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daheim: Amaranth-Polenta mit Linsen-Brokkoli-Ragu

Mittwoch, 14. März 2018


Wir hatten uns in Thailand gut eingegroovt. Das hängt schwer damit zusammen, dass wir für längere Zeit unsere Zelte an einem Ort - einem Wohlfühlort - aufgeschlagen haben und wirklich angekommen waren. Überall, wo wir uns auf einer unserer Reisen mehrere Wochen aufhielten, kann ich selbst nach Jahren die Augen schließen und mich geistig wieder dorthin zurück beamen. Solche Plätze brennen sich dann in die Matrix ein und bleiben für immer. Ganz im Gegensatz zu unserer Rundreise durch China, wo wir jeden Tag woanders aufwachten: eine Tonne Fotos und null Erinnerungen. 

Nein, dieses Mal köchelte das Heimweh dementsprechend auf kleiner Flamme. Auch wenn ich finde, dass das ein Teil ist, der das Unterwegssein ausmacht: sich wieder auf Zuhause freuen. Sonst stimmt ja wohl definitiv etwas mit dem Zuhause nicht. Und das eigene Bett bleibt das eigene Bett, bleibt das eigene Bett.

Erstaunlich ist, wie schnell sich Mensch mit allem einrichtet: weniger Wohnraum, weniger Kleidung, weniger Auswahl im Supermarkt. Geht alles. Sehr gut sogar. Und man vermisst wirklich bemerkenswert wenig. Klar, jetzt stehe ich vor meinen Klamotten und denke: Boahr, jippieh, einen ganzen Kleiderschrank voll - FETTOMETER! Und Freue mich daran - logo, sonst hätte ich nicht anfangen zu sammeln. 

Und ich genieße es wieder, am Herd zu stehen. Schon auch schön, selbst über unsere Ernährung bestimmen zu können. So wie es für mich ebenfalls toll war, eine zeitlang wie ein Kind nur auf Dinge zeigen zu müssen, die ich essen wollte. Ohne Aufräumen der Küche hinterher. Die Abwechslung macht ein buntes Leben. Und was hatte ich wieder Lust auf Linsen. Voilà, umgehend habe ich sie uns auf den Tisch gebracht! Tja, und was soll ich sagen: mir schmeckt mein Essen!


Zutaten 2P:

Polenta
100g Amaranth
100ml Mandelmilch
200ml Gemüsebrühe
2 TL Mandelmus
Pfeffer

Ragu
100g Linsen
1 Stück Kombu-Alge (5cm)
1 Lorbeerblatt
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen 
2 EL Sellerie-Stange, fein gehackt
1 kleine Lauch-Stange
1 Brokkoli (ca. 200g)
2 EL Gemüse-Confit
1/2 TL Thymian
Harissa
Salz, Pfeffer
ca. 100ml Gemüsebrühe
Olivenöl

Zubereitung:

Den Amaranth mit Mandelmilch und Gemüsebrühe aufkochen lassen und bei leiser Flamme ca. 30min sanft köcheln lassen. Dabei immer wieder umrühren und darauf achten, dass der Amaranth nicht anhängt - falls nötig noch etwas Brühe zuschütten. Mit Pfeffer und Mandelmus abschmecken!

Die Linsen mit Kombu-Alge und Lorbeerblatt in ca. 20min gar köcheln lassen. Abschütten, dabei Lorbeerblatt und Alge entfernen.

Die Zwiebel, den Knoblauch, die Selleriestange und den Lauch fein würfeln. In Olivenöl gar dünsten, dabei den Thymian darüber streuen. Den Brokkoli ebenfalls fein würfeln (den Stiel schälen und verwerten). Kurz mitbraten, dann mit der Gemüsebrühe ablöschen, das Confit, die Linsen und das Harissa unterrühren. Deckel auflegen und einige Minuten köcheln lassen. Nochmals abschmecken und zusammen mit der Amaranth-Polenta servieren.

*Anmerkung m: zwei Röschen Brokkoli habe ich in Wasser gekocht und blanchiert um die Farbe zu erhalten. Empfehlenswert ist es jedoch nicht, Brokkoli in Wasser zu garen, da sonst alle wertvollen Inhaltsstoffe im Ausguß landen - Brokkoli immer dünsten oder braten!

ein Buchfink

Zeit zu leben: Auberginensalat mit Amaranth

Mittwoch, 12. Juli 2017


... Zeit zu sterben.* Für mich ein Meilenstein in meiner persönlichen Literaturgeschichte, der in mir arbeitet. So intensiv, so unmittelbar, so wahrhaftig nimmt mich Erich Maria Remarque an der Hand durch dunkle, deutsche Vergangenheit. Und ich weiß nicht, ob ich erneut den Mut aufbringen werde, ein weiteres Buch von ihm zu lesen. Aber bereits dieses eine ersetzt mir das ewig verschobene Gespräch mit meinen Großvätern. Ein Gespräch, das ich nie führen konnte, weil beide bereits vor meiner Geburt verstorben waren. Als Zeitzeugen blieben mir meine Großmütter. Doch nur wenig Berichte schafften es über ihre Lippen: über Kriegszeiten legt sich auch im Nachhinein ein Mantel des Schweigens. Die Antworten auf meine Fragen fand ich unerwartet bei Remarque. Vielleicht sogar mehr als das - wer weiß, ob ich gewagt hätte, derart tief mit meiner Neugier vorzudringen.

Wie bei allen Büchern, die mich sehr bewegen, fällt es mir schwer, etwas herauszugreifen: zu viel ist unterstrichen und für mich von großer Tragweite. Auf einen Schlag werden vage Vermutungen in konkrete Worte gefaßt. Seit der Pupertät kaue ich auf der Frage, wo mitten im Krieg Platz für die Liebe sein soll. Wie lebt man in solchen Zeiten Beziehungen? Was macht Krieg überhaupt mit der Beziehungsfähigkeit von Menschen? Bei körperlicher Unversehrtheit wie aber steht es um das Innere? Kann sich das Gemüt wieder regenerieren nach so viel erlebten Lügen, nach Schmerz, Leid, Trauer, Elend, Tod? Wird Schuld weitervererbt? Oder macht der Fluch der bösen Taten einfach halt vor einer neuen Generation?

Wird Krieg fortgeführt dadurch, dass der eine meiner Großväter sein Kind misshandelte und der andere von Depressionen verhangen war. Und wieso fällt es diesen Kindern als Erwachsene oft ebenfalls schwer, Nähe zu ihren Kindern aufzubauen? Wieviele Väter dieser Generation waren nie anwesend und versteckten sich hinter ihrer Arbeit, während die Mütter alleine mit den Kindern blieben. Und wieviele der Mütter, die wiederum von ihren Müttern kaum Zärtlichkeiten erfahren hatten, waren in der Lage aus sich heraus Wärme zu entwickeln zu den ihren? Wie steht es um die Beziehungsfähigkeit meiner Generation, eine Generation, die während der längsten Friedensperiode geboren wurde, die Europa je erlebt hat?

Bildhaft, greifbar, so sehr, dass mir der Atem stockte, beschreibt Erich Maria Remarque verschiedene Facetten der Angst. Diese, die sein Buch erzeugt, läßt mich vor dem Menschen gruseln:  

*Es ist sonderbar*, sagt er. *Man glaubt oft, ein Mörder müsse überall und immer ein Mörder sein und nichts anderes. Dabei genügt es doch, wenn er es nur ab und zu und nur in einem schmalen Teil seines Wesens ist, um entsetzliches Elend zu verbreiten. Oder nicht?*
*Ja*, erwiderte Graeber. *Eine Hyäne ist immer eine Hyäne. Ein Mensch hat mehr Variationen.*

Und mehr denn je bin ich davon überzeugt: es ist noch nicht vorbei. Ich will ständig und dauernd Menschen begegnen, die ohne Wenn und Aber für Pazifismus einstehen.

*Die Menschheit ist nicht in glattem Verlauf vorwärts gekommen. Immer nur in Schüben, Rucken, Rückfällen und Krämpfen. Wir waren zu hochmütig; wir glaubten unsere blutige Vergangenheit bereits überwunden zu haben. Jetzt wisssen wir, dass wir uns noch nicht einmal umsehen dürfen, ohne nicht wieder von ihr erreicht zu werden.*

So, Zeit zu essen. Rausgesucht für heute habe ich als Gegengewicht leichte Kost und zwar einen Salat, den ich mir direkt nach Erscheinen bei Robert vormerkte. Ich stellte ihn zum Grillen mit unseren Feriengästen auf den Tisch und er kam nicht nur bei mir gut an.


Zutaten*:

2 kleine, violette oder getigerte Auberginen, ca. 400 g total
1 knapper TL Fleur de Sel
1 EL Koriandersamen, fein zerdrückt
Abrieb einer Bioorange
4-5 EL Olivenöl
1 Msp. Kardamompulver
100 g Amaranth
3 Scheiben Ingwer, geschält
1 Bund glatte Petersilie, Blätter abgezupft, gehackt
1 kleiner Bund Rucola, gehackt
einige Stiele Koriander, gehackt
einige Minzblätter, gehackt, zum Abschmecken
3-4 getrocknete Tomaten, fein gewürfelt

für die Vinaigrette:
50 ml Gemüsebrühe, ungesalzen
Harissa
2-3 EL Orangensaft
2 EL Balsamessig, weiss
Kräutersalz zum Abschmecken, nach Bedarf

Zubereitung:

Ofen auf 190°C Umluft aufheizen.
 
Fleur de Sel mit Korianderkörnern, Kardamom und Orangenschale mörsern, mit Olivenöl verreiben.
 
Auberginen schälen und in 1 cm grosse Würfel schneiden. Das Würzöl mit den Auberginenwürfeln innig vermischen. Backblech mit Backpapier auslegen, gewürzte Auberginen darauf verteilen und ca. 20 Minuten backen. Danach auf dem Blech auskühlen lassen.

Amaranth mit dem Ingwer in ca. 3 dl kochendem Wasser  während ca. 15 Minuten auf mittlerer Stufe weich garen. Ein wenig Biss darf er noch haben. In den letzten 5 Minuten die Tomaten unterrühren.
 
In ein Sieb abschütten, abtropfen lassen. In einer Schüssel mit den Auberginen, den gehackten Kräutern und der Vinaigrette mischen.

*Anmerkung m: ich habe die Quantität an frischen Kräutern etwas erhöht.