Posts mit dem Label Mohn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mohn werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Clownerie: Mohnkuchen mit Kirschen

Donnerstag, 2. März 2023

 

Eines der großen Mysterien hier im französischen Outback bleibt die Faszination meiner Mitmenschen für Clownerie. Wenn ich eine rote Pappnase sehe, bin ich raus. Andere kommen dann erst so richtig in Stimmung. Meine Mutter erzählte gerne, wie sie mit meiner Schwester und mir im Zirkus war und bei der Clown-Nummer das Zelt mit ihren schreiend-heulenden Kindern verlassen musste. Zwei Clowns schlugen sich mit großen Schaumstoff-Hammer (oder Hämmer?) gegenseitig ungespitzt in den Boden. Und meine Reaktion war damals schon: nicht witzig!

Hier in der ländlichen Drôme findet IMMER irgendwo ein Clown-Seminar statt (s. Insta). Schon Seminar-Titel wie *Entdecke den Clown in dir* bringen meinen Kopf wie selbstständig zum Schütteln. Das ist entschieden nix für mich. Alleine bei der Vorstellung... nee, nich für Geld!

Vielleicht hängt das zusammen mit der französischen Lust willkürlich im Jahr *carnaval* zu feiern. Dabei hopst man ohne jeden kulturellen Hintergrund einfach verkleidet durchs Dorf und wirft Konfetti. Klar, die Kinder lieben das. Die Eltern aber auch. Und safe ist dann mindestens ein Clown zum Aufmischen drunter. Oder die Verwandtschaft: eine Gruppe, die mit Improvisationstheater berreichert. Da laufe ich große Bögen, in solches Fahrwasser will ich nicht hineingeraten. Meine Reaktion könnten Nachwehen meines Kunststudiums sein. Ich habe einfach schon genügend schlechte *performances* gesehen - das reicht für ein ganzes Leben. Und ich kann mich dabei schlimm fremdschämen. Kein Gefühl, dem ich hinterherjage.

Erschwerend kommt hinzu, dass Humor eine SEHR spezielle Angelegenheit ist. Gar nicht mal so oft teilt man den gleichen. Etwa all die alten Filme mit Louis de Funès: einem kleinen, unerträglich hysterischen Mann mit sich dauerüberschlagender Stimme am Rande des Nervenzusammenbruchs - wie überdreht kann man sein? Wobei es einige, französische Komödien gibt, die ich wiederum wirklich sehr lustig finde (Willkommen bei den Sch'tiis beispielsweise).

Was macht man nicht alles dem Eskapismus zuliebe. Jeder dritte Deutsche hat psychische Probleme lese ich. Bei einer kleinen Recherche zeigt sich relativierend: anscheinend ein stabiles Drittel, das hing bereits vor 10 Jahren in den Seilen. Und ein Drittel hat außerdem keinen Bock mehr auf seinen Job. Obs so eine Regel gibt, dass es für ein konstantes Drittel nicht läuft? Meinem Eindruck nach erhält das Drittel momentan Verstärkung: zumindest kenne ich gerade niemanden, der von sich behauptet, Rückenwind zu haben. Alle sind sie geplagt und belastet. Ist es nicht die Gesundheit, dann sind es Probleme mit dem Geld oder der Beziehung/ Familie/ Kollegen oder eine veritable Mischung. Als würde jeder eine ordentliche Schippe obendrauf erhalten - zu dem alltäglichen Wahn. 

Nun, da ist die Lust schon groß, zwischendrin auf den Pauseknopf zu drücken, oder. Nichts intensiviert das Leben mehr wie Nüchternheit. Aber wer erträg das am Stück? Und bevor jetzt zum Saufen auch noch alle mit dem Kiffen anfangen, dann ist die rote Pappnase am Schluß die bessere Alternative. Und wer weiß: vielleicht wirds irgendwann bitternötig, den *Clown* in sich zu entdecken?! Es könnte eine angemessene Antwort auf Irrsinn sein.

 

 

Mir gelüstete nach einem deutschen Kuchen. Mit Mohn - das findet sich schwerlich im Fränziland. Dieser Mohnkuchen mit Hefeboden erfüllte ganz meine Wünsche: zart und weich, schön saftig, am zweiten Tag durchgezogen mindestens noch genau so gut, nach Oma-Küche duftend. Ich habe dem ursprünglichen Rezept zudem ein paar entsteinte Kirschen aus dem Froster untergejubelt. 2022 war in der Drôme nicht nur ein Walnuss-Jahr, es war auch das Jahr der Kirschen - wir hatten mehr als reichlich!


Zutaten - 1/2 Blech (m: Form 20 x 30cm):

Hefeteig:
160g Mehl (m: D630)
50ml Milch
7g Hefe
40g Butter
20g Rohrzucker
1 Ei
1/4 TL Salz
...
Mohnfülle:
450ml Milch
90g Mohn, gemahlen
50g Butter
60g Rohrzucker
50g Hartweizengrieß
2 EL Rum
1/2 TL Kardamom, gemahlen
200g Kirschen (oder Schattenmorellen - optional)
...
Guss:
125ml Milch
1/4 Packung Vanille-Pudding-Pulver (= 8,5g)
30g Rohrzucker
1 Ei, getrennt
15g Speisestärke

Zubereiung:

Für den Hefeteig die Hefe in lauwarmer Milch auflösen, dann mit den restlichen Zutaten in einer Küchenmaschine mit Knethaken zu einem geschmeidigen Hefeteig verkneten. Teig abgedeckt an einem warmen Ort 1 Stunde gehen lassen.

Für die Mohnmasse die Milch in einem Topf mit Mohn, Butter und Zucker langsam aufkochen. Grieß einrühren und 2-3 Minuten kochen lassen, bis die Masse gut eingedickt ist. Mohnmasse mit Rum und Kardamom würzen und abkühlen lassen.

Für den Guss das Puddingpulver mit Milch und 1 El Zucker nach Packungsanleitung zubereiten und kalt stellen.

Den Boden eines Backblechs passend mit Backpapier auslegen. Hefeteig auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche zusammenkneten. Dann auf Backblechgröße ausrollen und das Blech damit auslegen. Einen flexiblen Backrahmen zwischen Teig und Blechrand legen. Die Mohnmasse auf dem Teig verteilen und glatt streichen.

Für den Guss das Ei trennen. Eigelb und 1 Prise Salz unter die Puddingmasse rühren. Eiweiß steif schlagen, dabei den restlichen Zucker einrieseln lassen. Abwechselnd mit der Stärke unter die Puddingcreme rühren. Den Guss auf der Mohnmasse verteilen. Kuchen im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad (OU-Hitze) auf der unteren Schiene 40 Minuten backen. Dann aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Dann in kleine Quadrate schneiden und genießen!

Quelle: Essen und Trinken


Einsamkeit: Eierschecke

Freitag, 7. Februar 2020


*Wie oft wirst du gesehen
aus stillen Fenstern,
von denen du nichts weißt.

Durch wieviel Menschengeist
magst du gespenstern,
nur so im Gehen.*
(Christian Morgenstern)

... das stand in dem Fensterbogen meines Zimmers, von wo ich oft stundenlang auf den kleinen Platz vor dem Haus blickte und das Geschehen beobachtete. Das Morgenstern-Gedicht steht stellvertretend für eine der einsamsten Epochen meines Lebens. Auf einen Schlag hatten sämtliche Mädels meiner Gang einen Freund, nur ich hatte verpasst mich synchron mitzuverlieben. Es gab Wochenenden, an denen ich nicht ein einziges Wort sprach und froh war, wenn ich montags endlich wieder arbeiten gehen konnte. Niemand braucht mir erklären, wie engmaschig Einsamkeit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Resignation und Depression miteinander verbunden sind.

Die meisten kennen diese Gefühlslage wohl als Phase ihres Lebens. Es kann jeden irgendwann treffen. Dabei bestätigen Studien nicht nur, dass sich zunehmend Menschen in Deutschland einsam fühlen, sie zeigen gleichfalls, dass es Großstädter genauso wie Landbevölkerung betrifft, alt wie jung, egal wie gestanden, Status unabhängig. Es kommt nur auf den entsprechenden Schicksalsschlag an. Und manchmal scheint es mir, als hinge es nur an wenigen Zufällen, ob man von dort aus tiefer und tiefer in die Dunkelheit rutscht. 

Ich komme darauf, weil zwei Menschen in unserer Peripherie mit diesem Zustand kämpfen. Beide sind bereits älter und beide eigentlich jeweils eingebunden in Familien. Und dennoch einsam. Claire hat gerade den plötzlichen Tod ihres Mannes zu verkraften, während ihre Tochter mit dem alltäglichen Leben samt Kleinkinder ausgelastet ist - bei unmittelbarer Nachbarschaft. Und Alain ist ein guter Bekannter aus unserem John-Irving-Café, der gar noch arbeiten geht, sogar zusammen mit seinen Söhnen, und trotzdem kann man zusehen, wie ihn der Lebensmut verlässt und er weniger und weniger  und blasser und blasser wird.

Bei der Gelegenheit fiel mir auf, wie wenig Möglichkeiten es im ländlichen Frankreich gibt, sich regelmäßig unter Menschen zu mischen. Die Kirche hat seit der französischen Revolution nahezu an Bedeutung verloren. Wobei sich gerade in Momenten der Einsamkeit zeigt, dass diese (und/ oder der Glaube) vielen Stütze bietet - siehe sehr schön im Dlf-Artikel: Im Sog der Einsamkeit. Das Franko-Pendant zum deutschen Vereinswesen - aka Musikverein, Sportverein, Gesangsverein ectpp - spielt in unserer Gegend eine kleine Rolle. Bon, klar, die Jagd - aber die ist nix für jedermann und nachwievor eine Männerdomäne. Die einst so beliebten und nicht wegzudenkende Boule-Plätze, die jedes Dorf in seiner Mitte beheimatete und tpyisches, südfranzösisches Flair verbreiten, zeugen von einem Zeitwandel: die wenigsten werden noch (regelmäßig) bespielt und einige sind bereits zu Parkplätzen umstrukturiert.

Wie grandios haben wir da China in Erinnerung! In den öffentlichen Parks und Plätzen finden sich ständig zu den unterschiedlichsten Betätigungen Menschen zusammen: von Standart-Tänzen über Schach-, Brett- und Kartenspiele, Aerobic-Stunden oder Tai-Chi-Gruppe, Chöre, Kaligraphie-Künstler, Sticken... - das Angebot an Beschäftigungen hätte nicht vielfältiger sein können. Und wie toll ist es, wenn sich dieser Gemeinschaftssinn derart kulturell verwurzelt hat, dass sich die Menschen auf diese Weise ganz selbstverständlich - und ohne etwas zu bezahlen - treffen und begegnen könnten. Mag sein, dass es eine (vergehende) Nische ist im arbeitswütigen China, aber eine, die mir sehr gut gefallen hat.

Gut, selbst derartige Institutionen sind kein zwingendes Heilmittel. Mich beschleicht eh der Eindruck, dass neben der typischen Einsamkeit als menschliche Regung der Neoliberalismus und das Zeitalter der Digitalisierung eine neue Form hervorbringt: die der universellen Einsamkeit. Das Individuum, das als Einzelwesen einem größeren, sich weiter öffnendem (Welt)Raum alleine gegenübersteht. Die weltweite Interaktion zwischen Menschen hätte sich meine Großeltern-Generation kaum vorstellen können - für die war Telefon schon fancy.

Byung-Chul Han beleuchtet in seiner *Müdigkeitsgesellschaft (2010) die Kehrseite einer Leistungs- und Aktivgesellschaft, denn sie bringt zwangsläufig eine extreme Müdigkeit und Erschöpfung hervor. Und seltsamste Blüten treibt die Einsamkeit in Japan, wo man sich in Ermangelung an echten Beziehungen Familien, Freunde oder Lebenspartner einfach leihen kann. Das darf wohl befremden.

Nachdem es international als erwiesen gilt, dass Einsamkeit Stress verursacht, der zu Krankheiten wie Depression, Blutdruck, Demenz und einem früheren Tod führen kann, sieht selbst die Politik Handlungsbedarf. Großbritannien hatte 2018 die erste Einsamkeitsministerin in Europa berufen (die somit wieder arbeitslos sein dürfte) und die Bundesregierung nahm das Thema in den Koalitionsvertrag auf: *Angesichts einer zunehmend individualisierten, mobilen und digitalen Gesellschaft werden wir Strategien und Konzepte entwickeln, die Einsamkeit in allen Altersgruppen vorbeugen und Vereinsamung bekämpfen.*

Aber wie soll das gehen? Man kann selbst in Beziehung einsam sein, weil Nähe, Austausch und Verständnis fehlen. Bittere Wahrheit ist: tiefe Verbundenheit zwischen zwei Menschen ist weder Selbstverständlichkeit noch die Regel, sondern die wundersame Ausnahme. Ansonsten gilt:

*Und wenn wir wieder von der Einsamkeit reden, so wird immer klarer, dass das im Grunde nichts ist, was man wählen oder lassen kann. Wir sind einsam. Mann kann sich darüber täuschen und tun, als wäre es nicht so. Das ist alles. Wieviel besser ist es aber, einzusehen, dass wir es sind, ja geradzu, davon auszugehen.* (Rilke)


Einen Großteil dieses Kuchens, der heute vorgestellen Eierschecke, bekam Claire - als kleine nachbarschaftliche Geste des Mitfühlens. Für mich einer dieser Kuchen, die meine Gelüste im Frühjahr sehr entgegenkommen - siehe etwa auch diese Schnitten. Was die Kombi Mohn-Quark-Obst-Streusel angeht, behält dieser Kuchen allerdings eindeutig die Nase vorn, denn der toppt noch mit zusätzlicher Nuss - an dem kommt so schnell wohl keiner vorbei.

Zutaten - eine Kuchenform 26cm Durchmesser:

Füllung:
1 Päckchen Vanille-Pudding
50g
200g Milch
30g gemahlener Mohn
2 EL Zucker

Teig/ Boden:
100g Milch, lauwarm
10g Hefe
30g Butter, weich
30g Zucker
1 Eigelb
1 Pr Salz
200g Mehl

Streusel:
40g Butter, weich
30g Mehl
40g gemahlene Mandeln
20g gehackte (oder gehobelte Mandeln)
40g Zucker
(m: 1/2 TL Sugar Spice)

Füllung:
500g Magerquark, im Sieb abgetropft
2 Eier
100g Zucker (m: 50g)
1 Pr Salz
1 TL abgeriebene Zitronen-Schale
400g Obst (m: Karamell-Birnen)*

Zubereitung:

Als Teil der Füllung das Vanillepuddingpulver in 50 ml Milch verrühren.
 Die restlichen Zutaten miteinander aufkochen. Vom Herd ziehen, das vorbereitete Puddingpulver klümpchenfrei einrühren und kurz nochmals kochen lassen. Abdecken und abkühlen lassen

Für den Boden Milch mit Zucker und Hefe verrühren. Das Mehl, das Eigelb und die Prise Salz zufügen und mit Hilfe einer Küchenmaschine einen glatten Teig verkneten, der sich beginnt vom Schüsselrand zu lösen. Schüssel abdecken und an einem kuscheligen Platz ca. 1 Stunde gehen lassen.

Für die Streusel alle Zutaten miteinander per Hand oder mt einer Gabel verkneten und kalt stellen.

Nun die Füllung fertig zubereiten. Den abgetropften Quark mit 2 Eiern, der Zitronenschale, dem Zucker und dem Salz verrühren. Dann den Mohn-Pudding mit dem Handrührgerät schön glatt unterziehen.

Die Springform leicht buttern und den Hefeteig mit dem Fingern vorsichtig auf dem Boden in Form bringen. Nochmals 20min gehen lassen.
Backofen auf 185° (O/U-Hitze) vorheizen.

Das Obst der Wahl - abgetropfte Schattenmorellen, eine Beerenmischung, ein nicht zu feuchtes, stückiges Apfel-Kompott - vorbereiten.

Quarkmasse auf dem Hefeboden verteilen und glatt streichen, erst Obst dann Streusel darüber verteilen und den Kuchen auf der untersten Schiene des Ofens ca. 60 bis 70min golden backen (m: die letzten 15 min auf die 2.Schiene von unten wechseln). Die Schecke mindestens 4 Stunden ruhen lassen.

*Anmerkung m: die Karamell-Birnen waren sensationell - dringender Hinweis an mich selbst, die kommende Saison wieder einzuwecken.



Torte, die: Mirabellen-Hasel-Mohn-Kuchen

Mittwoch, 11. September 2019


Vermutlich muss ich wieder 10 Jahre warten bis wir erneut eine solche Mirabellen-Ernte haben, unke ich gen Habib. Wir mussten die Zweige der Mirabellenbäume teilweise stützen, damit sie an ihrer Last nicht zerbrachen. So schwer trugen sie, dass sie mich an die Apfelbäume in Frau Holle erinnerten. Auf meiner Schallplatte mit grimmschen Märchen wandte sich der Apfelbaum in jämmerlichster Stimme an Goldmarie wie Pechmarie. Ein Herz aus Stein musste man haben, wenn es einen da nicht direkt erbarmte: der Baum brauchte umgehend Hilfe!

Ja, wir hatten soviele Mirabellen, wir hätten jemanden damit überschütten können. Exakt wie in Asterix & Obelix bei Cleopatra als der Architekt seinen versprochenen Lohn erhählt. Ich habe die Szene deutlich vor Augen, nämlich als der Architekt sich vor seiner Herrscherin - aka Cleopatra - verbeugt nach erfolgreicher Vollendung der Pyramiden. Zwei Diener kommen hinzu, jeweils eine große Amphore voller Gold tragend, die sie über Numerobis (habe ich extra nachgeguckt) ausleeren. Obelix weist dann darauf hin, dass da noch was rausgucken würde (der Po). Doch sie waren noch nicht fertig, denn eine zweite Ladung marschiert an. Würden wir locker mit unseren Mirabellen genauso hinkriegen. Numerobis dürfte sogar etwas größer sein.

Bis auf ein paar Mirabellen für Bienen, Wespen, Ameisen und Konsorten haben wir die Bäume komplett abgeräumt. Darauf bin ich stolz. Wieviele Bäume auf dem Land hängen mittlerweile voll und die Früchte fallen einfach auf den Boden.

Ich sage euch (*prophetischer Ton an*): die Obstbäume in Gärten von Ferienhäusern hier abzuräumen, das wir mal noch eine (kleine) Geschäftsidee...

Wir haben die Mirabellen großzügig in alle Richtungen verschenkt und ich habe Marmelade und Kompott gekocht und Tartes gebacken. Würde ich noch Alk trinken, hätte ich möglicherweise das Schnaps brennen begonnen. Tue ich aber nicht. Daher ging ein weiterer Großteil an einen Jungbauern der Lebensgemeinschaft unseres Dorfes, der zwei Mal die Woche auf dem Markt seine Waren feil bietet. Er hat sich riesig gefreut. Denn Bio-Obst aus Kleinstanbau ist seltener zu erhalten als Gemüse - dementsprechend konnte er alles blitzartig verkaufen.

Und so haben wir es dann auch mit unserer Ernte der Reine Claude und Zwetschgen gehandhabt: wir haben Menschen mit Obst überschüttet von erleichterten Bäumen.


Dieser Kuchen entstand, weil ich mich wieder mal nicht entscheiden konnte, was ich eigentlich will. Es sollte keine schlichte Tarte werden, was saftiges, aber schon mit Streuseln. Herausgekommen ist für meine Begriffe DIE Obsttorte. Ich fand sie allerköstlichst! Und der Aufwand, sie herzustellen, ist völlig überschaubar. Ein idealer Sonntagnachmittagskuchen um ihn auf die Kaffee-Tafel zu stellen (was eine schöne, deutsche Gewohnheit eigentlich, sich das Wochenende zu versüßen) und er kann der jeweiligen Obst-Saison wunderbar angepaßt werden. Egal ob mit Pflaumen, Birnen, Brombeeren, Himbeeren, Weinberg-Pfirsiche oder Äpfeln - der Kuchen wird immer ein Kracher!

Zutaten - 1 Springform à 26cm Durchmesser:

200g Butter
200g Mehl*
100g gemahlene Haselnüsse
1/2 Päckchen Back-Pulver
120g Zucker
1 Ei
1 TL Sugar-Spice*

100g Mohn, gemahlen
30g Butter
40g Zucker
70ml Milch

400g Quark
30g Vanille-Zucker (m: eigener)
30g Speisestärke
2 Eier

ca. 700g entsteinte Mirabellen
(optional mariniert mit 2 EL Calvados) 


Zubereitung:

Mit dem selbstgemachten Mohnback beginnen: dafür Butter, Milch, Mohn und Zucker aufkochen und etwa 30min quellen lassen. Anschließend Quark, Speisestärke, Eier und Zucker klümpchenfrei verrühren. Den verquollenen Mohn gut untermischen.  

Den Backofen auf 190° OU-Hitze vorheizen.  

Die ganzen Haselnüsse ohne Fett in der Pfanne rösten und dann derart mahlen, dass noch etwas größere-kleiner Stückchen übrig bleiben (kleiner als Krokant-Größe und größer als typisches gemahlene Nüsse). Butter zusammen mit dem Zucker, dem Gewürz und dem Ei weißcremig aufschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen und unter den Teig rühren. Zuletzt die gemahlenen Nüsse dazugeben. Alles gut vermischen.

Eine Springform einfetten und leicht bemehlen. Dann 3/4 des Teiges mit den Fingern in die Springform drücken und als Boden 15min vorbacken - den Rest des Teiges, der als Streusel verwendet wird, habe ich in der Zwischenzeit in der Tiefkühltruhe gekühlt.

Quark-Mohnmasse auf dem vorgebackenen Boden verteilen, Mirabellen darüber verteilen ebenso die Streusel drüber krümeln

Für weitere ca. 35min in den Ofen schieben und fertig backen.

Anmerkung m: wer bereits gemahlene Haselnüsse verwendet, nimmt sich um den Clou: die leicht gröberen Haselnüsse zwischendrin geben einen tollen Crunch! Wagt euch gerne an Vollkornmehl - paßt hier wunderbar!



Geschwister im Blog-Universum:





Beschränkung: Mohnstriezel zu Ostern

Mittwoch, 17. April 2019


Eine große Passion von mir - seit ich schriftlich nachdenke - ist geworden, zu versuchen die Dinge in Zusammenhang zu bringen. Das Verknüpfen von Gedanken. Stricken mit Gedankenfäden. So verwebt sich dann dichter und dichter vor meinen geistigen Augen ein kleiner Gedankenkosmos.

Von dem Text über den Zwang der Menschen zu funktionieren hüpfte ich zu M.Buddenbohms Beobachtung von *stets bemüht, aber seltsam erschöpft* zu meinem geschätzten Philosophen Byung-Chul Han - auf den ich ja regelmäßig zurückkehre (aus dem einfachen Grund, weil wir uns einig sind). Ob vielleicht diese seltsame Überbewertung des Sports letztlich auch eine Krake des Turbokapitalismus ist? Versteht mich nicht falsch: gegen einen fitten Körper und  ausreichend Bewegung habe ich überhaupt nichts. Aber nur weil irgend jemand schneller, höher, weiter rennen kann (zum Beispiel), wird er in meinem Universum niemalsnie ein Held.

Die Mäßigung - wie wünschenswert sie doch meist ist. *Alles mit Maß und Ziel* - alter Goethe-Kalauer! Doch wenn es so einfach wäre... Unser Aufenthalt in Thailand (die Zusammenfassung steht nach Ostern an) hat mir sehr vor Augen geführt, wie wohltuend eine gewisse Beschränkung sich auf das allgmeine Lebensgefühl auswirkt. *Überprüfen Sie Ihre Haltung gegenüber Essen, Kleidung und Unterkunft. Indem Sie die Erwartungen zurückschrauben, fördern Sie Ihre Zufriedenheit*, meint der Dalai Lama. Unser kleiner Bungalow stand mitten in einem blühenden Garten, nicht weit vom Strand entfernt und wartete mit einer handvoll Quadratmeter auf: einer kleinen Küche samt einer Kochstelle, ein winziges Schalfzimmer und ein klitzzikleines Bad. Klar, hauptsächlich haben wir draußen gelebt - aber es fühlte sich extrem heimelig an. Vermutlich, weil wir uns diesen Ort auch so vertraut gemacht hatten. Der Kleiderschrank gefüllt mit überschaubarer Klamotte und das Essen wiederholte sich oft - einfach, weil wir uns so vegetarisch wie möglich ernähren wollten.

Unterwegs spielt Essen keine bedeutende Rolle für uns. Auf einer meiner Lieblingsreisen - wir waren mit dem 4x4 samt Dachzelt unterwegs - ernährten wir uns wochenlang hauptsächlich von Fladenbrot, Kiri-Käse und Mandarinen. Es war herrlich! Essen zur Religion zu erheben, halte ich für keine gute Idee. Anständig und mäßig und mit Freude - JA! Aber halt ohne Kapriolen. Kann man nicht schon froh sein, zu der Prozentzahl an Menschen zu gehören, die keinen Hunger leiden müssen?

Der Dalai Lama behauptet, das Grundübel zu kennen: „Wir wollen immer mehr und mehr und mehr.“ Reichtum, Schönheit, Karriere, den idealen Partner, perfekte Kinder, die neueste Mode, das teuerste Auto, Anerkennung, Status, Lob – in der Hektik agierten viele Menschen wie Automaten, deren Zweck allein das Geldverdienen sei. „Das ist vollkommen verkehrt“, mahnt der Buddhist. Nicht der monatliche Gehaltsscheck, sondern „der Zweck des Geldverdienens sollte das Glück der Menschen“ darstellen
Der Dalai Lama behauptet, das Grundübel zu kennen: „Wir wollen immer mehr und mehr und mehr.“ Reichtum, Schönheit, Karriere, den idealen Partner, perfekte Kinder, die neueste Mode, das teuerste Auto, Anerkennung, Status, Lob – in der Hektik agierten viele Menschen wie Automaten, deren Zweck allein das Geldverdienen sei. „Das ist vollkommen verkehrt“, mahnt der Buddhist. Nicht der monatliche Gehaltsscheck, sondern „der Zweck des Geldverdienens sollte das Glück der Menschen“ darstellen.
Wenn sich denn ein Zeitfenster öffnet, könnte man sich schon mal fragen, ob Konsum ein tragendes und ausfüllendes Lebenskonzept ist. *Wir wollen immer mehr und mehr und mehr*, findet der Dalai Lama. Reichtum, Schönheit, Karriere, den idealen Partner, perfekte Kinder, die neueste Mode, das teuerste Auto, Anerkennung, Status, Lob - in der Hektik agieren viele Menschen wie Automaten, deren Zweck allein das Geldverdienen sei. 

Mein Prof von der Kunstaka kommt mir in den Sinn - damals bereits mehrfacher Millionär. Er schwärmte von einem seiner schönsten Urlaube: als junger Kerl ohne Geld in den Taschen überquerte er mit zwei Freunden die Alpen auf dem Fahrrad, unterwegs übernachteten sie in Scheunen auf dem Stroh... Erlebnisse, die man nicht kaufen kann...
 
Nochmals komme ich auf den Dalai Lama zurück. Er wurde gefragt, was ihn am meisten überrascht; er sagte: *Der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.*



Ostern verbinde ich mit Hefegbäck. Das hat sich in den letzten fünf Jahren nicht geändert. Nur vertraue ich mittlerweile auf meine altbewährten Rezepte. Eigentlich kennt ihr die Zutaten für den Mohnstriezel schon. Der Hefeteig ist nichts anderes wie der Schuedi und die Füllung gleicht nahezu den Mohnstriezel-Plätzchen (von denen ihr ebenso fein die Nuss-Füllung für den Zopf aufgreifen könnt) Ich habe lediglich alles neu kombiniert. Vielleicht kann ich so vormachen, wie schön sich mit guten Rezepten spielen läßt.

Zutaten:

Hefeteig:
300g Mehl
135ml Milch
40g Butter
30g Zucker
1 Ei
1/4 TL Salz
20g Hefe

Mohnfüllung:
140g Mohn, gemahlen
50g Butter
120ml Milch 
80g Marzipan
40g Mandelblättchen, fein gehackt
1 Orange, Abrieb davon
1/4 TL Kardamom
1 Ei

Streusel:
60g Mehl
60g gehobelte Mandeln
60g Rohrzucker
60g Butter, kalt in Flöckchen
1TL Sugar-Spice

Aprikosenmarmelade
etwas Zuckerguß


Zubereitung:


Hefe in 3 Esslöffel Milch auflösen und beiseite stellen. Restliche Milch, Butter und Zucker erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist. Auf mindestens 38°C abkühlen lassen, sonst sterben die Hefekulturen ab. Ei unterschlagen.

Mehl in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Milchmischung und aufgelöste Hefe hinzufügen. Alles 4 Minuten auf Stufe 1 (von 4) kneten. Salz hinzugeben und auf Stufe 2 weitere 8 Minuten kneten. Zugedeckt an einem warmen Ort ca. 40 Minuten ruhen lassen.

Für die Mohnfüllung Mohn, Butter, Milch, kleingeschnittenen Marzipan und Gewürze kurz aufkochen, gut verrühren und 30min quellen lassen. Dann das Ei untermischen.

Die Zutaten für die Streusel miteinander homogen verkneten und kalt stellen.

Den Teig entgasen und kurz entspannen lassen, dann auswellen auf etwa 40cm x 30cm. Mit der Mohnfüllung bestreichen und von der langen Seite her aufrollen. Den Zopf auf ein Blech, das mit Backpaier ausgelegt ist, umsetzen. Nun mittig der Länge nach durchschneiden und die beiden Hälften miteinander gegeneinander verdrehen. Abgedeckt nochmals etwa eine knappe Stunde gehen lassen.

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. 

Den Zopf mit Wasser bestreichen und die Streusel darauf bröselig verteilen und etwas andrücken.

Den Striezel auf der zweiten Schiene von unten einschieben (m: mit Dampf) und ca. 35min backen.

Die Aprikosenmarmelade (etwa 3 EL) mit ein wenig Wasser erhitzen und grob aprikotieren (= optional). Abkühlen lassen.

Dann - wer mag - den Zopf mit Zuckerguß ebenfalls grob besprenkeln. Voilà!


Als kleines Special stelle ich euch nochmals ein Oster-Board mit Hefe-Gepäcken aus der Blog-eigenen Bäckerei zusammen. Darüber hinaus gibt es außerdem das Board Osterschleckereien I und Osterschleckerein II (mit Überschneidungen bei den unangezweifelten Gassenhauern ;)







Mitgefühl: Kleine Mohnstrudel oder Schoko-Nuss-Striezelchen

Sonntag, 9. Dezember 2018


Die oberste Maxime aller praktizierten Religionen sind Friede und Mitgefühl. Vielleicht aber sind diese Tugenden auch nichts anderes wie grundlegende Ethik, wie der Takt des Herzens, wie angewandte, innerer Werte, wie allgemeine Herzensbildung... So oder so - egal wie man es dreht und wendet - etwas, wozu man sich an einem 2. Advent durchaus Gedanken machen kann, so man denn will...

Im Judentum erzählt eine kleine Geschichte davon, dass Mitgefühl schicksalshafte, ja lebensrettende Auswirkungen haben kann.

Im Sufismus wird die Empathie *als eine notwendige Stufe* angesehen, um sich überhaupt als menschliches Wesen zu qualifizieren, denn sie stellt eine Herzensqualität dar, die sich erst entwickelt als *ein Folgephänomen einer angewandten Handlung*.

Um Mitgefühl - Karuna - kommt man ebensowenig im Sanskrit herum, vorallem wer danach strebt, ein echter Bodhisattva zu sein - Mitgefühl und Güte ist der höchste Dharma der Guten.

Papst Franziskus hat den Kampf gegen Armut zur Chefsache erklärt. So führte er letztes Jahr einen *Welttag der Armen ein*, an dem er einläd, *den Blick auf jene zu richten, die unsere Solidarität erflehen.* Auch wenn die Armen in den Augen der Welt wenig Ansehen genießen, so sind sie doch die, die uns den Weg zum Himmel öffnen, sie sind unser *Reisepass für das Paradies*, sagte der Papst in seiner Predigt  

Innere Werte wie *compassion* könnten jedoch nicht oder jedenfalls nicht überall auf die Religion gegründet werden, so die Haltung des Dalai Lama. Denn dann würden sie nicht die rund eine Milliarde Nichtgläubigen auf der Welt ansprechen. „Also brauchen wir Bildung über moralische Prinzipien, moralische Ethik, die nicht auf Religion gegründet ist, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse und gemeinsame Erfahrung und den gemeinen Menschenverstand.“ Ethik first quasi.

Zwei weitere (aktuelle) Links passen hierzu noch ganz gut dazu:

° 25 Jahre *die Tafel* in Deutschland - mit immer mehr Rentnern, Kindern und Jugendlichen  (s. auch Deutschlandfunk)

° Forderung der Gelbwesten (s. ebenfalls wiederum Deutschlandfunk)

Meine kulinarische Empathie konzentriert sich heute blogtechnisch auf die Sanierung eines Links, der mittlerweile ins Leere läuft. Die kleinen Mohnstrudel hatte ich als Gastbeitrag bei Stephanies Blog *Stylingfieber* veröffentlicht - den sie allerdings seit geraumer Zeit geschlossen hat (hach, das allgemeine, fürchterliche Blogsterben...). Als ich sie unter meine diesjährigen Lieblinge auflisten wollte und eben jenen Missstand entdeckte, war klar, dass das für mich DIE Gelegenheit ist, sie uns für diesen Advent wieder zu backen. Neu im Angebot: die Schoko-Nuss-Füllung... für all jeden, die nicht nachvollziehbarerweise etwas gegen Mohn haben sollten...


Zutaten - ca. 2 Bleche:

Teig
250g Mehl (m: D 630)
60g Butter
50ml Öl (m: Sonnenblume)
60ml Wasser, lauwarm
1 Pr Salz
1 TL Vanillezucker

Mohn-Füllung:
140g Mohn, gemahlen*
50g Butter
100ml Milch
70g Marzipan (oder 50g Zucker) 
40g Mandelblättchen, fein gehackt
1 Orange, Abrieb davon
1 TL Kardamom

ODER
Schoko-Nuss-Füllung:
90g Schoko (m: 70% Kakao)
50g Haselnuss, gehackt (m: Krokant)
150g Haselnuss, gemahlen
90g Zucker
2 TL Kakao-Pulver
1 TL Zimt*
2 Msp Nelke*
2 Msp Macis*
2 TL Mandelmus
4 EL Sahne (evt. etwas mehr)

Hagelzucker

Zubereitung:

Öl und Butter zusammen erwärmen und schmelzen. Handwarmes Wasser, Zucker und Mehl dazugeben und alles mit den Knethaken des Handrührers zu einem glatten Teig verkneten. Abgedeckt für mindestens 30 Minuten kalt stellen.

Für die Mohnfüllung Mohn, Butter, Milch, kleingeschnittenen Marzipan und Gewürze aufkochen und 30min quellen lassen/ für die Schoko-Nuss-Füllung die Schokolade klein hacken. Haselnüsse, Zimt, Kakaopulver, Zucker, Mandelmus und Schokolade vermengen. Etwas Sahne (ca. 3-5 El) untermischen, sodass eine homogene, gerade so streichfähige Paste entsteht (darf auf keinen Fall zu flüssig werden!)

Den Teig auf wenig Mehl etwa 5 mm dick zu einem Rechteck  (ca. 40cm x 25cm) ausrollen. Die Mohnfüllung mit einem Esslöffel darauf verstreichen. Den Teig von der langen Seite aus aufrollen. Die Teigrolle (leicht angefeutet) im Hagelzucker wälzen und die Körnchen gut (!) andrücken. Die Rolle für 30 Minuten kalt stellen.

Den Backofen auf 180 Grad, Umluft 160 Grad, Gas Stufe 3 vorheizen. Die Teigrolle mit einem scharfen Messer, weil sonst der elastische Teig nicht geschnitten, sondern gequetscht wird, in etwa ½ cm dicke Scheiben schneiden. Durch den leichten Druck des Messers bekommen die Scheiben ihre ovale Form (m: ich habe sie wieder nach dem Schneiden leicht in eine runde Form gedrückt).

Die Plätzchen auf mit Backpapier ausgelegte Backbleche setzen und etwa 12-15 Minuten backen.

*Anmerkung m: ACHTUNG - die angegebenen Zutaten für eine Füllung (ob mit Mohn oder Schoko) bezieht sich immer auf die zuerst genannte Teigmenge. Ich hatte die Mengen halbiert und dementsprechend je auf eine Hälfte des ausgewellten Teiges verteilt.

Inspiration: Brigitte


Frühlingsbote: Radieschensalat mit Mohndressing

Sonntag, 18. März 2018


Eigentlich ist es schon noch ein bisserl früh für die weltersten Radieschen 2018. Und diese da sind definitiv keine Outdoor-Knirpse - das habe ich ihnen sofort angesehen. Aber weil man sie mit Haut und Haaren essen kann, wollte ich beim letzten Marktbesuch nicht widerstehen, als sie so fröhlich unter all dem Kohl hervorlächelten.

Und gerade das zartere Grün, das nie von echten Stürmen vor der Haustür geschüttelt wurde, sondern immer in der warmen Stube des Gewächshauses bleiben durfte, bietet sich hervorragend an für das Blog-Buster Radieschenblätter-Pesto - wozu es selbstredend verwandelt wurde und auf das ich jährlich zurückgreife.

Als Auftakt für diese Radieschen-Saison habe ich mir diesen Salat ausgesucht, den Susanne vor kurzem vorgestellt hat. Schlicht, fein, harmonisch, ungewöhnlich. Jetzt muß sich nur noch der Frühling durchsetzen!


Zutaten 3-4P:
200 g Radieschen
fleur de sel

Dressing:

2 EL kalt gepresstes Rapsöl
1 TL Zucker
1 EL Zitronensaft, plus ggf. etwas mehr
1/2 TL Dijonsenf
1/2 EL Mohnsaat
Salz, Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung:

Für das Dressing alle Zutaten in einer kleinen Schüssel verrühren; dabei nur leicht salzen - später wird mit dem fleur de sel noch gesalzen.

Die Radieschen putzen und dann in feine Scheiben schneiden - idealerweise mit einem Geüsehobel (ich stehe auf den von Börner).

Radieschen auf einem Teller auslegen und das Dressing darüber träufeln. Alles mit Salzflocken bestreuen. Eine Scheibe probieren, und, wenn nötig noch etwas Salz und/oder Zitronensaft zugeben. Man kann den Salat gleich essen oder 15 min ziehen lassen.



La belle vie: Nuss-Mohn-Beeren-Käsekuchen-Schnitten

Samstag, 18. März 2017

Jede Reise bringt mir etwas anderes bei. Jede Reise birgt ihre eigene Lektion über das Leben. Keine allerdings war für mich so Mark erschütternd wie unser Aufenthalt in Madagaskar. Ich weiß nicht, wie oft ich in den Monaten danach meine Sätze mit: *Und was ich von Madagaskar gelernt habe...* begonnen habe. Viele. Sehr viele. Bis heute.

Ich glaube, dass eben diese tiefgreifenden Eindrücke für mich genau der Junk des Reisen ausmacht: die Rückkopplung auf mich selbst. Was ebent exakt der Unterschied ist zwischen *Reise* und *Urlaub*. Die eigentliche Botschaft, die in einer Reise für mich versteckt ist, erkenne ich manchmal erst zeitversetzt, manches bereits vor Ort. Wie könnte es anders sein, schickte auch Iran mich in die Schule.

Die Ankunft in Teheran war nix anderes wie ein echter Kulturschock! Und ich meine nicht die iranische Kultur (überhaupt nicht!), ich meine diese brodelnde 15-Millionen-Einwohner-Metropole. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung, wie manche Städte auf dieser Welt in den letzten Jahren explodierten. Wie moderne Stadt geht?! Für mich, die in einem Zwergendorf lebt, in dem es keine Straßennamen gibt, kam das einem Supergau für meine Sinne gleich. Sorry, aber so geht Vorhof der Hölle: der Lärm, der Gestank, diese Massen an Menschen, das Geschiebe und Gedränge. Dafür sind der Habib und ich nicht gemacht.

Damit verbunden war meine Erkenntnis, wie klein die Zone um den Äquator im Verhältnis zum kompletten Globus ist, in der das Klima Garten überhaupt möglich macht - ein schmaler Streifen Fruchtbarkeit. Was ein Glück, überhaupt gärtnern zu können. Was ein Schatz solch ein Garten! Was ein Kleinod! Etwas, für das man keine Mühe scheut. Eine Erkenntnis, die mir die persische Kultur voraus hatte, deren Auffassung von *Garten* Richtung Eden greift. Die Ethymologie verdeutlicht es bereits: von dem altpersische Wort für Garten *Paradaidha* leitet sich in vielen Sprachen das Wort *Paradies* ab. Wieder bedauerten wir, lediglich im Winter Iran besuchen zu können, denn nicht nur viele Monumente, sondern auch viele persische Gärten stehen in Iran unter UNESCO-Weltkulturerbe. Und die entfalten ihre Schönheit naturgemäß nicht, wenn es friert.

So sage ich dieses Frühjahr in einem ganz neuen Brustton der Überzeugung NEIN, den Frühling in der Stadt verbringen.... aber doch nicht freiwillig! Dann würde ich ja die Pfirsichblüte verpassen. Den Rausch in Rosa. Nie ist das Leben süßer als zur Blütezeit - also muß dazu was Süßes her. Unmöglich war es mir, mich richtig zu entscheiden, was ich uns backen will. Ich wollte alles, ich wollte die Fülle des Frühlings: Nuss, Mohn, Käsekuchen, Frucht, Streusel, Schokolade. Gut, die Schoko flog in der Zielgeraden raus. Man kann wohl nie alles haben. Aber fast.

Zutaten Form 24cm x 20cm:

Nuss-Streusel-Teig
80g Haselnüsse, gehackt, geröstet
1 Pr Salz
240g Mehl
130g Butter
1/2 TL Zimt
100g Zucker (m: Vollrohr)
evt. etwas kaltes Wasser

Mohn:
100g Mohn, gemahlen
30g Butter
40g Zucker (m: Vollrohr)
70ml Milch

Füllung
400g Quark
30g Zucker (m: Vollrohr)
30g Speisestärke, gesiebt
2 Eier
etwas gemahlene Vanille
Mohn-Mischung (s.o.)
150g gemischte Beeren (m: eigene, gefroren)

 Zubereitung:

Mit dem selbstgemachten Mohnback beginnen: dafür Butter, Milch, Mohn und Zucker aufkochen und etwa 30min quellen lassen.

Den Backofen auf 190° OU-Hitze vorheizen.

Aus den Zutaten für den Nuss-Streusel mit Hilfe des Knethackens des Rührgeräts einen homogenen Teig kneten. 400g davon als Boden eine vorbereitete Form (m: mit Backpapier ausgelegt) drücken. Den Boden 15min vorbacken.

In der Zwischenzeit Quark, Speisestärke, Eier und Zucker klümpchenfrei verrühren. Den verquollenen Mohn gut untermischen.

Den Quark auf den vorgebackenen gießen, glatt streichen. Die Beeren darüber verteilen und zuletzt den übrigen Nuss-Teig als Streusel über die Beeren krümeln. Für weitere 35min fertig backen.