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Mittwoch, 9. August 2017

WEITER GEHT'S

Der Hausberg der Stadt

Ich melde mich blogmäßig zurück. Hinter uns liegen sehr anstrengende Wochen. Was ich inzwischen sicher weiß: Den Inhalt eines ganzen Hauses in eine (wenn auch große) Wohnung zu stopfen geht einfach nicht. Wir haben Zeugs aussortiert, weggeworfen, verschenkt, verkauft, herumgeschleppt, am Wochenendhausdachboden und im Keller versteckt. Wir haben geschraubt, gebohrt, gesägt, gebaut und gebastelt. Zitruspflanzen transportiert, ein Bewässerungssystem dafür installiert.

Das Ganze fand idealerweise in den heißesten Wochen des Jahres statt. In eineinhalb Wochen treten wir noch dazu unseren – schon im Jänner gebuchten – Urlaub in die USA an. Alles ein bisschen viel, aber schön - manchmal kommt eben mehr zusammen, kann man nix machen.

Gleichzeitig erkunde ich meine neue Umgebung, fahre mit dem Radl in die Arbeit (sofern es nicht allzu heiß ist) und bin auf der Suche nach neuen Einkaufsquellen. Ich freue mich über die Nähe zur Stadt. Wenn wir mit Freunden in der Stadt essen gehen, wird nicht zuerst die Frage gestellt: „Wer fährt heim?“ Sehr angenehm.

Auch die Blauschafe durften in die neue Wohnung übersiedeln und gucken nun auf den Pöstlingberg ...

Den ersten kühlen und verregneten Tag seit langem habe ich gleich mal dazu benutzt, die neue Küche auszuprobieren, mich mit ihr vertraut zu machen. Frische Weichseln vom Markt, ebenso Lammfleisch: Albaloo Polow. Aus dem Kochbuch "Die persische Küche" von Neda Afrashi. Schmeckt herrlich würzig. Bei uns auch (im Gegensatz zum Originalrezept) mit einer leichten Schärfe. Und das Beste daran: Die Reste hab ich am nächsten Tag zu knusprigen Reisbällchen (mit Minzjoghurt) verarbeitet. Ich weiß gar nicht, was uns besser geschmeckt hat …

Albaloo Polow - Weichselreis mit Lammfleisch

500 g Lammfleisch von der Schulter oder vom Haxerl, in 3 - 4 cm große Würfel geschnitten
200 g Basmati-Reis
2 mittelgroße Zwiebeln
1 TL Kurkuma
1/2 TL Safran, fein gemörsert
400 ml Lammfonds oder Hühnersuppe, eventuell auch nur Wasser
500 g Weichseln, entsteint gewogen
etwas Zucker
1/2 TL Zimt
Salz, Chiliflocken
Zitronensaft
Butter
Erdnussöl


Den Reis waschen und eine Stunde lang mit zwei Esslöffeln Salz in lauwarmem Wasser einweichen. Die Zwiebeln fein hacken. In einer großen Pfanne in etwas Butter und Erdnussöl anbraten, bis sie bräunen. Kurkuma und Lammfleisch dazugeben und etwa sechs Minuten mitbraten. Das Fleisch mit etwa 400 Milliliter Lammfonds, Hühnersuppe oder auch nur mit Wasser ablöschen. Deckel auflegen, Hitze reduzieren und eine Stunde lang köcheln. Eine Messerspitze Safran zufügen, salzen, Chiliflocken zufügen und noch etwa zehn Minuten weiterköcheln. Den Deckel entfernen, Hitze erhöhen und einkochen, bis nur mehr wenig Flüssigkeit in der Pfanne bleibt. Während das Fleisch kocht, die entsteinten Weichseln mit etwas Zucker in einem kleinen Topf ohne Deckel kochen, dann zur Seite stellen, mit Zitronensaft abschmecken.


Jetzt geht's mit dem Reis weiter: In einem großen, beschichteten Topf etwa zwei Liter Wasser zum Kochen bringen. Den eingeweichten Reis in ein Sieb abgießen und zusammen mit einem Teelöffel Salz ins kochende Wasser geben. Etwa sechs bis sieben Minuten kochen, bis die Reiskörner al dente sind. Wieder in ein Sieb abgießen und vorsichtig mit einem Esslöffel Butter mischen. Den leeren Topf zurück auf die Herdplatte stellen. Auf mittlere Hitze stellen. So viel Erdnussöl hineingießen, dass der Boden bedeckt ist. 60 Milliliter Wasser reingießen, den restlichen Safran einstreuen, einmal umrühren. Etwas Reis gleichmäßig darauf verteilen. Darauf Fleisch und Weichseln, und darüber wieder Reis schichten. Locker weiter schichten, bis der Topf gefüllt ist. Zimt drüberstreuen. Mit den Stiel eines hölzernen Kochlöffels fünf Löcher senkrecht in den Reis bis zum Topfboden bohren. Sobald der Reis nach einigen Minuten zu dampfen beginnt, den Deckel in ein Tuch einschlagen, fest auflegen und ab diesem Zeitpunkt nicht mehr öffnen.

Die Temperatur auf kleinste Hitze reduzieren - nach etwa 80 Minuten ist das Essen fertig. Den Deckel samt Tuch abnehmen, einen großen Teller verkehrt auf den Topf legen und Topf samt Teller umstürzen, eventuell vorsichtig rütteln. So landet der Reis wie ein Kuchen mit der Kruste nach oben auf dem Teller. Das Gericht hat alles, was ich gerne mag: etwas Knusper, die Säure und leichte Süße der Weichseln, wärmenden Chili und würziges Lammfleisch.



Ich hatte, wie gesagt, wieder mal viel zu viel gekocht. Am nächsten Tag schnitt ich daher das Fleisch in ganz kleine Stückchen, mischte zwei Eier und etwas Brösel, noch mehr Chili und etwas gemahlenen Kreuzkümmel unter die Masse und formte mit feuchten Händen kleine Laibchen, die in heißem Butterschmalz knusrig gebraten wurden.
Dazu gab es Minzjoghurt und in Butter mit etwas Paprika und Salz gebratene Pignoli. Hat mir fast noch besser geschmeckt, das erfrischende Minzjoghurt und die nussigen Pignoli haben dem Lammfleisch und den Weichseln sehr gut getan.


Dienstag, 6. September 2016

FAST WIE IN SPANIEN


Das ist vielleicht ein Tomatensommer! Fast könnte ich eine spanische Tomatina wie in Buñol in meinem Garten veranstalten. Aber dafür sind mir die roten Dinger dann doch zu schade. Also mache ich steirischen Caprese, Burratacreme mit Chili-Honig-Tomaten, Ricotta-Feta-Tomaten-Tarte und koche jede Menge Tomatensauce für den Winter ein.

Und davon wird wiederum etwas abgezweigt für einen neuen Tomatenrisotto, denn - wie der Mitkoch sehr richtig anmerkt - Risotto gab’s schon ewig nicht mehr bei uns. Damit es dabei nicht allzu vegetarisch zugeht, habe ich einige kleine Sardinen dazu gebraten, was ausgezeichnet zur Tomate gepasst hat.



Die Gelbe heißt "gelber Pfirsich" und hat eine total flauschige Haut!

Tomatensauce für den Winter

2 kg reife Tomaten, verschiedene Sorten

etwas Salz

etwas Zucker



Die Tomaten grob zerteilen und bei mittlerer Hitze langsam zum Kochen bringen. Etwa eine Stunde leise köcheln lassen. Dann passieren, nochmals aufkochen, mit Salz und Zucker abschmecken und heiß in Gläser füllen. Die Gläser zuschrauben und in eine flache Form mit Wasser stellen (Gläser etwa zur Hälfte im Wasser). Bei 160 Grad etwa eine halbe Stunde im Backrohr belassen.


Tomatenrisotto mit Sardinen
für 2 Personen

200 g Aquarello-Reis

2 EL Butter

300 g Tomatensauce

125 ml Weißwein

1 Zwiebel, fein gehackt

je 1 Zweig Pfefferminze und Basilikum

ca. 250 ml Hühnersuppe
2 EL geriebener Parmesan

1 EL Butter



8 kleine Sardinen

Salz, Pfeffer

etwas Mehl

Butterschmalz


Butter in einer Pfanne erhitzen. Zwiebel darin einige Minuten dünsten. Reis zugeben und umrühren. Mit Weißwein aufgießen. Wenn der Reis den ganzen Wein aufgesogen hat, die Kräuter dazugeben und nach und nach mit der Tomatensauce aufgießen. Wenn die gesamte Tomatensauce aufgesogen ist, mit Hühnersuppe weitermachen. Nach etwa 20 Minuten ist der Reis fertig. Die beiden Kräuterzweige rausfischen. Parmesan und Butter einrühren und den Risotto zugedeckt etwa zwei bis drei Minuten rasten lassen.



Die Sardinen ausnehmen und waschen, das Rückgrat herauslösen. Salzen und pfeffern. Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen. Die Sardinen leicht bemehlen und auf jeder Seite etwa zwei Minuten knusprig braten. Auf Küchenpapier entfetten.
Den Risotto in tiefe Teller geben, die Sardinen auf dem Reis platzieren und servieren (Ja, ich habe noch Parmesan draufgestreut. Ja, ich weiß, dass man zu Fisch eigentlich keinen Käse serviert. Aber mir hats trotzdem sehr gut geschmeckt!).








Mittwoch, 23. März 2016

IL PICCOLO RE NELLA GRANDE CITTÁ


So oft ich Venedig auch besuche, immer wieder entdecke ich kleine liebenswerte Details, so wie etwa diesen kleinen König nahe San Giacomo dall`Orio. Ich war wieder mal einige Tage in der Serenissima, diesmal mit meiner Mama. Für sie war es der erste Aufenthalt dort und sie war genauso begeistert und gefesselt wie ich bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren.


In Venedig ist schon Frühling, ab und zu erhascht man einen Blick auf blühende Bäume hinter hohen Mauern. Wir gönnten uns Pausen in der wärmenden Sonne, mal mit Eis mal mit Aperol Spritz. Das Frühstückszimmer unseres kleinen Hotels, das aussah wie das Wohnzimmer eines Bücherliebhabers, bot einen atemberaubenden Blick auf den Canal Grande. Die Hotelkatze war rot. Wir entdeckten die Buchhandlung Aqua Alta, aßen fein zu Abend in der Birraria la Corte und ließen uns vom Vaporetto durch die Kanäle tragen.



Am Abreisetag war der Besuch des Fisch- und Gemüsemarktes Pflicht. Ich entdeckte dort Hopfensprossen, Bruscandoli genannt und feinste halbgetrocknete Bio-Kirschtomaten (ohne Salz!).

So kam es, dass es am Wochenende endlich wieder Risotto gab, fast vegetarisch - für mich nur zusätzlich einige Stückchen ofengetrockneter San-Daniele-Schinken obendrauf.  Gleich vorweg: Hat super geschmeckt! Und zwar so gut, dass ich mich auch hier auf die Suche nach den Sprossen machen werde ...








Die Heimreise rundete ein Mittagessen in der wunderbaren Trattoria Al Parco in Buttrio ab: Dort gibt es feinste friulanische Küche, wie wir sie so gerne mögen, dazu ausgezeichneten hauseigenen Wein. Außerdem einen Fogolar im großen Gastraum und mit Paolo Meroi einen richtigen Grillmeister ... ich wäre gerne länger geblieben ...




Risotto mit Hopfensprossen (Bruscandoli) und getrockneten Kirschtomaten
für 2 Personen

150 g Risotto-Reis (Küchenschabe: Acquerello)
700 ml Hühnersuppe
2 Schalotten, fein gehackt
125 ml Weißwein (K: grüner Veltliner)
50 g Parmesan, frisch gerieben
60 g Butter
2 Bund Hopfensprossen
eine Handvoll getrocknete Kirschtomaten
einige Scheiben San-Daniele-Schinken

Das Backrohr auf 150 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Schinkenscheiben auf Backpapier legen und im Backrohr in etwa 20 Minuten knusprig braten, dabei immer kontrollieren: spätestens wenn's zu rauchen beginnt, herausnehmen und auf einen Teller geben.

30 Gramm Butter zerlassen, Schalotten darin einige Minuten dünsten. Reis zugeben und umrühren, bis der gesamte Reis mit Butter überzogen ist. Mit Weißwein aufgießen und die Kirschtomaten zufügen. Wenn der Reis den ganzen Wein aufgesogen hat, immer wieder mit Suppe aufgießen und umrühren.

Bei den Hopfensprossen das untere Drittel wegschneiden, es ist relativ hart. Die Sprossen etwa nach der Hälfte der Garzeit zufügen. Nach etwa 20 Minuten den Käse und die restliche Butter zum Reis geben. Eventuell mit Salz abschmecken. Gut durchrühren und zugedeckt zwei Minuten rasten lassen.
In Teller geben und mit etwas geriebenem Käse bestreuen - eine Scheibe Schinken in den Risotto stecken und sofort servieren. Dazu gab's einen Vino spumante von Cociancig aus Pradis.


Freitag, 12. September 2014

NEUER LIEBLING

Mein zweiter Vorname, pilztechnisch gesprochen, ist ja Steinpilz - beziehungsweise er ist es gewesen. Nennt mich ab jetzt Horn of Plenty, meinetwegen auch Craterellus cornucopioides, weniger gern Herbst- oder Totentrompete.
Sieht nicht sehr attraktiv aus, dieser Pilz. Ist grauschwarz, unauffällig, und - ich geb es ja nur sehr ungern zu - schwer zu sehen. Der Mitkoch hat schon recht, wenn er fragt "wer hat's gefunden?". Er nämlich, und nicht ich. Leider. Ich bin einfach dran vorbeigegangen. Ich hab meinen Blick offensichtlich noch nicht auf ihn fokussiert.

Beim Steinpilz bin ich schon in Übung. Schöne braune Kappe, dicker heller Stiel: wahrscheinlich Steinpilz. Mein neuer Liebling hingegen ist in seiner Erscheinung weitaus variantenreicher und gefinkelter. Seine Farbe reicht von dunkelschwarz, über grauschwarz bis hin zu graubraun. Und seine Form variiert von richtig formvollendeten Trichtern bis hin zu langen schlanken Röhren. Wenn man ihn denn mal sieht, inmitten von Bergen Buchenlaub. Aber egal. Ein stattlicher Haufen, sicher zwei Männerhände voll war unsere Ausbeute. Und das Schönste: Den Ort muss man sich merken, der Cornucopioides taucht dort zuverlässig immer wieder auf (sagt die Literatur).


Er hätte die Krönung für ein Abendessen mit Gnocchi werden sollen - allein, der Erdäpfelteig wurde nicht so, wie er sein sollte. Die Erdäpfel waren Heurige, Mehlige. Und die waren einfach noch nicht so, wie mehlige Erdäpfel sein sollen. Ich verstaute den fertigen Teig im Kühlschrank und überließ etwas genervt die Entscheidung dem Mitkoch. Also wurde es natürlich ein Risotto. Ein Herbsttrompetenrisotto. Mit Cacciocavallo-Käse und etwas Schnittlauch. So ein Essen könnte glatt dazu führen, dass auch ich plötzlich die Liebe zum Risotto in mir entdecke ...


Risotto mit Herbsttrompeten und Schnittlauch
für 2 Personen

150 g Risotto-Reis (Küchenschabe: Acquerello)
700 ml Hühnersuppe
2 Schalotten, fein gehackt
125 ml weißer Port
50 g Caciocavallo (oder Parmesan, Pecorino), frisch gerieben
60 g Butter
2 Handvoll frische Herbsttrompeten
2 EL gehackter Schnittlauch

30 Gramm Butter zerlassen, Schalotten darin einige Minuten dünsten. Reis zugeben und umrühren, bis der gesamte Reis mit Butter überzogen ist. Mit Portwein aufgießen. Wenn der Reis den ganzen Wein aufgesogen hat, immer wieder mit Suppe aufgießen und umrühren.

Während dieser Zeit die Herbsttrompeten putzen. Es empfiehlt sich, sie der Länge nach aufzuschneiden, weil sich im hohlen Stiel gerne kleine Tierchen aufhalten. Grob zerzupfen. In einem kleinen Pfännchen 30 g Butter zerlassen und die Pilze darin in einigen Minuten weich dünsten.
Nach etwa 20 Minuten den Käse, die Pilze und den Schnittlauch zum Reis geben. Eventuell mit Salz abschmecken. Zugedeckt zwei Minuten rasten lassen.

In Teller geben und mit etwas geriebenem Käse bestreuen - schmeckt, wie schon gesagt, außerordentlich feinwürzig und löst somit das Chorizo-Risotto als mein bisheriges Lieblingsrisotto ab.

Einen ganz entzückenden Pilz, aber eher kein Speisepilz, möchte ich hier noch zeigen, es ist ein Igelstäubling (oder Igelbovist). Sieht er nicht wirklich nett aus?



Montag, 7. Juli 2014

DIEBE IM WEINBERG

Es geschah wirklich aus reiner Unwissenheit. Oder sagen wir eher Unbedachtheit. Was bei mir radikal abgeschnitten wurde, was ich kiloweise in Säcke stopfte und zum Kompostplatz der Gemeinde brachte, bringt anderswo Menschen dazu, sich nächtens auf die Socken zu machen, auf fremdes Land zu schleichen und dort zu plündern. Hätte ich daran gedacht, welche Schätze in meinem Garten wachsen, ich wäre achtsamer damit umgegangen - denn:

Wiener Weinbauern schlagen Alarm. Täter pflücken Weinstöcke oft bis aufs letzte Blatt ab. Sie schleppen die Blätter säckeweise weg. Die Pflanzen sind dadurch so schwer geschädigt, dass die Weinbauern um ihre Ernte fürchten ("Ist das Grün einmal weg, gibt es weder Trauben noch Wein").

Warum tun die Täter das? Die wissen sehr genau, was gut ist. In der österreichischen Küche eher unbekannt, gelten gefüllte Weinblätter anderswo als Delikatesse. Und bei mir ab jetzt auch: Jahrelang habe ich sie links liegen gelassen. Die Standardversion, wie man sie im Urlaub oft als Vorspeise bekommt, war mir immer zu fad - viel Reis mit wenig Geschmack.

Erst die Geschichte mit den geplünderten Weinstöcken ließ in mir den eigentlich naheliegenden Gedanken reifen, dass ich die Füllung ja durchaus nach meinem Geschmack variieren könnte  - wo ich doch sozusagen den ganzen Garten voller Weinblätter habe ...


Gefüllte Weinblätter mit Lammfleisch, Petersilie und Rosinen

etwa 24 frische Weinblätter
200 g Lammhals, faschiert
150 g Reis (K: Jasminreis)
Saft einer Zitrone
Zesten von einer Zitrone
1 große milde Zwiebel
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1/2 TL Zimt, gemahlen
1/2 TL Piment, gemahlen
1 TL Kreuzkümmel, gemahlen
1 TL Piment d'Espelette oder ein anderes mittelscharfes Chilipulver
Salz, Pfeffer
eine Handvoll Rosinen
1 Bund Petersilie, grob gehackt

Saft einer zweiten Zitrone
Olivenöl

Eine andere Füllung kann man hier bei Susi nachlesen.


Das faschierte Lammfleisch mit dem Saft einer Zitrone übergießen, salzen und pfeffern. Zur Seite stellen. Reis waschen und abtropfen lassen.  Die Zwiebel fein hacken und in etwas Olivenöl etwa 15 Minuten lang dünsten.  Reis, Knoblauch, Zimt, Piment, Zitronenzesten, Chilipulver, Kreuzkümmel, Rosinen und Petersilie zu den Zwiebeln geben und gut verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Es sollte ganz leicht versalzen schmecken, der Reis "frisst" während der langen Kochzeit ziemlich viel Salz.

Die frischen Weinblätter zwei Minuten in kochendem Wasser blanchieren. Anschließend kalt abschrecken und auf ein Küchentuch zum Trocknen legen. Die getrockneten Weinblätter mit der Spitze nach hinten und der Oberseite nach unten vor sich hin legen. Einen Esslöffel der Füllung drauflegen. Seitlich einklappen und dann zur Spitze hin fest einrollen. Die fertig gerollten Blätter eng in eine passende Pfanne legen. Etwas Olivenöl draufgießen, die Blätter nochmals salzen und pfeffern.

Den Saft der zweiten Zitrone mit heißem Wasser zu den Weinblättern leeren, bis die Blätter etwa zur Hälfte im Zitronenwasser schwimmen. Ungefähr 40 Minuten zugedeckt leise köcheln lassen. Dann vom Herd nehmen und etwa eine Viertelstunde überkühlen. Mit Knoblauchjoghurt servieren.

24 gefüllte Weinblätter sind auch für gefräßige Menschen ein bisschen viel. Und so konnten wir am nächsten Tag feststellen, dass sie gut gekühlt noch besser schmecken als frisch und lauwarm!
Der Mitkoch, ein begeisterter Weinblattesser, versah meinen Erstversuch mit dem Prädikat "die besten, die ich bis jetzt gegessen habe". Wenn das kein Ansporn für weitere Versuche ist ...

Montag, 30. Juni 2014

SONNTAG MIT HIMBEEREN, SOFRITO UND FUSSBALLl

Eine Runde Schwimmen vor dem Frühstück. Das Wasser ist erfrischend kühl. Noch scheint die Sonne. Trocknen lassen. Ein Schüsserl voll Himbeeren pflücken. Zum Frühstück servieren, mit ein bisschen Fromage Blanc und Zucker.

Ein Sonntag mit nix zu tun und am Nachmittag auch noch Regen (endlich! Es war schon dringend nötig, sogar die Wiese hatte schon Risse und die Birke einige gelbe Blätter) - also kein Grund rauszugehen und das Unkraut zu jäten - ein richtiger Luxussonntag.

Faul am Sofa lümmeln, Kater auf den Knien und endlich den Roman auslesen - Mofongo. Ein Familienroman mit puertoricanischen Rezepten im Anhang: Eins davon will ich am Abend probieren. Es ist recht einfach, wie die meisten derzeit gekochten Rezepte - schließlich ist immer noch Fußball.  Und passenderweise spielt Mexiko. Das ist quasi ein Nachbar von Puerto Rico - ist ja nur ein bisschen karibisches Meer mit ein paar Inseln dazwischen.

Gleich vorweg: Es folgt ein Reisfleisch de luxe, wirklich wahr! Das Beste dran ist der Pegao ... was das ist, kann man weiter unten nachlesen. Nur soviel: Er ist knusprig, so knusprig!

Arroz sasonado y gandules  / Reis mit Sofrito und Erbsen
für 2 Personen

50 g Chorizo, in dünne Scheiben geschnitten
20 g geräucherter Speck, in kleine Würferl geschnitten
2 EL Olivenöl (vom fertigen Sofrito abgezweigt)
150 g Straucherbsen (K: Zuckererbsen)
1 kleiner Fenchel, in dünne Scheiben geschnitten
Sofrito (Rezept unten)
150 g Tomatensauce
200 g Rundkornreis
500 ml Wasser

Sofrito:
1 große rote Zwiebel
1 - 2 rote, längliche Paprikaschoten
2 Knoblauchzehen
1 getrockneter, mittelscharfer Chili (K: Pasilla)
120 ml Olivenöl

Zuerst mal macht man ein puertoricanisches Sofrito. Das ist, so sagt mein Roman, das Herz der puertoricanischen Küche. Es beinhaltet (anders als das bekanntere Soffritto aus Italien) Zwiebel, Knoblauch und roten oder grünen Paprika. Zum Verfeinern kann man auch noch kleingehackte Oliven, Kapern, Koriandergrün und etwas Chili zugeben. Aber beim ersten Mal puristisch, also nur die drei Zutaten plus Olivenöl. Na gut, etwas Chili vielleicht noch. Ich hab noch ein Säckchen Pasilla-Chilis vom letzten London-Besuch, davon nehm ich einen.

Zwiebel und Paprika in kleine Würferl schneiden, Knoblauch hacken. Ebenso den getrockneten Chili (vorher die vielen kleinen Samenkörner rausschütteln). Olivenöl erhitzen, und Zwiebeln sowie Paprika bei mittlerer Temperatur anschwitzen. Knoblauch und getrockneten Chili zufügen und alles bei mittlerer Hitze etwa 15 Minuten dünsten. Schon ist das Sofrito fertig und riecht schon mal äußerst aromatisch.

In einem hohen, schweren Topf etwas Olivenöl erhitzen. Chorizo und Speck zugeben und andünsten bis sie duften. Sofrito, Erbsen, Fenchel und Tomatensauce hineingeben und einigen Minuten erhitzen, ab und zu umrühren. Jetzt den Reis unterrühren, mit Wasser aufgießen und bei mittlerer Hitze köcheln, bis der Reis die gesamte Flüssigkeit aufgesogen hat. Das Ganze auf sehr kleiner Flamme zugedeckt ungefähr 30 Minuten weiterköcheln lassen.

Die letzten paar Minuten habe ich den Deckel weggegeben. Weil man gut aufpassen muss, damit nichts anbrennt. Das ist die einzige Schwierigkeit bei diesem Rezept. Eine Kruste am Topfboden ist nämlich unbedingt erwünscht. Sogar gefordert. Diese Kruste heißt Pegao. Und richtig schwarz sollte sie nicht werden. Nur braun und knusprig. Sie wird nach Ende des Kochvorganges mit dem Kochlöffel losgekratzt und untergerührt.
Also bleibe ich daneben stehen und renne nur ab und zu zum Fernseher, um zu sehen, wie sich das Spiel entwickelt.Wahrscheinlich waren es dann eher 40 Minuten, die ich gewartet habe, um die feine Kruste zu erhalten.

Und es zahlt sich aus. Es schmeckt ausgeprochen gut, die kleinen, feinen Knusperstückchen verbinden sich mit dem luftig-lockeren Reis und den übrigen Zutaten - genau meins! Das Fußballspiel hingegen endete nicht ganz nach meinem Geschmack ...


Donnerstag, 27. Februar 2014

ES GRÜNT SO GRÜN ...

Ich bin jetzt schon ein bisschen süchtig nach Grün. Der Winter war bis jetzt zwar weder sehr kalt noch besonder schneereich, trotzdem reicht es mir langsam und ich hab mich daher wie ein kleines Kind gefreut, als ich am Wochenende die ersten rosa Leberblümchen aus dem Boden gucken sah.

Angetrieben vom Hunger nach Grünem machte ich - gemeinsam mit meinem alten Kater - eine Gartenrunde und pflückte dabei alles Grüne und Essbare.
Nun ist unser Garten eher ein Biotop für alles mögliche Getier als ein gepflegter Siedlungsgarten. Und da wir auch keinen Rasen sondern bestenfalls eine Wiese haben und ich außerdem meine Kräuterecke plünderte, hatte ich schließlich Bärlauch (ganz wenig, ich mag ihn eigentlich nicht), wildes Fenchelgrün, Petersilie, Scharbockskraut, Vogelmiere, Löwenzahn, Leimkraut,  Gänseblümchen, Pimpinelle und Erdholler im Küberl.

Serviert wurden sie in einem Risotto, bestreut mit zart geräuchertem Treccione, den ich auf einem Wienausflug bei Signore Crupi erstanden hatte (der hat übrigens auch fantastische Orangen, der Tipp dazu kommt von der Turbohausfrau).

Von links nach rechts: Petersilie, Bärlauch, Erdholler (Giersch), Fenchelgrün, Gänseblümchenknospen, Scharbockskraut, Pimpinelle, Vogelmiere, Löwenzahn und Leimkraut (Sclopit)



Risotto mit Gartenkräutern
für 2 Personen

150 g Risotto-Reis (Küchenschabe: Acquerello)
700 ml Hühnersuppe
2 Schalotten, fein gehackt
125 ml Weißwein
50 g Parmesan, frisch gerieben
60 g Butter
etwa 2 Handvoll gewaschene, feingehackte Gartenkräuter (K: Petersilie, Fenchelgrün, Erdholler, Scharbockskraut, Leimkraut, Vogelmiere, Bärlauch, Gänseblümchen, Pimpinelle, Löwenzahn)
Käse zum Bestreuen (K: Treccione)

30 Gramm Butter zerlassen, Schalotten darin einige Minuten dünsten. Reis zugeben und umrühren, bis der gesamte Reis mit Butter überzogen ist. Mit Weißwein aufgießen. Wenn der Reis den ganzen Wein aufgesogen hat, immer wieder mit Suppe aufgießen und umrühren. Nach etwa 20 Minuten die restliche Butter sowie den Parmesan einrühren.
Die feingehackten Kräuter vorsichtig unterheben. Eventuell mit Salz abschmecken. Zugedeckt zwei Minuten rasten lassen. Das schmeckt würzig, fein und so richtig nach Frühling (nicht am Bild sind ein paar Futzerl knusprige Speckstreiferl für die Küchenschabe).

Der Winter war übrigens bis jetzt sogar so mild, dass ich Hoffnung habe, heuer wieder mal Feigen ernten zu können. Außerdem hat der Mangold überlebt und treibt gerade frische Blättchen.