen!). Vom Herd nehmen, vorsichtig Walnusspaste, Weißweinessig und Olivenöl einrühren (die Sauce wird dadurch heller). Die richtige Menge an Essig und Öl muss man durch Abschmecken ermitteln. Zum Schluss etwas salzen und bis zum Servieren warm halten.

Die Erdäpfel schälen, in Stücke schneiden und in Salzwasser ganz weich kochen. Wasser abgießen. Erdäpfel mit Milch bei kleiner Hitze wieder auf den Herd stellen, Butter zufügen und mit dem Erdäpfelstampfer (kein Mixer!) zu Püree verarbeiten, mit Salz und Muskatnuss abschmecken.

Zum Servieren die Zungenscheiben mit Erdäpfelpüree, Walnuss-Kapern-Sauce, kleingeschnittenem Sellerie und gelben Rüben servieren.
Die Walnuss-Kapern-Sauce hab ich im Locatelli gefunden, er serviert sie zu Fisch.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

LEBERKNÖDEL AUF RETRO

Leberknödel. Die einen schüttelt es schon beim Wort allein, die anderen essen sie mit Begeisterung. Küchenschabe und Mitkoch gehören seit ihrer Kindheit zu zweiteren. Aber der Menüversion meiner Oma kann der Mitkoch nichts abgewinnen. Bei Oma gab es Leberknödel, die in meiner Erinnerung ziemlich riesig waren - vielleicht war ich aber nur so klein und die Knödel gar nicht so groß. Und zwar in einer überaus schmackhaften Rindsuppe. So weit, so gut. So isst sie auch der Mitkoch.

Aber dann scheiden sich die Geister. Oma gab nämlich in den fast leergelöffelten Teller einen großen Klacks Erdäpfelsalat, den man dann mit dem restlichen (oder einem zweiten) Leberknödel verputzte. Und das geht für den Mitkoch gar nicht!
Im selben Teller Suppe und dann Erdäpfelsalat zu servieren findet er igitt. Ich eben nicht. Also habe ich mir den Leberknödel auf Oma-Art serviert, der Mitkoch bekam ein Extra-Schüsserl mit dem Salat. Er musste zumindest zugeben, dass Leberknödel nicht nur mit Suppe, sondern auch mit dem Salat sehr gut schmeckt. Und ich hab mich riesig gefreut, wieder mal den Geschmack meiner Kindheit zu genießen ...

Welche Leber in den Kindheits-Knödeln verwendet wurde, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wollte sich damals niemand Kalbsleber leisten, also tippen wir auf Rindsleber. Bei meinem Rezept habe ich Kalb und Rind im Verhältnis 1:1 verwendet. Die Menge ist reichlich bemessen, ich habe mehr als die Hälfte davon eingefroren.

Leberknödel
(20 Stück)

400 g Kalbsleber
400 g Rindsleber
50 g Bauchspeck
3 alte Semmerl, in Milch eingeweicht
1 große Zwiebel, fein gehackt
Butterschmalz
1 Bund Petersilie, gehackt
einige Zweige Majoran, abgerebelt und gehackt
200 g Semmelbrösel
4 Eier
Salz, Pfeffer, Muskat
3 Knoblauchzehen, sehr fein gehackt

Die Leber putzen und zusammen mit dem Bauchspeck faschieren. Die eingeweichten Semmerl gut ausdrücken. Die Zwiebel in Butterschmalz leicht anrösten. Alle Zutaten gut miteinander vermischen und abschmecken (Ja, es nützt nichts, man muss das Gemisch mit der rohen Leber kosten). Eine halbe Stunde rasten lassen.

Aus der Masse mit nassen Händen kleine Knödel formen. In kochendes Salzwasser einlegen und acht bis zehn Minuten leicht wallend kochen, dann den Topf vom Herd nehmen und die Knödel noch fünf Minuten ziehen lassen. In heißer Rindsuppe und dann mit Erdäpfelsalat servieren.





Montag, 30. April 2012

ST. GEORGS-TAG

St. George´s Day: 23. April. In England traditionellerweise der Beginn der Pilzsaison. Wir in Österreich hinken da ein bisschen nach. Gestern habe ich die ersten Pilze gepflückt. Im Garten! Nein, keine Morcheln die auf Rindenmulch wachsen und nach gar nix schmecken. Sondern Mairitterlinge, auch St. Georgsritterlinge genannt. Carluccio bezeichnet sie als ausgesprochen wohlschmeckend.



Vor einigen Jahren habe ich im Frühling diese Pilze unter dicht wachsendem Immergrün entdeckt. Der Mitkoch sprach: "Mairitterling" (mit einer ganz kleinen Option auf den giftigen Riesen-Rötling). Ich war skeptisch, hatte aber dann doch genug Vertrauen in meinen Pilzspezialisten, um sie zu probieren. Da wir die Mahlzeit damals unbeschadet überstanden haben, sind wir sicher, dass es Mairitterling ist.

Rund um den Pilz gruppieren sich Rehleber (schwer zu bekommen, ein Segen, wenn der Freund Tierarzt und Jäger ist), ein schnelles Rosmarin-Olivenöl-Brot und Aroniagelee. Das Rehleber-Rezept stammt von den Gebrüdern Obauer (Die verwenden allerdings Kalbsleber. Da Rehleber einen sehr intensiven Lebergeschmack hat, würde ich all jenen, die das nicht so schätzen, auch eher Kalbsleber empfehlen). Zum Brot hat mich ein Rezept aus einer Tageszeitung inspiriert.

Rehleber, gebratene Mairitterlinge, Rosmarin-Olivenöl-Brot, Aroniagelee

1 Stück Rehleber (enthäutet und zugeputzt)
Erdnussöl
grobes Meersalz

Die Rehleber rundherum gleichmäßig mit Meersalz einreiben und im Kühlschrank über Nacht rasten lassen. Das Salz gart die Leber sozusagen. Am nächsten Tag das Salz gründlich abwaschen und die Leber in viel kaltem Wasser noch 20 Minuten liegen lassen. Trockentupfen. In einen eng passenden Topf  geben und mit Erdnussöl bedecken. Zehn Minuten leicht köcheln lassen, bis sie sich auf Fingerdruck fest anfühlt. Im Öl erkalten lassen (Gekühlt könnte die Leber so mindestens eine Woche aufbewahrt werden). Die auf Zimmertemperatur abgekühlte Leber aus dem Öl heben und in dünne Scheiben schneiden.



gebratene Mairitterlinge

eine Handvoll frische Pilze
Butter
Meersalz (Küchenschabe: Maldon)

Die Pilze putzen und halbieren oder vierteln. Butter in einer Pfanne zerlassen und die Pilze bei mittlerer Hitze bräunen. Erst am Teller mit Meersalz bestreuen.

Rosmarin-Olivenöl-Brot

800 g Weizenmehl, Typ 00
475 ml lauwarmes Wasser
6 EL Olivenöl
1 EL Salz
1 TL Zucker
1 Pkg. frischer Germ

50 ml Olivenöl
1 Handvoll Bio-Rosmarin*
1 TL Salz



Germ ins lauwarme Wasser bröseln,  Zucker, Salz und sechs Esslöffel Olivenöl unterrühren. Gut verrühren. Mit dem Mehl schnell zu einem Teig verkneten. Nicht rasten lassen! Eine Auflaufform einfetten. Den Teig ungefähr einen Zentimeter dick und so breit wie die Auflaufform ausrollen. Olivenöl, Salz und Rosmarin in einem Schüsserl verrühren. Teig damit gleichmäßig bestreichen. In Rechtecke schneiden, die in etwa so hoch wie die Form sind und senkrecht in die Form schichten. Im vorgeheizten Backrohr bei 190 Grad - mit Alufolie zugedeckt - ungefähr 70 Minuten backen. Die letzten 20 Minuten die Folie entfernen. Noch im heißen Zustand stürzen, wieder umdrehen und auskühlen lassen. Brotscheiben bei Tisch einfach runterzupfen.

*Der verwendete Rosmarin ist ein wild gewachsener, also mit Sicherheit bio. Er kommt aus einer wunderschönen Mittelmeer-Gegend, wurde vom Mitkoch und von der Küchenschabe in der Abenddämmerung bei einem Spaziergang gesammelt, gewaschen, auf der Terrasse des Hotelzimmers getrocknet, und frisch abgerebelt nach Hause verfrachtet:






Montag, 23. Januar 2012

LEBERSCHÄDL MIT KNUSPRIGEM ERDÄPFELPÜREE



Ein Ur-Mühlviertler Essen, an dem man die Qualität eines Wirthauses erkennen kann. Ist der Leberschädl gut, kann man dort auch alles andere essen. Leider werden die Wirtshäuser, in denen man Leberschädl überhaupt bekommt, immer weniger. Traditionell gibt es als Beilage Erdäpfelpüree und Sauerkraut. Ich hab als Kind immer Erdäpfelsalat zum Leberschädl gegessen, und mag den auch am liebsten dazu. Der Mitkoch will allerdings die traditionellen Beilagen. Als kleines Zugeständnis darf ich am Püree ein bisschen experimentieren. Ich habe drei Erdäpfelpuffer gebraten, die knusprigen Fladen dann zerkleinert und ganz kurz vor dem Servieren unter das Püree gemischt: knuspriges Erdäpfelpüree also.

Leberschädl
für mindestens 6 Personen

1 kg fetteres Schweinefleisch (Bauch und Schulter)
500 g Schweinsleber
3 Semmeln vom Vortag, in ca. 1/4 l Milch eingeweicht
3 große gelbe Zwiebeln
neutrales Pflanzenöl
1 großer Bund Petersilie
Majoran
Salz
Pfeffer
1 Schweinsnetz, gewässert

600 g mehlige Erdäpfel
Milch
Butter
Salz
Muskat



Schweinefleisch und Leber zuputzen. Die Zwiebeln in Ringe schneiden. In heißem Pflanzenöl ungefähr 15 Minuten durchrösten. Die Semmeln etwas ausdrücken. Petersilie abzupfen und grob hacken. Das Fleisch, die Leber, Zwiebeln, Petersilie und die Semmeln fein faschieren. In einer großen Schüssel  mit Majoran, Salz und Pfeffer gut durchkneten und abschmecken. Eine rechteckige Bratform etwas einfetten. Mit dem Schweinsnetz auslegen und ausreichend Netz über den Rand der Form hängen lassen, damit dann auch die Oberfläche bedeckt werden kann. Die faschierte Masse einfüllen und mit dem restlichen Netz zudecken. Im vorgeheizten Backrohr bei 160 Grad Ober-/Unterhitze ungefähr 75 Minuten braten.



Für das Erdäpfelpüree alle bis auf einen Erdapfel schälen und in Salzwasser zugedeckt weich kochen. Das Wasser abgießen. Mit einem Erdäpfelstampfer passieren - keinesfalls mit einem Pürierstab oder Mixer, weil sonst eine Masse entsteht, mit der man nur noch Tapeten an die Wand kleben kann. Mit den restlichen Zutaten sämig rühren und mit Salz und Muskat abschmecken.

Den übrigen, rohen Erdapfel raffeln und ausdrücken. Salzen. In heißem Öl zwei oder drei Erdäpfelpuffer braten, auf Küchenpapier etwas entfetten und auskühlen lassen. In kleine Stückchen brechen. Erst ganz knapp vor dem Servieren unter das Püree mischen, sonst verlieren sie die Knusprigkeit. Mit Sauerkraut servieren. Dazu geht nur ein kühles Bier, vorzugsweise ein Freistädter Bio Zwickl.

Freitag, 6. Januar 2012

LEBER LIEBER ZART



Ellja erzählt, dass sie in Venedig war und ich denke sofort an venezianische Leber. Ich liebe Venedig. Und ich liebe Leber. Zart gebraten, ganz weich, innen noch rosa sollte sie sein. Mit süßen Zwiebeln und Polenta. In den venezianischen Lokalen war sie oft durchgebraten und eher ein Fall für gute Zähne. Und daneben lag dann ein geschmackloses Stückchen angebratene Polenta.  Trotzdem probiere ich es im Urlaub immer wieder, weil ich Leber eben sehr gerne esse.
Inzwischen schaffe ich es selbst, eine gute Fegato alla veneziana zu kochen. Was gar nicht so schwierig ist, wenn man einige Dinge beachtet. Die Leberstückchen müssen trockengetupft werden, sonst werden sie bitter. Sie werden ganz heiß und nur sehr kurz gebraten, dann deckt man sie zu und lässt sie rasten, bis die Sauce fertig ist. Jetzt sind sie innen noch rosa und zart. Zusätzlich lege ich die Kalbsleber vor dem Braten einen Tag in Milch ein, was sie noch zarter macht.

Fegato alla veneziana
für zwei Personen

500 g Kalbsleber
Milch
500 g rote Zwiebeln, in feine Ringe geschnitten
80 g Butter
Suppe
trockener Weißwein
Salz
Pfeffer
Balsamico-Essig (Küchenchabe: Midolini)

Die Leber einen Tag vor der Zubereitung von der Haut befreien, putzen und in Stücke von vier mal einen Zentimeter Größe schneiden. In Milch einlegen. Am nächsten Tag aus der Milch heben und mit Küchenpapier sorgfältig trockentupfen. Die Hälfte der Butter in einem Topf schmelzen, wenn die Butter aufschäumt, die Zwiebeln dazugeben und sanft unter stetigem Wenden zehn Minuten dünsten. Dann salzen, Wein und Suppe zugeben und einkochen lassen. Immer wieder umrühren, bei Bedarf etwas Suppe nachgießen. Ungefähr 30 Minuten sanft köcheln, bis die Zwiebeln ganz weich sind. Das lange, sanfte Köcheln macht sie süß-zart, ohne dass sie ihre Struktur verlieren.
Jetzt die restliche Butter in einer Pfanne erhitzen. Wenn sie hellbraun ist und nussig duftet, die Leberstücke einlegen und sehr rasch rundherum ungefähr zwei Minuten anbraten. Herausnehmen, auf einen vorgewärmten Teller geben und mit  Alufolie locker zudecken.

Den Bratensatz in der Pfanne mit etwas Suppe lösen, aufkochen, den von den Leberstücken abgetropften Saft dazumischen, mit Salz und Pfeffer würzen. In die Sauce etwas Balsamico geben und abschmecken. Auf vorgewärmten Tellern einen Kreis aus Zwiebeln geben, die Leberstücke darauf betten. Mit cremiger Polenta (eventuell mit Steinpilz), gebratenen Polentaschnitten oder Weißbrot servieren.
Sehr gut passt dazu etwa ein Nèstri 2006 von Paolo Meroi aus dem friulanischen Buttrio. Die Cuvee aus Merlot und Cabernet Sauvignon (80/20) sollte man unbedingt auch einmal direkt an der Quelle probieren. Denn Winzer Paolo Meroi ist auch Patron der ausgezeichneten Trattoria Al Parco in Buttrio. In der kühlen Jahreszeit steht er selbst am Fogolar und grillt friulanische Spezialitäten.