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Freitag, 5. April 2024

#WMDEDGT 04/24: Oktober in Deutschland

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Die Nacht war wie gewohnt von Unterbrechungen geprägt. Nun, ich schlief in der Nacht davor fabelhafte vier Stunden am Stück, das muss wieder für ein paar Wochen reichen. Ich hoffe, dass ich mit dem Wechsel des Lungenarztes mein CPAP-Gerät gegen eine Protrusionsschiene ersetzen kann, aber das wird noch dauern, denn vorher stehen noch einige Untersuchungen an. In den letzten Monaten komme ich immer schlechter mit dem CPAP-Gerät zurecht, ist es mit ein Grund für meine Schlafstörungen. Es macht so viel Lärm, dass ich davon aufwache, dass es auch immer öfter den Gatten in die Flucht schlägt.

Heute ist Freitag, was bedeutet, dass ich vor dem ersten Kaffee das Haus aufklare, denn die Putzfrau kommt. Normalerweise räume ich schon donnerstagsnachmittags auf, aber gestern war ich so erschöpft, dass ich während der Teezeit auf dem Sofa einschlief. Das passiert momentan öfter. Die vergangenen zehn Monate fordern ihren Tribut. 

Bei der Müll-Entsorgung stelle ich erfreut fest, dass die Altpapiertonne endlich mal nicht überläuft. Bis zur Leerung kommende Woche kann ich also noch ein paar Kartonage entsorgen. Beim Aufräumen finde ich Post, die der Gatte hilfsbereit aus dem Briefkasten nahm, dann aber irgendwo hinlegte und vergaß. Okay, nun ist zumindest geklärt, warum Rechnungen nicht ankamen, Mahnungen kamen. Ich bin kurz verärgert, weiß aber, der Gatte kann nichts dafür, da Auswirkungen seiner Erkrankungen. Letzten Donnerstag bastelte ich einen Post-Sammelkorb und hoffe, der löst das Problem.

Um halb acht ist das Haus soweit aufgeklart, dass die Putzfrau einigermaßen arbeiten kann. Der Gatte ist auch wach, und ich habe Zeit für einen Schluck Kaffee. Unsere Putzfrau ist da, verbreitet wie immer Optimismus und gute Laune, lässt sich auch vom grummeligen Gatten nicht beeindrucken, und geht gewohnt gründlich ans Werk. Ich bin heilfroh, dass ich sie habe, vor allem angesichts unseres Umzugschaos'. 

Ich beginne mit der Arbeit im Heimbüro, sorge zwischendurch dafür, dass der Gatte frühstückt und pünktlich zum Diabetologen kommt. Im Büro ist einiges zu tun, das sich aber zum Glück schnell erledigen lässt, so dass es insgesamt ein ruhiger Arbeitstag ist. Gemessen am Verhalten einiger Leute muss gerade wieder Vollmond sein, zumindest in einigen Hirnen. 

Der Gatte nutzt die regenfreie Zeit nach seinem Arzttermin, um etwas zu bummeln, und kommt mit guten Nachrichten nach Hause: Vier Monate nach Arztwechsel ist sein Langzeitzuckerwert im Diabetiker-Normbereich! Der Wert hat sich halbiert! Das gelang dem bisherigen Diabetologen in 20 Jahren nicht. Der Gatte nahm zudem ab - kein Wunder, muss er doch nicht mehr ständig Kohlenhydrate und Flüssig-Dextrose in sich hinein stopfen, um den entgleisenden Zucker aufzufangen. Der Gatte merkt gelegentlich, dass es ihm besser geht, zum Beispiel daran, dass er zumindest in der linken Hand schon wieder mehr Kraft und Gefühl hat. Hoffen wir, dass es weiter ein bisschen bergauf geht. 

Zum Feierabend erreicht mich die Nachricht, dass auf die Synagoge in Oldenburg ein Anschlag verübt wurde. Gott sei Dank bewies ein Nachbar Courage, wurden die Flammen schnell gelöscht, gab es nur Sachschaden. Aber die Botschaft ist eindeutig. 


Nachmittags zum Optiker, in den Betrieb, in dem eine Mitschülerin vor 40 Jahren ihre Ausbildung machte, als eine der ersten Azubis. Später zog sie nach Hamburg, machte lange Zeit meine Brillen, bis wir den Kontakt verloren. Dass wir unsere Brillen bei diesem Optiker machen lassen, wenn wir umgezogen sind, war schnell klar. Der Gatte zog vor, ließ sich dort schon eine Arbeitsplatzbrille machen. Nun bekomme ich eine Alltagsbrille. Ich bin überrascht von der Sorgfältigkeit der Optikerin. Noch nie machte eine Optikerin eine Anamnese oder einen Netzhautscan! Es ist wie beim Augenarzt, nur gründlicher. Der Termin dauerte über zwei Stunden, und ich war auch verblüfft, mit wie viel Spaß das Team zusammenarbeitet. Jetzt bin ich gespannt auf die neue Brille. In zwei Wochen ist sie fertig. Der Netzhautscan zeigte leider, was ich schon ahnte: Der Graue Star schreitet langsam fort. Erstmal sehe ich ihn. Der Augenarzt zeigte mir bislang keine Aufnahmen. 

Als ich mit Kuchen nach Hause komme, ist der Tee fertig. Wieder schlafen wir auf dem Sofa ein ...

Als wir aufwachen, ist es Zeit, das Abendessen zuzubereiten. Der Gatte kümmert sich derweil um den Kamin. Abendessen, dann Sofa, fernsehen, Kamin gucken und stricken. Zu spät ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*. Morgen beginnt nach 20 Monaten das erste Wochenende, an dem wir nicht pendeln müssen.

Der Blick zurück in die ersten vier Corona-Jahre: Am 5. April 2020 beschäftigten uns die unterschiedlichen Corona-Regeln, eröffneten wir die Balkon-Saison. Dieses Jahr wird der Balkon nicht bepflanzt, denn wir sind ja kaum in Hamburg. Am 5. April 2021 war der Gatte schon krank und versuchte, wieder gesund zu werden. Am 5. April 2022 bastelte ich eine Osterkarte. Am 5. April 2023 war ich von der Gesamtsituation erschöpft, hofften wir auf einen Umzug spätestens im Herbst. 

Sonntag, 5. November 2023

#WMDEDGT 11/23: Die Verzweiflung der Marie Kondō

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Heute steht weiterhin Entrümpeln auf dem Plan, aber erstmal schlafe ich aus - mit den üblichen Unterbrechungen. Neuerdings bekomme ich Panikattacken unter der Full-Face-Maske des CPAP-Geräts. Ganz großartig. Um zehn Uhr wird Kaffee gekocht, dann erstmal geguckt, wie die Situation in der Herzensheimat Israel ist, welche Nachrichten es sonst gibt. Margot Friedländer feiert heute ihren 102. Geburtstag. Mazel tov und bis 120!

Schließlich wird gefrühstückt, dabei etwas Ordnung in die virtuelle Kombüse gebracht, und dann geht es in die analoge Kombüse. Das Ausmisten von Gewürzschrank, Küchenwagen und Topfschrank steht an. Aber erstmal werfe ich die Spülmaschine mit der ersten Runde Samla-Boxen an. Meine Kollegin und ich haben so gut aussortiert, dass zahlreiche Boxen und Klappboxen übrig sind. 

Bis ein Uhr arbeite ich konzentriert, bringe drei Müllsäcke weg, fülle eine Tasche mit Lebensmitteln für den Fairteiler und bringe die ersten gestern gefüllten Taschen für den Recyclinghof ins Auto, als ich sehe, dass vor dem Haus ein Parkplatz frei ist.

Kurze Pause mit einem zweiten Kaffee und mit der Kollegin chatten, die sich erkundigt, ob ich den gestrigen Tag gut überstand. Ja, doch, dank Wärmflasche und Schmerztabletten habe ich keinen Muskelkater. Ansonsten versuchen Hirn und Seele noch, mit den Entwicklungen stand zu halten. 

Gegen vier habe ich in der Küche soweit klar Schiff, dass Gewürz- und Tupperschrank so gut wie leer sind und der Küchenwagen ebenfalls. Beim Räumen fällt mir der Beutel in die Hände, in denen wir im ersten Cororna-Jahr die Masken zur Desinfektion im Ofen sammelten. Damals gab's ja nicht ausreichend Masken für alle. Den Beutel kann ich entsorgen, ebenso wie die Alltagsmasken und den Stoff, aus dem ich weitere Masken nähen wollte, dann aber nicht dazu kam. Gestern fand ich schon den Beutel, in dem ich die gebrauchten Masken in der Handtasche sammelte.

Die Gewürze, die lose herumflogen, sind umgetuppert und wegsortiert. Eine zweite Spülmaschine mit Samla-Boxen läuft, ebenso eine Waschmaschine. Ich will noch einen Müllsack und die letzte Tasche für den Recyclinghof wegbringen, aber als ich an der Mülltonne stehe, setzt so ein Platzregen ein, dass ich binnen keiner Minute nass bis auf die Knochen bin. Im Haus, ziehe ich erstmal die nassen Klamotten aus und beschließe, dass es für heute gut ist. Also, im Prinzip. Richtige Ruhe finde ich irgendwie nicht. Es sind nur noch knapp fünf Wochen bis zum Umzug, es ist noch zu viel zu tun. 

Ich zwinge mich zu anderthalb Stunden Sofa-, Strick- und Teepause, auch, um mich aufzuwärmen. Ich überlege, was ich in der kommenden Woche für den Gatten und mich kochen kann. Er bleibt auf der Baustelle, versorgt sich selbst, isst überwiegend Fertigfutter, freut sich über frisch Gekochtes, wenn ich von Donnerstag bis Montag ebenfalls auf der Baustelle bin. 

Der Gatte ruft an. Es geht ihm gut, er war fleißig und verstaute seine Schiffsmodelle. Das ist für ihn aufgrund seiner Herzerkrankung höllisch anstrengend. Er braucht alle Viertelstunde eine Pause. Eigentlich sind für solche Sachen die Möbelpacker oder ich da, aber seine Modelle will er partout selbst transportieren. Er bleibt tapfer, als ich ihm sage, dass er nur noch zwei Flaschen verschiedener Sojasaucen hat, weil ich den Rest, alles angebrochene Flaschen, entsorgte. Dafür habe ich ihm drei Flaschen HP Sauce* gelassen, auch alle angebrochen. Wir sprechen darüber, was morgen bei uns ansteht und schon mal über den Wochenplan. Dass ich ein veganes Gericht einplante, gefällt ihm nicht. War klar. 

Eine zweite Maschine mit Wäsche an den Start bringen und eine dritte Ladung in die Spülmaschine geben, zwischendrin eine Ecke im Arbeitszimmer sichten, dabei die alte Handkasse finden, in der sogar noch Bargeld ist, und einen weiteren Müllbeutel füllen. Ich kann's irgendwie nicht lassen, komme einfach nicht zur Ruhe. Morgen wird es sich rächen, denn die kommende Woche wird anstrengend, ich bräuchte eine Ruhepause. 

Kurz vor halb acht mache ich mir Pelmeni zum Abendessen, Fertigfutter. Der Tiefkühler soll leer werden. Zu den Pelmeni gibt es Kräuterquark. Der Kühlschrank ist quasi leer - so leer, dass ich Probleme hatte, einer Kollegin, die mir gestern beim Ausmisten half, etwas zum Mittag anzubieten. Sie hatte die Wahl zwischen Nudeln in Variationen und Spiegelei auf Brot ...

Ich habe keinen richtigen Appetit. Zu viel geht mir im Kopf herum, das ich in der kommenden Woche erledigen muss: Dem Gärtner Bescheid sagen, dass die Nachbarn die Regenrinne reinigten, er das nicht machen muss,  schon mal auflisten und ausmessen, was zum Sperrmüll soll, damit ich nach der Reha gleich einen Abholtermin bekomme, Mudderns Puppe aus der Puppenklinik abholen, auf dem Weg ins Büro meine Einlagen abholen, morgen früh vor der Arbeit gleich zum Recyclinghof, dann nachmittags in die Puppenklinik und auf dem Weg zurück das Pfand wegbringen, die Unterlagen für die Betrugsanzeige gegen Gärtner III final zusammenstellen und an die Polizei schicken, weiter ausmisten, damit ich Donnerstag vor der Arbeit nochmal zum Recyclinghof kann, alle wichtigen Unterlagen in einer Samla-Box lagern, damit sie beim Umzug nicht verloren gehen ... 

Ich schaffe es, bei einem Paar Socken die Fäden zu verziehen. Mir fällt ein, dass ich Sockenbanderolen für die Obdachlosen-Spendersocken brauche. Normalerweise arbeite ich mit Anhängern, aber das ist zu umständlich, wo ich aktuell zwischen zwei Haushalten pendle. Da haben sich die Banderolen bewährt, wie ich bei den Paaren für die Aktion Grüne Socke merkte. Ich finde bei Micha Made Banderolen und drucke sie aus. Jetzt brauche ich auf der Baustelle nur noch einen regenfreien Tag, um die fertigen Socken zu fotografieren. Die Samla-Box mit dem Spenden-Strickkrams kommt Donnerstag schon mit auf die Baustelle. Da ist sie momentan nützlicher als in der Wohnung. 

Zu spät ins Bett. Vorher noch die Spülmaschine und die Waschmaschine ausräumen. Die Wäsche hänge ich morgen auf. Die Spülmaschine wird gleich wieder mit Samla-Boxen gefüllt und darf über Nacht arbeiten. Morgen noch eine Ladung, die aber schon zusammen mit Geschirr, dann bin ich erstmal durch.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*

Der Blick zurück in die ersten drei Corona-Jahre: Am 5. November 2020 verzweifle ich an der ketogenen Ernährung, ahnen wir noch nicht das Ausmaß der Erkrankung des Gatten und denken, wir können den Advent ganz normal feiern, beschäftigen uns Corona-Regeln. Am 5. November 2021 wissen wir schon um das Ausmaß der Erkrankung des Gatten. überrascht er mich mit roten Rosen. Am 5. November 2022 war ich zum ersten Mal im Repair Café, waren wir gefrustet, weil im Haus nichts vorwärts geht, obwohl die Baubrigade schon seit Ende September fertig sein sollte, wir schon mitten in den Umzugsvorbereitungen stecken sollten. In denen stecken wir nun ein Jahr später.

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Sonntag, 31. Juli 2022

#pmdd2022: Der 28. Juli 2022

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2022 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite.

Heute kein Balkonkaffee als erstes Foto, denn dafür habe ich keine Zeit. Stattdessen reinige ich schnell noch das CPAP-Gerät, während der Kaffee durchläuft.

Schwerbepackt geht's ins Auto. Eine Tasche vergaß ich dennoch. Der Gatte bringt sie später mit.

Ich fühle mich heute wie White Rabbit: Ich bin hinter meinem Zeitplan. Hoffentlich ist die Autobahn leer. 

Die Autobahn war leer, ich bin wieder in der Zeit! Und: Ja, das Karlchen muss dringend geputzt werden, aber während des Entrümpelns lohnt das nun wirklich nicht. 

Im zweiten Zuhause, das hoffentlich bald das erste wird.

Heute bin ich sehr früh unterwegs, muss ins zweite Zuhause in der lindgrünen Hölle, denn es kommt eine Öllieferung, damit wir es im kommenden Winter warm haben. Das gehört zu den vielen neuen Dingen, die auf uns zukommen, jetzt, wo wir plötzlich Hausbesitzer sind ... Eine Nachbarin von Mudderns ist seit vielen Jahren so nett, den Öleinkauf für mehrere Nachbarn zu organisieren, und fragte vor fünf Wochen, als wir noch keine Ahnung hatten, das wir plötzlich Hausbesitzer sein würden, ob sie wie jedes Jahr für uns mit bestellen solle. Natürlich. Wir lassen erstmal so viel wie möglich beim alten.

Wir haben jetzt eine Ölheizung, die heute aufgefüllt wird (und bis zum Winter wissen wir hoffentlich auch, wie sie funktioniert).

Gegen neun Uhr komme ich endlich zu Kaffee und Frühstück.

Der Plan für den Tag. 

Jetzt ist es besiegelt: Mudderns wird vollstationär im Pflegeheim aufgenommen. 

Ich komme zwar etwas später los als geplant, bin aber pünktlich im Haus. Der Öllieferant ist sehr nett und wie Mudderns sagte, wüsste er sogar, wo der Schlüssel für den Tank hängt. Er beliefert Mudderns schon seit Jahren und fragt erstmal, wie es ihr geht. Es spannend, wer sich nach Mudderns erkundigt. Dass sich der Nachbar, der seit Jahren täglich zwei Tageszeitungen von ihr bekam, sich aber zusätzlich jeden Gefallen bezahlen ließ, nicht nach ihr fragt, verwundert nicht, ebenso wenig wie das Ausbleiben der Frage von den linken Nachbarn, die ohne Absprache in ihren Garten eindrangen, dort Kahlschlag machten und dafür einen hohen dreistelligen Betrag von ihr haben wollten (nachdem sie schon Mudderns Apfelbaum zu meucheln versuchten). Zu diesen Nachbarn ziehen wir schnellstmöglich eine Holzpalisade, auch, um ihren Schottergarten mit Plastikpool, Hüpfburg, Plastikblumen und -vögeln nicht sehen zu müssen. Außerdem wird eine Kamera installiert - besser ist das.

Wenn man die Altkleidersäcke einfach die Treppe runterfallen lässt, geht's schneller ...

Kaffeepause mit süßen Teilchen über Too good to go. Der Grill im Hintergrund sollte heute eigentlich zum ersten Mal angeworfen werden, aber es kam anders.

Im neuen Garten wachsen Malven Herbstanemonen. Die dürfen auch nach der anstehenden Umgestaltung auf jeden Fall bleiben.

Der Gatte überlegt, in der lindgrünen Hölle in den Schützenverein einzutreten. Dann stehen bei uns auch solche Gläser ...

Vormittags bin ich bei Mudderns, kommt der Gatte, der auf dem Weg den Einkauf für die kommende Woche erledigte. Arbeitsteilig räume ich im Wohnzimmer die Schränke aus, während er auf dem Dachboden Klamotten in Säcke stopft. Ich erinnere ihn an regelmäßige Pausen und hole immer mal wieder Säcke ab, damit er sich die Treppen spart. Am Ende des Tages werden wir fünf Säcke voller Klamotten, drei Säcke voller Müll, eine Ikea-Tasche voller Elektroschrott und 20 leere Koffer für den Sperrmüll haben, dazu viel Altpapier. Ich bin zehn Stunden mit Entrümpeln beschäftigt, der Gatte acht - langt dann auch.

Der Große Dicke Fette Müffelhase und der Kirmeshase zogen schon ins neue Zuhause ein. Beim Entrümpeln fand der Gatte Schnuffi, meinen Kindheits-Hunde-Hasen, der sich gerade mit beiden anfreundet.


Vor der Heimfahrt den Abwasch erledigen.

Gegen das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Die schiere Masse dessen, was entsorgt werden muss, erschlägt uns. 

Gegen das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Der Karton ist halbvoll. 

Nachmittags geht's nochmal zu Mudderns ins Heim, den unterschriebenen Vertrag für die Aufnahme in die vollstationäre Pflege abgeben und kurz mit Mudderns plaudern. Es ist schwer für sie. Vor fünf Wochen stürzte sie so schwer, dass klar war, sie kann nicht mehr alleine leben, egal, wie wir das Haus umbauen. Nach zehn Tagen im Krankenhaus kam sie ins Pflegeheim. Dass sie ihr Haus, in dem sie 62 Jahre lebte, so verlassen wird, hätte niemand gedacht. Das Heim ist ganze 220 Meter von ihrem ehemaligen Haus entfernt, aber sie ist tapfer, beschloss, nicht mehr dahin zurückzukehren, will sich vor allem nicht an die fürchterliche Nacht ihres Sturzes erinnern. Sie muss über Stunden hilflos gelegen haben, bis ich sie durch Zufall fand, weil es mir komisch vorkam, dass sie telefonisch nicht erreichbar war. Mudderns glaubt, dass wir schon in ihrem Haus leben, versteht nicht, dass wir frühestens Ende kommenden Jahres einziehen, wenn alles saniert und nach unseren Vorstellungen umgebaut ist. Wenn es so weit ist, wird sie hoffentlich öfter bei uns bei uns sein. Wir lassen ihr auch extra die Bank vor Haus stehen, auf der sie so gerne saß. Aber jetzt, während des Entrümpelns, wäre ein Besuch ein Schock für sie, und wir sind froh, dass sie bislang nicht daran denkt. 

Ein Souvenir meiner Israel-Zeit, das auf jeden Fall im Haus bleibt. 

Wie gut ich mal stricken konnte! Das war ein Gutschein für einen Pulliver für Mudderns. 

Die Schlüssel haben ihren Platz schon gefunden, und der Zettel ist wichtig, weil sich die Klingel hartnäckig jeder Reparatur verweigert. Eine neue ist bestellt. Die Fliesen werden übrigens weiß.

Später als geplant fahren wir zurück und landen dennoch im Stau. Der Gatte ist vor mir zu Hause und trägt die Einkäufe rein, während ich die Textil- und Müllsäcke zu den Mülleimern schleppe. Kurze Balkonpause, dann Einkäufe wegräumen und den Elektrogrill anwerfen. Das Zwiebelbaguette, auf das sich der Gatte so sehr freute, habe ich dusseligerweise im Haus vergessen ... Nach dem Abendessen und etwas Hausarbeit ist nur noch Sofasitzen und frühes Schlafengehen angesagt - ich muss am kommenden Tag wieder ins Büro.   

Es gibt sie noch, die Schleichwege meiner Kindheit, nach 40 Jahren zugewachsen. Ich freue mich schon darauf, sie mit dem Gatten zu gehen.

Gegen das Gefühl, nichts geschafft zu haben. 

Mal gucken, ob die Abholung klappt. [Spoiler: Sie klappte.]

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 28. Juli 2020 war der Gatte noch gesund und mit der Haushaltsauflösung seiner Mutter beschäftigt. Zwei Tage später wurde ihr Haus an die Käufer übergeben. Zwei Jahre später ist er mit der Haushaltsauflösung meiner Mutter beschäftigt. Am 28. Juli 2021 war der Gatte schon krank, beschäftigte mich ein ominöser Tumor-Verdacht (der sich ein Vierteljahr später zum Glück nicht bestätigte, da die gefunden Tumore gutartig sind).

Und täglich grüßt die Spülmaschine. In der Lücke vorne stand mein Thermobecher, den ich schon früh morgens rausfischte.

Der Gatte erledigte den Wocheneinkauf, und ich ahne, wir werden an den sechs Kohlrabi mindestens zwei Wochen essen ...

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen: "Die Erfindung des Jazz im Donbass*" ist allerdings so gar nicht meins. 

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Mittwoch, 6. Juli 2022

#WMDEDGT 07/22: Pflegeheim

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

In den letzten Tagen wache ich automatisch kurz vor sechs auf - sehr praktisch, weil ich dann vor der Arbeit noch einiges erledigen kann. Heute wache ich zwar auf, mag aber noch nicht aufstehen, höre Radio und schlafe nochmal für eine halbe Stunde ein.

Aufstehen, nach dem Gatten sehen, die Kaffeemaschine füttern und ab unter die Dusche. Als ich mit dem Duschen fertig bin, füllt der Gatte schon den Kaffee in die Thermoskanne um. Einen Schluck Kaffee trinken, dann Mudderns im Krankenhaus anrufen. Sie ist schon ganz aufgeregt, weil sie heute in die Kurzzeitpflege umzieht, und fragt, ob sie den Krankenhaus-Rollator mitnehmen kann, weil ihrer ja noch bei ihr zu Hause steht und ich erst morgen zu ihr fahre. Ich bin überfragt, versuche sie mit der Option Rollstuhl zu beruhigen, was misslingt. Es hilft, dass ihre Gesellschafterin den Transport übernehmen wird. So hat sie einen vertrauten Menschen um sich, wird nicht einfach nur abgeliefert, muss nicht alleine in der fremden Umgebung zurecht kommen. 

Den Kaffee auf dem Balkon zu Ende trinken, kurz durchatmen, dann bürofertig machen. Der Gatte ist heute so nett, ein Rezept von meinem Arzt abzuholen, also reden wir kurz darüber, wie er dorthin findet. Im Prinzip kennt er den Weg, aber mit Bus und Krücke ist alles ungewohnt. 

Der Bus ist voller als sonst, aber der Umstieg zur S-Bahn klappt, weil die mal wieder Verspätung hat. Sie ist ebenfalls voll. Wie meistens klappt der Umstieg in Altona nicht, also den langen Weg durch den Tunnel. Am Jungfernstieg geht mir auf, dass ich noch nicht frühstückte, also Zwischenstopp für den Kauf eines belegten Brötchens. Zwei Ochsenaugen wollen auch mit, denn ich will zum Tee zu Hause sein. Kurz frage ich mich, ob es normal ist, für ein belegtes Brötchen und zwei Gebäckstücke umgerechnet 16 Mark zu bezahlen. Wir leben in verrückten Zeiten.

Im Büro bin ich alleine mit Chef II. Chef I hat Corona, ein Kollege hat Symptome, aber negative Tests, ist deswegen zu Hause, der Rest arbeitet zu Hause oder hat Urlaub. Da ich gestern malad war, ist heute einiges aufzuarbeiten.

Zwischendurch informiere ich Mudderns Gesellschafterin, dass sie den Krankenhaus-Rollator wenn möglich einpacken soll; ich brächte ihn dann morgen zurück, muss ja eh ins Krankenhaus, um Mudderns Telefon abzumelden. Sie hat die Idee, Mudderns Nachbarin zu fragen, ob sie nicht Mudderns Rollator vor die Tür stellen kann. Das klappt, und bis zum Mittag bekomme ich Fotos von Mudderns Umzug (Mudderns Rollator, Mudderns Rollator mit Lieblingszeitschriften, Mudderns am Rollator beim Verlassen des Krankenhauses) und bei der Ankunft im Pflegeheim. Auf dem Mittagessenfoto im Speisesaal sieht Mudderns richtig glücklich aus. Seit langem strahlen ihre Augen wieder! Sie findet auch prompt Anschluss an einen alleinstehenden Herren ... Dann kommen erste Bestellungen: Mudderns will ihre Stehlampe, ihr Kopfkissen, Straßenkleidung und Schuhe. Das hört sich verdammt nach Angekommen an und wäre ein Segen! Leider kommen auch Infos über Mudderns schlechten körperlichen Zustand. Sie verweigert nach wie vor einige Behandlungen. Mal gucken, wie wir da weiterkommen. 

Da ich ohnehin noch für Mudderns etwas im Einkaufszentrum besorgen muss, bestelle ich über Too good to go Luxus-Schnobkram und beschließe, in dem Laden auch gleich Pralinen für Mudderns und ihre Gesellschafterin mitzunehmen.    

Da viel zu tun ist, arbeite ich länger, und weil ich noch ins Einkaufszentrum muss, die S-Bahn wegen Polizeieinsätzen mal wieder unregelmäßig fährt, bin ich eine Stunde später als geplant zu Hause. 

Der Gatte kam auch auf die Idee, Kuchen zu kaufen, aber für die Teezeit ist es jetzt zu spät, also setzen wir uns auf den Balkon und reden über den Tag. Der Gatte ist entgeistert, dass zwei Stücke Erdbeerkuchen vom Blech inzwischen acht Euro kosten - kann ich verstehen. Und er freut sich wieder mal über den Wassersprudler. Ich wollte schon länger einen, aber der Gatte lehnte ab. Im April zog dann endlich einer ein, und gestern ging der letzte Wasserkasten zurück ins Pfand. Tatsächlich nutzt der Gatte den Wassersprudler wesentlich öfter als ich, experimentiert gerade mit Sirup. Ich packe unterdessen die Too good to go-Tasche aus, die diesmal ein Volltreffer ist: Marzipanbrot, Pralinen, Kekse - kein Wunder, dass sie so schwer war. 

Wir reden über die Übernahme des Hauses und den dann bevorstehenden Umzug und schieben wie so oft Panik angesichts dessen, was in den kommenden anderthalb Jahren auf uns zu kommen mag. Ich versuche, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, denn Mudderns kann sich entgegen jeder Vernunft entscheiden, ins Haus zurückzukehren. Der Gatte hingegen sieht das große Ganze und wird darüber doppelt panisch.

Das Abendtelefonat mit Mudderns fällt aus, denn ich habe ihre Telefonnummer im Pflegeheim noch nicht. 

Hausarbeit, wobei der Gatte die Spülmaschine übernimmt, damit ich kurz in den eMails gucken kann, ob's Neuigkeiten vom Pflegeheim gibt, denn ich mailte heute Vormittag dorthin alle Unterlagen für Mudderns und hatte noch ein paar Fragen. Es meldet sich aber nur der Steuerberater wegen der bevorstehenden Übernahme von Mudderns Haus. Kurz antworten, dann stehen wir beide in der Küche, um das Abendessen zuzubereiten: Der Gatte macht einen Tomatensalat und ich eine neue "Bechermehl", denn für Mac 'n' Cheese ist diesmal zu wenig Sauce da.

Auch beim Abendessen ist der Umzug Thema. Dem Gatten fällt jeden Tag etwas anderes ein, dass er vermissen wird. Heute ist es der Getränkehöker. Wir werden vieles vermissen außer den Bolz- und Brüll-Blagen, und ich weise immer wieder darauf hin, dass wir das Haus nicht selbst bewohnen müssen, auch nicht, obwohl es seit unserer Hochzeit vor zwei Jahrzehnten so geplant war, wenn Mudderns dort nicht mehr leben kann. Aber wir kommen immer wieder zum Ergebnis, dass die Vorteile des Umzugs überwiegen und sich alles andere schon finden wird. 

Kurz in der Küche klar Schiff machen.

Der Dienstag gehört dem Doctor - diesmal im doppelten Sinne, denn der Gatte händigt mir während des Fernsehens neben meinem Rezept, das er abholte, auch einen Brief meines Arztes aus. Der geht in Rente! Und ich wunderte mich schon, warum plötzlich eine weitere Ärztin in der bisher aus zwei Ärzten bestehenden Gemeinschaftspraxis praktiziert. Jetzt macht es Sinn, sie ist seine Nachfolgerin.  

Ich halte es mit Mühe bis zum Ende des heute journals durch. Noch kurz in die eMails gucken. Der Steuerberater ist mit dem geplanten Vorgehen einverstanden, und die Fluggesellschaft bestätigt die Einbuchung meines CPAP-Geräts - sowie den Rollstuhltransport des Gatten. Öhm, okay ... Eigentlich hatte ich nur seine Krücken angemeldet. Ich gucke noch kurz auf die einschlägigen Nachrichtenseiten und stelle fest, dass ich einen TV-Bericht über mein Mammutprojekt verpasste, dann da aßen wir gerade zu Abend. Der Link wird für den nächsten Bürotag gespeichert. 

Ab ins Bett und vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick in die ersten beiden Corona-Jahre: Am 5. Juli 2020 war ich auch mit Steuern beschäftigt, verbrachten wir den letzten Sonntag in Schwiegermutters Haus und ihrem traumhaften Garten, nahm der noch gesunde Gatte Abschied von seinem Elternhaus. Der Garten ist inzwischen nicht wiederzuerkennen, eine neumodische Stein- und Schotterwüste. Am 5. Juli 2021 findet sich der inzwischen kranke Gatte in sein neues Leben ein, während Mudderns mit den Folgen eines Sturzes kämpft. Sie behauptet hartnäckig, sie stürze nicht, aber sie stürzte in den letzten Jahren so oft, dass ich froh darüber bin, dass ich sie im Pflegeheim weiß. 

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Samstag, 19. Februar 2022

Samstagsplausch KW 7/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CI

"Das ist das neue Normal, daran müssen wir uns gewöhnen", meinte eine Kollegin, als ich fragte, ob ich trotz roter Kachel in der Corona-App ins Büro kommen solle. Eine andere hat die CWA wegen der vielen roten Kacheln gleich ganz deinstalliert ... Die Kolleginnen sind da wesentlich entspannter als ich, da entweder oft auf dem Swutsch oder leidgeprüft durch Kinder. 

Morgenspaziergang zum Bäcker am letzten Sonnabend.

Für mich war's tatsächlich die erste rote Warnmeldung. Im September 2020 hatte ich mal eine orangene nach einem Besuch beim Lungenarzt, ansonsten durchgehend grüne, denn hier gilt seit mittlerweile 101 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. So weiß ich denn auch sehr genau, dass ich mir den Risikokontakt in einer Arztpraxis einfing, denn sonst war ich an dem betreffenden Tag nirgendwo lange genug. Gott sein Dank waren alle Tests negativ, blieb ich symptomfrei. 

Der Gatte wurde im ersten Corona-Jahr schwerkrank, ist inzwischen berufsunfähig verrentet und schwerbehindert. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, kommen mit den Corona-Einschränkungen einigermaßen zu recht, vermissen aber dennoch die Zeit vor Corona sehr und hätten gerne wieder Normalität, Spontaneität. 

Mein Arbeitsplatz ist sicher, wenngleich meine Projekte von Corona betroffen sind. Wir gingen im März 2020 sofort ins Heimbüro und sind dort bis auf wenige Unterbrechungen noch immer. 

Wenn jetzt die Pandemie zum 20. März für beendet erklärt und die Home-Office-Pflicht aufgehoben wird, werde ich wohl wieder drei Tage im echten Büro sein und zwei zu Hause, denn ich hatte schon vor Corona einen "Telearbeitsplatz", also die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten. Da ich bezweifle, dass sich das Virus an das Datum des Pandemie-Endes hält - es gelang ja noch nicht mal der deutschen Verwaltung, es durch Unsinnigkeit in die Knie zu zwingen - wird sich bei uns wenig ändern, verhalten wir uns vorerst weiterhin so wie während der Pandemie, und hoffen, dass wir weiterhin verschont bleiben. 

In Hamburg fällt das Pandemie-Ende auf den Schulbeginn nach den Frühjahrsferien. Das wird toll: Mit lauter rotzenden, schniefenden, maskenlosen, ungetesteten Blagen, die frisch aus dem Ski-Urlaub zurück sind, im proppenvollen Bus ins Büro fahren - Yippie! Ich muss mal schauen, wie ich meine Arbeitszeit so legen kann, dass ich nicht in Schulbeginn oder Schulschluss komme.

Und spätestens im Herbst werden wir dann alle wieder überrascht sein, dass Corona erneut aufflammt, und natürlich wird es keine vorausschauenden Maßnahmen geben - wie hätte man  

Ansonsten war die Woche einigermaßen entspannt, wenngleich ich merke, dass ich total ausgebrannt bin. Am liebsten liege ich im Bett und lese, aber ich muss ja funktionieren. Doof ist, dass das CPAP-Gerät weiterhin Probleme macht, der Termin zur Überprüfung erst in zwei Wochen ist. Ich habe mittlerweile drei Masken, die ich manchmal auch nacheinander in einer Nacht trage in der vergeblichen Hoffnung, dass eine richtig sitzt. Mittwoch war ich nachmittags so fertig, dass ich im Laufen einschlief ... Keine Ahnung, was das werden soll. Um die Tage halbwegs zu überstehen, brauche ich viel Zucker, was kontraproduktiv für die Gewichtsabnahme ist, denn es müssen ja noch 30 bis 70 Kilo weg.  

Mit Mudderns und dem Gatten konnte ich jeweils einen Spaziergang machen - die erste Wochenhälfte war ja recht sonnig. Mudderns ist ziemlich aufgeregt, weil sie ohne Begutachtung Pflegestufe 2 bekam - endlich! Jetzt müssen wir noch gemeinsam mit ihrer Gesellschafterin gucken, welche Bedarfe Mudderns hat bzw. welche sie annehmen mag - das ist durchaus ein großer Unterschied. Mudderns Radius wird immer kleiner. Sie mag noch nicht mal mehr zum Sonderpostenmarkt fahren, und wenn ihr gewohnter Tagesablauf durcheinander gerät, wird es schwierig. Ihr Benehmen wird auch immer exzentrischer. Immerhin kann sie inzwischen wieder in die Kirche gehen, denn die Gottesdienste finden aktuell hybrid statt.

Der Gatte ist beim Schlafzimmerumbau weitergekommen: Wir haben jetzt Licht! Es ist wunderbar hell - bislang war die Schlafzimmerbeleuchtung allenfalls für Maulwürfe. Das neue Schlafzimmer ist überhaupt sehr schick. Das Wohnzimmer ist wieder so weit leer, dass ich mal durchfeudeln kann, die übriggebliebene Kladage hängt wieder im Schrank. Wir haben bummelig 10 Müllsäcke mit aussortierter Kleidung zur Kleiderkammer gebracht - und ganz viel, das nicht mehr tragbar war, weggeworfen. Es ist immer noch befremdlich, Kleidung einfach in den Hausmüll zu werfen, aber Textilien werden laut Stadtreinigung nicht mehr recycelt. Ich habe immer noch viel zu viel Kleidung, denn das Kriterium "Alles, was nicht passt, kommt weg" ist schwierig, wenn man 30 Kilo abnahm. Plötzlich passte mehr als ich dachte, so dass meistens nur zu große Kleidung wegkam. Da muss ich wohl oder übel nochmal aussortieren.

Die noch fehlenden Nachttische kommen nächste Woche - der, den ich für mich bestellte, hatte einen Transportschaden, gefiel dem Gatten ansonsten aber auch, so dass wir zusätzlich zum Umtausch einen weiteren für ihn bestellten. Die Schwebe-Schiebetüren für seinen Schrank stehen hier weiterhin, weil wir nicht in der Lage sind, sie richtig zu befestigen. Mal schauen, was wir da machen. Beim Schrank des Gatten fehlt auch noch ein Ausziehboden, der bei unserem Ikea gerade nicht lieferbar ist (und in eine andere Filiale möchte der Gatte nicht fahren - vielleicht mache ich das auf dem Rückweg vom Büro, denn da komme ich an einer vorbei). Der Gatte ist außerdem extrem daran gewachsen, dass er den Umbau trotz seiner körperlichen Beeinträchtigungen schaffte. Es braucht halt viel Zeit und Geduld, aber es wird. 

Eigentlich wollte ich mich diese Woche um einen Termin zur Vorbesprechung der Total-OP kümmern, aber das ging sich nicht aus. Mal gucken, ob ich das kommende Woche schaffe. Allerdings weiß ich immer noch nicht, wie ich es familiär schaffen soll, acht Wochen auszufallen. 

Schwiegermutter ist weiterhin übergriffig und unverschämt. Wir fürchten, das wird sich auch nicht mehr legen, denn niemand dringt zu ihr durch. Ich habe sie seit Weihnachten nicht mehr gesehen, während der Gatte widerwillig tapfer fast jeden Sonntag zu ihr geht, inzwischen aber auch nur noch auf eine Anstandsstunde, weil er es nicht aushält, im Monolog beschimpft zu werden. 

Tante mit ihrer liebevollen, empathischen Art hingegen vermissen wir beide sehr. Normalerweise wäre sie spätestens Ostern wieder gekommen, aber sie kann die lange Reise inzwischen nicht mehr machen - und selbst wenn, wird sie von Schwiegermutter auch nur beschimpft und abgekanzelt. Da ist es zu Hause schöner. 

Ansonsten bin ich ziemlich genervt, dass ich auf Instagram und Facebook noch immer gesperrt bin, ohne dass ich weiß, warum, oder etwas dagegen unternehmen kann - Fragen werden nämlich nicht beantwortet. Auf Facebook müsste so langsam jeder öffentliche Beitrag von mir, den ich in den letzten 13 Jahren machte, gelöscht worden sein, auf Insta kann ich nichts mehr einstellen oder irgendwie interagieren. Gleichzeitig fordern mich beide Plattformen immer wieder auf, doch mehr öffentlich zu interagieren - ja, nee, is klaa. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Samstag, 5. Februar 2022

Samstagsplausch KW 5/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten IC

Diese Woche war ich vor Tau und Tag schon in Blankenese unterwegs und freute mich, dass in den Bäumen noch die Pfahlewerleuchten hingen. Mit Pfahlewern, Plattbodenbooten mit Segelmast, gingen die Blankeneser Fischer gut zwei Jahrhunderte auf Fangfahrten. Die Schiffe prägten einst das Blankeneser Elbufer - und sie sind nicht nur zur Weihnachtszeit noch oft als im Stadtteil präsent: Als Schmuckstück oder als Logo beispielsweise. Gebaut wurden die Ewer auf der anderen Elbseite, in Finkenwerder. Sie fuhren bis 1866 unter dänischer Flagge, denn Altona war lange Zeit die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich dann die bis heute bekannten Fischkutter durch (und Fischerei findet man in Blankenese schon lange nicht mehr).

Pfahlewer als Leuchtobjekte im Baum vor der Blankeneser Kirche.

Ansonsten sind wir noch immer mit dem Schlafzimmerumbau beschäftigt - in der dritten Woche. Früher, als der Gatte gesund war, wäre das ein Projekt für ein verlängertes Wochenende gewesen. Immerhin haben wir seit einer Woche wieder ein richtiges Bett, stehen am Ende dieser Woche vier von sechs Schränken, und von denen sind zwei tatsächlich komplett. Uns beide kostet das viel Kraft. Dem Gatten ist das Projekt zu viel für seinen Gesundheitszustand, aber er verweigert sich hartnäckig dem Aufbauservice. Ich bin froh, dass ich körperlich wieder in der Lage bin, ihm zu helfen, denn das war lange nicht der Fall. Dass der Gatte früher locker an die 100 Kilo schwere Drusen, Geoden oder Gattin schleppte, ist heute kaum noch vorstellbar. Nächste Hürde sind die Schiebetüren für den Kleiderschrank des Gatten - mal gucken, ob wir das wuppen. Es ist absehbar, dass alles hübsch ist, wenn's fertig ist, aber der Weg bis dahin ist sehr anstrengend.

Hier gilt seit mittlerweile 99 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Unsere Kontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter. Der Gatte wurde im ersten Corona-Jahr schwerkrank, ist inzwischen berufsunfähig verrentet und schwerbehindert. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, kommen mit den Corona-Einschränkungen einigermaßen zu recht, vermissen aber dennoch die Zeit vor Corona sehr und hätten gerne wieder Normalität, Spontaneität. 

Mein Arbeitsplatz ist sicher, wenngleich meine Projekte von Corona betroffen sind. Wir gingen im März 2020 sofort ins Heimbüro und sind dort bis auf wenige Unterbrechungen noch immer. Aktuell zeigt sich mal wieder, wie gut es ist, dass die Präsenztage auf's Notwendigste begrenzt sind, denn die Corona-Infektionen im Umfeld nehmen zu. Dadurch, dass wir selbstverständlich alle dreifach geimpft sind, müsste keiner in Quarantäne, sofern Tests negativ sind oder man nur Kontaktperson ist, aber haben entschieden, in solchen Fällen dennoch zu Hause zu bleiben. Aktuell ist eine Kollegin mit infiziertem Mann betroffen - gerade bei den Kollegen mit Kindern verbreitet sich Corona rasend schnell. 

Überhaupt fällt es mir zunehmend schwer, die Corona-Maßnahmen logisch nachzuvollziehen. Schwiegermutter erwähnte vorgestern am Telefon so nebenbei, dass sie als Erstkontakt in Quarantäne ist. Das war sie auch schon letzten Sonntag, als der Gatte bei ihr war. Quarantäne bedeutet nämlich in ihrer Seniorenwohnanlage, dass sie Besuch bekommen darf, sich frei im Haus bewegen darf, raus darf - kurz: Sie darf alles außer im Speisesaal zu essen. Das ist doch total bekloppt! 

Ich versuche auch herauszufinden, ob wir nach Rückkehr aus Dänemark (aktuell Hochrisikogebiet) nun in Quarantäne müssen oder nicht. Ich glaube nicht, weil wir geimpft sind, bin aber nicht sicher. Ich habe in den beiden Wochen nach unserer Rückkehr einige Arzttermine, die ich laut den Corona-Fragebögen der Praxen eigentlich wegen eines Aufenthalts in einem Hochrisikogebiet nicht wahrnehmen darf, und frage da einfach vorher telefonisch nach, ob ich kommen soll oder nicht. Würde ich nichts sagen, würde es niemanden interessieren. Wie das mit der elektronischen Einreiseanmeldung abläuft, muss ich auch noch herausfinden, wobei eh niemand prüft, ob wir die nutzen und eine Kontaktnachverfolgung faktisch nicht mehr stattfindet. Das wir uns regelmäßig testen, ist eh klar. 

Ob wir überhaupt nach Dänemark fahren, wurde in den letzten Tagen öfter diskutiert, denn der Gatte fühlt sich angesichts der Aufhebung der Corona-Beschränkungen unwohl. Eine Umbuchung ist nicht möglich, eine Stornierung zu teuer, denn keine Versicherung greift bei offenen Grenzen, und eine Kulanz-Umbuchung lehnt der Vermieter ab.

Den Müttern und Tante geht's gut. Schwiegermutters Quarantäne ist ja keine. Sie ist weiterhin beleidigend und übergriffig, was den Gatten immer mehr belastet. Diese Woche war er kaum eine Stunde bei ihr, hielt es nicht länger aus. Mudderns wartet auf die Beurteilung durch den Medizinischen Dienst, wie quasi jedes Jahr um diese Zeit. Wir hoffen, dass es diesmal eine Begutachtung vor Ort gibt, an der außer mir auch die Gesellschafterin teilnehmen wird. Die letzte Begutachtung war nur telefonisch und brachte nichts. Ich vermute, das wird auch dieses Mal so sein, denn psychische Erkrankungen werden nicht berücksichtigt, auch wenn sie theoretisch eine Rolle spielen. Tante leidet darunter, dass ihr Wassergymnastikkurs coronabedingt weiterhin ausfällt. Mir ist nicht ganz klar, wieso in Bayern nicht geht, was in Hamburg geht, aber Corona-Regeln und Logik schließen sich ja gerne aus.

Ansonsten kämpfe ich weiterhin mit der defekten Maske meines CPAP-Gerätes. Ich hoffe, der Arzttermin in vier Wochen, bei dem das Gerät überprüft werden soll, bringt eine Verbesserung. Die neue Maske, die nach vier Wochen endlich kam, brachte jedenfalls nichts. Sie passt bestenfalls auf platte Boxernasen. Auf meiner sitzt sie so, dass ich keine Luft bekomme. Beratung und Maskenanpassung erfolgen zurzeit nur telefonisch, und da lässt sich nichts wirklich anpassen. So hangle ich mich also nachts von Erstickungsanfall zu Erstickungsanfall und kämpfe tagsüber mit Wassereinlagerungen, Unkonzentriertheit, hohem Blutdruck, Sekundenschlaf, Müdigkeit, Vergesslichkeit, Heißhunger auf Süßes ... So 'ne Schlaf-Apnoe ist halt mehr als einfach mal nur schlecht schlafen, das habe ich inzwischen begriffen.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Sonntag, 30. Januar 2022

#pmdd2022: Der 28. Januar 2022

An jedem 28. eines Monats ist Picture my Day-Day, kurz pmdd. Ich finde, das ist ein schönes Tagebilderbuch. Mitmachen ist einfach: Fotos vom Tag machen, bloggen oder mit #pmdd2022 auf Twitter oder Instagram einstellen. Gesammelt wird alles auf dieser Seite. 

Ein Garten voller Sperrmüll.

Ein komplett zerlegtes Schlafzimmer.

Wahnsinn, der erste Monat des neuen Jahres ist schon fast rum! Wie so oft in diesen Tagen gehen meine Gedanken ein Jahr zurück. Am 28. Januar 2021 versuchte ich gerade, Impftermine für Schwiegermutter zu ergattern, versuchte der Gatte, gesund zu werden. Inzwischen sind wir alle dreifach geimpft, und die damalige Hoffnung, dass sich mit der Impfung die Pandemie erledigt, hat sich zerschlagen, genau wie die Hoffnung, dass der Gatte wieder gesund wird. Wir lernen, mit der Krankheit zu leben und den aktuellen Status Quo zu schätzen.

Arbeiten ... 

... und nebenbei die heutige Corona-BPK verfolgen.

Heute ist erstmal Warten auf den Sperrmüll angesagt, wobei es Warten nicht so ganz trifft, denn coronabedingt muss die Abfuhr kontaktlos erfolgen. Ich habe also einen Zettel an die Haustür geklebt mit der Info, dass der Sperrmüll im Garten steht, wo sich die Müllwerker alles rausziehen, und bekomme ihr Eintreffen nur durch Zufall mit. Der Gatte hat von seinem Schreibtisch aus Gartenblick, ist aber beim Arzt, und mein Schreibtisch geht zur anderen Seite.

Der Fensterblick aus dem Heimbüro ist einfach schöner als der im echten Büro, vor allem, wenn tatsächlich mal die Sonne scheint.

Zum ersten Mal können wir beide auf dem Balkon in der Sonne sitzen und nutzen das, um den Einkaufszettel abzustimmen.

Briefmarkencollage.

Ansonsten ist heute ein ganz normaler Arbeitstag, an dem für einen Freitag ziemlich viel zu tun ist. Ich gönne mir eine Bildschirmpause, als der Gatte vom Arzt zurück ist - zum ersten Mal in diesem Jahr können wir zusammen auf den Balkon in der Sonne sitzen. Wir genießen es, dass der Himmel mal nicht grau und verregnet ist. 

Die heutige Einkaufstour beginnt im kleinen, vermeintlich leerem Einkaufszentrum. Der Gatte muss in den Drogeriemarkt; ich warte draußen auf ihn.

Teil 1 des Wocheneinkaufs ist erledigt. Wir freuen uns, dass wir Anzündholz ergatterten, denn ein Dänemark-Urlaub steht an. Der Gatte hat schon lange keine Lust mehr, selbst zu hacken, wenn's vermeidbar ist.

Teil 2 des Wocheneinkaufs. Der Gatte liebt die Suppenbecher ...

Mache ich sehr selten, aber heute will die Schoggi sofort angebrochen werden. Vorher wurden die Einkäufe verstaut, und jetzt warte ich auf den Gatten, der noch was besorgt.

Teil 3 des Wocheneinkaufs. Eigentlich stand für diesen Laden ja nur die Brause auf dem Zettel ...

Nach der Arbeit ist eine größere Einkaufstour angesagt. Wann immer möglich, erledigen wir den Wocheneinkauf am Freitag Nachmittag. Außerdem muss ich zur Post, die neue Maske für mein CPAP-Gerät abholen. Sie ist nach vier Wochen endlich da - Beatmungstechnik ist aktuell sehr gefragt. Ich bin gespannt, ob die neue Maske meine nächtliche Atemnot lindert.   

Das (fast) tägliche Ausräumen der Spülmaschine. 

Der zweite Schrank wird in Angriff genommen. Und: Die Wohnung ist gut geheizt, aber durch seine Erkrankung braucht der Gatte trotzdem Handschuhe.

Der zweite Schrank steht.

Es passt! Jetzt fehlen "nur noch" die Schubladen ...

Vor lauter Hasen ist kein Platz im Bett.

Und damit soll ich schlafen können?! Die neue CPAP-Maske macht mich erstmal ratlos. 

Einkäufe verräumen, Spülmaschine aus- und wieder einräumen, dann versucht sich der Gatte am Zusammenbau der Schlafzimmerschränke. Das geht sehr langsam voran, mehr als eine halbe Stunde am Stück kann er nicht daran arbeiten (ich helfe natürlich mit, soweit ich es kann). Immerhin steht abends der zweite Schrank. Es fehlen noch vier, darunter ein sehr breiter mit Schwebetüren und vielen Schubladen. Das wird uns noch ein paar Tage beschäftigen, aber es wird. Ich hätte schon lange den Aufbauservice bestellt, aber für den Gatten ist es wichtig, das Projekt alleine umzusetzen.  

Gleich ist das Abendessen fertig.

Die Spülmaschine läuft auch schon wieder.

Füße hoch und stricken.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*

Teezeit, dann das Schlafzimmer so weit aufräumen, dass wir darin schlafen können - eine Woche Schlafsofa reicht, auch, wenn wir ein schönes Schlafsofa haben. Füße hochlegen und stricken. Ich muss heute nicht kochen, es gibt Fast Food. Einen ruhigen Fernsehabend genießen, dann früh ins Bett - ich brauche aktuell mal wieder locker acht Stunden Schlaf, gerne mehr. Morgen müssen wir früh raus, denn der Gatte braucht noch Fahrdienst zur Herzsportgruppe.

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