Die Artischocken-Zeit ist wieder da und somit einer meiner liebsten Jahreszeiten, wenn es nur ein bisschen wärmer wäre. Im chinesischen Sternzeichen muss ich Eidechse sein. Ich liebe die Wärme, speichere meine Energie im Sommer für den Rest des Jahres. Jetzt merke ich, dass meine Batterie fast alle ist.
Ich habe erst als Erwachsene das erste Mal Artischocken gegessen. Ein so exotisches Gemüse gab es früher bei uns zu Hause nicht, vielleicht weil sie meiner Mutter völlig unbekannt waren, vielleicht weil wir zu viele waren, aber auch vielleicht weil es sie nicht zu kaufen gab. Eine größere Vielfalt an Lebensmittel, wie heute, hat es noch nie gegeben. Und trotzdem haben wir nicht schlecht gelebt, obwohl das Lebensmittel-Geschäft, in dem wir einkauften, nicht größer war als meine Küche und die ist nicht sehr groß.
Aber wir waren alle gut genährt, wie man auf diesem Bild sieht:
Auf diesem Foto fehlen noch zwei meiner jüngeren Geschwister, obwohl meine jüngste Schwester schon geboren war, aber wahrscheinlich war sie noch zu klein. Ich kann euch genau beschreiben, was hinter jedem Kopf von diesen Fünfen vorgeht:
Hinten links ist mein großer Bruder, der sich schon überlegt wie man das Gerät, mit dem die Aufnahme gemacht worden ist, in alle Einzelteile zerlegen könnte.
Neben ihm steht meine große, ernste Schwester. Sie muss als Vorbild fungieren. Wahrscheinlich steht unsere Mutter in der Ecke, in der sie hinschaut, um auf die Anweisungen zu achten, welche ihr gegeben werden.
Vorne links, das bin ich, ganz typisch für mich, mit den Händen in den Taschen. Ich denke mir: voll cool!
Daneben meine jüngere Schwester. Sie weiß nicht so recht was hier passiert und sucht sicher auch unsere Mutter, immer in der selben Ecke, oder denkt sich:"Wo ist das Vögelchen, von dem alle sprechen??"
Mein zweiter großer Bruder ist eher gelangweilt, er würde lieber was anderes machen und er weiß auch ganz genau was: der heißgeliebten Puppe seiner kleinen Schwester, die Schädeldecke zu kappen, um zu sehen, wie das mit den Schlafaugen funktioniert!!
Natürlich mußte man in einer neunköpfigen Familie auf vieles verzichten. Aber wir hatten so viel mehr, da war es nicht schlimm, dass es keine Artischocken gab.
So und jetzt zum heutigen Rezept:
Gnocchi di ricotta con carciofi auf gut deutsch Ricottagnocchi mit Artischockenherzen
Zutaten für 4 Personen:
- 300 g Ricotta romana
- 150 g Mehl
- 2 Eigelbe
- 20 g Parmesankäse, gerieben
- 5 Artischocken, Mamme, wenn möglich
- eine handvoll entsteinte Oliven
- 1 EL Kapern, in Essig gelegt
- wenig frischen Thymian
- ein Schuss Weisswein
- bestes Olivenöl
- Salz
- frischen Pfeffer
- Ich setzt Wasser auf, bringe es zum Kochen und salze es.
- Ich streiche die Ricotta durch ein feines Sieb und mische das Mehl, die Eigelbe, den Parmesankäse und das Salz unter. Der Teig sollte ein wenig ruhen können.
- Ich teile den Teig in 6 Portionen und forme jede Portion in lange, schmale Stränge. Diese schneide ich in ca. 4 cm lange Rhomben und lasse sie sofort portionsweise, ins kochende Wasser gleiten.
- In einer beschichteten Pfanne erhitze ich Olivenöl, fische mit einer Schaumkelle die Gnocchi aus dem Wasser und röste sie bei moderater Hitze rundum goldgelb.
- Und hier kommt der Trick: inzwischen hat mir Norbert schon die Artischocken zugeputzt! Wie man das macht, kann man hier sehen.
- Ich schneide die Herzen in Spalten, erwärme in einer anderen Pfanne nochmals Olivenöl, und röste sie darin an.
- Die Oliven schneide ich in grobe Stücke und streue sie, mit den abgetropften Kapern über die Artischocken.
- Ich zupfe die Blättchen des Thymians (immer noch vom eigenen Anbau) in die Pfanne, gieße den Wein an und würze mit Salz und Pfeffer.
- Jetzt mische ich das Ganze mit den Gnocchi, träufle noch etwas Olivenöl darüber und fertig ist dieses, für mich als Kind gänzlich unbekanntes Zeugs, das ich nie und nimmer gegessen hätte.
