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Montag, 30. August 2021

Urbane Landhausküche: Im eigenen Fett gebratenes Ruhrtaler Freilandschwein mit Kartoffel-Pfifferling-Püree und Salat

Enthält unbeauftragte und unbezahlte WERBUNG

Seit Alexander von Brahm auf seinem Hof in Essen-Kettwig vor vier Jahren auf nachhaltige Schweinemast umgestiegen ist, kann das Ruhrtal eine beachtliche regionale Spezialität aufweisen. WDR-Koch Björn Freitag hat das Ruhrtaler Freilandschwein schon des Öfteren in seinen Fernsehsendungen besucht, und auch der Genießer bevorzugt das fantastische Fleisch, wenn er sich etwa alle ein bis zwei Jahre ein Kotelett gönnt (klick hier).


Ruhrtaler Freilandschweine in ihrem Gehege in Kettwig 2018.


Kotelett mit Fettschicht

So erstand ich auch diesmal an Fleischtheke eines großen Bochumer Supermarktes eines dieser Dinger mit dickem Fettrand samt Schwarte, das sich so wohltuend von der konventionellen Auslage an der Fleischtheke abhob. Um es zuzubereiten, suchte ich im Internet nach einer überzeugender Methode und fand sie auch. Ich schnitt die Schwarte ab, ließ den Fettrand aber dran. Ich schnitt ihn allerdings ein und rieb alles ordentlich mit grobem Meersalz auch, auch die Einschnitte. Dann gab ich das Kotlett in den auf 120 Grad Umluft vorgeheizten Ofen, brachte es auf 47 Grad Kerntemperatur, die ich mit Bratenthermometer kontrollierte, und holte es wieder heraus. Ich stellte es mit der Fettschicht in eine sehr heiße Eisenpfanne und ließ so viel Fett aus, das der Pfannenboden gut bedeckt war. Darin briet ich das Kotelett dann goldgelb aus. Man kann das Kotelett beim Fettausbraten sehr gut festhalten, es wird nicht zu heiß.


Durch das Braten im eigenen Schmalz wird das Fleisch goldbraun.

Ob das Vorbraten im Ofen für mein Kotelett wirklich notwendig war, weiß ich nicht. Die Methode ist für fünf Zentimeter dicke sog. Karbonadenstücke gedacht, und mein Kotelett war gerade einmal zwei Zentimeter dick, das hätte das Braten in der Pfanne allen wohl gereicht. Wie dem auch sei, es war wunderbar zart und knapp durchgebraten, was sicherlich der traditionellen Kotelett-Zubereitung im Ruhrgebiet entspricht. Am Knochen jedoch, von dem es sich tadellos löste, fand ich es etwas trocken. Lag das nun an meiner übertriebenen Bratmethode oder an der Qualität des Fleisches?


Mit Beilagen auf dem Teller

Dem Geschmack tat das natürlich keinen Abbruch. Er war herrlich. Als Beilagen gab es ein Kartoffelpüree, das ich mit Pfifferlingen, Zwetschgen und Knoblauch aus einer zweiten Pfanne mischte, und einem grünen Salat mit Croutons aus der Kotelett-Schwarte. Die Schwarte hatte ich separat mit dem Kotelett in den Ofen getan. Den drehte ich auf volle Pulle auf, nachdem ich das Kotelett herausgenommen hatte, und wartete, bis es anfing zu duften. Da war die die Schwarte knusprig aufgepoppt. Ich schnitt sie in kleine Würfel, die ich über den Salat streute.


Croutons von der Schwarte für den Salat
 

Dienstag, 14. August 2018

Panceta und Pršut: Die dalmatinischen Geschwister von Pancetta und Prosciutto


Verlockend auch für ungebetene Gäste:  Panceta (und hausgemachter geräucherter Bauchspeck vorn) und Pršut mit Melone (hinten).

Den Besuch der Gourmetmeile „RÜ Genuss pur“ nutzte der Genießer für eine kleine Stippvisite in die alte Heimat, wo er seine Kindheit verbrachte: Essen-Frohnhausen, wo sich, in der Kerckhoffstraße einer der größten kroatischen Supermärkte in NRW befindet, „Dalmacija bei Ljuba“. Dort verkaufen Ljuba Perkovic und ihre Familie Feinkostprodukte aus Kroatien und ganz Ex-Jugoslawien. Natürlich Wein und Spirituosen wie Slivovitz und den Birnenlikör Kruskovac, Foodprodukte wie die Fertigsuppen und Gewürzmischungen von Vegeta und vor allem aber die fantastischen Schinken, Speck und Wurstwaren aus der Region.

Historisch gesehen, sind auch die Länder östlich der Adria – und besonderes die dalmatinische Küste – italienisch geprägt, erst von den Römern, dann von den Venezianern und später von den Habsburgern, die ihrerseits die italienische Kulinarik für ihre Wiener Küche skrupellos plünderten. Im kommunistischen Jugoslawien von Tito stand die die Kulinarik nicht an erster Stelle, aber unterhalb der Planwirtschaft gab es aus den privaten Gärten und Küchen erstklassige Produkte. Ich erinnere mich an das Chaos während eines Urlaubs in den frühen 1980-er Jahren, als auf den Campingplätzen und in den Restaurants an der Küste die Versorgung der Touristen mit Nudeln für die obligatorischen Spaghetti mit Tomatensauce – mitumgerechnet 1,50 DM pro Portion das billigste Mittagessen – zusammenbrach. An den improvisierten Marktständen gab es zum selber Kochen aber die allerbesten Gemüse.

Dalmatinische Spezialitäten

Doch heute ist die kulinarische Situation an der dalmatinischen Küste Spitze. Den italienischen Einfluss besonders auf die Schweinfleisch-Spezialitäten merkt man schon an den Bezeichnungen. Abgeleitet vom italienischen Pancetta, heißt der luftgetrocknete oder auch geräucherte Speck „Panceta“, während der luftgetrocknete Schinken im serbokroatischen mit dem vom italienischen „Prosciutto“ abgeleiteten Lehnwort „Pršut“ bezeichnet wird.

Italienische Qualität: kroatische Panceta

Von beidem nahm ich mir eine Portion mit. Als Pröbchen packte mir Ljuba noch ein paar Scheiben von Kulen dazu, einer slawonischen, mit scharfem Paprika gewürzten Rohwurst-Spezialität, die zu Hause aber schon vor dem Fotografieren den Weg allen Irdischen gingen.

Erfrischend: Pršut mit Melone

Den hauchdünn aufgeschnittenen Pršut gab es zu eine vollriefen Wassermelone, die ideale saftig süß-salzige Erfrischung während der Hitzewelle in den letzten Tagen.

Casarecce alla carbonara

Die Panceta verarbeitete ich zu einem Klassiker der Genießer-Küche, Casarecce alla carbonara, diesmal mit Champignons. Dazu wurde der kleingewürfelte Speck ausgelassen, dann eine halbierte Knoblauchzehe und die feingeschnittenen, mit Zitronensaft beträufelten Champignons dazu gegeben und gar geschmort, bis sie leicht angeröstet waren. Dann ging’s weiter mit dem Rezept hier, nur nicht mit Spaghetti, sondern mit Casarecce.

Dalmacija bei Ljuba. Kerckhoffstr.187. 45144 Essen-Frohnhausen. Tel: 0201/311313. Mo-Sa 10-18 Uhr. Infos hier. und hier


Freitag, 23. Februar 2018

Exklusiv in Ruhrgebeef: Kotelett vom westfälischen Ibérico mit gegrilltem Fenchel, Kartoffel-Wedges und Meerrettich-Apfel-Fenchel-Dip


 
„Wagyu-Schweine“ nennt Christian Vincke seine feisten Ibéricos gern. Seit letztem Jahr versucht der westfälische Schweinmäster, sich mit den schwarzen spanischen Edelschweinen eine Alternative zur konventionellen Schweinmast aufzubauen. Zur Recherche für eine Reportage in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Ruhrgebeef“ konnte ich den idyllischen Hof, auf dem die Tiere artgerecht gehalten werden, schon Ende Oktober besuchen und mich von paradiesischen Zuständen im Schweinkoben überzeugen (klick hier).

Christian Vincke und seine westfälischen Ibèricos

Betrachtet man die die Koteletts der westfälischen Ibéricos, so leuchtet einem der Vergleich mit dem japanischen Edelrind sofort ein. Da wie dort ist Muskelfleisch mit feinen Fettadern durchzogen, die ihnen einen wunderbaren Geschmack und eine würzige Saftigkeit verleihen. Und dank der genetischen Disposition und der feinen Fütterung mit Eicheln ist das Fett auch noch so gesund wie Olivenöl.


Saftig und würzig

In Kombination mit Fenchel als Gemüse und Gewürz ergaben die Ibérico-Koteletts einen ultimativen mediterranen Genuss auf dem Balkon. Jetzt hat „Ruhrgebeef“ das Rezept dazu im Rahmen seines #RezeptFreitags auf Facebook veröffentlicht. Ein schöner Anlass, es endlich auch auf Genussbereit zu bringen.

Rezept: Kotelett vom westfälischen Ibérico mit gegrilltem Fenchel, Kartoffel-Wedges und Meerrettich-Apfel-Fenchel-Dip

1-2 Koteletts pro Person
2 TL Fenchelsamen
2 TL Rosmarinnadeln
2 Koblauchzehen
2 TL Olivenöl
Pfeffer, Salz

Fenchelsamen auf ein großes Schneidebrett anhäufeln, Olivenöl darüber gießen und mit einem schweren scharfen Messer hacken. Das Olivenöl verhindert, dass die Samenkörner unter der Klinge weghüpfen. Rosmarin und Knoblauch ebenfalls fein hacken. Alles zusammen zu einer Marinade vermischen, ev. noch mehr Olivenöl dazugeben.

Koteletts mit der Marinade einpinseln, über Nacht in den Kühlschrank stellen. Vor dem Braten Marinade von Koteletts entfernen, damit sie nicht anbrennt. Koteletts in der heißen Grillpfanne je zwei Minuten scharf anbraten und dann je nach Dicke 10 bis 15 Minuten in den auf 140 Grad vorgeheizten Ofen geben. Am besten mit dem Bratenthermometer die Kerntemperatur messen, Sie soll 69 Grad betragen. Koteletts herausnehmen, locker mit Alufolie bedecken und 10 Minuten ruhen lassen. Vor dem Servieren pfeffern und salzen.

Gegrillter Fenchel

Pro Person 1/2 Fenchelknolle
Pfeffer, Salz
Zucker
Fenchelgrün
Olivenöl

Stiele und Fenchelgrün von den Knollen abschneiden. Fenchelknolle in knapp 1 cm dicke Scheiben schneiden, eher dünner. Mit Öl einstreichen und mit Pfeffer, Salz und Zucker bestreuen. In der Grillpfanne auf jeder Seite ca. 4 Minuten grillen. Nicht zu lange und zu heiß grillen. Ev. in einer Pfanne mit kochendem Wasser und geschlossenem Deckel noch weich ziehen lassen. Vor dem Servieren mit gezupftem Fenchelgrün garnieren.

Meerrettich-Apfel-Fenchel-Dip

1/8 l Sahne
50 g Meerrettich
½ Apfel
½ Fenchelknolle
Zitronensaft
Salz

Sane steif schlagen. Meerrettich, Apfel und Fenchel reiben und unter die Sahne heben. Mit Zitronensaft und Salz abschmecken.

Kartoffelwedges

Pro Person 1 große festkochende Kartoffel
Olivenöl
Salz
geräuchertes Paprikapulver

Kartoffeln schälen und in gleich dicke Spalten schneiden. In einer genügend großen Menge von stark gesalzenem Olivenöl wenden. Auf einem mit Backpapier ausgelegtem Blech im auf 200 Grad vorgeheizten Ofen 20-30 Minuten backen. Mit geräuchertem Paprikapulver bestreuen.


Mittwoch, 4. Mai 2016

Neues vom Bunten Bentheimer

Leberwurst, frisch aus dem zerbrochenen Glas

Das Ruhrgebiet ist überall, sogar im oldenburgischen Lastrup. Hier heißt es allerdings Ruhrbachstraße und ist der Standort der Fleischerei Kalieber. Dieser Internet-Versender ist Mitglied des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V., jener Rasse, die einst der Bergmann zur Selbstversorgung in seinem Arbeitergarten hielt. Gerade rechtzeitig vorm Vatertag erreichte den Genießer ein Probe-Päckchen mit Proviant, über dessen Qualitäten in der nächsten Zeit zu berichten sein wird. Als erstes musste die Kräuter-Leberwurst dran glauben, weil das Einweckglas, in dem sie steckte, beim Versand zerbrochen war. Eine leckere Notschlachtung: Majoran und Zwiebeln sorgten für herzhaftes Aroma, viel Bentheimer Schmalz für den nötigen Schmelz und Luisenhaller Siedasalz für den Nachdurst.

Fast schon wie Eiscrème

 Auf der Ruhrkruste von Hutzel

Dienstag, 19. November 2013

Gestern bei Mama: Krustenbraten mit Schmorgemüse vom Bunten Bentheimer

Am Samstag habe ich für Mama Krustenbraten mit Schmorgemüse gemacht. Ich dachte, so ein klassisches Gericht sei genau das Richtige für die mittlerweile 97-jährige alte Dame, zumal sie gekochten Schweinebauch etwa zu Weißkohlgemüse ausgesprochen gerne isst. Und das Rezept „Wammerl à la Schuhbeck“, das ich verwenden wollte, gehört seit ich es im November 2011 das erste Mal ausprobierte, mit knapp 10.000 Aufrufen zu den meist beliebtesten Seiten im Blog. Die Schwarte des Bauches wird erst in Brühe gekocht, und dann das gesamte Stück Fleisch mit dunklem Bier und Wurzelgemüse im Ofen weich geschmort. Das gelang damals ganz wunderbar und schien mir eine sichere Bank - klick hier.

Fette Sache: Bauch vom Bunten Bentheimer

Doch diesmal ging der Genießer mit mir durch, und ich versuchte, das Kochen für Mama mit meiner Experimentierlust zu verbinden. Ich nahm für das Gericht ein Stück Bauch vom Bunten Bentheimer Schwein, das ich von Fleischer Burchhardt in Essen bekommen hatte - klick hier. Das Bunte Bentheimer ist eine seltene, vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, um deren Erhalt sich ein gegründeter Verein kümmert. Auch ist es Passagier der „Arche des Geschmacks“ von Slow Food – klick hier. Mein Fleisch stammte vom Hof Rülfing im münsterländischen Rhede – klick hier.
Das Bunte Bentheimer findet in der konventionellen Fleischindustrie keine Verwendung, weil es einen sehr hohen Fettanteil hat. Wie mir Fleischer Burchhardt mitteilte, lag der Magerfleischanteil bei diesem Tier bei ca. 41 Prozent. Normale (Bio-)Hausschweine haben um die 60 Prozent.

Braten im Schmortopf

Und so wurde das Wammerl à la Schuhbeck vom Bunten Bentheimer eine ziemlich fette Sache. Vielleicht war dieses Rezept für dieses Fleisch nicht so ideal. Ich hatte das Stück mit Schwarte nach unten schon am Abend zuvor vorgekocht, und dabei war schon viel Fett ausgetreten, das ich nach Erkalten der Brühe am nächsten Morgen mühelos abschöpfen konnte. Doch beim Fertigbraten auf dem Schmorgemüse trat immer noch eine riesige Menge Fett aus, die sich dann im Gemüse sammelte und nicht abgeschöpft werden konnte. Und das gefiel Mama überhaupt nicht, zumal das Fleisch auch noch eine Idee länger im Ofen hätte bleiben können und etwas kernig war. „Nicht weich genug, zu fett“, war ihr Urteil. „Das nächste Mal koche etwas richtig Leckeres!“
Aber um ehrlich zu sein, richtig lecker war’s schon. Das bemerkte der Genießer, als er jenseits vom Stress am familiären Mittagstisch am nächsten Tag allein die Reste aufaß. In feine Scheiben geschnitten, war das Fleisch ein Gedicht. Das Gemüse hatte durch das eingekochte Bier eine wunderbare Süße und schmeckte wohl so, wie Schweinefleischsauce früher immer geschmeckt hat. Heute würde man es vielleicht „leicht ranzig“ nennen.
Oder der Genießer muss noch etwas üben, Bauch vom Bunten Bentheimer zuzubereiten. Mit Wonne denkt er jedenfalls an ein Menü in der „Rotisserie du Sommelier“ in Essen zurück, wo er vor Jahren dieses seltene Fleisch kennen lernte - klick hier.

Zum Rezept „Krustenbraten mit Schmorgemüse (Wammerl à la Schuhbeck)“ hier klicken.

Schweinebauch über Mülheim

Sonntag, 6. Februar 2011

Slow Food: Wursten bei Fleischer Laschke

Selbst machen: Hier geht's um die Wurst!

Gestern machten ca. 20 Slowfoodies vom Convivium Essen einen Ausflug ins münsterländische Heek, um in der Fleischerei Laschke hinter die Geheimnisse des Wurstmachens zu blicken.

Der Metzger und sein Schinken: Christoph Laschke

Fleischermeister Christoph Laschke ist Mitglied bei Slow Food Münster und der „Erzeugergemeinschaft Buntes Bentheimer Weideschwein“ sowie Mitbegründer der „Schutzgemeinschaft Westfälische Schinken- und Wurstspezialitäten e.V.“, also ein ausgewiesener Experte für handwerklich hergestellte Fleischprodukte, bei denen die Qualität im Mittelpunkt steht. Vor einiger Zeit schon hatte Christoph Laschke bei einem Schneckentreff im Slow-Food-Convivium Mittleres Ruhrgebiet darüber berichtet, wie schwierig es ist, verbindliche Qualitätskriterien für den Westfälischen Schinken durchzusetzen. Seine Produkte besonders vom Bunten Bentheimer sind im Ruhrgebiet bei Essengenuss erhältlich.

Handwerkliches Arbeiten

Wursten braucht Fingespitzengefühl

Fleischer Laschke demonstriert das Abdrehen

Aufklärung über die handwerkliche Produktion stand im Mittelpunkt der der gestrigen Veranstaltung. Drei Sorten Wurst konnten die Slowfoodies eigenhändig herstellen: Frische Bratwurst, Leberwurst und Kochmett. Besonders geheimnisvoll sind die Rezepte (hier klicken) dafür nicht, alles lässt sich auch zu Hause herstellen. Auch die Zutaten sind mühelos erhältlich, lediglich den Schweinedarm, in den die Bratwurst gestopft wird, muss man im Großhandel kaufen oder beim Metzger bestellen. Überraschend mag sein, dass in einer Leberwurst nur verhältnismäßig wenig Leber ist, sondern hauptsächlich vorgekochtes Fleisch. In einer Hausmacher-Leberwurst sind es ca. 10 Prozent, in Delikatessleberwurst 30 Prozent. „Ein Schwein hat nur eine Leber“, erklärte Christoph Laschke. „Und wenn ein Schwein geschlachtet wurde, konnte auch nur eine Leber verarbeitet werden.“

Mischen des Bräts

Ablösen des Kopffleisches

Was die Slowfoodies besonders interessierte, war der Umgang mit dem Fleisch als direkte Konfrontation mit der Entstehung von Lebensmitteln. Wie mit den Händen die Zutaten für die Wurstmassen in größeren Mengen gemischt werden oder wie das vorgekochte Fleisch von den Knochen der Schweinköpfe gelöst wird, war da eine wichtige Erfahrung.

Christoph Laschke erklärt die Fleischteile

Im zweiten Teil der Veranstaltung erklärte Christoph Laschke, woher die verschiedenen Fleischstücke beim Schwein stammen. Professionell zerlegte Azubi Evis dabei vor den Augen der Slowfoodies ein halbes Schwein in Filet, Eisbein, Koteletts, Schulter usw., während sein Chef die aufschlussreichen Erläuterungen gab.

Azubi Elvis zerlegt mit der Säge

Fleischer Laschke zeigt die Schweinehälften

Gemeinsamer Schmaus zum Abschluss

Freitag, 8. Januar 2010

Buntes Bentheimer: Erhalten durch Aufessen


Das „Bunte Bentheimer“ war das Hausschwein der Bergarbeiter im Ruhrgebiet in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nicht nur wegen der einzigartigen Fleischqualität und der leichten Pflege, sondern auch wegen der schönen, ins Auge stechenden bunten Farbe der Ferkel.
Die „Bunten Bentheimer“ wachsen allerdings langsam und sehr individuell. Für die heutige Massenzucht, die "schnelle Wirtschaftsrassen" fordert, sind sie daher kaum geeignet. So ist das „Bunte Bentheimer“ vom Aussterben bedroht und steht auf der „Arche-Liste“ von Slow Food. Dem Engagement weniger Züchter ist es zu verdanken, dass es noch einige Tiere gibt. Damit die Rasse überlebt, muss jedoch die Nachfrage nach dem Fleisch gefördert werden. Deshalb veranstaltet die „Rôtisserie du Sommelier“ in Essen-Rüttenscheid gemeinsam mit dem Feinkosthandel „essengenuss“ am 13. März 2010 ein „Schlachtfest“ unter dem Motto „Erhalten durch Aufessen“. Spitzenkoch Thomas Friedrich präsentiert das Beste vom „Bunten Bentheimer“. Anmeldungen ab sofort bei „essengenuss“ und in der „Rôtisserie du Sommelier“.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Genießer-Frühstück im Winter: Schmalz vom Eichelschwein mit polnischem Vodka

Beim langsamen Braten des Eichelschweinrückens am Samstag trat ein wunderbar nussiges Schmalz aus, das sich beim Erkalten in der Bratreine wie frischer Schnee über den Bratensatz legte. Der Genießer löffelte beides in ein Schüsselchen und hatte einen samtweichen Brotaufstrich, der zart mit Knoblauch, Thymian und Fenchel aromatisiert war. Zur Abrundung streute er noch ein paar Körnchen vom grauen Meersalz aus Guérande darüber.
Das war eine solide Grundlage für ein jungfräuliches Schlückchen von dem ebenfalls samtweichen polnischen Vodka „Wyborowa“, der seit fast zwei Jahren einen Winterschlaf im Eisfach des Genießers hielt – schön wärmend beim ersten Frost.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Gestern bei Mama: Schweinsgulasch


Gestern habe ich für Mama Schweinsgulasch gemacht. Das Rezept stammte aus dem Kochbuch „Wiener Küche“ der staatlichen Bildungsanstalt für Koch- und Haushaltsschullehrerinnen und der Kochschule der Gastwirte in Wien aus dem Jahr 1952, das ich vor einiger Zeit auf dem Flohmarkt erstanden hatte.
Das Fleisch, 1600 Gramm Schweinschulter (ergibt 6 dicke Portionen) stammte von Metzger Gläser im Bochumer Biokauf und war nach knapp einer Stunde butterzart – ein Gedicht.
Statt der Kartoffeln schmorte ich einige Paprikaschoten mit. Etwas Knoblauch und Chili hätten dem Ganzen noch etwas mehr Pfiff gegeben.
Zum Lesen des Rezepts auf das Bild klicken.


Rezepte: Gestern bei Mama

Freitag, 11. September 2009

Eichelschwein Teil II: Abenteuer in Werne

Eichelschwein-Kotelett mit Labskauspüree (links hinter der Kartoffel)

Bei meinen kulinarischen Recherchen im Internet fiel mir gestern Vormittag auf der Speisekarte des Romantik-Hotels „Villa Sim-Jú“ in Werne folgendes Gericht ins Auge: „Bio-Eichelschweinrücken mit Schwarzbrotkruste und Labskaus-Pürée“. Ich war wie elektrisiert, schließlich hatte ich bei Manfred Wenigers „essengenuss“ für Dezember einen der exklusiven 170 Eichelschweinrücken aus der einzigen deutschen Produktion bestellt, die in Franken die traditionelle Eichelmast wieder belebt. Und als Preis waren mäßige 17,50 Euro angegeben. Spontan, wie ich manchmal bin, setzte ich mich also ins Auto und düste eine Stunde lang über A40, A45, A2 und A1 die knappen 60 Kilometer von Bochum nach Werne, um einen Vorgeschmack auf das bekommen, was mich in drei Monaten erwartet. (Über die CO2-Bilanz will ich da gar nicht nachdenken – die war voll der Punk.) Ich war davon überzeugt, dass mich nichts Schlechtes erwarten konnte. Seit einiger Zeit steht in der ehemaligen „Villa Suplie“, wie das Restaurant mit dem putzigen Namen früher hieß, Dieter Gerdes in Küchenverantwortung, ein Meisterkoch aus Norddeutschland, wie man am Labskaus als Beilage mitten in Westfalen unschwer bemerken konnte. In den 1980er Jahren erkochte er für das „Landhaus am Schlosspark“ in Rastede einen Michelin-Stern und Anfang der 2000er Jahre brachte er mit dem „Landgasthof Gerdes“ die thüringische Gastronomie auf Vordermann. Bei dem Mitglied der Köche-Vereinigung „Eurotoques“ waren selbstverständlich nur beste Zutaten und Produkte zu erwarten.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich bekam ein fantastisches, fünf Zentimeter dickes Kotelettstück am Knochen, das kerniger, nussiger und saftiger nicht hätte sein können. Es kam allerdings aus Spanien, wo man ja das beste Schweinefleisch überhaupt produziert, weil man sich dort an jene Tugenden erinnert, die die deutschen Mäster spätestens seit den 1960er Jahren vergessen haben. Ganz hervorragend hob die mit Senf verfeinerte Schwarzbrotkruste den Eigengeschmack des Fleisches hervor. Der Ausflug hatte sich voll gelohnt.
Doch leider hatte ich, bevor ich mich auf die lange Reise gemacht hatte, in Werne angerufen und gefragt, ob es das Eichelschwein auch wirklich gebe. Selbstverständlich, sagte man mir, man gebe jetzt schon in der Küche Bescheid, was ich Essen wolle. Das Ergebnis war, dass der fertige Schweinerücken, kaum dass ich eine halbe Stunde vor Küchenschluss am Tisch saß, herrlich duftend vor mir stand, ich aber keine Chance mehr hatte, mir noch eine Vorspeise zu bestellen, geschweige denn in den Genuss der gastronomische Segnung des „Grußes aus der Küche“ kam, die ein Menü in einem Restaurant von der Klasse der „Villa Sim-Jú“ in der Regel einzuleiten pflegt. Schon aus Trotz bestellte ich dennoch eine – nicht weniger hervorragende – Rinderbrühe mit Einlage (5 Euro) von der Vorspeisenkarte, die ich einfach nach dem Hauptgang aß. „Ist ja irgendwie komisch“, bemerkte die Restaurantchefin, die mich bediente.

Eichelschwein Teil I: Eins von 170

Mittwoch, 26. August 2009

Eichelschwein: Eins von 170


Wenn Schweine mit Eicheln gemästet werden, geben sie das wunderbarste Fleisch mit einem einzigartigen nussigen Geschmack, kerniger, fester Struktur und einem hohen Anteil an geschmackstragendem intramuskulärem Fett. Das scheint man heutzutage nur noch in Spanien zu wissen, wie die Schweine- und Schinkenspezialitäten von der iberischen Halbinsel beweisen. Auch der westfälische Schinken hat seinen guten Ruf davon, dass die Schweine einst mit Eicheln gemästet wurden. Heute ist das, wie in ganz Deutschland, längst nicht mehr der Fall.
In ganz Deutschland? Nein! In Unterfranken, in der Nähe der Weinstadt Iphofen, hat eine Gruppe von Schweinefreunden 2003 die gute alte Tradition der Eichelmast aufgegriffen und treibt alljährlich 170 glückliche Schwäbisch-Hällische Schweine in einen 22 Hektar großen Eichenhutwald, wo die Tiere nach Lust und Laune weiden können. Jedes Tier hat 1000 Quadratemeter Weidefläche. (Zum Vergleich: Die EU-Richtlienien sehen für ein Schwein einen Platzbedarf von 0,8 Quadratmetern vor und in den Schachthöfen des Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies werden jährlich 11 Millionen Schweine geschlachtet!) Die Haltung ist so artgerecht, wie sie nur sein kann. Die Tiere haben Schlammsuhlen zur Hautpflege, Heuschüttungen als Schlafplatz, Wühlmöglichkeiten zur Futterergänzung und können natürliche Herdenstrukturen bilden.
Der Feinkosthandel http://www.essengenuss.de/ bietet als Spezialist für ausgesuchte hochwertige, handwerkliche und nachhaltig hergestellte Produkte in Zusammenarbeit mit dem
Züchter dieses einmalige Fleisch in haushaltsgerechten Mengen für den „normalen“ Verbraucher an. Wer jetzt bestellt, kann sich das Fleisch Mitte November bzw. Dezember im Laden im Girardetcenter in Essen abholen.

Samstag, 15. August 2009

Gestern bei Mama: Geschmorter Spitzkohl mit Kartoffelpüree und Bratwurst


Gestern habe ich für Mama in einer dreiviertel Stunde geschmorten Spitzkohl mit Kartoffelpüree und Bratwurst gemacht. Der Kohl und die Kartoffeln waren vom Biokauf in Bochum, die wunderbar saftige Bratwurst aus Schweinebrät von Metzger Gläser.

Rezept: Geschmorter Spitzkohl

Für zwei Portionen
1 kleiner Spitzkohl
1 Zwiebel
¼ l Gemüsebrühe
1 TL Kümmel
1 kleines Stück Ingwer
Öl, Peffer, Salz

Spitzkohl von den äußeren Blättern befreien. Strunk etwas abschneiden, aber so, dass der Kohlkopf nicht auseinanderfällt. Spitzkohl de Länge nach halbieren.
Zwiebeln in kleine Würfel schneiden. In einer hochrandigen Pfanne oder einem breiten Topf in Öl glasig werden lassen. Ingwer schälen, hacken.
Spitzkohlhälften mit in die Pfanne geben und rundum leicht braun anbraten. Gehackten Ingwer und Kümmel dazugeben und leicht anschwitzen. Mit Gemüsebrühe zu zwei Dritteln auffüllen. Bei kleiner Hitze 20 bis 30 Minuten zugedeckt schmoren lassen, bis der der Spitzkohl weich ist.
Eventuell Spitzkohl herausnehmen und Flüssigkeit einkochen lassen.
Spitzkohl mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Hier das Gericht als eine Variation aus der Urbanen Landhausküche mit Merguez und Kartoffelchips: klick hier
Und hier eine rein vegetarische Version mit einfacher, aber raffinierter Zubereitungsart: klick hier
  

Mittwoch, 15. Juli 2009

Gestern bei Mama: Zucchinirisotto mit Frikadellen



Gestern habe ich für Mama in einer Dreiviertelstunde Zucchinirisotto mit Frikadellen gemacht. Dazu gab es Tomatensalat mit Basilikum und Mozzarella. Für den Risotto habe ich eine selbstgemachte Hühnerbrühe genommen, die ich aus der Karkasse des Roten Hahns vom Coq au vin neulich zubereitet und in kleinen Portionen eingefroren hatte. Da ich dazu viel Petersilienwurzel benutzt hatte, war sie sehr süß, was man im Risotto schmeckte. Für die Frikadellen habe ich kein Gehacktes, sondern Brät aus der frischen Bratwurst von Metzger Gläser genommen. Gemüse und Mozzarella stammten vom Biokauf in Bochum. Der Reis war Paella- und Risotto-Reis von Oryza. Die Kräuter kamen vom Balkon.

Rezept
Zucchinirisotto
3/4 Tasse Risotto-Reis
3/4 l Brühe
1 mittelgroßer Zucchini, gewürfelt
1 Knoblauchzehe
1 Handvoll Petersilie, feingehackt
50 g Butter
frisch geriebener Parmesan
Pfeffer, Salz, Olivenöl

In einem Topf Zucchiniwürfel und die Hälfte der Petersilie in Olivenöl leicht andünsten. Reis hinzufügen, umrühren. Mit heißer Brühe löffelweise auffüllen und umrühren, bis der Reis nach ca. 17 bis 20 Minuten gar ist. Zwischendurch die Knoblauchzehe hineinpressen. Topf von der FLamme nehmen, Butter unterziehen. Geriebenen Parmesan und restliche Petersilie hinzufügen.

Rezept:
Frikadellen
ergibt 6 Stück
knapp 300 g Bratwurstbrät (oder Gehacktes halb und halb oder vom Schwein)
1 Zwiebel, fein gewürfelt
3 EL Haferflocken
1 Ei
1 Handvoll frische gehackte Kräuter (Thymian, Oregano etc.)

Zwiebelwürfel in der Pfanne weich braten, aber nicht zu braun werden lassen. Brät aus der Wurstpelle in eine Schüssel puhlen. Mit Haferflocken, Ei und Kräutern vermischen, pfeffern und salzen. Sechs schöne Frikadellen daraus formen und in Öl bei mittlerer bis kleiner Hitze auf beiden Seiten je sieben Minuten goldbraun braten, bis sie durch sind.
Rezepte: Gestern bei Mama