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Sonntag, 16. Dezember 2018

#pmdd29: Das war der 13. Dezember 2018

#pmdd steht für "Picture my Day Day", und der fand am 13. Dezember 2018 zum 29. Mal statt, diesmal veranstaltet von Frau Schnipselich - vielen Dank dafür!

In 31 Bildern nehme ich Dich mit in einen Arbeitstag - bislang war ich den den #pmdd's entweder krank oder es war Wochenende.

Meine Arbeitstage beginnen oft spät, so auch heute. Ich stehe allerdings meistens mit dem Gatten auf, damit wir noch zusammen Kaffee trinken können, bevor er los muss. Sein Arbeitstag beginnt zwei Stunden vor meinem. 
Wenn er sich auf den Weg gemacht hat, kann ich ein bisschen kruschteln und mich um den Haushalt oder das Abendessen kümmern. Ab Januar wird sich das ändern, dann muss ich früher im Büro sein. Also genieße ich die letzten Tage, an denen ich vor der Arbeit noch 'n büschen trödeln kann.




Gucken, wie die Nacht war.
Frühstück.

Auf den ersten Termin des Tages vorbereiten.

Die 52-Wochen-Challenge für diese Woche abhaken.
Die schon für letzte Woche angekündigte Straßensperrung ist da.

Bushaltstellenwarteblick Nummer eins.

Bushaltestellenwarteblick Nummer zwei.

Umsteigen in die U-Bahn.

Zeit überbrücken.

Verwilderte Kunst am Wegesrand.

Notiz an mich: Den Gatten fragen, ob er weiß, dass es hier ein Modellbahngeschäft gibt. 

Der erste Arbeitsort für heute ist erreicht.

Alte Bekannte treffen.

Kaffee trinken.

Endlich mal das Yarncamp-Gadget nutzen und in verblüffte Kollegen-Gesichter gucken können.

Ich könnte nicht widerstehen.

Das Karussell hat Pause.

Lesen* in der U-Bahn.

Fast schon im Büro.

Über die blühende Orchidee freuen.

Ordnung ins Chaos bringen.

Das kommende Jahr planen. Die unterschiedlichen Tapes brauche ich für die verschiedenen Projekte, für die ich verantwortlich bin.

Beim Staatsopern-Adventskalender Arbeit und Vergnügen kombinieren. 

Heimweg.

Endlich zu Hause.

Mit der Socke um einen Zentimeter ringen.

Beilage zum Abendessen.

Weihnachtsstimmung.

Wird dieses Jahr auch schon 90.

Der Chanukka-Kranz wurde inzwischen zum Adventskranz.

Die Socke bezwingen.

Noch etwas lesen*, bevor die Augen zufallen.
Die Rezepte zum Tag gibt's in der Kombüse.

* Affiliate links.

Mittwoch, 5. Dezember 2018

#WMDEDGT 12/18: Es gibt keinen Plan B

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Eigentlich wollte ich heute Vormittag für eine Woche nach Rom fliegen, um eine virtuelle Freundin aus der Blogosphäre mal real zu treffen, aber durch den anstehenden Aufgabenwechsel im Job habe ich die Reise abgesagt. Chef und die Kollegin, deren Aufgaben ich übernehme, meinten zwar, ich könne trotzdem verreisen, aber mein Bauchgefühl sagte etwas anderes. Mein Bauchgefühl hatte recht.

Zurzeit überhöre ich gerne drei Wecker, auch heute. Zum Glück hört der Gatte seine Wecker. Ich trinke mit ihm Kaffee, wir tauschen kurz aus, wer heute was wann wo erledigen muss, dann macht er sich auf den Weg, ungewiss, wie er abends nach Hause kommt.

Bei uns sind seit Oktober Straßenbauarbeiten, was dazu führt, dass er jeden Tag einen Umweg von fünf Kilometern fahren muss. Ab heute Abend soll die Straße dann für drei Tage komplett gesperrt werden, und niemand hat daran gedacht, welche Konsequenzen das für die Anwohner hat: Drei Straßen sind nämlich ausschließlich von dieser Durchgangsstraße aus erreichbar. Das heißt, drei Tage keine Müllabfuhr, keine Post oder Pakete, kein ÖPNV, kein Pflegedienst, kein Behinderten-Fahrdienst, keine Schulbusse, kein Essen auf Rädern, keine Polizei, keine Feuerwehr, keine Krankenwagen, keine Autofahrten ...

Ziemlich viele Nachbarn sind sehr verärgert, aber das interessiert die verantwortlichen Planer am Grünen Tisch nicht. Aber: Hendrik Sternberg, ein SPD-Abgeordneter, kümmert sich, informiert, organisiert einen Shuttle zur nächsten Bushaltestelle außerhalb der Sperrzone, nur mehr kann er jetzt auch nicht mehr ändern.

Der Gatte ist beruflich auf das Auto angewiesen. Mal eben für drei Tage das Auto woanders abstellen und zu Fuß nach Hause laufen, geht nicht, da es keine öffentlichen Parkplätze gibt, und in die Tiefgarage kann der Gatte nicht wegen der Straßensperrung. Ich dachte, es wäre für ihn am Entspanntesten, er zieht einfach drei Tage zu seiner Mutter, aber das will er nicht.

Angeblich soll die Straßensperrung aufgrund der winterlichen Witterung auf nächste Woche verschoben worden sein, aber davon weiß vor Ort niemand etwas. Es bleibt also spannend. Nächste Woche soll es übrigens schneien. Wir vermuten, Umleitung und Bauarbeiten bleiben uns die nächsten Monate erhalten. Wenn im nächsten Jahr die Straße für die Busbeschleunigung verbreitert wird, geht das Spiel ohnehin von vorne los. Vielleicht sollten wir uns ein Flugtaxi zulegen.

Frühstücken, dabei eMails sichten, durch's Netz lesen, eine verbaselte Rechnung suchen, finden und bezahlen, dann die Küche aufräumen, die Spülmaschine anwerfen, Lächeln ins Gesicht malen, nicht ganz so leger anziehen, da dienstliche Abendtermine anstehen, Tasche packen, und schon stehe ich an der provisorischen Bushaltestelle und bin gespannt, ob ein Bus kommt oder ob ich zehn Minuten bis zur nächsten Haltestelle laufe. Der Bus kommt. Hinter mir unterhalten sich zwei Frauen über sozialschmarotzende Asylanten, die angeschoben gehören, und Wölfe, die Menschen anfallen. Oder war's umgekehrt? Mit der Kombi Bus-Bus-Bahn-Bus bin ich in kaum einer Stunde und einigermaßen entspannt im Büro.

Heute ist der erste Mittwoch im Monat, also ist Teamsitzung. Der neue Chef will eine strukturierte Kommunikationskultur etablieren, wogegen sich das Team noch sträubt. Bislang sahen Besprechungen hier so aus: Person 1 hat eine Idee und geht damit zu Person 2. Man bespricht sich und geht zu Person 3, bespricht sich und geht samt Person 2 und 3 weiter zu Person 4 - bis man alle Kollegen durch hat. Ich nenne es die Lindwurm-Kommunikation, finde es sehr anstrengend und bin froh über einen neuen Kommunikationsstil.

Vor der Teamsitzung hält mich ein Kollege auf: Die bestellten Handtücher sind endlich da - tschakka! Ich ziehe ja zurzeit vieles systematisch glatt, und dazu gehört neben Altpapierentsorgungsmanagement und Entrümpelung auch die Versorgung mit frischen Handtüchern. Die werden seit Jahren von einer Kollegin privat gewaschen, wozu sie aber eigentlich keine Lust hat, was aber nie ernst genommen wurde ... Nun gibt es einen Grund weniger zu jammern, aber ich ahne, es werden neue Gründe gefunden werden.

Anderthalb Stunden Teamsitzung, dann eMails lesen und schreiben, mit einer Kollegin den Sachstand zu einem Projekt abgleichen und ab in die Mittagspause, ein paar Besorgungen erledigen - Bank, Budni, neue Muskatmühle*. Anruf beim Gatten, dass ich alles bekam, er nach Feierabend nicht noch mal los muss, und Anruf bei Mudderns, ob alles okay ist. Ja, Gott sei Dank. Und ihr Nikolaus-Geschenk von mir kam auch schon an, sie freut sich sehr. Fein.

Dann bestelle ich endlich den großen Jahresplaner von Katz & Tinte für's Büro. Ich könnte zwar einen über unseren Bürobedarf bekommen, aber der ist nicht so schön bunt, und einen neuen Taschenkalender brauche ich eh. Eine Tasse und ein paar Postkarten wollen auch noch mit.

Absprache mit einer Kundin zwecks Übergabe von Unterlagen, Eintüten der Rückmeldung auf die Bestellung als Schöffin, ein bisschen am Konzept für's neue Projekt rumwerkeln, dann den Chef schnappen und unzählige Kisten vom Büro ins Lager schleppen, damit die Kollegin, die stets verneint, das nicht wieder alleine macht, weil sie nicht nach Hilfe fragt, weil: Wenn man Hilfe bekommt, kann man schlecht jammern. Doof, das. Allerdings: Sie ist nicht erfreut, das wir ihr das Schleppen abnahmen. Ich hätte mir denken können, dass das mit den Kisten falsch war, weil man jetzt nicht mehr jammern kann. Irgendwas ist ja immer.

Mit dem Chef austauschen über die aktuelle Auseinandersetzung über das ehemalige KZ Sasel (siehe hier), schnell einen Kaffee Botz trinken, damit ich den Abend überstehe, das Lächeln nachziehen und - vom Chef gestoppt werden, weil er kurz über ein Projekt zur Europa-Wahl reden will. Zum Glück baue ich immer Zeitpuffer ein. Ich verabschiede mich mit "Ich muss jetzt erst in die Oper, dann zum Antisemitismus", und der Chef ruft mir hinterher: "Na, hoffentlich gibt's dann in der Oper keinen Wagner!"

Ab in die Staatsoper, zum Adventskalender. Das Foyer ist schon voll, es empfiehlt sich, schon lange vor 17 Uhr da zu sein. Ich bekomme noch einen Hörplatz auf der Fensterbank, suche mir dann aber doch einen Stehplatz, als ich höre, das heute getanzt wird. Ballett ist so gar nicht meins, aber ich bewundere, wie Töne in Bewegung umgesetzt werden.

Das Foyer der Staatsoper ist wie üblich schon vor Beginn der Adventskalender-Aufführung gut gefüllt.
Während der Aufführung fällt mir ein, dass ich unsere Flyer, die ich für den kommenden Termin auslegen möchte, vergessen habe, also flitze ich noch mal über die Straße in den Laden und erschrecke die Kollegin, die eigentlich schon auf dem Heimweg sein sollte, aber noch bei der Abrechnung sitzt.

Eine halbe Stunde früher als notwendig bin ich bei der Türkischen Gemeinde, wo eine Diskussionsveranstaltung mit Juna Grossmann, die unter "Irgendwie jüdisch" bloggt und mit "Schonzeit vorbei*" ein Buch zum Thema vorlegte, und Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung zum Thema Antisemitismus stattfindet. Ich freue mich, Juna persönlich kennenlernen zu können. Nach der Veranstaltung laufen wir zusammen zum Bahnhof und trinken Tee, bis Junas Zug abfährt.

Dann warte ich auf meinen Bus nach Hause, versuche den Gatten zu erreichen, weil ich später komme, aber der geht nicht ans Telefon, was mich besorgt, und steige in den Bus ein. Im Bus unterhalten sich zwei Jungs hinter mir darüber, dass sie gerade zum ersten Mal realisierten, wie getroffen ein Mädchen über herablassende Bemerkungen über das Aussehen von Frauen war. "Alder, die war voll traurig. Die hat so voll traurig geguckt. Ich hätte nie gedacht, dass das ein Mädchen so verletzen kann. Das war voll krass!" Es gibt noch Hoffnung.


Als ich 45 Minuten später an der heimischen Haltestelle aussteige, klingelt mich der Gatte an und fragt seinerseits besorgt, wo ich bin, weil: "Du hast doch gesagt, du bis um halb zehn zu Hause, und jetzt ist es schon fast halb elf."

In meinem Kopf war die Chanukka-Adventskranz-Kombi eine gute Idee - bis ich merkte, dass ich für die Kerzengröße einen wagenradgroßen Kranz und einen neuen Couchtisch bräuchte ... Sonntag, am neunten Tag Chanukka, habe ich hoffentlich keinen veritablen Zimmerbrand.
Zu Hause den Gatten begrüßen, das Lächeln abschminken, die Chanukka-Kerzen entzünden, ein Stück Lasagne essen, mit dem Gatten über den Tag reden, etwas stricken und im Nachklang über die abendliche Veranstaltung darüber nachdenken, dass ich keinen Plan B habe, wenn das hier mit der Demokratie den Bach runter geht.

Zwar habe ich mir im April einen Reisepass geholt und zum ersten Mal in meinem Leben einen Neuwagen gekauft, um notfalls weg zu können, denn mehr als sonst gilt, dass sich ein Jude in Deutschland ein Auto kauft und kein Haus, aber ich bin inzwischen zu alt, um Mütter, Tante, Hunde im Stich zu lassen, den Gatten zu schnappen und irgendwo neu anzufangen. Ich wüsste auch gar nicht, wohin ich sollte.

Israel war für mich nie eine Alternative, mein Hebräisch ist ziemlich eingerostet. Dänemark wäre schon eher eine Alternative, aber die drehen gerade selbst durch. Über Großbritannien müssen wir gar nicht erst reden.

Dennoch: Ich bin dabei, zu entrümpeln, mich auf das Nötigste zu beschränken, damit im Zweifelsfall weniger Zeugs da ist, und es ist mir wieder wichtig zu wissen, wo meine Papiere sind, damit ich im Notfall nur schnell einen Ordner greifen und ins Auto springen kann.

Um Mitternachts geht's ins Bett. Vor dem Einschlafen lese ich noch etwas, aber mit Nessers Van-Veteren-Kosmos* werde ich nicht richtig warm.

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Donnerstag, 4. Oktober 2018

"Così fan tutte" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Staatsoper: Einfach opulent

Großen Spaß machte uns die quietschbunte "Così fan tutte"-Inszenierung von Herbert Fritsch in der Staatsoper Hamburg. Leider steht sie in diese Saison nicht mehr auf dem Spielplan, also bleibt die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme in der nächsten Spielzeit.



Die Handlung spielt im Neapel des 18. Jahrhunderts und ist schnell erzählt: Zwei Männer wollen die Treue ihrer Frauen prüfen und gehen mit einem dritten eine Wette ein, dass die Damen standhaft bleiben. Sie ziehen scheinbar in einen Krieg, kehren aber bis zur Unkenntlichkeit verkleidet zurück und versuchen, die Frauen zu verführen. Das gelingt am Ende, aber anders, als gedacht.

Oberflächlich betrachtet, gibt es ein Happy End, aber es ist schnell klar, dass die Hochzeit nur Schein ist, es unter der Oberfläche brodelt.

Das Bühnenbild, ebenfalls von Herbert Fritsch, ist einfach und farbenfroh, erinnerte mich an die Siebziger Jahre. Dazu passen die Kostüme von Victoria Behr perfekt. Die Sängerinnen und Sänger waren ein Genuss, allen voran Maria Bengtsson, die trotz Erkältung die Fiordiligi sang, und Sylvia Schwartz als Despina.

Sonntag, 23. September 2018

"Rigoletto" von Guiseppe Verdi in der Kammeroper im Allee Theater

Eintrittskarte und Programmheft.
Die Kammeroper im Allee Theater startet mit "Rigoletto" von Guiseppe Verdi in die neue Spielzeit.

Die Themen des 1851 in Venedig uraufgeführten Stücks sind unvermindert aktuell: Wie verhalten sich Menschen, die dem Schicksal ausgeliefert sind? Werden sie Opfer oder Täter, gestalten sie ihr Schicksal oder lassen sie sich treiben? Zudem bietet die Oper alles, was einen guten Krimi ausmacht:  Lügen, Intrigen, Entführung und Mord.

Worum geht's? Rigoletto ist Narr am Hofe des Herzogs von Mantua. Der wiederum ist ein Frauenheld und scheut sich auch nicht davor, die Frauen oder Töchter seiner Höflinge zu verführen. Rigoletto schützt seine Tochter Gilda, indem er sie zu Hause einsperrt. Nur zum Kirchgang darf sie das Haus verlassen. Bei dieser Gelegenheit entdeckt sie der Herzog. Mit einer List verschafft er sich Zugang und verführt Gilda.

Die Höflinge sind sauer auf Rigoletto, weil nichts und niemand vor seinem Spott sicher ist. Sie beschließen, Gilda, die sie für seine Geliebte halten, zu entführen. Unwissentlich ist Rigoletto an dieser Entführung beteiligt. Als er schließlich seine Tochter am Hofe des Herzogs entdeckt, sie zu ihm zurückkehren kann, will der Vater, dass sie sich am Herzog rächt. Aber obwohl Gilda Zeugin der Untreue des Herzogs wird, will sie keine Rache nehmen, sondern opfert sich für den Geliebten.

Das Allee Theater zeigt die Oper in einer für die Kammeroper bearbeiteten Fassung von Ettore Prandi, der auch die musikalische Leitung innehat, und in der Regie von Roman Herzog. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Anna Siegrot verantwortlich, und sie nutzt die gegebenen Möglichkeiten grandios.

Das stimmgewaltige Ensemble überzeugt mit großer Spielfreude - allen voran die erst 21jährige Anna Rabe als Gilda: Ihr klarer, brillanter Sopran, der auch Spitzentöne trifft und hält, ist ein Gewinn für die Kammeroper. Der Kammeroper ist zu wünschen, dass Rabe noch lange dort bleibt. Wer sie aber vorgestern als Gilda erlebte, ist sich sicher: Rabe wird es schnell zu größeren Bühnen ziehen. Das wiederum ist Gabe und Fluch des Kammeroper-Intendanten Marius Adam, der in der Premiere den Rigoletto singt: Er erkennt und fördert junge Talente, wohl wissend, dass sie ihren Weg außerhalb der Kammeroper gehen werden.

"Rigoletto" läuft noch bis zum 30. November 2018 in der Kammeroper im Allee Theater. Tickets sind ab 29,50 Euro erhältlich. Das Stück ist für Menschen ab 16 Jahren geeignet. 

Am 18. Oktober 2018 liest Gustav Peter Wöhler unter dem Titel "Der König amüsiert sich" Texte von Victor Hugo. Das Stück ist die Vorlage für Verdis "Rigoletto". Marius Adam singt, Ettore Prandi begleitet auf dem Klavier. Tickets gibt es ab 15 Euro.

Samstag, 3. März 2018

Samstagsplausch KW 09/18: Orlando furioso

Gestern Abend verbrachte ich einen wunderbaren Abend in der Kammeroper, und das war eine Wohltat für die Seele. Es gab "Orlando furioso", eine Barockoper von Vivaldi.

Die Handlung ist ein wenig verworren: Bradamante und Angelica gelangen auf die Insel der Zauberin Alcina. Orlando ist in Angelica verliebt, doch da diese wiederum Medoro liebt, bittet sie Alcina um Hilfe. Alcina verspricht, die beiden Liebenden mit ihrer Zauberkraft wieder zusammenzubringen, und will für sich nebenbei Ruggiero, den Geliebten der Bradamante, durch einen Zauber als Liebhaber erobern. Bradamante weiß aber schließlich den Zauber Alcinas zu brechen.

Orlandos Versuche, gegen Alcinas Kräfte anzugehen, schlagen zunächst fehl: als er von der Hochzeit von Angelica und Medoro erfährt, verfällt er dem Wahnsinn. In seiner Verwirrung zerstört er eine Statue des Zauberers Merlin, wodurch er unbeabsichtigt Alcinas Macht bricht. Er erkennt, dass wahre Liebe nur zu erreichen ist, wenn man dem Liebeswahn entsagt. (Quelle: Wikipedia)

Kostüme und Bühnenbild sind einfach grandios, ebenso wie die Sängerinnen und Sänger. Bevor ich viele Worte verliere, empfehle ich Dir den Trailer:



Nach der Pause gewann die Handlung deutlich an Tempo und verzauberte dann auch Schwiegermutter, die mich begleitete. Erfüllt und verzaubert von opulenten Bildern, wunderbarer Musik, gutem Essen und Wein ging's dann ins Wochenende.

Ansonsten: Letzten Sonnabend hoffte ich noch, ich könne die Woche über in Ruhe meine vereiterten Mandeln auskurieren, viel schlafen, und, wenn's mir besser geht, vielleicht ein bisschen aufräumen, endlich mal die verlegten Passbilder suchen und ein paar Beiträge für die Blogs vorbereiten.

Und dann drehte Mudderns komplett ab. Sie beschloss schon seit ein paar Tagen, nicht mehr laufen zu können. Der Hausarzt schickte sie zum Neurologen und zum Physiotherapeuten. Beides lehnte sie ab. Anders als beim Schlaganfall vor einem Jahr versagten ihr nicht die Beine, sondern sie fand, sie könne nicht mehr gut genug laufen. Sonntag schließlich rief sie den Notarzt, der sie angesichts ihres Schlaganfalls vor einem Jahr sofort ins Krankenhaus brachte.

Mir selbst ging's total dreckig, ich war nicht in der Lage, ins Auto zu springen und zu ihr zu fahren, der Gatte war nicht da, und überhaupt, mit 'ner Streptokokken-Infektion ins Krankenhaus zu fahren, ist vermutlich nicht die beste Idee, sonst hätte ich mir ein Taxi gerufen.

Eine Stunde nach Mudderns Abtransport rief ich im Krankenhaus an. Dort wurde mir gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen, Mudderns säße quietschfidel in der Wartezone und unterhalte da die ganze Notaufnahme. Einen Schlaganfall habe sie ganz sicher nicht, aber sie wolle auch nicht nach Hause, weil sie dort alleine sei. Man behalte sie über Nacht da, auch, wenn die Notaufnahme voll sei, und ich solle samt Streptokokken bitte schön zu Hause bleiben.

Kaum hatte ich aufgelegt, rief Mudderns an und gab durch, was ich ihr bitte sofort ins Krankenhaus bringen solle, denn sie sei krank und bliebe erst mal dort, bis sie in eine Reha käme.

Ähm, ja, nee, is klaa.

Die folgenden Tage waren unwahrscheinlich kräftezehrend. Ich hätte dringend Ruhe gebraucht, war aber völlig fertig durch Mudderns Anrufe, sie sei sterbenskrank, und ihre Ansprüche, ich solle sie sofort besuchen. In solchen Situationen vertraue ich auf die Aussagen der Ärzte und Schwestern - ich wuchs mit zwei Elternteilen auf, die es toll fanden, krank zu sein, weil sich dann gefälligst alle um sie zu kümmern haben, und habe gelernt, mich besser an die Fachkräfte zu halten.

Die Schwestern beruhigten mich immer wieder, Mudderns sei gesund, ich solle bitte zusehen, dass ich das auch werde, sie behielten sie erst mal da, auch, damit der Neurologe sie noch mal in Ruhe untersuchen kann, um Parkinson auszuschließen.

Mittwoch war ich dann so weit wiederhergestellt, dass ich ins Krankenhaus fahren konnte, wo mir die Schwestern fast um den Hals fielen, weil: "Wir wissen nicht mehr, was wir mit Ihrer Mutter machen sollen. Sie ist kerngesund, will aber nicht nach Hause, weil sie dort alleine ist. Wir können ihr hier aber nicht helfen, weil sie gesund ist." Donnerstag bekam ich Mudderns dann endlich aus dem Krankenhaus nach Hause.

Dazwischen lagen viele Gespräche und Telefonate mit dem Sozialdienst, der Seniorenbeautragten, einer Tagespflegeeinrichtung, einer Seniorenwohneinrichtung und einem Pflegedienst - plus endlose Diskussionen mit Mudderns, die insistierte, sie wolle in eine Reha oder in Betreutes Wohnen, nee, doch nicht, sondern lieber zu Hause bleiben, wo man sie besuchen solle, damit sie nicht alleine ist, nein, Besuch will sie doch nicht, weil Besuch generell blöd ist, lieber will sie in die Reha und überhaupt, sie sei doch gesund, nur alleine, sie wolle öfter Besuch bekommen, nur seien alle Leute, die sie besuchen, blöd ... Sämtliche Freizeitaktivitäten von Kirche, Partei oder AWO fallen im übrigen auch aus, weil Mudderns die Termine oder die Leute nicht passen oder alle Aktivitäten schlichtweg doof sind.

Irgendwann verlor ich die Geduld. Mudderns wird nächste Woche drei Mal von Mitarbeiterinnen eines Pflegedienstes besucht, die ihr im Haushalt helfen oder mit ihr spazieren gehen oder was auch immer, basta. Dann sehen wir weiter. Ein Termin in einer Seniorenwohnanlage, in der gerade eine Wohnung frei wäre, steht an, bei einer Tagespflege steht sie auf der Warteliste. Gott sei Dank ist Geld das letzte, um das wir uns momentan Gedanken machen müssen, denn da Mudderns ihren Haushalt alleine führen kann, bekommt sie keine Pflegestufe, muss alles privat finanziert werden.

Nebenbei frage ich mich, wo die Grenzen zwischen Exzentrik, Depression und Demenz verlaufen, und bin dankbar für die netten Menschen, die ich in den letzten Tagen traf, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen (und für das geduldige Personal des Krankenhauses).

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Freitag, 27. Februar 2015

H54F - High 5 for Friday #9/2015

Die letzte Woche klang wunderbar aus: Gemeinsam mit lieben Menschen besuchte ich die Kirchenoper "Curlew River" von Benjamin Britten in der Kulturkirche Altona.

Putzigerweise wohnte ich zwar sechs Jahre in der Nähe der St. Johannis-Kirche, betrat sie aber letzten Freitag zum ersten Mal. Dass sie innen neugotisch ist, hätte ich angesichts der Backsteinfassade nicht erwartet.

Die Inszenierung war raumübergreifend, die Kirche war erfüllt mit Klängen. Sowohl Musik als auch Bilder hallten bei mir noch lange nach.

Nach der Oper wollten wir eigentlich noch was trinken gehen, aber mein Bedarf an Menschen war für diese Woche gedeckt, so dass ich lieber nach Hause fuhr.

Zurück beim Auto, freute ich mich darüber, dass es mir gelang, seit- und rückwärts einzuparken. Im Dunklen. Bei Regen. In einer Parklücke, in die nur ein Smart passte. Allerhöchstens. Ich habe sicherheitshalber ein Beweisfoto gemacht, denn nach dieser Geschichte hält das ja keiner mehr für möglich.

Ja, ich weiß, das geht besser. Aber nicht bei mir. 
Außerdem konnten der Gatte und ich einen wunderbaren Hochzeitstag verleben. Abends waren wir im Witthüs, wo wir damals auch heirateten, essen. Im Anschluss genossen wir ein paar freie Tage zu Hause.

Eigentlich wollten wir wegfahren, kamen aber nicht auf einen gemeinsamen Nenner. London wäre gerade günstig gewesen, aber angesichts des sehr schlechten Gesundheitszustandes des Gatten zu anstrengend. Dresden war noch eine Überlegung, aber ich weigere mich, in rational befreite Zonen zu reisen. Also blieben wir zu Hause und genossen es, mal nichts zu müssen.

Wenn man dann so zu Hause in den Tag hineinleben kann, kommt man auf viele Ideen. Ich habe nun einen eigenen Basteltisch. Bislang nutzte ich die Fensterbank neben der Balkontür, aber das war recht eng und ziemlich dunkel.

Und die Fensterbank brauchen wir als zusätzliche Abstellfläche, wenn wir Gäste haben. Also wich ich gelegentlich auf den Esstisch oder den Wohnzimmertisch aus, aber das war auch nicht optimal (und musste bei Gästen auch weggeräumt werden).

Seit dieser Woche nun habe ich einen Bastelplatz. Er ist noch etwas provisorisch, aber das wird schon noch. Wenn er ganz fertig ist, werde ich Dir meine "Machtzentrale" en detail vorstellen. Hier vorab schon mal ein schneller Blick:

Mein Bastelplatz, noch ein bisschen provisorisch.
Außerdem hatte ich diese Woche viel Zeit zum Basteln.

Das waren meine fünf Momente für die wöchentliche Linkparty bei Pünktchen und Viktoria. Und was hast Du diese Woche so erlebt?