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Dienstag, 17. März 2026

#12von12 im März 2026

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür!

#1: KpH und Schnuffi, das Reise-Rudel, bestehen darauf, dass ich aufstehe, um Kopenhagen zu erkunden.

#2: Appartement-Pflichten: Abwaschen nach dem Frühstück.

Ich bin für eine Woche in Kopenhagen. Heute ist der vorletzte Tag, den ich mit moderner Kunst verbringe - und im Luxus-Kaufhaus Magasin du nord, wo mich dänisches Design mal wieder absolut flasht.

#3: Heute wird's wild.

#4: Verstörende Kunst: Installation "Beyond the Horizon" von A.A. Murakami

#5: Natur als Ausgleich für verstörende Kunst.

#6: Mittagessen.

#7: Schon wieder verstörende Kunst: "Wabbit" von Marion Peck.


#8: Ein bisschen Touristik-Programm zum Runterkommen.

#9: Reicht dann auch für heute.


#10: Abendessen (reicht für zwei Tage).

#11: Stricken und Krimi gucken zur Entspannung.

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.


Der Blick zurück in die ersten sechs Corona-Jahre: Am 12. März 2020 ahnte ich noch nicht, dass ich vier Tage später für lange Zeit aus dem Heimbüro arbeiten würde. Ich erholte mich von einer OP und bin bis heute froh, dass ich mich der Hysterektomie, zu der mich die Ärzte seit Jahrzehnten drängen, verweigerte. Am 12. März 2021 hatten der Gatte und ich unsere erste Corona-Impfung hinter uns und die irrige Hoffnung, dass wir diese Moppelkotze mit der Impfung los würden. Der schon erkrankte Gatte ging davon aus, dass er eines Tages wieder arbeitsfähig sein würde und dann wieder Vollzeit arbeitet, weil Corona dank Impfstoff ja bald vorbei ist. Er starb im Oktober 2025. Am 12. März 2022 kehrte ich in meinem Job wieder in die Präsenzpflicht zurück. Am 12. März 2023 hatten wir seit einem dreiviertel Jahr ein Haus, in dem wir eigentlich schon seit ein paar Wochen wohnen wollten ... Ein Jahr später war's dann tatsächlich so weit. Der Gatte wartete am 12. März 2025 ungeduldig auf eine weitere OP, nach der er wieder gehen können sollte, ahnte nicht, dass noch sechs folgen sollten, dass er kaum noch ein halbes Jahr zu leben haben würde. Er fehlt mir unendlich, mit jedem Atemzug, in jeder Sekunde. / *Affiliate links

Sonntag, 15. März 2026

Samstagsplausch KW 11/26: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCCXIII

Der erste Urlaub ohne den Gatten führte nach Kopenhagen. In der Stadt waren wir nie gemeinsam, so dass wir keine gemeinsamen Erinnerungen daran haben, anders bei der Weihnachtsreise nach Hammelburg und Dachau. Wir hatten zwar öfter überlegt, gemeinsam nach Kopenhagen zu fahren, denn durch die direkte Bahnverbindung von Hamburg aus ist das ja sehr kommod, aber seit unserer Reise nach Prag im Oktober 2017 war klar, dass eine Städtereise für den Gatten aufgrund seiner fortschreitenden Gehbehinderung zu anstrengend ist. Gleiches galt für Wanderreisen, weswegen wir auch nicht mehr nach Südtirol oder Bayern fuhren. 

Der Touristen-Hotspot Nyhavn in Kopenhagen.

Hier galt 294 Wochen: Der Gatte und ich waren coronabedingt weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall, im sechsten steckte er sich bei einem neunwöchigen Krankenhausaufenthalt mit Candidozyma auris an. An der Pilz-Infektion starb er im Oktober 2025 im Alter von 64 Jahren. Seit Woche 294 versuche ich mich, im Alleinleben zurechtzufinden. Jetzt ist Woche 313, und die Trauer bleibt.  

Aus dem Haus zu gehen, ohne vom Gatten verabschiedet zu werden, nach Hause zu kommen, ohne vom Gatten willkommen geheißen zu werden, fühlt sich noch immer fremd an, vor allem bei einer Reise. Auch wenn der Gatte mich schon länger nicht mehr zur Bahn bringen oder abholen konnte, so verabschiedete oder empfing er mich doch liebevoll an der Haustür. Daran muss ich jedes Mal denken, wenn ich weggehe oder nach Hause komme - in ein Haus, das für immer still, einsam und leer bleiben wird. 

Kopenhagen war abwechslungsreich und inspirierend. Ich habe viel gesehen, und ich habe endlich eine Mesusa gefunden. Seitdem wir ein eigenes Haus haben, soll endlich auch eine Mesusa angebracht werden. Das wird leider noch etwas warten müssen, denn erst muss das Zugangssystem installiert werden, und solange ich noch nicht weiß, wo Klingel und Kamera angebracht werden, möchte ich nicht die Mesusa anbringen. 

Zurück zu Hause erwartete mich allerlei Post, aber noch nichts zur Witwenrente, so dass ich immer noch nicht verlässlich über meine Finanzen Bescheid weiß. Dafür hat sich nach fünf Wochen endlich die zweite der vier Versicherungen gemeldet, die ich wegen des Tods des Gatten anschrieb. Den anderen beiden muss ich beizeiten hinterhertelefonieren, aber ohne Erbschein werde ich da vermutlich ohnehin keine Auskunft bekommen, denn mit den beiden Versicherungen hatte ich nie etwas zu tun. Den Erbschein bekomme ich hoffentlich im Laufe diesen Jahres. Die Rentenversicherung erledigte auch die Kontenklärung, so dass ich jetzt Gewissheit über meine Altersrente habe. Nun, es wäre finanziell immer noch lukrativer, jetzt arbeitsunfähig verrentet zu werden, als noch zehn Jahre zu arbeiten ... Ich muss das Rentensystem nicht verstehen. 

Ansonsten habe ich angefangen, mich endlich wieder um den Nachlass meiner Mutter zu kümmern. Da habe ich ja seit Jahren Probleme mit einer Bank, die die unsinnige Bescheinigung möchte, dass ich meine Mutter bin, die ihren Namen in meinen Namen änderte. Alle rechtsrelevanten Dokumente wie Bankvollmacht, die meine Mutter mir schon zu Lebzeiten gab, Testament oder Erbschein werden nicht akzeptiert. Ich versuche es jetzt noch einmal im Guten zu klären, bevor ich die Sache einem Anwalt übergebe und schnellstmöglich alle Konten bei diesen unfähigen Bank auflöse. Die Bank ist für fehlende Kundenfreundlichkeit bekannt; ich kenne mittlerweile einige ähnliche haarsträubende Geschichten. 

Die Thomas-Beckett-Rosen haben alle drei sowohl Winter als auch Urlaub überstanden! Am kommenden Wochenende kann ich die erste auf den Friedhof pflanzen. Ich muss noch so ein Wildabwehr-Spray besorgen, aber bis die ersten Knospen kommen, dauert es sicher noch etwas. Ich muss ohnehin langsam mal herausfinden, welche Gärtnerausrüstung ich für den Friedhof brauche, aber das hat vielleicht noch etwas Zeit.

Die Mützen für die Lübecker Seemannsmission sind gepackt und können sich auf den Weg machen. Es sind tatsächlich 21 Stück geworden! Für die Innocent-Mützen-Challenge wurden es 15 Stück. Auch die machen sich im Laufe der Woche auf den Weg. Die angefangene Elbbrücken-Socke musste ich wieder aufribbeln, weil sie für meine Wade zu eng war und weil ich zu blöd für eine Bumerang-Ferse bin. Ich arbeite das Muster jetzt so um, dass ich eine Käppchen-Ferse stricken kann, meine Lieblingsferse.  

Mit "Balagan*" von Mirna Funk* las ich im Urlaub ein unwahrscheinlich intensives Buch, das noch lange nachhallt. 

Ein bisschen Sperrmüll steht an der Straße und wird hoffentlich morgen abgeholt - die Müllabfuhr ist hier ja eine Lotterie, und ich weiß auch nicht, ob alles, was ich an die Straße stellte, als Sperrmüll angesehen wird oder als Bauabfall. Den muss ich dann selbst zum Müllumschlag fahren und teuer bezahlen. Jedenfalls ist es weniger Sperrmüll als gedacht, weil ich nur das an die Straße stellte, was ich sicher als Sperrmüll identifizieren konnte. Was ich evtl. noch verkaufen kann, lasse ich erstmal stehen. Trotzdem ist es zumindest in der Kellerküche leerer geworden. Es tat weh, Dinge, die der Gatte möchte, mit denen er sich viel Mühe beim Bauen gab, an die Straße zu stellen, darunter auch die Reste der letzten Küche, die er baute und die aus unbekannten Gründen mit umzogen. Vermutlich wollte der Gatte einiges davon weiterverwenden. 

Bei Schwiegermutter meldete ich mich zurück. Sie hatte immerhin behalten, dass ich verreist war, wusste aber nicht mehr, dass ich sie besuche. Ich bin gespannt, ob sie es Freitag noch weiß ... Trauer und Demenz setzen ihr sehr zu. Bei Tante meldete ich mich ebenfalls zurück. Der Verfall ihrer Cousine setzt ihr sehr zu. Ich bezweifle, dass die beiden nochmal zusammen urlauben werden. Schwiegermutter ist aufgrund der Demenz nicht mehr reisefähig, und Tante ist körperlich dazu nicht mehr in der Lage.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse. / *Affiliate links

Montag, 7. Oktober 2024

Fanø Strik: Impressionen aus Rindby (Dänemark)

Die kleine Insel Fanø besteht aus vier größeren Orten: Sønderho, Rindby, Fanø Bad und Nordby.

Unser Ferienhaus war sehr instagramabel ausgestattet mit vielen Stehrümchen und dänischem Design. Zum Glück muss ich nicht putzen.

In Rindby war das Ferienhaus, in dem wir während des Strickfestivals Fanø Strik wohnten. In dem Gebiet sind wohl die meisten Ferienhäuser und Campingplätze der Insel. Die Infrastruktur ist auf Touristen ausgelegt. 

Schon von Weitem ist sichtbar, dass hier was mit Wolle stattfindet.

Überall auf der Wiese wuchsen wollige Blumen. Ich bin versucht, welche für unseren unwilligen Vorgarten zu stricken.

Rindby hat keinen Ortskern. Vereinzelt gibt es alte Gehöfte, auch die Kapelle zeugt davon, dass es Leben abseits des Tourismus gibt. Ansonsten fiel es mir schwer, mich zu orientieren. Es gab so keinen Orientierungspunkt. 

Ein bisschen unscheinbar kommt die Fanø Standgalleri daher. Das täuscht.

Während des Strickfestivals fanden Veranstaltungen im Hofladen "Fanø Angus & Merino" und im "Kunstladen" sowie ein Strick-Häkel-Kunstprojekt zum Mitmachen in der Fanø Standgalleri. Es gab auch Veranstaltungen im Versammlungshaus, aber dazu gab es keinen Hinweis auf der Website des Strickfestivals, und deswegen waren wir nicht dort. 

In der Galerie gab's Strickkunst: Die aus T-Shirt-Garn gestrickte Spinne braucht noch ein Netz, das viele fleißige Hände häkelten. 

Das sieht doch schon nach Netz aus ... Ich bin gespannt, wie das Kunstwerk fertig aussieht.

Ansonsten finden sich neben der Galerie an der Hauptstraße Kirkevejen zahlreiche Lokale, ein Supermarkt und andere Geschäfte sowie Fahrradvermietungen. Die Straße ist auch die Zufahrt zum Strand, der übrigens mit dem Auto befahren werden kann. In der Hochsaison führt sogar eine Buslinie über den Strand! 

Irgendwie vertorfte ich es, mir die anderen Kunstwerke der Galerie anzusehen, aber diese drei Stühle verzauberten mich.

Super-Grobi!

Ein Stuhl für eine Stadt.

Kulinarische Fanø-Impressionen gibt es in der Kombüse. Mehr Impressionen zum Festival Fanø Strik gibt es hier.

Mittwoch, 25. September 2024

Fanø Strik: Impressionen aus Sønderho (Dänemark)

Die kleine Insel Fanø besteht aus vier größeren Orten: Sønderho, Rindby, Fanø Bad und Nordby. 

Überall im Dörfchen hängen Girlanden.

Die gestrickten Häuschen sind aus leeren Tetrapacks gefertigt.

Unschwer zu erkennen, dass es mir diese Girlande besonders angetan hat. Ich überlege, sie nachzuarbeiten.

Das Strickfestival Fanø Strik fand in allen Orten statt, wobei meinem Eindruck nach das meiste in Sønderho los war. Das kann aber auch daran liegen, dass nicht alle Programmpunkte veröffentlicht auf der Website des Festivals wurden. Vieles erfuhren wir eher zufällig. Das war schade und könnte nächstes Jahr verbessert werden.

Zentrum des Strickfestivals in Sønderho war das Versammlungshaus neben der Feuerwehr.

Sønderho hat knapp 300 Einwohner, gilt als schönstes Dorf Dänemarks und ist so entzückend, dass es schon kitschig ist. Hier lässt sich gut Zeit verbringen, gibt es doch einige kleine Museen. Darunter ist auch das Fanø Kunstmuseum, das in einem ehemaligen Kaufmannshaus Werke von Fanø-Künstlerinnen und Künstlern von 1849 bis heute zeigt. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen. Das gilt auch für die anderen Museen wie das Mini-Citroën-Museum oder Hannes Hus, das Haus eines Seemanns, in dem die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts stehen blieb. Wer meine Biographie kennt, weiß, ich habe ein Herz für kleine Museen. Außerdem gibt es in Sønderho spannende Galerien. 

Vor dem Mini-Citroën-Museum steht eine rote Ente mit einer Strickerin. Im Hof des Museums wurde fleißig gestrickt.

Den Zaun des Museums schmückte natürlich eine Girlande mit gestrickten Enten-Wimpeln. 

Los ging's in Sønderho am 12. September mit einem Garn-Banko, also einem Woll-Bingo. Die offizielle Eröffnung fand mit einem Chili-Jazz-Abend statt, wobei das Chili von der Feuerwehr gekocht wurde. Beide Veranstaltungen schenkte ich mir, denn ich war zu platt. Ich schaffte aber ein kulinarisches Konzert - Jazz mit gutem Essen. Gerne hätte ich auch das Konzert mit Mittagessen im Kro besucht, aber das war leider schon ausverkauft. 

Ein wunderbares Jazz-Konzert mit schönen Klassikern.

Ich muss ganz schnell ganz viel Dänisch lernen, denn dieses Oberteil von Marianne Østergaard tat es mir so an, dass ich die Anleitung kaufte. Die ist halt auf Dänisch.

Ich verbrachte zudem einen wunderbaren Nachmittag bei einem Jazz-Konzert im Garten des Hofladens Uldsnedskeren, gefolgt von einem Orgel-Strickkonzert in der Kirche. Am letzten Festival-Tag gab's in der Kirche auch einen Strick-Gottesdienst, aber mein Dänisch ist so rudimentär, dass ich nicht daran teilnahm. 

Die Kirche von Sønderho mit der größten Sammlung an Votivschiffen Dänemarks.

Im Gegensatz zur Kirche ist die Orgel recht neu. Sie wurde erst 2006 gebaut.

Ungewöhnlich für einen christlichen Friedhof: Steine auf einem Grabstein. Ich wüsste zu gerne, was dahinter steckt. 

Außerdem bummelte ich gerne durch das Dorf. Es gibt viele spannende Läden. Anlässlich des Strickfestivals waren viele Häuser, Mauern oder Hecken mit phantasievollen Girlanden oder Wimpeln geschmückt. Ein paar Gärten waren geöffnet. Dort standen Stühle und Kaffee bereit, konnte man ein paar Reihen stricken und plaudern.  

Einige Häuser in Sønderho scheinen leer zustehen wie dieses hier. Ich hätte am Liebsten die Äpfel aufgesammelt. 

Weithin sichtbar ist die restaurierte Holländermühle aus dem Jahr 1895.

Wo ein Wollfest ist, sind natürlich Schafe nicht weit. Diese hier fanden sich vor der Mühle von Sønderho.

Kulinarische Fanø-Impressionen gibt es in der Kombüse.

Samstag, 21. September 2024

Samstagsplausch KW 38/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXXXVI

Die kleine Auszeit auf der Nordseeinsel Fanø tat gut. Zum Strickfestival auf  der Insel wollte ich schon länger, aber es ging sich nicht aus. Letztes Jahr fand das Festival zum letzten Mal als "Nordby Wooldays" statt, dann beschlossen, die bisherigen Veranstalter, die "Wooldays" zukünftig in Hurup zu veranstalten. Nun kenne ich die Gegend dort gut, hätte auch nichts gegen zwei Wochen Thy im Herbst einzuwenden gehabt, aber für ein langes Wochenende war's mir einfach zu weit. Fanø liegt für uns gut für einen Kurzurlaub - die Strickgruppe, in der ich seit letztem Monat bin, befand sogar, frau könne die Strecke an einem Tag schaffen ... Wie auch immer, es ist schön, dass es mit Fanø Strik weiterhin ein Strickfestival auf der Insel gibt.

Wir stricken Kunst: In der Fanø Standgalleri hängt eine riesige gestrickte Spinne aus T-Shirt-Garn von der Decke, für die ein Netz gehäkelt wird.

Früher waren die Veranstaltungen anscheinend auf Nordby konzentriert, während sie jetzt in allen vier Inselorten stattfanden. Das bedeutete viel Fahrerei, entweder mit dem Inselbus, dem Fahrrad oder mit dem Auto. Die Entfernungen sind allerdings kurz, und ein Bus-Pendelverkehr war organisiert. 

Ich fragte die Veranstalterinnen im Vorfeld, ob es Sinn macht, als nicht Dänischsprachige teilzunehmen und bekam zur Antwort, das wäre okay, es käme viele, die kein Dänisch sprechen, frau könne sich auf Deutsch oder Englisch verständigen. In der Praxis war's aber nicht so einfach. Vor allem bei den Workshops wurde nicht oder nur ganz selten übersetzt. Da ich früher selbst Dozentin war, dachte ich es mir schon. Übersetzen hält auf und verkompliziert alles. Dementsprechend suchte ich mir keine Workshops aus, bei denen es auf die Sprache ankommt (und mit dem Indigo-Workshop klappte es ja nicht, weil die Dozentin auf die Online-Buchung bestand, die mit meiner Kreditkarte nicht kompatibel war).

Freitag und Sonnabend präsentierte sich etwa 40 Ausstellerinnen in der Mehrzweckhalle in Nordby auf dem Faserfestival.

Das Programm war vielfältig, aber was wo stattfand, ob überhaupt etwas stattfand, war nicht immer leicht herauszufinden. Als ich Sonntag zum Abschiednehmen am Strand in Fanø Bad war, stellte ich fest, dass es sich durchaus gelohnt hätte, dort vorbei zu schauen, weil es dort auch viele Austeller und Angebote gab. Auf der Website war davon nichts ersichtlich. Gleiches gilt für das Versammlungshaus in Rindby, auf das wir auch nur zufällig aufmerksam wurden, weil es dort Fanø Chokolade zu kaufen gab. Auf der Website war dazu nichts zu finden. Ich hätte auch gerne Fanø Gin gekauft, wurde aber beim Tasting hartnäckig ignoriert. Dann halt nicht. Ich kurbelte auch so die lokale Wirtschaft kräftig an ... 

Für's nächste Strickfestival auf Fanø wäre es schön, wenn die Website so gestaltet wird, dass sich das Programm auf einen Blick sehen lässt, dass frau sich nicht von Ort zu Ort durchklicken muss und wenn alle Programmpunkte und Veranstaltungsorte spätestens zu Festivalbeginn auf der Website veröffentlicht wären. 

Ansonsten war es einfach zauberhaft, wie viele von der Insel beim Strickfestival mitmachten: Die freiwillige Feuerwehr kochte Chili zum Auftaktabend, viele öffneten ihre Gärten, schmückten die Dörfer mit Wimpeln, sorgten für Smørrebrød, machten Musik ... Kurz: Ich genoss den Aufenthalt. Es war auch nett, sich an einen gedeckten Frühstückstisch zu setzen, weil die Begleitung dafür sorgte, und ich schlief zwei Nächte mehr als neun Stunden durch. Das war eine angenehme Abwechslung zu dem Zwei-Stunden-Rhythmus, in dem ich normalerweise schlafe. 

Ausbeute vom Fasterfestival, der Ausstellung in Nordby: Wundervolles handgefärbtes Sockengarn von Apmezga aus Litauen; Guldsalve, eine intensive Handcreme mit wilder dänischer Schafsgarbe und Johanniskraut, wunderbar für meine trockenen Hände und Fingerspitzen, und 2,75er Zing- Stricknadeln, die ich schon länger kaufen wollte.

Der Gatte hielt sich tapfer, außer am Rückreisetag, wo ich nicht verstand, dass ich ihn auch morgens anrufen sollte - er bat darum, zwei Mal täglich zu telefonieren, was für uns untypisch ist. Er fing sich aber wieder, als ich abends wohlbehalten zu Hause war. Ansonsten hatte er Tabletteneinnahme, Diabetes und Selbstversorgung sehr gut im Griff. Davon war vorher nur bedingt auszugehen, denn die Tabletteneinnahme klappte meistens nur, wenn ich danebenstand. Jetzt denkt der Gatte von selbst daran, scheint begriffen zu haben, dass ihm die Medikamente helfen. Die neue Medikation scheint ihm auch gut zu bekommen. Der neue Hausarzt reduzierte ja eine Reihe von Medikamenten. 

Leider erledigte der Gatte keines der Projekte, die er sich vornahm, denn er wollte eigentlich endlich den Fernseher im Wohnzimmer anschließen. Stattdessen beschloss er, sich einen neuen PC zu kaufen und sich um dessen Verkabelung zu kümmern. Schön ... Heißt: Ich muss mich um einen Fernsehtechniker kümmern, denn ich möchte nach einem Jahr endlich wieder im Wohn- und Schlafzimmer fernsehen. Angesichts der Schwierigkeit, Handwerker zu finden, wird sicher noch ein Jahr ins Land ziehen, bis das möglich ist. Egal, es ist, wie es ist.

Hier gilt seit mittlerweile 236 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so.   

Wieder zu Hause, hatte mich schnell der Alltag wieder. Mich freute, dass meine Kollegin endlich mal einen ruhigen Vertretungsdienst hatte. Da ich in zwei Wochen wieder in den Urlaub gehe, ist viel zu tun, denn ich will möglichst viel für meine Kollegin vorbereiten - desto näher die Herbstferien rücken, umso unruhiger wird es. 

In der Nachbarabteilung ist gerade eine Schülerpraktikantin, die sich an einem meiner Echtbüro-Tage langweilte, ohne Anleitung war und bei mir strandete, als ich gerade 200 Päckchen packte. Mit ihrer Hilfe war das im Handumdrehen fertig. Es stellte sich heraus, dass sie hier in der lindgrünen Hölle im Nachbardorf lebt, immerhin das Dorf mit Bahnanschluss. Sie erzählte frisch von der Leber weg. Jugend auf dem Dorf ist noch genauso bescheiden wie vor 42 Jahren, als ich in ihrem Alter war. Es gibt keine vernünftige Infrastruktur, und die meisten ihrer Mitschüler unterstützen die AfD. Ich hoffe, sie macht ihren Weg, und erzählte ihr von den Veränderungen, die ich wahrnahm, die Mut machen. Aber es ist schon schwer, als junge Frau in einem konservativen Nest zu leben. Da hilft nur eins: Beine in die Hand nehmen und weg, wenigstens für 40 Jahre.  

Nach anfänglichem Zögern war der Gatte damit einverstanden, dass ich vorgestern zum monatlichen Stricktreffen gehe. Ich sorgte dafür, dass er während meiner Abwesenheit alles hat, was er braucht. Der Termin passte auch mir nicht so wirklich, aber ich wollte den Kontakt nicht gleich wieder abreißen lassen. Es gab eine Überraschung: Die Gastgeberin lebt in einem kleinen dänisch gestalteten Paradies! Das war wie ein kleiner Kurzurlaub nach dem Kurzurlaub. Außerdem gab's viele neue Strickideen, und unerklärlicherweise war ich am Ende des Abends um ein paar durchsichtige UGG-Gummistiefel und einen Häkel-Adventskalender reicher ... 

So nett der Abend war, war ich doch vier Stunden weg, und die musste ich wieder einholen. Mein Tag ist ja von 6 Uhr früh bis 22 Uhr abends durchstrukturiert, und da ist keine Zeit für Vergnügungen. Ich hänge immer meinem Aufgabenplan hinterher, egal, wie schnell ich bin, und wenn ich dann auch noch vier Stunden auf dem Swutsch bin, muss ich noch mehr aufholen. Aber ich brauche die soziale Interaktion mit anderen Menschen. Dem Gatten würde das auch gut tun. 

Als ich wieder zu Hause war und die Post sichtete - der Gatte leerte den Briefkasten, öffnete aber nichts - waren auch die Einstufung durch den Medizinischen Dienst und die Unterlagen für mich als Pflegeperson dabei. Das eigentliche Gutachten wurde putzigerweise vergessen, musste ich anmahnen, aber aus den Unterlagen ging hervor, dass der Gatte Pflegegrad 2 hat und der Medizinische Dienst eine Reha veranlasst! Der Gatte muss nichts weiter machen, als seine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Das tat er, wenn auch zähneknirschend, denn nach anfänglicher Freude über die Reha überwiegt nun wieder das Gefühl, ich wolle ihn abschieben. Dass ich ihn selbstverständlich in die Reha fahren werde, die ersten Tage zur Eingewöhnung bei ihm bleibe und ihn jedes Wochenende besuche, ändert daran nichts. Das Gefühl hat er seit seinen häufigen Krankenhausaufenthalten ab Dezember 2020. Ich hoffe, die Reha-Klinik liegt so, dass es mit den Besuchen auch wirklich klappt, sonst wird es hart für den Gatten. 

Ansonsten wurden dem Gatten Physio- und Ergotherapie sowie Funktionstherapie und Sturzprophylaxe verordnet - alles, was er spätestens nach dem Schlaganfall hätte bekommen sollen, aber nicht bekam, weil es hieß, er wäre ja nicht mehr berufstätig und hätte deswegen keinen Anspruch darauf. Nach unserem Urlaub werde ich mich darum kümmern müssen. Erstmal beginnt er kommende Woche mit medizinischer Fußpflege. Das verschafft ihm hoffentlich auch Erleichterung. 

Schwiegermutter und Tante geht es gut. Ich hatte gehofft, ihnen diese Woche schon die Fotos aus Travemünde zusenden zu können, aber die Abzüge verspäten sich um eine Woche. So muss ich es kommende Woche vor unserem Urlaub schaffen. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Donnerstag, 19. September 2024

#12von12 im September 2024

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! 

#1: Aufstehen, das Frühstück ist fertig!

#2: Ich mag es, mich an einen gedeckten Frühstückstisch setzen zu können.

Heute ist Donnerstag. Ich habe Urlaub und bin in Dänemark, auf der Insel Fanø zum Strickfestival Fanø Strik. Heute Nachmittag beginnt das Festival. Ich möchte einen Workshop buchen und Reservierungen in zwei Restaurants machen, also nach dem Frühstück erstmal auf nach Sønderho. 

#3: Wir sind auf einer Insel, also muss hier doch irgendwo Meer sein?!

#4: Auf in die Schlacht! Mittagessen im Café Nana's Stue.

#5: Ich esse nie wieder was ... 

#6: Hier hängen Fische in den Bäumen.

#7: Blick aus dem Fanø Kunstmusuem.

Der Ort ist entzückend, das schönste Dorf Dänemarks, fast schon kitschig. Wir verbringen dort einige Stunden, bevor es zurück ins Ferienhaus geht.

#8: Zurück im Ferienhaus.

#9: Ich kann Feuer machen! Sogar ohne Anzündholz und Anzünder!

#10: Abendessen - die sicher letzten Erdbeeren der Saison.

#11: Meine Bananensocken aus der Reha-Wolle sind fertig!

#12: Vor dem Einschlafen zusammen mit dem Reise-Rudel noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten vier Corona-Jahre: Am 12. September 2020 war unser Dänemark-Urlaub zu Ende, war der Gatte noch gesund. Am 12. September 2021 machten wir den ersten Urlaub seit Erkrankung des Gatten und waren im gleichen Ferienhaus wie im Vorjahr. Am 12. September 2022 dachten wir, dass wir zum letzten Mal auf Mallorca waren, weil der Gatte das Klima nicht mehr verträgt. Nun fliegen wir in zwei Wochen wieder auf die Insel und gucken mal, ob es mit Klima und Gatten im Oktober klappt. Am 12. September 2023 pendelten wir immer noch zwischen Wohnung und Baustelle, obwohl uns die Baubrigade im Vorjahr zusagte, wir könnten Ende September 2022 ins alt-neue Haus einziehen. / *Affiliate link