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Dienstag, 1. Juli 2025

Ausgelesen: Bücher im Juni 2025

Das Rudel liest immer mit.
Im Juni merkte ich wieder, wie sehr sich meine Lesegewohnheiten durch den Umzug in die lindgrüne Hölle veränderten. 

In Hamburg war ich wohl von der Fülle der Bücherhallen und ihrer Onleihe schier überfordert. Außerdem lief die Technik nicht stabil. Lustig war immer, dass ich auf den ersten zwei, drei Seiten zwar noch wie gefiltert Krimis angezeigt bekam, dann aber Titel, die nur mit Mühe in die Kategorie fielen wie "Kochen mit den Geissens*". 

In der Kleinstadt läuft die Technik stabil, kann ich eBooks verlängern, arbeite regelmäßig die Wunschliste ab, habe mit der Verlaufsfunktion einen Überblick über gelesene Bücher. Gut, die Auswahl ist geringer, aber das merke ich selten.

Zuerst las ich mit "Der Bulle von Hamburg*" und "Der Bulle in der Hafencity*" die Reihe um den Ex-Polizisten Gerd Sehling*, geschrieben von Ben Westphal*, zu Ende. Dann folgten "Ich war Bulle*" und "Bulle bleibt Bulle*", ebenfalls mit Sehling als Protagonisten. Man muss einen langatmigen, staubtrockenen Stil abkönnen, um Genuss an den Büchern zu finden, aber hey, ich arbeite ich einer Behörde, ich kann mit so was um. Was mich aber bis zum Schluss irritierte: Die Bücher bauen aufeinander auf; ich las sie chronologisch, aber dennoch hatte ich das Gefühl, sie wiederholen sich oder es fehlt ein Handlungsstrang. 

Dass es an Handlungssträngen fehlt, kenne ich von Ben Aaronovitch*, denn seine Buchreihen werden ja auch als Comics fortgesetzt. Da komme ich schon lange nicht mehr hinterher. Ich las "Eine Nachtigall in New York*" und "Die schlafenden Geister des Lake Superior*". Auch wenn ich den Eindruck habe, dass Aaronovitch die Ideen ausgehen, er sich in den Handlungssträngen seines unüberschaubaren Universums verheddert. lese ich ihn doch immer noch gerne.

"Wo war ich stehen geblieben? Grübeleien und Geistesblitze*" von Cordula Stratmann* war recht unterhaltsam und bot Stoff zum Nachdenken, aber ich merke immer wieder, dass ich mit solchen Sammlungen wenig anfangen an, sie mich schnell ermüden.

Von "Im Schatten des Turms*" von René Anour* hatte ich mir etwas anderes erwarten, eine Geschichte des "Wiener Narrenturms", der ersten psychiatrischen Heilanstalt der Welt nämlich. Ich bekam einen Schmachtfetzen, der im Wien Ende des 18. Jahrhunderts und während des Russisch-Österreichischen Türkenkriegs spielt. Ich hielt tapfer durch ...

Mein Durchhaltevermögen war auch bei "Kleopatras Grab*" von Constantin Schreiber* gefragt. Ich bin ja wenig wählerisch bei meiner Lektüre, aber dieses Buch ist so richtig, richtig schlecht. So beträgt u.a. die Flugzeit von Alexandria nach Jena 30 Minuten, und aus der Weinsorte Pomerol wurde binnen weniger Seiten ein Primolo, was auch immer das ist. Außerdem wechseln zahlreiche Handelnde alle naslang ihr Geschlecht. Nun ja, immerhin sieht der Autor gut aus. 

"Die Leuchtturm-Schwestern*" von Gill Thompson* hingegen hätte ich in einem Rutsch durchlesen können. Das Buch spielt auf der britischen Kanalinsel Jersey, die am 1. Juli 1940 von den Deutschen besetzt wird. Schon knapp zwei Wochen vorher, mit dem deutschen Überfall auf Frankreich, hat der Krieg das Leben der Schwestern Alice und Jenny Robinson bereits eingeholt. Nachdem Jenny ihren Traum von einem Studium in Cambridge auf Eis legen muss, schließt sie sich mit ihrem Freund Pip dem Widerstand auf der Insel an. Und auch Alice begibt sich in große Gefahr, als sie den jungen deutschen Arzt Stefan kennenlernt und sich immer mehr zu ihm hingezogen fühlt. Alice gehört zu denen, die 1942 nach Deutschland deportiert werden, Jenny nimmt das Risiko auf sich, drei Jahre lang eine jüdische Freundin zu verstecken.

Liebesromane sind nicht so meins, und so war ich von Anfang an skeptisch, ob "Der kleine Strickladen in den Highlands*" von Susanne Oswald* etwas für mich ist - schließlich schwärmen so viele Strickerinnen von der Reihe und der Autorin. Ich wusste schon nach wenigen Seiten, dass ich nicht zu den Schwärmerinnen gehören würde. Die Handlung ist mehr als vorhersehbar, voller Klischees in Bezug auf's Stricken und haarsträubender Verwicklungen ... Ich hielt bis zum Schluss durch, weil ich wissen wollte, ob die Geschichte tatsächlich so vorhersehbar ist wie vermutet und wie die Strickanleitungen sind. Die Strickanleitungen gibt es inzwischen in drei Büchern - wer gerne strickt, ist damit besser bedient.  

"Man sieht sich*" von Julia Karnick* hingegen gefiel mir sehr, auch wenn's ein Liebesroman ist - absolute Lese-Empfehlung! Aus dem Klappentext: Sommer 1988. Friederika hat große Füße und nennt sich Frie. Robert, neu an der Schule und schüchtern, verliebt sich sofort, aber zeigt es nicht. Vielleicht flirtet sie nur zum Spaß mit ihm? Nach dem Abitur trennen sich ihre Wege. Frie wird früh Mutter, Robert erfolgreicher Musiker. Wann immer sie sich begegnen, wird es kompliziert. Sommer 2022. Frie, fast fünfzig und seit dem Auszug der Tochter allein, fährt zum Abitreffen. Mit dabei: all die Erinnerungen an Robert, den sie zwanzig Jahre nicht gesehen hat. Was wird diesmal zwischen ihnen passieren? 

Mit "Astrid Lindgren*" von Susanne Lieder* gehe ich in den Juli.

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Mittwoch, 27. November 2024

Ausgelesen: Bücher im Oktober 2024

Das Rudel las im Oktober viel
auf Mallorca.
In den Oktober ging ich mit "Der Jaeger und sein Meister*" von Rocko Schamoni*. Schamoni taucht ein in die brodelnde Hamburger Szene 1960er und 1970er Jahre, wo jenseits der bürgerlichen moralischen Vorstellungen ein freies, ungezügeltes Leben gefeiert wird.

Im Zentrum steht die Freundschaft von Joska Pintschovius zu Heino Jaeger, einem hochbegabten Künstler, Stimmenimitator und Satiriker, der kultisch als „Meister“ verehrt und am Ende an seiner seelischen Durchlässigkeit verglühen wird. Die Verbindung aus Genialität und Wahnsinn fasziniert den Erzähler und Chronisten Schamoni, der sich in der Ergründung dieses Lebens persönlicher und verletzlicher zeigt als je zuvor. Absolute Lese-Empfehlung!

Urlaubsbedingt las ich jede Menge Mallorca-Krimis. Ich freute mich auf die Fortsetzungen der Mallorca-Reihe rund um den kochenden Polizisten Carlos von Carsten Philipp*. Allerdings nervten mich die Schwächen der Reihe (dazu mehr hier) so sehr, dass ich "Tod in der Tramuntana: Glück und Unglück auf Mallorca*" noch durchhielt, beim zweibändigen Teil "Liebe, Mord und Leidenschaft: Ein Winter auf Mallorca*" mitten im ersten Band aber genervt aufgab. Das war nichts!

"Mallorquinische Rache*" heißt der erste Band von bislang drei Krimis um den kurz vor der Pensionierung stehenden Sargento Lluc Casasnovas und seine designierte ehrgeizige Nachfolgerin Josefina García von Lilly Alonso*. Es geht um einen Mord im Sollér-Express. Es gibt jede Menge Lokalkolorit, und ich freute mich insbesondere über die Erwähnung des "China-Ladens", den wir dieses Jahr auch für uns entdeckten. Ich möchte auf jeden Fall noch die Folgebände lesen.

"Die Insel, der Wein und der Tod*" von Paul Grote* schaffte es auf den ersten Seiten nicht, mich zu fesseln, so dass ich nach kurzer Zeit aufgab.

"Comisaria Fiol und der Tod im Netz*" von Lucia de la Vega* war da schon eher mein Fall. Es ist der dritte Band einer Reihe. Es schadet nichts, die ersten beiden Bände gelesen zu haben, aber es geht auch so. 

"Das Böse unter Palmen*" von Anne Bandel* wiederum war nicht so meins, aber ich hielt tapfer durch, auch, weil das Buch in Artà spielt. Protagonist Theophil Kornmair ist durchaus sympathisch gezeichnet, aber der Schreibstil mit langen verschachtelten oder ultrakurzen Sätzen ist nicht meins. Den ersten Band, der in den Alpen spielt, werde ich wohl eher nicht lesen.

"Der Hotelinspektor auf Mallorca*" von Henry Sutton* ist der Auftakt zu einer bislang dreibändigen Reihe. Ben Martin inspiziert ein Hotel in der Nähe von Deìa, als dort ein Mord passiert. Suttons Stil ist ein wenig behäbig, gelegentlich habe ich den Eindruck, der Tag des Hotelinspektors hat mehr als 24 Stunden, aber insgesamt gefiel mir das Buch recht gut, möchte ich beizeiten die beiden Folgebände lesen. 

"Kein fremder Land*" von Doris Gercke* kam auf meine Mallorca-Leseliste, weil es zum Teil auf der Insel spielt. Das Buch erschien erstmals 1993, als Deutschland nach rechts abdrifte, und wurde aufgrund der aktuellen Ereignisse zehn Jahre später erneut aufgelegt. Dreißig Jahre nach dem ersten Erscheinen ist das Buch aktueller denn je. Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Lisa Talbach, eine Frau, auf deren Wort man hört, die auf ein umfangreiches Werk zurückblickt, die politische Entwicklungen durchaus verfolgt und der es doch plötzlich scheint, als habe sie an ihrem Schreibtisch gesessen und Märchen erzählt, während um sie herum die Häuser angezündet wurden. Und dass es brennt, dass die extreme Rechte die bevorstehenden Wahlen gewinnen wird, wird immer deutlicher.

Talbach entschließt sich zum Rückzug in die Arbeit, in ihr Häuschen auf Mallorca. Von hier aus glaubt sie dem zuschauen zu können, was in ihrem Land passiert. Sie hat nicht bedacht, wie schnell sich die Verhältnisse ändern, wie gering die Widerstandskraft ist – auch die eigene -, wenn Gewalt ins Spiel kommt.

Als die neuen Machthaber beschließen, die berühmte Autorin gehöre nach Deutschland, ist sie ganz auf sich allein gestellt. Lisa Talbach muss sich entscheiden zwischen Kampf oder Resignation, zwischen Leben oder Tod.

Gerne hätte ich "Talberg 2022*" von Max Korn* gelesen, aber wie schon bei "Talberg 1977*" zerlegte sich der tolino komplett. Ich hatte schon Sorge, dass es das jetzt wäre, aber er berappelte sich wieder, so dass ich mit "Stille Zeugen*" von Angela Lautenschläger* weitermachen konnte. Im Mittelpunkt der Reihe stehen die Nachlass-Pflegerin Friedelinde Engel und Kommissar Nicolas Sander. Der erste Band ist vielversprechend, ich freue mich auf weitere. 

"Heidequal*" heißt der aktuelle elfte Band der Reihe um die Lüneburger Kommissarin Katharina von Hagemann, geschrieben von Kathrin Hanke*. Im Bültenmoor wird eine Frauenleiche gefunden. Es handelt sich um Anne Pfeiffer, die seit drei Wochen als vermisst gilt. Rechtsmedizinerin Dr. Frauke Bostel stellt nicht nur frische Verletzungen an dem Leichnam fest, sondern ebenso ältere. Die Frau scheint jahrelang misshandelt worden zu sein. Der Verdacht fällt schnell auf den Ehemann. Doch ist der Fall tatsächlich so einfach? Hat Steffen Pfeiffer seine Frau einmal zu heftig geschlagen und sie dann verschwinden lassen? 

Das war wieder solide Kost, und ich freue mich auf den zwölften Band "Heide-Novela*", der im Februar erscheint. 

"Der Junge auf dem Berg*" von John Boyne* überzeugte mich etwas mehr als "Der Junge im gestreiften Pyjama*". Als Pierrot seine Eltern verliert, nimmt ihn seine Tante zu sich in den deutschen Haushalt, in dem sie Dienst tut. Aber dies ist keine gewöhnliche Zeit: Der zweite Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Und es ist kein gewöhnliches Haus: Es ist der Berghof – Adolf Hitlers Sommerresidenz. Schnell gerät der Junge unter den direkten Einfluss des charismatischen "Führers". Um ihm seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit – auch zum Verrat.

"Tee? Kaffee? Mord!" von Ellen Barksdale* ist eine Reihe, die ich gerne lese. "Des Henkers letzte Mahlzeit*" ist der 28. Band von inzwischen 32. Im Hotel von Nathalie Ames stirbt ein Gast - und das Loch in seiner Stirn macht klar, dass es kein Herzinfarkt war! Nathalie und ihre Freundin und Köchin Louise können sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum jemand ihren langjährigen Stammgast Nick Hemsley ermordet hat. Doch bei ihren Ermittlungen stoßen sie auf einige düstere Geheimnisse. Und es kommt noch schlimmer: Nicht nur Nick Hemsley sollte getötet werden, sondern auch jemand, der Nathalie und Louise sehr nahe steht. 

Ich freue mich auf die nächsten vier Bände und muss mal schauen, wann sie über die Onleihe oder Kindle unlimited zu bekommen sind. In der Hamburger Bücherhalle könnte ich zwei Bücher per Tageskarte ausleihen, aber dazu müsste ich in eine Bücherhalle, und das ist mit Umwegen verbunden. 

Die Reihe um die Wiener Journalisten Sarah Pauli von Beate Maxian* lese ich ebenfalls gerne. Sie umfasst inzwischen 15 Bände, und wie üblich hinke ich hinterher. Aktuell bin ich bei Band 13, "Tod im Belvedere*". Sarah lässt einen lauen Sommerabend ruhig ausklingen. Schließlich ist Freitag, der 13., und sie will das Pech nicht herausfordern. In diesem Moment erhält sie einen Anruf von Chefinspektor Martin Stein: Im Spiegelungsteich des berühmten Schlosses Belvedere wurde ein Toter entdeckt – in der Brust des Mannes steckt ein rubinbesetzter antiker Dolch. Was hat es mit dem mysteriösen Mord auf sich? Sarah ahnt, dass hier noch weiteres Unglück lauert, und stürzt sich in die Ermittlungen.

"Rimbaud und die Dinge des Herzens*" von Samuel Benchetrit* stand schon lange auf meiner Leseliste, die ich kurz vor Ablauf meiner Lesekarte bei den Hamburger Bücherhalle so weit möglich abarbeitete. Angesichts eines zickenden tolinos sind mir 50 Euro pro Jahr einfach zu viel, und analog lese ich dort nicht, weil das Umwege bedeutet, die ich nur selten einrichten kann. 

Äh, wo war ich? Ach ja, "Rimbaud und die Dinge des Herzens". Im Mittelpunkt steht der zehnjährige Charly, der in einem der Pariser Banlieues wohnt. Er ist es gewohnt, dass die Polizei seine Mutter aus ihrer Wohnung in dem heruntergekommenen Hochhaus holt – immer geht es um seinen Bruder Henry und dessen Drogenprobleme. Doch heute hat sie ihn zum ersten Mal in seinem Leben nicht angelächelt: Was ist passiert? Er muss sie finden, auch wenn er dafür die Schule schwänzt. Mit klopfendem Herzen läuft er durch das Viertel, erzählt von seinen Sorgen und von den zwei Frauen, die er liebt – seine Mutter und seinen heimlichen Schwarm Melanie. Und wenn er gar keine Antworten mehr findet, sucht er Zuflucht bei den Versen seines Lieblingsdichters Rimbaud. 

Die zauberhafte kleine Fabel soll laut Klappentext die Leserin glücklich machen, was auf mich nicht zutraf, denn das Ende ist offen und nicht gerade hoffnungsvoll. 

"Die magischen Buchhändler von London*" oder "Die linkshändigen Buchhändler von London*" ist eine bislang zweibändige Fantasy-Reihe von Garth Nix*. Mich riss sie nicht spontan vom Hocker, aber ich hielt tapfer durch. 

Schon immer waren Buchhändler Hüter und Verbreiter von Wissen. Besonders gilt dies für die Mitglieder des Geheimbunds der magischen Buchhändler. Sie wissen um die übernatürliche Welt und beschützen die normalen Menschen vor ihren Schrecken. Einer dieser Buchhändler ist der junge Merlin. Klug, charmant und hervorragend ausgebildet ist er vielleicht der beste Buchhändler Londons – allerdings von der kämpfenden Sorte. Doch als er eine junge Frau vor einer Bestie rettet, ahnt er noch nicht, dass die Suche nach ihrem Vater auch ihn seinem größten Ziel näher bringt: Rache an den Mördern seiner Mutter zu nehmen. 

Im zweiten Band, "Die geheime Karte*", ist Merlin, der vielleicht beste magische Buchhändler (von der kämpfenden Sorte), verschwunden. Schuld daran ist die magische Karte eines geheimen Gartens, die ihn gemeinsam mit seiner Schwester Vivien und seiner Freundin Susan an einen von unserer Welt getrennten Ort entführt, an dem tödliche Magie und lebende Statuen wachen. So geraten die Buchhändler auf die Spur der mörderischen Lady of Stone, einer Serienmörderin mit unglaublichen Fähigkeiten. Wenn Merlin und seine Gefährtinnen sie nicht aufhalten können, wird sie wieder töten – und dieses Mal wird ihr Opfer kein gewöhnlicher Sterblicher sein.

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Dienstag, 27. August 2024

Ausgelesen: Bücher im Juli 2024

Das Rudel wird auch immer größer:
Ein rosa Hase hat sich dazwischen gemogelt
und will vor dem Einschlafen noch etwas 
lesen*.

Im Juli hatte ich reichlich Zeit zum Lesen, Maladie und Gatten-Begleitung zu Arztterminen sei Dank. Außerdem genoss ich es, im Garten unterm Flieder zu sitzen und zu lesen, gerne auch mal stundenlang. Das geschah quasi auf ärztliche Weisung, denn zwecks Genesung sollte ich mich erholen. In den ersten Tagen der Krankschreibung war ich allerdings oft auch zu schwach zum Lesen und schlief hauptsächlich. 

Seitdem ich zum Onleihe-Verbund der örtlichen Bücherei wechselte, macht es richtig Spaß, mit dem Tolino zu lesen. Plötzlich läuft er stabil, kleben keine Seiten mehr zusammen. Okay, das Herunterladen von Büchern ist immer noch schwierig, aber auch das ist kein Vergleich zu früher. Jetzt fehlt mir tatsächlich nur noch die dauerhafte Anzeige der Uhrzeit. Kindle unlimited* habe ich erstmal gekündigt.

Im Vergleich zur Hamburger Bücherhalle ist die Auswahl mit "nur" knapp 11.000 Titeln zwar gering, aber dennoch habe ich das Limit bei Ausleihen und Vormerkungen meistens ausgeschöpft. In Hamburg las ich nur Krimis, weil ich mich bei der Riesen-Auswahl verlor, aber jetzt lese ich auch andere Genre. Ich lese auch häufiger analog, denn auf dem Weg in die Stadt komme ich an der Bücherei vorbei und kann mir schnell einen Titel herausholen. Zum Pendeln ist analoges Lesen allerdings doof, denn der Rucksack ist so schon schwer genug. 

Ich begann den Monat mit Ben Aaronovitch* und las mit "Ein weißer Schwan in Tabernacle Street*", "Die Silberkammer in der Chancery Lane*" sowie "Der Geist in der British Library und andere Geschichten aus dem Folly*" in der Flüsse-von-London-Reihe weiter. Ich wunderte mich über Lücken in der Handlung und erfuhr, dass es Comics gibt, die quasi zwischen den Büchern spielen. Wenn ich mir mal wieder Kindle unlimited gönne, muss ich die Lücken mal füllen, denn da sind momentan die Comics inklusive.

Die Reihe um die LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann von Claudia Rossbacher* mag ich sehr gerne. Inzwischen ist mit "Steirerwald*" der 13. Band erschienen, und Anfang Oktober scheint sogar schon Band 14*. An einem schwülen Sommerabend werden die LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann aus Graz zu einem Einsatz ins nahe Schöcklland gerufen. Auf Schloss Abelsberg hat der Jagdhund einer Jägerin die verwesende Hand eines Mannes im Wald aufgestöbert. Kurze Zeit später wird die Leiche in einem Graben hinter dem Schloss entdeckt und als Schlossbewohner identifiziert. Wer aber hat den exzentrischen Regisseur erschossen und weshalb? Die Jagd auf den Mörder nimmt ihren Lauf und sorgt für so manche Überraschung. 

Die Reihe um "Henri und den Häkelclub" spielt in einer kleinen Stadt in der Lübecker Bucht. Durch den tragischen Tod seiner Frau Maike muss sich Henri um ihr Handarbeitsgeschäft kümmern. Ursprünglich will er den Laden schnellstmöglich abwickeln, entscheidet sich dann aber, ihn zu behalten, was auch an seiner Mitarbeiterin Edda liegt. Schnell wird der Strick- und Häkelclub detektivisch tätig, auch, um den Tod von Henris Frau aufzuklären. "Mörderische Masche*" und "Grausames Garn*" von Karla Letterman* sind nette Unterhaltung und sollten am Besten in der Reihenfolge ihres Erscheinens gelesen werden, da sie aufeinander aufbauen. 

Krischan Kochs* Krimi-Reihe um den Dorfpolizisten Thies Detlefsen und seine Kollegin Nicole Stappenbek lese ich sehr gerne. Mittlerweile ist mit "Krieg der Seesterne*" der zwölfte Band erschienen - ebenfalls solide. Über Fredenbüll schweben Ufos!  Als dann ein Toter im neu entstandenen Kornkreis liegt, sind Detlefsen und Stappenbek alarmiert. Mit den üblichen Ermittlungsmethoden kommen sie nicht weiter. Mysteriöses passiert! Fahrerlose Autos rasen übers Land, das Getreide wächst wie verrückt, und geheimnisvolles Trommeln hallt durch die Nacht. Ist das nordfriesische Küstendorf womöglich ins Visier einer außerirdischen Macht geraten? 

Auch die Kluftinger-Reihe* von Volker Klüpfel und Michael Kobr lese ich gerne. "Affenhitze*" ist der zwölfte Band. Kluftinger muss in der Tongrube ermitteln, in der Professor Brunner vor einiger Zeit das berühmte Skelett des Urzeitaffen "Udo" ausgegraben hat. Nun wurde Brunner verscharrt unter einem Schaufelbagger gefunden. Der Wissenschaftler, der mit seinem Fund beweisen wollte, dass die Wiege der Menschheit im Allgäu liegt, hatte viele Feinde. Kluftinger hat deshalb gleich mehrere Verdächtige im Visier, darunter die Mitglieder einer obskuren Sekte. Aber auch privat muss sich der Kommissar um ein Observationsobjekt kümmern: Die Tagesmutter seiner kleinen Enkelin verfolgt höchst seltsame Erziehungsansätze. Grund genug, ihr genauer auf die Finger zu schauen und Flugstunden mit Doktor Langhammer und seiner neuen High-Tech-Drohne auf sich zu nehmen. Doch der Probeflug gerät gefährlich aus dem Ruder. 

Irritierend fand ich, dass die faschistische Anastasia-Bewegung zwar unmotiviert erwähnt wird, aber warum? Sie spielt im weiteren Verlauf keine Rolle für die Handlung. Das hätte man sich auch sparen können. 

"Die Unerhörten*" ist der dritte Band der Geschichte um die Shoah-Überlebende Hannah Bloch, geschrieben von Volker Dützer*. Die Handlung springt ins Jahr 1964: Die Jagd nach Nazi-Verbrechern ist für Hannah Bloch endgültig vorbei. Sie folgt ihrem Ehemann Scott in dessen Heimatstadt Boston. Doch auch in den USA findet Hannah kein Glück. Ein Schicksalsschlag zwingt sie, nach Deutschland zurückzukehren. In Frankfurt am Main kreuzen ihre Wege die der sechzehnjährigen Marie, die gegen die Doppelmoral der Kriegsgeneration aufbegehrt und in ihrer Familiengeschichte ein dunkles Geheimnis entdeckt. 

Solide Kost wie die beiden Bände zuvor. Unbedingt chronologisch lesen, denn die Handlung baut aufeinander auf. 

Gitte Madsen ist eine Deutsch-Dänin, die es nach Marielyst verschlägt auf der Suche nach ihrem vor über 20 Jahren verschollenen dänischen Vater. Sie mietet sich in einem Ferienhaus ein und arbeitet bei einem Bestatter, aber nicht nur dort stolpert sie buchstäblich über Leichen. Die bislang fünfbändige Reihe beginnt mit "Ein dänisches Verbrechen*" und endet mit einem fiesen Cliffhanger im Band "Dänische Aussicht*". Ich verschlang die Bücher von Frida Gronover* in Rekordzeit und hoffe auf baldige Fortsetzung. 

"Das Kind der Lügen*" ist der zweite Band der Reihe um Hamburgs erste Kommissarinnen, geschrieben von Helga Glaesener*. Die Handlung spielt in Hamburg im Jahr 1929: Ein Kind ist verschwunden. Verzweifelt bittet die wohlhabende Signe von Arnsberg die Polizei um Hilfe bei der Suche nach ihrer Tochter, die nach einem Spaziergang mit ihrer Kinderfrau nicht ins Hotel Atlantic zurückgekehrt ist. Doch die Männer der Kripo nehmen sie nicht für voll – denn es ist nicht das erste Mal, dass Signe hysterisch bei der Hamburger Kriminalpolizei auftaucht. Nur Paula Haydorn glaubt der Frau. Seit einem Jahr ist sie als eine der ersten weiblichen Beamtinnen im Polizeidienst. Und sie hat sich dort mit ihrem klaren Blick und klugen Gespür einen Namen gemacht, entgegen aller Vorurteile. Auch diesmal beweist sie Spürsinn. Denn als von dem verschwundenen Mädchen blutige Spuren gefunden werden, nimmt der Fall eine dramatische Wendung. Und noch ahnt niemand, welche Abgründe sich an der Alster auftun werden. 

Anders als beim ersten Band "Die stumme Tänzerin*" musste ich mich ziemlich durch das Buch kämpfen. Es ist teilweise zäh, schlampig redigiert und voller Grammatikfehler. 

"In Zeiten des Verbrechens*" von Frank Goldammer* ist die Vorgeschichte des Dresdner Kommissars Max Heller und seiner Frau Karin, quasi Hellers erster Fall. 1917 kehrt der 21-jährige Max Heller verletzt und traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Im von Hunger, Gewalt und politischen Unruhen geprägten Dresden sucht er nach einem Weg zurück ins Leben, nach Ablenkung, nach Liebe und nach einer Aufgabe. Die Konfrontation mit brutaler Bandenkriminalität, sein großer Gerechtigkeitssinn und der Rat seines Großvaters Gustav Heller, einem Kriminalrat a.D., führen ihn in den Polizeidienst. Als frischgebackener Schupo verliebt sich Heller bei einem Elbdampferausflug in die junge Karin. Doch der Standesunterschied scheint eine Beziehung unmöglich zu machen. 

Leider hat das Buch ziemliche Längen, ist teilweise schlampig redigiert.

"Bin ich schon depressiv, oder ist das noch das Leben?*" von Till Raether* ist ein wunderbaren Buch für Erkrankte und Angehörige. Depression kann alle treffen, und oft ist sie schwer zu erkennen. Till Raether war in seinem Leben oft traurig und erschöpft – immer wieder, über Wochen. Und ebenso oft stellte er sich die Frage, ob das nun eine Depression sei, oder ob ihn einfach nur das normale, graue Leben beutelte. In seinem Buch erzählt er offen über eine Krankheit, mit der er seit vielen Jahren lebt und die er häufig mit großem Energieaufwand zu überspielen versuchte. Er schreibt über seine Jagd nach Anerkennung, seine Hilflosigkeit und Überforderung und den dauernden Gedanken, dass er sich doch einfach nur zusammenreißen müsste – und über den Zusammenbruch. 

"Kommissarin Moll und die Tote vom Grindel*" von Isabel Bernsmann* verwirrte mich total, kamen mir die Kommissarin, ihr Kollege Lauterbach und ihre Assistentin doch total bekannt vor, nur die Handlung nicht. Die Auflösung fand ich Tage später beim Kistenräumen: Ich hatte mir vor einigen Wochen den dritten Band der Reihe, "Kommissarin Moll und die Tote aus der HafenCity*", gekauft und angelesen, weil ich das eBook vergessen hatte. Wie am Titel unschwer zu erkennen ist, gibt es eine Tote in den Hamburger Grindel-Hochhäusern. Eine junge Frau liegt tot in ihrer Badewanne. Offenbar hat sich die verzweifelte Krebspatientin die Pulsadern aufgeschnitten. Doch am Tatort gibt es nichts, womit sie sich die Verletzungen hätte zufügen können, und auch die Krebsdiagnose stellt sich als falsch heraus. Wurde die junge Frau ermordet, um einen Behandlungsfehler zu vertuschen? Kommissarin Frederica Moll und ihr Partner Christian Lauterbach kommen einem abgründigen Medizinskandal auf die Spur - und machen sich dabei mächtige Feinde. 

Zwei Fälle laufen parallel, was teilweise etwas mühselig ist, und es gibt unendlich langatmige Passagen. Teilweise wird mein Hamburg-Wissen etwas auf den Kopf gestellt. Die vierspurige (oder war sie sogar sechsspurig?) Dammtorstraße, die Bernsmann beschreibt, muss mir in den letzten Jahren irgendwie entgangen sein (und ich arbeite in der - Überraschung - Dammtorstraße). Jedenfalls animierte mich der erste Band nicht dazu, sofort den zweiten oder den hier liegenden dritten Band zu lesen. 

"Mit dir für immer – Max Schmeling und Anny Ondra*" von Jan Steinbach* ist ein schöner Schmachtfetzen aus der Reihe "Berühmte Paare – große Geschichten" des Aufbau Verlags. Damit gehe ich in den August.

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Sonntag, 10. April 2022

Ausgelesen: Bücher im März 2022

Frühstücken und lesen.
Momentan bin ich irgendwie fernsehmüde, mag nicht sofasitzen und stricken, was insofern doof ist, da ich einige #IKnitForUkraine-Projekte habe, aber nun ja. Jedenfalls komme ich so gut zum Lesen.

Durch einen TV-Bericht wurde ich auf die Frau-Helbing-Reihe* um eine Schlachterwitwe im Hamburger Grindelviertel von Eberhard Michaely aufmerksam und lieh "Frau Helbing und der tote Fagottist*" aus. Frau Helbing glaubt nicht, dass ihr freundlicher Nachbar, der namhafte Fagottist Henning von Pohl, einen allergischer Schock durch drei Wespenstiche erlitt, sondern geht von einem Verbrechen aus, liest sie in ihrer Freizeit doch am liebsten Kriminalromane. Leider hält nicht nur ihre exzentrische Freundin Heide ihren Verdacht für ein Hirngespinst, sondern auch die hochnäsige Kriminalkommissarin Schneider. Nur der Schneider Herr Aydin hat ein offenes Ohr für Frau Helbing und ermutigt sie, ihrem Instinkt zu folgen. 

Die Figuren sind ausgesprochen liebevoll gestaltet, das Lokalkolorit stimmt, so dass ich mir gleich den zweiten Band, "Frau Helbing und der verschollene Kapitän*", auslieh. Als Frau Helbing ihre demenziell erkrankte Nachbarin Frau Paulsen im Pflegeheim besucht, begegnet sie dort zufällig einem alten Angelfreund ihres verstorbenen Mannes. Früher ist Fiete Jacobsen von Hamburg aus als Kapitän um die halbe Welt gefahren. Dem bringe ich mal eine Portion Labskaus vorbei, sagt sich die pensionierte Fleischereifachverkäuferin. Allerdings eröffnet ihr Fietes Betreuerin Frau Fischer unter geheimnisvollen Andeutungen, Herr Jacobsen werde bald umziehen. Und dann passiert es: Gerade als Frau Helbing das Heim verlässt, stürzt Frau Fischer aus einem Fenster im dritten Stock. Sterbend haucht sie noch ein letztes rätselhaftes Wort. Die passionierte Krimileserin Frau Helbing weiß sofort: Hier liegt ein Verbrechen vor. Als dann auch noch Fiete spurlos verschwindet, steckt Frau Helbing, sehr zum Unmut der Hamburger Polizei, mitten in ihrer zweiten Mordermittlung.

Meine Buchhalter sind zwei
Dackel-Messerbänkchen.
Auch hier stimmte wieder alles, so dass ich beide Bücher bestellte, um sie Mudderns zu Ostern zu schenken, denn ich kann mir vorstellen, dass ihr die Reihe auch gefällt. Den dritten Band, "Frau Helbing und die schwarze Witwe*", bestellte ich gleich mit. Den bekommt sie, wenn ich ihn ausgelesen habe.

Mit "Die Zukunft der besonderen Kinder*" endet die sechsbändige Fantasy-Reihe über Jacob Portman, die besonderen Kinder und die Ymbrynen, die sie beschützen, geschrieben von Ransom Riggs*. Ich hatte nach so viel Hamburg-Kolorit bei "Frau Helbing" Probleme, in die Handlung zu finden, aber dann legte ich das Buch kaum noch aus der Hand. 

Im letzten Band der Reihe findet sich Jacob im Haus seines Großvaters Abe in Florida wieder, dort, wo alles begann. Bei ihm ist seine Freundin Noor. Jacob weiß zwar weder, wie sie dort hingelangt sein können, noch, weshalb sie überhaupt noch leben. Aber eines weiß er mit tödlicher Sicherheit: Caul ist aus der Bibliothek der Seelen zurückgekehrt. Jetzt bleibt den besonderen Kindern nur noch eine letzte Hoffnung: Noor zum Treffpunkt der sieben Prophezeiten zu bringen. Falls sie die Hinweise auf dessen geheime Lage entschlüsseln können …

Schade, dass die Reihe zu Ende ist, aber im September erscheint ein weiterer Band aus dem Universum der besonderen Kinder. 

Ich habe immer Mitleser.
Von Florida aus ging's ins Alte Land. Mudderns erzählte von der Reihe um die Polizeireporterin Gesa Jansen von Hanna Paulsen, und auch mir gefielen die beiden Bände "Der tote Journalist*" und "Feuer im Alten Land*". Die beiden Fälle waren spannend, und es machte Spaß, zu verfolgen, wie sich die Beziehung zwischen Gesa und ihrem Kollegen Björn langsam entwickelt. Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Mit "Die Frau aus der Nordsee*" las ich den aktuellen Band aus der Reihe um die Inselkommissarin Lena Lorenzen von Anna Johannsen*. Diesmal geht es um Maren Witte, eine junge Frau, deren Leiche aus der Nordsee geborgen wird. Zwei Wochen vor ihrem Tod hat sie heimlich entbunden und das Kind in einer Babyklappe abgegeben. Lena Lorenzen übernimmt den Fall und ermittelt auf Pellworm, der Insel, auf der Maren aufgewachsen ist. Die Eltern des Opfers sind bestürzt über den Verlust, doch schnell wird klar, dass der Kontakt mit der Tochter seit längerer Zeit auf ein Minimum reduziert war. Auch sonst werfen die Ermittlungen einige Fragen auf: Wie konnte die junge Frau sich ein teuer eingerichtetes Appartement in Kiel leisten, obwohl sie keiner regulären Beschäftigung nachging? Und wer ist der Vater des Neugeborenen? 

Der achte Band ist genau so solide wie die Vorgänger, und ich freue mich auf den neunten Band "Der Mann in den Dünen*", der im Juni erscheint.

Nach so viel Spannung brauchte ich einen Schmachtfetzen, und da ist "Mehr als die Finsternis*", der zweite Band der Gut Mohlenberg-Reihe von Melanie Metzenthin* gerade richtig. Nachdem ich mit "Verstummte Liebe*" nicht so richtig warm wurde, passte hier wieder alles. Die Handlung spielt 1923. Die Wirtschaftskrise hat Deutschland fest im Griff. Friederike von Aalen ist froh um jeden Patienten auf Gut Mohlenberg, der die Behandlung in ihrer Einrichtung für psychisch Kranke noch bezahlen kann.

Neupatientin ist die aufmüpfige Luise. Die Eltern der 17jährigen möchten sie vor allem weitab vom kriminellen Einfluss ihrer Freunde wissen. Unerwartet trifft eine weitere junge Frau ein: eine traumatisierte Schwangere, die hartnäckig schweigt. Gelingt es Friederike, hinter ihr Geheimnis zu kommen, um ihr zu helfen? Schließlich bringt die Unbekannte ein dunkelhäutiges Kind zur Welt. Ein Skandal im Lüneburg der 1920er-Jahre.

Ich bin gespannt auf eine Fortsetzung.

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Samstag, 1. Februar 2020

Ausgelesen: Bücher im Januar 2020

Angeregt durch verschiedene Berichte über Hans Fallada las ich "Kleiner Mann, was nun?*" und "Jeder stirbt für sich allein*". Bislang schaffte ich es tatsächlich, nichts von ihm zu lesen, erinnere mich aber immer noch an die TV-Serie "Ein Mann will nach oben*" mit Ursela Monn als Arbeitergöre Rieke Busch (ich erinnere mich tatsächlich nur an Monn). Die Serie sah ich im Frühjahr 1978 sonntags mit den Eltern, war aber noch zu klein, um die Handlung zu verstehen, und die Eltern nahmen sich auch keine Zeit, sie mir zu erklären. Falladas Werken standen (und stehen) zwar im Bücherschrank meines Vaters, aber es reizte mich nicht, sie zu lesen.

Nun wollte also endlich "Kleiner Mann, was nun?" gelesen werden - in der 2016 erschienenen Urfassung, denn 1932 erschien der Roman um ein Viertel gekürzt, und Neuauflagen in der NS-Zeit wurden bearbeitet, damit der Roman nicht verboten wurde. Der Roman spielt in den Jahren zwischen 1930 und 1932, während der Weltwirtschaftskrise.

Im Mittelpunkt stehen der Verkäufer Johannes Pinneberg und seine Freundin Emma Mörschel, genannt Lämmchen, die heiraten, weil sie ein Kind erwarten. Mit der Heirat gibt Lämmchen ihre Arbeit auf und zieht zu ihrem Mann. Das Geld wird immer knapper, beide versuchen irgendwie, über die Runden zu kommen. Trotz Weltwirtschaftskrise und erstarkender Nazis nimmt Lämmchen beherzt das Leben ihres verzweifelnden Mannes in die Hand. Die Kraft Lämmchens ist wirklich beeindruckend, ebenso wie ihre Fähigkeit, sich mit den ändernden Situationen zu arrangieren, egal, wie schlecht sie auch sein mögen. So hat die Geschichte der kleinen Familie einerseits zwar kein Happy End, andererseits vermittelt sie aber die Botschaft, dass nur die Liebe wichtig ist.

"Jeder stirbt für sich allein" spielt im Berlin der NS-Zeit und schildert den Widerstand des Arbeiter-Ehepaares Quangel. Fallada schrieb diesen seinen letzten Roman auf Anregung von Johannes R. Becher, der ihm die Fallakten des Ehepaares Otto und Elise Hampel zur Verfügung stellte. Die beiden Berliner verteilten zwischen 1940 und 1942 Postkarten mit Parolen gegen Hitler und den Nationalsozialismus, wurden denunziert, vor Gericht gestellt und am 8. April 1943 hingerichtet.

Fallada lehnte es erst ab, den Roman zu schreiben, war er doch in der NS-Zeit ein erfolgreicher Schriftsteller, und meinte, ein Werk über den Widerstand stünde ihm deswegen nicht zu. Dann aber entstand das 700 Seiten starke Buch Ende 1946 binnen vier Wochen und erschien 1947. Es gilt als einer der besten Romane über den deutschen Widerstand.

Unmittelbar nach der Befreiung entstanden, ist es erschreckend, wie viel doch von den NS-Verbrechen, von denen kurze Zeit später niemand etwas gewusst haben wollte, bekannt war. "Jeder stirbt für sich allein" ist trotz mancher Längen unwahrscheinlich beeindruckend! Ich muss mal schauen, ob ich die Defa-Verfilmung mit dem sehr geschätzten Erwin Geschonneck bekomme.

Auf "Das verlassene Haus*" von D.M. Pulley freute ich mich sehr, denn ihre anderen Bücher gefielen mir trotz diverser Kritikpunkte gut. Hier aber kam all das, was mich bei den anderen Büchern im Ansatz störte, geballt zusammen: Verwickelte, verworrene Handlungsstränge, Sprünge zwischen den einzelnen Zeitebenen, so dass ich phasenweise die Protagonisten kaum auseinanderhalten konnte,  manches wird angerissen, aber nicht weitergeführt, anderes ist unnötig grausam detailliert beschrieben, vieles wiederholt sich und ist vorhersehbar … Da ich wissen wollte, wie die Geschichte zu Ende geht, hielt ich durch.

Worum geht's? Pulley verwebt in 64 Kapiteln fünf Familienschicksale von den 1920er Jahren bis heute miteinander. Hunters Eltern wollen mit der Vergangenheit abschließen – in einer neuen Stadt, in einem neuen Zuhause. Sie kaufen das renovierungsbedürftige Anwesen Rawlingswood. Doch das alte Haus scheint sich gegen die Familie zu sperren. Während die Eltern nicht zur Ruhe kommen, beginnt Hunter, Fragen nach Rawlingswoods Vergangenheit zu stellen. Wer waren seine früheren Besitzer und warum gilt es als "Mordhaus"? Liegt auf dem Haus wirklich ein Fluch oder gibt es natürliche Gründe dafür, dass die Familie sich ständig beobachtet fühlt?

Zufällig entdeckte ich die Reihe um die besonderen Kinder (Miss Peregrine's Peculiar Children) von Ransom Riggs für mich und las zügig nacheinander alle vier Bände - lange Fahrzeiten, viel Zeit in Wartezimmern und Maladie, die kein Weggehen ermöglicht, sind manchmal ganz praktisch.

Ich war ganz froh, dass ich alle Bände nacheinander lesen konnte, denn die Bücher bauen aufeinander auf und sind so spannend, dass es toll war, gleich zum nächsten Band greifen zu können. Jetzt muss ich auf die deutsche Übersetzung des gerade auf Englisch erschienenen fünften Bandes, "The Conference of the Birds*", warten - oder meine Faulheit, Englisch zu lesen, überwinden.

Im ersten Band, "Die Insel der besonderen Kinder*", entdeckt Jacob (Jake) nach dem Tode seines Großvaters Abraham (Abe), dass er besondere Fähigkeiten hat: Er kann Hollowgasts sehen, langbeinige, stinkende Kreaturen, die auf der Suche nach den Besonderen sind, um ihre Augäpfel zu verzehren und wieder eine menschliche Gestalt anzunehmen.
Abraham erzählte seinem Enkel Jacob von einer Insel, auf der abenteuerlustige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben, und von Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind. Erst Jahre später, als sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt, erinnert Jacob sich wieder an die Schauergeschichten und entdeckt Hinweise darauf, dass es die Insel Cairnholm wirklich gibt. Er macht sich auf die Suche nach ihr und findet sich in einer Welt wieder, in der die Zeit stillsteht und er die ungewöhnlichsten Freundschaften schließt, die man sich vorstellen kann. Doch auch die Ungeheuer sind höchst real – und sie sind ihm gefolgt.

Jacob und seine Freunde können sich von der Insel retten und landen im London des Jahres 1940, in der ""Stadt der besonderen Kinder*". Miss Peregrine, ihre Ymbryne (Schutzpatronin), kann sich nicht mehr in ihre menschliche Gestalt zurückverwandeln, und die Freunde suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, sie zu retten. Ausgerechnet, als sie glauben, eine sichere Zuflucht gefunden zu haben, müssen sie feststellen, dass sie verraten worden sind. Jacobs und Emmas Freunde, aber auch alle Ymbrynen, werden entführt. Die beiden machen sich auf eine gefährliche Suche nach der "Bibliothek der besonderen Kinder*".

Sie landen schließlich über die Zeitschleife Devil’s Acre, wo der Abschaum der Gesellschaft der Besonderen lebt, zur geheimen Festung der Wights, der weiterentwickelten menschlichen Form der Hollowgasts. Dort decken sie ein noch größeres Geheimnis auf: Caul, Miss Peregrines böser Bruder, will die sagenumwobene „Seelenbibliothek“ Abaton finden und sich mithilfe der dort verborgenen Kräfte zum Herrscher der Besonderenwelt aufzuschwingen. Jacob ist der Schlüssel dazu.

Der vierte Band "Der Atlas der besonderen Kinder*"führt zurück ins heutige Florida, wo Jacob lebt. Seine Eltern wollen ihn einweisen lassen, halten ihn für psychisch krank, weil sie mit seinen Erlebnissen nichts anfangen können. Glücklicherweise entdecken Miss Peregrine, Emma und die anderen besonderen Kinder eine Zeitschleife ganz in Jacobs Nähe. Sie retten ihn und wohnen bei ihm, nachdem seine Eltern nach einer Gedächtniskorrektur auf eine Asienreise geschickt wurden. Gemeinsam versuchen sie, sich in die moderne Zeit einzufügen – inklusive langen Strandspaziergängen und anderen normalen Tätigkeiten.

Dann findet Jacob heraus, dass sein Großvater Abe nicht alleine gegen die Monster gekämpft hat, die die besonderen Kinder jagen - und dass Abes Partner noch lebt. Aber auch altbekannte Feinde sind lebendiger, als es Jacob lieb ist, und Miss Peregrine muss alles aufbieten, um die Freunde zu retten.

Zwischen dem dritten und dem vierten Band erschien "Die Legenden der besonderen Kinder*", eine Sammlung vorn Erzählungen und schöne Ergänzung zu den Abenteuern.

So viel Spaß die Reihe um die besonderen Kinder auch macht, eines störte mich nachhaltig: Das schlampige Korrektorat der deutschen Ausgaben! Über Flüchtigkeitsfehler wie "in" statt "ich" (kommt mehrfach vor) kann ich hinweglesen, aber wenn eine Aufforderung "Jagd sie in die Luft!" lautet, kräuseln sich mir die Fußnägel - und zwar nicht aus Angst vor Hollows und Wights. Gleiches gilt, wenn es heißt, Abe habe eine Schwäche für Automobile der 1950er und 1060er Jahre gehabt. Ich frage mich, mit welchen Autos wohl beispielsweise die Normannen 1060 zur Eroberung Süditalien fuhren. Solche Nachlässigkeit ist wirklich ärgerlich und schmälert den Genuss der ansonsten wirklich schön gestalteten Bände!

Okay, ein paar Logikfehler gibt's auch. So soll Jake um 19.15 Uhr bei Miss Peregrine sein, beginnt um 18.45 Uhr mit dem Lesen des Logbuchs seines Großvaters, ist um 19.07 Uhr fertig und las dennoch fast eine Stunde. Das muss 'ne besondere Uhr sein, ebenso wie der Akku von Jakes Handy, der auch nach Wochen in diversen Zeitschleifen noch Saft hat. Ist sicher 'n Nokia.

Mit "Kamasutra in Unterfilzbach*" von Eva Adam tat ich mich 'n büschen schwer. Der Regionalkrimi spielt in Niederbayern und hat deutliche Anklänge an die Eberhofer-Reihe von Rita Falk*

In dem Dorf ereignen sich innerhalb weniger Tage sich zwei Todesfälle, bei denen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Doch während die Polizei sowohl beim Dorfapotheker als auch bei der Metzgereiverkäuferin von Unfällen ausgeht, stellt der naive und bodenständige Familienvater und Bauhofangestellte Hansi Scharnagl, der die beiden Leichen entdeckt hat, eigene Ermittlungen an. Mit seinem Freund und Kollegen Sepp nimmt er schon bald den Esoterik-Guru Ashanti ins Visier, dessen Kamasutra-Kurse im Dorf Furore machen.

Zugegeben, die Krimikomödie hat eine komische Momente und die schrulligen Dorfbewohner sind sympathisch, aber die Längen überwiegen, so sehr, dass ich mir nicht gleich den nächsten Band* antat.

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Sonntag, 17. April 2016

Ausgelesen: Bücher im Januar / Februar / März 2016

Durch das viele Stricken lese ich momentan recht wenig. Ich habe zwar das eine oder andere Hörbuch hier liegen, aber bislang fand ich meistens was im Fernsehen, im Radio oder bei den DVDs als Strickbegleitung.

Das mit dem wenigen Lesen wird sich in den nächsten Tagen ändern, denn das kleine schwarze Auto ist malad und ich muss mit dem ÖPNV zur Arbeit fahren. Da bin ich jeden Tag statt 90 Minuten bummelig vier Stunden unterwegs - wenn ich Glück habe. Ich habe auch schon mal sechs Stunden gebraucht - für eine Strecke. Apropos Strecke: Mein täglicher Arbeitsweg beträgt zwei Mal 15 km innerhalb Hamburgs.

In der November-Dezember-Ausgabe von "Ausgelesen" verschwieg ich die Bücher, die mit in den Dänemark-Urlaub gingen: Drei Jütland-Krimis von Kirsten Holst. Sie spielen zwar in Lemvig, also nördlicher als wir gerne urlauben, aber die Auswahl an Jütland-Krimis ist eher mau. Oder habe ich nicht richtig geguckt?

Holsts Krimis machten auf mich den Eindruck, ein bisschen aus der Zeit gefallen zu sein. Sie wirkten recht altbacken und behäbig. Andererseits passt das aber auch zu einem Urlaub. Die Autorin veröffentlichte zwei Krimi-Reihen: Eine mit Fällen um die Kommissare Høyer und Therkelsen (wobei Høyer schon pensioniert ist), und eine um die Bea, eine junge Frau, die nach langer Zeit in den USA wieder zurück nach Dänemark zieht und eher zufällig Detektivin wird.

Nur wenige Holst-Krimis sind bislang ins Deutsche übersetzt, dementsprechend nahm ich, was ich in der Onleihe bekam. Ich begann mit "Der Prinz ist tot"*, dem neunten Fall für Høyer und Therkelsen.

Worum geht's? Der Chef der Rockerbande Blue Devils liegt nach einem Unfall im Koma. Kurz darauf wird sein Nachfolger ermordet aufgefunden, qualvoll verblutet nach einem Schuss in den Unterleib. Kommissar Therkelsen und seine Leute vermuten den Töter zunächst in den Reihen der Rocker. Denn mindestens zwei weitere Anhänger der Gang wollten Nachfolger des "Königs" werden. Doch ein weiterer Mord an einem Anhänger der Blue Devils lässt die Vorfälle in einem neuem Licht erscheinen: Wirft ein Jahre zurückliegendes Verbrechen seine Schatten bis in die Gegenwart?

Was mich irritierte: Høyer wird von Therkelsen gebeten, die Augen offen zu halten, ob er Hinweise findet, die bei den aktuellen Ermittlungen helfen können, aber er reagiert nicht, als er einen konkreten Hinweis bekommt. So kann man die Ermittlungen natürlich auch in die Länge ziehen. Schade fand ich, dass nicht klar wird, wo genau "Der Prinz ist tot" eigentlich spielt - ich hätte gerne einen Ortsnamen gehabt

Als nächstes las ich "Zu lebendig zum Sterben"*, der ersten Band aus der Reihe um Bea, die mehr oder weniger zufällig zum Beruf der Privatdetektivin ergreift. Zuerst ist der Job so langweilig, wie sie ihn sich vorgestellt hatte, bis sie sich mit Marion anfreundet, deren Art sie fasziniert. Wenig später wird Marion tot in ihrer Garage gefunden, der Motor ihres Wagens läuft noch. Die Polizei und ihr wohlhabender, älterer Ehemann geht von Selbstmord aus, doch Bea hat eine andere Theorie. Dann sterben zwei weitere Personen aus Marions Umkreis unter mysteriösen Umständen und auf Bea wird ein Anschlag verübt.

Das Buch gefiel mir gut, einzig, dass - Achtung, Spoiler - ein Ehemann bei einer Identifizierung nicht erkennt, dass es sich bei der Toten um eine Doppelgängerin seiner Frau handelt, ist mir unverständlich. Ich hoffe doch sehr, der Gatte kennt mich besser.

Ich kehrte mit "Wege des Todes"* wieder zurück zum Duo Høyer - Therkelsen. Høyer ist noch nicht verrentet und ermittelt im Falle des Millionärs Carl Frederik Bruun. Der eröffnet auf dem Sterbebett, dass sein Sohn sich das 12-Millionen-Erbe und ein Sommerhaus in Jütland mit einer ihm bislang unbekannten Halbschwester teilen muss. Der Sohn ist nicht gewillt, sich sein Erbe von einer illegitimen Schwester streitig machen zu lassen, und heuert einen Privatdetektiv an, um die unerwünschte Miterbin aufzuspuren und auszuforschen. Im Sommerhaus der Brunns auf Jütland nimmt ein blutiges Drama seinen Lauf, das auch Kommissar Høyer nicht verhindern kann.

Gleichzeitig taucht Høyer in seine eigene Familiengeschichte ein, was sehr spannend zu lesen war. "Wege des Todes" gefiel mir richtig gut. Mal schauen, ob ich in der Onleihe noch das eine oder andere Holst-Buch bekomme. Vielleicht kaufe ich sie auch antiquarisch, so als Urlaubserinnerung im Bücherregal.

In den Januar ging ich mit "Tod nach Schulschluss"* von Christine Drews. Ihr Buch "Phönixkinder" hatte mir sehr gut gefallen, so dass klar war, ich wurde die anderen Krimis von ihr auch lesen. "Tod nach Schulschluss" ist der anschließende dritte Band der Reihe mit den Kommissaren Schneidemann und Käfer. Ihre berufliche Partnerschaft ist inzwischen eingespielter, und auch privat ist alles in ruhigem Fahrwasser: Beide sind glücklich mit ihren Partnern.

So können sie sich ganz auf ihren neuen Fall konzentrieren: Eine Leiche in einem mittelalterlichen Folterinstrument! Das Opfer ist Max Wenke, Musterschüler auf dem Elite-Internat Schloss Lemburg. Handelt es sich um einen besonders bizarren Selbstmord? Oder wurde der blendend aussehende und hochbegabte Max ermordet? Lehrer und Schüler erscheinen seltsam gleichgültig. Erst ein schockierendes Detail sprengt die Mauern des Schweigens - mit alptraumhaften Konsequenzen für Charlotte.

"Tod nach Schulschluss" war spannend, mit gelegentlich komischen Passagen. Ich freue mich auf den vierten Band der Reihe, "Denn mir entkommst du nicht*", der Mitte Mai erscheint.

Zum Rezensieren erhielt ich "Die Reisen der jungen Magici" von Christoph Stark. Die Geschichte war leider gar nicht mein Fall. Nach der Enttäuschung brauchte ich etwas, von dem ich ziemlich sicher sein konnte, das es mir gefällt: "Elchscheiße"* und "Kaimankacke" von Lars Simon. Der dritte und letzte Band der Trilogie, "Rentierköttel", gefiel mir ja schon ausnehmend gut.

Im ersten Band schmeißt Torsten Brettschneider seinen Job hin, kauft "Lasse", einen alten VW-Bus und macht sich auf ins schwedische Gödesltorp, wo er einen alten Bauernhof erbte, der von Bjørn, einem ehemaligen norwegischen Widerstandskämpfer, bewohnt ist. Bis Torsten sein Erbe in Besitz nehmen kann, muss er erst Bjørn von sich überzeugen, in seine Familiengeschichte eintauchen und dann so ziemlich die gesamten Dorfbewohner bezwingen.

Die Geschichte ist einfach herrlich abstrus, was ich sehr mag. Was ich über "Rentierköttel" schrieb, gilt auch hier: Torsten kann gar nicht anders, als so zu handeln, wie er handelt. Er ist quasi unschuldiges Opfer sich unglücklich verkettender Umstände. Und die Auflösung der Geschichte ist letztlich die einzig logische Möglichkeit. Gleiches gilt für "Kaimankacke", das in Costa Rica spielt. Leseempfehlung! Ich werde mir zudem die beiden Hörbücher kaufen, denn vorgelesen gefallen mir die Bücher noch besser (und dass ich Hörbüchern den Vorzug gebe, ist selten bei mir).

Zwischendrin las ich immer mal wieder in "Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich*" von Tommy Jaud. Diese Persiflage auf Selbsthilfebücher ist gut gelungen und macht Spaß.

Mein Rezensionsstapel sollte ein wenig kleiner werden, und so griff ich als nächstes zu "Reinkarnation ist nichts für Feiglinge*" von Fredrik Brounéus. Die Geschichte spielt an der neuseeländischen Südküste: George Larson, in erster Linie mit seiner Freundin Kaisa und der Kunst einen guten Song zu schreiben beschäftigt, erhält unerwarteten Besuch. Sein Großvater, der eigentlich schon lange das Zeitliche gesegnet hat, steht vor der Tür. Seit der alte Herr tot ist, scheint er sichtlich aufgeblüht: Er raucht Kette und trinkt mehr Kaffee, als gesund sein kann. Und er hat eine Botschaft für George: Die Menschheit ist in großer Gefahr und George der Einzige, der dagegen etwas tun kann.

Zunächst zögerlich, doch mit wachsendem Ehrgeiz stellt sich George seiner neuen Aufgabe und kratzt dabei an den großen Fragen der Menschheit – Was passiert wirklich, wenn wir tot sind? Was sind unsere wahren Ziele und wo geht die Reise hin? – und erhält durchaus erhellende Antworten: Auch Reinkarnation will geübt sein. Tibetische Mönche sind gar nicht so friedfertig, wie man erwarten würde. Und wer hätte es geglaubt: »Just do it«, inzwischen zur inhaltsleeren Werbephrase verkommen, ist in Wirklichkeit eine jahrtausendealte Weisheit …

Angeblich soll der Roman in der Tradition von Douglas Adams und Terry Pratchett stehen. Ähm ... nö. Die Geschichte ist voller abstruser, paradoxer Wendungen und hat trotz gelegentlicher Langatmigkeit ihren Reiz, aber Adams ist für mich um Klassen besser (zum Vergleich mit Pratchett kann ich nichts sagen. Zwar stehen seine gesammelten Werke hier im Regal, dem Gatten sei Dank, aber bei mir sprang der Funke noch nicht über). Eine ausführliche Rezension folgt demnächst.

Auf Reisen, aber auf realen, nicht fiktiven, ist Dan Kieran im Buch "Slow Travel*". Seine Philosophie des entschleunigten Reisens trifft bei mir voll ins Schwarze, dementsprechend gefällt mir das Buch gut. Eine ausführliche Rezension folgt auch hier demnächst.

Zu Weihnachten schenkte mir der Gatte "Mach mir den Garten, Liebling!*" von Ellen Berg, weil er fand, der Klappentext lese sich so lustig, das könne mir gefallen. Joa, die Geschichte um Luisa, die statt der zugesagten Beförderung einen neuen fiesen Chef bekommt, aber Entspannung und Liebe im erst ungeliebten Garten ihrer Tante findet, ist für Zwischendurch ganz nett. Kaugummi für's Hirn, sozusagen.

Im Februar-Urlaub stromerte ich mit dem Gatten durch Ottensen und kaufte einige Hörbucher, darunter "Ich bin hier bloß der Hamster*" von Friedbert Stohner. Die Geschichte um Hamster Oleg, der ganz nahe dran ist am Alltag einer ganz normalen Menschenfamilie und über hervorragende Menschenkenntnis verfügt, ist lustig zu hören. Aber auch wenn Stohner ein wunderbarer Beobachter ist, ist die Geschichte doch recht flach - es hätte mehr herausgeholt werden können. Das Hörbuch wandert auf den Tauschtisch in Mudderns Sportverein. 

Wenn Du magst, erzähl mir doch im Kommentar, was Du gerade liest oder welches Buch Dich in den letzten drei Monaten beeindruckte.

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Mittwoch, 10. Februar 2016

Rezension: "Die Reisen der jungen Magici" von Christoph Stark

Christoph Stark liebt Fantasy - so sehr, dass er selbst begann, zu schreiben. "Die Reisen der jungen Magici - Die schwarze Hand" ist sein erstes Werk, dem noch in diesem Jahr eine Fortsetzung folgen soll.

Im Mittelpunkt steht der sechzehnjährige Edmond "Eddie" Smith, der in einem idyllischen englischen Dorf aufwuchs, bis der Dorf-Magiker in ihm seinen Nachfolger erkannte und ihn ausbildete. Sonst wäre Edmond, der Nachname legt es nahe, Schmied geworden.

"Die Reisen der jungen Magici" spielt in einer fernen Zukunft, in der die Erde durch einen Krieg oder eine Naturkatastrophe (das wird nicht so genau deutlich) zerstört ist. Die Technologie aus der Zeit vor der Zerstörung ist vergessen, die Menschen leben ohne Elektrizität, fließend Wasser oder anderen vermeintlichen Segnungen der Moderne, vertrauen auf ihre Magiker, die gleichzeitig auch die Dorfältesten sind.

Aber rund um ein dunkles Schloss im Süden Englands zieht Unheil auf, macht Feldmarschall Lucem mobil, will das Land unter seine Herrschaft bringen, will vor allem aber Eddie haben, vermutlich, weil er verspricht, ein großer Magiker zu werden.  Eddie wird auf eine Reise in die sagenumwobene Stadt Sapientia in Frankreich geschickt.

Dafür muss er erst England durchqueren und zu einer Brücke über den Ärmelkanal gelangen, die praktischerweise die Weltenzerstörung überstand - das ist eine beachtliche Leistung für eine Brücke aus Beton und Stahl, die bummelig 35 km lang sein müsste, so sie denn jemals gebaut würde. Unterwegs begegnet Eddie der jungen Lynn, eine Magikerin in Ausbildung und ebenso wie er bedroht durch Lucem. Gemeinsam setzen sie ihren Weg fort und trotzen alle Gefahren, die von Lebenden, Toten und Untoten ausgehen.

Ich tat mich mit "Die Reisen der jungen Magici" sehr, sehr schwer. Ich bin Fantasy nicht abgeneigt, im Gegenteil, aber durch dieses Buch quälte ich mich regelrecht, so sehr, dass ich vor dem Schluss, nach 278 von 302 Seiten (eBook), aufgab. Wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich schon früher aufgehört zu lesen.

Stark beginnt mit einem Prolog: Der Erzähler fliegt mit dem Leser aus dem All durch einen Trümmerring gen Erde, zuerst nach London, dann weiter gen Birmingham. Südlich davon steht das Schloss von Lucem und noch weiter südlich begegnet der Leser zum ersten Mal Eddie, der anscheinend schon auf seiner Wanderung gen Ärmelkanal ist.

Schon der Prolog beginnt zwar sehr detailreich, gleichzeitig aber sehr farblos. Würde nicht erwähnt werden, dass der Leser gerade sich gerade der "alte[n], früher ach so stolze[n] Hauptstadt Englands" nähert, sie wäre nicht zu erkennen, ebenso wenig wie Birmingham. Warum wird diese Stadt überhaupt angesteuert, wenn der Leser doch in den Süden Englands, dahin, wo die Artus-Sage spielt, die Orte voller Magie und Mystik sind, soll? Der spätere Weg der beiden Helden ist für mich genauso wenig nachvollziehbar.

Der Prolog offenbart schon die Schwäche des Buches: Stark schreibt zum Einen sehr detailgetreu, so sehr, dass die Schilderungen schon langatmig sind. Zum Anderen scheint das Handlungsgerüst nur wenig durchdacht. Es bleibt beispielsweise unklar, was England, was die Welt zerstörte. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, es war ein Krieg (es gibt Szenen, in denen Eddie und Lynn auf tote Soldaten stoßen, zerstörte Waffen und Panzer finden), aber wer gegen wen und warum bleibt unklar.

Auch später, wenn Eddie und Lynn London durchqueren, bleibt die Stadt blass. Kein markantes Gebäude aus der Zeit vor der Katastrophe scheint noch zu existieren, weder Tower samt Tower Bridge noch der Buckingham Palace, Westminster Abbey, Houses of Parliament, The Shard oder was auch immer. Einzig die Tunnel der Tube existieren noch und sind begehbar, was sehr praktisch ist, dienen sie doch Eddie und Lynn als Fluchtweg an die Küste.

Ebenso unklar ist, in welcher Zeit "Die Reisen der jungen Magici" spielt. Okay, Zukunft, klar, aber welche? Einmal heißt es, Eddie sei im Jahr 154 geboren, dann wiederum legt der Prolog nahe, die Erde wurde schon vor Jahrhunderten zerstört, fanden sich vor Jahrhunderten die zwölf besten Magiker zusammen, um in Frankreich die Stadt Sapientia zu gründen. Beginnt Starks Zeitrechnung mit dem Jahr Null als dem Jahr der Zerstörung oder wie kommt er auf das Jahr 154 für ein zukünftiges Zeitalter?

Und wenn die Zerstörung der Erde schon Jahrhunderte her ist, wieso finden sich dann noch Reste von Panzern in den Straßen Londons, sind in den zerstörten Wohnungen, in denen Eddie und Lynn Schutz suchen, noch die Überreste von Fernsehern, Computern, Kleidung, Teddybären, Bücherschränken samt Büchern erhalten? Diese Dinge überdauern doch keine Jahrhunderte. Überhaupt: Warum wurden die Ruinen nicht von den Überlebenden der Katastrophe geplündert? Irgendwie rebelliert meine Logik bei diesem Szenario - und nicht nur bei diesem.

Fazit: Wer sich an einer Handlung jenseits der Logik nicht stört, Detailgetreue und Langatmigkeit gleichzeitig mag, wird "Die Reisen der jungen Magici" gerne lesen. Ich tat es nicht.

Verlagsangaben zum Buch: Christoph Stark / "Die Reisen der jungen Magici" / Taschenbuch und eBook / 380 Seiten / 13,90 € (TB) bzw. 3,49 € (eBook) / ISBN: 9783737552448 / erschienen bei epubli

Leseprobe bei Google Books.

Vielen Dank an den Verlag und an Blogg Dein Buch für das Rezensionsexemplar.

Sonntag, 1. November 2015

Ausgelesen: Bücher im Oktober

Nachdem ich im September wenig las, weil ich mich kaum konzentrieren konnte, las ich im Oktober wieder im üblichen Tempo weiter. Und wie so oft bei mir, las ich hauptsächlich Krimis.

Ich begann den Oktober mit "Gift im Brezelteig"* von Ulrich Maier. Die Story um Journalisten Nils Niklas, der im beschaulichen schwäbischen Städtchen Bäringen versucht, einen mysteriösen Erpressungsfall aufzuklären, nahm mich allerdings so wenig gefangen, dass ich das Buch nicht neu auf den Reader lud, als die Datei kurz vor Ende des Buches plötzlich als Fehlerhaft angezeigt wurde.

Danach las ich "Blut vergisst nicht"* von Kathy Reichs. Forensikerin Tempe Brennan arbeitet diesmal auf Hawaii für das JPAC, das Leichen vermisster Soldaten identifiziert. An Leichen mangelt es in diesem Buch wahrlich nicht. Irgendwann verlor ich den Überblick darüber, wer wann warum von wem ermordet wurde, nicht ohne kurz vorher noch die Identität zu tauschen, was die Arbeit der Anthropologin erschwerte.

Irgendwann wollte ich das Buch einfach nur noch zu Ende bringen.

Spannender war da schon "Schwesternmord"* von Tess Gerritsen. Vor dem Haus der Pathologin Maura Isles wird eine Frau erschossen – die Maura bis aufs Haar gleicht! Detective Jane Rizzoli ist erleichtert, als ihre Kollegin kurze Zeit später von einem Kongress zurückkehrt. Bei der Leiche handelt es sich offensichtlich um Mauras Zwillingsschwester – von deren Existenz sie selbst nichts wusste.

Gemeinsam mit Detective Rick Ballard beginnt Maura nachzuforschen – und gerät dabei in einen blutigen Albtraum: Sie stößt auf Skelette von ermordeten Schwangeren, deren Babys spurlos verschwunden sind. Doch erst als Jane Rizzoli einen anderen Fall untersucht, findet sie den Schlüssel zum Tod von Mauras Schwester …

Dann begann meine zweite Urlaubswoche, und ich war total glücklich, als ich beim Stadtbummel den vierten und fünften Band der Peter-Grant-Reihe von Ben Aaronovitch fand. Kaum zu Hause, verkroch ich mich mit "Der böse Ort"* unter die Kuscheldecke.

Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant verschlägt es nach Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dahinter verbirgt sich Heygate Estate in Elephant and Castle. Es lohnt sich, beim Londonist vorbeizuschauen oder die Google-Bildersuche zu bemühen, um einen Eindruck der Siedlung zu bekommen. Wir kamen bei unserem ersten gemeinsamen London-Besuch zufällig daran vorbei und waren total erschlagen. "Neo-Brutalismus" beschreibt den Baustil wirklich treffend.

Zunächst geht es in "Der böse Ort" nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst.

Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt …

Ich habe das Buch mit viel Vergnügen verschlungen und freute mich, dass der Folgeband, "Fingerhut-Sommer"*, gleich parat war. Peter Grant wird er jetzt in die tiefste Provinz geschickt: in einen kleinen Ort in Herefordshire – wo sich Fuchs, Hase und der Dorfpolizist Gute Nacht sagen. Aber es werden zwei Kinder vermisst, und ihr Verschwinden erfolgte womöglich unter magischen Umständen. Also muss Peter notgedrungen sein angestammtes Biotop verlassen. Mit der Flusstochter Beverley Brook begibt er sich mutig nach Westen, hinein ins ländliche England ...

Grant muss ganz ohne seinen Mentor Thomas Nightingale zu recht kommen und zeigen, was er alleine drauf hat. Er schwimmt sich also ein bisschen frei, und das gelingt ihm sehr gut.

Im Vergleich zu den vier vorherigen Bänden hat "Fingerhut-Sommer" ein paar Schwächen. Aaronovitch macht häufig Andeutungen, die dann nicht aufgegriffen werden, und die Rettung zum Schluss kommt sehr unvermittelt, so, als wäre die erforderliche Seitenzahl erreicht.

Dennoch bereitete mir "Fingerhut-Sommer" Vergnügen, freue mich mich auf den sechsten Band.

Der Lesemonat klingt aus mit "Scheintot"* von Tess Gerritsen, dem Folgeband zu "Schwesternmord". Bislang lässt es sich ganz gut an.

Und was liest Du gerade?

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