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Sonntag, 2. Januar 2022

Neujahrsessen 2022: Handgefärbte Sepia-Tagliatelle mit Jakobsmuscheln in Prosecco-Sahne-Sauce mit Bottarga und pinkfarbenem Radicchio


Das Jahr 2021, in den Medien gern auch als „Katastrophenjahr“ apostrophiert, endete für den Genießer rein einkaufstechnisch getreu diesem seinem Ruf. Die ursprüngliche Idee, zu Silvester im Gedenken an meine Oma eine Sülze herzustellen, scheiterte daran, dass der handwerklich arbeitende Metzger, bei dem ich das Fleisch dazu einkaufen wollte, zwischen den Jahren weder Eisbein noch Pfötchen hatte und auf die neue Schweinfleischlieferung im nächsten Jahr verwies. Irgendwelches Fleisch von irgendwem anderem wollte ich jedoch nicht verarbeiten, und so disponierte ich um. Nudeln gehen immer, dachte ich und erinnerte mich an ein Instagramfoto mit schwarzen Tagliatelle und weißen Jakobsmuscheln, das ich nachmachen wollte. Also machte ich mich auf den Weg zu einem großhandelsartigen Feinkosthändler auf dem Essener Großmarkt mit fantastischer Fischtheke, nur um da festzustellen, dass die frischen Jakobsmuscheln alle waren. (Die Säcke mit 50 Kammmuscheln aus dem TK-Schrank zu entsprechendem Preis waren keine wirkliche Alternative für den Hobbykoch). Schwarze Tagliatelle, die ich zur Vorsicht mitnehmen wollte, hatten sie auch nicht (nur Spaghetti), genauso wenig den gelben Radicchio Variegato di Castelfranco mit den rosa Sprenkeln auch nicht, den ich als Salatbeilage machen wollte (nur den flammenförmigen Radicchio Trevisano Tardivo, immerhin).

Flammenartiger und pinkfarbener Radicchio

Frustriert begab ich mich also in meinen Standard-Supermarkt in Bochum, und siehe da, ich wurde angenehm überrascht. Zwar hatte ich keine Lust, die Schrumpel-Kammmuscheln an Frischfischtheke zu kaufen (vergl. hier), doch in der Tiefkühltruhe fand ich welche in verbraucherfreundlicher Packungsgröße, die, sachgemäß aufgetaut, einigen Genuss versprachen. Und an der Gemüsetheke leuchtete mir pinkfarbener Radicchio Ros a del Veneto entgegen, eine Sorte, die ich im Ruhrgebietshandel noch nie gesehen hatte. Übrigens ist diese Sorte nicht wirklich neu, im Veneto und Nordamerika gibt es sie schon lange.

Mit Sepia-Tinte schwarz gefärbter Nudelteig wird ausgerollt..

...und in Streifen geschnitten zum Antrocknen aufgehängt.

So stand einem zugegebenermaßen etwas schrägen Neujahrsessen nichts mehr im Wege. Die schwarzen Tagliatelle stellte ich selbst her, in dem ich einen Nudelteig aus 200 g Mehl und zwei Eiern mit einem Briefchen Sepiatinte verknetete (ich hatte zum Glück genug Silikonhandschuhe im Haus). Für die Sauce griff ich auf ein altes Rezept von Johann Lafer aus Wein, Sahne und Trüffel zurück (klick hier), bei dem ich allerdings die Trüffel durch Bottarga, den getrockneten Rogen der Meeräsche ersetzte. Als Wein kam der pinkfarbene Prosecco zum Einsatz, dessen schwülstige Flasche mir bereits schon vor einiger Zeit als Fotomodell diente (klick hier) und wunderbar zum rosafarbenen Radicchio der Deko passte. Ob 2022 so ein dekadent-eleganter Gericht verdient?




Rezept: Handgefärbte Sepia-Tagliatelle mit Jakobsmuscheln in Prosecco-Sahne-Sauce mit Bottarga und pinkfarbenem Radicchio

2 Portionen

Sepia-Tagliatelle:
200 g Pasta-Mehl
2 große Eier
1 Briefchen Sepia-Tinte
Etwas Wasser

Mehl durchsieben und mit den Eiern verkneten. Sepia-Tinte hineinkneten (Silikonhandschuhe verwenden). Wird der Teig zu trocken, ein paar Tropfen Wasser hinzufügen. Wird er zu feucht, Mehl hinzufügen. Auch nach dem Kneten wird der Teig marmoriert bleiben. In Frischhaltefolie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Teig in handliche Stücke schneiden, den Rest immer wieder in Folie wickeln, damit der nicht austrocknet. Teigstücke 20 Mal durch breiteste Einstellung der Nudelmaschine drehen, zusammenfalten und wieder durchdrehen. Bei dieser Prozedur wird der marmorierte Teig durchgefärbt. Nach und nach bis zur dünnsten Einstellung durchdrehen. Die entstandenen Teigbänder auf ein bemehltes Brett oder ein Stück Backpapier legen, einmehlen, locker aufrollen und die Rollen in 1,2 cm breite Steifen schneiden. Die entstandenen Tagliatelle aufrollen und zum Trocknen auf eine Nudel- oder Wäscheständer hängen.

Prosecco-Sahne-Sauce:
1-2 Schalotten
1 Knoblauchzehe
1/8 l Gemüse- oder Hühnerbrühe
1/8 l Prosecco oder Weißwein
1/4 l Sahne
Pfeffer, Salz
Rapsöl

Schalotten und Knoblauch sehr fein würfeln. In Rapsöl glasig dünsten. Mit Brühe und Prosecco oder Weißwein ablöschen und auf die Hälfte einkochen lassen. Sahne hinzufügen und ebenfalls auf die Hälfte einkochen lassen. Mit dem Pürierstab pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Jakobsmuscheln:
Pro Portion 4-5 Jakobs- bzw. Kammmuscheln
Etwas Mehl
Rapsöl
Pfeffer, Salz

Rapsöl in einer Pfanne erhitzen. Jakobsmuscheln leicht einmehlen und bei sanfter Hitze leicht braun braten. Pfeffern und salzen. Aus der Pfanne heben und warm stellen. Evtl. ausgetretenen Saft zur Sauce geben.

Anrichten:
Sepia-Tagliatelle
Prosecco-Sahne-Sauce
Bottarga
2-3 Blätter Radicchio Rosa del Veneto Sepia-Tagliatelle in Salzwasser in 3-4 Minuten gar kochen. Abgießen und mit etwas beträufeln, damit sie nicht zusammenkleben.
Auf vorgewärmten Tellern einen Spiegel aus Prosecco-Sahne-Sauce verteilen. Jakobsmuscheln und Tagliatelle darauf anrichten.
Mit ein paar Tropfen Sauce beträufeln. Bottarga darüber reiben. Radicchio in kleine Stücke zupfen und über die Teller streuen.

Sonntag, 18. Oktober 2020

Herbstvergnügen: Gorgonzola-Radicchio-Risotto mit Balsamicobirne, Steinpilzen und Walnüssen (vegetarisch). Dazu ein 18 Jahre alter Barolo.


Der Genießer findet, dass Restaurantbesuche äußerst inspirierend fürs Selber-Kochen sind. Das Presseessen im „La Mozzarella Da Bruno“ vor einigen Tagen in Dortmund war so ein Erlebnis (klick hier). Unter anderem wurde eine Vorspeise serviert, die mir nicht aus dem Kopf ging: Gebratener Radicchio mit Gorgonzolasauce. Mir war sofort klar, dass ich das nachkochen wollte.

Damit es nicht nur gut schmeckte, sondern auch gut aussah, wollte ich Radicchio Trevisano Tardivo verarbeiten, die pittoreske flammenförmige Varietät des roten bitteren Salats. Eine sichere Bank, den zu bekommen, ist das FrischeParadies in Essen, und so machte ich mich auf den Weg. In der Gemüseabteilung des Feinkostmarktes sprangen mir aber auch hübsche kleine Steinpilze ins Auge, bei denen sofort klar wurde, warum sie im Italienischen porcini heißen, Schweinchen. Auch Walnüsse gab es als lose Ware, und so nahm ich von beidem je eine Handvoll mit. Und natürlich auch einige von den schönen roten italienischen Williamsbirnen.

Balsamicobirne (vorn)

 
Steinpilze

 
Radicchio, Walnüsse, Risotto

Und aus der einfachen Vorspeise mit zwei Komponenten wurde ein Hauptgericht: Gorgonzola-Radicchio Risotto mit Steinpilzen und einer extra Portion geschmortem Radicchio. Als dritte Beilage schwebten mir die Birnen vor, die ich in einem pikanten Balsamico-Portweinsud schmoren wollte. Schöner konnte ich den piemontesischen Herbst nicht auf meinen Balkon bringen: Sahnig süß und bitter pikant.

 
Der Wein

Ein passendes Getränk dazu war natürlich ein Barolo. Ich wühlte ein wenig in meinen Regalen im Keller und fand tatsächlich eine Flasche des Jahrgangs 2002 von der Genossenschaft Terre del Barolo. O Mann, dachte ich, als der Wein gelesen wurde, war ich noch keine 47! Es war kein großer Barolo, sondern die Einstiegsqualität der Genossenschaft, die um die 10 Euro in Supermärkten verkauft wurde. Dafür hatte der der Wein die 18 Jahre, die er auf dem Buckel hatte, prächtig überstanden. Zwar verflog sich die wunderbare Duftwolke, die der Flasche beim Öffnen entströmte, ziemlich rasch. Übrig blieb aber ein trinkbarer, farbenprächtiger Wein, dem zwar nichts von der Morbidität anhaftete, die alten Barolos nachgesagt wird, der aber mit seiner frischen Säure meinem sahnigen Gericht als Begleiter ziemlich guttat.

Die Zutaten


Rezept: Gorgonzola-Radicchio-Risotto mit Balsamicobirne, Steinpilzen und Walnüssen
Zutaten für 4 Portionen

Balsamicobirnen:
2 Williamsbirnen
0,2 l Portwein
4 EL Balsamicoessig
3 Nelken
1 Stück Zimtstange
2 Ecken Sternanis
½ TL schwarze Pfefferkörner
Für die Reduktion:
½ Schalotte, fein gewürfelt
2 kleine Steinpilze oder eingeweichte getrocknete Steinpilze, fein gewürfelt
Pfeffer, Salz, Zucker oder Johannisbeergelee zum Abschmecken
Kalten Butter zum Montieren..

Am Vortag Willamsbirnen schälen, halbieren und das Kerngehäuse entfernen. Portwein und Balsamico zum Kochen mit den Gewürzen zum Kochen bringen. Birnenhälften hinein geben , ggf mit kochendem Wasser auffüllen, bis die Birnen bedeckt sind. Bei kleiner Flamme je nach Reifegrad 20-30 Minuten weich kochen, ohne dass sie zerfallen. Abkühlen lassen und im Sud über Nacht stehen lassen.
Am nächsten Tag die Birnen aus dem Sud nehmen. Sud durch ein Sieb gießen. In einem Topf Schalotten- und Steinpilzwürfel in Butter anschwitzen. Sud hinzugeben zu zur Hälfte einreduzieren lassen. Mit Pfeffer, Salz und Johannisbeergelee bzw. Zucker abschmecken. Mit kalter Butter montieren.

Steinpilze, Radicchio. Walnüsse:
16 kleine Steinpilze
1 Knoblauchzehe
1 Zweig Estragon
1 großer Radicchio Trevisano Tardivo
Pfeffer, Salz
4 Walnüsse
Olivenöl

Steinpilze putzen und in gleich dicke Scheiben schneiden. Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Knoblauchzehe, Steinpilzscheiben und Estragonzweig hinzugeben und anbraten, pfeffern und salzen. 3 EL Wasser hinzugeben, ein Stück Alufolie darauf drücken. Deckel auflegen und 15 Minuten bei kleiner Flamme braten lassen. Nach der halben Zeit einmal wenden und weiterbraten. Wenn die Pilze fertig sind, herausnehmen und warm stellen.
Radicchio langs in vier Teile teilen. Pfeffern und salzen und in der Pfanne braten. Aufpassen, dass der Radicchio nicht zu viel Farbe verliert und unansehnlich wird. Herausnehmen und warm stellen.
Walnüsse knacken und die Kerne in der Pfanne leicht anrösten. Warmstellen.

Gorgonzola-Radicchio-Risotto:
2 Tassen Risottoreis
2 Schalotten
1 Knoblauchzehe
1 guter Schuss Weißwein
1 l kochende Gemüsebrühe
1 Radicchio Trevisano Tardivo
100 g Gorgonzola
Pfeffer, Salz, Butter

Schalotten und Knoblauch fein würfeln. Butter in einem Topf erhitzen, Schalotten- und Knoblauchwürfel darin anschwitzen. Reis zugeben und ebenfalls anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen und den Wein verdunsten lassen. Mit Brühe bedecken und köcheln lassen. Brühe nach und nach dazugeben, bis der Reis nach 17 Minuten gar ist.
In der Zwischenzeit den Radicchio in kleine Stücke schneiden. Kurz vor Kochende zum Reis geben, unterrühren und kurz mitkochen. Topf vom Feuer ziehen. Gorgonzolastücke unterrühren, bis sie schmelzen. Evtl. noch etwa Butter dazugeben und schmelzen lassen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Gorgonzolasauce:
0,2 l Gemüsebrühe
0,1 l Weißwein
0,1 l Sahne
100 g Gorgonzola
Pfeffer, Salz, Zucker
½ TL Speisestärke

Brühe, Wein und Sahne aufkochen, Gorgonzola in Stücken hinzufügen und schmelzen lassen. Mit Pfeffer, Salz und Zucker abschmecken. Speisestärke anrühren, dazugeben und aufkochen, bis die Sauce dicklich wird.

Anrichten:
Birnenhalften in der Pfanne anwärmen, fächerförmig aufschneiden, so dass die Schnitten an der Spitze noch zusammen halten. Auf großen Tellern ein Spiegel Gorgonzolasauce ausstreichen. In der Mitte mit einem Servierring eine Portion Risotto setzen. Gebratenen Radicchio, Steinpilze und Birne darum anrichten. Risotto mit Walnusskernen garnieren. Alles vorsichtig mit Balsamicoreduktion beträufeln. 



Montag, 29. Mai 2017

Lecker Essen für Europa: Walbecker Spargel │ Radicchio Rosso di Treviso Precoce │ zypriotische Kartoffeln │ persische Berberitzen. Und ein Gläschen Limoncello

So langsam futtert sich der Genießer durch die verschiedenen Sorten des Radicchio Trevisano durch. Hatte im Winter vor Weihnachten der flammenartige Radicchio Trevisano Tardivo (klick hier) Saison und gab es im Frühjahr den betörend gelben Radicchio Variegato di Castelfranco (klick hier), kam jetzt der Radicchio Rosso di Treviso Precoce an die Reihe. Unanständige 22 cm lang, erinnert er an ein die Spitze der Hl. Lanze vom alten Kaiser Otto, die sich in tuntiges Lila verkleidet hat.

 Radicchio Rosso di Treviso Precoce

Die langen Blätter eigneten sich bestens dafür, um damit anstelle des üblichen Schinkens vegetarische Spargelröllchen herzustellen. Und so nahm ein sommerlich leichtes, lecker Essen für Europa Gestalt an. Den Radicchio aus dem norditalienischen Venetien wickelte ich um Spargel aus dem niederrheinischen Walbeck, dazu gab es neue Kartoffeln aus Zypern. Eigentlich wollte ich noch eine Sauce béarnaise als Schweizer Komponente dazu machen, doch war mir das Gedöns mit dem Wasserbad zu viel. So machte ich einfach ein feines Rührei mit Estragon-Aroma. Dass ich zum Schluss noch Berberitzen aus Persien über den Teller streute, sollte nicht irritieren. Ersten sah es hübsch aus, zweitens brachte es prickelnde Säurebltze und drittens sind die Genüsse des Orients seit eh und je integraler Bestandteil der europäischen Küche.

Um die eleganten Bitternoten der Gemüse herauszuarbeiten, blanchierte ich sie in gezuckertem Zitronenwasser. So lag es auf der Hand, dass das Gericht mit einem Gläschen Limoncello serviert wurde – von der Amalfitana in Süditalien. Für den Crunch sorgte aufgeknusperter Parmesan.

Rezept: Walbecker Spargel, Radicchio Trevisano, zypriotische Kartoffeln, persische Berberitzen

Pro Portion
6 Stangen Walbecker Spargel
8 Blätter Radicchio Rosso di Treviso Precoce
Salz, Zucker, Zitronensaft
Rapsöl
3 kleine Kartoffeln
Rapsöl
frischer Estragon, Pfeffer, Salz

Fürs Rührei
2-3 Eier
1 Schuss Weißwein
frischer Estragon-Blätter, gehackt
weißer Pfeffer, zerstoßener Koriandersamen, geriebene Muskatnuss, Salz

Parmesancrunch
4 EL geriebenen Parmesan

Berberitzen in Wasser einweichen.
Kartoffeln gründlich waschen und in Salzwasser gar kochen. Abgießen und ausdämpfen lassen.
Für den Parmesancrunch den Backofen auf 200 Grad Ober-Unter-Hitze vorheizen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtem Backblech sechs flache Häufchen geriebenen Parmesan verteulen. Ca fünf Minuetn backen, bis sie knusprig sind. Nicht zu dunkel werden lassen, dann wird der Käse bitter.

Spargel schälen, die harten Enden abschneiden. Blätter vom Radicchio lösen.
In ein Topf Wasser zum Kochen bringen, Zucker, Salz, Zitronensaft und einige Stängel Estragon dazu geben. Spargel drei, vier Minuten darin blanchieren, dass er noch Biss hat und die Spitzen in Form bleiben. Herausnehmen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Radicchioblätter im gleichen Wasser kurz blanchieren, bis die harten weißen Teile schön biegsam sind. Herausholen und mit eiskaltem Wasser abschrecken. Ebenfalls auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Jeweils 3 Stangen Spargel in zwei Blätter Radicchio wickeln.

Eier verquirlen, einen Schuss Weißwein unterrühren. Mit weißem Pfeffer, Salz, zerstoßenem Koriandersamen und geriebener Muskatnuss abschmecken. In einer Pfanne Rapsöl erhitzen, das Rührei hiningeben und unter ständigem Rühren bei mittlerer Hitze stocken lassen. Dabei gehackte Estragonblätter untermischen.

Abgetropfte Kartoffeln evtl. pellen und halbieren. Berberitzen abgießen.
In einer großen Pfanne Rapsöl erhitzen. Portionsweise Spargelröllchen und Kartoffelhälften mit Estragonzweigen darin anbraten, bis sie eine schöne Farbe annehmen. Dabei pfeffern und salzen.

Spargelröllchen, Rührei und Kartoffeln auf Tellern anrichten. Berberitzen und gehackte Estragonblääter darüber streuen. Mit Parmesancrunch garnieren.



Alle Rezepte unter dem Motto "Lecker Essen für Europa": klick hier

Montag, 27. März 2017

Urbane Landhausküche: Spaghetti Palladio (mit geräucherter Schweinebacke an Radicchio Variegato di Castelfranco)

Heute war Venedig zu Gast auf dem urbanen Landhausbalkon des Genießers. Und zwar in Gestalt des Radicchio Variegato di Castelfranco. Dieser gelbe Radicchio stammt wie auch ursprünglich der rote aus Treviso in Venetien und wurde bereits um 1800 durch eine Kreuzung aus rotem Radicchio und Endivie gezüchtet. Er sieht mit seinen violetten Sprenkeln auf gelben Grund äußerst dekorativ aus und ist geschmacklich von einer vornehm-dekadenten bitteren Süße. Kein Wunder, dass ich nicht widerstehen konnte, als er mir im Gemüsekühlraum des FrischeParadies‘ in Essen entgegenleuchtete.


Beim Zubereiten ging ich dann auf Nummer Sicher und kombinierte ihn mit Spaghetti alla cabonara. Die bereitete ich nach meinem Standardrezept zu (klick hier), gab aber einige zerzupfte Radicchio-Blatter mit zum Speck und briet sie an, bis sie gar waren. Einige schöne große Außenblätter, die mich an Jakobsmuschelschalen erinnerten, behielt ich zurück und verwendete sie zur Garnitur. Heraus kam dieser wunderbare Teller, den ich Spaghetti Palladio nannte, nach dem legendären Landhaus-Architekten in Venetien.

Zum Grundrezept Spaghetti alla carbonara klick hier.
Zu weiteren Carbonara-Rezepten klick hier.

Gelber Radicchio: Bitter-süße Dekadenz

Montag, 19. Dezember 2016

Adventsgemüse: Radicchio Trevisano Tardivo

Enthält unbezahlte und unbeauftragte WERBUNG

 Venezianisches Gemüse:
Radicchio Trevisano Tardivo

Alle sechs bis acht Wochen gönne ich mir eine Einkaufsfahrt u.a. in den italienischen Groß- und Einzelhandel Andronaco in der Dortmunder Nordstadt. Fast alle Gastronomen im westfälischen Ruhrgebiet kaufen da italienische Lebensmittel, und auch als Endverbraucher kommt man wahrlich auf seine Kosten. Ein umfangreicheres Angebot an Pasta secca gibt es in der Region wohl nicht, aber auch Pelati, Wurst, Käse, Fisch, Wein und Kaffee können jeden italophilen Feinschmecker glücklich machen. Zumindest, wenn das Sortiment komplett vorrätig ist, was leider nicht immer der Fall ist.

Eleganter Molotow-Cocktail:
Ein Tardivo als Flaschenschmuck

Seit einiger Zeit ist auch eine kleine Auswahl italienischer Gemüse im Angebot, und letzten Freitag hatte ich das Glück, den Laden genau an dem Zeitpunkt zu besuchen, als die Ware wirklich noch knackig frisch war. Besonders stach mir da der Radicchio Trevisano Tardivo ins Auge, jener Salat, der in Treviso, ein Städtchen in der Nähe von Venedig, gezüchtet wird und jetzt im Dezember Hochsaison hat. Schon der normale Radicchio Trevisano Rosso schlägt jeden labbrigen Kopf aus dem Feld, den man im normalen Supermarkt bekommt. Die Sonderform Tardivo, d.h. „spät“, ist noch einmal ein Klasse für sich. Die länglichen Blätter leuchten weiß und rot und geben dem Salat mit ihren verwirbelten Spitzen das Aussehen einer flackernden Fackel. An Eleganz im Aussehen können es nur noch Zucchiniblüten mit ihm aufnehmen. Der Geschmack ist eine zarte Versuchung aus bitter und süß. Optisch und aromatisch ist der Radicchio Trevisano Tardivo ein durch und durch venezianisches Produkt.

Gebraten und als Salat: Radicchio Trevisano Tardivo
als Beilage zu Salsiccia und Polentatalern

Die beiden Tardivo-Flammen, die ich erwarb, bereitete ich auf verschiedene Arten zu. Für die Begleitung zu gebratener Salsiccia und Polentatalern, wie es Marco Mansutti von der Vinothek Eppendorf vorgeschlagen hatte, halbierte ich eine Flamme der Länge nach. Die eine Hälfte briet ich im Salsicciafett ebenfalls an, doch achtete ich darauf, dass sie ihren Biss behielt. Vor dem Essen beträufelte ich sie mit etwas Olivenöl und gab etwas geriebenen Parmesan dazu. Die andere Hälfte schnitt ich in mundgerechte Stücke, die ich in Himbeeressig, Oliven– und Kürbiskernöl marinierte und mit Orangenfilets und Walnüssen zu einem raffinierten Salat mischte. Es war ein wunderbares Mittagessen. (Das Rezept für einen etwas aufwändigeren Radicchio-Salat gibt es hier.)

Als Zugabe zu Casarecce alla carbonara

Die andere Flamme wurde eine Erweiterung für meine heißgeliebten Nudeln alla carbonara. Neben dem Radicchio Trevisano Tardivo hatte ich bei Andronaco ein Stück Guanciale gekauft, eine römische Speckspezialität. Damit bereitete ich die Carbonara zu, dünstete den in Stücke geschnittenen Radicchio gleich mit. Für die klassische Sauce verquirlte ich Eier und Parmesan und würzte sie mit weißem Pfeffer, Muskat und zerstoßener Koriandersaat. (Zum Grundrezept klick hier). Für Nudeln alla carbonara nehme ich gern die im Gegensatz zu den klassischen Spaghetti etwas dickeren Casarecce, die in diesem Fall recht hübsch mit ein paar zurückbehaltenen Radicchio-Blättern harmonierten, mit denen ich die Teller beim Anrichten dekorierte.

 Zutaten für die Carbonara:
Nudeln, Guanciale, Tardivo, Eier, Parmesan