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Neugier: Lasagne aux carottes, fines herbes et comté

Mittwoch, 8. März 2023

 
 

Das Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und bereitet mir Freude, wann immer ich daran denke: ein kleiner Junge, vielleicht 2 Jahre alt, wird von seinem Vater im Buggy geschoben. So weit so unaffällig. Was aber direkt ins Auge sticht ist, WIE das Bübchen im Buggy sitzt. Er sitzt nämlich aufrecht, gar leicht nach vorne gelehnt, fast ein wenig angespannt - beide Hände halten sich am Sicherheitsbügel fest, mit wachen Augen und gespitzten Ohren. Wie auf einem Wachposten. Wie ein Jäger im Hochsitz. Wie in der Achterbahn vor dem Start. Als würde hinter jeder Ecke etwas Großartiges warten, etwas Spannendes zu entdecken sein. Neugier am Anschlag, mittendrin im großen Park der Sensationen, im Abenteuer Leben, das Fleisch gewordene Sesamstraßenlied:  tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen... A-l-l-e-s aufregend! Der Anblick amüsierte mich sehr!

Warum ist diese Art der Begeisterung schwer aufrecht zu erhalten? Anstelle von *aufregend* empfindet man das Leben später eher als *anstrengend*. Derart gespitzte Sinne bei einem Erwachsenen kenne ich eigentlich nur von meinem Habib, dem alten Afrikadurchquerer. In der Wüste muss man sich auf sich verlassen können, da kann man niemanden nach dem Weg fragen - zumindest nicht damals, als der Habib durch die Sahara turnte. Ich weiß auch noch, wie mir diese Wachheit zum ersten Mal an ihm auffiel. Ganz am Anfang, als der Habib und ich zusammengekommen sind, machten wir einen Ausflug an die Mittelmeerküste. Und ich erinnere mich, wie der Habib beim Mittagessen auf der Resto-Terrasse mit eben diesem Interesse für alles und jeden seinen Blick schweifen ließ. Wie eine Art gesteigerte Aufmerksamkeit. Ich stutzte darüber, denn ich begann dann ebenfalls den Kopf zu drehen: anscheinend entgeht mir was. Erde als großes Mysterium.

Neugier macht das Leben definitiv lebenswerter. Aber wie im Urwald auch, gilt es die Wahrnehmung zu schulen, Fährten lesen zu können, Vögelrufe auseinander zu halten uswusf - all das kann Orientierungshilfe bieten, all das kann im Dschungel gar lebenswichtig sein. Kunst-Unterricht samt seinen Bildbesprechungen wäre eine tolle Möglichkeit, um den Blick zu trainieren. Sehen, richtig sehen will gelernt sein. Und wenn das Auge weiß, worauf es zu achten hat, übt es mit der Zeit, Informationen viel schneller abzugreifen, zu filtern, zusammenzusetzen und auszuwerten. Mir hat in dieser Hinsicht die Beschäftigung mit Homöopathie Türen geöffnet.

*Wieviel Geheimnisse weißt du*
 *Drei* versetzte der Alte
 *Welches ist das wichtigste?* fragte der silberne König
 *Das offenbare* versetzte der Alte 
                  (Goethe - Das Märchen)

Das größte Geheimnis ist das Offensichtliche - das ist doch stark, oder?! Aber es braucht dafür *Augen, die sehen und Ohren, die hören können*. Stattdessen benutzen wir unsere Grundaussattung *Wahrnehmung* schlecht bis ungenügend (von Gedankenkraft will ich hier jetzt gar nicht anfangen). Und durch das Handy geben wir das Restvermögen sogar noch ab an ein Maschinchen. Blöder Fehler, saublöder Fehler. Damit steht man bereits mit einem Fuß im Irrsinn, der bekanntlich dort anfängt, wo man seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kann...


 

Ziehe ich als Beispiel unser Lieblingsresto ran, das mich zu der heutigen Lasagne inspiriert hat. Diese haben wir dort schon zwei Mal gegessen, jedes Mal eine veritable Portion, die gut sättigte und wenig Platz für anderes übrig ließ außer einer kleinen Salat-Dekoration. Der verdiente Mittelpunkt gehörte der Lasagne, zurecht unangefochtener Star. Warum, das werdet ihr beim Nachkochen selbst herausfinden. Fines herbes bezeichnet übrigens eine Mischung aus frischen Kräutern, ich habe dafür Petersilie, jungen Knoblauch sowie Frühlingszwiebeln und Estragon verwendet.

Sehr oft ist ihr *assiette du jour* nämlich das Gegenteil: sehr überladen. Viele unterschiedliche kleine Gerichte, Geschäcker und Aromen drängen sich dicht an dicht nebeneinander. Das macht manchmal Spaß, manchmal ist es aber auch einfach zu viel des Guten.

Und weil sich alles in Allem spiegelt, gilt Gleiches für ihre Passion für Dekoration. Das Resto ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, aber es kracht mehr und mehr aus seinen Nähten, man weiß gar nicht mehr, wohin zuerst gucken. Übertrieben halt.

Kleine Beobachtungen wie diese machen den Alltag zum Erlebnis. Ich glaube, das ist mit einer der Gründe, warum ich mir das nicht entgehen lassen will. Und weil man mit der Zeit merkt, dass die Sinne sich schärfen lassen, je mehr sie auf Habacht sind. Und weil man seiner Beobachtungsgabe immer tiefer vertraut und damit seinem eigenen Urteil. Und Urteilsfähigkeit ist in meinem Universum, in dem der freie, eigenverantwortliche Mensch das Ideal ist, ein angestrebtes Ziel.


Zutaten 2P:

Lasagne-Blätter:
50g Kamut-VK
50g Dinkel 1050
1 Ei
Salz
....
500g Tomaten (m: halb stückig, halb Ofen-Tomaten)
2 Knoblauch-Zehen
2 Lorbeer-Blätter
1 TL Rohrzucker
Salz, Pfeffer
Thymian
Harissa
2 EL Balsamiko-Reduktion 
....
2 Karotten
150g fines herbes (frische Kräuter/ oder Mangold, nur das Grün)
100g Comté

 

Zubereitung:

Pastateig zubereiten, dafür alle Zutaten zu einem homogenen Teig kneten und eingewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Dann die Sauce auf den Weg bringen. Dafür in Olivenöl den fein gewürfelten Knofi anschwitzen, Tomate zufügen, salzen, pfeffer, Thymian und Lorbeer-Blätter zufügen, würzen mit Zucker und Harissa und offen bei kleiner Hitze einreduzieren lassen auf etwa 300ml. Lorbeerblätter entfernen und abschmecken mit Balsamico-Reduktion. Gebenenfalls nochmals nachwürzen. Die Tomatensauce sollte sämig und gut würzig sein-

Karotten bürsten, der Länge nach halbieren und dann der Länge nach in lange Scheiben schneiden. In etwas Salzwasser mit einem kleinen Stich butter und einer Prise Zucker weich garen.

Die frischen Kräuter waschen, trocken schütteln - von Stielen befreien (Petersilie) und mittelfein hacken. (Mangold von den Stielen befreien (und diese für ein anderes Gericht verwenden), waschen und über Wasserdampf garen. Dann kleiner schneiden).

Pastateig dünn auswellen (m: Marcato)  und in 5 gleichgroße Stücke schneiden. In einer breiten, tiefen Pfanne Wasser erhitzen, salzen und die Teigplatten nacheinander darin kochen. Auf einem sauberen Küchentuch glatt auslegen.

Den Ofen auf 200°C vorheizen.

Die 1kg-Form buttern und nun die Lasagne schichten: dafür mit ein wenig Tomatensauce beginnen, dann ein Lasagne-Blatt - Tomatensauce - Karotte - Mangold - Käse (geraspelter Comté) - Lasagneblatt .... mit einem Lasagneblatt, Tomatensauce und Käse abschließen.

Die Lasagne etwa für 25min in den Ofen schieben.
 
Anmerkung m: fines herbes wird eine Mischung aus unterschiedlichen frischen Kräutern bezeichnet - je nach Jahreszeit Petersilie, Kerbel, Schnittlauch, Estragon (aber auch Basilikum, Koriander... je nach Rezept und Aromenwunsch) - sie würzen diese Lasagne nochmals mit - und die Qualität der Sauce ist entscheidend bei dieser Lasagne: die muss schön sämig und gut würzig sein. Dadurch dass ich sie bereits 2 Mal zubereitet habe und beim 2. Mal die Sauce zu *dünn* wurde, weiß ich das gewiß. Wer keine Ofentomaten hat, nimmt stattdessen stückige Tomaten und zwar möglicherweise insgesamt 600 g, die dann auf die Hälfte einreduziert wird


Sommervariante: hier war die Sauce besser geglückt = würziger und sämiger

Feenstaub: Estragon-Pappardelle mit Spargel und Kumquat-Weißwein-Sauce

Sonntag, 23. Mai 2021


Am liebsten ist mir, ich gehe mit Inspiration und Lust in die Küche. Gut, das kann man auch ausweiten: auf den ganzen Tag beispielsweise. Vorfreude auf das Kommende ist - finde ich - typisch für das kindliche Gemüt. Herje, wie sehr fiebert man als Kind seinen Geburtstagen entgegen?! Das legt sich ja nun von Jahr zu Jahr deutlich. Nennt man das *illusionäre Erwartungen*? Oder *realitätsabgleichende Ernüchterung*? Momentan sind wir doch alle zusammen bereit für ein wenig Feenstaub, oder?

Den habe ich über dieses Essen gestreut. Beim Essen dieser Pasta dachte ich mir selbstzufrieden: *Das Beste ist immernoch, man kocht selbst!* Hmmmm, haben wir gegurrt wie unsere Landtäubchen (ich liebe es, sie zu hören, wenn ich am Meditieren bin. In der Stille verfeinert sich nämlich das Gehör. Und Landtauben und Stadttauben kann man nicht miteinander vergleichen. Sie sehen nicht nur anders aus, sie gurren auch sogar anders. Und das Gurren der Landtauben klingt unbeschreiblich wohltuend-beruhigend-friedlich: perfekt zum Meditieren).

Aber zurück zum Essen so bestätigte sich das bereits gefällte Urteil, dass Estragon-Orange-Spargel DAS Schlemmertrio des Frühlings sind. Orange wurde durch Kumquat ersetzt, gibt aber ebenso diese feine Zitrusnote dazu - nur in ein bißchen edler und ungewöhnlich.

Jeder, der wie ich Foodie ist, und sehr oft etwas Neues auf den Tisch bringt, weiß, dass deshalb nicht regelmäßig Begeisterungsstürme ausbrechen. Doch bei diesem Teller spendete der Habib dem kochenden Künstler (mir ;) ausgiebig Applaus. Leckerleckerlecker!

Feenstaub verbreitet wie jedes Jahr auch der Mai. Der Mai zeigt sich dieses Mal wetterwendischer als sonst, aber dafür besonders üppig und grün. Momentan ist die Hochzeit der Wildorchideen. Ihre Vielfalt in der Drôme beeindruckt mich jeden Frühling. Allerdings hat ihnen der trockene März zugesetzt: es sind weniger als sonst - was einem nur auffällt, wenn man den Vergleich hat. Bei einem Spaziergang ums Haus stolpert man von einer zur anderen (Fotobeweis). Ist doch eine Feenblume, die Wildorchidee, oder? Ich muß stets über mich lächeln, dass ich von diesen Blumen so hingerissen bin. Für mich der Beweis, wie sehr die Gegend, in der man lebt, auf einen abfärbt.


 

Zutaten - 2P:

Pastateig:
100g Einkorn
40g Hartweizen
60g Dinkel 630
2 Eier
40g Estragon, feinst gehackt

500g Spargel

Sauce:
6 Kumquats
1 Schalotte
1 Knoblauch (m: Aillet)
100ml Weißwein
100ml weißer Portwein
200ml Gemüsebrühe*
100g Mascarpone
Salz, Pfeffer
Olivenöl
 

 Zubereitung:

Aus den ersten Zutaten einen homogenen, nicht zu festen nicht zu weichen Nudelteig kneten und mindestens eine halbe Stunde eingewickelt im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Nudelteig auswallen (immer schön mit Hartweizenmehl arbeiten - das verhindert das Zusammenkleben auf dem Küchentuch und im Kochtopf) und zu breiten Pappardelle schneiden. Mit einem weiteren Küchentuch abdecken.

Spargel putzen (ich koche IMMER aus den Spargelschalen einen Sud, dazu zwei Prisen Zucker, eine Prise Salz und einen Schuß Apfelessig), in Stücke schneiden und im Spargelsud weich garen. Warm stellen.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen.

Parallel die Sauce zubereiten. Schalotten fein würfeln, ebenso den Knoblauch. Die Kumquats halbieren, entkernen und in feine Streifen schneiden. Schalotte, Kumquats und Knofi in Olivenöl glasig dünsten, Weißwein und Portwein anschütten und auf die Hälfte einreduzieren lassen. Die Gemüsebrühe (m: mein Pulver im konzentrierten Spargelsud angemischt) zuschütten und nochmals auf die Hälfte einreduzieren lassen. Mascarpone unterziehen, klümpchenfrei verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nudeln in reichlich Salzwasser kochen, abschütten und zusammen mit dem Spargel unter die Sauce mischen - gegebenenfalls nochmals nachsalzen und etwas Spargelsud zuschütten






Urlaub bei uns - Spargel mit Orangen-Hollandaise und Estragon-Gnocchi

Samstag, 1. Mai 2021

 

Neuigkeiten im Staate Frankreich!

Marcon hat in gewohnt kurzfristiger Manier bekannt gegeben, wie der Stufenplan in Frankreich aussehen soll zum Ausstieg aus dem Lockdown. Es ist - wie sollte es anders sein - kompliziert. 

Ich fasse kurz zusammen, dass wir wieder vollen Bewegungsradius haben und die Einreise für Touristen aus der EU und dem Schengenraum zudem ab dem 4. Mai möglich ist. Verpflichtend bleibt aber für alle ein negativer, höchstens 72 Stunden alter PCR-Test sowie eine Selbsterklärung zur Covid-Freiheit - hier findet sich das nötige, auszufüllende Papier: ENGAGEMENT SUR L’HONNEUR A SE SOUMETTRE AUX REGLES RELATIVESA L’ENTREE SUR LE TERRITOIRE NATIONAL METROPOLITAINDEPUIS UN PAYS DE L’ESPACE EUROPEEN

Die Außengastronomie wird ab dem 19.Mai wieder öffnen dürfen. Eine (sich mehr und mehr verkürzende) nächtliche Sperrstunde bleibt uns vorest erhalten. En detail kann man das bei Hilke auf *Mein Frankreich* nachlesen, die sich den französischen Covid-Auflagen in ihrer ganzen Aktualität und Genauigkeit von Beginn an angenommen hat. 
 
Für uns bedeutet das, dass wir im Mai die Türen unserer Ferienwohnungen wieder öffnen werden. Für alle Naturlustigen: Bienvenue! Wir werden die Saison schon schaukeln!

 

 

Ich scheine - tout un coup - einen guten Draht zum Wettergott zu haben, ja, ich grüble, ob ich möglicherweise fähig bin, Regen mit Süßkram herbeizubacken??! Das wärs ja!! Auf jeden Fall haben wir seit diesem Post den schönsten, fruchtbarsten Landregen, den man sich nur ausmalen kann. Man möchte vor Freude nackig im Garten tanzen, denn man kann den Pflanzen wirklich beim Wachsen zusehen. Ideale Bedingungen, um sich unabgelenkt und mit Hingabe ein feines Mittagessen zu kochen. Ein absolutes Dream-Team ist für mich Spargel, Estragon und Orange! So gut, dass der nächste Schwung Spargel in ähnlicher Kombi auf den Tisch gebracht wurde.

Französischer Estragon zählt sowieso zu den Tipps, die ich unseren Feriengästen gerne gebe: geht in eine Gärtnerei und nehmt ein Töpfchen Estragon, Verveine und thym au citron (Zitronenthymian) mit. Das Warum wird sich von ganz alleine erklären, denn leichter kann man sich keine Prise Frankreich mit nach Hause nehmen!

Glücklicherweise gibt es in Frankreich keine Spargel-Mafia. Spargel hat Saison, wenn er Saison hat. Und überhaupt das frankreichbeste am Spargel: Spargelköpfe werden hier als Bruchspargel verkauft - also besonders billig. So kann man (wie könnte man auch nicht???) ganz dekadent ohne Reue zuschlagen. Nicht dass ihr denkt...

 

Zutaten:

Gnocchi:
400g Kartoffeln (mehlig kochend)
100-120g Hartweizengrieß, fein
100g Ziegenfrischkäse
2-3 EL Estragon (m: ca. 30g)
1 Eigelb
Salz

500g Spargel

Sauce:
1 Eigelb
90g Butter
4 EL Orangensaft, frisch
Zesten, einer Orange
Salz, Pfeffer
2 EL Gemüsebrühe
1 EL Noilly Prat 

Zubereitung:

Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen, schälen und noch warm durch die Presse drücken.  Mit den restlichen Zutaten zu einem homogenen, kaum noch klebenen Teig verarbeiten (nicht überkneten, sondern nur bis der Teig sich gut verbunden hat). Auf einer mit Hartweizengrieß bestreuten Arbeitsfläche zu fingerdicken Strängen rollen. Von den Rollen etwa 1-2cm dicke, längliche Stücke abschneiden, nochmals über die Schnittkante rollen (oder in eine andere gewünschte Form bringen)

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Gnocchi im Wasser so lange garen, bis sie an die Oberfläche steigen. Aus dem Wasser heben und warm stellen.

Parallel den Spargel auf den Weg bringen. Spargel putzen (ich koche IMMER aus den Spargelschalen einen Sud, dazu zwei Prisen Zucker, eine Prise Salz und einen Schuß Apfelessig), in Stücke schneiden und im Spargelsud weich garen. Spargelsud auffangen. Spargel warm stellen.

Zuletzt die Sauce zubereiten. Dafür in einer Wasserbadschüssel das Eigelb mit dem Orangensaft samt Zesten, dem Noilly dem Orangensaft und der Brühe (in Spargelsud gelöst), sowie etwas Salz und Pfeffer mit dem Schneebesen gut verrühren. Gleichzeitig Butter schmelzen. Die Eimischung auf ein heißes Wasserbad geben und weiter cremig-dicklich aufschlagen, während man eßlöffelweise die flüssige Butter unterzieht bis eine schön-cremige Sauce entsteht. Salzen, pfeffern und sofort mit Gnocchi und Spargel servieren.

Anmerkung m: ich rate, den Spargelsud einzufrieren - für die nächsten Spargel! Will man die Gnocchi anbraten, dann sollten sie gut abgetrocknet sein - sonst neigen sie dazu, in der Pfanne anzuhängen - dafür könnte man sie bereits am Vortag zubereiten...


Vertrauensfrage: Frühlingsrisotto mit Knusperspargel

Freitag, 15. Mai 2020


Immer wenn zu sehr mit dem *Begriff* Vertrauen jongliert wird, werde ich hellhörig. Nichts, wirklich gar nichts auf dieser Welt ist derart exklusiv wie Vertrauen. *Trau schau wem* sagt der Volksmund. Haben wir nicht alle schon mal auf das falsche Pferd gesetzt?!

Oder wie formuliert es der grandiose Wilhelm Busch:
*Wer andern gar zu wenig traut,
hat Angst an allen Ecken;
wer gar zu viel auf andre baut,
erwacht mit Schrecken.
Es trennt sie nur ein leichter Zaun,
die beiden Sorgengründer;
zu wenig und zu viel Vertraun
sind Nachbarskinder.*

Es brodelt und kippelt momentan. In vielen Nationen trennt sich die Bevölkerung in zwei Lager: in das, welches ihrer Regierung vertraut und das, welches ihrer Führung misstraut. *Mangelndes Vertrauen ist nichts als das Ergebnis von Schwierigkeiten. Schwierigkeiten haben ihren Ursprung in mangelndem Vertrauen* sagt Seneca. Womit beide Parteien zu verstehen sind. Zumal man Hauptmedien nicht vorwerfen kann, Propaganda zu machen und Politikern nicht, die Masse bewegen zu wollen. So geht das Geschäft. Man kann aber durchaus dem Einzelnen vorwerfen, wenn er nicht kritisch Abstand hält und hinterfragt.

Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich das Aussetzen von Grundrechten als heikles Unterfangen bewerte. Und das weniger aus der aktuellen Situation heraus wie historisch betrachtet: Grundrechte sind Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat!

Bestimmt schließe ich mich deshalb nicht Protesten gegen eine *Corona-Diktatur* an (ich halte solche Formen des Widerstandes schlicht für Energieverschwendung). Dass es sich bei diesen Versammlungen um lauter Extremos und Verschwörungstheoretiker handelt, kann ich jedoch nicht erkennen. Skepsis ist nicht ungerechtfertigt, es geht schließlich um das elementare Fundament (!), auf das unsere Gesellschaft gebaut wurde. Zumal selbst in politischen Reigen immer wieder Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen laut werden - siehe etwa jüngst an der Analyse eines hohen Mitarbeiters des Innenministeriums.

Was mir aber in diesem Zusammenhang einfällt, ist das Buch *Die Welle*, welches wir (wenn ich es richtig im Gedächtnis habe) in der Schule gelesen haben. Die Mechanismen von autoritären Systemen werden wirklich toll (auch schon für Jugendliche) herausgestellt. Zentrales Motiv ist: *wir sind richtig, die anderen sind falsch* - anstellte der Akzeptanz von vielfältigen Haltungen zu einem Thema (à la *andere dürfen anders sein*) wie es für eine demokratisch pluralistische Gesellschaft selbstverständlich sein sollte:  sprich gelebte Meinungsfreiheit. Und das wiederum beobachte ich gerade in der öffentlichen Meinungsdebatte sehr: überall gegenseitiges Kopfschütteln - alles Idioten. Und wo Emotionen hochkochen, macht sich Sachlichkeit sowieso rar. Prima Gelegenheit zum xten Mal auf den zeitlosen Auftritt von Roger Willemsen zu verweisen: *Die Kunst des Streitens in der Mediengesellschaft*.

Außerdem finde ich, sind gerade wir als Deutsche ganz besonders verpflichtet unsere Obrigkeit streng zu beobachten und zu bewerten. Sonst hätten wir aus unserer Vergangenheit nichts gelernt.

Einer unserer ältesten Freunde (alt im Sinne seiner Lebensjahre - er ist 92) schickte uns vor kurzem Bilder der *Großen Depression*, an die er sich als Halb-Amerikaner-Halb Franzose noch gut erinnern kann - ein großes Ereignis mit ebenfalls weltweiten Auswirkungen. Er merkte dazu an, wie schnell die Dynamik derlei Geschehnisse von statten gehen können: ein Dominostein fällt und mit ihm alle anderen. Eines dieser Bilder beeindruckte mich nachhaltig: *Aus Angst, alles zu verlieren, fordern die Menschen von den Banken ihr letztes Guthaben zurück - wie hier 1931 vor dem Berliner Postscheckamt* - eine unüberschaubare Traube an Menschen, die die Zeichen der Zeit zu spät erkannt hatte. Das ist tragisch, oder? Aber ist es das nicht immer, wenn man enttäuscht wurde, wenn eine Täuschung auffliegt. Daher stellt sich mir die Frage: ist nicht jedes entgegengebrachte Vertrauen letztlich eine Glaubensangelegenheit?

Und weil dieser Freund mein Telefonjoker für Geschichte UND Kino ist, verlinkte er uns noch auf diesen charmanten Stummfilm *The Crazy Ray* - wenngleich von nicht umwerfender Bildqualität, so ähnle das durch *seltsame Strahlen* in einen Dornröschen-Schlaf versetzt Paris doch sehr dem Paris, das im confinement verharrt. Wie schön Paris ist! Was ein Cast der Eifelturm! Und wie ruhig und langsam früher Geschichten erzählt wurden... j'adore!


Bei uns werden bereits die Kirschen rot. Alle Spargelliebhaber kennen das Sprichwort: Kirsche rot - Spargel tot. Also stelle ich euch ein letztes Rezept mit Spargel für diesen Frühling vor. Pate stand mir der gleichnamigen Rezepte-Titel - aber umgesetzt habe ich es dann ganz anders. Die Kräuter für das Frühlingsrisotto könnt ihr eurem Geschmack anpassen - ich habe gerade eine ausgesprochene Estragonphase und es würzt mir daher dieses Risotto besonders köstlich!

Zutaten 2P:

500g Spargel (m: grün/ weiß)
1- 2 EL Estragon, feinst geschnitten
4-5 EL Semmelbrösel*
etwas Mehl
1 Ei
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
170g Risotto-Reis (m: Halb-Vollkorn)
1 Lorbeer-Blatt
2 Blätter Liebstöckel
4-5 Blätter Melisse
2 TL Thymian
2 TL Estragon
Weißwein
(oder Noilly Prat)
Spargel-Fond*
3 EL Parmesan, frisch gerieben
1 EL Crème fraîche
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft
Olivenöl

Zubereitung:

Spargel schälen, die Enden kappen und je nach Größe der Stangen dritteln. Das oberen zwei Drittel über Wasserdampf garen und zur Seite stellen. Das untere Ende in dünne Scheiben schneiden.

Die Zwiebel un den Knoblauch fein hacken und in Olivenöl andünsten. Den Reis zufügen und die klein geschnittenen Spargel-Enden und ebenfalls kurz mitbraten. Die fein gehackten Kräuter sowie das Lorbeer-Blatt zufügen und mit einem großzügigen Schuß Weißwein ( oder Noilly) ablöschen. Dann nach und  nach den Fond unter Rühren anschütten - so lange, bis das Risotto gar und schlonzig ist.

Parallel den Knusperspargel zubereiten. Dafür das mittlere Stück Spargel wie ein Schnitzel panieren. Ei verquirlen und mit Salz und Pfeffer würzen. Semmelbrösel mit dem fein gehackten Estragon mischen (m: auch 2 EL Parmesan dazugegeben). Außerdem ein Tellerchen mit Mehl richten. Die mittleren Stücke erst im Mehl wenden, dann durch das Ei ziehen und schließlich in den Semmelbrösel drehen. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und die panierten Stücke knusprig braten. Kurz vor Ende auch die Spitzen mit in der Pfanne warm ziehen lassen, diese dabei mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen.

Nun noch das Risotto final abschmecken. Lorbeerblatt entfernen. Salzen, pfeffern. Mit Zitronensaft abschmecken. Die Crème und den Parmesan unterziehen und nochmals darauf achten, dass die Konsistenz schön schlonzig ist. Zusammen mit dem Spargel servieren.

*Anmerkung m: die Semmelbrösel kann man sehr gut mischen mit Panko oder auch anteilig mit gemahlenen Nüssen oder mit geriebenem Parmesan
den Spargelfond koche ich mir stets aus Spargel-Schalen, einer Prise Zucker und etwas Apfelessig, hier zusätzlich angereichert mit Gemüsebrühe
Der Halb-Vollkorn-Reis braucht eine halbe Stunde um gar zu sein - daher habe ich die kleingeschnittenen Spargelenden erst nach der Hälfte der Garzeit zugefügt

der wilde Thymian färbt ganze Felder lila

Zustände: Estragon-Tagliatelle mit grünem Ofenspargel und Orangensauce

Sonntag, 19. April 2020


Die Rede des französischen Präsidenten war mir ein Ärgernis. Endlos-Geschwafel statt Informationen. 27 Minuten Redezeit hätte man auf einen Satz verkürzen können: die strickten Ausgangsbeschränkungen gelten weiter bis zum 11. Mai. In einer Demokratie erwarte ich, dass man mich als mündigen Bürger behandelt. Ich will - gerade jetzt wenn mir meine Freiheiten derart massiv genommen werden - in Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden: welche Prämissen zu welchen Entschlüssen führen, zwischen welchen Szenarien abgewogen und warum sich dann für diese eine und nicht für eine andere Marschrichtung entschieden wird. Ich will Fakten! Seriöse Überlegungen! Lagebesprechung! Stattdessen BlaBla mit der Fußnote *Teile der Antwort würden die Bevölkerung verunsichern.*

Aber hey: ich BIN bereits verunsichert - so wie viele andere auch. Also versuche ich mir weiterhin selbst meine Gedanken zu machen - was bleibt mir. Wir in der Tourismusbranche werden ja völlig in der Luft hängen gelassen. Ähnlich wie in Spanien legt sich ob der Härte der Maßnahmen eine Grabesstimmung über das Volk. Unabhängig davon, dass weder von nah noch fern Rettungswagen-Sierenen aufheulen oder die Regio-Zeitung drei Seiten mehr mit Todesanzeigen drucken muss, geht den Menschen die Situation aufs Gemüt. Wo sonst in den Schulferien in unserer Lebensgemeinschaft ums Eck die spielenden und lärmenden Kinder talweit zu hören waren, herrscht nun Todesstille.

Warum, fragt man sich automatisch, können andere Länder wieder mehr Richtung Normalität zurückkehren und wir in Frankreich nicht? Wie kann ein Virus in einem Land tödlicher sein wie in einem anderen? Überhaupt: ich verstehe diesen Virus nicht. Zu jeder Info über ihn, läßt sich genau so die gegenteilige Behauptung finden. Die tägliche Zahlen-Jonglage der Statistiken hilft mir nicht weiter. Tatsächlich besuchte ich zwei Semester lang ein Seminar über Erhebungen und Statistik - aber Asche auf mein Haupt - mit der einzigen Erinnerung daran, dass es komplizierter ist als es scheint. Das bestätigen mir immerhin Experten, sogenannt auch Professoren der Statistik (s. auf den Nachdenkseiten).

Und wie skurril, dass eine Pandemie so derart unterschiedliche, individuelle Ausprägungen hat! Was sich gut veranschaulicht am Beispiel der Familie der amerikanischen Sängerin Pink: sie berichtet, dass während sie und ihr 3jähriger Sohn todkrank waren, hatten gleichzeitig ihr Mann und ihre Tochter keinerlei Symptome. Mein Seuchen-Verständnis ging seither so: wer Pest hat, hat Pest und wer an Tuberkulose leidet, leidet an Tuberkulose. Versteht ihr, was ich meine? Folgt Willkür überhaupt einem Prinzip?

Nun, worin wir uns bestimmt einig sind, ist, dass der Boden auf den ein Virus trifft, anders ausgeprägt sein kann. Und mit *Boden* meine ich das staatliche Gesundheitssystem. Im Falle von Frankreich war das vor Covid bereits ein lupenreiner Katastrophenfall. Warum glaubt ihr, gab es die Gelbwesten-Proteste? Weil Extremos halt gerne auf der Straße rumstehen?

Die aktuelle Situation veranlasst mich, unsere persönliche Erfahrung zu den französischen Notfallaufnahmen laut zu machen. VOR Covid! Denn leider hatten wir die Ende letzten Jahres. Die Mitfühlenden lasen es zwischen den Zeilen meiner Posts heraus: dem Habib ging es nicht gut. Es ging ihm gar so schlecht, dass ich in einer kalten und regnerischen Nacht an einem Freitag den 13ten im Dezember gezwungen war, die SAMU zu rufen. Und das Elend nahm seinen Lauf.

Eine dreiviertel Stunde später traf der Rettungsdienst ein in Gestalt zweier junger Frauen - mit keinerlei medizinische Ausbildung dafür mit massiven Navigationsproblemen (sie fanden unsere Adresse nicht - in einem Dorf mit 10 Häusern), sowie das Auto zu steuern. Zuguterletzt waren sie nicht in der Lage den ohnmächtigen Patienten mittels Bare in den Wagen zu transportieren. Auf diese Weise (Details erspare ich) Eintreffen in der Notaufnahme des Krankenhauses der Hauptstadt des Departements 2 Stunden später -  ohne medizinische Versorgung. Drei-Minuten-Begutachtung durch eine Ärztin des nachwievor nicht ansprechbaren Patienten weitere 2 Stunden später.

In den völlig überfüllten Fluren der Notaufnahme verbrachte der Habib 17 Stunden auf der Krankenwagen-Pritsche - teils ohne Erinnerung/ Bewußtsein. Um eine Statsionsschwester zu zitieren: *Wir brauchen nicht weiter über diese Zustände hier reden: das ist Tschernobyl*. Dann - endlich - wurde ihm ein vorläufiges Bett im Krankenhaus zugeteilt - für eine Nacht. Entlassen wurde er von einer Ärztin, die seine Krankenakte nicht gelesen hatte, dafür aber einen Zeugen loswerden wollte, der mitbekam, wie ihr ein grob fahrlässiger Fehler mit dem Zimmergenossen unterlief. Entlassen mit einem Röntgenbild, besorgniserregendem Befund aber ohne Diagnose.

Erst in unserer jungen und sehr engagierten Hausärztin aus dem Nachbardorf fanden wir medizinischen Beistand - selbst während ihrer Weihnachtsferien. Alleine über ihre Arbeitsbedingungen zu berichten, würde einen weiteren ganzen Post füllen. Anschließende Untersuchungen folgten 2 1/2 Wochen später in einem eine Autostunde Fahrtzeit entfernten Krankenhaus - das seit 30 Jahren nicht mehr renoviert wurde und kurz vor der Schließung steht (ebenso wie das erst kürzlich erbaute Krankenhaus in der nächsten Kleinstadt - unterbesetzt an Fachärzten - demtsprechend ohne Auslastung). Immerhin mit Scanner. Immerhin äußerst freundlich. Ein Notfalltermin beim Cardiologen konnte von unserer Hausärtzin erst 7 Wochen später vermittelt werden. Wieder in einem anderen Krankenhaus, wieder mit einer Stunde Fahrtzeit. Undsoweiterundsofort...

Ein kollabiertes System zum Kollabieren zu bringen, sollte wohl keiner Pandemie bedürfen.


Wenden wir uns also lieber erfreulicheren Dingen zu wie dem Essen. Mit Spargel vom Markt!!! (drei Ausrufezeichen). Der findet immerhin wieder statt, mit einer ausgedünnten Zahl an Händlern, deren Stände in wirklich grottesk-weitem Abstand in riesigen Schlangenlinien auf einem entsprechend riesigen Parkplatz angeordnet wurden und den man nur von einer Richtung ablaufen darf (was vom Aufbau stark an die Murmelbahn aus Holz für Kinder erinnert). Auf den eingezäunten Markt selbst kommt man erst, wenn man am Eingang - der flankiert ist von viel Polizei - wiederum in Schlangenlinien wartet, bis man - seinen Passierschein vorzeigend und seine Hände desinfizierend - eingelassen wird. Um wieder an langen Schlangen vor den Marktständen zu stehen. Zur Zeit muss man BEWEISEN, dass man das lokal angebaute Gemüse auch wirklich will...

Und wir wollten. So, wie ich ein weiteres, frisches Grün aus dem Garten feiern wollte: den Estragon. Ansonsten ist dieses Gericht Blogspielerei, eine Mischung - wenn man so will - aus diesem oder diesem  und jenem Rezept. Et voilà, so leicht entsteht ein neues Geschmackserlebnis aus Spargel-Orange-Estragon auf der Terrasse bei Dauersonnenschein, einem rufenden Kuckuck in der Nähe und einem Wiedehopf in der Ferne ...

Zutaten 2P:

Pasta
200g Mehl Dinkel (m: 1050)
ca. 15g Estragon-Blätter
2 Eier
1 EL Olivenöl
1 Pr Salz

500g grüner Spargel (m: etwas mehr)
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
etwas Olivenöl

Orangenbutter
1 Bio-Orange, der Abrieb davon
1/2 Zitrone, der Abrieb davon
1 Orange, der Saft davon
60g weiche Butter
fleur de sel
Pfeffer
Piment d'Espelette
frisch geriebener Parmesan 
(optional: eine handvoll halbierte Physalis)

Zubereitung:

Die Blätter des Estragon vom Stiel ziehen, etwas kleiner hacken und in einem Mixer zusammen mit den zwei Eiern so fein wie möglich pürieren. Nun mit den restlichen Zutaten für die Pasta mischen und daraus sorgfältig einen homogenen Teig kneten, der nicht zu weich und nicht zu fest ist. In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen - Pastateig also wie gewohnt herstellen und kühl stellen. Nach der Ruhezeit auswellen (m: marcato: bis Stufe 6 von 7) und in Tagliatelle schneiden.

Für die Orangenbutter die Orange und die Zitrone unter heißem Wasser gründlich spülen und mit Küchenpapier abtrocknen, die Schale dünn abreiben, von der Zitrone nur hälftig. Den Saft der Orange auspressen und auf 1 Esslöffel einkochen lassen, abkühlen lassen.

Die Butter schaumig schlagen, abgeriebene Schale und konzentrierten Saft unterrühren, kräftig mit Salz, Pfeffer und Piment d'Espelette würzen. Die Buttermischung bis zur Verwendung kühl stellen (kann schon am Vortag gemacht werden).

Den Backofen auf 200°C vorheizen.

Die Spargelenden abschneiden und das untere Drittel schälen. Eine ofenfeste Form (oder ein Backblech mit Backpapier) mit Öl bepinseln und den Spargel darin einlagig ausbreiten. Mit Olivenöl bepinseln, salzen, pfeffern und mit einer Prise Zucker würzen. Den Spargel für ca. 15 Minuten auf der mittleren Ebene in den Ofen schieben, bis der Spargel gar. 

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Gleichzeitig in einer Pfanne die Zitrusbutter schmelzen. Den Spargel in mundgerechte Stäcke schneiden und in der Butter nochmals schwenken, während die Nudeln al dente garen. Die Pasta abschütten, gut abtropfen lassen und mit dem Spargel in der Pfanne wiegen. Eventuelle nochmals salzen und pfeffern und mit Parmesan servieren.


Kosenamen: mediterrane Reis-Puffer mit sahniger Tomaten-Estragonsauce

Montag, 15. Juli 2019


Kosenamen gehören ohne jede Diskussion in den Sektor des Privaten. Da darf sich jeder austoben, wie er will. Die einzige Meinung, die ich seither dazu hatte, ist, dass man die ganz abgedroschenen meidet (exakt wie den inflationären, amerikanischen Gebrauch von *I love you*-Liebesbeteuerungen). Da für mich une relation amoureuse das Exklusivste der Welt ist, bestehe ich auf *meinen eigenen Namen* und ich will nicht wie hunderttausend andere genannt werden. Nich, ihr versteht vielleicht, so wie *Mondenkind* in *Die unendliche Geschichte*: Bastian Balthasar Bux hats schließlich auch hinbekommen  - soviel Kreativität setzte ich seither einfach mal voraus.

Aber das habe ich jetzt über den Haufen geworfen. Zumindest für den Kosenamen *Spatz*. Ich glaube, ich habe es hier schon mal erwähnt (ja, genau hier), aber was haben wir Freude bei unserem Café-Trinken mit den Spatzen. Unser liebster Ort dazu könnte nicht malerischer gelegen sein: dem Resto gegenüber befindet sich ein gut erhaltenes Waschhaus, die eigentliche Terrasse ist zugleich Vorplatz einer schlichten, romanischen Kirche, der von alten Platanen beschattet wird und unter dem die Tische stehen - der Abschluß an der Dorfkreuzung macht eine prächtige Linde. Die Spatzen wissen bereits, dass wir unser Croissant redlich mit ihnen teilen und sind auch schon auf dem Tisch gelandet, um zu zweit das Hörnchen aus der Tüte zu ziehen. Dabei verbreiten sie eine Fröhlichkeit und Heiterkeit, was den Habib und mich regelmäßig dazu veranlaßt grenzdebil zu grinsen, sobald sie um uns hüpfen: die sind so dermaßen oberübermegaultimativ niedlich - ich kriege mich gar nicht ein! Selbst dem größten Bämul entlocken sie - quasi reflexartig - ein freundliches Zucken um die Mundwinkel. 

Doch *Spatz* wie *hunderttausend andere* genannt zu werden, das geht völlig in Ordnung. So in Ordnung, dass ich mir sicher war, dass es den Kosenamen *Spatz* überall auf diesem Planeten geben muss - schließlich ist der Sperling ein echter Allerweltsvogel, ein Weltenbürger. Meine Recherche spuckte mir allerdings nur die Italiener als Verbündete aus, die mit *passerotta/ passerotto* sich dem Charme des Spatzes ebenfalls nicht entziehen können. Die Fränzis jedenfalls ziehen die Ente (mon canard) und das Huhn (ma poule - Henne/ mein Küken - mon poussin) unerklärlicherweise dem Spatz vor.

Wie etwa der *Habib* zu seinem Namen gefunden hat, das bleibt unser Geheimnis. Dass ich ihn hier öffentlich machte, hatte schon als lustige Auswirkung, dass eine Feriengästin hier ankam und bei dem Anblick des Habibs zutiefst überrascht ausrief: *Aber du bist ja gar kein Araber*. Sei das somit auch verraten.


Nach acht Jahren des Bloggens habe ich mehr und mehr Lust, mit meinem eigenen Rezepten zu spielen. Also mache ich das einfach, um mich in der Spur der Kür zu halten. Die Tomatensauce ist angelehnt an dieses Rezept und die Puffer wiederum sind stark artverwandt mit diesen. Jedes für sich genommen - die super-knusprigen Puffer sowie die cremige Sauce - haben es mehr als verdient in die Dauer-Wiederholung zu kommen wenn nicht sogar in die Hall-of-DUBBs aufgenommen zu werden

Zutaten - 2P:

ca.12 kleine Puffer
100g Reis (m: Halb-Vollkorn)
35g Kürbiskerne, gehackt
40g grüne Tapenade
1 kleine grüne Paprika (m: eigene)
Salz, Pfeffer
2 Eier
30ml Sahne
35g Mehl (m: Dinkel-VK)
Öl zum Backen

100ml Sahne
4 Stengel Estragon
weißer Portwein
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
Piment d'Espelette
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Olivenöl 

Zubereitung:

Reis - je nach Sorte - in Salzwasser garen . Kürbiskerne fein hacken, die grüne Paprika entkernen und ebenfalls klein schneiden. Eier mit Sahne verquirlen und mit dem Mehl klümpchenfrei verrühren. Zusammen mit den Kürbiskernen und der Paprika unter den Reis mischen und würzig abschmecken mit Salz, Pfeffer und grüner Tapenade. Daraus 12 Puffer formen und in Öl von beiden Seiten goldbraun braten.

Für die Sauce die Zwiebeln und den Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl anschwitzen, Ofentomaten zufügen sowie Dreiviertel des feingehackten Estragon, Sahne und den Schuß Port angießen und bei kleiner Flamme und zugedecktem Deckel ca. 10min köcheln lassen. Salzen, pfeffern und mit der Prise Zucker und dem Piment würzen.

Puffer zusammen mit der Sauce servieren und mit dem verbliebenem Estragon bestreuen.

Anmerkung m: man kann die Ofentomaten ersetzen durch frische, gehäutete, gewürfelten - die Sauce muss entsprechend länger reduzieren.


La canicule - kalte Tomaten-Melonen-Suppe mit Estragon-Croûtons

Donnerstag, 2. Juli 2015

Sag' ichs ohne Umschweife: die Affenhitze ist alles beherrschendes Thema. Da hält man sich kurz. Vorallem wenn man mitten in der Sonne steht. Oder am Herd. Zum richtig Hungerhaben ists auch viel zu warm. Bref: es ist das PERFEKTE Wetter für kalte Suppen.

Wiederum nur eine Spielart von Gazpacho. Dieses Mal von dem besternten Koch mit dem unmerkbaren Namen: Ali Güngörmüs. Gleich zwei Vorurteilen der Sterneküche wird er mit diesem Rezept gerecht: es wird viel (zuviel) Fett dran gehauen, die Portionen könnte man auch in Fingerhüten servieren. Was sich aber leicht umschiffen läßt. Geschmacklich prima und wie gemacht für gerade JETZT und HIER. Wir hätten gerne nachgeschlagen...
Zutaten 2P*:

1 Zwiebel, fein gewürfelt
5 Tomaten, gehäutet
200g Wassermelone
100ml Olivenöl*
50ml Gemüsebrühe
1/2 Bund Estragon, gehackt
einige Scheiben Baguette, in Würfel
75g Butter
3 EL Joghurt
1 Spritzer Tabasco
Salz, Pfeffer
Zucker

Zubereitung:

Die Zwiebeln in 1 EL Olivenöl glasig dünsten. Die Tomaten in Würfel schneiden und zusammen mit der Gemüsebrühe dazugeben. Den Deckel auflegen und bei leichter Hitze 20min köcheln lassen. 

Das Olivenöl zusammen mit der Butter in eine erwärmen und die Croûtons darin knusprig braten. Kurz vor Ende den Estragon zufügen und unterrühren. Anschließend die Croûtons auf Küchenpapier abtropfen lassen. Abkühlen lassen.

Die Wassermelone in größere Stücke schneiden. Die Wassermelone, den Joghurt und 2 EL Olivenöl zu den Tomaten geben und die Suppe fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Mit den Croûtons servieren.

*Anmerkung m: Diese Portion ist ursprünglich für 4P ausgeschrieben - das reicht EBEN SO für zwei Personen. TIPP: lieber gleich die doppelte Portion machen (wir hätten auch gerne Nachschlag gehabt). Die Butter habe ich komplett rausgekürzt, das Olivenöl drastisch verringert.

Nearly Tim Raue - Apfel-Sellerie-Gurken-Salat

Freitag, 6. März 2015

Man könnte auch sagen: *Tim Raue für Arme*. Weil: ich konnte sein Rezept nicht wirklich original getreu umsetzen. Und ich bin mir sicher, dass er mit seinem Salat einen ganz bestimmt-eindeutigen Geschmack auf der Zunge hatte - und dafür benötigt man eben diesen ganz bestimmten Reisessig und diesen einen Lemonjuice. Die ich beide - wen wunderts - auf der Campagne nicht auftreiben konnte.

Je länger ich passioniert in der Küche stehe, umso spliniger werde ich. Eine einzige Essigsorte reicht unmöglich aus. Genausowenig wie eine Öl-, eine Curry-, Senf-, oder gar Mehlsorte. Selbst Salz verwende ich verschiedene Typen. Tja, mit einem Stemmeisen kommt kein Bildhauer aus - so ists nun mal. Es sei denn er macht grobe Kettensäge-Skulpturen. Aber ins Geschmacksfragen kann ich durchaus zum Uhrenmacher werden. Bitte her mit den Zisilierwerkzeugen. Leider fehlten mir das ein oder andere Schraubenzieherchen für die präzise Umsetzung.

Denn ich mußte sogar bei der Zubereitung seines Salates improvisieren. Logo, dass ein Tim Raue selbst für einen einfachen Salat Kapriolen schlagen kann. Und getreu dem Motto *Blöd darf man sein, man muß sich nur zu helfen wissen* ersetzte ich mit einfachsten Mitteln ein Küchengerät, das mir fehlt: den Vakuumierer. Wie? Das verrate ich euch in der Zubereitung.
Zutaten 2P*

2 Pink-Lady-Äpfel
2 Gurken
1 Bund Staudensellerie

2 EL eingelegte Jalapeño-Chilischoten (m: 1 EL Dijonsenf)
3 EL Estragonblättchen (m: Petersilie, weniger)
100 ml Reisessig von Marukan

8 cl Lemon Squash von Rose’s (m: Limettensaft)
8 cl Pflanzenöl 

Zubereitung:

Äpfel schälen, entkernen und in Würfel schneiden. Gurken schälen, entkernen, vierteln und in Rauten schneiden. Staudensellerie schälen, in Stücke schneiden. Jalapeño-Chilis klein hacken. Estragonblättchen fein schneiden. Alle Zutaten in eine Schüssel geben und vermengen. Reisessig, Lemon Squash und Pflanzenöl dazugeben. Salat jetzt am besten vakuumieren (oder gehen Sie mit Ihrer Salatschüssel zum Metzger, lassen sich den Salat dort in einen Beutel füllen und vakuumieren).


Oder aber macht es wie folgt: sucht euch eine (oder je nach Größe auch zwei) ausreichend große Einwecktüte. Fülle den Salat höchstens bis zur Hälfte ein. Und dann nutzen wir, dass Wasser Sauerstoff verdrängt: fülle eine Schüssel mit Wasser und drücke die Tüte derart hinein, dass die Luft nach oben steigen kann, das Wasser dabei aber nicht in die Tüte laufen und binde die Tüte dann sorgfältig mit einem Gummi zu. 

Den Salat auf jeden Fall 2 Stunden ziehen lassen, dann kalt servieren.

*Anmerkung m: Die Menge ist schon SEHR ordentlich bemessen. Meiner Schätzung nach reicht die angegebenen Zutaten gut für 4-6 Personen.

Fazit zu diesem Salat: Sehr gerne hätte ich ihm angeschmeckt, dass er von einem Sternekoch erdacht wurde. Dem war leider nicht so. Die einzige Ausrede, die mir dazu einfällt, ist der *falsche* Reisessig und der *gewöhnliche* Limettensaft. Naja, und zugegeben: eingelegte Chilischoten und frischer Estragon hatte ich auch nicht. Es ist also noch Luft nach oben, es besser zu machen wie ich  ;)
tierfreitag

Quelle: Tim Raue

Hänsel und Gretel: Pappardelle mit Pfifferlingen in Estragon-Tomatensahne

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Wer als Kind nie durch den Wald geräubert ist, wird sich wohl bei Hänsel und Gretel erst ab der Hexe gegruselt haben. Obwohl. Prompt - so ists ja gerne - fällt mir ein Gegenbeispiel ein. Allerdings in Person einer Erwachsenen. In meiner Bildhauerklasse schnitzte auch Nanako - aufgewachsen in Tokio - große Holzskulpturen. Bis zu dem Zeitpunkt, bis sie einige Tage in einer Hütte im Schwarzwald verbrachte. Wir mußten alle lachen, wie sehr ihr die Gänsehaut den Rücken hoch und runterlief, als sie vom Wald mit den finsteren Tannen erzählte. Um anschließend in einer Serie riesiger Kohlebilder der ganzen Welt diesen Schauer weiter zugeben.

Wie leicht man die Orientierung zwischen den Bäumen verlieren kann, fasziniert mich immer wieder. Es hält mich aber bestimmt nicht davon ab, auf Pilzpirsch zu gehen. Außerdem kennen wir *unseren* Wald. Die Lichtung mit dem Moos, der Platz um die Birke... wir klappern meist die üblichen Stellen ab, bei denen wir schon erfolgreich waren.

Steinpilze wollen uns wieder keine in die Fänge geraten, dafür erneut eine schöne Portion Pfifferlinge. Auch gut. Wir haben die Pasta ratzeputz aufgegessen.
Zutaten 2P:

Pastateig
100g Mehl
100g Dinkeldunst
1 Ei
2 Eigelb
Olivenöl
Salz
1 EL kaltes Wasser

2 Schalotten
2 Knoblauchzehen
1 EL frischer Estragon, fein geschnitten
100ml weißer Portwein
100ml Weißwein
8 Tomaten, gehäutet (ca. 850g)
2 Lorbeerblätter
80ml Sahne
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

200g Pfifferlinge (m: zur Hälfte pied de mouton)
demi-sel-Butter
Sonnenblumenöl
Pfeffer

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Pasta einen homogenen Teig kneten und mindestens für 1 Stunde in Folie eingewickelt in den Kühlschrank geben.

Die Tomaten überbrühen, häuten, vom Strunk befreien, vierteln und ca. 1 Stunde offen köcheln lassen. Durch ein Sieb streichen, zurück in den Topf geben zusammen mit den Lorbeerblättern und musartig weiter einreduzieren. 

Die Pasta mit Hilfe der Marcato auswellen auf Stufe 6 von 7. Von Hand die Pastabahnen nochmals dünner wellen (auf etwa 16cm Breite). Je zwei Bahnen zusammen aufdrehen und zu Pappardelle schneiden. Auf einem sauberen Küchentuch auslegen.

Die Pilze putzen - so wie hier.

Die feingehackten Zwiebeln in etwas Öl glasig dünsten. Kurz vor Ende den Knoblauch und den Estragon unterrühren. Mit dem Portwein ablöschen und nahezu komplett einreduzieren lassen. Den Weißwein anschütten und nochmals auf ein Drittel einkochen. Den Tomatensugo zufügen, ebenfalls die Sahne und nochmals aufkochen. Solange köcheln lassen bis zur gewünschten Konsistenz (m: etwa 5min). Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment d'Espeltte.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen.

In einer Pfanne auf starker Flamme Butter und Öl erhitzen und die Pilze darin rundherum braten. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Nudeln al dente garen, gut abschütten und mit der Sauce vermengen.

Die Pasta auf zwei Teller verteilen, die Pilze darüber geben, mit Estragon bestreuen und servieren.