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Samstag, 1. November 2025

Meine 44. Kalenderwoche 2025

"Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird." 
Erich Kästner, 1899-1974
"Wer die anderen neben sich klein macht,
ist nie groß."
Johann Gottfried Seume, 1763-1810
 "For most of history, Anonymous was a woman."
Virginia Woolf, 1882-1941
"Wer aber den Frieden will, 
der rede vom Krieg."
Walter Benjamin, 1892-1940


"Om!" - vielen meiner Mantras vorangestellt in den letzten Tagen. Das linke Bild ist mein Liebling für diesen Oktober ( Fotofragezeichen Nr. 1 ).




Denn manchmal befällt mich auch eine Panik, wenn ich mir vor Augen führe, mit welchen Laubmengen ich weiterhin zu Rande kommen muss. ( Ich leg mir dann schon mal die schönen Seiten des Ganzen zurecht. Und Bemerkung an mich selbst: Du hast es doch auch in den vergangenen drei Herbsten alleine geschafft!... ) Nachdem der Regen wieder eingesetzt hatte, und ich drinnen gesaugt & gewischt, habe ich es mir mehr als gemütlich gemacht...



Kurze, sonnige Episoden am Montagmorgen lassen einen den Tag gleich beschwingter angehen. 


Geschwind also zum Dom/Hauptbahnhof! Dorthin hatte ich mir ( eigentlich ) Regen für meinen aktuellen 12tel Blick bestellt. 

























Blöd, dass ich jetzt wieder im Dunkeln zum Sport fahren muss. Nein, nicht wegen des Stadtbildes! Ich habe Angst, bei unzureichender Beleuchtung über Hindernisse oder Mängel im Bodenbelag zu stolpern oder auf nassem Laub mitten desselben auszurutschen und hinzufallen. Das ist mir in den vergangenen Jahren eher passiert als unangenehme Anmache & Schlimmeres.




Am Dienstagnachmittag bin ich ins Seniorenkino. Kannte ich bis dato auch nicht. Ist ein Angebot eines der Kinos, das NICHT wie so viele an den Ringen platziert sind. Vielleicht auch so eine Reaktion auf das Stadtbild, weil ja alte Leute nicht gerne im Dunkeln unterwegs sind. Den Film von Agnieszka Holland fand ich beeindruckend, besonders auch den sehr jungen Schauspieler Idan Weiss. Hier ist der Trailer anzuschauen.



Am Mittwochnachmittag hat mich die Lieblings-Ex-Kollegin besucht, und wir haben den Nachmittag verplaudert bis zum Dunkelwerden ( nicht, dass die Rheinbrücken zur Nacht eingezogen werden! ).


Die Zeitumstellung schmeckt mir diesmal sehr: Wenn ich wach werde gegen acht, leuchtet vor meinem Fenster das letzte güldene Laub und unten auf dem Tisch im Wohnzimmer meine ebensolchen Alltagsbegleiter. Und der Tag beginnt inzwischen wieder frohgemut ( um noch so ein märchenhaftes Wort zu gebrauchen ).


Langsam kommt  in Bloggerkreisen so  eine Art Bücherzirkel in die Gänge 🤣. Rosi/ rumpelkammerxxl hat mir nun drei Exemplare aus ihren Beständen zugedacht. Da muss ich mal schauen, was ich ihr schicken kann.


Gleich muss ich zum Bahnhof, mein Herzenskind in Empfang nehmen. Da gibt es also erst beim nächsten Mal ein Foto von meinem Start in den November, liebe Zitronenfalterin!

Vorher also schnell noch mal die Verlinkungen durchexerzieren: Samstagsplausch, Fotofragezeichen und Mosaic Monday.

Macht et joot!
                                                                                          

Donnerstag, 15. Mai 2025

Great Women #417: Marika Rökk

Na, heute geht es um eine Frau, für die ich als kleines Mädchen mit großem Interesse an Tanz & Gesang geschwärmt habe, damals, als sich der mediale Konsum noch auf ein monatliches Kinovergnügen in einem Mehrzweck-Saal der Dorfgaststätte beschränkt hat. Morgen vor 21 Jahren ist sie gestorben: Marika Rökk. Später habe ich mir in einer der Shows, die wir für unsere Eltern zu ihren runden Geburtstagen im Geschwisterkreis inszeniert haben, einen Auftritt mit ihrem "Ich brauche keine Millionen" gegönnt und gemerkt, wie mich diese romantisierend-kitschigen Schlagertexte geprägt haben...


"Ich brauche Menschen, die nicht widerfunkeln, 
wenn ich funkle."

"Schau nicht hin, schau nicht her, schau nur grade aus / 
Und was dann auch kommt / Mach dir nichts daraus." 

Am 3. November 1913 kommt in Kairo Marika Rökk als Marie Karoline Rökk zur Welt. Warum Kairo, wo doch ihre Eltern - Mária Karoline Charlotte Károly und Eduárd Károly Rökk, 27 Jahre alt  - ungarische Wurzeln haben? Marikas Mutter kränkelt nach der Geburt ihres ersten Kindes Eduard  1911 ( wie der Vater später auch ein bekannter Fußballsportler ). Sie will einfach nicht mehr richtig auf die Beine kommen, das feuchte Klima, die Wohnumstände tun ein Übriges, so dass ein Arzt dringend einen Klimawechsel vorschlägt.

Das Familiennarrativ, welches Marika selbst 1944 verbreiten wird, lautet, ihr Vater, ein erfolgreicher Athlet, aber auch umtriebiger Unternehmer, habe bei einem Preisausschreiben um architektonische Fragen eine Reise, den Aufenthalt und Arbeitsplatz in Kairo gewonnen. Den kleinen Sohn habe man bei den Großeltern gelassen. Tatsache ist wohl nach ungarischen Unterlagen, dass sich "Ede" Rökk von seinem Regiment, dem 23. Infanterieregiment der Königlich-Ungarischen Armee in Hermannstadt/Siebenbürgen, entfernt und nach Ägypten abgesetzt hat. Belegt ist allerdings auch, dass er sich vor seiner Militärzeit an Architekturwettbewerben beteiligt und dabei dritte Plätze belegt hat.

CC BY-SA 3.0 de
1914 kehren die Rökks mit dem Baby weltkriegsbedingt wieder nach Ungarn bzw. Budapest zurück. Das Talent der kleinen Marika entdeckt die namhafte ungarische Schauspielerin Mari Jászai, als das Kind die Bühne bei einem Fünf-Uhr-Tee im Kurort Hévíz erklimmt und tanzt. Ab dem Alter von vier Jahren wird Marika Tanzunterricht bekommen, nachdem die Mutter den Vater davon hat überzeugen können.  

Marika bringt alle körperlichen Voraussetzungen für den Tanz mit, verfügt über einen starken Willen und die nötige Disziplin - wenn andere drei Stunden tanzen üben, übt sie fünf. Sie hat nicht nur flinke Beine, sondern auch Ellenbogen, wird immer die Beste sein wollen und lebenslang vor Selbstbewusstsein strotzen. 

Eine erste große Rolle kann sie im Operettentheater Budapests von Hanna Honthy übernehmen, die dafür zu alt geworden ist. 

1917 gründet der Vater mit zwei Kompagnons in Mátyásföld, einem Stadtviertel von Budapest, eine moderne Landwirtschaftsgesellschaft, die auf gepachtetem Land rationell und intensiv Landwirtschaft betreiben und die Vertretung ausländischer Firmen für landwirtschaftliche Maschinen und Werkzeuge inklusive Reparatur von Produkten derselben übernehmen soll. Aus dieser Firma steigt er 1922 aus, nachdem er schon zwei Jahre zuvor sich in einen Baustoffhandel engagiert hat. Außerdem betreibt er ein Lokal am Haltepunkt einer Bahnlinie im Budapester Stadtteil Sashalom, welches er 1924 schließt, um sich als Manager der Tanzkarriere seiner Tochter zu widmen.

Um die voranzutreiben, übersiedelt man nach Paris, wo die Elfjährige Unterricht bei einer Exilrussin erhält, von der nur der Nachname Rudkowska bekannt und nichts weiteres in Erfahrung zu bringen ist. Ihr Bruder strebt derweil eine Karriere als Leichtathlet, später als Fußballer an. Um den Familienunterhalt zu sichern, tritt das Mädchen mit Dreizehn mit den Hoffman Girls, einem Ensemble von Sängerinnen und Tänzerinnen ähnlich den Tiller Girls, im Pariser "Moulin Rouge" als Tänzerin auf. Als diese Truppe  einen Vertrag mit dem "Winter Garden Theatre" in Manhattan bekommt, sind die Rökks dabei, auch bei weiteren Engagements in den Staaten.

Obwohl Marika am Broadway als "Königin der Pirouette" gefeiert wird, bemerkt die ehrgeizige Tänzerin schnell, dass sie im amerikanischen Showgewerbe nur eine unter vielen ist und kehrt 1929 nach Europa zurück, zunächst als Tänzerin beim "Moulin Rouge" und dann als Tänzerin & Sängerin in Revuen in Hamburg, Monte Carlo, Cannes, London und im Berliner "Wintergarten", wo sie als Fünfzehnjährige als Starakrobatin Erfolg hat.

1930 dreht sie in England ihre ersten beiden Filme "Why Sailors Leave Home" und "Kiss Me Sergeant". Beide bringen ihr nicht den erwünschten Durchbruch, und sie kehrt nach Ungarn zurück. Dort wird sie 1932/33  in zwei Produktionen besetzt - "Csokolj meg, edes!/Kiss Me, Darling" und "Kisertetek Vonata/Ghost Train". In letzterem spielt sie die weibliche Hauptrolle und führt eine Gesangs- und Tanzeinlage auf.

Der legendäre Ernst Marischka holt sie schließlich 1934 nach Wien zur Revue "Stern der Manege/Stars of the Circus Ring". In der Show präsentiert sie sich auch auf einem Pferd, turnt auf dem Trapez und zeigt, wie außerordentlich beweglich sie ist. Dort wird der Regisseur Gustav Ucicky und Ernst Hugo Correll, seines Zeichens Produktionsdirektor der Universum Film AG (Ufa), Deutschlands größter Produktionsfirma, auf Marika aufmerksam. Die gertenschlanke junge Frau kann singen, tanzen, steppen, mit großer Energie über die Bühne fegen, aber auch einen Schlafzimmerblick aufsetzen und dabei einen verführerischen Schmollmund machen

Die Nazis benötigen nach ihrem Machtantritt für die Kinoleinwand neue Gesichter, weil ihnen so manche beim Publikum geschätzte Miminnen ( siehe auch dieser, dieser und dieser Post ) aus bekannten Gründen abhanden gekommen sind und im Exil Karriere zu machen versuchen. Ziel der Ufa ist es, einen neuen deutschen Star zu schaffen, der es mit den größten Musikgöttinnen Hollywoods aufnehmen kann, um die amerikanischen Musicalproduktionen aus den deutschen Kinos zu verdrängen. Marikas Akzent bringt dem deutschen Film eine tolle, da exotische Farbe ein, die über die politische Abgrenzung hinweg Internationalität vortäuschen soll - einen Hauch von Weltoffenheit also.

Die Ufa bietet Marika einen Zwei-Jahres-Vertrag, so dass sie ins Nazi-Deutschland übersiedelt. Ab 1935 wird sie dort in fünfzehn Filmen mitwirken. 

Der erste Streich ist der Film "Leichte Kavallerie" nach dem Roman "Unterwegs zur Heimat" von Heinz Lorenz-Lambrecht ( nicht nach der gleichnamigen Operette von Franz von Suppè! ), der im Zirkusmilieu spielt und Marika in der Hauptrolle Gelegenheit für zwei große Tanzszenen bietet. Ihr Partner ist Heinz von Cleve, der "schöne Mann der Ufa". 

Der Plan der Filmgesellschaft geht nach und nach auf: Der Film ist der Auftakt für eine Reihe moderner romantischer Märchen, leichter Operetten und glanzvoller Revuestücke, die "die Rökk" letztendlich zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands machen. Immer ist sie die selbstbewusste, schlagfertige, energische & unabhängige Frau, woraus ein guter Teil ihrer Attraktivität als Star zu erklären ist. Zum Schluss muss sie aber immer an die Seite eines Mannes, um dem Rollenbild der Zeit zu entsprechen. Eine Domestizierung der Frau à la "Der Widerspenstigen Zähmung" ist ein durchaus häufiger Topos in den Filmen der NS-Zeit.

Marika ist dazu geeignet und besitzt die notwendige Verve, die oft kitschigen Handlungen und klischeehaften Dialoge rüberzubringen, und trägt die glamourös gestaltete Garderobe immer mit Stil. 

In der Mitte: "Der Bettelstudent"

Ihr zweiter deutscher Film ist "Heißes Blut", den sie 1936 unter der Regie des Unterhaltungsroutiniers Georg Jacoby dreht. Der Film spielt in der ungarischen Puszta, die in die UFA-Ateliers von Neu-Babelsberg verlegt wird. Als junge Baroness Marika von Körössy gewinnt sie mit ihrem Rassepferd nicht nur Pferdewettbewerbe, sondern erobert auch das Herz des Leutnants Tibor, gespielt von Hans Stüwe.

Mit Johannes Heesters
Im gleichen Jahr folgt eine überaus erfolgreiche Adaption von Karl Millöckers Operette "Der Bettelstudent"Marika zur Seite gestellt wird der ebenfalls erst 1936 zur Ufa gekommene, attraktive niederländische Schauspieler Johannes Heesters - der Beginn einer lukrativen Leinwandpaarung! 

1937 folgen gleich drei  Produktionen mit der 24jährigen Schauspielerin: "Karussell", "Gasparone"  ( erneut mit Johannes Heesters) sowie "Und du mein Schatz fährst mit"

Hat man anfangs ihren Vertrag nicht verlängern wollen, schneidet die Ufa die Filme nun zunehmend auf den weiblichen Jungstar zu. Im deutschen Kino zwischen Unterhaltung & Hetze kommt Marika der erste Teil des Projekts zu, protegiert von Georg Jacoby, mit dem sie im Laufe ihrer Karriere 18 ihrer 32 Filme drehen und den sie 1940 schließlich heiraten wird. Doch trotz des zunehmenden Erfolgs beim Publikum, welches vom tanzenden und singenden Traumpaar Rökk-Heesters nicht genug bekommt, wird sich der Niederländer schließlich später der Ufa verweigern, weitere "Rökk-Filme" zu  drehen, weil ihr Name alsbald vor seinem auf den Plakaten aufgeführt ist. 

1938 kommt der Musikfilm "Eine Nacht im Mai" in die deutschen Lichtspielhäuser, in dem Viktor Staal die männliche Hauptrolle spielt. 1939 tritt sie in "Es war eine rauschende Ballnacht", ein  Filmmelodram von Carl Froelich rund um den Komponisten Peter Tschaikowsky, mit dem anderen Ufa - Star Zarah Leander auf, mit der sie konkurriert, wird diese doch bei der Ufa als die Nummer eins behandelt. "Die Rökk" gilt in der Traumfabrik des Dritten Reichs ohnehin als "Kolleginnen-Fresserin".

Links Zarah Leander mit Hans Stüwe, rechts dieser mit Marika Rökk
"Hallo, Janine", ebenfalls von 1939, ist der Film, bei dem Marika ihren Partner Heesters vom 1. Platz auf dem Plakat verdrängt hat. Ihre Tagesgage liegt nun bei 1000 Reichsmark. Die heimischen Kritiker schwärmen: 
"Etwas hat sie dabei der amerikanischen Konkurrenz voraus: den burschikosen Schalk im Nacken, den sprudelnden Charme und nicht zu vergessen: Paprika im Blut."
Der Rücktritt Heesters scheint die Produktionsfirma nur wenig zu geschmerzt zu haben, denn Propagandaminister Goebbels ist entschlossen, die junge Darstellerin zum absoluten Star des Musik- und Revuefilms zu machen, wenn nötig auch mit wechselnden Filmpartnern. 

Goebbels über die NS-Filmpropaganda: "Der Film ist das beste Propagandamittel, durch das große Volksmassen beeinflußt werden können." Und: "Die gute Laune ist eine der wichtigsten Kriegsartikel. Unter Umständen ist er kriegsentscheidend." Direkte Propaganda hält Goebbels allerdings für wenig effektiv. Stattdessen nutzt er das positive Image der Schauspielerin, um einerseits vom Kriegsalltag abzulenken, aber auch um weiterhin nationalsozialistische Wertvorstellungen zum Frauenbild, zur Familie und zum Muttersein zu übermitteln.

Marika Rökk und die Nazi - Größen - ein Kapitel, das ich an dieser Stelle aufschlagen muss: Sie arrangiert sich recht offen mit den nationalsozialistischen Machthabern, duzt den Reichsfilmintendanten und SS-Führer Hans Hinkel und bewundert Adolf Hitler, wie aus einem Brief an den Diktator hervorgeht:

Zigarettenbildchen
jener Zeit
"Wenn ich Sie, mein Führer, für ein paar Augenblicke erheitern und von Ihrer verantwortungsvollen Arbeit ein wenig ablenken konnte, so bin ich darüber unendlich stolz und glücklich."
Hitler ist entzückt von der temperamentvollen Tänzerin & Sängerin ( "meine kleine Ungarin" ), schickt ihr Blumen, lädt sie zu Empfängen ein. Eine Erinnerungsepisode, von ihr erzählt:
"Zu mir sagte er: 'Was, kleine Frau, können Sie eigentlich nicht?' Ich platzte heraus: 'Deutsch, Herr Hitler!' Alle lachten, er am lautesten. 'Was glauben Sie, wie viele Deutsche kein richtiges Deutsch können?', fragte er. Dann ging er."
Marika und ihr späterer Mann profitieren davon, dass der jüdische Filmproduzent und Regisseur Alfred Zeisler - ein ausgesprochener Förderer der jungen Schauspielerin - mit seiner Ehefrau 1937 vor einer drohenden Verhaftung gewarnt, seine Villa Hals über Kopf verlassen muss, um sich ins Ausland abzusetzen. Das von den Nationalsozialisten beschlagnahmte Anwesen in der Domstraße 28/30 in Potsdam-Babelsberg wird "arisiert" und geht nun an die junge Schauspielerin über, die dort einzieht. Jacoby hat darin zuvor schon als Untermieter von Zeisler gewohnt.  
Nach der Wende und mit dem "Einigungsvertrag" wird Marika Rökk einen Anwalt einschalten, um zu verhindern, dass die Villa der "Jewish Claims Conference" zugesprochen wird. Die Rückgabeansprüche der Nachfahren von Zeisler werden ebenfalls abgewiesen. Zeisler wird noch vor seinem Tod bekunden, dass er nie einen Pfennig für sein Haus gesehen hat. Die Erben der Schauspielerin können es, einst auf einen Wert von 3,5 Millionen Mark geschätzt, 2005 zu ihren Gunsten verkaufen. 
Noch 1944 landet Marika auf der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, mit der Künstler, die dem Regime wichtig sind, von diesem unter besonderen Schutz gestellt werden. Ein etwas anderes Licht wirft auf die Actrice, dass sie die erste Frau ihres Mannes ( bis 1930 ), die jüdische Schauspielerin Edith Meller, mit ihm zusammen versteckt, um sie vor der Deportation zu bewahren. Edith Meller gelangt so in die Vereinigten Staaten und überlebt.

Zurück zum Film: Immer wieder verkörpert Marika dort das zunächst verkannte Talent, das sich gegen alle Widrigkeiten durchsetzt und am Ende in einem großen Finale auf der Bühne triumphiert. Ihre Filme sind Musterbeispiele des eskapistischen Kinos und erreichen ihren Höhepunkt im Verlauf des Zweiten Weltkriegs, als sie dem Publikum kurze Atempausen und Zugang zu einer unbeschwerten Welt ermöglichen, in der Politik keine Rolle spielt. Eineinhalb Kinostunden darf sich das deutsche Publikum im Glauben wiegen, es würde irgendwann zwischen Bombennächten und Terror ein Wunder geschehen.


Ein sinnbildlicher Film für den Notstand des deutschen Kinos an kreativem Potenzial ist der Film "Kora Terry" von 1940. Erneut eine Geschichte im Varieté-Milieu, und auch hier ist Marika der Star, der niemanden neben sich zu dulden scheint, denn sie spielt in einer Doppelrolle mit sich selbst zwei Zwillingsschwestern. Zum einen gibt sie das liebe Mädel, zum anderen die teuflische Verführerin. Der Film kann auch gut & gerne als Gleichnis für die verdeckte Frivolität und dem nur nach außen vorgegaukelten Spießbürgertum des nationalsozialistischen Deutschlands gelesen werden.


1941 gibt ihr Joseph Goebbels die Hauptrolle in seinem Prestigeprojekt, dem ersten Agfacolor-Film namens "Frauen sind doch bessere Diplomaten" unter der Regie des ihr inzwischen angetrauten Georg Jacoby, nun mit Willy Fritsch als Partner. 

Der Revuefilm gehört zu einem der populärsten Genres der Zeit. Noch acht Monate vor Kriegsende spielt die inzwischen Dreißigjährige in "Die Frau meiner Träume" eine Figur, die sich in verschiedenen Milieus gegen schwierige Umstände behaupten muss und unterstützt so moralisch die kriegsverzagte Öffentlichkeit, die den Wahnsinn des Kriegs weiter mittragen soll. Es wird ihr letzter Film unter den Nazis, ein witziges Singspiel, das bis heute den Rekord als Deutschlands umsatzstärkstes Musical hält.
 
Die Jacobys als frisch gebackene Eltern
Gemeinsam mit ihrer Tochter Gabriele, genannt Gaby, die am 13. April 1944 geboren worden ist, geht sie im gleichen Jahr nach Österreich. Dort, nach dem Ende des Krieges, wird ihr wegen ihres Mitwirkens in den NS-Propagandafilmen und angeblicher Spionage zunächst ein Auftrittsverbot erteilt, sie darf dann aber 1948 – nach Rehabilitierung bzw. Abwehr der Verdächtigungen der Nazi-Mitarbeit – in dem Revuefilm "Fregola" schon wieder mit Rudolf Prack flirten. Als wäre nichts gewesen, springt die vielfach eingeübte, nun bonbonbunte Unterhaltungswelt wieder an, damit ja ordentlich alles verdrängt werden kann. Einst die "ungarische Stimmungshaubitze" der Nazis, versprüht sie jetzt weiterhin verschwenderisch gute Laune in Richtung Wirtschaftswunderwelt.

Ihr Mann muss noch bis 1950 auf seine Arbeitserlaubnis warten. Doch dann initiiert er nach dem bewährten Rezept ihrer Ufa-Filmerfolge weiter Filme, in denen bald auch wieder ihr Traumpartner Johannes Heesters ihr zur Seite steht, und mit denen an ihre alten Erfolge angeknüpft werden soll. "Kind der Donau", der erste österreichische Farbfilm wird unter russischer Besatzung gedreht - mit einem gewissen sozialistischen Touch. Es folgt 1951 die "Die Csardasfürstin", frei nach der Operette von Emmerich Kálmán. Die Außenaufnahmen entstehen jetzt aber außerhalb von Studios in Taormina, Rom und Paris.  Für den "Spiegel" ist die Neuverfilmung ein "Atelierausflug ins agfacolorierte Ungarland". Das deutschsprachige Publikum drängt an die Kinokassen. 


Zwar großer Publikumsliebling- an ihre Glanzzeit des Ufa-Kinos kann sie nicht mehr anknüpfen. Sie wirbelt zwar noch in zehn weiteren Filmen mit ihren Beinen und kann 1959 noch einen letzten Film mit ihrem Mann, "Die Nacht vor der Premiere", drehen. 

Jacoby stirbt 1964 mit 81 Jahren in München. Da hat "die Rökk" sich, schon fern von ihm mit dem Pianisten Theo Neuhaus lebend, eine Bühnenkarriere in Wien, Hamburg, München und vor allem Berlin in Revuen und Musicals aufgebaut. Die Tochter ist unterdessen bei den Großeltern, vor allem der Großmutter, die sie als Mama bezeichnet, aufgewachsen. Mit der ebenso starken Persönlichkeit von Gabriele kann die Mutter wenig anfangen, und Familie beschränkt sich auf ein, zwei Besuche im Monat und gemeinsame Weihnachten.

Besonders in der Titelrolle des Musicals "Hello, Dolly!" (1968) und in der Komödie "Die Gräfin vom Naschmarkt" (1978) feiert sie Erfolge. Komödien, die nur wenig Zeit zum Tanzen einräumen, aber umso mehr Klamauk bieten, etwa "Mein Mann das Wirtschaftswunder" (1961) mit Heinz Erhardt und ihr bis dahin vorerst letzter Film "Hochzeitsnacht im Paradies" (1962) an der Seite von Peter Alexander sind eher Karikaturen ihres Leinwand-Images, denn sie gibt darin die hysterisch schreiende, intrigante Operetten-Diva.

Mit Fred Raul
1968 heiratet sie erneut, nun den Schauspieler Fred Raul, mit dem sie bereits in den Jacoby-Filmen "Nachts im Grünen Kakadu" (1957) und dem Revuefilm "Bühne frei für Marika" (1958) vor der Kamera gestanden hat und der sie fürderhin auch managen wird. Durch Übertragung einiger ihrer Bühnenauftritte im Fernsehen bleibt sie dem Wohnzimmerpublikum nachhaltig in Erinnerung.

Präsent ist sie im deutschen Fernsehen auch durch ihre Werbespots für die Gesichtspflege-Marke "Hormocenta", der man auch in allen Printmedien damals in den 1960er Jahren nicht entgehen kann. 1970 bekommt sie, nunmehr 53 Jahre alt, beim Zweiten Deutschen Fernsehen eine eigene Show: "Eine Frau in unseren Träumen". Weitere Showauftritte folgen, auch ein Auftritt in der Serie "Die Schöngrubers".

Schon 1948 hat sie ihren ersten Bambi erhalten - vier weitere werden bis folgen-, den Deutschen Filmpreis: Filmband in Gold, den Bayerischen Filmpreis, die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold. Mitte der 1980er Jahre tritt sie kürzer, um bei ihrem Mann zu bleiben, der 1985 stirbt. 

Der Regisseur Peter Schamoni kann sie 1987 zu einem letzten Filmauftritt engagieren. Der Film "Schloss Königswald" ist eine Hommage an alte deutsche Kinostars wie Carola Höhn, Marianne Hoppe, Camilla Horn und eben Marika Rökk, nach einem Roman von Horst Bienek. Er schildert, wie acht adelige alte Damen auf einem Schloss in Böhmen das Ende des Zweiten Weltkriegs erwarten. "Die Rökk" ist natürlich ein einen Revuestar, der auch im Alter von 74 Jahren immer noch nicht vor flotten Tanzschritten und Salti zurückschreckt ( ganz am Ende des Trailers zu sehen ):

"… es ist kein Geheimnis, daß […] sich [Marika Rökk] neben den anderen berühmten Kinodamen sozusagen im Freistil, mit Ellenbogen und Tanzbeinen, nach vorn gekämpft hat, kein leichter Stand für Regisseur und ‚Ringrichter‘ Peter Schamoni", schreibt Elvira Reitze in ihrer Biografie der Künstlerin.
1992 kehrt sie anlässlich des 110. Geburtstages von Emmerich Kálmán auf die Bühne in ihrer Heimatstadt Budapest als Gräfin Mariza zurück– eine Rolle, die sie im Lauf ihrer Karriere über 700 Mal verkörpert hat. Ihren letzten Fernsehauftritt hat sie 1998, als sie bereits 85 Jahre alt ist.

Die folgenden Lebensjahre verbringt die Künstlerin zurückgezogen in ihrer Villa in Baden bei Wien. Dort feiert sie am 3. November 2003 auch ihren 90. Geburtstag im Kreise ihrer Familie. Nur ein halbes Jahr später, am 16. Mai 2004 ereilt sie ein Herzinfarkt. Ihre letzte Ruhe findet sie auf dem Helenenfriedhof in Baden.

"Ich bin immer mit der Zeit mitgegangen", wiederholt sie über die Jahrzehnte. Und: Sie sei schließlich immer ganz unpolitisch ( "Ich wähle nie." ) gewesen und habe sich immer nur um ihre Kunst gekümmert. Goebbels habe sie nicht leiden können, weil er sie unterm Tisch ans Knie gefasst hat. 

Das bleibt, fast mantramäßig aufgesagt, bis in spätere bundesrepublikanische Zeiten so. Dass sie so gar keine Spur von Selbstkritik zeigt, macht sie mir eher unsympathisch und beeinträchtigt meine wohlwollende Haltung gegenüber der Frau, die mir als Kind und weit darüberhinaus mit ihren Auftritten & Schlagern "eine Insel aus Träumen geboren" ( der Hawaii-Schlager des Jahres 1938, aus Rökks Film "Eine Nacht im Mai" ) verschafft hat. Eine Wertschätzung mit einer gewissen Ambivalenz also...

                                                                             


Auch heute möchte ich euch wieder auf Frauen verweisen, 
über die ich bereits gepostet
& die in dieser Woche einen Gedenktag haben:

Samstag, 8. Februar 2025

Meine 6. Kalenderwoche 2025

 "Die Wahrheit stirbt – 
und wir applaudieren noch dabei."
Tom Wannenmacher
"Das Böse ist nicht Kontrapunkt des Guten, 
sondern nur das Unvermögen, 
das Gute zu tun. 
Begleitet ist es von den drei sogenannten Geistesgiften: 
Gier, Hass und Verblendung."
Frido Mann
"Wenn wir wirklich glauben, 
wir könnten all unsere strukturellen Herausforderungen 
durch Migrationspolitik lösen, 
ist uns nicht mehr zu helfen.
..... 
Hält Politik nicht, was sie verspricht, 
ist das für Populisten der Beweis, 
dass mehr Ordnung nur in einem anderen, 
autoritären Staat möglich sei."
Hannes Schammann
"Freiheit gewinnen wir, 
wenn wir wissen, was uns eint." 
Jürgen Becker

Der vergangene Samstag war diesmal was für mein ( privates ) Herz: Meine älteste Enkelin kam zu Besuch. Und für sie hab ich wieder gebacken - meine Lieblingstorte - und genäht. Sie hatte einen kleinen Wunsch nach einem Täschchen für ihre Kopfhörer.

Ihr Opa schickte einen kleinen Gruß an uns. - Wir hatten ein langes, intensives Gespräch, das mir noch einmal klar machte, welchen rollback die jungen Frauen in puncto Frauenrechte & Frauenrolle fürchten, wenn sich der Rechtspopulismus weiter ausbreitet. Ein Thema, das ja derzeit überhaupt keine Rolle mehr im Wahlkampf spielt, aber u.a. auch entscheidend ist für die, die am Anfang ihres Lebens stehen.

Am Abend habe ich mich dann köstlich amüsiert, als ich in der WDR-5- Mediathek das neue Programm von Jürgen Becker "Deine Disco - Geschichte in Scheiben" gehört habe. Jürgen Becker ist mein liebster kölscher "Sozialarbeiter" seit den 1980er Jahren, als er mit der Stunksitzung angefangen hat. 


Er bringt so vieles auf den Punkt dank Kölscher Sprooch, was annervt und einem zugemutet wird, dass man nur noch lachen muss. Köstlich z.B. ab Minute 23:50 seine Ausführungen zu "Hoch auf dem gelben Wagen"! Aber auch seine Anmerkungen zum Beitrag der E-Gitarre zur Frauenemanzipation - herrlich! Zum Scheitern der "Fridays for Future" - Bewegung wegen fehlenden Soundtracks: Früher heizte man mit dem Motorrad so easy-rider-mäßig, nicht mit der Wärmepumpe ein! Das damalige, auf diese Weise vermittelte Lebensgefühl kann mich heute noch vom Sofa reißen.

Die Chance zum Mitsingen habe ich mit Begeisterung am Schopf gepackt, kann ja - allein zo Huus - keiner mit schiefen Tönen drangsaliert werden. Die Musikmischung: ganz meine, von Rolling Stones, Pink Floyd bis Rex Gildo & Heino, garniert natürlich mit kölschen Schnaderhüpferln ( 2 Millionen Lieder, in denen es nie um Arbeit geht! ) Und zum Schluss - singt mit! - glaubt mir "Ich liebe das Leben" und "Ich brauche keine Millionen".

Am Sonntag kam ein Anruf von den Wahlverwandten, und ich bin auf ihre Einladung hin spontan mit ihnen zur Röschen-Sitzung gegangen. Jetzt erst recht, dachte ich, wo queere Menschen wieder auf der Hut sein müssen bei einer Politik, die ausgrenzt. Also habe ich mich mit all dem bekleidet, was ich in Pink habe, meinen Frack angezogen, meine pinkfarbene Perücke und meinen Dreispitz aufgesetzt. 

Im "Gloria" war ich schon lange nicht mehr, erinnere mich aber noch an die erste "Rosa Sitzung" vor dreißig Jahren mit Hella von Sinnen, Cornelia Scheel, Klaus Vinçon, Ralph Morgenstern u.a.

Das ganze hatte zwar etwas Längen, aber die ausgelassene Stimmung und das Zusammensein mit zwei so liebenswürdigen Menschen hat wieder gut getan. Sogar mein altes Kostüm von hier, getragen von meinem jüngeren Wahlverwandten, hat den dritten Platz gemacht beim Kostümwettbewerb.

Und da ich in der Eile vergessen habe, mich zu fotografieren, gibt es wenigstens ein Bild meiner Kostümierung auf der Treppe nach oben liegend, um wieder im Karnevalsschrank verstaut zu werden. Soweit mein Beitrag für niwibos Thema "Mit Rosa durch den Februar".

Die politischen Beben der Vorwoche hielten mein Gemüt auch in dieser Woche noch in Unruhe. Aber auch die Nachrichten um meinen Liebling unter den griechischen Inseln ließen mich die Luft anhalten: Solch Schönheit sollte jetzt auch nicht noch untergehen! Ich hoffe, es geht gut wie damals, als wir uns fünf Wochen unter Erdbeben in Griechenland aufgehalten haben.

Was ist das schön, dass mich jetzt der Bus wieder im Hellen zu meiner Aquafitness transportiert! Und dazu pünktlich, so dass ich noch ein paar kleine Runden ganz allein im Becken schwimmen konnte. 

Zwecks Gemütsaufhellung habe ich mir eine Erinnerung an die Provence gegönnt, sogar mit einem Gläschen "Côtes de Provence". Musste einfach sein.

Weil ich am Donnerstag sowieso zum Zahnarzt musste, bin ich gleich weiter durch zur Bank gefahren. Und weil nur ein paar Schritte weiter eine floristische Alternative zu finden ist, habe ich mich dort mit Freitagsblümchen eingedeckt. 

Blumen sind also meine Rettung ( ja, nicht nur in diesen Tagen. Und es ist mein liebstes wöchentliches Ritual - so viel zum Fotofragezeichen. ). Den Wahnsinn kann ich u.a. auch nur mit viiiiiiiel Humor ertragen ( hier zum Beispiel )...


... denn ein bisschen fühlte ich mich ab und an nach dieser Shitshow von letzter Woche so wie in jungen Jahren bei einem Kater nach einer zu alkohollastigen Nacht. Grrrmpf... Damit habe ich in der zurückliegenden Woche viel Zeit verbracht, was aber nicht photographable war, liebe Andrea!

Aber damit war ich auch nicht alleine. Das ist mein Fazit aus den Gesprächen, die ich in der zurückliegenden Woche geführt habe. Es hat dann auch nicht lange gedauert, bis die kritisierte Partei all denen, die auf die Straße gegangen sind, abgesprochen hat, aus der gesellschaftlichen Mitte zu kommen. Sind alles ( Links- )Extreme, schimpft die Weinkönigin & chronische, verifizierte Lügnerin ( von der auch so Äußerungen wie "Der Klimawandel ist so ‚en vogue‘ wie eine Krebsdiagnose" stammen ).

Zwei solche Extremistinnen meiner Altersklasse, Marion & Ingrid vom Severinskirchplatz, sind zum Beispiel hier zu sehen, für alle, die bei Instagram sind. 

Auf der Strecke bleiben bei einem solchen Wahlkampf die Inhalte, das, was den Menschen in ihrem Alltag zu schaffen macht, das Sinken der Reallöhne, das Steigen der Mieten in den Städten, die Mängel in der Kinder- & Altersbetreuung, Bildung, Gesundheitswesen, Mobilität. Und über allem die drohenden Auswirkungen des Klimawandels. Vier von fünf Wählern finden, dass Migration nicht das wichtigste & alleinige Thema sein sollte. Da wird eine kleine Gruppe von Menschen ausgesondert, als ob die für all unsere Probleme, für alle Mängel verantwortlich wären. Aber wem sage ich das.

Symbolpolitik ohne reales Veränderungspotential, es sei denn, dass es einen Schaden reißt, indem es bei einem Viertel der Menschen, die in den letzten Jahrzehnten sich hierzulande eingebracht haben und den Laden mit am Laufen hielten, eine große Verunsicherung hervorrufen. Dabei sind das so viele patente Leute: der portugiesische Installateur, der am Freitag meine Badheizung wieder ans Laufen gebracht hat, der irakische Paketzusteller, der immer so herrlich schmunzelt, die peruanische Fußpflegerin, die meine Füße & ihre Macken gut im Blick hat und mich auf Wolken laufen lässt, der kurdische Schlüsseldienst-Monteur, der mich zuletzt aus widriger Lage befreit hat, die geduldige Kassiererin mit polnischen Wurzeln in meinem Supermarkt und und und. 

Außerdem kreisen in meinem Kopf die Erinnerungen an das, was meine Mutter als Jugendliche & Flüchtling 1948 in meiner badischen Heimat an Ausgrenzung & Beschimpfung und Widerwärtigkeiten mehr aushalten musste, bevor die große Liebe meines Vaters ein happy end gesetzt hat. Haben die das alles vergessen & verdrängt?

Das, was da so verbrockt wird, macht mich wütend wie schon lange nicht mehr.

( Menschenverachtender geht nicht auch der Vorschlag von Pmurt, den Gazastreifen in eine "neue Riviera" umzuwandeln. Nur diesen einen Blick über den Tellerrand zum Schluss dieses Posts. Hab auch all das nicht aus den Augen verloren.  )

                                                                           

Verlinkt mit dem Samstagsplausch, "Niwibo sucht..." & den Fotofragezeichen sowie dem Mosaic Monday.

Samstag, 25. Januar 2025

Meine 4. Kalenderwoche 2025

 "Ich glaube, 
wir können uns respektvoll widersprechen
 und unsere Ideen äußern
 und weiterhin für die Überzeugungen eintreten, 
die uns gegeben wurden, 
ohne zu Gewalt in der Sprache zu greifen."
Mariann Edgar Budde

"I knew one day I’d have to watch powerful men 
burn the world down – 
I just didn’t expect them to be such losers. 
.....
It’s time for us to start getting revenge on the nerds."

"Weil wir aber vom Zeitalter der Vernunft 
ins Zeitalter der Mythen 
und Symbole übergetreten sind,
 ist es würdig und recht, 
den Orangenator Pmurt zu nennen."
Kurt Kister


884 Tage ist es jetzt her, seit ich unfreiwillig Single geworden bin. Weil die Sonne mal willig und mein verabredetes Treffen krankheitsbedingt ausfallen musste, bin ich mit der Bahn zum Friedhof gefahren. 


Ich wollte mich über meinen Status beim Verursacher beklagen. ( Ja, manchmal kippt die Stimmung. )


Und dann ergab sich ein Gespräch mit einer anderen Witwe im Bestattungsgarten. So viele Empfindungen, Erfahrungen, Lebensperspektiven gemeinsam! Plötzlich war wieder da: Unser Leben, auch jetzt, auch unter diesen Bedingungen, ist schön & es allemal wert.

Schon immer fand ich den Denker im Rosenrondell des Friedhofes meinem Mann ähnlich. Der hatte auch solch klassisch - griechisches Profil und leicht gelocktes Haar, damals, beim Kennenlernen.



Mir ging's nachher wieder gut. Meine Alternative für den Samstagabend - ein karnevalistisches Singen - lockte mich dann allerdings nicht mehr.

Nach einer weiteren Frostnacht in diesem Januar von knapp -5°C und aufkommendem Nebel war mir nach Wärme zumute. Also habe ich mir Schakschuka gemacht und...

... noch einmal mein neues Kleid aus molligem Nickistoff angezogen ( wo doch die Zitronenfalterin in dieser Woche nach dem Lieblingsoutfit fragte ). Die austauscharme Luft voller Feinstaub triggert mal wieder meine Atemwege, wie sie es tut, seit ich als Kind in die Köln-Bonner-Bucht "verschleppt" worden bin. Zum Glück habe ich mir auch in diesem Winter bisher keinen akuten Infekt eingehandelt, so dass ich damit zurechtkommen kann. Rausgehen mag ich dann nicht unbedingt. Beim Gang zum öffentlichen Bücherschrank blieb es.

Frau K. braucht einen neuen Personalausweis. Daher ging es am Montag von Kopf ( Friseurin ) bis Fuß ( Podologin ) gepflegt zum Fotografen. Auf dem Heimweg begegnete mir diese Frage. Die Antwort ist klar ( gerade & erst recht an DIESEM Montag ): Philanthropin.

Ich hab diesmal nichts verfolgt, weder im Radio, noch in den social media, noch bei meinen Online-Zeitungen, dieses Spektakel um Dlanod Pmurt ( O-Ton Kurt Kister ). Gemessen an dem, was auf meinem Blog los war, haben sich da auch ganz viele abgelenkt und plötzlich wurden Great-Women-Posts aufgerufen, wat dat Zeuch häld. Ich hab gelesen und mir Ofengemüse gemacht.

Eigentlich mag ich diesen Anblick aus dem Badezimmerfenster wie der am Dienstagmorgen... Und nochmal wurde das Kleid angezogen, da so wohlig auf der Haut und somit der Seele. ( Dann kam es in die Wäsche. 😂 )

Aber so richtig behaglich war mir mental immer noch nicht ( und nach dem neuen Attentat erst recht nicht ). Das Epigramm von 1953 von Erich Kästner weckte am Mittwoch allerdings auch meinen Widerstandsgeist:

Eine Mutfrage 
 
Wer wagt es,
sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? 
Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen.

Ich geb das mal gerne an alle meine Leser*innen weiter. Mariann Edgar Budde, Bischöfin der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten, ist so eine "kleine Blume". ( Natürlich wird sie wieder als "links" geframt, ist sie tatsächlich jedoch nur ihrem Gott gegenüber verantwortlich. )

Wenn Kirchenmenschen so klar verständlich, wahrhaftig, unverschwurbelt und ruhig sprechen, ist auch eine Agnostikerin wie ich immer wieder bereit, ihre Haltung zu Religionen zu überdenken...

Ich halte es da in vielem mit Kurt Kister, der mir diese Woche schrieb:

"Wenn ein Politiker oder eine Politikerin, eine Partei oder ein Monarch sich darauf beruft, von Gott auserwählt, gesandt, gerettet oder beauftragt zu sein, ist allerhöchste Vorsicht geboten. Der Allerhöchste nämlich hat schon lange keine Aufträge mehr erteilt, wenn er es denn jemals getan hat. Zum Beispiel ist jeder Versuch, Gebietsansprüche mit göttlichem Willen zu begründen, metaphysischer Imperialismus, der keinen Deut besser ist als nackter Imperialismus."

Mit ihm stimme ich auch in der Idee überein, - wenn Gott denn je mit im Spiel sein sollte - "könnte dies auch darin bestehen, den unbotmäßigen Menschen wieder einmal, noch einmal eine Prüfung aufzuerlegen. Pmurt jedenfalls übererfüllt alle Kriterien, die für eine göttliche Prüfung nötig sind."

Auf die "Habenseite" dieser Woche gehört das Geburtstagspäckchen von Karin, dass im 2. Anlauf endlich zu mir gefunden hat - vielen Dank für Zitronensirup & bunte Ringelsocken! - und das gemeinsame Essen mit Schwägerin & Freund, ebenfalls ein nachgeholtes Geburtstagsereignis. So was habe ich diese Woche gebraucht. Und viel RUHE. Die konnte ich aber fotografisch nicht abbilden.


Springer und die Erfahrungen mit seinen politischen Kampagnen gehören zu meinem Lebensweg von frühester Jugend an. Verlogen & verleumderisch und misanthropisch bis aufs Hemd - nicht mein Verständnis von gutem Journalismus! Was der Verlag und sein oberstes Revolver-Blatt sich diese Woche wieder mal in Richtung Manipulation - ich möchte glatt sagen: Volksverblödung bis -verhetzung - geleistet haben, als sie den eindeutigen Auftritt von E. Musk bei der Inauguration klein geredet bzw. als irritierend - seltsame Geste in den Bedeutungskontext ( "Framing" ) "so sehen das nur LINKE" gesetzt haben, hat mich bestätigt. Es ist ja nicht das erste und einzige Mal. ( Mittlerweile gibt es sogar schon eine kleine Bewegung, die das Boulevardblatt in Zeitschriftenauslagen unter anderen Blättern versteckt oder in den hinteren Fächern versenkt. )

Nur mal zur Kenntnisnahme: Inzwischen gehört der Verlag zu 35,6 % einem amerikanischen Großkonzern, einer sogenannten Heuschrecke, der KKR. KKR zählt zu den größten Investoren in fossile Energien, unter anderem Anteilseigner an LNG-Terminals & großen US-amerikanische Öl-Pipelines, hat also ein Interesse, damit Profit zu machen . 
" 'Heuschrecken' meint Private-Equity-Gesellschaften und Hedge Fonds, deren Ziel ist, aufgekauften Unternehmen Schulden aufzubürden und sie mit höchstmöglicher Rendite wieder zu verkaufen. Das geschieht, indem öffentlich gehandelte Unternehmen nach dem Kauf von der Börse genommen werden, um sie also dem Licht der Öffentlichkeit zu entziehen. Wenn KKR die Kontrolle über ein Unternehmen konsolidiert hat, folgen häufig Umstrukturierungen wie Massenentlassungen, Aufspaltungen oder Fusionen, um das Unternehmen profitabler zu machen. Nach einer gewissen Zeitspanne wird dann das nun wertvollere Unternehmen wieder abgestoßen und auf diese Weise Gewinn erzielt. Ganz ähnlich ist das auch nach dem Einstieg von KKR bei Springer passiert."
Auffallend war, dass es besonders viele Treffen zwischen KKR und Kanzleramt vor und während der Debatte um das Heizungsgesetz gab und viel Lobbyarbeit geleistet wurde. Dafür gibt es Belege. KKR nimmt auch drei Posten im Springer-Aufsichtsrat wahr. Vorstandschef Mathias Döpfner sowie Unternehmens-Erbin und vormalige Haupteigentümerin und Aufsichtsrätin Friede Springer ziehen mit KKR laut interner Vereinbarung zusammen an einem Strang.

Da sollten jetzt Alarmglocken schrillen, mindestens aber klingeln: 

Das auflagenstärkste Tagesblatt in Deutschland hat in den vergangenen Jahren in mehr als hundert Artikeln kampagnenmäßig den Wirtschaftsminister und das Heizungsgesetz der noch aktuellen Regierung attackiert. Das Gesetz wurde in Grund & Boden gestampft, und die Mitbürger verunsichert bzw. manipuliert bis aufgehetzt. Rede mal mit Fachleuten: Mein Heizungsinstallateur hat sich die Haare gerauft über all den Schwachsinn, der da von Springerblättern in deutsche Hirne implementiert worden ist!

2025 will KKR das Mediengeschäft von Springer wieder übrigens wieder abgeben. Ziel erreicht? Ein "Geschmäckle" bleibt. 

Und der neueste move des Blattes weist für mich daraufhin, in welche Richtung unserer Land in Zukunft gedeut werden soll. Da steht nicht die Mittelschicht im Blickpunkt - immerhin hat die kleine Bundesrepublik inzwischen schon Platz vier in der Liste der Milliardäre weltweit erobert!

Letzte Woche ging es an dieser Stelle u.a. auch um die Verbal-Windmühle ( O-Ton: Tobias Mann ), die nicht nur mit der ihr eigenen Mimik, sondern mit den Armen mühlend sich für die Abschaffung von Windrädern ausgesprochen hat. Ihre Alternative: Atomkraftwerke. 

Wo bekommen wir bloß das dafür notwendige Uran her? 

Unser Land muss 100% davon aus fremdem Ländern besorgen, bis 2023 waren das Kasachstan, Niger oder Russland. Die Frage der Endlagerung des Mülls ist insofern geklärt, dass es nicht Söders Bayern sein wird, also die restlichen 71 Millionen Menschen in Deutschland damit konfrontiert sein werden. Wegducken? 
Auch der Steinkohleimport Deutschlands liegt bei hundert Prozent, Erdöl kommt zu 98% und Erdgas zu 95% aus dem Ausland - lauter schreiende Widersprüche. Aber die Windkrafträder müssen weg! Mehr Abhängigkeit bitte! Sehr patriotisch das, die Oligarchen in diesen Exportländern zu füttern. Arsch für Deutschland...

Mal davon abgesehen ist die Forderung absurd: Knapp die Hälfte des in Europa mittlerweile produzierten Stromes stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Solar ist jetzt wichtiger als Kohle, Windkraft sogar wichtiger als Gas, dessen Anteil im 5. Jahr in Folge abgenommen hat. Klar, dass die Russlandfreunde nichts davon halten, wenn weniger in die Kriegsschatulle des Zaren fließt.

Ich bin dann mal weg. Auf'm Heumarkt...

                                        


Verlinkt mit dem Samstagsplausch der Berliner Andrea und den Fotofragezeichen der am Bodensee. Und wenn ich dran denke, mit dem Mosaic Monday bei Heidrun