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Samstag, 11. April 2026

Samstagsplausch KW 15/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXVII

Seit gestern ist die Wolldiät
vorbei. Ich habe ganz gut
durchgehalten, stricke
aktuell aber auch kaum.
Kleinstadt kann manchmal magisch sein: Nachdem ich zwei Mal Kinokarten stornierte, schaffte ich es dann gestern Abend endlich, in "Der Astronaut - Project Hail Mary" zu gehen. Ich reserviere im Kino gerne immer noch den Randplatz, auf dem der Gatte gerne saß, weil er Beinfreiheit verspricht. Die Reihenabstände in unserem Kino sind nicht eng, aber der Gatte hatte lange Beine. Wenn das Kino nicht ausgebucht ist, bleibt der Platz daneben in der Regel leer. 

Diesmal war das Kino halb leer, aber trotzdem steuerten zwei Menschen auf die beiden Plätze neben mir zu. Ich erkannte darin eine Nachbarin und ihren Mann. Die Nachbarin ist die Tochter eines schon längst verstorbenen lieben Weggefährten, die ich seit vier Jahren ansprechen möchte, aber immer, wenn ich sie sah, war bei mir irgendwas, so dass ich sie nicht ansprechen konnte. Und sie erkannte mich nach der sehr langen Zeit, die wir uns nicht sahen, verständlicherweise nicht mehr.

Jedenfalls dachte ich, jetzt so drei Stunden neben ihr zu sitzen und ihr nicht zu sagen, wer ich bin, ist auch doof, und sprach sie an. Mich überflutete sofort eine Welle an Wärme und Umarmungen, denen fast unsere Nachos zum Opfer fielen. Sie sprach mich auf den Tod meiner Mutter an, war erschüttert, als sie vom Tod des Gatten erfuhr, bestand darauf, dass wir Telefonnummern austauschten, fragte, ob sie mich ansprechen dürfte, ob ich zu Veranstaltungen mitkommen möchte undundund. Nach dem Kino nahmen beide mich mit im Auto nach Hause (ich wollte zu Fuß gehen, aber keine Chance), und die Dialoge zwischen ihr und ihrem Mann ließen mich sehr an die Szenen einer Ehe zwischen dem Gatten und mir denken. 

Heute Mittag klingelte es dann überraschend. Ich pflegte noch Sozialkater und Depression und war noch im Morgenmantel. Vor der Tür stand die besagte Nachbarin mit einem Blumengruß - wie lieb!

Ich würde alles dafür geben, hätte ich mich nach dem Film mit dem Gatten darüber austauschen können. Ich wüsste zu gerne, ob er ihn genauso wunderschön fand oder ob ihm der Film zu klamaukig war, an einen LSD-Trip erinnerte - ich tippe auf letzteres. Der Gatte hätte mir jedes Film-Zitat nennen können, aber weil mir dieses Wissen größtenteils fehlt, konnte ich einfach die schönen bunten Bilder und die Geschichte genießen.

Vorgestern war das monatliche Stricktreffen, das wieder sehr stärkend, empowernd, lustig und einfach schön war. Wir waren zwar wieder "nur" der harte Kern, aber das sind alles nette Frauen. 

Ostermontag war ich mit einer der beiden Sandkasten-Freundinnen zum Trauerbesuch bei der anderen, deren Mutter an Karfreitag starb - erwartet, aber dennoch plötzlich und viel zu früh. Die Freundin hat sich sehr über unseren Besuch gefreut, auch wenn wir natürlich lieber einen fröhlicheren Anlass gehabt hätten, um uns wiederzusehen. Ich hatte Kuchen mit und ärgerte mich, dass ich die übrige Hälfte der Torta pasqualina zu Hause vergaß, denn die Freundin ist spindeldürr, kocht nicht selbst und isst viel zu wenig, gerade jetzt. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 317. 

Die Trauer lähmt mich seit Ostern mehr als sonst schon. Ich bin ein einziges Tränenmeer, sobald ich alleine bin, schaffe es aber zum Glück meistens einigermaßen, mich in der Öffentlichkeit zusammenzureißen. Die Tränen brechen oft einfach ohne Anlass aus mir heraus. Der Gatte liebet diese Jahreszeit, besonders, seitdem wir im alt-neuen Haus leben. Er hätte auch diesen Frühling jede einzelne Hummel oder Biene, jeden Schmetterling, jede Blüte geradezu frenetisch willkommen geheißen. Dass es keinen Frühling mehr für ihn gibt, ist so unfassbar und zerreißt mich schier vor Traurigkeit. Seit Ostern will ich endlich im Garten arbeiten, aber es fehlt die Kraft. Die Kraft fehlt für so ziemlich alles. Ob sich das jemals ändert? 

Seit 21 Wochen warte ich auf den Bescheid für die Witwenrente, seit 23 Wochen auf den Erbschein. Mit der zweiten Hausbank meiner Mutter bin ich jetzt klar. Ihr Nachlass ist noch nicht ganz final geregelt, aber ich könnte jetzt schon mal Kräfte sammeln und mich um die Witwenrente kümmern. Ich möchte endlich finanzielle Klarheit haben, um einige Arbeiten am Haus vergeben zu können. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Sonntag, 5. April 2026

Samstagsplausch KW 14/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXVI

Die Woche war herausfordernd, denn alles, was mit dem Nachlass des Gatten zu tun hat, ist für mich unwahrscheinlich schwer. Die Trauer ist erträglich, solange ich ausblende, dass der Gatte niemals wieder kommt. Dann kann ich Stille und Leere ignorieren. Wenn ich mich mit dem Nachlass des Gatten beschäftigen muss, schlägt die Trauer mit Wucht zu.

Der neue Fahrzeugbrief ist beantragt, und in zwei Wochen kann ich beide Autos umschreiben lassen. Dann kann ich ab Mai einen Käufer für das Auto des Gatten suchen. Da schlägt die Trauer dann wieder unerbittlich zu. Beim Besuch der Zulassungsstelle fiel mir wieder mal auf, wie nett und freundlich hier alle Mitarbeitenden der Behörden sind, wie unkompliziert manches gehandhabt wird. Ich habe gelernt, dass wir mit unseren Umzug unsere Autos hätten ummelden müssen. Ich hatte den Gatten damals gefragt, ob wir das nicht machen müssten, aber er sagte, das sei nicht mehr notwendig. Nicht mehr notwendig ist die Änderung der Kennzeichen, aber die Ummeldung der Autos ist weiterhin erforderlich. Das hole ich in zwei Wochen dann auch gleich nach.  

Der Bank-Termin zur Übernahme des letzten Konten meiner Mutter war erfolgreich. Theoretisch müsste ich jetzt Zugriff auf alle Konten haben, aber ich hatte noch nicht den Kopf dafür, mich um Software und App zu kümmern. Ich lag zwei Tage erschöpft herum. Jedenfalls war von dieser ominösen Bescheinigung, dass ich meine Mutter bin und mit ihrem Tode ihren Namen in meinen änderte, keine Rede mehr. Plötzlich scheint alles ganz unkompliziert zu sein. Morgen muss ich mich dringend um App und Software kümmern, denn der nächste Bank-Termin steht an. Dann sollte aber alles laufen. Ich merke, dass mich Themen wie Aktien, Depots und Wertpapiere komplett überfordern, aber ein bisschen muss ich mich jetzt damit auseinandersetzen, damit alles läuft.

Seit 20 Wochen warte ich auf den Bescheid für die Witwenrente, seit 22 Wochen auf den Erbschein. Wenn ich mit der zweiten Hausbank meiner Mutter klar bin, ihr Nachlass also final geregelt ist, muss ich mal gucken, dass ich Kräfte sammle und mich um die Witwenrente kümmere. Ich möchte endlich finanzielle Klarheit haben, um einige Arbeiten am Haus vergeben zu können. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 316, und die Trauer bleibt. 

Der Osterbesuch war unerwartet schön, denn die Sandkastenfreundin des Gatten fragte, ob sie mitkommen dürfe. So war ich dann nur eine Stunde mit Schwiegermutter alleine und konnte zusammen mit der Freundin gehen, plauschte dann noch zwei Stunden mit der Freundin, die mir unwahrscheinlich viel wohltuende Wärme entgegen bringt. Das tat gut. Ansonsten ist Schwiegermutter kräftezehrend und war natürlich sauer, dass ich nicht den ganzen Sonntag mit ihr verbrachte. Sie geht auch weiterhin davon aus, dass ich über ihren Geburtstag mit ihr nach Travemünde fahre, während ich weiterhin davon ausgehe, dass ich das nicht mache. Mit der Sandkastenfreundin entwarf ich Strategien zum Umgang mit Schwiegermutter - sehr hilfreich.

Morgen steht ein Trauerbesuch an. Vorgestern gab es einen Trauerfall im Freundeskreis. Der Tod kam weder plötzlich noch unerwartet, aber selbst, wenn man darauf vorbereitet ist, kommt der Tod immer plötzlich und unerwartet. Ich merke wieder mal, wie sehr ich in der eigenen Trauer gefangen bin, so sehr, dass ich keine Worte für die Trauer anderer habe.

Eigentlich wollte ich Ostern auf den Friedhof, endlich die Rose einpflanzen, aber mir fehlte jegliche Kraft dazu. Dass ich es morgens schaffe aufzustehen, ist schon viel. Ich hatte auch keine Kraft, eine Kinokarte zu stornieren, geschweige denn, ins Kino zu gehen, obwohl ich mich so auf den Film freute.

Durch's Büro toben mal wieder die Viren. Es ist so vorhersehbar, denn die Frühjahrsferien waren zu Ende, dann kamen viele Veranstaltungen mit vielen Menschen in zum Teil ungelüfteten fensterlosen Räumen, und ein paar Tage später fällt eine Kollegin, ein Kollege nach dem anderen aus. Faszinierend finde ich immer wieder, dass sie jedes Mal das Prinzip erkennen, dass sie jedes Mal zu mir sagen, dass ich ja so selten Erkältungen habe, weil ich bei Veranstaltungen auf Maske oder Luftfilter setze, vor allem in fensterlosen Räumen, dass sie selbst es aber nicht machen, obwohl chronisch krank und Risikogruppe. Stattdessen beklagen sie sich jedes Mal, dass die aktuelle Erkältung, Grippe, Corona-Variante heftiger sei als die davor. Das alles ist so berechenbar, dass ich schon im Voraus weiß, wann ich quasi alleine im Büro bin. Wie gesagt: Faszinierend. 

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Dienstag, 31. März 2026

#pmdd2026: Der 28. März 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite

Schnuffi besteht darauf, dass ich aufstehe. Ich kann eh nicht mehr schlafen. Ich vergaß am Vorabend, das Rollo hochzuziehen, so dass es hell im Schlafzimmer ist, und die Schlafstörungen hielten mich die halbe Nacht wach.

Schnuffi hüpft wie jeden Tag gleich auf seinen Wachplatz und hält Ausschau nach seinem Herrchen, das das Schlafzimmer Mitte Oktober durch die Tür verließ, seitdem nicht wiederkam. Es wird auch die wiederkommen. 

Gucken, was der Wal macht.

Duschen und dabei daran denken, wie sehr der Gatte unser Bad mit der großzügigen Dusche mochte.

Dem Gatten guten Morgen sagen. Der kleine Mümmler ist neu, hoppelte mir vor drei Tagen aus einem Zu-verschenken-Karton entgegen. Ich konnte ihn nicht im Regen sitzen lassen. Er sieht abgeliebt aus, und ich bezweifle, dass sein Kind ihn freiwillig her gab. Nach Quarantäne und Badeferien darf er zu den anderen Plüschies ins Schlafzimmer ziehen.

Morgenkaffee. Die Dose kaufte ich, als ich mit unserem ersten Kind schwanger war. Damals hofften wir noch, eine große fröhliche Hasen-Familie zu werden. 

Der kleine Hase, den ich für den Gatten am Schalter für das Licht über dem Herd anbrachte, ist immer noch an seinem Platz. Ich brauche ihn zwar nicht, aber er erinnert mich an den Gatten.

Kaffee ist fertig. Ich liebe den Milchschäumer.

Wieder mal gucken, was der Wal macht.

Den Wochenplan aktualisieren. 

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre. Am 28. März 2020 war der Gatte noch gesund, fanden wir uns langsam in den Corona-Alltag ein. Schwiegermutter lebte noch in ihrem Haus, weswegen der Gatte sonntags bei ihr aß und ich etwas kochen konnte, was er nicht mochte: Rhabarber-Auflauf. Am 28. März 2021 der Gatte schon krank, hatten wir aber noch Hoffnung, dass er wieder gesund wird, versuchte er gerade wieder, nach Krankenhaus und längerer Krankschreibung, zu arbeiten. Am 28. März 2022 hatte ich einen anstrengenden Arbeitstag und freute mich über das fertiggestellte neue Schlafzimmer. Wir ahnten nicht, dass wir binnen Zwei-Jahresfrist umziehen würden. Am 28. März 2023 pendelten wir schon ein Dreivierteljahr zwischen Wohnung und Haus und mochten schon lange nicht mehr. Der Gatte war nach seinem Schlaganfall zum ersten Mal wieder alleine im Haus. Am 28. März 2024 konnten wir endlich die Wohnung abwickeln, war das Hamburg-Kapitel quasi abgeschlossen, konnte der Gatte noch Autofahren. Am 28. März 2025 war die dritte OP des Gatten mal wieder verschoben worden. Fünf weitere sollten noch folgen. Er sollte keine sieben Monate mehr bei mir sein dürfen.

Der Plan für die erste April-Woche.

Okay, gerade ist anders ... Osterhasen aus Draht für die diesjährigen  Ostergrüße.

Da in der Mitte ist die Sonne.

Die ersten Blüten wagen sich hervor.

Der kleine Apfelbaum braucht dieses Jahr etwas länger.

Bereit für Shermins Versponnenen Salon.

Hasen-Parade für die Ostergrüße.

Schnelles spätes Abendessen.

Zumindest bei der Wolle klappt's mit der Diät ... 

Essen ist fertig. 

Nochmal nach dem Wahl gucken.

Die erste Socke ist fast fertig.

Ich habe es endlich geschafft, die Uhr im Backofen auf Sommerzeit umzustellen! Okay, dafür sind alle Signaltöne ausgeschaltet und lassen sich nicht wieder einschalten, aber irgendwas ist ja immer. 

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen* - analog, weil mir der Tolino einmal zu oft zickte, ich keine Lust habe, auf dem Taschentelefon zu lesen.

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Sonntag, 29. März 2026

Samstagsplausch KW 13/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXV

Wie verpeilt ich aktuell bin, merkte ich am Donnerstag. Ich hatte beim Kaffeeröster Espresso zur Abholung in der Filiale bestellt und bekam am Vortag eine Mail, dass der zur Abholung bereit ist. Gleichzeitig klingelte der Paketbote und brachte ein Paket von ebendiesem Kaffeeröster. Darin war ein Hasenbecher, den ich nicht bestellt hatte, den ich zwar bestellen wollte, es aber aus Vernunftgründen nicht tat. Ich zerbrach mir einen Tag das Hirn, wie das zusammengeht. Als ich dann Donnerstag aufräumte, mir den Lieferschein nochmal ganz genau anguckte, sah ich, dass der Hasenbecher ein Geschenk eines lieben Menschen ist - wie schön ist das denn bitte?!

Vorbereitung auf den Versponnenen Salon.

Gestern nahm ich zum ersten Mal an Shermins Versponnenen Salon teil. Der findet seit Corona virtuell statt, was dazu führte, dass sich gestern Frauen aus Berlin und Hamburg zusammenfanden. Die über drei Stunden Plauderei und Frickelei mit den jungen Frauen waren sehr inspirierend und empowernd, für mich alte Frau aber auch sehr fordernd, weil Technik. Jedenfalls war die Zeit so intensiv, dass der Fuß der Elbbrücken-Socken länger wurde als er sollte ... Heißt: Ich hatte endlich wieder Kraft zum Stricken.

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende ins Kino und zum Friedhof, eine der Thomas Beckett-Rosen einpflanzen, außerdem im Garten den kleinen Apfelbaum freischneiden und Rasenkanten setzen, aber mit fehlte einfach die Kraft. Das regnerische, stürmische Wetter half auch nicht. Zumidnest bekam ich den Apfelbaum freigeschnitten, nachdem ich sah, dass die Biotonne aufgrund des Feiertags schon morgen abgeholt wird und fast leer ist. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 315, und die Trauer bleibt. 

In diesen Kriegszeiten fehlt mir der Gatte besonders mit seiner ruhigen, besonnenen Art. Auch die aktuelle politische Situation mit Demokratieabbau und Ebnen des Weges für eine AfD-Regierung wäre gemeinsam leichter zu ertragen. Andererseits: Dem Gatten wird eine Deportation erspart bleiben. 

Die Woche war unwahrscheinlich anstrengend. Der Eisenhöker öffnete den verzogenen Tresor, der wider Erwarten leer war. Das heißt, es fehlt nicht nur der Fahrzeugbrief des Gatten, sondern auch einiges andere, von dem der Gatte mal sagte, es wäre im Tresor. Das ist sehr irritierend. Der Gatte zog also mit einem leeren Tresor um, warum auch immer. Ich fand die fehlenden Unterlagen auch nicht im Wandtresor, den der Gatte gerne nutzte, seitdem wir das Haus haben. Es hätte ja theoretisch sein können, dass der Gatte den Tresor aufstemmte und leerte und es nicht erwähnenswert fand. Jedenfalls sparte mir der Eisenhöker durch seinen spontanen Einsatz von Schraubendreher und Hammer in der Mittagspause einige Hundert Euro, die der professionelle Tresoröffnungsdienst haben wollte. Der Eisenhöker wollte nur Spritgeld. Darüber hinaus bekam ich die Bestätigung, dass ich handwerklich wohl nicht so unbegabt bin, denn der Eisenhöker öffnete den Tresor genau so, wie ich dachte, dass es gehen müsste. Netterweise nahm der Eisenhöker den Tresor auch mit, so dass ich mir die Fahrt zum Schrotthändler sparte.

Kommende Woche habe ich also einen Termin für einen neuen Fahrzeugbrief und hoffe, ich bekomme den ohne Erbschein, denn der lässt natürlich weiterhin auf sich warten, ebenso wie der Bescheid für die Witwenrente. Ich frage mich, wie Menschen, die kein eigenes Einkommen samt Rücklagen haben, die Wartezeit finanziell überbrücken. 

Der Schornsteinfeger war da, und ich musste daran denken, wie gern der Gatte diesen Termin wahrnahm. Da kam sein Hausbesitzerstolz durch. Mir war nie klar, wie sehr es ihn belastete, Mieter zu sein, denn bis wir das Haus meiner Mutter übernahmen, war Hausbesitz nie ein Thema für uns. Das Haus seiner Mutter wollte der Gatte nicht haben, auch, weil ich mich ehevertraglich verpflichten musste, dort nicht einzuziehen, wir uns also hätten trennen müssen, damit der Gatte ins Haus ziehen kann - einer der vielen vergeblichen Versuche meiner Schwiegermutter, uns auseinanderzubringen. Nach dem Umzug betonte der Gatte immer wieder, wie froh er sei, nicht mehr zur Miete zu wohnen. Nun war unser letzter Vermieter auch sehr speziell, gelinde gesagt. 

Jedenfalls ist mit der Heizung und dem Kaminofen alles okay, und der Schornsteinfeger vermerkte auch gleich, dass der Kaminofen nächstes Jahr geputzt werden muss. Ich bin ja immer noch froh über alles, was ich delegieren kann. 

Ich schaffte es endlich, den neuen Sprüharm der Spülmaschine zu montieren. Nach einer Grundreinigung hoffe ich, dass sie wieder richtig spült. Ansonsten weiß ich auch nicht weiter. 

Der Autoschlüssel für's Karlchen zerlegte sich. Nach einem Panik-Moment, weil in der Nähe ja keine Opel-Werkstatt ist, die für Ersatz sorgen könnte, überlegte ich, dass ich ja eigentlich nur ein neues Gehäuse für den Schlüssel bräuchte, und siehe da, so etwas gibt es tatsächlich. Jetzt muss ich nur noch die Kraft finden, das Gehäuse zu tauschen. Ich hoffe, das klappt. Lustig wäre, wenn sich dann auch noch herausstellt, dass die defekte Zentralverriegelung gar nicht defekt ist, sondern nur eine wackelige Taste schuld war. 

Im Büro schient nach über drei Monaten endlich das Problem mit meinen zickigen Dienstrechner gelöst zu sein. Ich bekam mit schönster Regelmäßigkeit die Meldung, dass mein PC gesperrt wird, weil ich mich weigerte, eine App auf meinem privaten Taschentelefon zu installieren, und ich musste mich jeden Tag an jedem Programm extra anmelden. Die Meldung löschte regelmäßig ein IT-Mitarbeiter und behauptete jedes Mal, das wäre es jetzt gewesen. Nur: Das war es nie. Mittwoch war es dann soweit, dass ich nicht mehr aufgefordert wurde, eine App zu installieren, sondern mich mittels QR-Code oder SMS zu identifizieren. Da eskalierte ich dann mal kurz. Der arme junge Mann, der meinen Unmut abbekam, stellte fest, dass mein Dienstrechner einfach nicht mehr erkannt wird, weil er im Herbst ausgesteuert, aber nach meiner Rückkehr nicht wieder "eingesteuert" wurde. Es ist ja nicht so gewesen, dass ich mein meiner Rückkehr fragte, ob der Rechnung vor einem großen Update nicht erst mal wieder "eingesteuert" werden müsse, weil er doch ausgesteuert war. in den Folgewochen bei jedem IT-Telefonat darauf hinwies ... Jetzt stellte sich heraus, dass die Aussteuerung mit anschließendem Aufspielen eines Updates tatsächlich die Ursache war (und bei dem jungen Mann bat ich natürlich um Entschuldigung). 

Meine Kollegin ist nach einer Woche Urlaub seit zwei Wochen krank, und diese Woche merkte ich ihre Abwesenheit sehr schmerzlich. Mir fehlt der Austausch mit ihr, und mir fehlen die beiden Tage, an denen sie mir den Rücken freihält für administrative Aufgaben. Trotz Lifestyle-Teilzeit fühle ich mich gerade im Büro überlastet ... 

Von Schwiegermutter und Tante habe ich nichts gehört. Schwiegermutter wollte sich nach einem Arztbesuch melden, tat es aber nicht und war auch telefonisch nicht erreichbar (bzw. hörte das Telefon nicht). Das ist dann halt so. Wäre etwas passiert, würde ich es erfahren.

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Samstag, 21. März 2026

Samstagsplausch KW 12/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIV

Gestern nahm ich mir einen Tag Urlaub, um zu Schwiegermutter zu fahren und endlich die Vollmachten für die Seniorenwohnanlage zu unterschreiben. Schwiegermutters Demenz war deutlich zu merken. Sie hatte die Unterlagen wieder verlegt, zum xten Male (und sie bekam schon x neue Vordrucke von der Verwaltung), fand sie dann aber doch wieder - unter der Tischdecke vom Esstisch. Ich füllte sie aus, und auf dem Weg ins Restaurant gaben wir sie gleich im zuständigen Büro ab. Ich hätte sie Schwiegermutter nicht überlassen, denn sie erzählte, was sie alles wegwarf, was sie an unmöglichen Orten wiederfand, und ich konnte mich selbst von ihrer "Ordnung" überzeugen. So legte sie mit einem Brief von mir ihre Impfnachweise aus dem Jahr 1941 ab. Ich bin gespannt, wann sie behauptet, ich hätte ihr die geschickt. Die Sterbeurkunde ihres Mannes, die ich ihrer Meinung nach mitgenommen haben soll, fand sich gestern im Familienbuch wieder. 

Es fand sich auch der Grabbrief, den Schwiegermutter lange suchte, samt Beleg, dass das Grab bis 2035 bezahlt ist. Schwiegermutter war schon seit zwei, drei Jahren panisch, das Grab ihres Mannes und ihrer Mutter könne aufgelöst werden, ehe sie dazu kommt. Schwiegermutter sagt, sie habe jetzt alles in einem Schrankfach, das sie mir auch zeigte, verstaut, und ich hoffe, die Sachen sind dann im Ernstfall wirklich dort. Dass ich im Ernstfall noch weiß, in welcher blauen Handtasche der Tresorschlüssel versteckt ist, bezweifle ich allerdings. Vermutlich werde ich mit dem Tresor genau so viel Spaß haben wie mit dem Tresor des Gatten. Für den ist zwar der Schlüssel da, aber er ist so verzogen, dass sich die Tür nicht öffnen lässt (oder ich bin zu blöd dazu). Ich habe diese Woche zwei Firmen wegen der Tresor-Öffnung angeschrieben. Wenn sich da jemand findet, kann ich vielleicht die Kosten für einen neuen Fahrzeugbrief für das Auto des Gatten sparen, denn die letzte Chance, den Fahrzeugbrief zu finden, ist der Tresor.

Schwiegermutter bestand darauf, dass sie künftig einmal im Monat ein paar Tage zu Besuch kommt, um ans Grab zu gehen und Haus und Garten auf Vordermann zu bringen. Sie war sehr ungehalten, dass ich das Gästezimmer noch nicht fertig habe und will jetzt dort schlafen, egal, wie es aussieht. Oh Freude! Die steile Treppe zum Gästezimmer samt der Zustand des Gästezimmers würden in Rekordzeit dazu führen, dass ich die gerade unterschriebenen Vollmachten bräuchte, denn für jemanden, der dement, halbblind und fast taub ist, ist das Gästezimmer nicht geeignet. Dass wir Schwiegermutter immer im Hotel unterbrachten, hing ja nicht nur damit zusammen, dass der Gatte sie nicht im Hause haben wollte. Jetzt will sie in unserem Bett oder auf dem Sofa schlafen. Ganz, ganz großartig. Sie legte übrigens auch fest, welche Bilder aus dem Nachlass des Gatten ich wo im Haus aufhängen soll. Ganz großartig.

Schwiegermutter verplante Tante und mich außerdem schon mal für alle Feiertage und Geburtstage. Als ich sagte, ich werde Weihnachten nicht mit Tante und ihr feiern, sondern hätte eine Woche Wellness an die Ostsee gebucht, rief sie erfreut: "Oh, wie schön, dann fahren wir Weihnachten alle an die Ostsee!" Das wüsste ich aber. Vorerst ist sie damit beschäftigt, die Geburtstagsreise für Tante und sich im Mai nach Bad Birnbach zu buchen. Ich bin gespannt, ob das was wird, ob sich Tante breitschlagen lässt. Alternativ will Schwiegermutter nach Travemünde - mit mir. Das sehe ich noch nicht. Allenfalls komme ich für zwei Nächte mit, damit sie an ihrem Geburtstag nicht alleine ist, aber das wird ihr nicht reichen. Das gibt kräftezehrende Diskussionen. Schwiegermutter ist nun mal der Meinung, dass wir jetzt, wo wir beide verwitwet sind, immer zusammen in den Urlaub fahren. Ja, nee, is klaa.

Die leidige Diskussion um den Notar-Termin und ein neues Testament beendete eine Mitbewohnerin von Schwiegermutter: Sie rief kurzerhand bei einer der Notarinnen, mit denen die Wohnanlage zusammenarbeitet, an, besprach die Angelegenheit und mailte einen Text-Entwurf. Jetzt warten wir auf einen Termin zur Unterschrift. Ich weiß noch nicht, was günstiger ist: Wenn ich Schwiegermutter begleite oder die Mitbewohnerin. Das hängt sicher auch davon ab, wie lange der enge Kontakt der beiden anhält, denn Schwiegermutter verprellte bislang jeden freundlichen Kontakt in der Wohnanlage.

Interessant war, dass sich Schwiegermutter nun doch wieder für das Grab ihres Sohnes interessierte, nachdem sie Weihnachten plötzlich sagte, das Grab ginge sie nichts an. Sie wirft ihrem Sohn aber immer noch vor, dass der nicht in das Grab mit seinem Vater und seiner Großmutter (und mit seiner Mutter) mochte, sondern sich dafür entschied, mit mir zusammen begraben zu werden. Das stellte der Gatte schon kurz nach unserer Hochzeit klar, denn in dem Grab wäre kein Platz für mich, aber Schwiegermutter kann das natürlich nicht akzeptieren. Soll ich doch sehen, wo ich bleibe, komme ich doch eh aus dem falschen Stall, habe weder Stil noch Klasse, war die falsche Wahl für ihren Sohn. Das ließ sie mich auch gestern immer wieder spüren in den Phasen, in denen sie vergessen hatte, dass der Gatte und ich 26 Jahre lang ein Paar waren und wie sie im Hamburger Westen lebten. Sie erklärte mir allen Ernstes, was "die" Einkaufsstraße in Othmarschen ist, wo "man" in Blankenese einkauft usw., denn "du kommst ja vom Dorf und kennst Hamburg nicht". Ah ja. 

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 314, und die Trauer bleibt.  

Die Woche war sehr anstrengend, die kommenden beiden werden es auch bzw. werden eher noch schlimmer. Ich überlege, ob ich mir Mitte April eine Woche Urlaub nehme, um zu Hause etwas zu schaffen, denn ich merke, dass ich am Wochenende dazu keine Kraft habe. Die Kraft reicht noch nicht mal mehr zum Stricken.

Ich habe mich zu Heimwerkerkursen von Frauen für Frauen angemeldet, um kleinere Reparaturen im Hause selbst durchführen zu können. Der Gatte scherzte gerne, als er mich kennenlernte, hatte ich einen Werkzeugkoffer und eine Bohrmaschine und konnte mit beidem umgehen. Das habe er selbst gesehen. Mit Unterschrift auf der Heiratsurkunde hätte ich diese Fähigkeiten jedoch schlagartig verloren. Das stimmt. Dem Gatten machte Heimwerken Spaß. Er war darin so viel besser als ich. Ich konnte das gut an ihn abgeben, bis er seinen Schlaganfall bekam. 

Jetzt stehe ich hier mit zwei voll eingerichteten Werkstätten für Tischler- und Elektronik-Arbeiten und kann mit keiner etwas anfangen (und der riesige Maschinenpark, den der Gatte in den letzten beiden Jahren anschaffte, ist dank mangelnder Kraft ja auch noch da ...). Ein paar kleinere Arbeiten könnte ich selbst ausführen. Bevor der Gatte im letzten Jahr final ins Krankenhaus ging, wollte er mir zeigen, wie ich mit der Stichsäge arbeite, damit ich endlich die Holzfliesen auf dem Balkon verlegen kann. Seit dem Schlaganfall konnte er solche Arbeiten zwar nicht mehr selbst ausführen, aber er konnte mir noch erklären, wie ich es machen muss, und das Werkzeug bereit legen. Aufgrund der vielen angefangenen Arbeiten der letzten vier Jahre sind die Materialien und Werkzeuge allerdings überall im Haus verteilt, müssten erst mal wieder zusammengetragen werden.

Der Bescheid zur Witwenrente kam auch diese Woche nicht, ebenso wenig wie der Erbschein. Ich habe es aber geschafft, einen Termin bei der zweiten Hausbank meiner Mutter zu machen, um nochmal zu versuchen, ihre Konten zu übernehmen. Klappt es diesmal wieder nicht, weil die Bank auf der unsinnigen Bescheinigung besteht, dass ich meine Mutter bin, schalte ich einen Anwalt ein. Bei den vier Versicherungen, deren Verträge ich ändern musste, bin ich etwas weiter. Bei einer ist der Vertrag auf mich umgeschrieben, die zweite ist dabei, und die dritte schickte allerlei Formulare, allerdings die falschen. Da muss ich hinterher telefonieren. Die vierte meldete sich auch nach sechs Wochen nicht. So gesehen, habe ich dann doch ein bisschen geschafft ... Babysteps halt.

Von der Ostsee-Tante kam ein herzerwärmender Brief. Das tat gut.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse

Sonntag, 15. März 2026

Samstagsplausch KW 11/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIII

Der erste Urlaub ohne den Gatten führte nach Kopenhagen. In der Stadt waren wir nie gemeinsam, so dass wir keine gemeinsamen Erinnerungen daran haben, anders bei der Weihnachtsreise nach Hammelburg und Dachau. Wir hatten zwar öfter überlegt, gemeinsam nach Kopenhagen zu fahren, denn durch die direkte Bahnverbindung von Hamburg aus ist das ja sehr kommod, aber seit unserer Reise nach Prag im Oktober 2017 war klar, dass eine Städtereise für den Gatten aufgrund seiner fortschreitenden Gehbehinderung zu anstrengend ist. Gleiches galt für Wanderreisen, weswegen wir auch nicht mehr nach Südtirol oder Bayern fuhren. 

Der Touristen-Hotspot Nyhavn in Kopenhagen.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 313, und die Trauer bleibt.  

Aus dem Haus zu gehen, ohne vom Gatten verabschiedet zu werden, nach Hause zu kommen, ohne vom Gatten willkommen geheißen zu werden, fühlt sich noch immer fremd an, vor allem bei einer Reise. Auch wenn der Gatte mich schon länger nicht mehr zur Bahn bringen oder abholen konnte, so verabschiedete oder empfing er mich doch liebevoll an der Haustür. Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich weggehe oder nach Hause komme - in ein Haus, das für immer still, einsam und leer bleiben wird. 

Kopenhagen war abwechslungsreich und inspirierend. Ich habe viel gesehen, und ich habe endlich eine Mesusa gefunden. Seitdem wir ein eigenes Haus haben, soll endlich auch eine Mesusa angebracht werden. Das wird leider noch etwas warten müssen, denn erst muss das Zugangssystem installiert werden, und solange ich noch nicht weiß, wo Klingel und Kamera angebracht werden, möchte ich nicht die Mesusa anbringen. 

Zurück zu Hause erwartete mich allerlei Post, aber noch nichts zur Witwenrente, so dass ich immer noch nicht verlässlich über meine Finanzen Bescheid weiß. Dafür hat sich nach fünf Wochen endlich die zweite der vier Versicherungen gemeldet, die ich wegen des Tods des Gatten anschrieb. Den anderen beiden muss ich beizeiten hinterhertelefonieren, aber ohne Erbschein werde ich da vermutlich ohnehin keine Auskunft bekommen, denn mit den beiden Versicherungen hatte ich nie etwas zu tun. Den Erbschein bekomme ich hoffentlich im Laufe diesen Jahres. Die Rentenversicherung erledigte auch die Kontenklärung, so dass ich jetzt Gewissheit über meine Altersrente habe. Nun, es wäre finanziell immer noch lukrativer, jetzt arbeitsunfähig verrentet zu werden, als noch zehn Jahre zu arbeiten ... Ich muss das Rentensystem nicht verstehen. 

Ansonsten habe ich angefangen, mich endlich wieder um den Nachlass meiner Mutter zu kümmern. Da habe ich ja seit Jahren Probleme mit einer Bank, die die unsinnige Bescheinigung möchte, dass ich meine Mutter bin, die ihren Namen in meinen Namen änderte. Alle rechtsrelevanten Dokumente wie Bankvollmacht, die meine Mutter mir schon zu Lebzeiten gab, Testament oder Erbschein werden nicht akzeptiert. Ich versuche es jetzt noch einmal im Guten zu klären, bevor ich die Sache einem Anwalt übergebe und schnellstmöglich alle Konten bei diesen unfähigen Bank auflöse. Die Bank ist für fehlende Kundenfreundlichkeit bekannt; ich kenne mittlerweile einige ähnliche haarsträubende Geschichten. 

Die Thomas-Beckett-Rosen haben alle drei sowohl Winter als auch Urlaub überstanden! Am kommenden Wochenende kann ich die erste auf den Friedhof pflanzen. Ich muss noch so ein Wildabwehr-Spray besorgen, aber bis die ersten Knospen kommen, dauert es sicher noch etwas. Ich muss ohnehin langsam mal herausfinden, welche Gärtnerausrüstung ich für den Friedhof brauche, aber das hat vielleicht noch etwas Zeit.

Die Mützen für die Lübecker Seemannsmission sind gepackt und können sich auf den Weg machen. Es sind tatsächlich 21 Stück geworden! Für die Innocent-Mützen-Challenge wurden es 15 Stück. Auch die machen sich im Laufe der Woche auf den Weg. Die angefangene Elbbrücken-Socke musste ich wieder aufribbeln, weil sie für meine Wade zu eng war und weil ich zu blöd für eine Bumerang-Ferse bin. Ich arbeite das Muster jetzt so um, dass ich eine Käppchen-Ferse stricken kann, meine Lieblingsferse.  

Mit "Balagan*" von Mirna Funk* las ich im Urlaub ein unwahrscheinlich intensives Buch, das noch lange nachhallt. 

Ein bisschen Sperrmüll steht an der Straße und wird hoffentlich morgen abgeholt - die Müllabfuhr ist hier ja eine Lotterie, und ich weiß auch nicht, ob alles, was ich an die Straße stellte, als Sperrmüll angesehen wird oder als Bauabfall. Den muss ich dann selbst zum Müllumschlag fahren und teuer bezahlen. Jedenfalls ist es weniger Sperrmüll als gedacht, weil ich nur das an die Straße stellte, was ich sicher als Sperrmüll identifizieren konnte. Was ich evtl. noch verkaufen kann, lasse ich erstmal stehen. Trotzdem ist es zumindest in der Kellerküche leerer geworden. Es tat weh, Dinge, die der Gatte möchte, mit denen er sich viel Mühe beim Bauen gab, an die Straße zu stellen, darunter auch die Reste der letzten Küche, die er baute und die aus unbekannten Gründen mit umzogen. Vermutlich wollte der Gatte einiges davon weiterverwenden. 

Bei Schwiegermutter meldete ich mich zurück. Sie hatte immerhin behalten, dass ich verreist war, wusste aber nicht mehr, dass ich sie besuche. Ich bin gespannt, ob sie es Freitag noch weiß ... Trauer und Demenz setzen ihr sehr zu. Bei Tante meldete ich mich ebenfalls zurück. Der Verfall ihrer Cousine setzt ihr sehr zu. Ich bezweifle, dass die beiden nochmal zusammen urlauben werden. Schwiegermutter ist aufgrund der Demenz nicht mehr reisefähig, und Tante ist körperlich dazu nicht mehr in der Lage.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate links

Dienstag, 3. März 2026

#pmdd2026: Der 28. Februar 2026

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2026 auf Bluesky oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite. Ich mag dieses Bilder-Tagebuch sehr.

Ich kann inzwischen länger schlafen, schlafe auch oft wieder eine Nacht durch, aber gegen halb neun besteht Schnuffi dann doch darauf, dass es Zeit ist, aufzustehen.

Damit war schon länger zu rechnen ... 

Dem Gatten Guten Morgen sagen.

Der Espresso, den ich im Sommer kaufte, als der Gatte im Krankenhaus war, und den ich nach seiner Rückkehr einfror, ist alle. Wenn ich aus Kopenhagen zurück bin, wird neuer gekauft. Ich vertrage ihn besser als Filterkaffee. Lifestyle-Teilzeit sei Dank, habe ich morgens auch die Muße, in Ruhe Espresso mit viel Milch zu trinken.

Frühstück.

Tiefkühler-Tetris ... In einer Woche müssen da die Lebensmittel untergebracht werden, die sonst während meines Urlaubs verdürben. Das wird spannend. 

Heute laufen auf unterschiedlichen Kanälen den ganzen Tag Nachrichten.

Die drei Thomas-Beckett-Rosen, die ich nach dem Tode des Gatten kaufte, scheinen den Winter überstanden zu haben! Eine kommt auf den Friedhof, eine an den Lieblingsplatz des Gatten in den Garten und die dritte in den Vorgarten, aus dem der Gatte einen Rosengarten machen wollte.

Auch das geschah an einem 28. Februar.

Die Wäscheberge abtragen. Zum ersten Mal trockne ich heute Wäsche auf dem Balkon.

Es ist Ultimo, also Kassensturz im Wollsparglas. 

Ich habe eigentlich keine Kraft zum Backen, aber ich möchte Kuchen haben, und um zum Bäcker zu gehen, fehlt erst recht die Kraft ... 

Das sieht doch schon mal ganz gut aus. 

Zum ersten Mal den Wollwickler* ausprobieren. Hat was von 'nem Puzzle. 

Doch, ich glaube, das muss so aussehen.

Es hat geklappt!

Heute ist Sonnabend. Der Gatte hat mich vor 17 Wochen verlassen. Ich bin noch immer gelähmt vor Trauer. Dementsprechend ist es ein ruhiger Tag. Ich könnte, müsste, sollte im Garten arbeiten oder den Vorgarten fegen oder den Keller aufräumen oder mich um den Nachlass kümmern oder oder oder, aber mir fehlt jegliche Kraft. 

Teezeit mit frischgebackenen Marmor-Muffins. Ich bin heute so kraftlos, dass ich noch nicht mal stricken mag ... 

Ich habe die Blumen schön. Den Fruchtgummi-Strauß brachte Besuch mit. Langsam sollte ich die Gummis mal essen, damit sie nicht hart werden, aber der Strauß ist doch so hübsch ... 

Blick in den Abendhimmel.

Bloggen fällt mir seit Wochen schwer, da einfach zu wenig Kraft. 

Das Abendessen vorbereiten. 

Auch daraus wird das Abendessen.

Das Abendessen. Ich bin immer wieder stolz, wenn ich es trotz fehlender Kraft schaffe, mir etwas zu kochen.

Ich schaffe es heute tatsächlich noch, die vielen Peppies in Google Maps zu übertragen!

Noch klappt es mit der Wolldiät. Aber noch bin ich auch nicht in Kopenhagen. Auf der Liste stehen mehrere Wollgeschäfte.

Das Ausräumen der Spülmaschine verschiebe ich auf den kommenden Tag.

Im Iran wird jetzt sicher gefeiert, genau wie bei den Exil-Iranern hier. Mal schauen, ob das Land eine demokratische Zukunft hat. Ich bin skeptisch.

Auch nach 17 Wochen hofft Schnuffi jeden Tag auf die Rückkehr seines Herrchens, das durch die Schlafzimmertür ging, um mit dem Treppenlift auf sein Sterbebett zu fahren. 

Mit dem Kuschel-Rudel vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 28. Februar 2020 war Corona nur eine Erkältung, maximal so schlimm wie eine Grippe (was auch nur Leute sagen können, die noch nie eine richtige Grippe hatten), verlebten wir den letzten Tag unseres Hochzeitstagsurlaubs in Dänemark. Am 28. Februar 2021 hatten wir uns in den Corona-Alltag eingelebt und die (leider vergebliche) Hoffnung, der Gatte würde wieder gesund. Außerdem hatten wir Impftermine und die (ebenfalls leider vergebliche) Hoffnung, mit der Impfung verschwände auch Corona. Am 28. Februar 2022 hatte meine Vertretung ihre Feuertaufe und bestand sie mit Bravour. Es war der erste Arbeitstag nach dem Hochzeitstagsurlaub in Dänemark. Am 28. Februar 2023 hatten wir plötzlich ein Haus, pendelten seit mehr als einem halben Jahr und hofften auf baldigen Umzug. Am 28. Februar 2024 waren wir vier Wochen entfernt von der Übergabe unserer Wohnung und der Beendigung des Hamburg-Kapitels. Am 28. Februar 2025 hatte der Gatte zwei OPs hinter sich und war guter Dinge, weil sie erfolgreich waren. Er ahnte nicht, dass noch sechs weitere OPs anstehen sollten und er keine acht Monate später sterben würde. 

Die Rezepte zum Tag gibt's demnächst in der Kombüse. / *Affiliate links