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Dienstag, 16. November 2021

Sonntagskaffee: Zweierlei Madeleines frei nach Léa Linster



Eigentlich müsste ich ja als alter Winnetou-Experte auf die Bezeichnung „Bärentatzen“ für dieses hübsche Kaffeegebäck abfahren, aber irgendwie finde ich den Namen „Madeleines“ romantischer. Das mag an einer Kindheitserinnerung liegen, die noch etwas länger her ist als mein erster Besuch eines Winnetou-Films mit sieben Jahren im Jahr 1962 (genau gesagt war es „Der Schatz im Silbersee“), die aber durchaus auch irgendwie prägend war. Bereits im Jahr 1960 hatte Vico Torriani schließlich den Hit „Kalkutta liegt am Ganges“, und so schmetterte ich als Fünfjähriger mit wachsender Begeisterung die Zeilen: „Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, doch dass ich sooo verliebt bin, das liegt an Madeleine.“

Das fiel mir im Jahr 2015 wieder ein, als ich auf der Suche nach einem typischen französischen Gebäck für den Kochkurs „Neues aus Bistro, Trattoria und Taverne“ auf ein Rezept von Léa Linster stieß. Für die Luxemburger Sterne- und TV-Köchin sind Madeleines sozusagen eine Art signature dish; ein paar Jahre lang betrieb sogar neben ihrem Sterne-Restaurant ein Bistro mit diesem Namen im luxemburgischen Ort Kayl.

Der Teig für Léa Linsters Madeleines besteht aus gemahlenen Mandeln, flüssiger brauner Butter, viel Zucker und wenig Mehl. Mir scheint das Rezept ziemlich slow-food-kompatibel. Statt so etwas Neumodisches wie Backpulver nimmt Léa Linster wie einst Henriette Davidis Eiweiß als Treibmittel, und der Teig muss ganz slow 24 Stunden ruhen, bis er gebacken werden kann. Heraus kommt dann ein köstliches, an Eierplätzchen erinnerndes Backwerk, außen knusprig und innen fluffig.

Zweierlei Teig wird in die Madeleine-Formen gefüllt.


Durch den karamellisierten Zuckeranteil im Teig sind die
Madeleines außen schön knusprig, innen fluffig.

Im Blog kamen die Madeleines bislang nur in der Berichterstattung über den damaligen Kochkurs vor (klick hier). Als Solitär habe ich sie bislang noch nicht gebracht, und das will ich nun nachholen. Allerdings habe ich für meine Version den Teig auf eine für meinen Singlehaushalt ausreichende Menge reduziert und gleich noch eine weitere Variante ausprobiert, bei der ich die Hälfte des Teiges mit geschmolzener Kuvertüre versetzte und so wunderbare Schokoladen-Madeleines bekam.


Rezept: Zweierlei Madeleines frei nach Léa Linster

Ergibt 36 Stück 

125 g Butter
125 g Puderzucker, gesiebt
4 Eiweiß
50 g fein gemahlene Mandeln
40 g Mehl, gesiebt
50 dunkle Kuvertüre
weiche Butter zum Einfetten der Formen

Den Teig einen Tag im Voraus zubereiten. Butter in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze schmelzen lassen, bis sie eine goldbraune Farbe und ein nussartigen Geruch angenommen hat. Sofort vom Herd nehmen, den entstandenen Schaum etwas abschöpfen und die heiße Butter durch ein feines Sieb abgießen. Lauwarm abkühlen lassen.
Puderzucker durchsieben und zusammen mit dem Eiweiß glattrühren. Mehl durchsieben, mit den gemahlenen Mandeln und Mehl vermischen und unter die Eiweiß-Zucker-Mischung rühren. Zum Schluss die Butter dazugeben und gut vermischen. Den Teig über Nacht bedeckt im Kühlschrank ruhen lassen.
Am nächsten Tag Kuvertüre im Wasserbad schmelzen lassen und abkühlen lassen, ohn dass sie wieder hart wird. Die Hälfet es Teiges abnehmen und mit der flüssigen Kuvertüre gut verrühren, so dass eine gleichmäßig braune Masse entsteht.
Backofen auf 200°C vorheizen. Madeleines-Formen dünn mit weicher Butter einfetten, jeweils einen knappen Esslöffel Teig in jede Form geben, so dass sie zu zwei Dritteln gefüllt sind. Madeleines im vorgeheizten Backofen erst 3 Minuten bei 200°C backen, dann die Temperatur auf 180°C herunterschalten und in 12 bis 15 Minuten fertig backen. Kurz abkühlen lassen und aus den Formen lösen. Auf einem Kuchengitter abkühlen lassen. 


Montag, 11. Oktober 2021

Herbstvergnügen: Apfelröschen nach Art einer französischen Apfeltarte mit Weinbergpfirsichglasur


Neulich spülte mir der Erinnerungs-Algorithmus von Facebook mein fünf Jahre altes Foto von einer Tarte vigneronne in die Timeline, einem einfachen Apfelkuchen von der Loire, bei der die Äpfel mit Rotwein glasiert werden. Trotz des wunderbaren Oktoberlichts, bei dem ich die Fotos damals machen konnte, postete ich das Rezept, das übrigens von Margit Kunzke stammte (klick hier), nicht in meinem Blog – ich glaube, weil ich das Gefühl hatte, zu wenig Apfel auf meinem Mürbeteigboden zu haben. Das brachte mich auf die Idee, gestern das Ganze noch einmal in Tartelette-Form zu realisieren, zumal ich auf Instagram das Foto eines Anrichte-Meisters gesehen hatte, der auf seinem Törtchen völlig gleichmäßig millimeterdick geschnittene Apfelscheiben zu einer Art Riemchenmuster zusammen gesetzt hatte.


Bio-Äpfel Elstar

Mir war klar, dass ich diese Präzision nicht fertig bringen würde, aber ausprobieren wollte ich es doch. Also machte ich einen einfachen Pâté brisée, d.h. Mürbeteig nur aus Mehl und Butter, und schlug damit die gut ausgebutterten und mit Semmelbrösel ausgestreuten Vertiefungen einer Muffinform aus. Auf den Böden dieser Teigbecherchen verteilte ich jeweils etwas Salzkaramell, weil mich das an die klassische Tarte Tatin erinnerte. Dann hobelte ich meine hübschen kleinen Bio-Elstar-Äpfel in millimeterdicke Scheiben und füllte sie fächerartig in die Teigbecherchen – heraus kamen wunderschöne, an Rosenblüten erinnernde Gebilde, auf die ich noch ein paar kleine Mandelstückchen streute..


Dünn gehobelte Äpfel


Vor dem Backen in der Muffinform

Zuerst hatte ich die Befürchtung, dass die die Apfelscheibchen beim Backen zu Apfelmus zerfallen würden, aber dem war nicht so. 20 Minuten buk ich die Törtchen bei 200 Grad Umluft, dann reduzierte ich die Temperatur für weitere 10 Minuten auf 160 Grad Ober-Unterhitze, und die Tartelettes waren perfekt. Und weil ich Förmchen so schön ausgbuttert hatte, konnte man sie auch ohne Probleme entnehmen.


Marmelade als Kunstwerk:
Roter Weinbergpfirsich Glas 8/170, Dobribans Edition



Glasur altrosa

Die Tarte vigneronne wurde damals mit Rotwein glasiert, eine klassische französische Apfeltarte mit Aprikosenmarmelade. Nun denn, ich hatte etwas ganz Seltenes. Der Düsseldorfer Künstler Arpad Dobriban hat für sein Geschmacksarchiv echte Weinbergpfirsiche von einem Anbau in Kettig bei Koblenz eingekocht (klick hier). Davon konnte ich zwei Gläser ergattern. Für die Glasur meiner Apfelröschen verrührte ich zwei Esslöffel davon mit etwas Wasser und erhitzte das Ganze, bis es flüssig genug war. Mit dem Pinsel dünn aufgetragen, verlieh die tiefrote, fast purpurne Glasur den Apfelröschen eine fast sakrale anmutende, altrosa Farbe.


Herbstvergnügen

Gemeinsam mit einem Gläschen herbem Cidre vom Niederrhein waren die Apfelröschen dann ein Herbstvergnügen der besonderen Art. Wunderbar anzusehen, entfaltete sich auf einer leicht bitter-herben Basis eine sehnsuchstvolle Süße.

Pointe zum Schluss: Mächtig stolz auf meine Kreation, entdeckte ich am gleichen Abend noch das Foto eines fast identischen Apfeltörtchens auf Instagram, nur nicht aus hausgemachtem Mürbeteig, sondern aus gekauftem Blätterteig. Und der Hashtag #blätterteigröschen unter dem Bild führte mich zu Dutzenden ähnlichen Bildern…


Rezept: Apfelröschen nach Art einen französischen Apfeltarte mit Weinbergpfirsichglasur

12 Tartelettes

Für den Mürbeteig:

220 g Mehl
80 g Zucker
1 Prise Salz
150 g kalte Butter in kleinen Stücken
2 EL Wasser

Zum Ausbuttern der Form:
12 haselnussgroße Stck Butter
Semmelbrösel

Für die Röschen:

12 TL Salzkaramell (Fertigprodukt, oder selbst gemacht Rezept hier)
12 kleine rote Äpfel, z.B. Elstar
evtl. etwas Zitronensaft
2 EL kleine Stücke Mandelsplitter

Für die Glasur:

2 EL Weinbergpfirsichmarmelade (oder andere rote Marmelade)
1 EL Wasser

Mehl in eine Schüssel sieben. Zucker, Butter, Salz und zwei EL Wasser hinzufügen. Mit den Händen 15 Minuten zu einem glatten Teig verkneten. Teig zudeckt 1 Stunde ruhen lassen. ie Vertiefungen einer Muffinform ordentlich ausbuttern und mit Semmelbrösel ausstreuen. Teig in 12 Stücke zerteilen. Zwischen Klarsichtfolie jeweils zu 4 Millimeter dicken Kreisen ausrollen und damit die Vertiefungen zu Teigbecherchen ausschlagen. Überstehend Ränder abschneiden und etwas nach innen drücken. Je einen TL Salzkaramell auf dem Boden der Teigbecherchen verteilen.
Aus den Äpfeln die Kernhäuser mit einem Ausstecher entfernen. Je einen Apfel mit einem Gemüsehobel in 1-2 Millimeter dicke Scheiben hobeln. Teigbecherchen mit den Apfelscheiben überlappend in Form einer Spirale auskleiden, so dass der Eindruck einer Rosenblüte entsteht. Mit Mandelsplittern bestreuen.
Im auf 200 Grad Umluft vorgeheizten Ofen 20 Minuten backen. Dann den Ofen auf 160 Grad herunterschalten und bei Ober-Unterhitze 10 Minuten weiterbacken. Aufpassen, dass die Apfelscheiben an den Rändern nicht verbrennen. Aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen.
Marmelade mit etwas Wasser verrühren und in einem Topf erhitzen. Mit einem Pinsel die Glasur dünn auf die Apfelröschen auftragen. Apfelröschen aus der Form nehmen.

Montag, 16. November 2020

Nachgebacken: Apfel-Galettes mit Walnüssen und Salzkaramell


Ausgerechnet in dem österreichischen Kochblog „Cooking Catrin“ habe ich dieses schöne Rezept entdeckt, das mich an die Bretagne erinnerte (klick hier). Galettes heißen dort nicht nur gewisse Arten von Crêpes, sondern auch kleine Kekse, die mit Salzbutter hergestellt werden. Daran musste ich denken, als ich das Rezept für den einfachen Mürbeteig las. Und das Salzkaramell, das als Topping auf die fertigen Galettes kommt, ist ebenfalls eine Spezialität aus der Bretagne.

Äpfel der Sorte Ingrid-Marie und Walnüsse

Weil gestern eine Wiederholung des ersten Kommissar-Dupin-Krimis lief und mich im Biomarkt die rotbäckige Ingrid-Marie anlachte, eine wunderbar aromatische, süß-säuerliche Apfelsorte, habe ich das Ganze einfach nachgebacken. Natürlich mit einigen Veränderungen. Statt einem großen Kuchen aus 500 g Mehl, machte ich aus 300 Gramm 4 kleine Teilchen, die aber immer noch eine schöne Portionsgröße hatten. Zudem nahm ich nicht ausschließlich Weizenmehl, sondern ersetzte die Hälfte durch Buchweizenmehl. Buchweizen ist aus der bretonischen Küche schließlich nicht wegzudenken. Statt Pecannüssen nahm ich Walnüsse; das schien mir passender. Im Originalrezept wird ein österreichisches Spezialsalz aus Bad Ischl verwendet; ich hingegen nahm selbstverständlich Fleur de Sel aus der historischen bretonischen Salzstadt Guérande.

 
Selbst gemachtes Salzkaramell

Überhaupt, das Salzkaramell. Ich war überrascht, dass es mir beim ersten Mal so schön gelang. Beim Schmelzen des Zuckers gab ich mir aber auch richtig Mühe. Immer wieder nahm ich den heißen Topf vom Feuer, damit er nicht zu dunkel und damit zu bitter wurde. Dann ließ ich Butter darin schmelzen, kochte die Masse mit Sahne auf und gab eine Prise Fleur de Sel hinzu – bloß nicht zu viel.


Im Glas: Apfelpunsch

Es wurde ein schöner Nachmittag auf dem Balkon. Der Sankt-Martins-Sommer brachte Mitte November milde bretonisch Temperaturen, so dass ich den sanft gewürzten Apfelpunsch vom Niederrhein erst gar nicht warm machte. Wäre es kälter gewesen, hätte ich wohl noch einen Schuss Calvados hinein getan.

Zutaten für den Teig mit Weizen- und Buchweizenmehl

Vor dem Backen

Nach dem Backen 

Rezept: Apfel-Galette mit Walnüssen und Salzkaramell
Ergibt 4 Teilchen

Teig:
150 g Weizenmehl
150g Buchweizenmehl
30 g Zucker
1 Prise Salz
120 g kalte Butter
2 Eier
1 EL Wasser

Füllung:
3-4 kleine Äpfel
1-2 TL Zimt
4 Walnüsse

Weizen- und Buchweizenmehl, Zucker und Salz miteinander vermischen. In Stücke geschnitten kalte Butter unterheben, Eier und 1 El Wasser dazugeben und alles miteinander verkneten. Teig für einen Haleb Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Aus den Äpfel das Kerngehäuse schneiden. Äpfel in dünne Spalten schneiden. Spalten mit Zimt marinieren. Walnüss knacken und in Stücke zerstoßen.
Teig in vier gleich große Stücke schneiden. Jedes Stück auf einer bemehlten Arbeitsplatte zu einem Kreis mit 15 cm Durchmesser ausrollen. Die Mitte mit Apfelspalten auslegen, dabei einen Rand von 2,5 cm lassen. Einige Stücke Walnüsse darauf streuen. Den Rand über die Apfelspalten schlagen und festdrücken.
Galettes auf eine mit Backpapier ausgeschlagenes Backblech legen um im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad ca. 35 Minuten lang backen.

Salzkaramell:
100 g Zucker
25 g Butter
120 ml Sahne
1Tl Salz

Einen Topf mit schwerem Bocen erhitzen. Zucker hineingeben und schmelzen lassen. Dabei wird der Zucker braun. Sarauf achten, dass er nicht zu dunkel wird. Evtll. vom Feuer nehmen. In den geschmolzenen Zucker die Buttergeben, schmelzen lassen und unterrühren. Sahen dazu geben, alles aufkochen lassen. Salz dazu geben und etwas weite kochen lassen. Vom Feuer nehmen und auskühlen lassen.

Anrichten:
Puderzucker

Zum Anrichten der Gallettes mit Salzkaramell beträufeln und Puderzucker bestreuen.

Zum Original-Rezept auf "Cooking Catrin" klick hier.
Zu weiteren bretonisch inspirierten Rezepten auf "Genussbereit" klick hier.



Samstag, 28. Dezember 2019

Weihnachts-Nachlese: Aus dem Leben des Scarabaeus sacer oder Amaretti zum Kaffee

Weihnachtszeit – Zeit für Fernsehköche: Zum gemütlichen Kaffee unterm Weihnachtsbaum kamen diesmal neben den bewährten Cantuccini nach Johann Lafer (Rezept hier) auch Amaretti nach einem Rezept der WDR-Kochveteranen Martina (Meuth) und Moritz (alias Bernd Neuner-Duttenhofer) zum Einsatz (Rezept beim WDR hier). Beides erwies sich zuerst als harte Kost. Doch nach dem Einweichen im Kaffee kam es im Mund zu einer betörenden Aromenexplosion – herrlich!

Die Amaretti-Produktion ist in vollem Gange

Die Amaretti wurden in zwei Rationen gebackenen. Einmal waren die fertig gemahlenen Mandeln weiß, d.h sie waren vor dem Mahlen blanchiert und von der braunen Haut befreit worden. Entsprechend hell wurden die fertigen Amaretti, der rohe Teig sah aus wie Marzipan. Beim zweiten Beutel, diesmal in Bio-Qualität, hatte man aufs Blanchieren und Häuten verzichtet und so wurden die fertigen Amaretti dunkel. Der Bio-Teig hatte übrigens Färbung der Fleischmasse, aus der man Frikadellen macht.

Helle Amaretti aus blanchierten und gemahlenen Mandeln.
Der rohe Teig sieht aus wie Marzipan. 

Dunkle Amaretti aus unblanchierten Bio-Mandeln.
Ungebacken sehen sie aus wie kleine Frikadellen.

So hat der Genießer dieses Jahr etwa 100 Amaretti in Haselnussgröße zwischen den Handflächen gerollt - was übrigens am besten mit Küchenhandschuhen geht, der viele Zucker im Teig ist ganz schön klebrig. Er kam sich schließlich wie ein Scarabaeus sacer vor, jener Käfer aus den südafrikanischen Wüsten, den sie auch den Heiligen Pillendreher nennen.



Der Genießer alias Scarabaeus sacer beim Amaretti drehen

Rezept: Amaretti
Ergibt ca. 50 Stück

220 g Zucker
200 g gemahlene Mandeln
2 Eiweiße
1 EL Mehl
1 TL Speisestärke
1/2 Fläschchen Bittermandelöl
1 Prise Salz
Puderzucker zum Bestäuben

Eiweiße mit einer Prise Salz leicht aufschlagen, bis sie gerade eben weiß geworden sind. Dann die Mandeln untermischen, Mehl und Stärke dazu sieben. Zuletzt den Zucker und das Bittermandelaroma hinzufügen.
Die Mandelmasse durchkneten. Kugeln zwischen den Handflächen in Haselnussgröße rollen. Das Geht am besten mit Küchenhandschuhen. Kugeln auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen.
Bei 100 Grad Heißluft oder 120 Grad Ober- und Unterhitze eine knappe Stunde mehr trocknen als backen. Sie müssen sich leicht auf dem Papier verschieben lassen. Dann sind sie richtig. Auskühlen lassen.

Sonntag, 22. September 2019

Herbstvergnügen: Vom Werden einer Tarte Tatin aus Buchweizenmehl mit Zwetschgen bei spätsommerlichem Sonnenschein

Bei meinem kurzen Urlaub in der Bretagne im Februar wurde ich auf den Buchweizen aufmerksam, der so etwas wie das Nationalgetreide der Bretonen ist, obwohl er gar kein Getreide ist. Dennoch kann man mit Buchweizenmehl normales Weizenmehl ersetzen, was sogar den Vorteil hat, dass es glühenfrei ist. Die Bretonen machen daraus mit Vorliebe Crêpes und Galettes (klick hier), und auch hierzulande gilt der Buchweizenpfannkuchen durchaus als Delikatesse.

Ich hatte im Bioladen ein paar schöne Zwetschgen gekauft, und als ich auch noch auf dem Regionalmarkt in Witten-Herbede frische Eier vom Archhof Ibing ergattern konnte, kam mir die Idee, eine Tarte Tatin mit Zwetschgen zu machen, experimentehalber aber mit einem Teig aus Buchweizenmehl, also französisch ausgesprochen eine „Tarte Tatin aux prunes de blé noir“.

Es wurde eine einfache, pseudo-bretonisch rustikale Sache. Für den Teig knetete ich 250 g Buchweizenmehl, 120 g Butter, 120 g Zucker, 2 Eier, etwas Backpulver und eine Prise Salz zu einem Teig. Das ergab eine recht klebrige, zähe Masse, die ich zwischen zwei Lagen Backpapier zu einem Fladen ausdrückte, der ungefähr den gleichen Durchmesser wie meine eiserne Crêpes-Pfanne hatte, in dem ich die Tarte Tatin backen wollte. Den Fladen legte ich für ein Stündchen zum Ruhen in den Kühlschrank.

Als es soweit war, karamellisierte ich die halbierten und entkernten Zwetschgen mit etwas Butter und Zucker in der Crêpes-Pfanne, legte den Teigfladen darauf, drückte in am Rand fest und buk alles bei 200 Grad für eine halbe Stunde.

 Schöne Zwetschgen...

 ... in der Pfanne karamellisiert ...

 ... mit Buchweizenmehl-Teig bedeckt und gebacken ...

 ... gestürzt ...

... und mit Quark serviert.

Im Nachhinein würde ich sagen, dass es für die 500 Gramm Zwetschgen und meine relativ kleine Pfanne etwas zu viel Teig war, zwei Drittel davon hätten auch gereicht. Doch im Endeffekt war es gar nicht schlimm, dass der Teiganteil an der Tarte so groß war. Denn der Buchweizen buk sich wunderbar aus, und es wurde ein schöner lockerer, leicht sandiger, nicht zu süßer und nussig schmeckender Kuchen, der im Mund sofort angenehm zerfiel. Fürs Rezept unten habe ich die Mengen angepasst. In Ermangelung von Crème fraîche tat ich einen Klecks Magerquark dazu, der noch eine schöne Säurenote brachte.



Rezept: Tarte Tatin aus Buchweizen mit Zwetschgen

Korrigierte Zutatenmenge für 500 Gramm Zwetschgen und eine Pfanne von 23 cm Durchmesser:
150 g Buchweizenmehl
80 g Butter
80 g Zucker
1 Ei
1 TL Backpulver

500 g Zwetschgen
2 El Zucker
1 El Butter

Buchweizenmehl, Butter, Zucker, Ei, Backpulver und Salz am besten mit der Hand gut verkneten. Zwischen zwei Lagen Backpapier zu einem Fladen mit dem Durchmesser der Backform breit drücken und 1 Stunde ruhen lassen, am bestem im Kühlschrank.

Zwetschgen halbieren und entkernen. In eine eisernen Pfanne Zucker in Butter schmelzen lassen. Die Zwetschgenhälften dazu geben und karamellisieren lassen. Den ausgeruhten Teigfladen darauf legen, am Rang festdrücken und die Tarte im 200 Grad vorgeizten Ofen 30 Minuten backen. Fertige Tarte aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen und auf eine Tortenplatte stürzen. Lauwarm mit Crème fraîche oder Magerquark servieren.

Dienstag, 16. Juli 2019

Gib mich die Kirsche: Clafoutis aux Cerises aus Buchweizenmehl


Rote Kirschen ess ich gerne, schwarze noch viel lieber: Als der Genießer neulich im Supermarkt, schrie ihn die Auslage in der Obstabteilung an wie weiland der langjährige Dortmunder Fußballer Lothar Emmerich seine Mitspieler: „Gib mich die Kirsche!“ Prall , knackig und saftig lagen die verführerischen Dinger da – Hochsaison.

Prall und knackig: Kirschen haben Saison

Also entschloss ich mich, endlich einmal Clafoutis mit Kirschen zu machen, den berühmten französischen Obstauflauf-Kuchen. Das ist denkbar einfach. Mehl, Zucker, Eier, Milch und Prise Salz werden miteinander verrührt, in einen Auflaufform gegossen, die Kirschen darin versenkt und das Ganze dann gebacken. Hartgesottene Freunde des Rustikalen lassen die Kerne natürlich drin.

Weil es sich dabei eigentlich um einen etwas dickeren Pfannkuchenteig handelt, kam ich auf die Idee, das Weizenmehl wie bei einem bretonischen Crêpe durch Buchweizenmehl zu ersetzen. (Hätte ich altbackene Brötchen genommen und beim Servieren süße Sahne statt Crème fraîche, wäre es übrigens ein treudeutscher Kirschenmichel geworden.)

Das Backen war ein wenig abenteuerlich

Ich weiß nicht, woran es lag - an meinem in die Jahre gekommenen Backofen, an meiner dickwandigen Auflaufform, am Buchweizenmehl, an meiner mangelnden Erfahrung : jedenfalls war der Teig nach der im Rezept vorgeschriebenen halben Stunde Backzeit noch lange nicht durch. Es dauerte schließlich fast 50 Minuten. Und auch dann war er immer noch etwas seltsam. Er schmeckte durchaus fantastisch und war im Zusammenspiel mit den Kirschen auch wunderbar saftig, farblich aber etwas grau. Und die Konsistenz war irgendwie gummiartig, dass man den Kuchen nicht mal der Schwiegermutter zum Kaffee hätte anbieten wollen.

Resteversion: Als Schmarrn aus der Pfanne

Also zerzupfte der Genießer den fertigen Clafoutis in Stücke, die er wie einen Kaiserschmarrn mit reichlich Butter in der Pfanne anbriet und dann noch einmal mit Puderzucker bestaubte. Schließlich entspricht der Teig auch dem des bekannten österreichischen Nationalgerichts. Diese Version fand ich übrigens noch besser!



Rezept: Clafoutis aux Cerises (Kirschauflauf-Kuchen)

350 g Kirschen
2 Eier
100 g Weizen- oder Buchweizenmehl
50 g Zucker
200 ml Milch
Salz
Butter für die Form
Puderzucker zum Bestäuben
Crème fraîche zum Servieren

Eier, Mehl, Zucker und Milch miteinander verrühren und eine Stunde ruhen lassen. Eine Auflaufform mit 20 cm Durchmesser kräftig ausbuttern, den Teig hineingießen und die Kirschen darin versenken. Im Ofen bei 160 Grad 30 bis 60 Minuten backen, bis der Kuchen goldbraun und durch ist.
Am besten lauwarm servieren. Mit Puderzucker bestäuben und ggf. Crème fraîche dazu reichen.

Resteverwertung: Kuchen zerzupfen und die Stücke wie einen Schmarrn in Butter kräftig aufbraten. Mit Puderzucker bestäuben.

Montag, 13. Mai 2019

Sonntagskaffee: Blaubeertarte mit Mandelcrème

Fürs Foto kam mal wieder Omas fast 100 Jahre
altes Hochzeitsservice zum Einsatz.

Ob es wirklich klug war, die Blaubeeren zu kaufen, die verschiedene Supermarktketten zum Muttertag im Angebot hatten, weiß ich nicht. Jedenfalls wurden die z. T. weintraubengroßen Dinger auch nicht aromatischer, als ich sie fürs Foto aus dem müllintensiven Plastikeimer, in dem sie abgepackt waren, in ein naturnah wirkendes Spankörbchen umfüllte. Die Tartes, die ich dann daraus backte, waren aber trotzdem ganz lecker, weil ich die Mandelcrème, mit der ich den Blätterteig bestrich, bevor die Beeren darauf kamen, kräftig fruchtig und frisch mit Zitronenschale und Minze aufpimpte.

Fotogen umgefüllt: dicke, aber nur wenig aromatische Blaubeeren

Dass ich TK-Blätterteig (und nicht etwa Mürbeteig) nahm, lag einfach daran, dass ich noch eine Packung im Tiefkühler hatte. Wer Lust hat, kann ihn auch relativ einfach selbst machen. Man braucht nur etwas Zeit. Ein Rezept gibt es hier.


Rezept: Blaubeertarte mit Mandelcrème
6 Tartes

500 g Blaubeeren
1 Packung TK-Blätterteig mit sechs quadratischen Teigscheiben (300 g)
1 Ei
60 g Zucker
60 g Butter
75 g gemahlene Mandeln
ausgekratztes Mark von 2-3 cm Vanilleschote
Schalenabrieb ein halben Zitrone
1 TL frische oder getrocknete Minze

Die TK-Blätterteigscheiben nebeneinander legen und auftauen lassen, bis sie geschmeidig sind.
Für die Mandelcrème weiche Butter, Zucker, Ei und gemahlene Mandeln mit einander verrühren, Ausgekratztes Vanillemark, Zitronenabrieb und Minze unterheben und eine geschmeidige Masse herstellen.

Die Ränder der Blätterteigscheiben fünf Millimeter einschlagen und festdrücken. Mandelmasse in den so entstandenen Vertiefungen verteilen. Gehörig Blaubeeren darauf und bei 220 Grad auf einem mit Backpapier bedeckten Blech 20 bis 30 Minuten backen, bis der Teig aufgegangen und braun geworden ist. Am besten lauwarm servieren.

Ein einfaches Rezept für selbst gemachten Blätterteig gibt es hier.



Sonntag, 1. April 2018

Auf dem Balkon: Pasteis de Nata zum Osterkaffee

Enthält unbeauftragte WERBUNG

Pasteis de Nata (das ist der Plural, eines allein heißt Pastel de Nata) sind eine portugiesische Spezialität. Dabei handelt es sich um Puddingteilchen aus Blätterteig. Es gibt sie im ganzen Land; besonders beliebt sind die Pasteis aus Belem, einem Stadtteil von Lissabon, um die ein regelrechter Kult betrieben wird. Eigentlich sind sie kein typisches Ostergebäck, aber die Füllung, eine Mehlschwitze aus mit Zitronenschale, Zimt oder Vanille aromatisierter Milch und einem gehörigen Anteil Zucker, wird mit zahllosen Eigelb gestockt, dass sie gut und gerne vom Osterhasen gebracht werden können.

Am besten schmecken sie ganz frisch aus dem Ofen, denn der Blätterteig verliert schon nach kurzer Zeit seine knisternde Konsistenz. Die Dinger schmecken dann immer noch, gehören aber eher in die Kategorie „Gutes von gestern“. So hatte ich den Ehrgeiz, Pasteis de Nata komplett selbst zu machen - auch den Teig, obwohl es allgemein nicht als ehrenrührig gilt, Convenience-Blätterteig zu verwenden.

Der Blätterteig wird in mehreren Touren ausgerollt.

Dann werdendie Kreise ausgestochen.

Mein selbstgemachter Blätterteig basierte auf einem fettreduzierten Rezept, das ich schon einmal verwendet hatte (klick hier). Er besteht aus je einem Drittel Mehl, Butter und Quark sowie einer kräftigen Prise Salz. Diese Zutaten werden vorsichtig miteinander verknetet und dann ausgerollt, zu drei Schichten zusammenfaltet und wieder ausgerollt. Diese sog. Tour wiederholt man so oft wie möglich und lässt den Teig zwischendurch immer wieder ruhen. Dabei wird die Geduld ganz schön strapaziert, den es gilt: je mehr Touren und je länger die Ruhezeiten, desto feiner und blättriger wird das Ergebnis. In der letzten Woche hatte ich dreimal Pasteis de Nata gebacken, und die Ergebnisse waren nicht übel. Aber richtig überzeugt war ich erst, als ich die Teigreste verbackte, die insgesamt vier Tage im Kühlschrank geruht hatten. Diese Pasteis de Nata waren so leicht, luftig und knusprig wie man es sich nur vorstellen kann.

 In die Füllung kommen zahlreiche Eigelbe.

Dann werden die Teigbecher gefüllt.



Das gleiche gilt auch für die Füllung. Ich hatte ein traditionelles Rezept mit einem sehr hohen Zuckeranteil gefunden. Dadurch kann man sie ebenfalls problemlos mehrere Tage im Kühlschrank lagern, aber sie bekommt auch einen fast orientalisch penetrant-süßen Geschmack. Beim zweiten Backen verlängerte ich die vorhandene Füllung kurzerhand mit ungesüßter Milch-Mehl-Schwitze, was aber nur wenig brachte. Bei dritten Mal gab ich einfach noch einen gehörigen Schuss Kondensmilch (jawohl, Kondensmilch!) hinzu, und das Ergebnis überzeugte. (Im Rezept unten habe ich von vornherein den Zuckeranteil entsprechend reduziert.)


Bei wunderbarem Frühlingswetter stand dann dem ersten diesjährigen Kaffeetrinken auf dem Balkon samt entsprechender Fotosession nichts mehr im Wege. Um den portugiesischen Touch abzurunden, gab’s auch noch ein Gläschen Portwein dazu. Im Nachhinein bin ich froh, dass schon am Karsamstag gemacht zu haben, denn das Wetter am Ostersonntag war doch sehr bescheiden. Selbstverständlich wurden alle Pasteis de Nata sofort aufgegessen. Am nächsten Tag wären sie, wie schon gesagt, doch nur noch Gutes von gestern gewesen.

Rezept: Pasteis de Nata
Ergibt 12 Stück

Für den Blätterteig:
125 g Mehl
125 g Quark
125 g kalte Butter in Würfeln
½ TL Salz

Alle Zutaten vorsichtig verkneten und zu einer Platte ausrollen. Auf ein Brett legen, abdecken und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Herausholen, zu drei Lagen zusammenfalten, wieder ausrollen und wieder ½ Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Diese Tour mindestens vier Mal wiederholen. Zuletzt die Teigplatte so groß ausrollen, dass man mit einem Glas 12 Kreise von 8 cm Durchmesser ausstechen kann.

Für die Füllung:
250 ml Milch
30 g Mehl
120 g Zucker
1 Zimtstange und/oder
1 Stück Vanilleschote
dünn abgeschnittene Schale einer Zitrone
4 Eigelb
¼ l Wasser

Zucker in Wasser aufkochen und zu einem Sirup einkochen lassen.
Mehl mit etwas Milch glatt verrühren.
Restliche Milch mit Zitronenschale, Zimt und Vanille aufkochen und etwas köcheln lassen. Verrührtes Mehl hinzugeben und unter Rühren zu einer Art Pudding einkochen lassen.
Zuckersirup hinzufügen. Masse durch ein Sieb streichen. Dabei bleiben Zitronenschalen, Zimt- und Vanillestangen sowie das meiste Mehl als Klümpchen im Sieb zurück.
Etwas abkühlen lassen und die Eigelbe unterrühren.

Die Vertiefungen eines Muffinblechs für 12 Teilchen ausbuttern, eventuell mit Semmelbröseln bestreuen und mit den ausgestochenen Teigscheiben auslegen. Ränder bis nach oben ziehen. Die so entstandenen Teigbecher zu zwei Dritteln mit der Füllung auffüllen.

Bei 220 Grad im Ofen ca. 15 Minuten backen. Am besten sofort servieren.




Bilder vom 5. April 2026

Ostern 2026 variierte ich das Rezept ein wenig. Ich nahm tiefgekühlten Vollkornblätterteig und für die Füllung Mandelmilch. Das Ergebnis fanden meine Gäste durchaus gewöhnungsbedürftig; warum die Füllung beim Backen nicht völlig stockte, ist mir unklar. Hatte ich zu viel Füllung pro Teilchen genommen, war zu wenig Mehl in der Füllung oder lag es an der Mandelmilch? Ich selbst fand diese Pasteis de nata durchaus delikat.