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Montag, 28. Oktober 2024

#12von12 im Oktober 2024

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! Diesmal bin ich urlaubs- und stressbedingt zu spät für die Party.

#1: Aufstehen!

#2: Am vorletzten Urlaubstag registriere ich, dass wir vom Balkon das Meer sehen können ...

#3: Mal gucken, wann die Postkarten ankommen. 

Heute ist Sonnabend und unser vorletzter Urlaubstag auf Mallorca. Als wir dort zuletzt im September 2022 waren, rechnete ich nicht damit, dass wir nochmal auf der Insel urlauben würden, denn das Klima war zu tropisch für den Gatten. Als er dieses Jahr sagte, er wolle wieder nach Mallorca. entschieden wir uns, im Oktober zu fliegen, weil dann die Wahrscheinlichkeit für tropische Temperaturen geringer ist. Leider ist dann das Wasser kalt - ich wusste nicht, wie kalt 24 Grad sein können ... 

#4: Frühstück. Die Sesamkekse werde ich vermissen. Und: Natürlich gab's vor dem Gebäck noch ein vernünftiges Frühstück.

#5: Obst für den Strandtag schnibbeln. Der Gatte mag zudem hartgekochte Eier. 

Wir haben in den letzten Tag gemerkt, wie gut es uns tut, einfach nur am Strand in der Sonne zu liegen. Dementsprechend entscheiden wir uns auch heute wieder für einen Strandtag. Es passiert also nichts, und das ist ausgesprochen entspannend.

#6: In den kommenden Stunden werde ich mich nicht von der Liege bewegen, diesen Ausblick haben, Wolken gucken und lesen*.

#7: Na gut, vielleicht gucke ich doch mal, ob noch Wasser da ist.

#8: Normalerweise würde ich weit in die Bucht hineinschwimmen, aber momentan ist mir das Wasser einfach zu kalt. Das sind niemals 24 Grad!

#9: Der Strand wurde im Laufe des Tages doch noch etwas voller, aber insgesamt ist es weitaus leerer als August / September, den Monaten, in denen wir in den Vorjahren auf Mallorca waren.

Der Blick in die ersten vier Corona-Jahre: Am 12. Oktober 2020 bekam der Gatte eine schlechte Diagnose. Damals ahnten wir noch nicht, das es nicht die einzige bleiben wird. Damals ahnten wir auch nicht, dass Mudderns Haus und Garten mitsamt Apfelbaum heute uns gehören würden. Am 12. Oktober 2021 wartet der Gatte auf die Verrentung, bin ich malad, gibt es einen Krebsverdacht, der sich zum Glück nicht bestätigt. Am 12. Oktober 2022 hätten wir nicht gedacht, dass wir ein Jahr später immer noch zwischen Wohnung und Haus pendeln, weil die Baustelle nicht fertig wird. Am 12. Oktober 2023 hoffen wir, dass wir bis Ende des Jahres umgezogen sind. 

#10: Abendessen. Cracker gab's außerdem, damit Käse und Wurst eine Grundlage haben.

#11: Zum Geburtstag bekam ich Sockenwolle von meinen Kolleginnen geschenkt, die ich jetzt annadle. Das wird ein Paar im Minecraft-Muster. Wer genau hinguckt, entdeckt im Hintergrund die Halloween-Girlande am Balkongeländer. 

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen und dafür ein neues Buch* anfangen.

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Freitag, 25. Oktober 2024

#WMDEDGT 10/24: Alles auf Zucker

Heute ist wieder der fünfte Tag des Monats, und Frau Brüllen fragt "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", kurz WMDEDGT? Vielen Dank für's Sammeln!

Sonnenaufgang.

Wir sind am Anfang unseres Mallorca-Urlaubs. Erstaunlicherweise, erfreulicherweise schlafe ich seit der Ankunft endlich mal wieder ganze Nächte durch, bekomme es kaum mit, wenn der Gatte nachts aufsteht. Was ich mitbekomme, ist, dass wir nachts Händchenhalten. Nach 25 Jahren Beziehung finde ich das arg romantisch.

Unser Tag ist dadurch strukturiert, dass wir vor dem Hotel-Frühstück noch in Ruhe Kaffee trinken möchten. Also klingelt mein Wecker um halb acht, immerhin anderthalb Stunden später als sonst, schlappe ich in die Küche, um Wasser aufzusetzen, und dann weiter auf den Balkon, um in den Sonnenaufgang zu gucken. Als der Kaffee fertig ist, wird der Gatte geweckt. Heute zickt aus irgendwelchen Gründen sein Blutzucker, was sich den ganzen Tag nicht ändern wird. Also gibt es für ihn zum Kaffee schon Kekse, um den Zucker wenigstens etwas zu pushen.

Die gestrige Ausbeute für die Halloween-Girlande.

Nach dem Frühstück knipse ich die Fortschritte meiner Häkel-Girlande, um zu sehen, dass es vorwärts geht. Häkeln ist so gar nicht meins, aber da ich die Girlande haben will, nützt es nichts. Dann machen wir uns mit dem Bus auf, um einen Mietwagen abzuholen. Zum ersten Mal muss ich auf Mallorca fahren. In den letzten 25 Jahren fuhr ausschließlich der Gatte. Dass er so gut wie gar nicht mehr Auto fährt, ist merkwürdig, heißt, dass ich jetzt lernen muss, im Gebirge zu fahren. Das wird spannend, sollten wir tatsächlich kommendes Jahr nach Südtirol fahren - oder schon in diesem Urlaub, sollten wir durch die Tramuntana nach Cap Formentor fahren. 

Übernahme des Mietwagens. Don Carlito wird uns die kommende Woche über begleiten.

Wir beschließen, als erstes nach Artà zu fahren. Das hat bei uns quasi schon Tradition. Eigentlich hätte es danach nach Cala Rajada und Cala Bona weitergehen sollen, aber der Blutzucker des Gatten lässt sich heute einfach nicht stabilisieren. Er ist dadurch inzwischen zu erschöpft für ein Ausflugsprogramm, besteht aber darauf, wenigstens nach Artà zu fahren.

Nach Artà finden wir problemlos, aber in Artà irren wir umher. Wir finden den Parkplatz, auf dem wir in den Vorjahren parkten, um zu Fuß in die Stadt zu gehen, erst nach einer sehr, sehr langen Irrfahrt. Das Navi hilft nicht weiter, denn es beschließt, gerade jetzt kein Netz mehr zu haben. 

Kampf dem Unterzucker ...

Endlich am Parkplatz angekommen, gehen wir langsam in Richtung Fußgängerzone, aber der Gatte ist ziemlich schlapp. So arbeiten wir uns von Café zu Café und beschließen, dass es heute keinen Sinn hat, etwas zu unternehmen. Wir arbeiten uns zurück zum Auto und beschließen, nur noch beim großen Mercadonna zu halten, um einen Großeinkauf zu machen. Unterwegs registriert der Gatte meine Probleme beim Schalten in gebirgiger Landschaft und gibt Anweisungen - sehr hilfreich, denn bislang fuhr ich kaum in Gegenden mit Erhebungen über 170 m.

Beim Supermarkt angekommen, schlägt das Blutzuckermessgerät des Gatten schon wieder Alarm. Er hat neben Keksen und einem üppigen Frühstück mehrere Dextrose-Beutel, einen halben Liter Cola, einen zuckersüßen Cappuccino und ein Banana Split intus - jeder andere wäre inzwischen im Zuckerschock. Der Gatte hingegen ist unterzuckert. Das ist körperlich unwahrscheinlich anstrengend, zudem gefährlich.

Ich flitze in den Supermarkt, um Zuckerzeugs zu holen und stelle erfreut fest, dass es bei den Getränken Beutel mit Dextrose-Gel gibt. Wieder zum Gatten, der auf halb acht auf dem Beifahrersitz hängt. Warten, bis es ihm besser geht, er wieder aufstehen kann, dann einkaufen. Beim Einkaufen läuft der Gatte zur Höchstform auf - ein gutes Zeichen. Er kauft tatsächlich gerne ein, im Gegensatz zu mir.

Rückfahrt ins Hotel. Wir haben Glück, dass Don Carlito einen Parkplatz direkt am Hotel findet, denn so können wir ein paar Einkäufe im Auto lassen. 

Die Teezeit fiel heute also, also gibt es einen üppigen Aperitif.

Während sich der Gatte ausruht, verräume ich die Einkäufe, bevor ich mich ebenfalls ausruhe. Beim Lesen* nicker ich unweigerlich weg. 

Ein paar Kleinigkeiten vom mallorquinischen Büfett.

Wieder wach, bereite ich uns einen Aperitif zu, bevor wir uns entschließen, zum Abendessen ins Hotel-Restaurant zu gehen. Heute gibt es ein mallorquinischen Büfett. Die Präsentation ist nett, mit Musik und Angestellten in Tracht, das Essen ist so lala - es muss halt der Geschmack vieler Gäste-Nationen getroffen werden. Da bleibt der mallorquinische Geschmack schon mal auf der Stelle.

Warum wir niemals ein Appartement zur Garten- bzw. Pool-Seite buchen würden ... 

Nachdem Abendessen gehen wir wieder in unser Appartement und lassen den Abend auf dem Balkon ausklingen. Ich häkle weiter tapfer an meiner Halloween-Girlande. Es geht früh ins Bett, und natürlich wird vorm Einschlafen noch etwas gelesen*.

Die Ausbeute vom 5. Oktober für die Halloween-Girlande.

Der Blick zurück in die ersten vier Corona-Jahre: Am 5. Oktober 2020 war der Gatte noch gesund und fuhr ins Büro, gab's eine Kundgebung für einen jüdischen Studenten, der am Vortag vor der Synagoge niedergeschlagen wurde, wo gerade Sukkot gefeiert wurde. Einzelfall, klar. Am 5. Oktober 2021 beschäftigte mich ein Krebsverdacht, der sich Gott sei Dank als unbegründet herausstellte. Am 5. Oktober 2022 war Yom Kippur, wurde ein Anschlag auf die Hannoveraner Synagoge verübt. Noch so'n Einzelfall. Am 5. Oktober 2023 ahnte niemand, dass die Hamas zwei Tage später eine Menschenjagd veranstalten sollte - das schlimmste Pogrom seit Ende der Shoah. 

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Dienstag, 22. Oktober 2024

Gehäkelte Halloween-Girlande

Im Esszimmer haben wir ein Panoramafenster, das danach schreit, dekoriert zu werden. Auf der Fensterbank stehen zwei Schiffsmodelle des Gatten, aber das obere Drittel ist leer. Perspektivisch sollen dort wegen der starken Sonneneinstrahlung Plissees hin, aber ich hatte noch keinen Kopf, mich darum zu kümmern. Das Fenster misst über zwei Meter, da passt nichts von der Stange wie bei den anderen Fenstern.

Meine Halloween-Girlande. Auf Wunsch des Gatten ist in der Mitte ein größerer Kürbis mit Gesicht.

Äh, wo wollte ich hin? Ach ja, die Halloween-Girlande. Sie wurde mein diesjähriges Mallorca-Projekt, denn im Urlaub habe ich Ruhe zum Häkeln. Beim Häkeln kämpfe ich nämlich um jede Masche, und Häkelsprache kann ich auch nicht wirklich. Zum Glück ist die Anleitung bei Frau Zuckersüße Apfel ziemlich narrensicher bebildert. Meine erste Fledermaus sah nämlich so aus:

Original und Fälschung: Versuch einer gehäkelten Fledermaus. Sockenstricken kann ich definitiv besser.

Irgendwann groovte ich mich ein und kam zügig vorwärts. 

Doch, das sieht nach Girlande aus.

Bevor ich die Elemente zu einer Girlande häkelte, legte ich sie erstmal aus. Zum Glück war unser Balkon groß genug. Leider war's nicht windstill ...

Bei der Länge der Girlande war ich unsicher. Es hätte sicher geholfen, das Fenster vorher mal auszumessen ... Für das kommende Jahr könnte ich jedenfalls noch ein, zwei Elemente nachhäkeln.

Es zeigte sich, dass ich die Abstände zu groß wählte. Ich häkelte die Elemente nochmal neu zusammen.

Drei Elemente im Detail. Ich kann übrigens nicht nur nicht häkeln, ich kann auch keinen Maschenstich bzw. sticken.

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln!

Alle Elemente im Überblick.

Hier geht's zur Anleitung 

Sonntag, 20. Oktober 2024

Samstagsplausch KW 40/24 bis KW 42/24: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CCXXXVIII - CCXL

In den ersten beiden Oktoberwochen waren wir auf Mallorca. Der Urlaubsbeginn war sehr unschön: Wir verpassten ohne unsere Schuld den Hinflug und wurden vom Reiseveranstalter, bei dem wir Flug, Transfer und Hotel buchten, hängen gelassen!

Am Strand von Port d' Alcùdia.

Wir hatten für den gehbehinderten Gatten eine DRK-Begleitung am Flughafen gebucht, da der Weg vom Schalter durch die Sicherheitskontrollen zum Gate sonst zu lang für ihn gewesen wäre. Normalerweise bekommt man kurz vor Boarding-Beginn einen Transfer direkt zum Gate mit gesonderter Sicherheitskontrolle, muss nirgendwo Schlange stehen, denn lange Stehen ist neben Gehen auch ein Problem für den Gatten.

Wir checkten mehr als drei Stunden vor Abflug ein. Das muss so wegen des Transfers. Die Fluggesellschaft informierte das DRK um 11:30 Uhr über den Transfer für den Flug um 14:50 Uhr. In der DRK-Wartezone war ein Flughafenmitarbeiter, der die Transfers im Blick hatte. Während wir warteten, klappte es bei den anderen Passagieren auch gut. Dann ging's gründlich schief. Der Check-in begann um 14:20 Uhr und endete um 14:35 Uhr. Das DRK kam um 14:10 Uhr mit zwei Rollstühlen für insgesamt 8 angemeldete Passagiere, die samt Begleitpersonen um 14:50 Uhr fliegen wollten. 

Da es dem DRK nicht gelang, bis zum Abflug einen Transfer zu organisieren, strandeten wir mit fünf weitern Passagieren und verpassten den Flug. Das DRK sagte erst, wir sollten uns keine Sorgen machen, man käme mit weiteren Rollstühlen, wir würden unseren Flug sicher erreichen, war dann nicht mehr erreichbar. Ich informierte die TUI darüber, dass wir unseren Flug verpassten, bat um Umbuchung, Information des Hotels und Organisation eines Transfers für den neuen Flug. Innerhalb von fünf Stunden fand sich niemand bei der TUI bereit, uns irgendwie zu helfen. Man fühlte sich weder verantwortlich noch zuständig.

Zum Glück half unsere Fluggesellschaft - bei Eurowings kannte man es schon, dass das DRK Reisende im Stich lässt. Neu war, dass sich der Reiseveranstalter nicht verantwortlich fühlte. Am kommenden Tag hörten wir über die Fluggesellschaft, das DRK wäre mit den Transfers zwei Stunden im Rückstand gewesen, und überhaupt gäbe es für den ganzen Flughafen nur sechs Rollstühle. Zudem habe man keine Leute, da schlecht gezahlt wird. Da sind Profis am Werk.  

Wir bekamen von Eurowings eine Übernachtung samt Shuttle ins Hotel und Abendessen, wurden am kommenden morgen mit dem ersten Shuttle vom Hotel zum Flughafen gebracht. Das Geld holt sich die Fluggesellschaft vom DRK zurück. Wir verzichteten morgens auf den DRK-Transfer, gingen ganz langsam durch die Sicherheitskontrolle zum Gate, hatten ja noch fast zwei Stunden Zeit. Eurowings schaffte es sogar, in Palma einen Flughafen-Transfer zu bekommen - wir waren kaum gelandet, da saß der Gatte im Rollstuhl. In Palma ist das top organisiert, denn da ist nicht das Rote Kreuz verantwortlich, sondern der Flughafen. 

Da es der TUI nicht gelang, uns auf einen der Transferbusse zu buchen - es fühlte sich ja niemand zuständig, auch nicht am nächsten Morgen - fuhren wir mit dem Taxi ins Hotel. Die Reiseleitung vor Ort sagte uns zwar wenigstens die Übernahme der Transferkosten zu, aber ohne Anwalt wird das nichts, denn auch nach der Rückkehr fühlt sich bei der TUI niemand zuständig.

Im Hotel Alcudia Garden, in dem wir nicht zum ersten Mal waren, wurden wir sehr freundlich empfangen. Ich hatte das Hotel am Vorabend darüber informiert, dass wir erst am nächsten Morgen anreisen, denn die TUI war dazu ja nicht in der Lage. Da ich auch den Grund für den verpassten Flug nannte, wusste man um die Behinderung des Gatten. Man entschied sich spontan, uns ein Upgrade ins Haupthaus mit Lift zu geben! Da waren gerade viele Zimmer leer, und man dachte sich, der Gatte wisse den Lift zu schätzen. Der war überglücklich! Sonst wären wir etwa 250 m vom Haupthaus entfernt in einem Nebenkomplex untergebracht gewesen.

Die folgenden Urlaubstage waren dann einfach nur entspannend. Ich schlief endlich mal mehr als sechs Stunden am Stück, wachte nicht alle zwei Stunden auf. Wir hatten zwar einen Mietwagen, hatten aber keine Lust, viel zu fahren. Wir wollten nur am Strand liegen und die Sonne genießen. Dementsprechend bin ich tatsächlich mal braungebrannt aus dem Urlaub gekommen. Dem Gatten ging's die meistes Zeit über sehr gut, so dass ich auch endlich mal zur Ruhe kommen konnte. Das tat so gut!

Wieder zu Hause, landeten wir im Chaos. Ich hatte mir den Dienstag noch frei genommen, wollte in Ruhe ankommen, aber als wir in der Nacht in Haus kamen, hatte der Kühlschrank einen Kurzschluss (mehr dazu in der Kombüse). Da war sie hin, die Ruhe.

Mittwoch und Donnerstag hatte ich dann Vierzehn-Stunden-Tage. Dadurch, dass wir zwei Wochen weg waren, mussten so viele Termine wie möglich in die Tage nach unserer Rückkehr gequetscht werden. Freitag nahm ich mir kurz einen Nervenzusammenbruch, als der Vermieter meines Stellplatzes mir mitteilte, dass er mir den leider kündigen muss. Das ist nicht tragisch, war aber der berühmte Tropfen. 

Immerhin waren meine vierteljährlichen Labor-Ergebnisse einigermaßen gut. Allerdings ist jetzt klar, dass der "stille Reflux", unter dem ich seit Monaten leide, ein Souvenir der Covid-Infektion ist. Das verpiepste Virus ist einfach ein Überraschungsei. Das Sodbrennen ist schmerzhaft - ich kann phasenweise nicht schlucken, in schlimmen Phasen tut sogar ein Schluck Wasser höllisch weh - und lästig. Meine Stimme ist in Mitleidenschaft gezogen, ich kann nicht lange sprechen, bin Dauer-Heiser, habe ständig Halsschmerzen. Nützt nichts, ich muss mich damit arrangieren, denn Besserung oder Heilung ist nicht zu erwarten. Dusseligerweise habe ich in der Speiseröhre zwei Tumore, die durch das Sodbrennen natürlich auch tangiert sind, und Sodbrennen kann Krebs auslösen. Wie gesagt: Nützt ja nichts. Im Dezember steht die dreijährige Magenspiegelung, das Tumorgucken an. Ich hoffe, sie sind nicht gewachsen und weiterhin gutartig. Die Blockaden in der Speiseröhre, die ich merke, sprechen aber dafür, dass zumindest ein Tumor wuchs.

Der Gatte schaffte diese Woche erstmals die Bahnfahrt von Hamburg nach Buchholz! Ich hatte einfach keine Kraft, ihn nach einem sehr frühen Arzttermin wieder nach Hause zu fahren, um dann nach Hamburg ins Büro zurückzufahren, und bat ihn, es einfach mal mit dem Zugfahren zu versuchen. Dass es ihm auf Mallorca so gut ging, gab ihm viel Selbstvertrauen, und so stimmte er zu. Er war sehr stolz, dass er den Weg schaffte, den richtigen Zug erwischte, an der richtigen Haltestelle ausstieg, nicht am Bahnsteig stürzte usw.! Eine Geh- und Sehbehinderung reicht ja nicht für einen Transportschein aus, und die Taxikosten sind so hoch, dass wir sie möglichst sparen wollen. 

Die Grippe-Impfung erledigte ich diese Woche auch noch, und als der MFA sagte, ich solle mich in den nächsten Tagen schonen, konnte ich nur hysterisch auflachen. 

Hier gilt seit mittlerweile 240 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird, im vierten hatte er einen Schlaganfall. Er ist schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. Es geht uns dennoch vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus, wenngleich die Erkrankungen und der Schlaganfall des Gatten zu Wesensveränderungen führten, die ein Zusammenleben manchmal sehr schwer machen. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Schwiegermutter und Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona bislang Gatten, Schwiegermutter und Tante verschonte und hoffe sehr, das bleibt so.   

Ich bin sehr froh, dass wieder mehr Menschen Maske tragen. Auf dem Rückflug war ich nicht die einzige, und im ÖPNV oder beim Einkaufen begegnen mir auch immer wieder Menschen mit Maske. So doof die Dinger sind, sie sind ein einfaches und effektives Mittel, sich gegen Viren aller Art zu schützen. 

Schwiegermutter und Tante geht's gut, wenngleich Schwiegermutter inzwischen so narzisstisch ist, dass sie nichts außerhalb ihrer Hemisphäre mehr wahr nimmt. Gespräche sind kaum möglich. Das ist erschreckend. 

Meine Urlaubsvertretung leistete ganze Arbeit, ließ mich während des Urlaubs komplett in Ruhe. Ich freute mich wieder mal, dass sie so gut eingearbeitet ist, dass ich von Anfang an darauf bestand, dass sie alles können muss, was ich kann. Diese Woche gab sie ihr erstes Interview und meisterte auch das mit Bravour! Sie sorgte auch dafür, dass ich zumindest im Büro in Ruhe ankommen konnte - es ist aktuell so viel zu tun, dass ich zwei Tage brauchte, um meine eMails zu sichten, jede Menge Überstunden machte. 

Mir macht einmal mehr der Herbst zu schaffen, denn nach der Rückkehr aus Mallorca war der Kontrast einfach heftig. Ich versuche mich damit zu trösten, dass die Tage bald wieder länger werden. Im Haus macht es sich aber bemerkbar, dass wir uns noch nicht um die Beleuchtung kümmerten. Der Gatte hängt da seinen Plänen ja zwei Jahre hinterher ... Vor dem Urlaub kaufte ich reichlich Bewegungsmelder, um nicht ständig zu stolpern, aber das ist natürlich keine Dauerlösung.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

Freitag, 21. Oktober 2022

Ausgelesen: Bücher im September 2022

Ich habe fast immer Mitleser.
Krimis, die in der NS-Zeit spielen, haben ja Konjunktur, aber ich wünschte mir wirklich, sie würden sauber lektoriert und korrigiert, am besten von jemandem, der zeitgeschichtliche Grundkenntnisse hat ... So zuckte ich denn bei "Letzter Tanz auf Sankt Pauli*" von Claus Crönert* genervt, als behauptet wurde, homosexuelle KZ-Häftlinge würden mit einem rosa Stern gekennzeichnet. Nein, es war ein rosa Winkel. Mit Sternen wurden jüdische Häftlinge gekennzeichnet, und selbst schwule Juden hätten keinen rosa Stern getragen, sondern je einen gelben und rosa Winkel, sternenförmig aufeinander genäht. 

Während unsere zweiwöchigen Mallorca-Urlaubs las ich hauptsächlich Mallorca-Krimis - und ich hatte viel Zeit zum Lesen. 

In "Der Teufel von Mallorca*" von Christina Gruber* geht ein Duo aus Oma und Enkelin auf Verbrecherjagd. Ein skrupelloser Mörder verschleppt und tötet ahnungslose Touristinnen. Inspector Héctor Ballester verfolgt die Spur des Täters – unterstützt von Johanna Miebach und ihrer Enkelin Gemma. Doch während das ungleiche Trio verzweifelt weitere Morde zu verhindern sucht, erlebt die Baleareninsel ihre dunkelste Stunde: Eine harmlose Demonstration gegen den Massentourismus endet in einem Blutbad. Das Buch ist der dritte Band einer Reihe und machte mir großen Spaß. Dass wir keinen Souvenir-Gecko für die Terrasse des alt-neuen Hauses mitnahmen, war pure Vernunft. Die beiden ersten Bände der Reihe stehen auf meiner Leseliste. Momentan versuche ich aber, möglichst keine Bücher zu kaufen - es müssen schon genug umziehen. 

"Der Tote von Santanyí*" ist ein Schuhfabrikant. Sein Tod kommt gleich mehreren Menschen gelegen: Dem unerwünschten Schwiegersohn, der psychisch labilen Tochter und einem Nachbarn, der eine alte Rechnung begleichen will – vor allem aber Verònica, der Stiefschwester des Toten, die darüber hinaus Chefinspektor Gabriel Ferrer den Kopf verdreht. Dann gibt es eine zweite Leiche, und das Blatt wendet sich dramatisch. Das Buch ist das bislang einzige von Claudia Wenk.

"Mallorca bis in alle Ewigkeit*" von Klaus Späne* beschreibt, wie die Insel in der Franco-Zeit für den Tourismus erschlossen wurde - mit Hilfe der Nationalsozialisten. Das Buch zeigt, wie die Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs die Insel bis heute prägt, eben weil die Aufarbeitung gerade erst beginnt. 

"Mallorquinische Träume*" ist der sechste Band um den Journalisten Helmut Bahn, geschrieben von Kurt Lehmkuhl*. Die Handlung spielt mehr in Düren als auf Mallorca. Der einjährige Sohn des Fabrikantenehepaars Franken wird entführt, seine Babysitterin ermordet. Tatverdächtig ist ein kürzlich aus der Haft entlassener Gewaltverbrecher, der vor zehn Jahren aufgrund der Zeugenaussage von Frankens Bruder verurteilt worden war. Redakteur Helmut Bahn vom Dürener Tageblatt wird mit der Übergabe des Lösegeldes beauftragt, die auf Mallorca stattfinden soll. Dort versucht Bahn zugleich, mithilfe seiner Freunde das Verbrechen aufzuklären. 

"Nach Mallorca in den Tod*" von Vielschreiberin Mara Laue* spielt eher auf einem Kreuzfahrtschiff als auf der Balearen-Insel. Protagonistin ist die Privatdetektivin Leonie Speer. Ihr neuer Klient spendiert ihr eine Kreuzfahrt nach Mallorca, auf der sie seine alleinreisende Frau beschatten soll, die er der Untreue verdächtigt. Kaum an Bord, klärt Speer neben ihrem Auftrag noch Juwelendiebstehle und Sabotage bei der Aufzeichnung einer Kochshow auf. Außerdem verliebt sie sich in ihren Kabinennachbar Juri, genau so ein Tausendsassa wie sie. Das ist einfach zu viel. Manchmal ist weniger mehr.

Mit den ausgeliehenen Mallorca-Krimis war ich jetzt durch. "Haarmann*" von Dirk Kurbjuweit* spielt naheliegenderweise im Hannover der 1920er Jahre, als Jungen und junge Männer spurlos verschwinden. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald schreckliche Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, selbst von allen guten Geistern verlassen, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann. Das Buch ist spannend und fesselnd - klare Leseempfehlung!

"Um Mitternacht ab Buckingham Palace*" von JB Lawless* ist der zweite Fall für den irischen Detective Strafford.  Als London 1941 bombardiert wird, drohen Kronprinzessin Elizabeth und ihrer Schwester Margaret Gefahr: Eine Entführung soll geplant sein, und so werden sie inkognito nach Irland gebracht, in die Obhut des jungen Detective Strafford. Er soll gemeinsam mit der englische Geheimagentin Celia Nashe in Clonmillis Hall über "Ellen" und "Mary" wachen, und keiner darf wissen, dass es sich dabei eigentlich um die Königskinder handelt. Aber die irische Dienerschaft und alle, die in der Nähe wohnen, gehen in dem großen Haus ein und aus, nicht wenige von ihnen haben seit dem Unabhängigkeitskrieg kein gutes Bild von England. Bald sickert durch, um wen es sich bei den beiden Mädchen wirklich handelt. Die Handlung plätschert so dahin. Nur selten kommt Spannung auf, und am Schluss geht alles ganz schnell. Ich weiß noch nicht, ob ich den ersten Band "Tod in der Bibliothek*" lesen möchte.

Frank Goldammer* lese ich gerne, und so war auch "Im Schatten der Wende*" ein Selbstgänger. Im Mittelpunkt steht der Polizist Tobias Falck, der während seiner Ausbildung bei den Demonstrationen gegen das DDR-Regime in Leipzig eingesetzt wird, und nach der Wende zum Kriminaldauerdienst in Dresden wechselt. Dort ist ein sehr heterogenes Team zusammengewürfelt, das sich zusammenraufen muss. Gleichzeitig gibt es große Herausforderungen: Drogenhandel, Prostitution, Mord auf offener Straße – die Kriminalität im Osten verändert sich drastisch, und es ist völlig unklar, welche Rechtsgrundlage für ostdeutsche Polizeiarbeit kurz nach der Wende gilt. Das KDD-Team gerät zusehends unter Druck, vor allem als plötzlich eine westdeutsche Kollegin auftaucht und um Amtshilfe bei der Suche nach einem Auftragskiller ersucht. 

Ich freue mich auf den zweiten Band*, der im Dezember erscheint. 

Die S-Bahn ist leer, dann kann ich
lesen.
"Der Mann, der nicht vergessen konnte*" ist der vierte Band der Kajsa-Coren-Reihe von Trude Teige*. Die Journalistin Kajsa Coren möchte eigentlich beruflich etwas kürzertreten, doch auf einem stillgelegten Bauernhof bei Oslo wird ein Mann tot aufgefunden, der vor einigen Jahren ins Ausland ausgewandert war. Nun scheint er schwerkrank zurückgekehrt zu sein, um auf dem elterlichen Hof seinem Leben ein Ende zu setzen. In unmittelbarer Umgebung des Hofs finden sich jedoch rätselhafte Spuren – steckt hinter diesem Fall mehr, als es scheint? Coren beginnt zu recherchieren. 

Das Buch ist solide, allerdings war ziemlich früh klar, wer hinter den Verbrechen steckt (wenn auch nicht das Motiv), und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, eine ähnliche Handlung schon mal als Film gesehen oder als Buch gelesen zu haben. 

Dass "Operation Werwolf" von Uwe Klausner* eine sechsbändige Reihe ist, erwischte mich ja im August kalt, denn der erste Band "Blutweihe*" endet ja mit einem fiesen Cliffhanger. Die Handlung zieht und zieht sich schon im ersten Band - alle sechs Bände wollte ich nicht lesen, zumal die Chance, sie per Onleihe chronologisch zu bekommen, sehr gering ist. In den Oktober ging ich mit "Fememord*", dem dritten Band, in dem der Fall schon gelöst ist - die drei Folgebände sparte ich mir. 

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Donnerstag, 29. September 2022

#12von12 im September 2022

Caro von "Draußen nur Kännchen" sammelt jeden Monat am 12. des Monats 12 Impressionen des Tages - vielen Dank dafür! 

#1: Sonnenaufgang.

#2: Morgenkaffee vor dem richtigen Frühstück, heute mal mit Keksen für den Gatten, der Probleme mit entgleisendem Diabetes hat.

#3: Der erste Abwasch des Tages. Im Hintergrund sind die umfunktionierten Kosmetikfläschen und -döschen mit Balsamico, Olivenöl, Essig, Zucker und Pfeffer zu sehen. Für's Salz habe ich einen winzigen Streuer. In die Tupper kommt die Strandverpflegung.

Dieser 12. September ist quasi eine Wiederholung des 12. September 2018, denn wir sind wieder in Alcúdia - endlich! Damals war der Gatte noch gesund, was mir beim Ansehen der Bilder wieder schmerzlich bewusst wird. 

#4: Einen Fiat 500 habe ich irgendwie anders in Erinnerung ... Wir haben ein Upgrade bekommen, über das wir uns blöderweise nicht freuen, da wir gerne Fiat 500 gefahren wären.

#5: Wieder im Appartement, gucken wir nach interessanten Touren.

An diesem 12. September leidet der Gatte sehr unter der ungewöhnlichen Tropenhitze, weswegen wir uns nur aus dem klimatisierten Appartement wagen, um den Mietwagen abzuholen und einen größeren Einkauf zu machen. Es wird also ein sehr ruhiger Tag. 

#6: Mittagsschläfchen.

#7: Der Gatte prüft mild-panisch den Sicherungskasten, weil er denkt, wir sind an einem Stromausfall schuld. Nein, der betrifft das ganze Hotel, und wir haben auch gar nicht genug Geräte mit, um das Stromnetz zu überlasten.

Ich lese und schlafe viel. Die Ruhe tut mir gut, und ich habe keine Lust, alleine auf den Swutsch oder an den Strand zu gehen. 

#8: Der regelmäßige Blick auf den Wetterbericht mit der (vergeblichen) Hoffnung, dass es endlich regnet und etwas kühler wird.

#9: Der zweite Abwasch des Tages. In einem Topf war ein Gemüseragout, den zweiten nutze ich als Bratpfannenersatz für Gambas.

#10: Das aktuelle Strickstück. Leider komme ich mit den Stricknadeln* nicht zurecht. Ich kann einfach mit Kunststoff nicht mehr stricken.

#11: Das Hotel bittet um Mülltrennung. Wir sammeln im Netz und nehmen den Müll mit, wenn wir morgens zum Frühstück gehen. 

#12: Vor dem Einschlafen noch etwas lesen*.

Der Blick zurück in die ersten beiden Corona-Jahre: Am
12. September 2020 war unser Dänemark-Urlaub zu Ende, war der Gatte noch gesund. Am 12. September 2021 machten wir den ersten Urlaub seit Erkrankung des Gatten und waren im gleichen Ferienhaus wie im Vorjahr.

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Sonntag, 25. September 2022

Samstagsplausch KW 37/22 und 38/22: Leben und Arbeiten in Corona-Zeiten CXXXI - CXXXII

In den letzten beiden Wochen waren wir auf Mallorca. Den Urlaub buchten wir lange, bevor Mudderns ins Pflegeheim kam und wir wussten, dass wir ein Haus in der lindgrünen Hölle besitzen werden. Ich hätte angesichts der veränderten Situation den Urlaub gerne storniert, aber der Gatte bestand auf der Reise. 

Wenn die FFP3-Maske neben dem Strandkleid trocknet ... 

Es war die erste Reise mit schwerbehindertem Gatten. Ich teilte beiden Fluggesellschaften medizinischen Sonderbedarf mit (muss ich für mein CPAP-Gerät im Handgepäck eh), also dass der Gatte auf einen Gehstock angewiesen ist, den er mit an Bord nehmen muss. Für den Hinflug bat ich beim DRK um einen Rolli-Transfer, damit der Gatte nicht die prognostizierten drei Stunden in der Schlange stehen muss, aber das ging gründlich schief. Die Fluggesellschaft schickte uns in die falsche Wartezone, und auf mehrfache Nachfragen, weil auch nach einer Stunde niemand kam, wurden wir beruhigt, das DRK käme frühestens eine halbe Stunde vor Abflug. Schließlich rief ich beim DRK an, erfuhr, dass wir in der falschen Wartezone sitzen, man rechtzeitig in der richtigen war, uns aber nicht antraf, wir nun sehen müssten, wie wir klar kämen, denn man habe schließlich seine Pflicht erfüllt. Da hatten wir gerade noch eine Stunde bis zum Boarding und erreichten nur mit Glück noch den Flieger. Für den Gatten war das sehr belastend. In Palma versuchte ich ihn dazu zu bringen, dass er die Kilometer vom Gate bis zu Gepäckband und Ausgang langsam zurücklegt, aber er hatte Angst, dass wir dann den Transfer zum Hotel verpassen. So kam er schließlich völlig fertig am Bus an.

Auch für den Rückflug teilte ich den medizinischen Sonderbedarf mit, erhielt aber trotz Nachfragen keine Antwort von der Fluggesellschaft und ging daher davon aus, dass das schief ging. Diesmal war's das genaue Gegenteil! Beim Einchecken hatte der Bodensteward sofort auf dem Schirm, dass der Gatte gehbehindert ist, überredete ihn zu einem Rolli-Transfer, schickte uns in die richtige Wartezone und meinte, wir müssten etwa zehn Minuten warten. Binnen kurzer Zeit kam ein junger Mann, saß der Gatte im Rollstuhl, wurden wir zu einer Sonderabfertigung gebracht. Die Kontrolle war zügig, und hinter der Kontrolle wartete schon ein älterer Herr mit einem anderen Rollstuhl für den Gatten. Ein paar Minuten später saßen wir in einem dieser Golfwägelchen und wurden von einer jungen Frau in Formel 1-Tempo (mit Fahrtwind!) durch den Flughafen zum einige Kilometer entfernten Gate gebracht.  

Nach der Landung im Hamburg bestand eine Stewardess darauf, dass der Gatte nicht zu Fuß die Treppe runter und zum einige Kilometer entfernten Ausgang geht, sondern vom DRK abgeholt wird - schließlich sei der Transfer bestellt. Wir dachten nach der Erfahrung beim Hinflug, dass das eh nicht klappt, zumal das DRK nur bis 22 Uhr arbeitet, wir aber später landeten, aber die Stewardess war zuversichtlich, und mit uns wartete noch ein anderes Paar auf den Transfer. Es dauerte nicht lange, und ein netter Herr kam mit einem Medical Highloader, der sich auf Flugzeughöhe hochfahren lässt, und wir konnten ganz kommod das Flugzeug verlassen, wurden mit rasanter Geschwindigkeit von einem Ende des Flughafens zum Ausgang am anderen Ende gefahren!

Hier gilt seit mittlerweile 132 Wochen: Der Gatte und ich sind weitgehend zu Hause. Es geht uns vergleichsweise gut. Wir halten es gut miteinander aus. Im ersten Corona-Jahr wurde der Gatte schwerkrank, im zweiten zeigte sich, dass er nicht mehr gesunden wird. Er ist inzwischen schwerbehindert und berufsunfähig verrentet. 

Unsere Kontakte sind normalerweise auf das Notwendigste beschränkt, heißt: Arbeit, Ärzte, Einkaufen, Mütter und inzwischen Handwerker. Ich bin dankbar, dass Corona uns bislang verschonte. Wir sind natürlich geimpft, aber angesichts unserer Vorerkrankungen ist trotz Impfung eine Corona-Infektion wenig ratsam. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist sie aber unvermeidbar, und ich kann nur hoffen, dass es uns dann nicht zu hart trifft. Wegen Corona hätte ich gerne auf die Flugreise verzichtet, aber nun ja. Ich trug konsequent die FFP3-Maske und hoffe, das half. 

Auf Mallorca war dann so ziemlich alles wie vor Corona. Corona war dennoch oft präsent, und sei es, weil der schweizerische Strandliegennachbar im Telefonat in die Heimat nicht nur erzählt, dass sein Sohn gerade Maul- und Klauenseuche hat, sondern dass er seit Tagen 40 Grad Fieber und "Schluckweh" habe, aber keinen Corona-Test dabei habe ... Gut, den Test hätte man kaufen können, aber Corona ist ja bekanntlich vorbei, nich? Die Testcentren waren zumindest geschlossen. Es gibt zwar noch Maskenpflicht, u.a. im ÖPNV, aber darum kümmert sich kaum jemand. Die Strandliegen stehen im gleichen Abstand wie früher, wenngleich es insgesamt viel weniger sind, zumindest in Port d'Alcúdia.

Der Strand war schmutziger als vor drei Jahren. Aschenbecher fehlten ebenso wie die tägliche Reinigung. Außerdem gab's weniger Büdchen, aber wir brachten ohnehin die Verpflegung meistens mit. Der Mietwagen war wesentlich teurer als vor drei Jahren, aber das wussten wir ja vorher. Die Tagesmiete, die in etwa gleich viel kostet wie vor drei Jahren, wäre uns dieses Jahr wesentlich günstiger gekommen, da wir den Mietwagen kaum nutzten, aber das konnten wir vorher nicht wissen.   

Im Vorfeld hatten wir oft gehört, dass die Insel dieses Jahr noch überlaufener wäre als sonst und machten uns auf einiges gefasst, aber uns kam sie viel leerer vor. Bei den Strandliegen hatten wir selbst mittags noch reichlich Auswahl, obwohl weniger aufgestellt waren als früher. Wir hätten problemlos mit der historischen Straßenbahn in Sóller fahren können, bei den beiden vorherigen Besuchen undenkbar. Selbst in Artá oder am Markttag in Alcúdia war's vergleichsweise leer, ebenso in den Bussen von und nach Palma, in denen wir beim letzten Besuch nur mit Glück Platz bekamen. 

Die Tropenhitze hatte insbesondere in unserer ersten Urlaubswoche die Insel noch fest im Griff, und die Temperaturen von 32°C und mehr tagsüber bzw. nachts um die 30°C machten dem Gatten sehr zu schaffen. Normalerweise liegen die Durchschnittstemperaturen im September bei bummelig 22°C bis maximal 26°C, regnet es öfter. So blieb der Gatte oft im klimatisierten Appartement, und da ich keine Lust hatte, alleine etwas zu unternehmen, blieb ich bei ihm, schlief und las viel und merkte, wie erschöpft ich war. Außerdem waren wir fast jeden Tag am Strand, wo es ein bisschen windig war, und so bin selbst ich jetzt knackebraun. Sonne, Salzwasser und Schwimmen taten gut. 

Es gibt Menschen, die lesen am Strand was Seichtes, wie Krimis. Und dann gibt es den Gatten. Der liest die Torah*, als wäre sie ein Krimi ...

Ansonsten ließen uns Hausumbau und Mudderns Situation im Pflegeheim nicht los. Die Fenster für's alt-neue Haus kamen während unseres Urlaubs, vier Wochen früher als geplant, so dass wir jetzt gucken müssen, woher das Geld dafür kommt, denn der Baukredit ist ja noch nicht durch, und der Tiefbauer für die Internetleitung versuchte auch, uns zu erreichen. Darum müssen wir uns morgen kümmern. 

Mudderns sprach bei jedem Telefonat davon, unbedingt ins Betreute Wohnen umziehen zu wollen, eine Wohnung zu mieten oder gar zu kaufen. Eine Hälfte des Komplexes ist Pflegeheim, die andere besteht aus Wohnungen. Sie ist gar nicht in der Lage, die paar Meter von einem Eingang zum anderen zu gehen, um dort nach einer freien Wohnung zu fragen oder sich auf die Warteliste setzen zu lassen, besteht aber darauf, dass sie sich noch selbst versorgen kann. Auch der jüngste Sturz bringt sie nicht davon ab, partout alleine wohnen zu wollen. Sie schaffte es vor drei Tagen, zwischen Bett und davor stehenden Rollator zu stürzen, will aber eine ganze Wohnung alleine bewirtschaften - ja, nee, is klaa. 

Mudderns Gesellschafterin fragte letzte Woche nach Rücksprache mit mir, ob eine Wohnung frei wäre oder es möglich sei, Mudderns auf die Warteliste setzen zu lassen - beides ist nicht der Fall, aber Mudderns ignoriert das hartnäckig. Ich habe versucht, mit ihr zu klären, was mit ihren Möbeln geschehen soll, wenn wir ins Haus ziehen, aber sie lehnt jeden Gedanken daran ab, die Möbel einzulagern, versteht nicht, dass wir mit unseren Möbeln ins Haus einziehen. Es ist ein Elend. So wird also das Haus entrümpelt, und wenn Mudderns tatsächlich in eine Wohnung umziehen sollte, sind ihre Möbel weg. Gut, der Fall ist sehr unwahrscheinlich, aber dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen. Es wäre einfacher, würde Mudderns realistisch mit der Situation umgehen. Immerhin stellt sie sich aber endlich dem Thema Patientenverfügung, weil der Notar die als Teil der Vorsorgevollmacht betrachtet. 

Heute Abend beginnt Rosh Hashanah, und das neue Jahr wird viel Neues für uns bringen. Morgen sollen Schenkungsurkunde und Vorsorgevollmacht vor dem Notar unterschrieben werden, wird Mudderns ins Pflegeheim umgemeldet. Mittwoch begutachtet der Schornsteinfeger das Haus für den Energieausweis. Am kommenden langen Wochenende will eine Kollegin kommen und gucken, ob es bei Mudderns Porzellan und Gläsern etwas für sie gibt - da sind schon hochwertige Sachen dabei, viel skandinavisches Design, aber ich habe keine Kraft, es bei eBay oder auf Flohmärkten zu verkaufen. Das Wochenende darauf kommt dann der Entrümpler zur Besichtigung. Wir sind schon extrem gespannt darauf, wie das Haus aussieht, wenn es quasi leer ist (ein paar Kisten mit Mudderns Sachen und Unterlagen werden vorerst in meinem Werkstattkeller bleiben).

Morgen sind wir nach drei Wochen auch zum ersten Mal wieder im alt-neuen Haus und schon gespannt, ob und was sich in der Zwischenzeit tat, denn die Baubrigade wollte ja weiterarbeiten. Aus Mallorca brachten wir ein Türschild mit, das der Gatte morgen anbringen wird. Es ist immer wieder mehr wie Nachhausekommen, wenn wir ins alt-neue Haus kommen. Wir können den Umzug kaum erwarten, haben aber gleichzeitig bei Magenschmerzen vor dem, was uns noch erwartet.   

Neben den Haus-Terminen stehen auch noch jede Menge Arzttermine und mein Krankenhausaufenthalt an. Das wird anstrengend. Nur: Nützt ja nichts.

Dieser Beitrag geht rüber zum Samstagsplausch bei Andrea. Vielen Dank für's Sammeln! Über's Kochen und Einkaufen berichte ich in der Kombüse.

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Donnerstag, 9. Januar 2020

Mallorca-Schal 2019 (2): Vielgefachte in Weiß, Grau und Rot im Muster "Mühlenberger Loch"

Im letzten Mallorca-Urlaub begann ich sogar noch einen zweiten Schal, den ich aber erst in Hamburg fertigstellte.

Schal aus Weiß-, Grau- und Rottönen.
Das Muster heißt "Mühlenberger Loch" und sorgt dafür, dass der Schal wunderbar weich und geschmeidig fällt. Es ist wie geschaffen für die Vielgefachten aus dem Wollpalast. Die Frabkombination ist die Monatswicklung Mai 2019.

Alle Farben auf einen Blick.
Dieser Beitrag nimmt an der Linkparty "Du für Dich am Donnerstag" teil. Vielen Dank für's Sammeln!

Montag, 30. September 2019

Plaça de Sant Joan in Son Servera (Mallorca / Spanien)

Montags gegen Nazis.
Montags erinnere ich daran, was passiert, wenn es mit der Demokratie bergab geht und wie es anfing, denn die Nazis fielen ja nicht 1933 vom Himmel. Die krochen schon Jahre vorher aus ihren Löchern, wurden nicht rechtzeitig aufgehalten, auch, weil man sie nicht ernst nahm, dachte, es wird schon nicht so schlimm.

Wurde es aber.

In loser Folge gibt's hier also montags Kunst und Denkmäler gegen Faschismus, Nationalismus und Rassismus. Orte, die daran erinnern, gibt es nicht nur in unserer Stadt genug, denn wie gesagt: Wir hatten das schon mal.

Gestern holte sich das blaubraune Pack erneut eine Schlappe bei dem Versuch, in Hamburg zu demonstrieren: 68 Rechte trauten sich auf die Straße und sahen sich gut 800 Demokraten gegenüber. Immerhin halten die Blaubraunen ihr Versprechen, viele Menschen auf die Straße zu bringen. 

Wie es zu dieser Beitragsreihe gekommen ist, kannst Du hier nachlesenAlle Beiträge aus dieser Reihe findest Du, wenn Du hier klickst. Mehr Mallorca-Impressionen gibt es hier.


Blick auf das heutige Café S'Oratge. Im Keller des Gebäudes ist 1936 das Hauptquartier der Franquisten.
Son Servera ist eine Gemeinde im Osten Mallorcas. Die gleichnamige Kleinstadt mit knapp 5.000 Einwohner ist neben Son Carrió einer der wichtigsten Schauplätze der Schlacht um Mallorca im Spanischen Bürgerkrieg, eine Frontstadt. Während Son Carrió von Republikanern eingenommen wird, ist Son Servera einer der wichtigsten franquistischen Stützpunkte.

Wir kommen an einem Sonntag nach Son Servera. Der Gottesdienst ist gerade zu Ende, auf dem Kirchplatz, der Plaça de Sant Joan, herrscht noch reges Treiben in den zahlreichen Restaurants, aber ansonsten sind die Straßen wie ausgestorben. Freitags, am Markttag, ist es anders. Da kommen Touristen aus den umliegend Badeorten in Scharen. Heute sind außer den Einheimischen nur ein paar Wanderer und Radfahrer unterwegs.


Die Kirche San Joan in Son Servera.
Die Republikaner versuchen 1936 vergeblich, den Ort einzunehmen und geraten mit 50 Mann in einen franquistischen Hinterhalt. Drei der vier Überlebenden werden in Son Servera hingerichtet. Einzig der aus Barcelona stammende achtzehnjährige Domingo López überlebt die Erschießung. Er kann schwer verletzt fliehen und sich wieder seinem Kommando anschließen.

Die meisten der etwa 900 Einwohner Son Serveras fliehen. Ihre Häuser werden von Militäreinheiten besetzt. Die Republikaner nehmen die das Dorf umgebenen Hügel und Berge ein und bombardieren von dort aus 20 Tage lang beinahe täglich das Dorf, bis sie sich in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1936 zurückziehen.


Eine der schmalen Straßen Son Serveras, durch die 1936 die faschistische Siegesparade führte.
Das Hauptquartier der Franquisten befindet sich auf der Plaça de Sant Joan, dem Kirchplatz, im Keller des heutigen Café S'Oratge. Hier findet auch die Siegesparade statt. Zum Anführer der Faschisten macht sich der Italiener Arconovaldo Bonaccorsi, der sich den Kampfnamen "Conde Rossi" gibt.

Bonaccorsi, ein Rechtsanwalt, der sich früh Mussolini  anschließt und 1922 als Anführer der Faschisten aus Bologna am "Marsch auf Rom" teilnimmt, hat einen Hang zur Hochstapelei: Quasi im Alleingang habe er die Republikaner zurückgeschlagen und so die Kriegshandlung für die Franquisten entschieden. 

Bonaccorsi ernennt sich zum General, gibt sich den Titel "Löwe von Son Servera", führt ein Terrorregime, berauscht sich geradezu an Gewalt, wird durch zahlreiche Propaganda-Auftritte in mallorquinischen Dörfern zu einer faschistischen Identifikationsfigur. Aber er macht sich sich Feinde, und so setzen spanische Militärs bei Franco durch, dass Bonaccorsi nach einem halben Jahr Mallorca verlassen muss. Der Personenkult um ihn aber bleibt: Bonacorssi wird in vielen Orten zum Ehrenbürger ernannt, erhält noch 1957 einen Orden von Franco.

Blick auf das heute Café S'Oratge und den Kirchplatz.
Im Zuge der Aufarbeitung des Spanischen Bürgerkriegs setzt auch im Umgang mit Bonaccorsi langsam ein Umdenken ein: Alcúdia entzog ihm Anfang 2017 die Ehrenbürgerschaft.

Heute erinnert in Son Servera kaum etwas an den Spanischen Bürgerkrieg: Gelegentlich finden sich vor Geschäften rostige Granatenhülsen als Türstopper, allerdings nicht, wenn man, wie wir, den Ort an einem Sonntag besucht. In den Wäldern finden sich immer noch verrostete Granaten und Patronenhülsen.

Vor zwei Jahren beginnen Wissenschaftler mit der Aufarbeitung der Batalla da Mallorca, der Schlacht um Mallorca: Sie untersuchen Schützengräben, in denen sich Faschisten und Republikaner zwischen dem 16. August und dem 3. September 1936 gegenüberstanden. Das Projekt soll bis 2022 laufen und wird von einem Blog begleitet

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