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Montag, 2. Dezember 2024

Zum Geburtstag ein Abschiedsessen: Restaurant Frintrop in Oberhausen-Dümpten

Eine Tradition geht zu Ende.
Das Restaurant Frintrop schließt Ende 2024.


Schon vor 30 Jahren stand das Restaurant Frintrop im MARABO-Restaurantführer „Ausgehen im Ruhrgebiet 94/95“ in der ruhrgebietsweiten Top Ten der „Feinen“ auf Platz 1, und in der Ausgabe im Jahr darauf wurde es von der Redaktion noch ganz kess als „beste Küche in Oberhausen“ bezeichnet. Da führten Hermann Frintrop uns seine Frau Dorothee das von den Großeltern 1911 gegründete Haus im industriell geprägten Stadtteil Dümpten bereits seit 15 Jahren und hatten aus der Ruhrgebietsschankwirtschaft längst ein Fine-Dining-Haus gemacht, ähnlich wie es auch z. B. im benachbarten Essen mit den Familienbetrieben „Kölner Hof“ in Frohnhausen und „Hannappel“ in Steele-Horst geschah. Gerade hatten die Frintrops nach einer Renovierung ihr Angebot der Nachfrage angepasst und aufgesplittet. Im vorderen Gastraum, „Bistro“ genannt, gab es bürgerliche Ruhrgebietsküche, hinten, im „Restaurant“, französisch inspirierte Gourmetküche.

Hermann Frintrop

Es sollte noch einmal fast zehn Jahre dauern, bis ich endlich selbst das Restaurant Frintrop besuchen konnte, als Tester für den Restaurantführer „Essen geht aus 2004“. Ich war begeistert. Mitten im Sommer konnte ich eine „Daurade provençale“ auf der idyllischen Wiese hinter dem Haus genießen, als säße ich in jenem Hinterhof, in dem ich als Kind gespielt hatte. Die Erdbeeren für den Nachtisch kamen vom Bauern nebenan. (Um den damaligen Text nachzulesen, bitte hier klicken.)

1995 in "Ausgehen im Ruhrgebiet"

Immer wieder nahm ich mir vor, noch einmal nach Oberhausen zu fahren, aber irgendwie wollte es mir nie gelingen. Als vor ein paar Wochen Hermann Frintrop auf Facebook postete, dass er endlich, mit Mitte 70, in den Ruhestand gehen und das Restaurant Ende Dezember 2024 schließen wollte, ergriff ich die letzte Chance. Ich überzeugte meine Slow-Food-Freunde, meinen 69. Geburtstag dort zu feiern, noch schnell, bevor das Traditionsrestaurant geschlossen und alte Haus verkauft ist.

Es wurde ein gemütlicher, heiter-melancholischer und genussreicher Abend, einen Tag nach dem eigentlicher Geburtstag, denn da war Ruhetag. Das regnerische Novemberwetter erlaubte leider keinen Blick in den schönen Biergarten, aber die Gasträume des über 100 Jahre alten Hause atmeten ein zu Herzen gehendes nostalgisches Flair, denn selbst die gepflegten Renovierungen aus 1990-er Jahren hatten ja schon eine historische Aura. Oberhalb der alten Wandvertäfelung hingen moderne Bilder von verschiedenen Fotografen, die hier regelmäßig ausstellten. Eine Tafel neben dem Aquarium am Eingang teilte mit, dass heute nur für Gäste mit Reservierung geöffnet sei. Im Laufe des Abends füllte sich das Restaurant dann recht gut – gerade mit so vielen Gästen, dass sie der Veteran in der Küche ohne viel Hektik bekochen konnte.




Nostalgie pur


Spätburgunder zum Reh


Wir fünf Personen konnten eine ganze Reihe der Gerichte von der kleinen Standard- und der saisonalen Wildkarte probieren. Hermann Frintrop bereitete sie mit der abgeklärten Routine des Altmeisters mit handwerklicher Perfektion und ohne spektakuläre Extravaganzen zu, doch nach wie vor mit beeindruckender schmackhafter Bodenständigkeit. Beim Anrichten verzichtete er auf jegliche Präsentationsakrobatik und näherte sich damit an die Mittagstische, die man von zu Hause kennt. Die Desserts, üppige Abschlussgänge, bestätigten noch einmal die lobenden Erwähnungen der Rezensionen von 1995 und 1996. Gern hätten wir die Reste aus dem Weinkeller ausgetrunken, doch wir mussten uns als Autofahrer und auf ihre Gesundheit achtgebende Senioren mäßigen. Immerhin funkelte im Glas ein Spätburgunder im schönsten Kardinalsrot.

Der Abend war ein wunderbarer Ausflug in eine kulinarische Heimat, wie man ihn im nächsten Jahr nicht mehr erleben kann.


Geburtstagsessen zum 69.
Restaurant Frintrop, 27. November 1924




Rohkost zum Brot
 

Pilzessenz von Pfifferlingen


Salat mit gebratenen Pilzen


Blutwurst mit Feldsalat und Kartoffeldressing


Tafelspitz in Vinaugrette mit Bratkartoffeln


Rehkotelett mit Kartoffel-Pfifferlingssalat und Hagebuttenmus


Kleiner Rehbraten mit Pfifferlingen, Semmelknödel und Preiselbeerapfel



Pumpernickelcrème, Saure Sahne Sauce

Tresterparfait mit Trauben und Nüssen in Honigkaramel


Marzipanhalbgefrorenes mit Preiselbeersahne

Restaurant Frintrop. Oberhausen-Dümpten, Mühlenstr. 116, Tel 0208.870975. Mi-Mo 17-22 Uhr, So und feiertags 12-14 & 17-22 Uhr. Di Ruhetag. www.restaurant-frintrop.de. Nur noch bis Ende Dezember geöffnet.

Dienstag, 6. August 2024

„Hackbarth’s Restaurant“ in Oberhausen: Frischer Wind seit einem Jahr

Update Frühjahr 2025: Küchenchef Stephan Conze hat das Restaurant verlassen und arbeitet im "Müller's auf der Rü" in Essen.

Stephan Conze und Stefan Kutzner, die neuen Küchenchefs im "Hackbarth's". Restaurantleiter Costa Georgiadis war noch im wohlverdienten Sommerurlaub.

Das Restaurant „Hackbarth‘s“ in Oberhausen begleitet den Genießer ja schon seit Mitte der 1990er Jahre. Damals begann ich, für das mittlerweile seit fast zwanzig Jahren verblichene MARABO MAGAZIN und seinen Restaurantführer „Ausgehen im Ruhrgebiet“ die Gastronomieszene im Ruhrgebiet zu beobachten. Beeindruckt waren wir damals von Jörg Hackbarth, der mit seiner Frau Uschi Geisinger schon lange, bevor in Oberhausen das Einkaufszentrum Centro fertig gestellt war, vor der riesigen Baustelle ein Restaurant eröffnete. In der Folgezeit besuchte ich das „Hackbarth's“ das ein oder andere Mal und hatte die Gelegenheit, im Jahr 2017 den Gratulationsartikel zum 25-jährigen Jubiläum des Hauses für das Magazin „Essen geht aus“ schreiben (klick hier).

Markenzeichen: Die Rote Tür

Jörg Hackbarth erklärte damals ziemlich genau, wie er sich die Zukunft seines Hauses vorstellte, wenn er selbst einmal in den Ruhestand gehen würde. Im April 2023 war es dann soweit. Der mittlerweile 63-Jährige übergab das Restaurant an drei Nachfolger, die alle schon lange Zeit im Haus gearbeitet hatten und auch schon als Teilhaber in ihre Rolle als Patron hineingewachsen waren.



Lässige Einrichtung: Neue Tische, historische Lampen

Seitdem empfangen Küchenchef Stephan Conze, Restaurantleiter Costa Georgiadis und Geschäftsführer und Co-Küchenchef Stefan Kutzner die Gäste. Mit viel Enthusiasmus haben die drei es geschafft, an den Erfolg des Gründers anzuknüpfen und dabei die kulinarische Ausrichtung und die moderne, fröhliche Ausstattung aufzupolieren. Nach wie vor ist die Rote Tür, die man durch einen kurzen Gang zwischen hohen Hecken von der Straße aus erreicht, das Markenzeichen des Hauses.

Presseessen bei viel Sonnenschein

Ende Juli hatten dies beiden Küchenchefs Stephan und Stefan auf Anregung des unermüdlichen Gastro-Promoters Michael Alisch eine kleine regionale Journalistenrunde mit der Kollegin Nadine Gewehr von der WAZ Oberhausen, „Essen geht aus“-Chefredakteur Tom Thelen und dem Genießer eingeladen, um den State of Art der „Hackbarth‘s“-Küche nach einem Jahr unter neuer Leitung vorzustellen. Viele der von Jörg Hackbarth eingeführten Formate wie die Kochkurse oder das Business-Mittagsmenü werden weiter geführt, und das A-la-carte-Programm bietet nach wie vor gediegenes Fine Dining zu überschaubaren Preisen.

Gediegene Weinbegleitung

Wie das wechselvolle Wetter dieses Sommer es wollte, überraschte uns ausgerechnet an unserem Termin die Sonne mit subtropischen Temperaturen, und so fand das Menü nicht auf der überhitzten Terrasse, sondern im neu ausgestatteten Innenraum statt, genauer gesagt in dem Bereich, der früher dank einer dekorativen Bildtapete wie ein Bibliothekszimmer aussah. Fünf Gänge, einen Zwischengang und einen Gruß hatten uns Stephan und Stefan zusammengestellt, teils von der aktuellen Karte, teils extra für uns aus vorhandenen Zutaten improvisiert. Das ist auch das Prinzip, von dem die beiden sich leiten lassen, wenn sie gemeinsam die Speisekarte schreiben. Lange im Voraus planen sie nicht, sondern reagieren spontan auf die Angebote ihrer Lieferanten. So sind sie zur Zeit besonders vom Full Blood Wagyu aus der Eifel begeistert. Begleitet wurden die Gänge von ausgesuchten Weinen, darunter nach wie vor eine spezielle Abfüllung mit Hackbarth’s Roter Tür auf dem Etikett und auch eine alkoholfreie Alternative aus der Manufaktur Jörg Geiger.



„Essen geht aus“-Menü
30.7.2024, Hackbarth’s Restaurant



Gruß aus der Küche
Fin de Claire Auster
Himbeer–Schalotten Vinaigrette | Limette

Stilvoller Start ins Menü

Rosé von Schloss Ortenberg




Alles von der Tomate
Salat | Gel | Eis | Ziegenfrischkäse

Der Sommer lässt grüßen. Die Tomate in den verschiedensten Aggregatzuständen brachte fantasievoll die Saison auf den Tisch.

Hauswein




Yellow Fin Tuna
Sesam | Tempura | Alge | Beluga Linsen | Spicy Mayo

Schöne asiatisch-japanisch anmutende Zusammenstellung. Der besondere Kick: die herrlich schmeckenden Belugalinsen.




Ceviche
Jakobsmuschel | Pulpo | Pinienkerne

Und noch ein erfrischender Gang aus dem Meer. Sehr fein die hauchdünn geschnittene, nur mit Zitrussaft gegarte Jakobsmuschel. Die etwas dickeren Tintenfisch-Scheibchen waren zum besseren Kauen vor dem Marinieren blanchiert worden.

Chardonnay aus dem Burgenland




Eiskalte Erfrischung
Zitronen Sorbet | Rosa Beeren | Riesling Sekt Dr.Loosen

Zwischengang zur Kühlung den Mundes, unterstützt von der Pfeffrigkeit der Rosa Beeren. Der Sekt war zwar geschmacklich stimmig, vom Alkohol vielleicht etwas dicke.





Variation vom Eifeler Full Blood Wagyu
Short Rib | Flat Iron | Sellerie

Klassischer Fine-Dining-Hauptgang: Rotes Fleisch mit Püree als Beilage. Zwei Sorten Fleisch, die auf Deutsch Rippchen und Schäufele genannt und normalerweise geschmort werden, kommen hier kurz gebraten daher, denn die hohe Qualität des Eifeler Wagyu-Fleisches lässt das zu, so die Köche. Etwas experimentell. Sehr zart die schaumige Sellerie-Zubereitung.

Syrah aus Südfrankreich

Alkoholfreie Alternative




Trilogie vom Nobel Kaffee
Panna Cotta | Gel | Creme Eis

Ein Menü-Abschluss, der zufrieden macht.

Ein deutscher Port, der nicht Port heißen darf.


Hackbarth‘s Restaurant. Im Lipperfeld 44, Oberhausen. 0208/22188. Di-Fr 12-14 und 18-23:30 Uhr, Sa 18-23 Uhr. Küche bis 21 Uhr. Sonntag und Montag Ruhetag. Reservierung empfohlen. www.hackbarths.de

Dienstag, 11. April 2023

Aus dem Archiv: Hackbarth’s Restaurant in Oberhausen (2017)

Hackbarth’s Restaurant am Centro Oberhausen ist seit über 30 Jahren eine kulinarische Institution im Ruhrgebiet. Am 31. März 2023 haben sich Patron Jörg Hackbarth und seine Frau  Uschi Geisinger aus dem Geschäft zurück gezogen und das Restaurant an drei ehemalige Auszubildende übergeben. Ab 13. April 2023 empfangen  Küchenchef Stephan Conze, Restaurantleiter Konstantinos Georgiadis und Geschäftsführer Stefan Kutzner von der Red Door Gastro GmbH die Gäste.
Grund genug, einen Artikel, den ich im Jahr 2017 für den Restaurantführer „Essen geht aus 2018“ zum 25-jährigen Jubiläum de Hauses geschrieben habe, hier unter der Rubrik „Aus dem Archiv“ zu bringen
.


Die rote Tür 2017

Kochen, was den Leuten Spaß macht

Jörg Hackbarth kann in diesem Jahr (2017, Anm. d. Verf.) auf das 25-jährige Bestehen seines Restaurants in Oberhausens Neuer Mitte zurückblicken. Bei der Eröffnung eher skeptisch beäugt, ist es heute zwischen Centro, Gasometer und Schloss Oberhausen der Leuchtturm des kulinarischen Strukturwandels im nordwestlichen Ruhrgebiet.
Peter Krauskopf gratuliert.


Wir schreiben das Jahr 1992. In Amerika wird Bill Clinton zum 42. Präsidenten gewählt, in Bonn hat es sich Bundeskanzler Helmut Kohl in der Mitte seiner dritten Amtszeit mit der FDP gemütlich gemacht. Es soll noch sechs Jahre dauern, bis Gerhard Schröder es schafft, mit der Proklamierung der „Neuen Mitte“ als Standort der SPD seine Partei aus der Opposition und sich selbst zur Kanzlerschaft zu führen.

Doch 1992 haben seine Genossen in Oberhausen die „Neue Mitte“ schon längst für sich entdeckt. Unter diesem Namen wollen die Stadtplaner das riesige Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte zu einem neuen Stadtteil der Industriestadt machen. Plan ist es, ein riesiges Einkaufszentrum anzusiedeln. Doch das ist gar nicht so einfach. Aus den Nachbarstädten kommt Protest, ein erster kanadischer Investor springt ab, und bis das Centro, wie wir es heute kennen, mit einem neuen Investor endlich eröffnen kann, soll es noch vier Jahre dauern. Erst einmal müssen die alten Industrieruinen abgerissen werden.

Auch vor den Toren der eigentlichen Baustelle wird in diesen Zeiten des Umbruchs investiert. Zwei Geschäftsleute haben im Lipperfeld ein Grundstück gekauft, auf dem früher ein Hochofen stand. Hier bauen sie ein Geschäftshaus, in dessen Erdgeschoss sie gern ein Restaurant eröffnen wollen. Für dessen Betrieb suchen sie einen mutigen Gastronomen und werden in Essen auf der Rüttenscheider Straße fündig. Dort arbeitet in einem Restaurant, das heute nicht mehr existiert, der damalige Mittzwanziger Jörg Hackbarth aus Hamburg als Koch, und der ist zu jedem Abenteuer bereit.

Jörg Hackbarth und der Genießer bei einem Kochkurs im Jahr 2007(!)
Foto: Michael Alisch

„Die Kollegen in Hamburg haben damals den Kopf geschüttelt. Was willst Du in Oberhausen? Da gibt es doch nur Currywurst und Pommes“, erinnert sich der heute 54-Jährige. „Und die in Oberhausen haben darüber gewettet, ob wir an diesem Standort länger als ein Jahr durchhalten. An uns glaubte nur Hermann Frintrop. Naja, und der konnte dann den Gewinn einstreichen.“

Denn dann sollte alles anders kommen. Jörg Hackbarth konnte die Erfahrung machen, dass es sogar „in Oberhausen Leute gibt, die Spaß am Essen haben, Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheker“. Das Lokal, anfangs als Restaurant und Bistro konzipiert, kam an. „Allerdings wurde die Bistro-Abteilung nie nachgefragt“, wundert er sich noch heute.

Basis des Erfolges war die unkomplizierte Art des Restaurants. Während seine Frau Uschi Freisinger sich als Gastgeberin und Guter Geist des Hauses um die Gäste kümmerte, stand Jörg in der Küche, am Anfang sieben Tage die Woche. Noch heute passt die Speisekarte auf ein DIN-A-4-Blatt. „Ich habe von Anfang an nur das gekocht, von dem ich meinte, dass es den Leuten Spaß macht“, erklärt er. „Deswegen hat es bei mir auch nie so etwas wie Sterneküche gegeben. In den letzten Jahren war das in meinen Augen ziemlich übertrieben, wenn man nur Pürees und Gelees auf dem Teller bekommt und man gar nicht mehr erkennen kann, was es ist. Das ist nicht mein Stil.“
Aber er immer mit der Zeit gegangen. So hatten seine Gerichte eine Zeitlang einen asiatischen Touch, aber das ist jetzt vorbei. „Wir machen zwar immer noch eine Crossover-Küche, doch wir sehen zu, dass immer die Produkte der Saison auf dem Teller sind. Aber vielleicht etwas frecher als bei unseren Mitbewerber.“ Auch wird nicht mehr so schnell gewechselt. „Wir haben viele Klassiker, auf die die Leute Bock haben. Würde ich z.B. die Blutwurst von der Karte nehmen, würden sich die Leute beschweren. Das ist echt krass.“


Aus dem Geburtstagsmenü 2017

Das Geburtstagsmenü, das noch bis Ende des Jahres auf der Karte steht, bietet ein exemplarischen Streifzug durch die Hackbarth’sche Küche. Probierportionen von fünfzehn Gerichten in fünf Gängen gibt es da, von Bison-Rücken rosa gebraten mit Potatoe Skins, Rucola und Spicy Mayo über gelierte Bouillabaisse mit Safran & Knoblauch bis Ochsenbacke in Portwein auf Gemüse-Risotto und gebackene Zartbitter-Schokolade mit Aprikose und Vanille (klick hier).

Heute kommen Hackbarths Stammgäste aus Bottrop, Duisburg und sogar aus Düsseldorf. 50 Prozent des Umsatzes werden im Restaurant gemacht, die andere Hälfte beim Catering. Kochkurse und Weinverkauf außer Haus runden das Geschäftsmodell ab. Am Herd steht er dabei kaum noch, aber das funktioniert, weil Hackbarth sich auf seine Küchencrew verlassen kann. „Die jungen Leute heute ticken ganz anders“ konnte er feststellen. „Sie kochen viel mehr im Team, jeder muss alles machen, und es klappt super.“

Das liegt nicht zuletzt daran, dass er mit seinen Leuten eine ganz entspannte Absprache über die Arbeitszeiten hat. Dabei hat er aus der Not eine Tugend gemacht. „Als der Mindestlohn und die damit verbundene Bürokratie eingeführt wurde, habe ich geschimpft wie ein Rohrspatz“, gesteht er. „Aber bei aller Mehrarbeit hat er in der Branche viel Gutes bewirkt. Durch die Dokumentationspflicht wissen wir jetzt genau, wieviel Stunden die Leute tatsächlich arbeiten. Und die vorgeschriebenen elf Stunden Nachtruhe stehen ja auch noch im Raum. Ich habe mich mit meinen Jungs auf eine Viertagewoche geeinigt. Wenn sie über ihre Anzahl an Stunden in der Woche kommen und das später nicht ausgeglichen werden kann, bekommen sie die Überstunden bezahlt. Wenn’s gut läuft, partizipieren sie also daran und haben Spaß über beide Backen.“

Anders als vor fünf Jahren zum 20-jährigen Jubiläum, als berühmte Köchefreunde wie Steffen Henssler, Frank Rosin oder auch Nelson Müller, die Hackbarth z.T. seit seinen Anfangstagen kennt, für die Gäste kochten, werden auf der Party zum Fünfundzwanzigsten am 10. September ehemalige Azubis und Mitarbeiter die Bewirtung bestreiten. Das dass den Gästen gefallen wird, daran hat Jörg Hackbarth keine Zweifel. „Die Leute sind in ganz Deutschland verteilt. Einer war Küchenchef bei Frank Buchholz, einer bei Nelson Müller. Da kommen Sie nicht hin, wenn Sie nichts gelernt haben.“

Auch im 25. Jahr sieht Jörg Hackbarth gelassen in die Zukunft. Dass es mit Hackbarth’s Restaurant weiter geht, dafür hat er gesorgt. Seine beiden Gründungspartner sind mittlerweile zwar verstorben, aber er hat sich schon einen jüngeren Teilhaber ins Geschäft geholt und mit einem noch jüngeren ist er in Verhandlungen. Als Familienbetrieb wird er den Laden wohl nicht vererben, seine 15-jährige Tochter Sophie zeigt da wenig Ambition. Aber wer weiß, vielleicht macht er ja noch ein zweites Restaurant auf, bevor er in den Ruhestand geht. Denn eins hat er im letzten Vierteljahrhundert gelernt: „Vielleicht muss man sich seinen Markt einfach selbst schaffen. Das hat von Anfang an funktioniert.“

Hackbarth‘s, Im Lipperfeld 44, Oberhausen. www.hackbarths. de 

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Samstag, 7. März 2020

Oberhausen-Königshardt: Ristorante Rossini im Blauen Haus

Update November 2025: Seit dem 5. November 2025 befindet sich hier das italienische Restaurant "amó". 

Update Januar 2025: Das Restaurant steht unter neuer Leitung.

 Schutzheilige im Rossini: Marilyn Monroe

Während man in den Städten, die wie Essen, Bochum oder auch Dortmund an der zentralen West-Ost-Achse des Ruhrgebiets A 40 liegen, die feinen Stadtteile in den grünen Hügeln südlich der Autobahn findet, ist das bei den Anrainern der nördlichen Magistrale A2 genau umgekehrt. Hier, wo sich das Ruhrgebiet langsam ins flache, ländlich-sittliche Münsterland verläuft, liegen die nobleren Vororte der proletarischen Industriestädte nördlich der Autobahn. Gelsenkirchen-Buer z. B., oder eben Oberhausen-Königshardt.

Überragt wird der Stadtteil, in dem es „ein bisschen wie im Urlaub ist“ (WAZ), leuchtturmartig von einem in den 1970-er Jahren erbauten urbanen Apartment-Gebirge namens „Blaues Haus“. Im Erdgeschoss gab schon immer eine eher gehobene Gastronomie für das bürgerliche Publikum aus der Nachbarschaft, erst den „Königshardter Hof“, dann das Chinarestaurant „Li Lu“ und seit 2016 schließlich das Ristorante Rossini.

 Padrone Mario Berisha

Rossini-Chef Mario Berisha ist ein Gastronom wie aus dem Bilderbuch. Mit charmantem Hollywood-Lächeln empfängt er seine Gäste, begrüßt die meisten herzlich beim Namen, führt sie an die Tische, ist hilfreich bei der Auswahl der Gerichte, obwohl die meisten Stammkunden wissen, was sie essen wollen und gießt im Laufe des Abends fleißig den Wein nach.

„Ich bin mit der italienischen Küche aufgewachsen“, bekennt der Sohn einer Professorenfamilie aus dem ehemaligen Jugoslawien, „und spreche sogar besser italienisch als deutsch.“ Bereits in den 1970-er Jahren kam er nach Deutschland und fand schließlich in der Gastronomie im Ruhrgebiet seine Berufung. In Hattingen, Essen und anderswo sorgte er dafür, dass verschiedene Projekte zum Laufen kamen, um sich schließlich mit dem Rossini In Oberhausen-Königshardt selbstständig zu machen.


 

Romantisches Italien-Feeling im Rossini

Keine Pizza auf der Karte, der Koch von der „Villa Patrizia“ in Duisburg, der Kellner aus dem „La Grappa“ in Essen: Es war, als hätten die Königshardter nur darauf gewartet, dass in ihrem Stadtteil ein Edelitaliener aufmacht. „Von Anfang an standen die Leute hier quasi Schlange.“ Mit dem romantisch eingerichteten Lokal traf Mario den Nerv seiner Kunden. Üppige Volants über den Fenstern, Kronleuchter, Kerzen und Rosenblätter zur Dekoration machen vergessen, dass man beim Blick aus dem Fenster „nur“ auf den Königshardter Kreisverkehr und nicht auf die Bucht von Positano blickt. Und über allem wacht als Schutzheilige nicht etwa Sophia Loren, sondern ihre amerikanische Cousine Marilyn Monroe. „Ich verehre sie“, schwärmt Mario lachend.


 Fine Dining in Königshardt

Und vor allem: Die Preise der Hauptgerichte überschreiten nie die magische 30-Euro- Grenze. Vor ein paar Tagen hatte ich die Ehre, mit zwei Kollegen zu einem kleinen Presseessen eingeladen zu werden. Küchenchef Toni Mongitore präsentierte die Küche des Rossini von ihrer besten Seite. Handwerklich tadellos zubereitete Nudel-, Fisch- und Fleischgerichte aus besten Produkten, verfeinert mit schmackhaften Saucen, fast simpel, aber effektvoll angerichtet, wie es in gehobenen italienischen Restaurants üblich ist. Mario präsentierte dazu die Weine, wie sie der Italienfan mag: Verdicchio und Lugana als erfrischende Weiße, und als Rote zwei Primitivo di Manduria, der jüngere betörend wie Marilyn, der ältere tiefgründig wie ein graumelierter Herr.

 Immer stylish: Küchenchef Toni kocht nur mit Krawatte

Ein Menü beim Edelitaliener in Oberhausen-Königshardt  


Ein Verdicchio zum Aperitif

Appetitliche Antipasti


Die Gnocchi aus dem Parmesanlaib bekommen eine tüchtige Trüffelration.

 Pastaspezialitäten zum Probieren:
Raviolo mit Hummerfüllung hinten
Gefüllte Gnocchi mit Trüffelsauce vorne

Zum Fisch ein Lugana


 Seezunge und Rotbarben-Involtino mit Garnelenfüllung

Sorbet zum Abkühlen


Zum Probieren auf einem Teller:
Rumpsteak mit Barolosauce, Filet in Trüffelsahne

Betörend wie Marilyn: Primitivo

Handgerührt: Zabaglione zum Dessert

Espresso und Grappa als Absacker


Ristorante Rossini im Blauen Haus. Höhenweg 4. 46147 Oberhausen. Tel. 0208/43969365 Di-So 12-15 Uhr, 17-23 Uhr. www.rossini-mario.de

Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung