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Montag, 12. März 2012

Tag der offenen Küche


Via Heike bin ich bei Stephs Kuriositätenladen und Ihrer Einladung zum Tag der offenen Küche gelandet. Ich habe in jede einzelne Küche gespickert, die vorgestellt wurde. Da konnte man so richtig hemmungslos durch fremde Schränke wühlen - virtuell zumindest, sah winzige Küchen, witzig eingerichtete Küchen, alte und auch neue Küchen und fand Ideen für die Aufbewahrung, auf die man selber nie gekommen wäre.

Und hier nun auch meine Küche - ziemlich steril, nix von gemütlicher Eckbank und so - dafür genug Arbeitsflächen, das ist auch was wert. Und steril sieht es auch nur aus, weil ich heute aufgeräumt habe.
Wir wohnen seit zwei Jahren in diesem Haus. Unsere Vormieter hatten die Küche komplett runtergewirtschaftet, so schlimm, dass unser Vermieter die ganze Küche einfach nur noch rausreissen und eine neue einbauen musste. In der deutschsprachigen Schweiz kauft man als Mieter nie eine Küche - die ist immer vorhanden. Bei unserer Küche durfte ich noch Wünsche anbringen. Ich hatte nur einen - und zwar einen 90er Herd. Das ist mein persönliches Highlight in dieser Küche.


Die offene Tür führt ins Wohnzimmer, links davon hängt die Chef-Küchenschürze, die 
ich - wenn ich dran denke - zum Kochen trage. Meist binde ich sie erst dann um, wenn ich mein Shirt bereits versaut habe. Links von der Schürze führt eine Tür ins Entrée. Auf dem Bild rechts mein breiter Herd mit einem gewöhnlichen Cerankochfeld, also nix Induktion.









Rechts vom Herd steht ein «Chöuelitopf», also ein Kellentopf. Diesen Topf habe ich mal von meiner Lieblingstante geschenkt gekriegt. Eigentlich wäre das eine Vase von einer bekannten Töpferin gewesen. Aber die Töpferin war mehr Künstlerin als Praktikerin und so hat das Kunstwerk als Vase absolut blöde Proportionen. Aber für meine Bratschaufeln und Schneebesen und Co. eignet sich der Topf seit mehr als 20 Jahren hervorragend.
Unter dem Herd gibt es breite Schubladen, in denen meine Töpfe und Pfannen verstaut sind.


Mein zweites Highlight ist das Fenster, welches über die ganze Küchenbreite geht. Direkt vor dem Küchenfenster ist mein Kräutergarten. Jetzt schaut er zwar noch ziemlich kahl aus, aber in ein paar Wochen wuchert mir das Bohnenkraut und der Liebstöckel fast zum Küchenfenster rein. Auf der Küchenfensterbank blüht das ganze Jahr irgendwas in den pinken Blumentöpfen. Das Baustellenschild am Fahrrad- und Gartenschuppen haben wir geklaut... also nicht wirklich... aber so ähnlich. Da war eine Baustelle in unserer Strasse und am Schluss haben die Bauarbeiter zwei Schilder einfach da gelassen. Nach drei Monaten lagen die immer noch im Gebüsch. Eins ziert nun unseren Schuppen, das andere den Garten unserer Nachbarinnen.













Und nun noch ein Blick in die Schränke. Und da tun sich dann Abgründe auf. Aromat flüssig und Aromat Streuwürze tummeln sich da quietschfidel neben Fleur de Sel. Ich gebe zu, bei mir kommt in die Salatsauce Aromat. Und auf meinem Frühstücksei mag ich auch Aromat. Jawoll.
Und dann gibt es noch einen Retro-Toaster, eine Küchenuhr aus den 60ern, ein Sammelsurium-Regal und ein bisschen Kunst. Der Till Eulenspiegel des verstorbenen Schweizer Künstlers Cäsar Spiegel begleitet mich bereits mehr als mein halbes Leben. Zu meinem 20. Geburtstag hatten mir meine Eltern dieses Bild geschenkt, resp. ich durfte es anlässlich einer Spiegel-Ausstellung aussuchen.
Und ganz vorne in der Ecke beim Fenster, da steht ein mudriges Gewächs - ein Veilchen. Ich sollte besser giessen und mehr reden mit dem armen Ding. Ich hab es geschenkt gekriegt, zum Muttertag vor zwei Jahren, vom Junghahn, von seinem Taschengeld bezahlt. Man mag Muttertag doof finden - ich hab mich trotzdem total darüber gefreut - obwohl ich Zimmerpflanzen ja eigentlich nicht mag. Vielleicht bräuchte das Veilchen mal einen neuen Topf und neue Erde...