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Vermählung: Früchte-Nussknacker

Samstag, 23. Dezember 2023

 

Rückblickend schüttle ich über mich selbst den Kopf! Selbst als #Team Romantik der ersten Stunde (jaja, auch hier) war es doch sehr kindlich naiv, davon auszugehen dass alle Paare den gleichen Werdegang durchlaufen, ähnlich diesen Hüpfkästchen aus Straßenkreide, indem der Parcours klar vorgegeben ist: verliebt-verlobt-verheiratet. Heute fallen mir nicht mal eine handvoll Paare ein, die ich anschmachte ob des liebenswürdigen Umgangs miteinander. Eher im Gegenteil: in unseren Breitengraden scheint das mit der Paarbeziehung kaum einer hinzukriegen. Warum verlieren wir so schnell das Interesse aneinander, reden nicht mehr, suchen keinen Austausch?

Dabei wird derart Hosiana auf die freie Wahl der Liebe gesungen. Und? Im Ergebnis scheint das Modell wenig erfolgverprechend und eher ernüchternd. Zumal: so lange gibt es das freie Aufspielen in der Liebe noch nicht.

Schaue ich mir meine Familiengeschichte an, so paarte sich die Generation meiner Großeltern während dem Krieg. Ich kenne nur die weibliche Sicht, die Großväter lernte ich nie kennen. Die eine Oma schrieb mit zwei Soldaten, beide fielen. Später heiratete sie dann einen deutlich älteren Mann, an den sie nie ihr Herz verlor. Die andere Oma lernte ihren künftigen Mann ebenfalls als Soldaten kennen, schnelle Heirat, keine großen Gefühle ihrerseits, zudem ständig getrennt, in den kurzen Fronturlauben dann die schnelle Zeugung von Kindern und irgendwann, Jahre später, kehrte er zurück aus der Gefangenschaft, verdreckt, verlaust, verwanzt und traumatisiert. Romantik geht definitiv anders.

Die Elterngeneration, die mussten noch heiraten, um überhaupt das Elternhaus verlassen zu können. So wollte es die Zucht und Ordnung. Und ich hätte für mich die Hand nicht ins Feuer legen wollen, ob ich nicht genauso die erstbeste Möglichkeit ergriffen hätte, um dem Elend zu entkommen. In der Not frißt der Teufel Fliegen. Nur, das könnt ihr einer Fachkraft glauben: Liebesgeschichten beginnen anders.

Dann kam die Pille, die Wohngemeinschaften und nun ging der wilde Reigen erst richtig los. Mit der einhergehenden Ernüchterung in Folge der meine Generation recht bald feststellen mußte, dass Sex noch keine Liebe und dass der Glimmstängel der Leidenschaft schnell runtergeraucht ist.

Obwohl die Beziehungen nicht länger halten als früher, wird immer noch kräftig geheiratet - möglicherweise der Kinder wegen. Also Hochzeit ist überhaupt nicht meine Veranstaltung. Alleine diese unmöglichen Brautkleider-Sendungen, in denen die Mädels vor dem Spiegel stets totally ergriffen von sich selbst sind, wenn sie *ihr* Kleid gefunden haben, maximal egozentrisch, völlig selbstverliebt, ganz so als wollten sie sich selbst heiraten. Schlimm! (Wobei es diesen Firlefanz mit Selbst-Heirat ja sogar gibt - was soll man über die Verwirrtheit der Menschen noch sagen?). Für ein Kleid für einen einzigen Tag, für ein einziges Fest so viel Geld auf den Tisch zu legen - nee, sorry, verstehe ich nicht, das leuchtet mir nicht ein. Sowieso mal wieder ganz mit Goethe: *Man feiere nur, was glücklich vollendet ist; alle Zeremonien zum Anfang erschöpfen Lust und Kräfte, die das Streben hervor bringen und uns bei einer fortgesetzten Mühe beistehen sollen. Unter allen Festen ist das Hochzeitsfest das unschicklichste; keines sollte mehr in Stille, Demut und Hoffnung begangen werden als dieses.*

Ob die von Eltern eingefädelten Ehen zwingend schlechter sein müssen als die der freien Wahl? Diese Doku schaute ich mir an, in der u.a. eine arrangierte Hochzeit im Himalaya verfolgt wird: Becoming women in Zanskar (ca. min 40).  Die Eltern der Braut wählen für ihre Tochter einen Bräutigam, ganz so, wie es die Tradition will, ganz so wie sie verbunden wurden. Sie erzählen, die Zuneigung füreinander würde mit der Zeit schon wachsen, wenn man sieht mit wieviel Arbeit, Einsatz und Fleiß sich für die Familie engagiert wird - notwendigerweise in dieser rauhen Gegend, man braucht sich und ist aufeinander angewiesen. Aber was fließen bei allen die Tränen während der Vorbereitung auf die Brautentführung: ihr kleines Mädchen würde das Haus für immer verlassen. Da schniefe ich synchron mit - angefasst und ein wenig neidisch - weil diese offensichtliche Verbundenheit so rührt, weil die Familienbande derart außergewöhnlich innig sind. 

Da frage ich mich dann schon: wie beziehungsfähig sind wir eigentlich, wie liebesfähig - gerade wenn man den Vergleich so vor Augen gestellt bekommt. Tja, und bei der freien Partnerwahl kann man von Eigenverantwortung nicht frei gesprochen werden, schon Richtung: dir geschieht nach deinem Glauben. Wovon hast du denn geträumt? Wonach hast du denn gesucht? Denn mir fällt wenig ein, dass ähnlich entscheidend für die Vita ist, mit WEM man gemeinsam durchs Leben geht. Werte brauchen ein entsprechendes Gebenüber. 

Gute Gelegenheit mal wieder auf James French zu verweisen, der auf so phantastische Weise demonstriert, dass erst auf der Basis von Frieden, Vertrauen und Freiheit der Weg zueinander geöffnet ist. Und dass wir uns über das Gefühl verbinden und nicht über den Verstand, Intellekt, Worte oder andere Konstrukte. Dann, ja dann ist Beziehung der Paradeort, die beste aller Möglichkeiten um Werte erfahren, leben und üben zu können - in Ernsthaftigkeit, in Wahrhaftigkeit. Das Üben von Miteinander statt Gegeneinander, freiwillige Kooperation, fruchtbarer Austausch, gemeinsames Wachsen. Was wäre wünschenswerter für diesen Planeten und seine Lebewesen als das?!



Eine ganz klassische, kulinarische Vermählung zu Weihnachten sind Dörrfrüchte mit Nüssen. Diese Früchte-Nussknacker sind eine super Sache für alle Kurzentschlossenen noch auf den letzten Metern vor Weihnachten schnell  den Plätzchenteller mit Selbstgemachten zu füllen. Sie halten sich im Froster locker 3 Monate und im Kühlschrank mehrere Tage. Ich habe die Rollen einfach in der Tiefkühle gelassen und je nach Bedarf für uns Scheibchen abgeschnitten - selbst dann lassen sie sich direkt essen.


Zutaten - 2 Rollen/ca. 50 Stück:

100g Datteln
70g Dörr-Pflaumen
80g Dörr-Aprikosen
50g Rosinen
50g Dörr-Preiselbeeren
50g Kürbiskerne
75g Walnüsse, gehackt
75g ganze Mandeln, geröstet
40g Sesam (Teil davon für Deko)
20g Pinienkerne (m: Pistazien)

Zubereitung:

Datteln, Pflaumen, Rosinen, Aprikosen und Cranberries getrennt voneinander mit kaltem Wasser übergießen und etwa 15min ziehen lassen.

Walnüsse fein hacken. Ganze Mandeln in einer Pfanne ohne Fett rösten.

In einer Schüssel Walnüsse, Mandeln, Kürbiskerne, Sesam und Pinienkerne zusammenschütten. 

Auf einem Brett 2 Bahnen Klarsichtfolien vorbereiten.

Dörr-Früchte abgießen. Rosinen und Cranberries zu den Nüssen geben. Aprikosen klein schneiden. Datteln und Dörrpflaumen entkernen und in einem Mixer zu Mus pürieren. Nun alle Zutaten mit behandschuhten Hände gut vermengen.

Die Hälfte der Masse auf eine der Folien setzen, erst mit den Händen etwas länglich formen dann in der Folie rollen. Wenn die Rolle schön und fest geformt ist, wieder etwas aufwickeln und den Sesam vor und hinter die Rolle streuen und erneut rollen - auf diese Weise die Rolle im Sesam wälzen. Mit der 2. Hälfte genauso verfahren. Enden gut verknoten und Rollen für 2 Stunden in den Froster legen.

Dann mit einem scharfen Messer in gewünschte Stücke (m: ca. 1cm Breite) abschneiden.

Quelle: YT - fantastische Rezepte

 



  Ein harmonisches und friedliches Weihnachten euch!

*

    **** wieder mit Verweis auf die Weihnachtsbotschaft meines Habibs ****

 *

 

Transrapid: Malai Kofta

Donnerstag, 2. Februar 2023

 

Als wir in China waren - genau genommen in Shanghai - sind wir mit dem Transrapid gefahren. Das stand jetzt nicht auf meiner Bucket-Liste. Vorneweg deshalb, weil ich keine Bucket-Liste besitze. So etwas benötigen meiner Meinung nach nur Spakken, die dann nachher auch in einer Stau-Schlange am Gipfelgrad des Mount Everest stehen. Selber schuld - kein Mitleid. Die Motivation dahinter verschließt sich mir. Das ist doch getrieben vom gleichen Spirit wie Klo-Kritzeleien à la *I was here*. Warum macht man das? Ich finds strange. Meinen Lieblingsklo-Spruch habe ich, glaube ich, hier sogar schon mal festgehalten. Unten an einer Klotür, die nicht ganz zum Fußboden schloß sondern einen Spalt offen ließ, stand: *VORSICHT  LIMBOTÄNZER!* Finde ich bis heute witzig; der Spruch bleibt mir ewig...

Und jetzt mal in der Magnetschwebebahn gesessen zu haben, hat wenig nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Weder spürt man die Beschleunigung noch die Geschwindigkeit besonders, noch rauscht die Landschaft so krass an einem vorbei, wie ich mir das vorgestellt hatte. Sensationen gehen defintiv anders. Jedes Fahrgeschäft auf der Kirmes geht mehr ab. Aber ich bin wohl für dergleichen auch nicht die richtige Zielgruppe. Warum man sich in irgendwelchen Karusells bis zur Übelkeit durchschwenken läßt, erschließt sich mir ebensowenig. Oder Bungee jumping? Kitzel für Scheintote. Augenblick-Kicks sind nicht mein Junk. Vielleicht weil nach meinem Erleben die schönsten und tiefsten Momente wie zufällig entstehen und sich nicht inszenieren lassen. Aber bitte, wer meint. Paragleiten würde ich hingegen mal ausprobieren...

Anyway, jetzt habe ich eine große Schleife gedreht, um bei meinem heutigen Rezept rauszukommen, den Malai Kofta, dem indischen Tomaten-Curry mit Kartoffel-Küchlein. Eigentlich esse ich sehr gerne indisch, meistens ist es mir dann aber für die tägliche Alltagsküche zu viel Gedöns, die Zutatenliste zu lange, die Vorbereitungen zu ausufernd... Und dann bleibts beim *eigentlich*.

 

 

Jetzt habe ich diese Malai Kofta schon zigfach zubereitet - ein Zwischenseufzer für die herrliche Kardamom-Note - und es auf diese Weise umgemodelt, dass ich von einer Version Malai Kofta - Transrapid sprechen möchte, eine abgekürzte und abgespeckte Variante: eben unkomplizierter und ohne Frittieren. Das mag dann vielleicht nicht mehr original sein, aber who cares. Das ist meine Linzertorte auch nicht und die ist trotzdem le top du top. 

Und dieses-mein Malai Kofta schmeckt uns einfach super. Das ist der Grund, warum ich es derart oft auf den Tisch gebracht habe. Und (bien sûr) weil sie easy zu kochen sind. Die indischen Kartoffel-Küchlein funktionieren sowohl mit (selbstgemachtem) Paneer, mit Ziegenkäse und mit Tofu - alles ausprobiert. Up to you.

Mit Blick ins hauseigene Bloguniversum könnte meine Malai Kofta der exotische Bruder von diesem Teller sein...


Zutaten 2P:

250g Ofentomaten*
100ml Kokos-Crème
150ml Wasser*
3 Knoblauchzehen
1 Zwiebel
2 Nelken
3 Kardamom-Kapseln
1 1/2 TL Garam Masala
1 Stück Zimt
Chili (m: Harissa)
Ingwer, ca. 2cm
Salz, Pfeffer
Rohrzucker 
Kokosfett
...
350g Kartoffeln (als Salzkartoffeln gekocht)
100g Paneer (m: Ziegenfrischkäse)
1 1/2 EL Speisestärke
80g Erbsen
1 Karotten (ca. 100g, geraspelt)
1 kleine handvoll Rosinen
1 Stück Ingwer
1 Knoblauchzehe 
2 EL Petersilie oder frischer Koriander, gehackt
Salz, Pfeffer
1/2 TL Koriander, geschrotet
1/4 TL Kreuzkümmel
1/4 TL Kardamom
Ghee/ Kokosfett/ Pflanzenöl
 

Zubereitung:

Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser aufsetzen und gar kochen.

Parallel die Sauce zubereiten. Dafür Zwiebeln und Knofi fein würfeln. In Kokosfett anschwitzen. Zimtstange, Nelke und angequetsche Kardamom-Kapseln in ein Teebeutel geben und mit Küchengarn zubinden. Zusammen mit dem Garam Masala und dem geschälten, klein geschnittenen Ingwer ebenfalls ein wenig mitrösten. Tomate, Wasser und Kokoscrème anschütten. Salzen, pfeffern, eine Prise Zucker zufügen sowie etwas Harissa und bei kleiner Flamme etwa 15 min einköcheln lassen. Teebeutel entfernen, die Sauce mit dem Zauberstab pürieren und nochmals abschmecken.

Die gekochten Kartoffeln abschütten, etwas ausdämpfen lassen. Knofi und geschälten Ingwer fein würfeln. Karotte bürsten und grob raspeln, Alle Zutaten für die Kartoffel-Küchlein miteinander vermengen und zu flachgedrückten Kugeln formen - ergibt14 Stück à ca. 50g. Je nach Wunsch in Ghee/ Kokosfett oder einem anderen Pfanzenöl von beiden Seiten golden backen. Die fertigen warm stellen, bis alle gebraten sind.

Sauce in tiefe Teller geben, ein wenig Kokosmilch darüber ringeln und dann die Kartoffelküchlein in die Sauce setzen. Wer mag dekoriert mit etwas Petersilie.

Anmerkung m: die Ofentomaten und das zugefügte Wasser kann man ersetzen durch 400g passierte Tomaten/ Es ist reichlich Sauce im Verhältnis zu den Küchlein, aber ich finde das eine gelungene Kombi/ 7 Kartoffel-Küchlein erscheinen viel für eine Person - wir bewältigen das gut/ Und: coucou Stephanie - vielen Dank für die Anregung und die Idee mit den Erbsen und Karotten in den Küchlein!

Inspiration: Cook with Manali

 

Schwarzes Loch: Sri Lanka-Gewürzreis mit caramelisiertem Chicorée

Sonntag, 28. Februar 2021


Zum Neujahr schenkte der kleine Bioladen, in dem wir Stammkunden sind, seinen Treuen eine Gewürzmischung aus Sri Lanka.

Sri Lanka kenne ich leider noch nicht - was ich gerne geändert hätte, denn der Habib schwärmte sehr vom *Elefantenland*. Das Gewürze-reiche Essen fand er köstlich, wenngleich man sich wohl an die feurige Schärfe erst gewöhnen muss. Die Natur ist noch artenreich, die Bevölkerung interessiert, aufgeschlossen und gastfreundlich - wir hätten bestimmt auch bei seinem zweiten Besuch viel zu entdecken gehabt. Aber ich beiße mir jetzt auf die Zunge, bzw. verkrampfe meine Finger, um nicht irgendetwas Jammerndes über das Reisen/ bzw. Nicht-Reisen in die Tastatur zu hacken. Man wird ja bescheiden: mal wieder ein petit creme in der Frühlingssonne im Café zu trinken wäre bereits großes Kino!

Sich überhaupt auf etwas anderes konzentrieren zu können als auf das Dauer-C-Thema, kommt einem fulminanten Kunststück gleich - C hat doch die Sogwirkung eines schwarzen Lochs angenommen. Es heißt, ein schwarzes Loch wäre das größte Rätsel im Universum. Keine Materie, nicht einmal das Licht kann ihm entkommen. Seine Anziehungskraft auf die Umgebung ist so stark, dass ganze Sterne verschluckt werden. Niemand weiß, was in seinem Inneren passiert. Tja, und schafft man es, sich dagegen zu stemmen - brav MN-Schutz tragend und Social Distance wahrend - , dass das C-Thema das komplette Denken eben nicht einnimmt, frisst das bereits so viel Energie, dass trotzdem nicht mehr viel Restpotential für etwas anderes übrig bleibt.

Mir fiel dazu der Ami-Bullshit-Film *Die nackte Kanone* meiner frühen Teenie-Jahre ein, aus dem es (glücklicherweise) nur zwei Nonsense-Szenen in mein Ultralangzeitgedächtnis geschafft haben. In einer sieht man, wie ein unbewegter Polizist mit völlig emotionsloser Stimme vor einem Gelände steht, das mit rot-weiß gestreiftem Band abgesperrt ist und durch ein Megaphon durchgibt: *Bitte treten Sie zur Seite! Hier gibt es NICHTS zu sehen* - während hinter ihm in schönster Hollywood-Manier die spektakulärsten Explosionen gezündet wurden. 

Nein, momentan gibt es nichts Neues zu entdecken. Same official spectacle as every day. Immerhin kenne ich nicht eine einzige Person, die sich diesen Winter - während die Welt an einer Pandemie erkrankte - eine Erkältung zugezogen hätte. Noch nicht einmal einen Schnupfen - man muss die kleinen Erfolge würdigen.

 


Nun die geschenkte Gewürzmischung war eine schöne Anregung vom Bioladen, die ich gerne aufgegriffen habe. Zumal ich an Curryblätter, die darin enthalten waren, eigentlich nie gelange. Auf diese Weise war schnell und unkompliziert gekocht, so dass genügend Zeit für mein Therapiezentrum Garten blieb!

Geschwister im Blog-Universum gibt es auch: und zwar dieser türkische Gewürzreis.


Zutaten:

150g Reis (m: Vollkorn)*
2 Karotten
100g Erbsen
2 EL Rosinen (m: Cranberries)
5 Curryblätter
3 Kardamom-Kapseln, angequetscht
1 Gewürznelke
1/2 TL Kurkuma
1 Stück Zimt
7 schwarze Pfefferkörner
Salz

3 Chicorée*
1 EL Zucker
Saft 1/2 Orange (oder 1 Mandarine)
Salz, Pfeffer
200ml Gemüsebrühe
Olivenöl

Zubereitung:

Die Rosinen in etwas kochendem Wasser einweichen. Den Reis spülen und abtropfen lassen. Mit ca 350ml kaltem Wasser aufsetzen. Salzen. Die Gewürze in einem Gewürzsäckchen (Teebeutel) einlegen und zum Kochen bringen. Deckel auflegen und bei sanfter Hitze kochen lassen. Wenn nötig noch etwas Wasser zufügen. Je nach verwendeter Reissorte (etwa bei weißem Reis) kann man die klein gewürfelten Karotten direkt zufügen (ebenso die Rosinen). Bei meinem Vollkornreis, der gute 40min benötigt um gar zu sein, habe ich die Möhren später - nach etwas mehr als der Hälfte der Garzeit zugefügt.

Kurz vor Ende der Garzeit die Erbsen untermischen und nochmals abschmecken. Den Herd ausschalten. Zwischen Deckel und Topf zwei-drei Lagen Papiertücher klemmen, mit dem Deckel fest schließen und Reis auf der warmen Herdplatte 10 Minuten ruhen lassen. Dann das Gewürzsäckchen entfernen.

Parallel den Chicorée rüsten. Dafür die Knollen halbieren und den Strunk keilförmig herausschneiden. In einer Pfanne das Öl erhitzen und die Chicoréehälften mit der Schnittfläche nach unten darin braten. Den Zucker darüber karamellisieren lassen. Orangensaft und Brühe anschütten und auf großer Flamme fast vollständig reinreduzieren lassen. Salzen und pfeffern

Den Reis auf zwei Teller verteilen und den Chicorée dazu servieren.

Anmerkung m: je nach Größe der Chicorée-Knollen auf 2 reduzieren oder 4 erhöhen. Für den Sri Lanke-Reis habe ich die türkische Garmethode übenommen, denn wenn man abschließend den Deckel mit zwei Küchentüchern fest verschließt, ziehen die Gewürze wunderbar in den Reis.

 

die erste: Himmantoglossum robertianum, das Riesenknabenkraut oder Roberts Mastorchis

Zahlen-Updates: Polpette dolci

Sonntag, 19. Juli 2020


Wir leben in einer seltsamen Zeit. Nicht, dass die zuhause oder im Garten so anders wäre. Nee, da ist alles soweit wie immer: der südfranzösische Sommer ist gewohnt trocken, nur die Temperaturen spielen Flohwalzer und der Mistral zauselt mit mehr Ausdauer. Aber sonst... offene Türen, barfußlaufen, Tomaten pflücken, Pflanzen gießen...

Was komisch ist, ist nicht das Innen-, sondern das Außenleben. Und wie die Überschrift dazu lautet, muss ich gar nicht mehr schreiben. Haben wir alle verinnerlicht: 2020 ist das Jahr von Covid. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Wetten werden bereits entgegengenommen, ob 2021 die Überschrift behalten darf. Mit Freunden steht man linkisch voreinander und weiß nicht mehr recht, wie viel Nähe angebracht ist. Bises (Küsschen) besser nicht gerade. Und dann enttäuschte Gesichter, die spiegeln: ach und ich dachte, ich zähle zu deinem inneren Kreis. Jetzt zeigt es sich erst richtig... Unsere Singles leiden bekennenderweise besonders darunter, dass Grenzen anders gezogen, Distanzen neu justiert werden. Feriengäste erzählen, dass eine Reise nach Frankreich manchen ihrer Bekannten dünkte, als würden sie nach Papua-Neuguinea aufbrechen - was eben noch Nachbarland war oder gar ein einziges Europa, scheint weiter auseinander gerückt denn je. Entfernungen werden nicht mehr mit neutralem Maßstab sondern gefühlsschwanger wahrgenommen: *Ja, und was ist, wenn was passiert*... Das Damoklesschwert, es schwebt über allem. Ja, wenn was passiert, dann will man am liebsten daheim sein.

Aber, Kinners, mit der Einstellung *Ja, wenn was passiert*, braucht man gar nicht erst vor die Tür. Pfffhhh, kein Purzelbaum ist auf diese Weise zu schlagen.  Denn - wissen wir alle auch: *Passieren kann jederzeit und immer IRGENDETWAS*. So geht Leben. Den Garantie-Schein, dass man ungeschoren durchkommt, gibts nicht auf die flache Hand dazu. Und ist obendrein äußerst unwahrscheinlich. Hey, nicht missverstehen: ich rufe hier nicht zu Dummheiten auf. Nur merke ich, wie mich diese andauernden Updates samt täglicher Zahlenjonlage der Informationsindustrie rammdösig macht. Mir kommen nämlich die Dauer- Informationen wie Puzzle-Teilchen vor, die jeweils zu einem anderen Puzzle-Spiel gehören: keines passt ins andere. Nehmen wir als Beispiel die Zahl von nahezu 7 Tausend Todesfälle, die aktuell weltweit an einem einzigen Tag an Covid sterben - eine ansteigende und somit beunruhigende Zahl.

Aber um diese Zahl nur ansatzweise einorden zu können, fehlen mir Bezüge. Ich müsste wissen, wieviel Menschen überhaupt täglich weltweit sterben. Oder wieviel Menschen im Verhältnis dazu täglich an anderen Krankheiten sterben. Oder wieviel Covid-Tests in welchen Ländern getätigt werden... Oderoder... Ich werde mit Zahlen bombardiert, die lose in der Luft hängen, nach viel Sachkunde aussehen, Objektivität und Neutralität vorgaukeln, und mir keinerlei Anhaltspunkt geben. Greift man nur die Untersuchungen zu der Sterblichkeitsrate in den USA heraus, dann erkennt man, wie schwierig es ist, aus diesen Zahlen Schlußflogerungen zu ziehen, weil ein Strauß von Umständen diese Auswertungen beeinflusst. Also: wer setzt mir aus all den Bruchstücken ein Ganzes zusammen? SO bin ich nur verwirrt...

Mir gehts wie Maria: ablenken und auftanken kann ich am besten draußen in der Natur. Und dieses Jahr bin ich besonders oft am Streunern, weil ich am Kräutersammeln bin. Ich lerne viel dazu, erkenne, bestimme, blättere in schlauen Büchern, lese, rieche und atme auf den wilden Blumenwiesen durch...


In zwei Varianten stelle ich euch diese Bällchen - deren Inspiration mal wieder auf Susanne zurückgeht  - vor: zuerst in einer süßlich-orientalischen Version mit Spirelli (Bild 2) und schlichter Tomatensauce, dann in einer herzhaftern Auflage mit Käse und Kräuter, Ofentomaten und selbstgemachten Orcchiette. Pasta hilft übrigens... im Zweifelsfall..

Zutaten 2-3 P:

125g Soja-Geschnetzeltes, getrocknet
125ml Wasser, kochend
50g Semmelbrösel
70ml Milch
40g Parmesan, gerieben
40g Mandeln, gehäutet, nicht zu fein
15g Rosinen, gehackt
1/2 TL Zimt
1/4 TL Pimenton dela vera
2 TL Miso, dunkel
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
2 TL Oregano, getrocknet
1 Ei, groß*
Sonnenblumenöl

------ zum Zweiten:
100g Soja-Geschnetzeltes
100ml kochendes Wasser
50g Semmelbrösel
80ml Mandelmilch
50g Comté, gerieben
40g Mandeln, nicht zu fein
2 TL Miso
1 TL Senf
2 TL Oregano
1/2 Bund Petersilie
1 Ei
Salz, Pfeffer

Sonnenblumenöl

Zubereitung:

Soja-Geschnetzeltes mit heißem Wasser übergießen und mindestens 10min quellen lassen. Semmelbrösel in (Mandel)Milch ebenfalls einweichen. Dann mit den jeweiligen Gewürzen kräftig abschmecken. Bällchen (etwas kleiner als Tischtennisball-Größe) mit nassen Händen formen: Masse muss gut zusammenhalten und leicht kleben. 

Öl in einer Pfanne erhitzen und die Bällchen ringsherum knusprig braten, auf Küchen-Krepp abtropfen lassen und warm stellen. Mit Pasta und Tomatensauce der Wahl servieren (und entweder mit Pinkienkernen oder Parmesan... beispielsweise)

Anmerkung m: bei der süßlichen Variante bedenke man beim Würzen, dass das Soja-Geschnetzelte bereits eine gewisse Süße mit sich bringt

und für alle ohne Ofentomaten - das ist die eingeköchelte Sauce zu den Spirelli:
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1/2 Paprika, rot, geschält
5 Tomaten, gehäutet
2 Lorbeerblätter
Salz, Pfeffer
1 Schuß Rotwein
Harissa
2 EL Pinienkerne, geröstet


Last-Minute-Plätzchen: Marzipan-Stollen-Würfel

Donnerstag, 19. Dezember 2019


Wie oft liest man: gen Ende des Kalenders nimmt das Jahr erst so richtig Fahrt auf. Termine überrollen Termine, man schaut sich selbst beim Abarbeiten zu, so, als würde man aus dem Fenster eines fahrenden Zuges blicken, aber statt Landschaft rauschen Tage an einem vorbei.

Mich nötigt die Zeit diese Woche sehr - nur genau umgekehrt. Alles wurde Slomo. Erstaunlich wie sehr sich damit die Wahrnehmung verändert. Alles wird holzschnitzartig. Überdeutlich. Aller Tingeltangel rieselt wie an glatten Oberflächen runter. Vielleicht schreibe ich darüber, wenn es sich wieder ungedrückt atmen lässt, wenn es lichter wird.

Bis dahin will ich euch dieses *Last-Minute-Plätzchen* vorstellen, die so schnurgerade wie eine Rakete in den Favoriten-Olymp schießen. Ich bin diesen Würfeln völlig verfallen. Was vermutlich mit daran liegt, dass ich mein Stollenrezept seither nicht gefunden habe. Geht es euch genauso, dann habe ich hier DEN Ersatz. Obwohl, was heißt *Ersatz*: die stehen lässig auf eigenem Sockel.

Ich liebe diese kleinen Dinger und bin selbst mein bester Abnehmer. Trotzdem bleibt genug übrig, um die ein oder andere Tüte damit zu füllen - selbst wenn diese tradition allemande den Fränzis etwas exotisch dünkt. Ich fasse zusammen: diese Marzipan-Stollen-Würfel schmecken nicht nur göttlich, sondern mit ihnen hat man auf einen Schlag kinderleicht ein großes Blech oberleckerster Plätzchen hergestellt: Zutaten zusammenrühren, backen, in Würfel schneiden, genussbereit. Mehr Superlative können in einem einzigen Plätzchenrezept schwer zusammenkommen!


Zutaten - ein tiefes Blech:

400g Mehl
(m: davon 100g Einkorn-VK)
1 Pr Salz
1Päckchen Backpulver
100g Haselnüsse, gemahlen
250g Mager-Quark (m: 300g normalen)
120g Rohrzucker
200g Butter, weich
4 Eier
100g Zitronat
100g Orangeat
200g Rosinen
(m: 50g davon confit de gingembre)
200g Marzipan
1/4 TL Piment
1/4 TL Zimt
1/2 TL Kardamom
1/4 TL Muskatblüte
75g Rum
(m: 40ml Grand Manier, 1 Fläschen Rum-Aroma, 1/2 Fläschen Bittermandel)

100g Butter
(m: 75g)
Puderzucker


Zubereitung:

Rosinen, Zitronat und Orangeat (sowie den kandierten Ingwer) etwas kleiner hacken, in Rum (oder dem Aroma der Wahl) einweichen und gut durchziehen lassen (m: nur die Rosinen aromatisiert mit Grand Marnier - Fläschchen an kompletten Teig gegeben)

Eine Fettpfanne ca. 32 x 39 cm fetten. Die Backofen auf 175 °C (Umluft) vorheizen.

Die Haselnüsse in einer beschichteten Pfanne, ohne Fett, rösten. Das Marzipan, am besten vorher kurz ins Gefrierfach legen, grob raspeln.

Mehl, Salz und Backpulver mischen, in eine Schüssel geben, Nüsse, Quark, Zucker, Vanillezucker, Eier, Butter und die Gewürze zugeben und zu einem homogenen Teig verrühren. Die eingeweichten Rosinen, Orangeat und Zitronat, kandierter Ingwer unter den Teig mischen ebenso wie zuletzt das Marzipan. Den Teig in die Fettpfanne geben und glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen ca. 20 - 25 Minuten backen.

Dann die Butter flüssig werden lassen und den noch warmen Kuchen damit  schön bestreichen.

Mit Puderzucker bestäuben und in Stücke oder Würfel schneiden. Auskühlen lassen. (m: erst auskühlen lassen - dann geschnitten)

*Anmerkung m: beim nächsten Mal werde ich ein paar gehackte Nüsse untermischen (mal als grobe Idee: plus 100g gehackte Nüsse, dafür 50g Mehl weniger)

Inspiration: CK


falsche Freunde: Chicorée-Tarte-Tatin

Sonntag, 23. September 2018


Falsche Freunde enttarnen sich vor allem ausgenüchtert. Man hatte eine falsche Vorstellung von jemandem im Kopf, der sich im entscheidenden Moment als andere Person entpuppt. Mit Alkohol lassen sich solche Erfahrungen meist vermeiden, wechselt man von Deutschland nach Frankreich kommt man um derlei Erlebnisse nicht herum. Und zwar sprachlicher Natur. Zumindest bezeichnet mein Wortschatz-Buch eine ganze Rubrik dementsprechend...

Wie sehr mich die Verkreuzung dieser beiden Sprachen schon ins Stolpern brachte - und das immerhin mit Leistungskurs im Rücken - man kann es sich nicht ausmalen. Ach, das Leben, es ist voller kleiner Tücken. Nehme ich doch als erstes Beispiel mal das Wort *Negligée*. Kennt fast jeder Deutsche - klar, das schicke Fränzi-Wort für Reizwäsche, beziehungswiese diese kleinen, zarten Nachthemdchen mit Spaghettiträgern. Ihr seht es vor euch. Aber von wegen. In dem Zusammenhang weiß kein Franzose, von was die Rede sein soll. Das Wort gibt es wohl. Als Adjektiv und bedeutet dann *verwahrlost*. Also etwas KOMPLETT anders.

Oder nehmen wir das *Parterre*. Ein gängiges Wort im deutschen Sprachgebrauch - eindeutig entlehnt aus dem Nachbarland. Tja, nur übersetzt man das hier mit Blumenbeet und mitnichten mit Erdgeschoß. 

Ein weiteres sehr populäres Beispiel mit hübschem Fallstrick meint in einem Land (Deutschland) ein Gebäckstück: *un baiser*. Klingt französisch, wird französisch ausgesprochen, ist auch französisch, bedeutet allerdings *Kuss*. Die entsprechende Süßigkeit heißt hier einfach *une meringue*. Einen Stolperstein, den die ein oder andere vielleicht bereits kennt. Tsss, aber es gibt derer noch einige mehr.

Mein populärster Verdreher, der mich anfangs in Frankreich wiederholt stuzig machte, ist eine klassische Überkreuzstellung. Allerdings fühlt es sich an, als hätte man eine Vokabel falsch abgespeichert. Das Bild passt nicht zum Wort. Und zwar wird die heutige Tarte in Frankreich mit *Tarte Tartin aux endives* übertitelt. Chicorée heißt in Frankreich *endive* und Endivien wiederum *chicorée*. Bis heute muß ich mich zwicken, wenn es um diese beiden Salatsorten geht. Obendrein kann Chicorée auch noch Getreidekaffee meinen, das liegt aber mit am Ursprung dieses Kaffees, der aus dem wilden Chicorée, der Wegwarte, gezüchtet wurde.

So, ich hoffe, ich habe euch tüchtig verwirrt. Nun wird wieder entknotet und zwar mit dieser köstlichen Tarte Tatin, die sowohl als schönes Mittagessen für zwei Personen wie als Vorspeise für 4-6 Personen funktioniert. Regelrecht angefüttert wurde ich damit, denn ein lieber Feriengast (coucou Corinna) verwöhnt uns damit als Entrée für ein feines Menu. Ja, wer denkt, dass hauptsächlich ich versuche Feriengäste gelegentlich kulinarisch zu verwöhnen, der irrt. Das dreht sich immer wieder - ganz zu meiner Freude!


Zutaten - Form 24cm:

Teig:
70g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 630
Salz
85g Butter, kalt
1 EL Quark
1 TL Thymian
Chili-Flocken

3-4 kleine Chicorée
1 EL Butter
1 EL Zucker (m: hellbrauner Rohrzucker)
1 TL Fenchelsaat (m: grob gemörsert)
Abrieb 1 Zitrone
flambiert mit Pastis
1 Knoblauchzehe
1 Schalotte
1 EL Korinthen (m: vergessen)
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200° vorheizen. (m: Intensivbacken)

Die Butter in kleinen Flöckchen wie gewohnt mit den restlichen Zutaten unter das Mehl vermengen und mit wenig kaltem Wasser zügig zu einem glatten Teig verkneten. In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kalten ruhen lassen.

Chicorée rüsten, d.h. halbieren und den Strunk keilförmig rausschneiden. Knoblauch und Schalotte fein würfeln. Korinthen etwas in heißem Wasser einweichen.

Zucker zusammen mit der Butter in einer Pfanne schmelzen lassen und leicht karamellisieren lassen, restliche Zutaten zufügen, zuerst kurz Gewürze samt Schalotte und Knoblauch. Dann die Chicorée mit der halbierten Seite nach unten dazu setzen und mit einem guten Schuß Pastis flambieren.

Die Tarteform buttern, zuerst die Hälfte der Gewürze auf den Boden geben, dann den Chicorée dicht an dicht darauf verteilen, die restlichen Gewürze (ganzer Pfanneninhalt) sowie die Korinthen (die ich an der Stelle vergaß).

Teig etwas größer als Tarteform auswellen und darüber legen - dabei die Ränder nach innen krempeln. Mit einer Gabel mehrfach einstechen.

In den heißen Ofen schieben (2. Schiene von unten). 20min bei 200° backen und weitere 20min bei 180°. Aus dem Ofen nehmen und auf eine Platte stürzen.

Inspiration: Corinna bzw. Brigitte

.... mehr salzige Tarte-Tatin - bitte hier entlang....


DUBB, Crossover und Zucchini-Köfte zu indischer Tomatensauce

Mittwoch, 23. August 2017

 
Von dem Traum, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, hat mich das Leben geheilt. Die Erfahrung, wie es ist, sein Lebensunterhalt hinter dem Herd zu verdingen, hatte ich bereits während meines Studiums (hier bei DEM Schoko-Kuchen schrieb ich schon mal darüber). Und das lediglich in der Light-Variante, denn das Konzept des kleinen Resto hing an seiner Frühstückskarte und seinem Mittagstisch (abends wurde bereits um 18 Uhr geschlossen). Also eigentlich sehr angenehme Eckdaten. Aber wie so vieles ist die Vorstellung von etwas im Abgleich mit der Wirklichkeit wie zwei Paar Stiefel. 

Ob es mir mit Phantasien rund um ein eigenes Kochbuch nicht genauso erginge? Klar, so etwas *eigenes* aus Papier in Händen halten, etwas selbst Geschaffenes, das nicht nur virtuell vorhanden ist, sondern greifbar wird, eingeschlossen zwischen zwei Buchklappen - das hat schon was. Da flackert in meinen Augen die Eitelkeit auf.

Aber wieviel Arbeit würde ich reinstecken. So ein Buch, das sollte ja was von Dauer sein. Das kleine Vermächtnis einer (meiner) Epoche, die ich gerne am Herd verbrachte. Aber realistisch betrachtet: wie kurzlebig sind heutzutage Kochbücher! Im besten Fall wird ein Sommer lang darüber gesprochen und wenig später verschwindet es wieder in der Versenkung - nicht unwesentlich länger als die Blütezeit einer Jungfer im Grünen. Am Schluß wäre der Hauptantrieb doch Selbstverliebtheit...

Hey, und selbstverständlich würde ich mich für ein Buch aus meinem Fundus bedienen. Ich bitte euch. Ich würde das Rad doch nicht neu erfinden. Selbstredend würde ich Lieblingsrezepte zusammen suchen. Insofern wäre nicht viel Neues für Euch drunter. Ihr müßtet euch nur gut hier auskennen, dann würdet ihr von ganz alleine bei meinen DUBBs landen.

Wie bei meinem heutigen DUBB bleibt meine Begeisterung ungebrochen: das Sansibar-Chapati. Das war und ist einfach der Hit und das weltbeste Chapati. Mittlerweile mache ich die Chapati allerdings etwas kleiner: aus 80g Mehl pro Fladen - das ediere ich dann dort im Rezept.

Und hätte ich ein Resto, dann würde dieses Gericht auf der Karte landen. Schon länger spukt mir eine vegetarische Variante für Chicken Tikka Masala im Kopf herum - bis ich über Susannes Köfte stolperte und direkt geistig kombinierte. Ein Gericht, das übrigens auch unter meine geschätzte Rubrik *aus Versehen vegan* fällt.

Ach, manchmal ist mit einer Idee spielen fast genau so gut, wie die ausgeführte Tat. Was habe ich als Kind gerne Kaufladen gespielt: was aus dem Regal greifen, in die Kasse einhacken, einpacken, über die Ladentheke reichen. *Bitte schön, die Dame, bitte schön, der Herr*. Sogesehen ist Foodbloggen fast das identische Spiel...


Zutaten 2 P:

Zucchini-Köfte:
120g Kartoffeln 
250g Zucchini (m: gelb/ grün)
2-3 EL Mehl (m: Dinkel-VK)
Salz, Pfeffer
1 Frühlingszwiebel
1 Knoblauchzehe
1/2 Bund Koriandergrün
Piment d'Espelette
Rapsöl zum Braten

Sauce:
500g Tomaten, gehäutet
1/2 Paprika, mit dem Sparschäler gehäutet
1 kleine, rote Zwiebel
1 handvoll Mandelblättchen
ca. 2 EL Rosinen
1/2 TL Garam Masala
Harissa
Salz, Pfeffer
50ml Kokosmilch
Kokosfett

Zubereitung:


Die Kartoffeln in der Schale gar kochen.

Die Zucchini putzen und reiben. Dann in einem Sieb mit 1 TL  Salz vermischen und 20 min Wasser ziehen lassen.

Frühlingszwiebeln putzen und in feine Ringe schneiden. Koriander zupfen, Blättchen und dünne Stiele hacken.

Für die Sauce in einem kleinen Topf Zwiebel, Paprika, Mandelblättchen und Rosinen ca. 10min braten. Kurz vor Ende das Garam Masala und das Harissa mitrösten. Dann die in Stücke geschnittenen Tomaten zufügen, Deckel auflegen und etwa 8min köcheln lassen. Die Kokosmilch anschütten und nochmals etwas bei offenem Deckel einköcheln lassen. Vom Herd ziehen, mit dem Zauberstab fein pürieren, abschmecken mit Salz und Pfeffer und warm stellen.

Die Kartoffeln abgießen, schälen und grob reiben. Die Zucchini portionsweise ausdrücken und zu den Kartoffeln geben. Koriander, Frühlingszwiebeln, fein gehackten Knoblauch und Mehl dazugeben, alles mit Salz, Pfeffer und Piment würzen und mit den Händen gut vermischen. Aus der Masse 8 längliche Bällchen formen.

Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zucchini-Köfte darin von allen Seiten goldbraun ausbraten.

Das weltbeste Chapati macht sich hervorragend dazu. Alternativ ginge auch Reis als Begleitung.
 
Inspiration Köfte: Susanne von Magentratzerl

von unten bestätigt: Pasta con le sarde

Mittwoch, 1. Juni 2016

Während seiner Zeit als Architekt in Algerien schuftete sich der Habib immer wieder freie Phasen zusammen, um seine Abenteuerlust in der Wüste auszuleben. So kam es, dass er bei einem Konflikt zwischen der algerischen Regierung und den Tuareg als Vermittler eingesetzt wurde.

Der Habib kann ganz wunderbare Geschichten von den Tuareg erzählen, dass sowohl Groß wie Klein an seinen Lippen hängen. Meine Lieblingsgeschichte handelt von einer Hochzeitsfeierlichkeit über mehrere Tage, zu der der Habib geladen war. Das Wüstenvolk der Tuareg weist eine Jahrhunderte alte Geschichte auf - beispielsweise haben sie eine  der ältesten Schriften der Welt entwickelt. Die Masighen selbst nennen sich "Imazighen" ("freie Menschen"). Ganz typisch etwa ist auch die starke Position der Frauen in diesem Nomadenvolk, die im Gegensatz zu den Männern unverschleiert sind. Viele ihrer Bräuche und Traditionen faszinieren sehr. Ihre Gesellschaft ist streng hierarchisch in Kasten gegliedert. In Wahlen muß die unterste Kaste die oberste bestätigen - eine sinnvolle Abhängigkeit, wenn man einen Faible für echte demokratische Strukuren hat.

Sehr ähnlich wie in dieser Pasta. Die Sardine gehört schon immer zu den billigsten Fischen überhaupt. Selbst heute zahlt man für vier mittelkleine Sardinen gerade mal einen Euro. In diesem sizilianischen Nudelgericht werden sie mit einem dem teuersten Gewürze kombiniert, dem Safran. Gerade dieser Gegensatz macht den Reiz dieser süß-herben Pasta.
Zutaten*:

6 Sardellenfilets in Öl
100 g Semmelbrösel
80 ml natives Olivenöl extra
1 mittelgroße Zwiebel, gehackt
50 ml Weißwein
(m: auch einen Spritzer Noilly Prat)
2 EL ‘strattu oder 1 ½ Tomatenmark (m: Ofentomaten)
2 EL Tomatenmark
8 frische Sardinenfilets
30 g Sultaninen
30 g Pinienkerne
1 kräftige Prise Safranfaden (etwa 20 Stück)
3 wilde Fenchelzweige, fein gehackt, oder 1 TL Fenchelsamen, in etwas Wasser eingeweicht (siehe Rezepteinleitung)
Meersalz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
200 g Pasta, beispielsweise Bucatini

Zubereitung:

Sardellen in Öl, falls verwendet, abtropfen lassen.

Die Semmelbrösel in einer Pfanne ohne Zugabe von Fett bei mittlerer Hitze rösten, bis sie zwar kräftig gebräunt, aber nicht angebrannt sind.

In einem Topf 60 Milliliter Olivenöl erhitzen und die Zwiebel unter häufigem Rühren ohne Farbe weich schwitzen. Die Sardellen hinzufügen und rühren, bis sie zerfallen. Wein dazugießen und aufkochen lassen, damit etwas Alkohol verdampft. Das ‘strattu oder Tomatenmark und so viel Wasser einrühren, dass die Mischung eine saucenartige Konsistenz bekommt. Sardinenfilets, Sultaninen, Pinienkerne, Safran und wilden Fenchel oder Fenchelsamen hinzufügen. Behutsam durchmischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und 10 Minuten köcheln lassen.

Reichlich Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen, salzen und die Pasta al dente garen (dafür von der auf der Packung angegebenen Garzeit etwa 1 Minute abziehen). Abseihen, dabei einen Teil des Kochwassers auffangen. Die Pasta zur Sardinensauce geben und durchmischen, dabei nach Bedarf ein wenig von dem Kochwasser hinzufügen, um die Sauce etwas aufzulockern. Mit dem restlichen Olivenöl beträufeln und mit den gerösteten Semmelbröseln bestreuen.

*Anmerkung m: Obacht - das Rezept ist ursprünglich für 4 Personen ausgelegt (so stimmt Mischungsverhältnis von Sauce und Pasta) - wir benötigen allerdings mehr als 50g Nudeln pro Person um satt zu werden.
Quelle: Giorgio Locatelli: *Sizilien. Das Kochbuch*  bzw Valentinas Kochbuch