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Samstag, 7. Februar 2015

Rückblick: Wochenplan in KW 5 und 6 - Haggis und ein Aufruf gegen Lebensmittelabfälle

Frau SchokoladenFee erarbeitet zu Studienzwecken gerade eine App zum Thema Lebensmittelverschwendung, und da unser Wochenplan ja eine Möglichkeit ist, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, trommle ich doch gerne für ihre Aktion. Hier informiert sie ausführlich darüber, und hier ist der Fragebogen zur Aktion.

Die zurückliegende Woche war durch Vertretungsdienst geprägt. Ich hatte Spätdienst, also gab's Gerichte, die schnell gehen. Zudem leidet der Gatte immer noch unter krankheitsbedingter Appetitlosigkeit, also darf er den Speiseplan bestimmen, denn ich bin froh, wenn er überhaupt was isst.

Unser Plan für die KW 6 sah vor:

Sonnabend: Brotfrikadellen und Blumenkohl. Es wurde ein Brot-Blumenkohl-Auflauf.

Sonntag: Knipp und Bratkartoffeln. Es gab nochmal den Auflauf.

Montag: Hühnerfrikassee.

Dienstag: Aus den Spaghetti Bolognese wurden Pellkartoffeln mit Quark.

Mittwoch: Aus "Vermutlich wie Dienstag, hängt von der Abendgestaltung ab" wurden die für Dienstag geplanten Spaghetti Bolognese.

Donnerstag: Da es die Pellkartoffeln mit Quark oder Grüner Sauce schon am Dienstag gab, aß der Gatte nochmal Spaghetti Bolognese. Für mich gab's israelische Köstlichkeiten - Fremdessen im Leonar vor dem Theater.

Freitag: Burger, hausgemacht.

In der KW 5 war das jährliche Haggis-Essen angesagt. Aber erst gab's am Sonnabend die Reste vom Freitagshuhn, in der Pfanne aufgebraten.

Sonntag war ich dann mit lieben Menschen im Gasthof Möhrchen zu Gast, wo Oliver Trific für das traditionelle Burns Supper Zuflucht fand - sein Restaurant an der Holzbrücke ist ja noch nicht fertig.

Hier ein paar Impressionen:

Die Musiker machen sich schon bereit für den Haggis.
Aber erst kommt die Vorspeise: Zitroniger Lachs auf Rote-Bete-Creme mit Wachtelei und Rote-Bete-Chips.
Der Haggis kommt.
Da liegt der Haggis und wartet auf sein Schicksal.
Address to the Haggis.
Gleich geht's dem Haggis an den Kragen: "His knife see rustic Labour dight ..."*
"... An cut you up wi ready slight, Trenching your gushing entrails bright, Like onie ditch ..."*
" ... And then, O what a glorious sight, Warm-reekin, rich!"*
Der Haggis wäre dann so weit. 
Haggis, Neeps und Tatties. 
Korinthenküchlein mit Stilton.
Kein Haggis ohne Whisky.
Der Abend war wieder zauberhaft!

Montag gab's Hähnchenbrustfilets mit Za'atar und Tahini - Filets hat der Bürschlachter zum Glück auch ohne Vorbestellung da.

Dienstag sollte es eigentlich gefüllte Pfannkuchen geben, aber der Gatte bereitete den für Mittwoch geplanten Schichtkohl vor. Der reichte locker für zwei Tage.

Donnerstag gab's Blumenkohlsalat.

Freitag wollten wir eigentlich ausgehen und fremdessen, aber unsere Verabredung sagte ab. Der Gatte hatte eine anstrengende Woche hinter sich, ich vertrat seit Mittwoch mal wieder Kollegin II und war ebenfalls durch, also fielen wir ins Bett. Später gab's dann ein paar Nudeln.

*Quelle der Burns-Zitate

Affiliate Links zum Whisky Flight des Burns Supper

Donnerstag, 30. Januar 2014

In Hamburg um die Welt: Schottland - Annual Burns Supper im trific

Wir reisen in Hamburg kulinarisch
um die Welt.
Wieder mal das trific.

Wieder mal ein Burns Supper.

Wieder mal war's sehr fein.

Und da der 25. Januar endlich mal auf einen Sonnabend fiel, konnte ich sogar den einen oder anderen Whisky probieren.

Das heißt, wir nahmen sogar den kompletten Whisky-Flight, teilten aber schwesterlich, damit wir es noch nach Hause schafften (wobei der Nachbartisch anbot, uns zum Bus zu rollen, aber ich glaube, das hätten die nicht wirklich wollen gewollt).

Dieses Jahr gab es

Scoth Egg

Scoth Egg.
Haggis, Neeps and Tatties

Haggis, Neeps and Tatties.
Gedämpfter Pudding mit Drambuie-Parfait und Butterscotch-Sauce

Gedämpfter Pudding mit Drambuie-Parfait und Butterscotch-Sauce.
Für die Unterhaltung sorgten auch dieses Jahre wieder Axel Bogdan und Hannah Rautmann, diesmal unterstützt von Matthias Koitzsch.

Ausschnitt des Whisky-Flights.
Bei den Whiskys fand ich es erstaunlich, wie sehr sich mein Geschmack seit dem ersten Tasting in Dänemark im September entwickelte. Ich mag inzwischen Whiskys, von denen ich früher nie gedacht hätte, dass sie mir schmecken würden.

Whisky-Fight beim Whisky-Flight.
Nach getrennten Weinregalen haben der Gatte und ich nun auch getrennte Whisk(e)y-Regale. Die eine oder andere Flasche aus dem Whisky-Flight kommt sicher auf meinen Geburtstagswunschzettel.

Und da nächstes Jahr das Burns Supper auf einem Sonntag ist, werde ich sicherheitshalber für den nächsten Tag schon mal Urlaub einreichen. Besser ist das.

NachLitauenSpanien,Vietnam und Australienging's diesmal nach Schottland.

Montag, 28. Januar 2013

Burns Night 2013 im Trific: Schottische Sitten, himmlisches Essen

In den "Memoiren des Herren von Schnabelewopski" stellt Heinrich Heine fest, dass das Essen in Hamburg himmlisch ist und die Sitten englisch. Am letzten Freitag im gut gefüllten Trific war das Essen wie üblich himmlisch, die Sitten hingegen aber waren schottisch, denn wir trafen uns zum Burns Supper zu Ehren des schottischen Dichters Robert Burns.

Der Ablauf so einer Burns Night ist relativ festgelegt. Das Essen besteht aus drei Gängen. 

Vorspeise ist traditionell eine Suppe. Ich bin Suppenkaspar und war alles andere als Böse, dass die Suppe durch ein wunderbares Lachstatar ersetzt wurde.

Tatar of Scottish salmon with roe and quials egg (und meine neue Kamera zeigt, dass sie
auch unscharfe Fotos machen kann ...).
Dann kommt der Höhepunkt, das Hauptgericht, der Haggis. Unter den Klängen des Dudelsacks wird er aus der Küche ins Lokal getragen. Dann wird das Burns-Gedicht "Address to a Haggis" rezitiert.

Axel Bogdan (rechts) rezitiert "Address to a Haggis"
Zu den Versen "His knife see rustic Labour dight, / An' cut you up wi' ready sleight, / Trenching your gushing entrails bright, / Like ony ditch; / And then, O what a glorious sight, / Warm-reekin', rich!" fährt das Messer in den Haggis. Noch ein Toast, dann wandert der Haggis zurück in die Küche, um zerlegt und mit Neeps (Steckrüben) und Tatties (Kartoffeln) serviert zu werden.

Haggis mit Neeps und Tatties.
Als Dessert gibt es beim Burns Supper traditionell Trifle, was für mich ein eher langweiliges Dessert ist. Spannend (und lecker!) hingegen war das Scottish Tiramisu aus Shortbread, Whisky, Bitterorangenmarmelade und Ziegenfrischkäse, das es als Dessert gab.

Scottish Tiramisu.
Meine Begleiterinnen witzelten schon, irgendwann erhielte ich im Trific Hausverbot, weil ich immer Gäste mit Sonderwünschen anschleppe. Diesmal aßen zwar alle brav den Haggis, wenngleich G. der Meinung war, er schmecke umso besser, je mehr Apfelmus sie dazu äße, aber wir rechneten nicht damit, dass G. keine Ziegenprodukte isst ...  

Nach dem offiziellen Teil ging's weiter mit Musik und Gesang. Wir drei waren allerdings ziemlich geschafft von der zurückliegenden Woche, so dass wir nicht mehr allzu lange blieben. Da ich unerwarteterweise doch mit dem Auto unterwegs war, musste ich auch auf die Whiskybegleitung verzichten ... Hoffe ich dafür halt auf das nächstjährige Burns Supper!

Mittwoch, 9. Januar 2013

Reminder: Burns Night / Burns Supper im Trific 2013

Am 25. Januar ist wieder Burns Night im Trific, und dieses Jahr bin ich wieder fit genug, um daran teilzunehmen.

Der Tisch ist reserviert.

Ich freue mich auf das Wiedersehen mit G. und auf einen Abend abseits des Hauses, das Irre macht, mit S.

S. bereitet sich schon tapfer auf das Haggistier vor, denn dieses Mal will sie nicht kneifen. In der Woche drauf fliegt sie nämlich nach Indien. "Wer weiß, was ich da zu essen bekomme! Und wenn ich schon Haggis esse, dann nur im trific!"

Eben.

Der Gatte ist angewiesen, die Fahrbereitschaft zu übernehmen, damit ich in den Genuss der Whiskybegleitung komme, falls ich mag, denn am nächsten Tag ist ja frei. Solange er nicht mit muss und - Gott bewahre - Haggis essen muss, macht er alles, vermute ich. Dabei ist Haggis lecker. Wirklich!

Das Burns Supper findet am 25. Januar 2013 um 19 Uhr statt. Reservierungen direkt im Trific.

Mittwoch, 30. März 2011

Spontane Einigkeit beim GV - Der Food Porn-und-Blind Dates-Bericht, Teil I

Eigentlich wollte ich Nummer eins mittags vom Flughafen abholen und nachmittags gemeinsam mit ihr Nummer zwei vom Bahnhof. Nummer drei sollte ja eh’ erst am nächsten Tag kommen. Dann musste ich arbeiten, konnte also nicht zum Flughafen. Nummer eins bestellte einen Shuttle. Und wurde am Flughafen vergessen. Ist der Wurm erst mal drin, dann richtig. Auch Nummer zwei bestellte einen Shuttle. Und wurde vergessen. Als ich endlich Feierabend machen konnte, lieh sich eine Kollegin meinen Schlüssel aus. Sie wollte nur mal kurz auf die Toilette. Nach mehr als fünfzehn Minuten fragte ich mich, wie sie „nur mal kurz“ definiert. Nach einer halben Stunde klapperte ich mit dem Schlüssel einer anderen Kollegin Toilette und benachbarte Büros auf unserem Flur ab, wo ich sie dann schließlich fand, klönend mit einer weiteren Kollegin.

Mit etwa sechs Stunden Verspätung konnte ich dann endlich los zum Blind Date, das passenderweise in einem anonymen Hotel an einer Ausfallstraße in Autobahnnähe im Hamburger Westen stattfinden sollte. Dass dort mal wieder der Verkehr zusammenbrach, wir ständig in irgendwelchen Staus steckten, wunderte nicht weiter. Auch dass Tag vier und fünf anders verlaufen sollten als geplant, sollte bei dem holprigen Auftakt eigentlich nicht verwundern – ich legte mich mal wieder fiebrig erkältet aufs Canapée, und der Besuch zog alleine los. Aber zum Glück kommen sie ja wieder. Bald. Und dann wird der Rest des Programms nachgeholt.

So fielen am ersten Tag das geplante nette Mittagessen und der Winterhude-Eppendorf-Bummel aus. Aber wir kamen rechtzeitig zum Essen ins trific. Spannend war, was wohl drei Foodies bestellen, die sich zum Teil zum ersten Mal sehen. Spontane Einigkeit herrschte bei der Weinbestellung: GV sollte es sein, Grüner Veltliner. Ich muss unbedingt nach dem Weingut fragen, den Wein möchte ich für Zuhause haben. Unter uns gesagt: Er war um Klassen besser als der Veltliner, den es am nächsten Tag bei der Weinprobe geben sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Spontane Einigkeit herrschte auch bei den Elbstinten in Polenta-Kruste mit Limetten-Aioli und Fenchel-Salat. Ich sag' nie wieder, ich mag keinen Fenchel ... Eigentlich wollte ich ja um den herum essen ... Dann vergaß ich total, dass es Fenchel ist. Der schmeckte nicht nach Hustenhonig. So was aber auch ...
Für mich gab’s dann als Hauptgericht Risotto mit Bärlauch, Semmelstoppelpilzen und jungem Ziegenkäse. Darin fand sich dann plötzlich das Besteck der beiden Mitesser ... Prompt herrschte Uneinigkeit am Tisch, ob das Risotto mehr Biss hätte haben sollen - ich mochte es so, wie es war.
Da ich Rhabarber liebe, gab’s beim Dessert nur eine Wahl: Topfenknödel auf Rhabarberkompott. Ich wünschte, ich bekäme den Rhabarber geschmacklich so hin *seufz*
Die Zeit verging wie im Fluge mit Gesprächen und gutem Wein – am nächsten Tag wusste ich mal wieder genau, was Morgengrauen ist…

Food Porn und Blind Dates:
Der Auftakt
Teil II
Teil III
Teil IV

Montag, 31. Januar 2011

Burns Supper im trific

„Ach ja, heute ist der große Tag. S. und Du esst ja heute Abend Schafshoden“, sagt J. und bringt damit schlagartig das Tischgespräch der anderen Kolleginnen zum Verstummen. Ich habe keine Ahnung, wie J. auf Schafshoden kommt, aber beim Blick auf das, was gerade als Salat auf meinem Teller liegt, wären die vermutlich die schmackhaftere Alternative – Mensa-Essen ist selten was für Foodies und nie was für Feiglinge.

„Neenee, wir essen Haggis. Vom Haggistier (siehe oben: Haggistier und zubereiteter Haggis). Das lebt in Schottland. Es gibt zwei Arten. Sehr scheu ist das Low-flying Haggis, das selten gesehen oder gar gefangen wird, weil’s ganz tief ganz schnell über die Heide der Highlands fliegt. Vermutlich essen wir deswegen das Left-driving Haggis. Das hat links kürzere Beine als rechts, damit es nicht vom Berg fällt. Will man es fangen, muss man es auf eine Ebene treiben. Dabei braucht man einen Dudelsack, um den Paarungsruf des weiblichen Haggistieres zu imitieren. Dann kommt das männliche Haggistier angelaufen, fällt wegen der ungleichen Beine um, kann erlegt und gekocht werden. In Deutschland ist das Haggistier nur einmal im Jahr zu bekommen, nur heute, deswegen essen wir das heute Abend.“ – „Ach, sach bloss“, staunten die Kolleginnen ziemlich sprachlos. – „Jau.“ – „Dann musste erzählen, wie’s war.“

Büdde schön.

Das trific lud zur Burns Night, die alljährlich am 25. Januar, dem Geburtstag des schottischen Dichters Robert Burns, begangen wird. S., die mich schon zur Stevan-Paul-Lesung begleitete, war sofort wieder bereit, mitzukommen – unter der Bedingung, dass sie keinen Haggis essen muss. Haggis fällt in die gleiche Kategorie wie Kalb – beides ist niedlich und kann deswegen nicht gegessen werden. Dabei ist es auch egal, dass das Haggistier nur eine Erfindung ist. Haggis ist mit Herz, Leber und Graupen gefüllter Schafsmagen. Schafe sind auch niedlich. Also bekam S. wieder Huhn, in diesem Fall Maishähnchen. Hühner sind anscheinend nicht niedlich und dürfen gegessen werden – zum Glück sind solche Extrawünsche für Oliver Trific kein Problem.

Zur Burns Night gehört ein klassisches Burns Supper mit

Scotch Broth – Schottische Graupensuppe auf Maishähnchenbasis

Haggis with neeps and tatties – Haggis mit Steckrüben- und Kartoffelpüree
Trifle – Schichtdessert mit Mango, Physalis und Drambuie


Durch den Abend führten Axel Bogdan, der rezitierte, sang, Gitarre, Bouzouki und Bodhran spielte; und Hannah Rautmann an Small Pipes, Banjo und Whistles. So konnte dann auch der Haggis stillecht zum Tisch geleitet und unter der Rezitation von „Address to a Haggis“ angeschnitten werden.




S. probierte zumindest einen Bissen Haggis, war aber nicht ganz davon zu überzeugen und blieb lieber beim Hähnchen. Mit Bedauern verzichteten wir auf die Whiskey-Begleitung - der nächste Tag im Haus, das Irre macht, verlangte vollen Einsatz, zu dem wir nach kurzer Nacht und sechs Lebenswässerchen nicht in der Lage gewesen wären ... Wir durften aber an den Gläsern der Tischnachbarinnen schnuppern und waren froh, uns mit Dalwhinnie und Cragganmore zwei Mädchen-Whiskeys ausgesucht zu haben. Rauchig und torfig ist nicht unser Geschmack. Dann schon eher Drambuie, Whiskey-Honig-Likör - mädchentauglich.

Der Abend klang mit Gedichten, Musik und Gesang aus. Nach dem Genuss der kompletten Whiskey-Begleitung hätten wir "Auld Lang Syne", das bekannteste vertonte Burns-Gedicht, vermutlich locker in der Hosen-Version geschafft.


Ebenfalls bekannt ist "For A' That and A' That", mit dem am 1. Juli 1999 das schottische Parlament eröffnet wurde - rote, linke Socken wie ich kennen natürlich die deutsche Version "Trotz alledem", die anläßlich der 1848er Revolution von Ferdinand Freiligrath geschrieben wurde, in den 1970er und 1980er Jahren von Wader und Biermann aufgegriffen wurde. Leider gab's in der Tube keine andere Version des Freiligrath-Liedes.




Wir waren uns einig: Ein schöner Abend mit ausgesprochen leckerem Essen. „Eigentlich müssten wir uns regelmäßig hier treffen“, schlug S. vor. Das wäre mal 'ne Maßnahme. Und sofern nicht wieder ein Architekt mit am Tisch sitzt, können wir auch ungeniert über das Haus, das Irre macht, tratschen ... Der nächste Tisch ist schon reserviert - dann aber habe ich Foto-Verbot, da der Gatte mitkommt.

Freitag, 5. November 2010

Stevan-Paul-Menülesung im trific: Monsieur, der Hummer und ich

Eigentlich wollte ich schon im Februar den Gatten ins trific schleppen, zum Hochzeitstag. Aber daraus wurde nichts - wir hätten vor vielen Monden einen Tag später heiraten sollen, dann wären wir jetzt quasi Erstesser dort gewesen. Aber die Zahlenmystik wollte es anders. So wurde es mal wieder das Maredo. Dafür wuchs bei mir seit der Eröffnung die Spannung, verstärkt auch durch Küchenlateins begeistertem Bericht.

Als dann die Stevan-Paul-Menülesung zu "Monsieur, der Hummer und ich" angekündigt wurde, zögerte ich mit der Anmeldung. Gattenkompatibel ist so eine Veranstaltung nicht, denn der Herr Gemahl hält es mit Loriot: Essen dient der Ernährung. Man spricht nicht darüber. So schüttelte er schon im April verständnislos den Kopf, als ich ankündigte, ich ginge zu einer Kochbuchlesung. Damals kam ich nicht dazu, die Stevan-Paul-Lesung in der wunderbaren Buchhandlung Seitenweise zu bloggen. Und jetzt gehe ich sogar in ein Restaurant, um mir beim Essen das gleiche Kochbuch noch mal vorlesen zu lassen?! Das ist für den Gatten zu viel! Dass "Monsieur ..." mehr als ein Kochbuch ist, dass er es inzwischen las, gerne sogar, würde er natürlich nienich zugeben. Auch nicht, dass Skordalia seitdem zu seinen Lieblingsgerichten gehört.

So erklärte sich kurzentschlossen Die Kollegin bereit, mitzukommen. Sie war genauso gespannt wie ich. Passend schwärmte Küchenlatein beim Foodbloggertreffen ein paar Tage zuvor dann auch noch mal von ihrem Besuch und vor allem vom Fleisch, das so zart sei, dass man es lutschen könne.

Die Kollegin und ich verbrachten einen zauberhaften Abend in einem liebevoll gestalteten Lokal; mit aufmerksamen, charmanten und schlagfertigem Service; mit Stevan Paul, der wunderbar vorlesen kann, und - last but not least - mit wunderbarem Essen. Das Menü war passend zu den vorgetragenen Geschichten zusammengestellt:

Der Tanz der Schlachter
Gebratenes Filet vom Wolfsbarsch mit Skordalia und griechischem Salat

Ich bekochte Wolfram Siebeck
Kalbsrücken mit Fritto Misto, Thunfischcreme, fritierten Kapern und La-Ratte-Kartoffeln

Begegnung mit Gott
Birnen-Strudel mit Mascarponecreme und Birnengeist

Dass Die Kollegin zu Beginn des Abends um Kalbsrückenersatz bat, brachte die Küche nicht aus der Fassung - ich wollte es eigentlich schon bei der Reservierung sagen, hatte es in meinem üblichen Chaos aber verbaselt. Das Essen war perfekt - okay, die Ratten-Töften waren ein wenig zu sehr bissfest, aber das war bestimmt dramaturgisch so vorgesehen
;o) Den Kalbsrücken hätte ich tatsächlich lutschen können, und Die Kollegin behauptete das Gleiche von ihrem Huhn.

Fazit: Ins trific komme ich gerne öfter! Das Lokal ist nämlich nicht nur gatten-, sondern auch schwiegermutterkompatibel: Der Gatte kann in der Eppendorfer Grillstation nebenan mit Schildkröte über dem Feierabendbier schweigen, und die Schwiegermutter kann ihren Bridgedamen berichten, dass es endlich wieder ein Lokal gibt, das ausreichend beleuchtet ist. Sparsame Restaurant-ausleuchtung ist ihr nämlich ein Dorn im Auge. Da sieht man nicht, was auf dem Teller ist. Und das ist bestimmt auch Absicht. Da hat die Küche was zu verbergen, sagt Schwiegermutter.

Das trific hat so was nicht nötig, sondern liefert ehrliche, bodenständige Küche zu sehr zivilen Preisen.