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Sonntag, 5. Juni 2011

Bäuchlein in London


Tick, Tack, Tick, Tack: Derzeit fühle ich mich so, wie es eine berühmte norddeutsche Radiokunstfigur, zu sagen pflegte: "Es rasen die Zeiger der Uhren und wir rasen mit!" (Frieda)  und damit hat sie es genau auf den Kopf getroffen. Mensch schon wieder ein Jahr rum. Mein Blog ist nun auch schon mehr als 365 Tage alt und folglich bin ich auch, genau, ja... ebenfalls ein Jahr älter geworden. Das allein wäre sicherlich noch kein Grund zum reflektieren, wenn ich nicht auch noch genullt hätte. Die große "4" - nun ist sie da. Ist jetzt alles anders? Oder, bleibt alles wie es ist? Kommt jetzt die Midlife-Crises oder bin ich vielleicht schon mittendrin? Einige Freunde riefen mir sogar in Knef'scher Manier zu: "von nun an gehst Berg ab" und ich gebe gerne zu: es zwickt und zwack auch schon mal hier und da. Der morgentliche Blick in den Spiegel hält völlig neue An-/Einblicke parat, mit denen ich mich noch anfreunden muss und der Kampf mit der Hauswaage wird härter. 

Aber runde Geburtstage sind natürlich auch toll. Es gibt Geschenke und J hat sich dieses Jahr richtig ins Zeug gelegt. Alles war natürlich streng geheim. Meine verzweifelten Versuche ihm den einen oder anderen Tipp zu entlocken, scheiterten kläglich. Schlussendlich gab es nur ein wage Anweisung: bitte packe mal so für 3-4 Tage ein paar Sachen ein, was Schickes darf auch dabei sein und ach ja, vergiss deinen Ausweis nicht. Hhmm? Wir verreisen - aber wohin?

Noch auf der Fahrt zum Flughafen, war ich vollkommen ahnungslos. Erst als wir am Gate ankamen, hatte ich Klarheit und rief etwas unpassend: Oh Gott - es geht nach London und wir haben nirgends einen Tisch reserviert! Ich griff sofort zum Telefon, aber leider waren St. John und Ottolenghi natürlich schon wochenlang im voraus ausgebucht, auf Gordon Ramsay konnte ich nach Hell's Kitchen gut verzichten. Schlussendlich wurde ich nach kurzer Recherche bei Eline mit dem Canteen versöhnt und Herr Paulsen steuerte mit seinem Tipp für das Wild Honey in Mayfair einen wunderbaren Abend mit feiner Küche bei. Es waren entspannte und schöne Tage: ausschlafen, gutes Frühstück, bummeln an der Themse, modern Tate hoch und runter, St.Pauls und natürlich einkaufen im Top Shop.

J ist eben ein Schatz. Danke dafür!

Und weil das "english slowly poached pork belly" in London so wunderbar geschmeckt hat, ich euch daran teil haben lassen will, wird hier und heute ein "schweinisches" Festessen serviert...

Das Rezept habe ich bei einer gewissen Tochter A abgeguckt. Danke dafür!





  • Lackierter Schweinebauch und Mispel-Chutney
  • für 4-6 Esser
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  • Schweinbauch, 500-600 g
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  • Gewürzsalz:
  • Pefferkörner, Fenchelsaat, Kümmel, Koriandersaat, Kardamom
  • grobes Meesalz
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  • Lack:
  • Kastanienhonig, Sesamöl, Chilipulver, geriebener Ingwer, 
  • Limettensaft, Sojasauce
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  • Chutney:
  • türkische Mispeln, 8 Stück
  • Schalotten, 1-2 Stück
  • Ingwer, 1 fingerbreit
  • Weißweinessig, 1 Esslöffel
  • Cayennepfeffer
  • Butter, Zucker, Salz
  1. Gewürze rösten und dann mit dem Meersalz im Mörser fein zerreiben
  2. Schweinebauch auf der Fettseite einritzen und mit dem Gewürzsalz einreiben
  3. Fleisch vakuumieren und bei 63 Grad im Wasserbad für 24-30 h garen
  4. Mispeln häuten, entkernen und fein würfeln. Schalotten und Ingwer ebenfalls sehr fein würfeln in etwas Butter anschwitzen, Mispelnwürfel dazugeben und mit Weißweinessig ablöschen. Das Ganze etwas köcheln lassen, dann mit Salz, Cayennepfeffer und ggf. einer Prise Zucker abschmecken.
  5. Grill im Backofen ordentlich anheizen, Lack zubereiten, den Schweinebauch aus der Folie nehmen und einpinseln und dann ins Rohr geben. Die Schwarte soll schön knusprig werden. Ich empfehle den Lack 2-3 mal aufzutragen und dann jeweils für 3-4 Minuten das Stück zu grillen. Immer schön aufpassen, sonst verbrennt das gute Stück! 


Mittwoch, 27. April 2011

Parsley at its best


Unseren Eltern war Sie nur zu gut vertraut, die immer gleiche Dekoration auf Salzkartoffeln und Tellerrändern, die inzwischen fast in Vergessenheit geraten ist. Jedes Hauptgericht von Nord bis Süd erhielt sein kleines Portiönchen, ob es nun passte oder auch nicht. Gern drapierte man es auf kalte Platten, meist im Einklang mit Tomatenrosen, Igel-Radieschen, gefüllten Eiern und anderen kulinarischen Verbrechen. Königin dieser "unnützen" Beilagen istwar ganz klar - die Petersilie. Sicherlich sind  Fernsehköche, wie ein gewisser Herr Wilmenrod, nicht ganz unschuldig daran. Die heutige Kochelite lehnt dagegen solch schnödes Beiwerk entweder rigoros ab oder zelebriert eine andere Art von hochentwickelter Dekorationskunst. Das grüne Kräutlein hat es derzeit wirklich schwer und muss sich mühsam behaupten. Der staubig muffige Ruf einer vergangenen Zeit lässt sich eben nicht so schnell abschütteln.
Darum - Schluss mit all dem Mief und hin zum neuen Trend der gesunden Gemüseküche, denn eins ist klar - auch aus diesem Gewächs kann etwas Köstliches werden. Also vergesst PVC Tischdecke, Plastikbestuhlung, Zitronensterne und Käseigel -  schaut lieber mal hier, was ich daraus gezaubert habe:



  • Lachs, Petersilienpüree und Schalotten-Petersilien-Konfitüre
  • für 4 Personen
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  • Lachsfilets, 4 Stück
  • Fleur de Sal
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  • Kartoffeln, ca. 400 g
  • Pastinaken, 300 g
  • Haselnussöl, 1-2 Esslöffel
  • heiße Milch
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  • Petersilienblätter, 2 Bund
  • Rapskernöl
  • Zitronensaft
  • Salz, Pfeffer
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  • Petersilienstengel von, 2 Bund
  • Schalotten, 2 Stück
  • Riesling, 1 Schuss
  • Butter, Salz, Pfeffer
  • Kuzu oder Pfeilwurz, 1/2 Teelöffel
  1. Petersilienblätter von den Stengeln zupfen, 4-5 Blättchen zur Seite legen, dann die Hälfte davon in sehr gut gesalzenen Wasser für 30 Sekunden blanchieren, auf Küchenkrepp gut abtrocknen und zusammen mit den restlichen fein gehackten Blättern und soviel Rapsöl wie nötig in einem Mixer für mehrere Minuten sehr fein pürieren. Das Püree abschließend mit etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen.  
  2. Kartoffeln und Pastinaken würfeln und in Salzwasser garen, ausdämpfen lassen, durch ein grobes Sieb passieren und mit dem Nussöl  und der Milch zu einem cremigen Püree rühren.
  3. Schalotten und Petersilienstengel sehr fein hacken, mit etwas Butter dünsten bis diese schön glasig sind, mit Riesling ablöschen und einkochen lassen. Abschließend Kuzu/Pfeilwurz mit kalten Wasser mischen, dazugeben, aufkochen und reduzieren, bis die Masse leicht cremig ist. Die "Konfitüre" etwas salzen.
  4. Lachsfilets vakuumieren und im Wasserbad bei 50 Grad für 12-15 Minuten garen.
  5. Garnitur: die verbliebenen Petersilienblättchen in heißem Öl bei 180 Grad kurz frittieren und danach auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Garten-Koch-Event April 2011: Petersilie [30.04.2011]

Sonntag, 24. April 2011

Rhabarber, Vanillesahne und Haselnusskrokant

Der erste eigene Rhabarber ist da! Das letzte Wochenende war von reichlich Gartenarbeit geprägt, Hecken kürzen, Beete vorbereiten, düngen, wässern - ach was nicht so alles auf so einen Grundstück zu tun ist. Um so schöner ist es dann, wenn man, quasi als Belohnung, die erste Ernte des Jahres mit nach Hause bringen kann. Das junge Gemüse ist so zart, dass ich ihn diesmal nach der Sous Vide Methode gegart haben. Das verspricht intensive Aromen und punktgenaue Garung. Falls man die roten Stangen eher zu herzhaften Gerichten verarbeiten möchte, so empfehle ich die kürzeren Garzeit, süß mag ich ihn gern auch mal etwas weicher. Einfach per Fingerdruck testen und ggf. nochmal 2-3 Minuten dranhängen. Einfach und klassischer serviert mit etwas Vanillesahne und gerösteten Haselnüsse - purer Genuss.

P.S.: Der Saft aus der Garung schmeckt hervorragend mit etwas Wodka aufgegossen :-)




  • Rhabarber, Vanillesahne und Haselnusskrokant
  • für 2 Personen
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  • junger Rhabarber, 6 Stangen
  • Sahne, 350 ml
  • weißer Zucker, 35 g
  • Vanilleschotte, 1 ganze
  • brauner Zucker, 4 Esslöffel
  • Haselnussblättchen, 4 Esslöffel
  • Puderzucker, 2 Esslöffel
  1. Rhabarber waschen, abreiben, halbieren und schräg anscheiden. Die Stangen mit zwei Esslöffel braunen Zucker in einem Folienbeutel vakuumieren oder per Hand die Luft herausdrücken und verschliessen.
  2. Beutel bei 61 Grad ca. 15 - 20 Minuten im Wasserbad garen (am besten nach 15 Minuten testen, ob die gewünschte Konsistenz erreicht ist, denn bei mir waren es eher 25 Minuten).
  3. Sahne, ausgekratzte Vanilleschote und weißen Zucker aufkochen und ordentlich einreduzieren lassen.
  4. Haselnussblättchen in der Butter goldgelb rösten, zum Schluß mit dem Puderzucker bestäuben und karamellisieren.



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