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Samstag, 15. Dezember 2012

Egli im Bierteig - ohne Küchenbrand


Am Donnerstag habe ich auf unserem Markt bei meinem Fischhändler frische Eglifilets gekauft. Erst wollte ich die ja ganz normal in der Pfanne braten, da fiel mir plötzlich eine «Geschichte von früher» ein und ich habe subito das Menü geändert.
Mit der Bitte nach «Geschichten von früher» hatten wir - meine Schwester und ich - meinen Vater jeweils dazu gebracht, in seinen Erinnerungen zu kramen, lange, spannende, wahnsinnige, verrückte, lustige Geschichten aus seiner Kindheit undd Jugend zu erzählen. Herrjee, was die damals alles erlebt hatten. Und wir hatten dann Fragen gestellt, wollten alles bis ins Detail wissen, obwohl wir die Geschichten schon hunderte Male gehört hatten. Und mein Vater hatte gerne erzählt. Immer wieder die selben Geschichten, immer mit einem verschmitztem Lächeln, wohlwissend, dass wir mit der Bitte nach Geschichten die Schlafengehenszeit rauszögerten.
Und noch heute freue ich mich immer sehr, wenn er diese Geschichten rauskramt und jetzt dem Küken und dem Junghahn erzählt. Und die freuen sich ebenso über diese «Geschichten von früher». Beide sind mittlerweilen aus dem Alter raus, in dem man ihnen sagen muss, wann sie zu Bett sollen. Zeit rauszögern ist zwar nicht mehr, aber auch von mir wollen sie «Geschichten von früher», das heisst, Geschichten aus meiner Jugend - immer noch.
Nun denn... damit wieder zurück zum Fisch. Einmal, ich war etwa 8 oder 9 Jahre alt, hatte mein Vater von irgendwem einen Hecht gekriegt. Also einen lebendigen. Ein Riesenvieh. In meiner Erinnerung war der Hecht etwa 1,5 Meter lang - mindestens... ;-) Jedenfalls kam mein Vater mit dem Hecht nach Hause und versenkte den Fisch im Brunnen hinter unserem Haus. Auf den Brunnen legte er ein Gitter, damit der Hecht nicht abhaute. Der Hecht sollte da noch ein paar Tage in frischem Wasser rumschwimmen, bevor er durch den Bierteig gezogen in der Friteuse landete.
Am Tag nach der Einwasserung in den Brunnen lagen Gitter und Hecht neben dem Brunnen. Ich weiss nicht mehr, wer den Hecht neben dem Brunnen gefunden hatte (wahrscheinlich mein Vater), jedenfalls zappelte er noch und wurde wieder in den Brunnen zurück verfrachtet. Gitter oben drauf und schwerer Stein aufs Gitter.
Am Samstag dann wurde der Hecht geschlachtet. Wir Kinder durften nicht zuschauen - blöd! Beim Nachbarn haben wir schliesslich auch immer geguckt, wenn der Kaninchen geschlachtet hatte. Der Nachbar war da nicht so zimperlich. Nun denn, der Hecht war dann tot, ausgenommen und zerlegt. So in handliche Stücke. Mein Vater rührte einen Bierteig zusammen und stellte den Topf mit dem Frittieröl auf den Herd. Meine Schwester sass quer auf der Fensterbank im offenen Fenster. Ich wollte mir gar nichts von der spannenden Kocherei entgehen lassen und stand natürlich neben dem Herd. Mein Vater wollte grad mit der Frittiererei beginnen, als er bemerkte, dass im Topf ein bisschen wenig Öl drin war. Rechts vom Herd war ein kleiner, schmaler Schrank, da waren Essig- und Ölflaschen verstaut. Mein Vater griff hinein, Flasche auf, kippt vermeintlich Öl (war aber Essig) ins schon heisse Frittieröl... und dann ein Knall, eine Stichflamme, Schreie (meine Schwester und ich), ein Sprung (meine Schwester aus dem Fenster) - ich wollte zur Küchentür raus, mein Vater hielt mich fest und die Küchentür zu - Befehlston: «Du bleibst hier!!!», Deckel und grossen Bodenwischlappen über den Frittiertopf... fertig Flamme. Ich weiss nicht mehr, wie er mit nur zwei Händen das Feuer gelöscht, mich fest- und die Küchentür zugehalten hat. Aber irgendwie hatte es funktioniert und er war in meinen Augen ein Held!
Dann ging die Kocherei wie ursprünglich geplant weiter. Worte wurden über die Stichflamme keine verloren. Meine Schwester durfte nicht zurück in die Küche, weil abgehauen, als es brenzlig wurde. Hecht durch den Bierteig ziehen, vorsichtig ins Öl gleiten lassen, vorfrittieren, auf Papier abtropfen lassen, ein zweites Mal ins heisse Öl, fertig frittieren. Und dann essen mit viel Tartarsauce und sonst nix. Naja, vielleicht gab es noch Kartoffeln, aber an die erinnere ich mich nicht.
Heute also Egli im Bierteig - Hecht hatte ich keinen. Fritteusenbrand auch nicht. Aber Tartarsauce mit Holunderkapern (nach Sybilles Rezept) zum Fisch.

Rezept für 4 Personen
Egli im Bierteig
600 g Eglifilets (400 hätten gereicht, den Rest habe ich eingefroren)
wenig Mehl zum Bestäuben
2 Eigelb
2 dl Bier
100 g Mehl
3 Eiweiss
Salz

Mehl in eine Schüssel. Eigelb und Bier miteinander verrühren, wenig Salz dazu, Flüssigkeit zum Mehl geben und verrühren. Teig eine halbe Stunde ruhen lassen. Kurz vor dem Frittieren die Eiweiss sehr steif schlagen und unter den Teig ziehen.
Die Eglifilets halbieren, durch den Bierteig ziehen und in heissem Öl vorfrittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. So vorbereitet kann man sie auf ein mit Backfolie ausgelegtes Blech legen und einfrieren. Gefroren dann in eine Tüte packen, dann kann man jeweils soviel rausnehmen, wie man gerade braucht.
Ich habe die Fischstücke - nachdem ich alle vorfrittiert hatte - ein zweites Mal goldbraun frittiert.

Tartarsauce mit Holunderkapern
ca. 6 Esslöffel Mayonnaise selbstgemacht (mit oder ohne Ei, je nach Belieben)
1 Schalotte, ganzganz fein gehackt
1 hartgekochtes Ei, kleinst gewürfelt (manche lassen das weg)
2 Essiggurken, ebenfalls kleinst gewürfelt
1 gehäufter Esslöffel Holunderkapern

Alle Saucenzutaten miteinander verrühren und zum Fisch servieren.