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Sonntag, 16. August 2009

Bochum kulinarisch, Teil II: Finale bei Sonnenschein


Was so verregnet anfing, endete furios im Sonnenschein. Samstag und Sonntag hinderte das Wetter niemanden, das Gourmet-Festival „Bochum kulinarisch“ zu besuchen. Und trotzdem: Am Sonntag zwischen 18 und 20 Uhr schien es nicht so voll zu sein, wie es hätte sein müssen. Ob es daran lag, das der VfL gegen Schalke spielte? Irgendein Scherzkeks war auf die Idee gekommen, den Bongard Boulevard mit der Radio-Live-Übertragung des Spiels in ohrenbetäubendem Getöse zu beschallen. Als ob damit die Fußballfans angelockt würden. Im Gegenteil, die wahren Genießer wurden damit nur vergrault. Zudem verstand man nur Bahnhof bei diesen krächzenden Ansagen wie auf dem Bahnsteig.


Auch die Standbesatzungen wurden am fünften Tag der Fressorgie fahrig. Die großartigen Zanderwürstchen (Bild 1) der „Orangerie im Stadtpark“, die am Mittwoch noch so saftig mundeten, waren mittlerweile ziemlich ausgetrocknet, aber für 4,90 Euro immer noch ihr Geld als wert. Immer noch erstklassig waren am selben Stand die Kalbsschwanz-Ravioli mit Manchego und Rotweinbutter (2). Lieblos auf den Teller gehauen waren der zu sehr gegrillte Lachs mit frisch gebratenen sandigen Pfifferlingen in Yakisauce (3) beim „Sticks“ und der so gut wie ungewürzte Paillard vom Kalbsrücken mit altem Balsamico, Parmesanspänen und Feldsalat (4) beim „Strätlingshof“. Auf den Teller gehauen war auch das Stielmus (5) bei „Borgböhmer“, aber bei dem deftigen Eintopf passte es. Der Slowfoodie im Genießer wusste das zu würdigen, auch die Chili-Schinkenwürstchen, die dem regionalen Gericht internationale Würze verliehen. Richtig großartig waren die Desserts vom „Gasthaus Weiß“: der gefüllte Topfenknödel auf Vanillesauce (6) und die Caiprinhacrème auf frischen Beeren (7) waren nicht nur lecker, sondern auch bei Hochbetrieb hübsch angerichtet. Das hat die Kundschaft wohl bemerkt und kräftig zugelangt. So war der Nougat für die Knödelfüllung ausgegangen und musste durch Marillen ersetzt werden, genauso wie die frischen Blaubeeren zur Crème durch Erdbeeren. Doch das schmälerte den Genuss in keiner Weise.

Bochum kulinarisch, Teil I: Three Men on the Bummel

Mittwoch, 12. August 2009

Bochum kulinarisch: Three Men on the Bummel

Bei strömendem Regen musste heute die arme Bochumer Oberbürgermeisterin Dr. (soviel Zeit muss sein) Ottilie Scholz das diesjährige Gourmet-Festival „Bochum kulinarisch“ eröffnen. Mit der mittlerweile traditionellen Köche-Parade schritt sie, durch große Schirme gegen das himmlische Nass geschützt, den Bongard Boulevard mit den chicen Pagodenzelten ab, um mit einer kurzen Ansprache und dem Tusch einer Jägerkapelle den Startschuss zu geben.

Die widrigen Witterungsverhält- nisse hinderten die Großen Drei unter den Genussbloggern im Ruhrgebiet nicht daran, dem Ereignis ihre Reverenz zu erweisen. Der Mahlzeitvogel, der Weindeuter und der Genießer testeten vier der 16 angetretenen gastronomischen Betriebe. Einmütig wurde der Currywurst-Garnelen-Spieß vom „Kümmelkopp“ als optischer Blender entlarvt. Gut aussehend, war er eine unraffinierte Kombination gängiger kulinarischer Klischees der Bochumer Szene-Gastronomie. Das Rumpsteak vom „Meistertrunk“ aus Herne roch zwar gut, war aber zu dünn und schmeckte bitter, wie der Mahlzeitvogel befand. Wohlwollend wurde sich die halbe Ente vom „Haus Oekey“ einverleibt, die sich der Weindeuter und der Mahlzeitvogel brüderlich teilten. (Der Genießer stibitzte sich nur eine Entenkeule vom gemeinsamen Teller und nagte sie mit Appetit ab.)
Höhepunkt jedoch war das gastronomische Angebot von der „Orangerie“ im Bochumer Stadtpark. Der neue Küchenchef Michael Hau hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und gastronomische High-End-Kreationen gezaubert. Fein und elegant kamen die Weißwurst-ähnlichen Würstchen vom Zander auf Orangenlinsen mit Senfschaum rüber. Der gepökelte Spanferkelnacken auf Kartoffel-Erbsen-Püree und Backpflaumen-Zwiebelconfit zerging auf der Zunge. Und die Hüttenkäsemousse als Dessert war eine fluffig-raffinierte Käsekuchen-Erfahrung der besonderen Art, nur ohne Kuchen – nicht zu vergessen die großartige eingelegte Baumtomate als Beilage, die wie eine zuckersüße exotische Frucht daher kam.
Über die angebotenen Weine lesen Sie bitte beim Weindeuter nach. Aber eigentlich war es ein Ausflug ins bierselige Fiege-Land.


Bochum kulinarisch, Teil II: Finale bei Sonnenschein