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Samstag, 14. September 2019

Samstagsplausch KW 37/19: Zwei Wochen Mallorca

Wir haben es tatsächlich auch dieses Jahr hinbekommen, zwei Wochen nach Mallorca zu fliegen. Lange Zeit sah es nicht so aus, als könnte es klappen. Erst, als wir im Flieger saßen, glaubte ich langsam daran, dass es mit dem Urlaub tatsächlich klappt.

Wir mussten ein anderes Hotel als im letzten Jahr wählen, dachten uns aber, so groß wird der Unterschied schon nicht sein.

Ähm, doch.

Wir wussten aus den einschlägigen Bewertungsportalen, dass das gewählte Hotel in die Jahre gekommen war, dass es Renovierungsstau gibt, dass die Einrichtung etwas abgerockt ist, aber so was stört uns normalerweise nicht. Nur: Hier war die Einrichtung nicht nur abgerockt, sondern brüchig und baufällig. Es fing damit an, dass wir viel Spaß im Bett hatten: Die Matratzen wurden anscheinend seit Jahrzehnten nicht erneuert. Wir lagen also direkt auf Sprungfedern und Lattenrosten - allerdings nicht lange, denn auch die Lattenroste wurden seit Jahrzehnten nicht erneuert: Die Latten sprangen aus der ausgeleierten Verankerung, so dass man binnen Minuten auf dem Fußboden lag.

Hotelblick vor dem Unwetter.
Reklamationen blieben folgenlos: Ein Techniker kam und montierte die Latten wieder, aber in der nächsten Nacht wiederholte sich das Spiel. Also schliefen wir mehr schlecht als recht auf den beiden durchgesessenen Sofas im Wohnzimmer - und den Möbelrückgeräuschen aus den Nachbarappartements zufolge waren wir nicht die einzigen. Statt uns nun abends ins gemachte Bett zu legen, worauf wir uns im Hotelurlaub immer sehr freuen, mussten wir nun jeden Abend erst Betten bauen. Nach zwei Nächten überlegten wir, zwei Strandliegen zu entführen, denn darauf lagen und schliefen wir am Besten ...

Der Balkon, die gesamte Fassade, hatte so viele Risse, dass wir uns fragten, was ein Statiker dazu sagt, den Gedanken aber schnell beiseite schoben, denn das Appartement war im sechsten Stock.

Mehrfach fielen Wasser und Strom aus - einmal war das Wasser für mehr als 10 Stunden weg, ohne vorherige Information. Die gab's erst am nächsten Morgen: Angeblich gab's überraschende, dringende Arbeiten an der Wasserversorgung, die zwischen 22 Uhr und 9 Uhr ausgeführt werden mussten. Ähm, ja, nee, is klaa.

Ich kenne Wasserausfälle aus vielen Regionen, allerdings nicht ohne Vorankündigung und nicht als Hotelgast. Nach dem mehrstündigen Wasserausfall füllte ich einen Fünf-Liter-Kanister mit Wasser und deponierte ihn neben der Toilette, damit wir wenigstens spülen können. Den Kanister brauchten wir öfter.

Die Frage, ob Wasser fließt, sorgte für viele spannende Momente. Einmal blieb das Wasser weg, als ich eingeseift unter der Dusche stand, und ich überlegte, ob ich, nackt wie ich situationsbedingt war, in den Aufzug steigen und zum Pool, der gerade mal nicht gesperrt war, fahren sollte ...

Die Stromausfälle traten zum Glück nur nachts auf. Ohne das Beatmungsgerät hätte ich sie vermutlich verschlafen. So merkte ich sie durch das Aussetzen meines CPAP-Gerätes, der einsetzenden Schnappatmung und das Anspringen des laut brummenden Notstromaggregats, das anscheinend auf dem Dach über unserem Appartement stand.

Strom wurde über die Schlüsselkarte geregelt, und als umweltbewusste Hotelgäste nahmen wir das natürlich auch wahr: Wenn wir nicht im Zimmer waren, lief keine Klimaanlage. Das führte dazu, dass uns bei der Rückkehr ein penetranter Güllegeruch aus dem Abfluss der Spüle begrüsste. Wenn's bei uns im sechsten Stock schon so schlimm war, möchte ich nicht wissen, wie's in den Stockwerken darunter war.

Bei Hotelurlauben freuen wir uns auch immer sehr auf's Frühstück. Hier  war das Büfett zwar reichhaltig und abwechslungsreich, aber das Essen war Convenience von nicht allzu bester Qualität und im besten Falle lauwarm. An einem Tag wurde gleich ganz vergessen, die gratinierten Tomaten unter den Salamander zu schieben, so dass kalte Tomatenhälften mit Streukäse auf dem Büfett lagen. Der Kaffee war von so schlechter Qualität, dass ich froh war, dass der Gatte darauf bestand, Pulverkaffee von Zuhause mitzunehmen.

Das Hotelpersonal war selten freundlich und serviceorientiert, was ich angesichts der 14-und-mehr-Stunden-Schichten, die sie zu leisten hatten, zwar verstehen kann, aber dennoch (und ihr Umgang mit dem Gast war teilweise unterirdisch). Immerhin: Die Rezeptionisten und die Zimmermädchen waren freundlich.

Vom Hotel abgesehen, hatten wir einen sehr schönen, erholsamen Urlaub, den wir beide auch dringend brauchten: Viel schwimmen, noch mehr schlafen, wenig essen, gelegentlich ein Ausflug ...

Für's nächste Jahr hoffen wir, dass der Gatte so Urlaub bekommt, dass noch ein Appartement im Hotel vom letzten Jahr frei ist.

Hotelblick während des Unwetters.
Am letzten Urlaubstag bekamen wir noch den ersten Unwettertag mit - seit Dienstag gibt es auf den Balearen und dem spanischen Festland extreme Wetterlagen mit Wasserhosen, hohen Niederschlagsmengen, Sturm. In Decken eingekuschelt auf dem Sofa mit Tee und Kuchen bzw. später Tapas und Wein hatten wir aus dem sechsten Stock einen Panoramablick, denn wir folgten den Hinweisen, im Haus zu bleiben.

Wenn man im ältestens Kurzwarengeschäft Palmas, dem 1685 gegründeten "Ca Donya Àngela", das vergessene Nähzeug kauft, wird es liebevollst verpackt.
Wir hatten großes Glück, denn am nächsten Tag, als wir heim flogen, machte das Unwetter einen Tag Pause. Über Paris wurde es geradezu romantisch: Der Himmel war klar, und unter uns glitzerte die nächtliche Stadt samt Eiffelturm, der aus 10.000 Metern Höhe winzig aussieht.

Momentan versuchen wir, mit den im Vergleich zu Mallorca doch recht kühlen Temperaturen und dem einsetzenden Herbst klar zukommen.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Ein paar kulinarische Mallorca-Impressionen gibt es in der Kombüse. Ein schönes Wochenende und eine gute Woche!

Sonntag, 11. November 2018

Hotel Zentrum in Frankfurt: Design trifft Dasein

Als ich wusste, dass ich zum Yarncamp fahre, guckte ich gleich nach einem Hotel in der Nähe des Veranstaltungsortes, dem Haus des Buches, damit ich, falls mir alles zu viel wird, notfalls zurück ins Zimmer kann und meine Ruhe habe.

Spatzenbesuch.
Zuerst entschied ich mich für ein Hotel, das quasi direkt ans Haus des Buches grenzt, aber dann dachte ich mir, der gutbürgerliche Eiche-Rustikal-Pressplatte-Schick schlägt mir sicher aufs Gemüt. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob die miniberockten osteuropäischen Damen, die auf jedem Foto zu sehen waren, obligatorischer Bestandteil der Zimmerausstattung sind.

Blick in den Flur.
Die Website vom Hotel Zentrum machte einen sehr netten Eindruck, das Interieur gefiel mir, und die Zimmerausstattung versprach neben wlan auch Wasserkocher und Espressomaschine - top. Flugs buchte ich um.

Blick ins Zimmer.
Der Empfang war freundlich, ich war schnell eingecheckt, wurde auf das kostenlose Angebot von Kaffee, Tee und Kuchen in der Lounge hingewiesen, wollte aber lieber in mein Zimmer und dann zum Einkaufen. Also auf's Zimmer und schnell auspacken.

Blick ins Zimmer.
Boah, es gibt auf dem Zimmer ja echt viel Stauraum! Hier könnte ich länger als zwei Nächte bleiben. Aber wo sind Wasserkocher und Espressomaschine? Die fehlten. Schade. Übrigens fehlte auch die obligatorische Bibel, aber auf die konnte ich leichter verzichten als auf Tee oder Kaffee.

Blick ins Zimmer.
Mein Zimmer ging zum Rossmarkt, was laut war - der Schallschutz der Fenster könnte besser sein. Mit geschlossenen Fenstern wurde das Zimmer zudem schnell muffig - ich wunderte mich schon, warum im November bei meiner Anreise das Fenster gekippt war. Zum Glück war ich nicht im Sommer hier, denn die Zimmer haben keine Klimaanlage. Heizung haben sie wohl auch nicht - der Heizkörper machte Geräusche und heizte nicht durchgehend, aber zum Glück war das Wetter mild, hatte ich zwei Bettdecken.

Mein Zimmer war zudem direkt an der Leuchtreklame, aber der Verdunkelungsvorhang leistete ganze Arbeit. Außerdem war die Leuchtreklame heller als die beiden zugegebenermaßen stylischen Nachttischlampen, was wiederum ganz praktisch war, um im Bett lesen zu können.

Einzige Lichtquelle, um halbwegs etwas sehen zu können, war die Deckenlampe. Ich hätte es abends gerne etwas gemütlicher gehabt, aber mit Leuchtreklame und Nachttischfunzeln war's mir zu dunkel. Aber auch in Lobby und Lounge hätte ich mir mehr Licht gewünscht. Hilfe, ich bin meine Schwiegermutter! Die klagt nämlich auch ständig über zu wenig Licht, ist allerdings auch halbblind, im Gegensatz zu mir.

So hell die Deckenlampe im Zimmer auch war, sie schaffte es nicht, den kleinen Flur auszuleuchten. Dort hing ein großer Spiegel, den ich auch gerne genutzt hätte, um mich zu schminken, aber es war einfach zu dunkel. Im Flur wäre auch eine Kofferablage recht praktisch gewesen. Platz genug gab es.

Einzige Sitzgelegenheit im Zimmer war der Stuhl am Schreibtisch - Platz für einen Sessel samt Fußhocker wäre gewesen. So saß ich dann abends im Bett, um Fernsehen zu gucken. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, am Schreibtisch zu sitzen, aber dann saß ich mit der Nase direkt am Fernseher (und sonderlich bequem war der Stuhl auch nicht). Gut, ich hätte in die (Raucher-)Lounge gehen können, aber das wollte ich nicht.

Blick auf den frühmorgendlichen Rossmarkt.
Im Badezimmer fehlte ein Kosmetikspiegel, und an den Wandspiegel kam ich als Kurzsichtige nicht nahe genug heran, um mich schminken zu können. Überhaupt das Badezimmer: Auch hier jede Menge Stauraum und Abstellfläche und vier große flauschige Handtücher - allerdings auch Schwarzschimmel am Waschbecken und in der Dusche.

Blick ins Badezimmer. Das Handtuch hängt fast unter der Decke.
Die Badezimmertür schloss nicht richtig und war provisorisch repariert, weil wohl der Bademantelhaken mal heraus gebrochen war. Die einzige Möglichkeit, Handtücher aufzuhängen, war so hoch, dass ich zu klein war (und ich bin 173 cm groß). Auch der Fön hing so hoch, dass es schwierig war, meine Haare wie üblich, über Kopf zu fönen.

Blick ins Badezimmer. Links am Rand der fast unter der Decke hängende Fön.
In der Dusche hing ein Metallregal, auf dem man Duschzeugs abstellen konnte - die Ablage war mehr als fleckig, entweder mit Rost oder mit Dreck (sie hing so hoch, dass ich die Flecken nur von unten durch das Lochmuster sah, was mir reichte). Die Regenwasserdusche brachte ich nicht zum Laufen (zum Glück gab's noch 'ne Handbrause).

Blick in die Dusche.
Das Frühstück wurde in einem Shabby-Landhaus-Chic präsentiert: Naturjoghurt in Weckgläsern, Rührei im Le-Creuset-Topf auf der Kochinsel warmgehalten ... Wobei: Das mit dem Warmhalten des Rühreis klappte nicht; es war kaum lauwarm. Insgesamt war alles da, was ich auf einem Frühstücksbüfett erwarte - vom kalten Rührei und vom schwachen Kaffee mal abgesehen.

Blick auf's Frühstücksbüfett.
Blick auf's Frühstücksbüfett.
Frühstück.
Suchbild mit Spatz.
Für das Hotel spricht eindeutig die zentrale Lage. Auch das Personal war freundlich und hilfsbereit. Ansonsten war ich entgeistert, wie heruntergerockt die Einrichtung keine zwei Jahre nach der Renovierung ist. Aber vielleicht ist das dieser urban style, und ich verstehe ihn nur nicht. Auf Instagram jedenfalls sieht's echt chic aus ...

Freitag, 21. September 2018

"Melona Melona Coconut Pineapple" oder: Zehn Tage Alcúdia (Mallorca / Spanien)

Im Frühjahrsurlaub auf Als frug der Gatte, wann ich das letzte Mal im Meer gebadet hätte, und mir war sofort klar, dass er damit nicht die dänische Nordsee, sondern das Mittelmeer meinte. Das Baden im Mittelmeer ist bei mir zwar noch nicht so lange her wie bei ihm, aber eben auch schon zwanzig Jahre, und so reifte der Plan, im Herbst gen Süden zu fliegen.

Blick auf die Bucht von Alcúdia.
Nach langem Überlegen fiel die Wahl auf Mallorca - dort gibt es viele deutschsprachige Ärzte, was im Notfall für den Gatten wichtig ist, und der Direktflug ist mit zweieinhalb Stunden kurz, was ebenfalls für den Gatten wichtig ist. Bis dahin hatte ich Mallorca nie ernsthaft als passendes Reiseziel gesehen, auch wenn sich im Reiseführerfundus aus meiner Reiseredakteurszeit tatsächlich einer über die Insel fand - mit Preisangaben in Peseten.

Am Strand.
Lange Überlegung brauchte auch die Hotelwahl. Klar war, dass wir für die Medikamente des Gatten einen Kühlschrank brauchen, was die Auswahl schon einschränkt. Außerdem sollte es strandnah und ruhig sein - eine kleine Anlage ohne Animation und möglichst kinderfrei, denn die Nachbarskinder (oder besser ihre erziehungsvermeidenden Eltern) setzten uns diesen Sommer extrem zu. Bis dahin empfanden wir spielende Kinder nicht als lärmend. Dann kamen Luca, Nico und Samuel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der kurze Weg zum Strand.
Spontan gefiel uns ein Fincahotel in den Weinbergen sehr gut. Ruhig, idyllisch, ein bisschen posh, ein bisschen romantisch und laut Hotel nur 30 Meter vom Strand entfernt. Joa, stimmt. Wenn man sich kopfüber die Steilküste hinab stürzt. Weniger Wagemutige fahren sieben Kilometer mit dem Auto bis zum nächsten Parkplatz und steigen dann knapp 200 Stufen hinab - für den Gatten nicht machbar.

Nach 'nem ordentlichen Wolkenbruch könnte man auch zum Strand schwimmen ...
Außerdem bedeutete die Lage des Hotels auch, dass wir abends auf das hoteleigene Restaurant angewiesen wären, wenn wir nicht jedes Mal kilometerweit fahren wollten. Dabei war die Idee, einfach abends auf's Sträßchen gehen und bummeln zu können - etwas, das wir auf dem heimischen Acker nicht können.

Das reicht bis abends: Frühstück, erster Gang.
Der Kollege, der seit Jahrenden mehrfach im Jahr auf Mallorca ist, empfahl das Appartement-Hotel, in dem er immer wohnt, bei dem der Strand aber auch 700 Meter von einer Steilküste entfernt liegt - der Gatte wünschte sich, einfach nur über die Straße zum Strand gehen zu können. Kurz rezitierte ich Tucholskys "Ideal", dann wandte ich mich wieder den Suchmaschinen zu. Reiseplanung ist meine Aufgabe, weil: "Meine Frau hat das schließlich studiert."

Blick in unser Schlafzimmer.
Schließlich wählten wir genau das, was wir ursprünglich eigentlich nicht wollten: Eine familienfreundliche große Hotelanlage mit Animation und All-inclusive-Angebot - das AlcudiaGarden Aparthotel. Kurz nach der Ankunft war klar: Wir hätten keine bessere Wahl treffen können! Einzig die knapp 40 Stufen in den zweiten Stock waren gelegentlich schwierig, aber machbar, wenn wir langsam gingen. Wir wussten schnell: Wir möchten im nächsten Jahr wieder nach Mallorca und wieder in dieses Hotel, am liebsten sogar ins gleiche Appartement.

Blick in unser Wohn- und Esszimmer.
Das Hotel hat sehr freundliches, umsichtiges, emsiges Personal, das auch mit den vielen Kindern liebevollst umging. Das Frühstücksbüfett ist vielfältig, reichhaltig und gut. Die Appartements sind blitzsauber - sogar unter den Betten und hinter dem Sofa, wie ich zufällig feststellte, als ich die verrücken musste, weil mir was runtergefallen war. Als mal was nicht funktionierte, war umgehend ein Techniker da, um Abhilfe zu schaffen.

Und nicht nur die Appartements sind blitzsauber, nein, die Wege der gesamten Anlage wurden morgens erst per Maschine gekehrt, dann per Hand gefeudelt. Wenn's in der Nacht regnete, wurden die Wege erst trocken gefeudelt, dann maschinell gekehrt und schließlich noch mal feucht gewischt ....

Blick in die Kochnische und den Essbereich.
Die Eltern bzw. Großeltern kümmerten sich um die Kinder - bis auf die von Jakob, der mit Nachnamen anscheinend "Verdammt" heißt, denn er wurde immer "Jakob Verdammt" gerufen. Jedenfalls fielen die Heerscharen von Kindern im Hotel lautstärketechnisch weniger auf als die heimischen Luca, Samuel und Nico.

Blick ins sehr geräumige Badezimmer. Hier wäre ein Regal ganz praktisch gewesen - Platz genug wäre da. 
Die Kochnische ist gut ausgestattet - einzig Spülmittel und Schwamm vermissten wir, aber die waren schnell in einem der Supermärkte in der Nähe besorgt. Absolute Überraschung war das scharfe Kochmesser. Und ich vermute, die wenigsten Gäste nutzen die Kochnische so intensiv wie wir.

Abendliche Balkonszene.
Außer dem Restaurant zum Frühstücksbüfett sahen wir kaum was vom Hotel. Unser Appartement ging zur Straße hinaus, die abends genug Unterhaltung bot, und da wir uns im Alltag wenig sehen, genügen wir uns im Urlaub selbst. Einmal stolperten wir auf dem Rückweg vom Abendspaziergang in die abendliche Show, nur, um festzustellen, dass das nicht unser Ding ist. Sonst hätten wir jederzeit die Möglichkeit gehabt, eine Dinnershow zu buchen.

Drama am Abendhimmel.
Einmal blieb ich länger am Frühstückstisch, bekam den Beginn der Animation um 10 Uhr mit und war froh, dass wir an den Strand auswichen. Einzig früh morgens hätte ich gerne in Ruhe im Pool geschwommen, aber die Nutzung war erst ab 10 Uhr gestattet (im nächsten Jahr probiere ich aus, was passiert, wenn ich ihn schon um 7 Uhr nutze).

Blick von der Bushaltestelle gegenüber auf unseren Appartementblock.
Wir waren froh, dass wir nicht Halbpension oder All inclusive buchten, denn so konnten wir in den Tag hineinleben. Nach dem üppigen Frühstück besorgten wir in einem der nahegelegenen Supermärkte Getränke und frisches Obst für den Strand, wo wir meistens den Tag verbrachten. Dreizehn Euro für zwei Liegestühle und einen Sonnenschirm pro Tag wollen schließlich abgelegen werden.

Glasklares Wasser.
Der Strand ist feinsandig, ideal für den Gatten, der auf Badeschuhe verzichten konnte, und sehr langsam abfallend - ideal für kleine planschende Kinder und Gatten, die unsicher auf den Beinen sind. Das Meer hat meistens wenig Brandung, was mich freute, denn so konnte ich in Ruhe schwimmen - ganz weit raus, bis zur Fahrrinne, was beim ersten Mal den Gatten alarmierte, der besorgt hinterher schwamm, was wiederum mich alarmierte, denn so lange Distanzen sind nichts mehr für ihn.

Auf dem Balkon liegt der Strand. 
Ich könnte jetzt so tun, als hätte ich Geheimtipps für Lokale mit typisch mallorquinischer Küche, aber ich bin lieber ehrlich: Einmal waren wir beim Chinesen (super), einmal gab's Pizza (die hatte gerade mal Esstemperatur, und so, wie das Fleisch beim Grillen hin-, äh zugerichtet wurde, würde ich da nichts Gegrilltes bestellen, also eher keine Empfehlung), einmal Grillfleisch bzw. Burger (Service verpeilt, Essen sehr gut), ansonsten kamen wir öfter an Lokalen vorbei, von denen wir dachten, da könnten wir abends hingehen, stellten aber abends immer wieder fest, dass uns Wein, Käse, Schinken, Salami, Cracker und Oliven völlig reichen. Zudem gab's einmal Nudeln, einmal Omelette, beides vom Gatten in der Kochnische zubereitet.

Typisches Abendessen.
Ansonsten waren unsere Tage faul: So oft wie möglich waren wir am Strand. Ich dachte erst, das könne mir schnell langweilig werden, aber dem war nicht so. Als wir buchten, bestand ich auf eine Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Sóller nach Palma, und der Gatte wünschte sich einen Ausflug in die Höhlen von Artà. Beides machten wir. Der Mallorca-Kollege empfahl noch einige Touren, in den Reiseführern fand ich auch einiges, aber letztlich reichte uns der Strand. Und wie schon gesagt: Schnell war klar, dass wir wieder nach Mallorca reisen möchten.

Typischer Tagesstart auf dem Balkon: Löslicher Kaffee und schmökern vor dem Frühstück.
Beim nächsten Mal werden wir einiges anders machen. Der Mallorca-Kollege empfahl, einen Mietwagen in einer der Stationen zu buchen, die vom Flughafen aus per Shuttle zu erreichen sind, weil das günstiger sei. Da er das mehrmals im Jahr macht und es trotz Frau und zwei Kleinkindern als stressfrei empfand, folgten wir seinem Rat.

Appartementpflichten: Der Abwasch.
Allerdings zeigte sich, dass es für uns ein großer Stressfaktor ist, denn es dauerte knapp drei Stunden, bis wir endlich unseren Wagen von OK Cars bekamen - trotz Expressabfertigung. Drei Stunden in der Hitze stehend (es gab nicht genügend Stühle für alle) zu warten, war zu viel für den Gatten. Es folgte eine Nacht, in der wir mehr als einmal überlegten, den Notruf zu wählen.

Die Rückgabe kostete ebenfalls Nerven, denn die Station war nicht ausgeschildert. Zudem kostete uns die eigentlich kostenlose Eintragung eines zweiten Fahrers und die Hinterlegung der Kreditkarte eine Gebühr, die höher war als der Mietpreis - kein korrektes Verhalten, was ich aber angesichts des Zustandes des Gatten und drei Stunden Wartezeit auch nicht in Frage stellen konnte. Nur: Bei OK Cars buchen wir nicht wieder. Bei der nächsten Mallorca-Reise werden wir den Shuttleservice zwischen Flughafen und Hotel nutzen und erst vor Ort einen Wagen mieten. Das mag teurer sein, ist für uns aber praktikabler.

Zudem müssen wir noch mehr Zeit für die Wege im Flughafen einplanen oder einen speziellen Transfer buchen, denn der Gatte kommt nur langsam vorwärts. Und wir brauchen beide Kabinentrolleys, um das Handgepäck über weite Strecken besser transportieren zu können. Ich brauche einen neuen Koffer, denn der jetzige wiegt leer schon satte acht Kilo. Außerdem nutzen wir beim nächsten Mal die hoteleigenen Strandlaken - ich wusste bislang nicht, welches Gewicht feuchte Strandlaken haben können ...

Ansonsten freute ich mich jeden Tag über das Strandkleid, das auch zum Wechseln das Badeanzugs prima taugt, über die Strandtasche und das Häkelkleid, das sich sowohl am Strand als auch in der Stadt gut macht. Und ich freute mich, dass ich meinen Reisebedarf richtig einschätzte, nichts Überflüssiges einpackte - nachdem meine Touristikerzeit fast 20 Jahre zurückliegt, kann ich das immer noch. Für den nächsten Badeurlaub packe ich aber weniger Unterwäsche ein, stattdessen lieber einen weiteren Tankini.

Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.

Dienstag, 18. September 2018

#12von12 im September 2018

Meine These, dass am 12. eines Monats das Wetter grundsätzlich schlecht ist, bestätigt sich auch auf Mallorca. Wir sind für zehn Tage in Port d'Alcúdia. Hier sind also 12 Impressionen eines verregneten Urlaubstages für die monatliche Sammlung bei Caro.

#1: Frühstück. Das Servicepersonal hat die Terrassentische schon trockengewischt, so dass wir in einer Regenpause draußen sitzen können.
#2: Appartementpflichten. Wir haben nur Frühstück gebucht und nutzen tatsächlich die kleine Küche.
Da Strand angesichts des anhaltenden Regens keine Option ist, entscheiden wir uns für einen Ausflug in die Tropfsteinhöhlen bei Artà.

#3: Tickets für die Reise zum Mittelpunkt der Erde.
Nach der Höhlenbesichtigung fahren wir in den Ort hinein. Er entpuppt sich als malerisch, aber auch fest in deutscher Hand, was Läden und Gastronomie betrifft.

#4: Upcyclingkunst in einem Café in Artà.
Uns macht das schwüle Wetter sehr zu schaffen, deswegen sehen wir weniger, als wir möchten, flüchten uns in den Mietwagen und fahren mit einem Stopp an einem riesigen Supermarkt wieder zurück ins Appartement. Dort angekommen, gibt es einen Wolkenbruch. Auf den knapp zehn Metern vom Parkplatz bis zum Treppenhaus werden wir nass bis auf die Haut.

#5: Wolkenbruch.
#6: Regen abwarten und stricken. Das Knäuel gab's schon am 12. Mai zu sehen. Jetzt wird daraus endlich der geplante Schal.
Als der Regen etwas nachlässt, wagt der Gatte den Abstieg zum Auto, um die Einkäufe zu holen - die bekamen wir bei dem Wolkenbruch nämlich nicht mit. Jetzt gibt's auch Kuchen zum Tee.

#7: Der Gatte befreit die Einkäufe aus dem Auto.
#8: Für die einen Tee und Kuchen, für uns quasi das Abendessen.
#9: Tagebuchschreiben.
#10: Am Ende eines verregneten Tages gibt es einen wunderbaren Sonnenuntergang.
Nach dem üppigen Kuchen zum Tee gibt's später nur ein paar Oliven und Cracker zum Wein.

#11: Typisches Abendprogramm: Wein und Oliven auf dem Balkon.
Der Abend klingt auf dem Balkon aus.

Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.
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Freitag, 11. November 2016

Eine Nacht auf Schloss Saaleck

Nachdem klar war, dass wir unseren Urlaub abbrechen müssen, war auch klar, dass wir die Strecke Inzell - Hamburg nicht in einem Stück fahren würden. Wenn sich's vermeiden lässt, reisen wir lieber statt zu rasen (und zu dem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass der Gatte eigentlich ins Krankenhaus gehört).

Blick auf den abendlichen Schlosshof.
In Hammelburg wollten wir ohnehin einen Zwischenstopp machen, ein paar Tage, um zu wandern und Wein zu kaufen. Jetzt würde es halt nur ein kurzer Stopp in der Vinothek von Schloss Saaleck werden - und eine Übernachtung auf dem Schloss.

Eingang ins Restaurant und Hotel.
Das hatten wir schon länger geplant, aber am ursprünglich geplanten Termin war das Hotel, das zum Schloss gehört, ausgebucht. Jetzt, bei der ungeplanten Rückreise, war ein Zimmer auf Schloss Saaleck frei.

Im Foyer.
So hatte der verpatzte Urlaub dann einen sehr schönen Abschluss.

Überall gibt es Blumen, auch auf den Zimmern (und das Ding neben den Blumen ist des Gatten Uhr).
Auf Schloss Saaleck übernachteten schon die Eltern des Gatten, wenn sie ihn besuchten, als er als Offizier in Hammelburg stationiert war. Der Gatte selbst war öfter auf dem Schloss, wenn er seine Eltern dort traf oder Feiern für vorgesetzte Dienstgrade organisierte, aber in den letzten Jahrzehnten hat sich natürlich vieles verändert.

Häschen und Schäfchen habe es sich schon mit dem Strickzeug bequem gemacht und freuen sich über Rosen, Wein, Traubensaft und Wasser (Obst und Schnobkram standen auch bereit).
Der Rest der Bande guckt sich auf der anderen Zimmerseite um.
Das Schloss ist eine im Mittelalter erbaute Burg, die auf einem Bergsporn hoch über der Stadt thront. Aus dieser Zeit ist noch der Bergfried erhalten, wenngleich er im Dreißigjährigen Krieg etwa sechs Meter Höhe einbüßte. Das Erscheinungsbild der übrigen Burganlage ist überwiegend auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zurückzuführen.

Hier haben wir sehr gut geschlafen.
Detail.
Wir hatten ein Zimmer im Ostflügel mit einem wunderbaren Blick auf die Stadt im Tal. Außerdem hatten wir das Schloss quasi für uns, denn im Restaurant war Ruhetag, außer uns waren nur noch fünf Stammgäste im Hotel. So genossen wir einen lauen Abend auf der Bank am Burgtor, zusammen mit einer verschmusten jungen Katze, die den Gatten so verzauberte, dass er sie am Liebsten mitgenommen hätte - und der Gatte mag keine Katzen. Diese faszinierte ihn aber so sehr, dass er immer wieder von ihr erzählt ...

Blick ins Badezimmer.
Als wir abends ins Restaurant gingen, fand ich mich plötzlich Aug' in Aug' mit Domenica Niehoff wieder. Ein Portrait der Hamburger Domina hängt in der Weinstube. Hier, mitten in Franken, auf ein Stück St. Pauli zu treffen, war unerwartet. Die Erklärung ist einfach: Ewald Hupp, seit fast drei Jahrzehnten Pächter von Saaleck, war befreundet mit dem Hammelburger Maler Robert Höfling und der Hamburger Sexarbeiterin und Streetworkerin.

Blick aus unserem Zimmer auf die Stadt.
Sonnenaufgang am nächsten Morgen.
Während eines ihrer Aufenthalte in Hammelburg kam Niehoff dem schon oft geäußerten Wunsch Höflings nach und ließ sich im Juli 1997 von ihm malen. Von der Sitzung existierte lange Zeit nur ein Foto, das Porträt selbst galt als verschollen. Nun hängt es hier, an sehr prominenter Stelle, und strahlt eine wunderbare Lebensfreude aus.

Weinstube mit Schank und Domenica-Porträt.
Im Hotel gibt es auch ein Robert-Höfling-Zimmer, in das sich, wenn es gerade frei ist, ein Blick lohnt. Höfling ist außerhalb Hammelburgs leider kaum bekannt. Ich hoffe, ich habe noch öfter Gelegenheit, seine Werke zu sehen, denn für mich war dieser Künstler eine wirkliche Entdeckung.

Kerl und Katze.
Da wir erst spät und bei Regen auf dem Schloss ankamen, machte ich nur Detailfotos. Einen guten Überblick über die Gesamtanlage gibt's bei Wikipedia. Mehr zum Abend im Restaurant gibt es in der Kombüse.

Die Bande ist abfahrtsbereit.
Dieser Beitrag geht zu Nähfroschs Urlaubslinkparty und zum Freutag.