
Neulich war ein Artikel in der Zeit über Reisen und da hieß es:"So lange aufs Gas treten, bis es warm genug ist für einen Kaffee im Freien."
Es wurden mehrere Stationen genannt. Unter anderem auch Meran und der Gardasee. Zwischen da und dort ist Temperaturmäßig kein Unterschied. Aber am See kommt bei uns sofort Urlaubs-Stimmung auf.
Wir sind am Bäume schneiden. Das heißt, Norbert schneidet, ich häcksle. Einen Olivenbaum schneiden muss man können. Ich kann es nicht und kann euch auch keine Einführung in dieser Kunst anbieten. Das Einzige was ich weiß, ist, dass auf allen Ästchen die nach unten hängen, Oliven wachsen, alle die nach oben zeigen, sind Ballast für den Baum.
Aber man muss dem Baum auch eine Form geben können und genau da würde es bei mir
scheitern.

Hier ein Beispiel von einem alten, knorrigem Baum vor und nach dem Friseur, zu zwei unterschiedlichen Tageszeiten, wie man am Licht sieht. Nachher sieht er kahl aus, aber er hat schnell wieder neue Triebe und hoffentlich viele, die nach unten wachsen.
Wenn so ein Baum erzählen könnte, hätte er allerhand zu berichten. In 150-200 Jahren erlebt man wahrscheinlich allerhand. Anderseits ist man durch die starke Verwurzelung auf die örtlichen Begebenheiten beschränkt. Im Grunde sehr ähnlich wie beim Menschen.

In jeder Ecke begegnet man dem Frühling. Hier eine Ansammlung von Blümchen, die stolz schon ihre Blüten zeigen. Ein Mandelbaum im Blütenkleid, Veilchen, wo man hinsieht, eine Küchenschelle, Pulsatilla, in der homöopathischen Medizin eine beliebte Arznei und ein Himmelschlüssel. Die hängenden Blüten sollen wahrscheinlich einen Schlüsselbund versinnbildlichen. Diese Blume sammle ich, aber nur die Blüte. Den Stängel lasse ich stehen, damit sich die Pflanze wieder zurückziehen kann und nächstes Jahr wieder eine Blume wächst. Ich trockne sie auf dem Dörrapparat und bewahre sie für Tee in einem gut verschließbaren Glas auf. Im Laufe des Jahres kommt noch so einiges an Tees dazu und aus diesen Blüten mischen wir alle 14 Tage eine andere Mischung an Kräutertee. Morgens wird bei uns Tee getrunken, zum Müsli. Den ersten Kaffee genießen wir erst so gegen 10.00 Uhr.
Himmelschlüssel-Tee soll unter anderem für folgende Beschwerden gut tun: Husten, Keuchhusten, Kopfschmerzen (aus: Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen).

Auch die Rhabarber-Staude sieht schon recht gut aus.

Das was da in der Mitte aussieht, als ob der Osterhase schon ein paar Eier versteckt hätte, sind die Knospen, die langsam hochschieben. Sobald sie in der richtigen Größe sind, werden sie abgeschnitten und gekocht. Kommt alles auf diese Seite.

Aber etwas sammle ich schon heute: den frischen Löwenzahn. Er wächst auf der ganzen Wiese.
In Südtirol wird er Zigori genannt und warum wohl? Der italienische Name ist Cicorie, sehr ähnlich gelesen wie unser Zigori.

Die Knospe ist auch schon da, die schneide ich aber heraus.
Wo sollte dieses feine Blättchen nicht gesammelt werden: auf Wiesen, die gedüngt werden, Mist oder Kunstdünger, oder solche auf denen Pestizide eingesetzt werden.
Ich mache Salat daraus. Aber es gibt noch viele andere Verwendungen.

Der Salat ist relativ einfach:
- Ich koche speckige Kartoffeln weich und schäle sie sofort, lasse sie dann auskühlen und schneide sie in Scheiben.
- Ich wasche den Salat und lasse ihn in der Salatschleuder in lauwarmen Wasser 20 Minuten liegen. Er wird dadurch ein bisschen weicher und entbittert.
- Ich koche zwei Eier hart, lasse sie nach dem Kochen in kaltem Wasser abkühlen, schäle auch sie und schneide sie in Spalten.
- Das Wasser von der Salatschleuder schütte ich ab und schleudere den Salat trocken.
- Ich schneide den Löwenzahn etwas kleiner und gebe ihn mit den Kartoffeln in eine Schüssel.
- Ich rühre ein Dressing aus Apfelessig, Olivenöl (1:2) und Salz an und schütte es über den Salat.
Auf dem Teller nimmt sich jeder noch Ei wieviel er möchte. Ich sage euch, ein Traumgericht.
Über der Gartenmauer hat mir dann noch meine Nachbarin erzählt, dass sie eine Focaccia macht mit diesem Gemüse. Wenn ich morgen Zeit habe erzähle ich euch davon.