Wer erinnert sich noch? Sieben Jahre habe ich Freitag abends über den saudischen Blogger gepostet, der in Saudi - Arabien zehn Jahre lang wegen seiner religions- & regimkritischen Aussagen eingesperrt war und im Januar 2015 öffentlich ausgepeitscht worden ist. Damals ging ein Aufschrei durch die ( westliche ) Welt und unzählige Organisationen & Initiativen haben sich für ihn eingesetzt. Am 22. März letzten Jahres wurde er dann aus der Haft entlassen...
... und durfte leider nicht zu seiner in Kanada lebenden Familie ausreisen, denn zu seiner Strafe gehört auch ein Reiseverbot über weitere zehn Jahre. Raif ist inzwischen 39, seine Kinder 19, 18 und 15 Jahre alt. Selbst nach Saudi Arabien zu reisen, um ihn zu sehen, können sie und Raifs Frau Ensaf Haidar nicht. Sie telefonieren miteinander. Die einzige Möglichkeit der Kommunikation, denn Facebook, Twitter oder andere soziale Medien, in denen er seine Meinung öffentlich äußern könnte, darf er weiterhin nicht nutzen. Auch auf der Straße ist es ihm verboten, seine Meinung zu äußern, ansonsten darf er sich aber frei bewegen, ob überwacht oder nicht, wissen wir nicht.
Laut Ensaf Haidar fühlt er sich unter all den Beeinträchtigungen als freier Mensch. Sie hofft auch weiterhin, dass die Veränderungen in Saudi Arabien eine Lockerung seiner Einschränkungen mit sich bringen wird. Das Land betrachtet sie allerdings nicht mehr als ihre Heimat, denn sie fühlt sich wie ihre Kinder in Québec wohl, wo sie als verantwortungsbewusste, eigenständige Frau leben kann. So lange sie in SA lebte, dachte sie, Freiheit bestünde darin, sich nicht mehr verschleiern zu müssen, Auto fahren oder sich unbegleitet bewegen zu dürfen. Inzwischen, so ihre Aussage, weiß sie das Recht auf Meinungsfreiheit viel höher zu schätzen. Und dafür zu kämpfen, auch für Menschen in Ländern, in denen andere Traditionen gelten und zu denen solche angeblich westlichen Werte nicht passen.
Ich fand, es war mal an der Zeit, an dieses Einzelschicksal zu erinnern. Es ist inzwischen so viel passiert, weltweit wie im ganz Kleinen, Privaten, dass frau/man so vieles aus den Augen verliert, was einen mal sehr beschäftigt hat und einem wichtig war.























