Posts mit dem Label Hamburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Hamburg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 11. Februar 2025

Nudeln mit Avocadosauce

Als der Gatte Mitte Januar zum ersten Mal im Krankenhaus war und länger als geplant bleiben musste, hatte ich plötzlich Avocados über. So kam ich endlich dazu, mir Nudeln mit Avocado-Creme zu machen. Das Rezept von Miriam Rürup aus "Das Jüdische Kochbuch aus Hamburg*" stand seit sieben Jahren auf meiner Nachkochliste.

Nudeln mit Avocadosauce.

Die Avocadosauce lässt sich leicht vegan zubereiten, wenn der Joghurt durch eine pflanzliche Alternative ersetzt wird. 

Dieser Beitrag geht rüber zum Dings vom Dienstag und zum Creativsalat. Vielen Dank für's Sammeln! 

Zutaten für 1 Portion:

1 Avocado
Zitronensaft
4 EL Joghurt (bzw. pflanzliche Alternative)
ggf. etwas gehackte Chilischote
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
Olivenöl
1/2 Bund glatte Petersilie, gehackt
80 g Nudeln, Sorte nach Wahl
Salz
Pfeffer

Zubereitung:

Nudeln nach Packungsanweisung kochen.

Fruchtfleisch der Avocado zusammen mit Zitronensaft und Joghurt pürieren. Mit etwas Nudelkochwasser glattrühren.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Knoblauch und Chili darin andünsten und die Petersilie dazu geben.

Nudeln abgießen und zusammen mit der Avocadosauce und dem gewürzten Olivenöl servieren.

Quelle* / *Affiliate links

Dienstag, 14. Juni 2022

In Hamburg um die Welt: Galettes und Crêpes im Ti Breizh (Bretagne / Frankreich)

Im Ti Breizh in der Deichstraße bin ich viel zu selten, seitdem ich mein Geld nicht mehr auf der Straße verdiene. Das "Haus der Bretagne" im alten Speicher ist einfach zauberhaft. Bei gutem Wetter kann man direkt über dem Fleet sitzen - je nach Wasserstand auch mal direkt auf dem Schlick, denn die Fleete fallen bei Ebbe trocken.

Vorne Galette Estivales mit warmem Ziegenkäse, Honig, Cassis-Zwiebelkonfitüre und Salat, hinten Galette Brocéliande mit Bleu d’Auvergne-Sauce, Walnüssen, Spinat und Salat

Wir waren am Himmelfahrtswochenende dort. Zumindest abends ging ohne Reservierung nichts. Das Restaurant war voller als voll, weswegen ich keine Fotos vom an sich schönen Inneren machte. Wenn du reservierst, frage nach einem Tisch im ersten Stock. Da ist es schöner als im Erdgeschoss. 

Crêpes dessert de ble noires au Caramel breton: Buchweizen-Crêpes mit hausgemachtem Karamell aus gesalzener Butter

Neben Galettes und Crêpes gibt es Fischsuppe und Salate, alles auch vegetarisch oder vegan. Zu Ti Breizh in der Deichstraße gehört auch das P'Ti Breizh an der Ölmühle neben der Marktstraße im Karoviertel. Zumindest abends empfiehlt sich eine Reservierung.

Donnerstag, 9. Juni 2022

In Hamburg um die Welt: Luncheon im Eaton Place (England)

Ende Mai war eine Blog-Freundin in Hamburg, so dass sich ein Treffen ergab. Da sie längere Zeit in UK lebte, beschlossen wir, mittags in den Eaton Place Tearoom einzukehren. Das Lokal war ausgebucht, es war also gut, dass ich vorab reservierte. 

Ploughman's Breakfast.

Eigentlich freuten wir uns auf Cornish Pasties, aber die gab's gerade nicht, und so entschieden wir uns für das Ploughman's Breakfast mit Cheddar Scones, verschiedenen Cheddar-Sorten und Feigen-Portwein-Marmelade. Das war fein.

It's cosy.

Auch die Außenplätze sind sehr gefragt. 

Gerne hätten wir anschließend noch bei Eaton Place at Home eingekauft, aber da gab's 'ne außerplanmäßige Mittagspause, die auch 30 Minuten nach der auf dem Aushang genannten Zeit andauerte. So warteten wir unter den Markisen einen Schauer ab, drückten uns die Nasen an den Scheiben platt und überlegen, was wir kaufen würden, wenn wir kaufen könnten ... 


Freitag, 25. Oktober 2019

Mein Bratkartoffel-Verhältnis: Flickenschildt auf der Uhlenhorst

Die Gaststätte Flickenschildt am Mundsburger Damm ist seit Jahrzehnten eine Institution - und genau so lange ist das Lokal berühmt für seine Bratkartoffeln. Die gibt es hier pur, mit Roastbeef, Sülze, Brathering, Kassler ...

Bratkartoffeln mit Spiegelei.
Alternativ gibt's Schwarzbrot mit Belag und Klassiker wie Strammer Max oder Toast Hawaii - und notfalls auch Salat. Außerdem gibt es eine kleine Tageskarte. Das Essen ist hausgemacht, frisch und schmackhaft.

Bratkatoffeln mit Brathering.
Ich treffe mich hier gerne mit Kollegen aus dem alten Büro oder um eine Kleinigkeit zu essen, bevor ich ins Theater gehe.

Im (gerade mal leeren) Hinterzimmer.
Das Flickenschildt ist beliebter Treffpunkt bei Theatergehern - direkt gegenüber ist das Ernst Deutsch Theater. Das English Theatre und das Theater an der Marschnerstraße sind in der Nähe. Außerdem kommen viele Stammgäste aus der Nachbarschaft gerne hierher - das heißt, man kommt möglichst früh oder reserviert besser einen Tisch.

Blick vom Hinterzimmer zum Tresen und in den Gastraum.
Unter den Stammgästen aus der Nachbarschaft sind übrigens auch viele Theaterleute - das Lokal ist eben nicht nur mit der Beanmsung nach der Schauspielerin Elisabeth Flickenschildt eng mit dem Theater verbandelt.

Freitag, 7. September 2018

NIDO-Revival-Abend aka Sushi- und Schitzel-Abend im Mozzer's Wohnzimmerbistro

Viele haben mir von der austro-asiatischen Küche im NIDO vorgeschwärmt, aber ich hab's einfach nicht geschafft, dort einmal essen zu gehen. Zum Glück gibt's regelmäßig NIDO-Revival-Abende im Mozzer's Wohnzimmerbistro, das die ehemaligen NIDO-Macher betreiben.

Blick ins Wohnzimmerbistro.
Einer dieser Abende fiel mit meinem Geburtstag zusammen, und so musste der ausgehmuffelige Gatte mit, ob er wollte oder nicht. Ich versprach ihm aber, er müsse kein Sushi essen, fischophob, wie er nun mal ist.

Sushi.
Beim Lesen der Speisekarte befand der Gatte dann allerdings, das Menü läse sich gut.

Schnitzel.
"Öhm, das ist mit Sushi." - "Ja, und?" - "Sushi ist mit Fisch." - "Ja, und?" - "Der Fisch ist roh." - "Das macht doch nichts." - "Du isst keinen rohen Fisch. Du isst nur Fisch, der weder nach Fisch aussieht noch nach Fisch schmeckt." - "Ach was."

Kasierschmarrn.
Was soll ich sagen? Der Kerl isst Sushi. Freiwillig. Er befindet es für lecker. Und will seitdem regelmäßig Sushi essen. Sachen gibt's!

Kaiserschmarrn.
Die nächste Chance auf Sushi und Schnitzel gibt's kommenden Freitag, am 14. September 2018, ab 18 Uhr.

Montag, 5. März 2018

Sie sind wieder da: Die englischen Bonsche in der goldenen Dose von Cavendish & Harvey [Reklame]

Meine Eltern fuhren viel Auto, zum einen, weil's auf dem platten Land kaum ÖPNV gab, zum anderen, weil Vadderns durch eine Behinderung nur wenig laufen mochte. Da Vadderns auch Flugangst hatte, ging's auch mit dem Auto (und Familie) zu Kunden ins Ausland und in den meist anschließenden Urlaub.

Neben Drops gehören auch Winegums, Mints, Toffees, Fudge und Eclairs zum Sortiment von Cavendish & Harvey.
Ich habe als Kind also viel Zeit im Auto verbracht, lesend, mit Hörspielen oder Musik, mit In-die-Landschaft-gucken - und mit Bonschelutschen. Festes Ritual war nämlich, dass beim Tanken englische Bonsche in einer goldenen Dose gekauft wurden.

Alles beginnt mit dem Abwiegen von Glucosesirup.
Bei diesen Bonsche fand ich besonders fein, dass sie in Puderzucker gehüllt waren. Der überschüssige Puderzucker sammelte sich in der Dose und wurde, wenn alle Bonsche gelutscht waren, mit dem Finger aufgestippt, zusammen mit Bonschekrümeln.

Alles beginnt mit Glukosesirup. 
Dann kommt Zitronensäure dazu.
Mit Fruchtsaft kommt dann Geschmack in den Drops.
Irgendwann gab's diese Bonsche nicht mehr, aber jetzt hat die Kaltenkirchener Süßwaren-Manufaktur Cavendish & Harvey die sie wieder neu aufgelegt.  Und das Beste: Sie schmecken noch genau so wie früher, wirklich!

Mit dem Spatel werden alle Zutaten vermischt. Dann wird die Masse mehrfach gefaltet, bis sie kalt genug ist, um die mit der Hand zu ziehen.
Jetzt kann die Zuckermasse mit der Hand weiterverarbeitet werden.
Die Masse wird gezogen, gefaltet und geknetet, bis die Konsistenz stimmt.
Jetzt kann die Masse langsam in die Walze.
Die Bonschemasse darf gleich in die Walze, und die Stepkes freuen sich schon darauf.
Neben Zucker und Glukosesirup sind je nach Sorte Fruchtsaft, Butter, Kaffee oder Eukalyptusöl unter den Zutaten. Neben der klassischen Fruchtmischung ergänzen Geschmacksrichtungen wie Sour Cherry, Pink Grapefruit sowie Sour Lemon das Angebot.

Das werden Grapefruit-Drops.
Eine Platte Grapefruit-Drops, hergestellt mit einer historischen Südtiroler Schablone. Die Bonsche werden nach dem vollständigen Erkalten vorsichtig getrennt , mit Puderzucker bestäubt und in Dosen gefüllt.
Zum Relaunch luden Cavendish & Harvey zusammen mit Lauffeuer Kommunikation in das entzückende Geschäft Kittel's Fine British Goods in Eppendorf. Dort konnten wir bei Scones und Sandwiches sehen wie die wunderbaren Bonsche hergestellt werden oder auch selbst mit Hand anlegen.

Die handgemachten Drops sind fertig!
In der Manufaktur in Kaltenkirchen wird natürlich in großem Stil produziert. Bei Kittel's kam die mobile Manufaktur in Form einer fast 150 Jahre alte Bonbonwalze mit unterschiedlichen Schablonen zum Einsatz. Da brauchte es ganz schon Muskelkraft!

Die Zutaten für die Frucht-Drops auf einen Blick.
Herzlichen Dank an Cavendish & Harvey, Lauffeuer und Kittel's für die süße Einladung (auch im Namen der Büro-Kolleginnen, die sich darüber freuen, dass jetzt immer eine gut gefüllte Bonsche-Dose auf meinem Besprechungstisch steht)!

Affiliate link zu Cavendish & Harvey-Drops bei Amazon und bei World of Sweets.

Sonntag, 25. Juni 2017

Essen in der Hackbaron Beefbar

Unter dem Namen "Hackbaron" bieten seit längerer Zeit zwei Imbisswagen Foodtrucks allerlei Gehacktes auf den Straßen der Stadt feil. Seit diesem April gibt es nun in der Großen Bergstraße 247, zwischen Klippkroog und Krögers Kleine Schwester, die Hackbaron Beefbar. Da trafen wir uns vor einigen Tagen.

Okay, die Zusammensetzung war schwierig: Einer liebt Hack, einer isst alles außer Hack und dachte, wir treffen uns beim Mexikaner, und zwei essen Hack. Mit jemandem, der kein Hack isst, zum Hackbaron zu gehen, ist schon eine Herausforderung, aber dieses Detail ging bei der Absprache des Treffens irgendwie unter ... Zwar gibt es beim Hackbaron auch hackfreie Speisen, aber diese wurden ebenfalls nicht goutiert, noch nicht mal die Fritten. Bis dahin dachte ich, Fritten gehn immer. Nun denn.

Vorne Fighting Irish mit Sweet Potatoe Fries, hinten Double Daddy mit Classic Fries.
Zumindest drei fanden schnell etwas auf der übersichtlichen Speisekarte, für die wir erstmal Hipsterisch lernen müssen: Double Daddy Burger mit Classic Fries, Fighting Irish Burger mit Sweet Potatoe Fries, Meatball mit Kartoffelstampf (sicher heißt der auf Hipsterisch Potatoe Mash oder German PotatoeStampf oder so) und German Bratensauce (bislang dachte ich, die braune Tunke wäre auf Englisch schlichtweg gravy, aber das ist wohl nicht hipp genug).

Während mich der Fighting Irish samt Süßkartoffelfritten überzeugte (wenngleich ich auf die Chips auf dem Klops auch hätte verzichten können, und überhaupt, was zur Hölle sind eigentlich BritishChips? Auf dem Burger waren Crisps. Hipsterisch ist schon 'ne merkwürdige Sprache), fand der Gatte den Double Daddy zu trocken. Die begleitenden Fritten hätten deutlich knuspriger sein können. Das geht besser. Und: In beiden Fällen hätten Burger als auch Fritten wärmer sein können.

Fighting Irish Burger mit Sweet Potatoe Fries.
Während wir mit der Portionsgröße bei Burgern und Fritten zufrieden waren, befand Frau K. ihren Klops mit Kartoffelstampf zwar für lecker, die Portion aber als zu klein. Sie verdrückte hinterher noch woanders problemlos einen großen Salat, und das will was heißen. Herr M. entschied sich für einen Burger mit ohne alles und ansonsten dafür, alles doof zu finden. Okay, auch 'ne Option.

Wir wären nach dem Essen gerne noch auf einen Kaffee und ein Dessert geblieben, aber beides gibt es nicht. Schade.

In der Beefbar gibt's Selbstbedienung, bestellt wird also am Tresen. Das Essen wird dann an den Tisch gebracht. Eine Geschirrrückgabe gibt's nicht, das Geschirr wird direkt dem Spüler in die Hand gedrückt, wenn er denn gerade eine frei hat, und wenn sich bei der Rückgabe eine Schlange bildet, steht man sich gegenseitig im Weg (und kollidiert mit denen, die am Tresen bestellen wollen). Das ist nicht so ganz durchdacht.

Klops mit Kartoffelbrei und Sauce.
Nicht so ganz durchdacht erscheint mir auch das Konzept der Beefbar. Ist es ein Restaurant? Ein Schnellimbiss? Dazu passt auch, dass die Beefbar gar nicht auf der Homepage des Hackbaron erscheint, sondern nur die Imbisswagen Foodtrucks auf der wöchentlichen Street Food Session auf dem Spielbudenplatz. Gleiches gilt für die Speisekarte: Die auf der Homepage bzw. die der Imbisswagen Foodtrucks unterscheidet sich von der in der Beefbar. Fast bin ich versucht zu denken, man möchte keine Gäste in der Beefbar haben.

So blieb dann bei mir der Eindruck, dass fast 35 Euro für zwei ziemlich lauwarme Burger mit Fritten und zwei Kaltgetränken in einem besseren Imbiss schon 'ne Hausnummer sind. Das reißen auch das wirklich gute Fleisch von Die Feinschmecker und die Brötchen von Pritsch nicht 'raus.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Hamburgs fünfte Jahreszeit: Der 2016er Senatsbock

Senatsbock.
Als letzten Montag einige Rosenmontagsumzüge wegen einer Sturmwarnung abgesagt wurden, gingen die selbsternannten Abendlandretter aus Dresden und umzu steil und überboten sich in putzigen Verschwörungstheorien.

Als die hanseatisch-seriösen Norddeutschen Nachrichten meldeten, in Hamburg sei der Rosenmontagsumzug wegen der Flüchtlinge abgesagt worden, ging's bei den Pegidioten richtig rund (der entsprechende Thread ist inzwischen gelöscht).

Was die kulturlosen Kulturretter übersahen: Hamburg würde niemals einen Rosenmontagsumzug wegen Sturms absagen. Hamburg würde nämlich nie einen Rosenmontagsumzug veranstalten.

Dennoch gibt es eine fünfte Jahreszeit in Hamburg: Die Senatsbockzeit.

Seit letztem Jahr knüpfen fünf Craft Beer-Brauereien an eine Erfindung aus den 1950er Jahren an: Da war es für ein knappes Jahrzehnt üblich, dass Ende Januar / Anfang Februar der Senatsbock angestochen wurde. Gemäß Hamburgs jahrhundertealter Tradition als Brauhaus der Hanse wurde das Ereignis im Curiohaus gebührend zelebriert, wie ein Bericht im Hamburger Abendblatt zu schildern weiß (dann auch, wenn wir seriöse Hanseaten sind, feiern können wir. Nicht nur an Karneval).

Gut zwei Jahre tüftelten die Jungs und Deerns von Block Bräu, Gröninger, Kehrwieder, Brauhaus Joh. Albrecht und Ratsherrn am gemeinsamen Projekt. Heraus kam ein sehr cremiger, samtiger, fast schwarzer Doppelbock, gebraut bei Ratsherrn in den Schanzenhöfen.

Das Bier ist suffig, mit Kakaonoten, die ich sehr mag, Kaffeenoten und Röstmalzaromen, nicht zu malzig-süß im Antrunk, nicht zu bitter im Abgang, mit ordentlich Wumms (7,7 Vol.% - oder anders: mehr als eins heißt, ich muss nach Hause getragen werden). Der Senatsbock ist ungefiltert, so dass sich der Gatte an ein Kellerbier erinnert fühlte und, obwohl Bocktrinker, beschied, der Senatsbock sei nichts für ihn.

Umso besser, bleibt mehr für mich, denn wenn der diesjährige Senatsbock ausverkauft ist, heißt es, bis zum nächsten Jahr zu warten.

Dienstag, 26. Januar 2016

Blogger für Flüchtlinge: Schulspeisung, Schwedenspeisung und die Kekssuppe

In der Freitagsausgabe des Abendblatts findet sich ein Artikel zum Schulbeginn in Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg, "Schule 1946: 'Hungern, frieren – und ein bisschen lernen'", der mich daran erinnerte, dass ich schon länger mal über Kekssuppe schreiben wollte.

Kekssuppe.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die deutsche Zivilbevölkerung viel Hilfe von den Staaten, mit denen Nazi-Deutschland nur wenige Monate vorher noch im Krieg war. In Hamburg sprangen im harten Nachkriegswinter 1946/1947 auch die Schweden ein: Sie verteilten an die drei- bis sechsjährigen Suppe, oft die typische Erbsensuppe, die in vielen skandinavischen Ländern gerne gegessen wird, gelegentlich Milchsuppe (gekochte, mit Mehl gebundene Milch) und Lebertran.

Spricht man mit denen, die damals von der Schwedenspeisung profitieren durften, erinnern sich viele außer an den gräuslichen Geschmack des Lebertrans vor allem an eins: Kekssuppe.

Nur: Die gab es bei den Schweden gar nicht, wohl aber bei den Briten und Amerikanern, die ebenfalls dazu beitrugen, die Not der deutschen Zivilbevölkerung ein ganz klein wenig zu lindern. Dass dieses nur im Ansatz gelang, steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist: Ohne die Hilfe der Alliierten, aus Schweden, Dänemark, der Schweiz, Chile, Südafrika und anderer Nationen hätten viele deutsche Kinder die Nachkriegswinter zwischen 1946 und 1949 nicht überlebt.

Dabei war es nicht etwa so, dass es den Ländern, die halfen, wirtschaftlich besser ging. Im Gegenteil: Bis weit in die 1950er Jahre waren beispielsweise in Großbritannien Lebensmittel rationiert, um einen Überschuss zu erzeugen, mit dem die deutsche Zivilbevölkerung unterstützt werden konnte. Die Bevölkerung dort hungerte also, damit die Deutschen ein wenig mehr zu essen hatten.

Ausgabe der Schulspeisung an einer Hamburger Schule 1946 (Quelle: DGDB).
Allein in Hamburg wurden durch die Schwedenspeisung täglich 40.000 Essen zubereitet und an zwei- bis sechsjährige Kinder ausgegeben. Eines war meine Tante, die kleine Schwester meines Vaters. Von den beiden habe ich hier schon mal erzählt.

Insgesamt waren es für alle Bevölkerungsteile 160.000 Portionen Hilfsspeisungen - pro Tag. Alleine in Hamburg. Gekocht wurde damals auf dem alten Schlachthofgelände im Karoviertel mit Dampf, der aus dem Kraftwerk Karoline kam - zum Kochen mit Dampf brauchte man weniger Kohle, und Kohle war in den Nachkriesgwintern noch knapper als Nahrung.

Zweimal täglich wurde die Schwedenspeisung an 350 Ausgabestellen überall in Hamburg ausgegeben, nachdem sie mühselig dort hin transportiert wurde - bei Schnee und Eis kein leichtes oder ungefährliches Unterfangen.

Bei der Verteilung wurde darauf geachtet, dass die Kinder sofort aßen, nichts mit nach Hause nahmen. Das hatte zwei Gründe: Die Schwedenspeisung sollte den Schwächsten, den Kindern, zugute kommen, und immer wieder überfielen ausgehungerte Erwachsene Kinder, die das Essen im Henkelmann mit nach Hause nahmen.

Die Kekssuppe, an die sich viele erinnern, ist je nach Schilderung eine erwärmte Milchpulver-Wasser-Mischung mit Zwieback oder - viel wahrscheinlicher, da im angloamerikanischen Raum verbreiteter und nahrhafter, Quaker Oats Cookies*, Haferkekse. Für letztere  spricht vor allem die Aussage, dass in der Suppe gelegentlich auch Schokostückchen oder Rosinen schwammen.

Kekssuppe.
Oft ist von einer gebundenen Milchsuppe, in der Kekse schwammen, die Rede. Das geht dann in Richtung einer süßen Pudding- oder Milchsuppe, wie sie seit Jahrhunderten in vielen Ländern für Kinder zubereitet wird. Ich vermute, dass die Zusammensetzung der Kekssuppe stark schwankte und auch regional unterschiedlich war, dass verkocht wurde, was zu bekommen war.

Nur die Kekssuppe, die gab's bei der Schwedenspeisung halt nicht.

Kekssuppe 

Zutaten für 1 - 2 Portionen:

500 ml Milch
1 Prise Salz
20 g Stärke
1 - 2 EL Zucker
Mark einer halben Vanilleschote
3 - 4 Frühstückskekse oder auch mehr, je nach Geschmack. Falls Du keien Quaker Oats Cookies* bekommst, kannst Du auch McVities*, Granola* oder Frühstückskekse* nehmen

Zubereitung:

1 EL Milch abnehmen und mit Stärke, Zucker und Vanillemark klümpchenfrei verrühren. 

Die Milch zum Kochen bringen, die Prise Salz dazu geben, dann die Stärkemischung einrühren. Den Topf vom Herd nehmen und die Milchmischung ausquellen lassen.

Kekse in einen Teller geben, die Milchmischung darüber gießen und servieren.

Hier gibt es ein Filmdokument zur Schulspeisung 1946 und hier einen ausführlichen Artikel über die Schwedenspeisung. Diese Beitrag unterstützt die Initiative "Blogger für Flüchtlinge".

*Affiliate links und Bücher zum Thema:

Donnerstag, 26. November 2015

Orange-Gebackenes / Orangenkekse nach dem Rezept einiger Hamburger Frauenzimmer aus dem Jahre 1798

Als ich mein Geld noch auf den Straßen der Stadt verdiente, buk ich rechtzeitig zum ersten Advent Kekse nach alten Hamburger Rezepten, die meine Gäste auf weihnachtlichen Stadtführungen verzehrten. Das brauchte meine Küche regelmäßig an die Grenze ihrer Kapazitäten.

Orange-Gebackenes, rustikale Orangenkekse.
Der Gatte erinnert sich mit Grausen daran, wie einige 100 Tüten und zahlreiche Bleche voller Kekse auf dem ausgezogenen Esszimmertisch standen und darauf warteten, verpackt zu werden, und auch ich bin froh, dass diese Zeiten vorbei sind.

Inzwischen backe ich wieder gerne Kekse und gelegentlich sogar die der alten Rezepte wie Orange-Gebackenes.

Ein Berg Kekse.
Das Originalrezept aus dem Jahre 1798, wie es sich im "Hamburger Weihnachtsbuch"* oder im "Hamburg-Kochbuch"* findet, lautet: "Man nimmt ein Pfund Mehl, ein halbes Pfund Butter, ein halbes Pfund Mandeln, ein halbes Pfund Zucker, von vier Eiern das Gelbe, Kardamom, geriebene Zitronenschale, zwei Löffel voll Rum.

Die Butter wäscht man wohl, rührt sie dann zur Salbe, tut die Eier und Zucker wie auch Mehl und Mandeln dazu, reibt es gut durch, dass es steif wird, rollt es dann, schneidet es mit einem heißen Messer, in welche Form man will, bestreicht sie mit Orangensaft, bestreut sie mit Kaneel und Zucker und bäckt sie langsam gar."

Ein Hamburger Pfund aus dem Jahre 1798 entspricht 551,23 Gramm. Ein Löffel sollte mindestens ein Esslöffel sein, eher größer.

Orange - Gebackenes / Orangenkekse nach dem Rezept einiger Hamburger Frauenzimmer aus dem Jahre 1798

Zutaten für 1 Portion (ca. 150 Kekse):

500 g Mehl
250 g Butter
250 g Mandeln, gemahlen
500 g brauner Zucker
4 Eigelb
1 TL Kardamom, gemahlen
1 Zitronen, heiß abgewaschen und abgetrocknet, den Abrieb davon
4 EL Rum
2 Orangen, den Saft davon
4 EL Zimt

Zubereitung durch ein modernes Hamburger Frauenzimmer:

Die gemahlenen Mandeln in einer Pfanne ohne Fett leicht anrösten. Die Butter schaumig schlagen, mit Eigelb, 250 g Zucker, Mehl, Mandeln und Zitronenschale verkneten. Etwa 4 Esslöffel Rum hinzufügen, sodass sich der Teig gut verarbeiten lässt.

Aus dem Teig einzelne Rollen formen, von den Rollen kleine Stückchen abschneiden (nicht zu dünn, der Teig ist sehr bröslig). Die restlichen 250 g Zucker mit dem Zimt vermengen. Die Stückchen einzeln in Orangensaft tunken, im Zimtzucker wälzen und einzeln vorsichtig auf ein mit Backpapier oder Alufolie ausgelegtes Backblech drücken. Bei 150° Umluft ca. 20 Minuten backen, bis der Zucker geschmolzen und die Plätzchen goldbraun sind.

Achtung: Nach dem Backen sind die Kekse sehr weich. Wenn sie kalt sind, werden sie wieder hart. Unbedingt Backpapier oder Alufolie verwenden, sonst kleben die Kekse am Backblech fest.

*Affiliate links.

Montag, 13. Juli 2015

In Hamburg um die Welt: Peking / China - Miss Yang

Wir sollten öfter verzweifelt essen gehen, scheint's, weil wir dann wohl gute Restaurants entdecken.  Das "Ducky's" in Bad Nauheim war jüngst so ein Fall. Jetzt führte uns eine Reihe von Zufällen zu Miss Yang.

Shao Mai, gedämpfte Teigtaschen, mit Hack gefüllt.
Shao Mai von oben.
Was als Notlösung anfing, entpuppte sich als Geheimtipp: Binnen einer Woche waren wir gleich zwei Mal bei Miss Yang, und zwei Wochen später prompt wieder - und das, wo der Gatte ausgesprochen ungern essen geht.

Guo Tie, gebratene Teigtaschen mit Hackfüllung.
Xudong Yang hat ein klares Konzept: Sie bietet Küche ohne Schnickschnack an. Dementsprechend klein (im Vergleich zu anderen China-Restaurants) ist ihre Speisekarte. Was nicht aus dem (großzügig ausgelegten) Großraum Peking kommt, was in ihren Augen nicht authentisch ist, kommt nicht auf die Karte. Basta.

Die Speisekarte.
Blick ins Lokal. Vieles von der Einrichtung wurde vom Vormieter übernommen.

Die Speisen kommen ohne zusätzliches Glutamat aus. Der hauchdünne Teig für Wan Tan und Dim Sum ist selbstgemacht, genau wie die Saucen und die anderen Speisen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber heute ja leider nicht mehr. Als Dessert gibt es keine frittierte Banane oder Dosenlitschis, sondern gebackenes Eis, ein Klassiker der asiatisch-europäischen Küche der 1990er Jahre, der es irgendwie nie in deutsche China-Restaurants schaffte.

Noch ein Blick ins Lokal. Rechts geht's in den zweiten Gastraum.
Im Vergleich zu anderen China-Restaurants sind die Portionen klein, aber absolut ausreichend. Wir aßen sonst immer zu viel, weil wir das Bedürfnis hatten, die Mengen schaffen zu wollen - ist doch schade, wenn was umkommt.

Frühlingsrollen.
Wann immer wir zum ersten Mal in ein China-Restaurant gehen, isst der Gatte Schweinefleisch süß-sauer. Das ist für ihn ein Testessen, das über die Güte des Lokals entscheidet. Bei Miss Yang meinte er nach den ersten paar Bissen begeistert, endlich habe er ein Lokal gefunden, in dem das Gericht so schmeckt, wie es seiner Meinung nach schmecken soll.

Kung Pao - Huhn mit Erdnüssen und scharfer Chilisauce, für Mädchen wie mich "nur deutsch scharf".
Und auch mich begeisterte das Schweinefleisch süß-sauer, weil nicht verschiedene 0815-Fertigsaucen zusammengekippt wurden. Die Sauce schmeckte frisch und fruchtig, das Fleisch war hauchdünn mit genau richtig viel Panade.

Schweinefleisch süß-sauer.
Unser Tipp sind Wan Tan, Dim Sum und Frühlingsrollen sowie Miss Yangs Spezialtee - und natürlich das Schweinefleisch süß-sauer und das Dessert und ... ach, am Besten, Du isst Dich einmal durch die Karte!

Schweinefleischstreifen nach Peking Art mit ... 
... Pfannkuchen. Daraus werden ... 
... handgerollte Köstlichkeiten, die auch mit der Hand gegessen werden. 
Miss Yang übernahm die Einrichtung vom Vormieter, denn in der weißen Villa an der Autobahnauffahrt Bahrenfeld, in der sie ihr Zuhause gefunden hat, wechseln die Lokale schneller, als man gucken kann. Dementsprechend sind noch viele Elemente vom mediterranen Vormieter erhalten. Dafür fehlen Brunnen, Buddhas, Aquarien und der sonst übliche Asien-Deko-Kitsch.

Miss Yangs Spezialtee: Grüner Tee, Gojibeeren, Orange, Honig, Ingwer. Heißwasser wird auf Wunsch immer nachgefüllt. 
Zu den Dingen, die vom Vormieter übernommen wurden, gehört auch defektes Kartenzahlungsgerät. Deswegen ist momentan nur Barzahlung möglich (notfalls ist ein ATM an der Tankstelle gegenüber).

Gebackenes Eis mit Früchten.
Wir hoffen, dass Miss Yang lange hier bleibt! Deswegen: Hin da und essen, hopp, hopp!

Nach Japan reisen wir kulinarisch nach Peking. Mal schauen, wohin unsere kulinarische Weltreise als nächstes geht.