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Donnerstag, 9. Januar 2014

Riesencrevetten auf Pastissauce mit Fenchel-Flan und Quinoa


Fenchel, Foeniculum vulgare, Finocchio, Fenouille, Fennel und in Berndeutsch Fängchu... wie auch immer, dieses Gemüse lässt mein Herz höher schlagen. Fenchel gedünstet, gekocht, mit Käse überbacken, roh als nettes Knabberzeugs, als Salat, gebraten, als Tee - Fenchel ist meine grosse Liebe, die schon fast 50 Jahre währt. Fenchel als Vorspeise, als Hauptgang, als Beilage zu Fisch oder Fleisch, ja sogar als Dessert. Gestern bin ich auf ein Rezept für ein Fenchel-Dessert gestossen - das probiere ich demnächst aus.
Fenchel liebt man oder man mag ihn überhaupt nicht. So ein bisschen mögen... das gibt es selten. Ich kenne jedenfalls niemanden. Gut, dass im Hühnerstall nur absolute Fenchelliebhaber leben.
Dem Küken habe ich vorgestern einen Fenchel-Flan kredenzt, dazu ein paar gebratene Riesencrevetten auf einer Pastis-Sauce. Und weil letztes Jahr die Küchenschabe von Fenchelpollen so geschwärmt hat, habe ich mir unlängst solche besorgt. Preislich kommen die Pollen an Safran ran - aber diese Ausgabe hat sich ja sooooo gelohnt. Ich bin seit vorgestern grosser Fan von den Pollen.

Rezept für 2 Personen
Fenchelflan
1 Fenchelknolle
2 Eier
1 dl Sahne
Salz, Pfeffer

Fenchel putzen und in Würfel, die grünen Stengel in hauchdünne Scheibchen und das Fenchelgrün klein schneiden. Die Fenchelwürfel in Salzwasser blanchieren, dann kalt abschrecken. Die Fenchelscheibchen separat für eine Minute ins Salzwasser geben, ebenfalls kalt abschrecken, damit die grüne Farbe erhalten bleibt. Die Fenchelwürfel klein hacken, zusammen mit den Scheibchen und dem klein geschnittenen Fenchelgrün in eine Schüssel geben. Sahne und Eier miteinander verquirlen, salzen und pfeffern und dieses Gemisch zum Fenchel geben. Vier kleine, feuerfeste Förmchen leicht ausbuttern, die Fenchelmasse einfüllen. Die Förmchen in eine Auflaufform stellen, heisses Wasser dazu giessen, so dass die Förmchen zu zwei Dritteln im Wasser stehen. Auflaufform in den vorgeheizten Backofen schieben und die Flans bei 230 Grad ca. 40 Minuten garen. Mit einem Messer die Flans vom Förmchenrand lösen und auf einen vorgewärmten Teller stürzen.

Rezept für 2 Personen
Riesencrevetten mit Pastissauce
pro Person 3 bis 5 Riesencrevetten
0,5 dl Pastis
30 bis 40 g kalte Butter
Salz, Pfeffer
1 Messerspitze Fenchelpollen
wenig Bratbutter

Die Riesencrevetten schälen, den Darm entfernen, mit kaltem Wasser kurz waschen und anschliessend gut trockentupfen. Die Crevetten in einer Bratpfanne in Bratbutter beidseitig kurz braten, aus der Pfanne heben und warm stellen. Den Bratensatz mit Pastis ablöschen, diesen auf die Hälfte einreduzieren. Nun die kalte Butter stückchenweise einrühren, bis die Sauce abbindet. Dabei die Pfanne immer wieder vom Herd ziehen, die Sauce darf auch keinen Fall zu heiss werden, sonst gerinnt sie. Nun die Sauce mit Salz abschmecken und die Fenchelpollen beifügen.
Die Sauce zum Fenchelflan auf den Teller geben, die Crevetten drauf setzen.

Dazu gab es Quinoa, die ich ohne Firlefanz in Salzwasser gegart hatte.

Samstag, 3. August 2013

Nachgekocht: Wels auf Paprikafond von Alfons Schuhbeck


Die Sommer-Denkpause ist zwar noch nicht ganz vorbei - aber so ab und an koche ich wieder was. Zwölf Süsswasserfisch-Rezepte gedenke ich dieses Jahr für Peggys Süsswasserfisch-Event zu veröffentlichen - jeden Monat ein Rezept. Den Juli habe ich bereits versemmelt. Drum gibt es halt jetzt im August zwei Rezepte. So langsam wird es aber schwierig mit dem Fisch. Ich habe an mich den Anspruch, keine zwei Mal den selben Fisch zu verwenden. Ich kriege hier aber gewisse Fische einfach nicht. Deshalb habe ich den Wels für das heutige Rezept aus Deutschland mitgebracht.
Das Rezept ist von Alfons Schuhbeck - im Grossen und Ganzen habe ich mich an das Original gehalten, ein paar kleine Änderungen habe ich aber trotzdem vorgenommen. So habe ich zum Beispiel den Kräutersalat weggelassen, der meiner Meinung nach defintiv zu viel an Aromen gewesen wäre. Denn im Paprikafonds sind bereits Zitronenabrieb, Kümmel, Vanille und Zimt mit drin, beim Fisch auch noch Majoran. Irgendwann hört es bei mir dann einfach auf mit Geschmackskomponenten. Ich werde hier meine Version verbloggen, das Original kann man bei Schuhbeck nachlesen. Uns hat das Gericht sehr gefallen. Das sommerliche Gemüse ist eine Überraschung, grad wegen der Gewürze, die leicht nach Weihnachten schmecken.

Für 2 Personen als kleiner Hauptgang oder als Vorspeise
Paprikafond
zwei Frühlingszwiebeln
je eine kleine gelbe und rote Paprika
1 Knoblauchzehe in feine Scheiben geschnitten
1 kleine Zimstange
1 Lorbeerblatt
ausgekratztes Mark von einer halben Vanillestange
1/2 Espressolöffel Kümmelsamen, im Mörser leicht angestossen
wenig Abrieb von einer unbehandelten Bio-Zitrone
eine Messerspitze Piment d'Espelette
Rapsöl
2,5 dl Gemüsebrühe
evtl. Salz

Wels
180 bis 200 g Welsfilet
1 Knoblauchzehe in feine Scheiben geschnitten
1 Prise Kümmelsamen, im Mörser leicht angestossen
frischer Majoran, fein geschnitten
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
wenig Piment d'Espelette
wenig Bratbutter
frische Butter


Kartoffelwürfel
1 grosse festkochende Kartoffel, in kleine Würfelchen geschnitten
1 Lorbeerblatt
1 Chilischote
Bratbutter
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Paprikafonds
Die Frühlingszwiebel in feine Ringe schneiden, grün und weiss getrennt voneinander. Die Paprika mit einem Sparschäler schälen, Kerne entfernen, in Streifen schneiden und dann diagonal in Rhomben. Die weissen Zwiebelringe mit den Paprika in einem Topf in Rapsöl anschwitzen, dann alle Gewürze und die Knoblauchscheibchen dazu geben, kurz mitdünsten und mit Brühe aufgiessen. Das Paprikagemüse 10 Minuten simmern lassen, so dass es am Schluss noch Biss hat. Den Topf vom Herd nehmen, das Grün der Frühlingszwiebel und den Zitronenabrieb beifügen und mit Salz abschmecken.

Wels
Die Welsfilets in einer Grillpfanne in Bratbutter beidseitig kurz anbraten, anschliessend die Pfanne vom Herd nehmen und den Fisch durchziehen lassen.
In einer Bratpfanne die frische Butter aufschäumen, vom Herd ziehen, salzen, pfeffern, Kümmel, Piment d'Espelette und Knoblauchscheibchen beifügen. Gewürze kurz ziehen lassen, dann den Fisch darin wenden. Mit frischem, feingeschnittenen Majoran bestreuen.

Kartoffelwürfel
Kartoffelwürfel in Salzwasser mit einer Chilischote und einem Lorbeerblatt ca. 10 Minuten garen, abgiessen, ein bisschen ausdampfen lassen, Lorbeer und Chili entfernen. Die Kartoffelwürfel in Bratbutter goldbraun braten, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Finish
In einen Suppenteller das Paprikagemüse mit Fond schöpfen, die Kartoffelwürfel darüber verteilen und ein Fischfilet darauf setzen. Mit etwas Grünem (bei mir Basilikum und Majoran) aus dem Kräutergarten garnieren. Eine Zitronenzeste zu einer Locke drehen und dazu stecken. Ein paar diagonal geschnittene Ringe von einer roten Spitzpaprika geben dem Ganzen noch einen knalligen Farbeffekt.

Sonntag, 30. Juni 2013

Ordnung und Harmonie: Lachstartar auf Pumpernickel mit Honig-Senf-Sauce


Wenn ich bei Peggys Süsswasserfisch-Event jeden Monat ein Rezept einreichen will, dann ist heute die letzte Gelegeneheit, mein Vorhaben in Wirklichkeit umzusetzen. Denn morgen ist ja schon Juli... Kinder, wie die Zeit vergeht. Wenn ich den Juni in der Hühnerküche anschaue - ein Drama. Mit dem heutigen Post grad mal vier Beiträge in einem Monat. Gelesen und kommentiert habe ich anderswo auch praktisch nicht. Wahrscheinlich ist mir bereits die Hälfte der Leserschaft davon gelaufen...
Ich bin ein sehr ordnungsliebender Mensch, mit Chaos kann ich nicht umgehen - sei das nun im räumlichen Sinne, aber auch im gefühlsmässigen. Chaos erzeugt bei mir innerlich eine Disharmonie und in diesem Zustand kriege ich nichts mehr auf die Reihe. Das Essen ist versalzen, die Fotos unscharf, die schöne Wasserkaraffe fällt zu Boden und zerbricht, ich schneide mich fürchterlich an meinem unschärfsten Messer, die Kartoffeln kochen so lange, bis kein Wasser mehr im Topf ist und noch zwei Stunden länger, bis der Topf auch noch über den Jordan ist. Dann wird mir alles zuviel und ich verfalle in Lethargie. Wie paralysiert schaue ich auf dieses Chaos und bin ausserstande, etwas zu unternehmen. So lange, bis ich kurz davor bin, endgültig darin unterzugehen. Dann rapple ich mich auf und beginne Ordnung zu schaffen. Erst an der einen Ecke, dann langsam voran arbeiten... und irgendwann habe ich soviel von dem Sauhaufen abgetragen, dass ich wieder in die Ferne sehe.
Das Lachstartar, das ich gestern meinen Gästen servierte, war harmonisch im Geschmack und kam ohne viel Firlefanz ordentlich aufgeräumt auf dem Teller daher. Eine kleines Amuse Gueule, das überzeugte und meinem derzeitigen Harmoniebedürfnis und Ordnungssinn sehr gerecht wurde.

Rezept für 6 Personen
130 g frischer, roher Bio-Lachs (ohne Haut, entgrätet)
Salz, Pfeffer
wenig Abrieb einer Limette
Saft einer halben Limette

1 Dessertlöffel Sauerrahm
1 Kaffeelöffel Meerrettich (aus dem Glas - habe keinen frischen gefunden)
eine Prise Salz

1 Esslöffel Senf
1 Dessertlöffel Blütenhonig
gehackter Dill

3 Scheiben Pumpernickel

Senf, Blütenhonig und gehackten Dill gut miteinander verrühren. Sauerrahm mit dem Meerrettich und dem Salz verrühren. Aus dem Pumpernickel 6 Rondellen ausstechen. Die Rondellen mit dem Meerrettich-Sauerrahm dünn bestreichen.
Den Lachs mit einem scharfen Messer fein hacken. Mit Salz, Pfeffer, wenig Limettenabrieb und dem Saft einer halben Limette vermischen. Auf die Pumpernickelrondellen setzen. Mit der Honig-Senf-Sauce und einem Dillzweiglein garnieren.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Wenn der Norden den Süden küsst: Nordseekrabben-Ei-Töpfchen knutscht den Artischocken-Spargel-Salat


Letzte Woche waren wir in Hamburg. Das Perlhühnchen feierte ihren runden Geburtstag in ihrer Heimatstadt. Bevor wir am Freitag nach Hause flogen, shoppten wir im gröberen Stil Nordseekrabben, Krabbensalat und Matjes. Das Pfund Krabbensalat haben die Junghühner ratzfatz weggeputzt. Die Nordseekrabben nature habe ich gestern Mittag für das Küken und mich mit einem Ei in einem Töpfchen im Ofen gegart und auf einem Salat angerichtet. Sah nett aus und schmeckte hervorragend.

Für 2 Personen
Krabben-Ei-Töpfchen
80 g Nordseekrabben, gekocht
2 Eier
Sahne
Salz, Pfeffer

Salat
Blattsalat (ich: Eichblatt)
4 grüne Spargelstangen
2 weisse Spargelstangen
4 grosse Champignons
6 kleine, römische Artischocken
1/2 gelbe Paprika
1/2 Peperoncino, in feine Ringe geschnitten
Olivenöl
Salz, Pfeffer
Zitronensaft

Finish
Schnittlauchröllchen
40 g Nordseekrabben


Krabben-Ei-Töpfchen
Den Ofen auf 200 Grad vorheizen. In zwei feuerfeste Glasförmchen vorsichtig je ein Ei schlagen, so dass der Dotter nicht kaputt geht. Auf das Eiweiss ein bisschen Sahne giessen (etwa ein Drittel soviel, wie Eiweiss vorhanden ist). In das Sahne-Eiweiss-Gemisch die Krabben verteilen. Alles mit Salz und Pfeffer würzen. Die Glasförmchen in eine feuerfeste Form stellen und diese mit kochendem Wasser auffüllen. Die Form vorsichtig in den Ofen schieben. Die Eier in ca. 15 Minuten im Ofen garen. Das Eiweiss sollte fest sein, das Eigelb noch flüssig.

Salat
Artischocken putzen wie hier beschrieben und vierteln. Weissen Spargel schälen, beide Spargelsorten diagonal in Stücke schneiden. Die Champignons sechsteln. Paprika würfeln. In einer Bratpfanne Olivenöl erhitzen und erst mal die Artischocken ca. 3 Minuten braten. Dann den Spargel und die Champignons dazu geben und ca. 5 Minuten mitbraten. Zum Schluss die Paprikawürfel und die Peperoncinoringe dazu geben, mit Zitronensaft ablöschen und diesen etwas eindampfen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Den Eichblattsalat putzen, waschen, trocken schleudern und mit einer Salatsauce nach Wahl anmachen.

Finish
Den Eichblattsalat auf zwei Teller verteilen. Das Ei mit einem Messer vom Töpfchenrand lösen, mit einem grossen Löffel aus der Form heben und auf den Salat setzen. Den noch warmen Gemüsesalat daneben anrichten. Alles mit Schnittlauchröllchen und den restlichen Krabben bestreuen.


Freitag, 17. Mai 2013

Zanderfilet mit Gurken-Dill-Gemüse


Hier wäre eigentlich das Gedicht von Mascha Kaléko « Was weiss der Fisch von Religion?» vorgesehen gewesen - aber aus urheberrechtlichen Gründen nehme ich das lieber raus - denn auf eine Abmahnung habe ich keine Lust. Die Einleitung des nachfolgenden Textes bezieht sich allerdings auf das Gedicht. Wenn jemand Interesse am Gedicht hat, bitte Mail an wildespoulet at gmail punkt com.

Heute gibt es weder Hecht noch Salm, sondern Zander. Wer sich ein bisschen in der Ichthyologie (Fischkunde) auskennt, weiss, dass der Zander aus dem Süsswasser kommt. Und weil ich für den Mai auch noch ein Rezept zu Peggys Süsswasserfisch-Event beisteuern möchte, kamen mir die Zanderfilets grad recht, die mein Fischdealer gestern auf dem Markt feil bot. Zwei Stände weiter wanderten noch zwei Gurken und ein Bund Dill in den Korb.
Rezept für 3 Personen
3 Zanderfilets mit Haut
Salz, Pfeffer
wenig Mehl
Bratbutter

Gurken-Dill-Gemüse
2 mittelgrosse Salatgurken
1/2 Zwiebel
1 dl Gemüsebrühe
1/8 l Sahne
Salz, Pfeffer
1 Espressolöffel Maisstärke, angerührt in wenig kaltem Wasser
1 Handvoll frischer Dill, geschnitten
wenig Bratbutter

Die Fischfilets mit der Pinzette entgräten, salzen, pfeffern und beidseitig ein bisschen mehlen. In Bratbutter beidseitg braten.
Gurke längs halbieren und Kerne entfernen. Die Gurke in kleine Würfel schneiden. Zwiebel fein würfeln. In einer Sauteuse die Zwiebelwürfelchen in wenig Bratbutter glasig dünsten. Die Gurkenwürfel zugeben und mitdünsten. Mit Gemüsebrühe ablöschen und die Gurke zugedeckt ca. 5 Minuten leicht schmurgeln lassen. Dann die Sahne beifügen, einmal kurz vors Kochen bringen und mit der aufgelösten Maisstärke die Sauce abbinden. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Sauteuse vom Herd ziehen und den geschnittenen Dill in die Sauce rühren. Nicht mehr kochen, der Dill kriegt sonst einen hässlichen Graustich.
Zum Zander mit dem Gurken-Dill-Gemüse gab es Reis.

Sonntag, 7. April 2013

Mehr Meer: Moules


Ende Schmorgerichte, Ende mit Winter. Ich will nicht mehr. Ich will Meer! Viel Meer. Wahnsinnig viel Meer. Und laue Sommerabende und draussen sitzen, Grillen, die zirpen, kühlen Weisswein und Freunde am Tisch und barfuss gehen und von mir aus auch Mücken, die einen in die nackten Füsse stechen und Rosen, die duften und Basilikum im Garten und frische Tomaten und überhaupt...


Gestern ist der Junghühnervater aus Deutschland angereist und hat heute den Junghahn und das Küken mitgenommen für eine Woche Urlaub. Und da ich weiss, dass der Junghühnervater wahnsinnig gerne Muscheln isst, gab es diesmal Moules. Hingegen mag das Perlhühnchen Muscheln grad gar nicht, deshalb gab es nicht nur Moules, sondern auch noch Riesencrevetten.


Und weil ich jetzt einfach Sommer will, habe ich etwas gemacht, das mir eigentlich gegen den Strich geht: ich habe ausserhalb der Saison Tomaten gekauft, also kleine Tomätli, gell, die Schnuckelchen am Zweig. Und Zucchini auch noch und zwei rote Paprika und eine Aubergine. Und daraus habe ich ein Ratatouille gekocht.... Und jetzt noch ein  frisches Baguette dazu und ein Glas Weisswein. Yeah! So fühlt sich gutes Leben an.

Moules für 3 Personen
2 kg frische Bio-Moules
je eine gelbe und eine orange Karotte
1 Stück Knollensellerie
1 Zwiebel
1 Handvoll Dill
einige Stängel von Dill und Petersilie
ein paar schwarze Pfefferkörner
4 dl Weisswein
1 Schluck Pastis
Salz, Pfeffer
1 dl Rahm
Beurre Manié (Butter und Mehl im Verhältnis 1:1 verknetet)

Moules in eine grosse Schüssel mit kaltem Wasser geben. Ich wässere die Muscheln jeweils einige Minuten unter fliessendem Wasser und lasse sie anschliessend mindestens 15 Minuten im Wasser liegen. Wasser abgiessen und nochmals mit fliessend Wasser wässern. Anschliessend abgiessen und gut abtropfen lassen. Geöffnete Moules wegschmeissen.
Aus den Karotten und dem Sellerie Brunoise schneiden. In einem Topf den Weisswein mit der feingewürfelten Zwiebel, den Pfefferkörnern, der Hälfte der Brunoise und den Kräuterstängeln aufkochen und ca. 5 Minuten kochen lassen. Dann den Sud durch ein Sieb in einen grossen Topf giessen und nur wenig salzen. Die gewaschenen Muscheln in den Weinsud geben, Deckel auf den Topf und dämpfen, bis sich die Muscheln geöffnet haben. Geschlossene Moules wegschmeissen. Die Moules in eine vorgewärmte Schüssel geben zudecken und im Backofen (ca. 80 Grad) warm halten. Den Sud durch ein Sieb in eine Saucenpfanne giessen, aufkochen und auf ca. 2 dl einkochen lassen. Dann die restlichen Brunoise und einen Schluck Pastis beifügen, die Sahne dazu, aufkochen und mit Beurre Manié abbinden. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und den geschnittenen Dill in die Sauce streuen. Ein Teil der Sauce über die Muscheln giessen, den Rest in einer Schüssel als Supplément auf den Tisch stellen.

Freitag, 29. März 2013

Kamel Forelle in Fenchel-Salzkruste


Heute erzähle ich Euch wieder mal eine Fisch-Geschichte aus meiner Kindheit. Die betrifft eigentlich nicht mich, sondern meine kleine jüngere Schwester. Meine Schwester mochte ganz viele Dinge nicht: unter anderem keinen Lauch, kein Sauerkraut, keinen Sellerie, keine Salzkartoffeln, keinen Lattich - und keinen Fisch! Das heisst, fast bei jeder Mahlzeit gab es Gemecker: «Hani nid gärn!» («mag ich nicht»), war der Standardsatz bei Tisch. Meine Mutter kümmerte das eigentlich nicht gross. Es wurde gegessen, was auf den Tisch kommt - meinte meine Mutter. Denn meine Schwester sass jeweils so lange vor ihren Salzkartoffeln, bis alle vom Tisch aufstanden und wieder an die Arbeit/zur Schule gingen, dann schob sie die Kartoffeln langsam unter den Tisch, wo bereits unser Hund wartete.
Die heutige Geschichte spielte aber in der Zeit, bevor wir einen Hund hatten. Wie gesagt, die kleine Hennenschwester mochte keinen Fisch. Das Gemecker war jeweils gross, wenn Fisch auf den Tisch kam. Meine Mutter war schon soweit, dass sie dachte, das kleinste Hennenkind motzt einfach aus lauter Gewohnheit bei Fisch und kam deshalb auf eine - vermeintlich - geniale Idee.
Hennenschwester (zartes Alter von etwa drei Jahren): Was gibt es heute Mittag?
Hennenmutter: Heute gibt es etwas ganz Tolles.
Hennenschwester: Was denn, sag!
Hennenmutter: Heute gibt es Kamel!
Hennenschwester: KAMEL????? Woher hast Du das Kamel?
Hennemutter: Gekauft beim Metzger Weber.
Hennenschwester: Mag ich Kamel?
Hennemutter: Ganz sicher magst Du das. Alle Kinder mögen Kamel!

Hennenschwester vorne links, Wilde Henne hinten links, rechts zwei Cousins von uns

Hennenmutter verschwindet in der Küche und beginnt zu kochen. Die Fischfilets werden gebraten, Salzkartoffel gekocht, Salat geputzt, Tisch gedeckt - Hände waschen, ESSEN!
Die Hennemutter schöpft allen Fisch auf den Teller, Kartoffeln und Salat dazu - guten Appetit. Die Hennenschwester guckt skeptisch auf den Teller.
«Ist das jetzt das Kamel» - «Jawohl, probier mal.» Die Hennenschwester schaufelt sich ein Stückchen Fisch Kamel auf die Gabel, probiert, schnappt dreimal nach Luft, Tränen treten in die aufgerissenen Augen und sie stammelt ganz entsetzt: «Aa-aa-aber... *schluchz*... ich ma-aa-ag das Kamel ni-hicht, das Kamel schmeckt wie FIIIISSSCHHHHH!» *heeeeeul*

Heute hat niemand geheult. Heute gab es bei uns Forelle in Fenchel-Salzkruste. Das Rezept für den Fisch habe ich bei Swissmilk gefunden. Dazu gab es eine mit Pastis pafumierte Hollandaise, Fenchelgemüse und Salzkartoffeln. Das mochten alle, ich musste niemandem ein Kamel für einen Fisch vormachen.

Für 4 Personen
Forelle in Fenchel-Salzkruste
3 bis 4 Forellen (je nach Grösse)
1 kg Salz
3 Esslöffel Fenchelsamen, im Mörser leicht angestossen
2 Eiweiss
weisser Pfeffer
1 Zitrone
ein paar Petersilienstängel

Pastis-Hollandaise
Fischköpfe von den Forellen
1 kleine Schalotte, halbiert
ein paar Petersilienstängel
Fenchelabschnitte
1 Espressolöffel Fenchelsamen
10 Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
1 Gewürznelke
2 dl Weisswein
Salz
ca. 4 cl Pastis
1 Spritzer Zitronensaft
150 g kalte Butter
1 bis 2 Eigelb (je nach Grösse)

Die Forellen innen und aussen waschen und trockentupfen. Die Köpfe mit einem scharfen Messer abtrennen (nicht wegschmeissen, die brauchen wir für die Sauce). Die Fische innen mit weissem Pfeffer bestreuen. Zitronen in Scheiben schneiden und zusammen mit den Petersilienstängeln in die Fischbäuche legen. Die Fenchelsamen mit dem Salz und den zwei verquirlten Eiweiss vermischen. Ein Stück Backpapier auf ein Kuchenblech legen, die Hälfte des Salzgemisches darauf verteilen, die Forellen eng nebeneinander auf das Salz legen und mit dem restlichen Salzgemisch bedecken und andrücken. Ich hatte meine Fische bei 200 Grad ca. 40 Minuten im Ofen, zweite Schiebeleiste von unten.
Für die Sauce alle Zutaten bis und mit Weisswein in einen kleinen Topf geben und ca. 20 Minuten bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, zum Schluss salzen. Fischsud durch ein Sieb giessen. Von dem Sud brauchen wir ca. die Hälfte, die andere Hälfte habe ich in einen Eiswürfelbeutel abgefüllt und eingefroren. Jetzt den Fischsud wieder aufkochen und bis auf einen Esslöffel einreduzieren lassen, dann den Pastis und den Zitronensaft dazu geben, nochmals aufkochen, dann den Topf vom Herd ziehen. Mit einem Schneebesen das Eigelb in den Fischsud rühren und jetzt stückchenweise die kalte Butter beifügen. Ich stelle den Topf immer wieder auf die heisse Herdplatte zurück und ziehe ihn wieder weg, wenn es zu heiss werden droht. Die Sauce darf nicht zu heiss werden, sonst gerinnt sie.
Eigentlich macht man ja eine Hollandaise über dem Wasserbad, das funzt bei mir nie. Ich kann das besser direkt auf dem Herd.
Jetzt den Fisch aus dem Ofen holen, die Salzkruste mit einem grossen Löffel wegschlagen, die Haut von den Fischen lösen, dann die Forellen filetieren und auf vorgewärmten Tellern anrichten. Mit der Sauce, gedünstetem Fenchel und Salzkartoffeln servieren. Unverwechselbar Fisch und nicht Kamel!


Dieser Beitrag geht wieder an Peggy für den Süsswasserfisch-Event.

Mittwoch, 20. März 2013

Felchenfilets auf Kerbelsauce mit Karottendariole



Für Peggys Süsswasserfisch-Event hatte ich mir vorgenommen, jeden Monat ein Rezept beizusteuern. Im Januar waren es Eglifilets mit Rübengemüse, im Februar Saiblingfilets mit Kräuterkruste. Und jetzt bei den Felchenfilets vom letzten Samstag merke ich, dass ich den Fisch bereits zum dritten Mal einfach in der Bratpfanne gebraten habe... nächsten Monat lasse ich mir mal was Gescheiteres einfallen - versprochen.
Die Felche gehört zu den Coregonen und wird von Region zu Region anders genannt. Mir bekannte andere Namen aus Deutschland sind auch Renke oder Maräne. Ich habe vorhin ein bisschen recherchiert und eine tolle Seite mit sehr umfassenden Informationen über die Felche und die Felchenfischerei gefunden.
Zu den Felchenfilets wollte ich Karottendarioles auf Kerbelsauce ausprobieren. Das Rezept dazu hatte ich im Buch «Mit Liebe, Lust und Thymian» von Elfie Casty gefunden. Aus diesem Kochbuch haben wir in dem Restaurant, in dem ich jahrelang gearbeitet hatte, sehr oft gekocht. Als meine Freundin und Chefin nach mehr als 20 Jahren die Pacht gekündigt hatte, haben wir die Kochbücher unter dem Personal aufgeteilt. Seither steht das Buch bei mir im Regal und ich habe es bis letzte Woche nie mehr in den Händen gehabt. Warum eigentlich nicht? Denn es ist nicht einfach ein Kochbuch, sondern ein Geschichtenbuch, ein Nachschlagewerk, eine Aufforderung zum glücklichen, lustvollen Kochen.
Und so hatte ich letzte Woche beschlossen, wieder öfters nach diesem Buch zu kochen. Die Kerbelsauce konnte ich nicht so wie im Buch machen, da ich nicht alle Zutaten hatte. Ich gebe hier mein Rezept an, das war auch nicht schlecht.

Rezept für 3 Personen
Karottendarioles (Menge reicht für 7 Espressotassen)
250 g geschälte Karotten
1 dl Sahne
1 Frühlingszwiebel
1 grosses Ei
1 Esslöffel feingeschnittener Kerbel
Salz
weisser Pfeffer aus der Mühle
eine Spur Koriander frisch gemahlen (ich: gemörsert)

Kerbelsauce
1 Schalotte
1 dl Gemüsebrühe
1 Handvoll feingeschnittener Kerbel
je 1 Hauch Cayenne und mildes Currypulver
1/2 dl Sahne
1 Espressolöffel Maisstärke, aufgelöst in wenig kalter Gemüsebrühe
1 Spritzer Zitronensaft
wenig Butter

Felchenfilets
3 bis 4 Felchenfilets, insgesamt ca. 300 g
Salz, weisser Pfeffer
Zitronensaft
Mehl


Karottendarioles
Karotten schälen, in kleine Würfelchen schneiden und mit der feingehackten Frühlingsziebel und der Sahne in einer kleinen Kasserole weich dünsten. Zum Schluss ist praktisch keine Sahne mehr vorhanden. Die Karottenwürfel auskühlen lassen, auf ein Brett kippen und mit einem grossen Messer fein hacken. In einer Schüssel ein Ei mit einer Gabel verkleppern, eine Spur gemörserten Koriander beifügen, die Karotten und den feingeschnittenen Kerbel dazu geben,  alles gut vermischen und mit Salz und weissem Pfeffer abschmecken. Die Masse in leicht ausgebutterte Espressotassen füllen und mit Alufolie verschliessen. Die Espressotassen in eine feuerfeste Form stellen, soviel heisses Wasser zufügen, dass die Tassen zu Dreiviertel im Wasser stehen und dann ab in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen damit. Im Kochbuch stand für 15 bis 20 Minuten, bei mir dauerte es 40 Minuten bis die Masse gestockt war - vielleicht weil die Espressotassen dickwandig waren.

Kerbelsauce
Die Schalotte fein schneiden und in einer kleinen Kasserole in wenig Butter glasig dünsten. Den feingehackten Kerbel dazu geben und mit Gemüsebrühe ablöschen. Die Sauce bis kurz vors Kochen bringen, dann den Topf vom Herd nehmen und die Brühe pürieren. Die Sauce durch ein Sieb in ein kleines Saucenpfännchen passieren, mit einem Löffelrücken die Rückstände im Sieb ausdrücken. Sahne dazu geben, wieder erhitzen, mit der angerührten Maisstärke abbinden, und mit Zitronensaft, Curry, Cayenne und Salz abschmecken.

Felchenfilets
Die Felchenfilets mit einer Pinzette entgräten, auf der Fleischseite mit Zitronensaft beträufeln, beidseitig salzen, pfeffern und leicht mehlen. In Bratbutter beidseitig goldbraun backen.

Kerbelsauce auf einen Teller anrichten, Fischfilet drauflegen und ein Karottendariole dazu setzen. Mit frischem Kerbel garnieren.

«Mit Liebe, Lust und Thymian», Elfie Casty, Elfie Casty Buchverlag, Klosters, 1998, ISBN 3-905273-04-7


Montag, 25. Februar 2013

Saibling mit Kräuterkruste


Fisch hatten wir schon lange nicht mehr. Und weil bei Peggy ja derzeit der Süsswasserfisch-Event läuft, ich Süsswasserfische sehr mag (eigentlich lieber als Salzwasserfische), und es letzte Woche grad frische Bio-Saiblinge gab, habe ich zugegriffen. Der Saibling gehört zu den Lachsfischen und ist ein Süsswasserfisch, den ich eigentlich gerne mit einer Kräutersauce mag. Aber ausser mir hatte am Wochenende niemand Lust auf Sauce, die Junghühner waren mehr auf Knusper aus. Also statt Kräutersauce gab es den Saibling mit Kräuterkruste. War nicht schlecht, das nächste Mal würde ich aber einen etwas kräftigeren Fisch unter die Kräuterkruste legen. Der Saibling war fast ein bisschen zu fein dafür.

Rezept für 3 Personen
3 Saiblingfilets
Salz, Pfeffer
Zitrone
Mehl
Bratbutter

Kräuterkruste
40 g frische Butter
Salz
1 Handvoll gemischte, gehackte Kräuter (Dill, Estragon, Petersilie)
3 Esslöffel selbstgemachtes Paniermehl

Saibling entgräten, mit Zitronensaft beträufeln, salzen, pfeffern und mit Mehl bestäuben. In heisser Bratbutter beidseitig braten.
In einer zweiten Bratpfanne die frische Butter schmelzen, dann das Paniermehl dazu geben und unter Rühren gleichmässig bräunen. Sobald das Paniermehl Farbe annimmt, Pfanne vom Herd nehmen Kräuter beifügen und salzen.
Den Fisch anrichten und die Kräuterpanade darauf verteilen. Dazu gab es Karotten der Sorte Blue Rabbit und für die, die mochten, noch Salzkartoffeln. Mir reichte die Kräuterpanade als Stärkebeilage längstens.

Sonntag, 13. Januar 2013

Riesencrevette auf Safranschaum


Mit wie wenig Aufwand man Gäste beeindrucken kann, ist schon beeindruckend ;-). Die Riesencrevette auf Safranschaum gab praktisch nichts zu tun und war ein schöner Zwischengang beim 5-Gänger, den wir gestern unseren Freunden serviert haben.

Für 6 Personen
Riesencrevette
6 Riesencrevetten (geschält und Darm entfernt)
Salz, Pfeffer
1/4 von einem roten Peperoncino, fein gehackt
wenig Petersilie, gehackt
wenig Olivenöl

Safranschaum
1 dl trockener Weisswein (Ich: Yvorne)
1 Schalotte, fein gewürfelt
1 kleines Lorbeerblatt
10 schwarze Pfefferkörner
Salz
1 Prise Safranfäden
1 dl Milch
0,5 dl Sahne

Den Weisswein in einen kleinen Topf geben, Schalotte, Lorbeer und Pfefferkörner beifügen und aufkochen. Den Sud einreduzieren auf ca. 1 Esslöffel, die letzten 5 Minuten den Safran dazu geben. Durch ein Sieb giessen. Den Esslöffel Sud mit der Sahne verrühren und salzen. Dann die Milch dazu geben. Ich hab die Sauce in einen kleinen Metalbecher gegeben und mit der Dampfdüse der Kaffeemaschine erhitzt, bzw. aufgeschäumt.
Riesencrevette in Olivenöl sanft anbraten, salzen und pfeffern, zum Schluss den gehackten Peperoncino und die Petersilie beifügen.
Ein Klecks Safranschaum auf einen vorgewärmten Teller geben und die gebratene Crevette drauf setzen.

Samstag, 15. Dezember 2012

Egli im Bierteig - ohne Küchenbrand


Am Donnerstag habe ich auf unserem Markt bei meinem Fischhändler frische Eglifilets gekauft. Erst wollte ich die ja ganz normal in der Pfanne braten, da fiel mir plötzlich eine «Geschichte von früher» ein und ich habe subito das Menü geändert.
Mit der Bitte nach «Geschichten von früher» hatten wir - meine Schwester und ich - meinen Vater jeweils dazu gebracht, in seinen Erinnerungen zu kramen, lange, spannende, wahnsinnige, verrückte, lustige Geschichten aus seiner Kindheit undd Jugend zu erzählen. Herrjee, was die damals alles erlebt hatten. Und wir hatten dann Fragen gestellt, wollten alles bis ins Detail wissen, obwohl wir die Geschichten schon hunderte Male gehört hatten. Und mein Vater hatte gerne erzählt. Immer wieder die selben Geschichten, immer mit einem verschmitztem Lächeln, wohlwissend, dass wir mit der Bitte nach Geschichten die Schlafengehenszeit rauszögerten.
Und noch heute freue ich mich immer sehr, wenn er diese Geschichten rauskramt und jetzt dem Küken und dem Junghahn erzählt. Und die freuen sich ebenso über diese «Geschichten von früher». Beide sind mittlerweilen aus dem Alter raus, in dem man ihnen sagen muss, wann sie zu Bett sollen. Zeit rauszögern ist zwar nicht mehr, aber auch von mir wollen sie «Geschichten von früher», das heisst, Geschichten aus meiner Jugend - immer noch.
Nun denn... damit wieder zurück zum Fisch. Einmal, ich war etwa 8 oder 9 Jahre alt, hatte mein Vater von irgendwem einen Hecht gekriegt. Also einen lebendigen. Ein Riesenvieh. In meiner Erinnerung war der Hecht etwa 1,5 Meter lang - mindestens... ;-) Jedenfalls kam mein Vater mit dem Hecht nach Hause und versenkte den Fisch im Brunnen hinter unserem Haus. Auf den Brunnen legte er ein Gitter, damit der Hecht nicht abhaute. Der Hecht sollte da noch ein paar Tage in frischem Wasser rumschwimmen, bevor er durch den Bierteig gezogen in der Friteuse landete.
Am Tag nach der Einwasserung in den Brunnen lagen Gitter und Hecht neben dem Brunnen. Ich weiss nicht mehr, wer den Hecht neben dem Brunnen gefunden hatte (wahrscheinlich mein Vater), jedenfalls zappelte er noch und wurde wieder in den Brunnen zurück verfrachtet. Gitter oben drauf und schwerer Stein aufs Gitter.
Am Samstag dann wurde der Hecht geschlachtet. Wir Kinder durften nicht zuschauen - blöd! Beim Nachbarn haben wir schliesslich auch immer geguckt, wenn der Kaninchen geschlachtet hatte. Der Nachbar war da nicht so zimperlich. Nun denn, der Hecht war dann tot, ausgenommen und zerlegt. So in handliche Stücke. Mein Vater rührte einen Bierteig zusammen und stellte den Topf mit dem Frittieröl auf den Herd. Meine Schwester sass quer auf der Fensterbank im offenen Fenster. Ich wollte mir gar nichts von der spannenden Kocherei entgehen lassen und stand natürlich neben dem Herd. Mein Vater wollte grad mit der Frittiererei beginnen, als er bemerkte, dass im Topf ein bisschen wenig Öl drin war. Rechts vom Herd war ein kleiner, schmaler Schrank, da waren Essig- und Ölflaschen verstaut. Mein Vater griff hinein, Flasche auf, kippt vermeintlich Öl (war aber Essig) ins schon heisse Frittieröl... und dann ein Knall, eine Stichflamme, Schreie (meine Schwester und ich), ein Sprung (meine Schwester aus dem Fenster) - ich wollte zur Küchentür raus, mein Vater hielt mich fest und die Küchentür zu - Befehlston: «Du bleibst hier!!!», Deckel und grossen Bodenwischlappen über den Frittiertopf... fertig Flamme. Ich weiss nicht mehr, wie er mit nur zwei Händen das Feuer gelöscht, mich fest- und die Küchentür zugehalten hat. Aber irgendwie hatte es funktioniert und er war in meinen Augen ein Held!
Dann ging die Kocherei wie ursprünglich geplant weiter. Worte wurden über die Stichflamme keine verloren. Meine Schwester durfte nicht zurück in die Küche, weil abgehauen, als es brenzlig wurde. Hecht durch den Bierteig ziehen, vorsichtig ins Öl gleiten lassen, vorfrittieren, auf Papier abtropfen lassen, ein zweites Mal ins heisse Öl, fertig frittieren. Und dann essen mit viel Tartarsauce und sonst nix. Naja, vielleicht gab es noch Kartoffeln, aber an die erinnere ich mich nicht.
Heute also Egli im Bierteig - Hecht hatte ich keinen. Fritteusenbrand auch nicht. Aber Tartarsauce mit Holunderkapern (nach Sybilles Rezept) zum Fisch.

Rezept für 4 Personen
Egli im Bierteig
600 g Eglifilets (400 hätten gereicht, den Rest habe ich eingefroren)
wenig Mehl zum Bestäuben
2 Eigelb
2 dl Bier
100 g Mehl
3 Eiweiss
Salz

Mehl in eine Schüssel. Eigelb und Bier miteinander verrühren, wenig Salz dazu, Flüssigkeit zum Mehl geben und verrühren. Teig eine halbe Stunde ruhen lassen. Kurz vor dem Frittieren die Eiweiss sehr steif schlagen und unter den Teig ziehen.
Die Eglifilets halbieren, durch den Bierteig ziehen und in heissem Öl vorfrittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. So vorbereitet kann man sie auf ein mit Backfolie ausgelegtes Blech legen und einfrieren. Gefroren dann in eine Tüte packen, dann kann man jeweils soviel rausnehmen, wie man gerade braucht.
Ich habe die Fischstücke - nachdem ich alle vorfrittiert hatte - ein zweites Mal goldbraun frittiert.

Tartarsauce mit Holunderkapern
ca. 6 Esslöffel Mayonnaise selbstgemacht (mit oder ohne Ei, je nach Belieben)
1 Schalotte, ganzganz fein gehackt
1 hartgekochtes Ei, kleinst gewürfelt (manche lassen das weg)
2 Essiggurken, ebenfalls kleinst gewürfelt
1 gehäufter Esslöffel Holunderkapern

Alle Saucenzutaten miteinander verrühren und zum Fisch servieren.

Freitag, 7. September 2012

Lachs und Fenchel aus der Tüte


Ihr wisst, ich mag Turbofisch, also Fisch, der ratzfatz zubereitet ist. Und ich liebe bekanntlich Fenchel. Und vor allem liebe ich die Kombination Fisch und Fenchel. Aber von allen Fischen reisse ich mich um Lachs am wenigsten. Und trotzdem gab es heute Lachs - weil ich ja nicht nur für mich sondern auch für den restlichen Hühnerstall koche und da gibt es eben Lachsliebhaber. Deshalb, so ab und an, gibt es bei uns doch Lachs. Inspiriert hat mich Astrid mit ihrem Fred, das Orangenöl habe ich jedoch weggelassen, unser Lachsliebhaber, der Junghahn mag Orangenöl gar nicht. Und eigentlich habe ich gar nicht nach Rezept gekocht, sondern mich einfach vom Bild mit dem Fenchel auf des Freds Buckel inspirieren lassen ;-)

für 3 Personen
ein Lachsfilet mit Haut (ca. 500 g), in drei gleich grosse Stücke geschnitten
2 grosse Fenchelknollen
1/2 Zitrone
Salz, Pfeffer
Olivenöl

Pro Lachsstück ein quadratisches Stück Backpapier. Lachs mit der Hautseite nach unten in eine Eckhälfte des Papiers setzen. Salzen und pfeffern.
Fenchel halbieren, Hälften längs nochmals halbieren und quer in Streifen schneiden. In einer flachen Pfanne den Fenchel in Olivenöl andünsten, mit Zitronensaft ablöschen, Salzen und pfeffern und zugedeckt ca. 3 Minuten dünsten, dann Deckel öffen und bei grosser Hitze grad solange weiterdünsten, bis keine Flüssigkeit mehr vorhanden ist. Fenchel auf den Lachs packen, das Papier diagonal übers Eck falten und gut verschliessen. Lachspäckchen auf einem Gitter im vorgeheizten Ofen bei rund 180 Grad 15 Minuten im Ofen garen.
Päckchen öffnen und erst mal eine Nase voll nehmen. Bei uns gab es dazu ganz simple Salzkartoffeln. Ein bisschen rosa Pfeffer hätte zum Schluss nicht geschadet - aber als mir das eingefallen ist, hat sich der Junghahn bereits über die Portion, die ich fotografiert hatte, hergemacht.

Und weil das ein Turbofisch ist, nehme ich damit zum ersten Mal beim Dauer-Event Cucina rapida von Man kann's essen teil.

Cucina rapida - schnelle Küche für Genießer. Ein Blog-Event von mankannsessen.de