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One-Pot-Bruch-Lasagne

Freitag, 12. September 2025



Heute stelle ich euch zwei Absurditäten vor - Fundstücke, die mir unterwegs in der Matrix begegnet sind. Aus beiden kann man leichterdings ein Ratespiel basteln, weil eben zu absurd um auch nur ansatzweise richtig zu tippen...

Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas (aus dem Interview-Podcast von Hotel Matze (YT) ) stellt fest: noch nie war die Schere zwischen arm und überreich so groß wie heute. Deutschland liegt dabei weltweit auf einem Spitzenplatz. Martyna gibt ein hübsches Anschauungsbeispiel für die unterschiedlichen Vermögensverhältnisse (ein ähnliches Zahlenspiel hatten wir bereits schon hier - es ist das Spiel mit den Nullen): 

Man nehme ein DIN4-Blatt mit seiner üblichen Höhe von etwa 30cm. Der untere Rand entspricht 0 Euro beim oberen Blattrand sind wir bei 1,5 Millionen Euro. Jetzt kann jeder sich individuell überlegen, wo er auf diesem Blatt Papier sein Vermögen ansiedeln würde. Das Vermögen von 99 Prozent aller Deutschen findet nämlich statt auf diesem Blatt Papier. Und dann schätze, wo sich die reichsten Familien Deutschlands verorten müssen. Einfach mal schätzen - kann man wirklich prima mit anderen spielen. An der Decke des Raume? So hoch wie ein 5 stöckiges Hochhaus? Die wirklich unvorstellbare Antwort lautet: ungefähr 10 bis 20 Kilometer über dem Hans Wurst mit dem Blatt Papier in der Hand.

In Deutschland besitzen 2 Familien mehr als die gesamte Hälfte der ärmeren Bevölkerung (= 42 Millionen Menschen). Und nein, keine Neid-Debatte, die Überlegung zielt dahin, ob arm und superreich überhaupt noch in der gleichen Welt, sprich gleichen Gesellschaft leben. Und steht die Idee von Solidarität und die Anhäufung solcher Vermögen nicht im Widerspruch?!


Das nächste Fundstück ist die Initiative *Correct the map* (via Nachdenkseiten), eine Kampagne, die Afrika seine korrekte Große auf der Weltkarte zurückzugeben will. So bizarr sich das liest: aber wir alle sind mit einer völlig falschen Vorstellung von der Größe Afrikas groß geworden. Auf den meisten, verwendeten Karten wird Afrika - zweitgrößter Kontinent der Erde - kaum größer dargestellt als Grönland. Da muss man schon leidenschaftlicher Afrika-Fahrer wie der Habib sein, um selbst darauf zu kommen, WIE krass falsch dieses Abbild ist. Und nun ratet, wie viel kleiner Grönland im Vergleich zu Afrika wirklich ist! Sage und schreibe 16 x kleiner!!!

*Die Kampagne entstand aus einer einfachen, aber unbestreitbaren Feststellung: Seit mehr als 450 Jahren vermittelt die Mercator-Karte ein verzerrtes Bild unserer Welt*, erklärt Fara Ndiaye, Mitbegründerin von Speak up Africa. Ich stimme Fara Ndiaye uneingeschränkt zu, dass es völlig inakzeptabel ist, dass Generationen weiterhin mit Karten aufwachsen, die Afrika in seiner Größe und somit auch Bedeutung herabsetzen. Eine solche Korrektur ist überfällig, demonstriert aber letztlich nur, wie sehr das koloniale Denken unsere Wahrnehmung der Welt bis zum heutigen Tag prägt.



Auberginen wußte ich lange nicht zu schätzen, aber mittlerweile mögen wir uns. Aubergine gehört einfach zum Leben im Süden dazu. In dieser One-Pot-Pasta habe ich mit den Garten-Tomaten überhaupt nicht gegeizt. Es sind die süßesten, besten Tomaten, die ich je geerntet habe. Es sind aber auch die Tomaten, die ich diesem Sommer abtrotzen mußte. Zwischendrin hätte ich die Gießkanne am liebsten den Hang runter geschmissen. Die Tomatenhaut hat fast Panzerglas-Dicke, das Fruchtfleisch gleicht Tomatenkonzentrat. Es sind quasi Ofentomaten - direkt vom Strauch.

Weil mir dieses Gericht so gut schmeckte, habe ich es mehrfach auf den Tisch gebracht. So easy auch, wenn man alle Zutaten einfach in einem Topf zubereitet. Mal habe ich ein paar Oliven untergeschmuggelt, mal eine handvoll rote Linsen. Das ist eine richtige Soul-Food-Pasta! Aber ihr werdet es ja selbst schmecken, solltet ihr nachziehen...


Zutaten 2P:

ca. 1200g Tomaten
1 Auberginen (ca. 400g)
3 Knoblauchzehen
2 Lorbeer-Blätter
1 TL Thymian, getrocknet
Salz, Pfeffer
Rohrzucker
Olivenöl
1 Mozzarella*
Basilikum
5 Blätter Lasagne


Zubereitung:

Auberginen mit einer Gabel ringsherum einstechen und unter dem Backofengrill in ca. 15 min weich garen - dabei nach der Hälfte der Zeit wenden. 

In der Zwischenzeit die Tomaten häuten und klein schneiden und den Knoblauch schälen und fein hacken.

Wenn die Auberginen weich sind, halbieren, etwas auskühlen lassen, Haut abziehen und ebenfalls klein schneiden.

In einer tiefen Pfanne (die man auch in den Ofen stellen kann) Olivenöl erhitzen und Knoblauch kurz anrösten. Tomaten zufügen, Thymian und Lorbeerblatt dazugeben, gleichfalls die Aubergine. Würzen mit Salz, Pfeffer und Zucker. Deckel auf legen und kurz köcheln lassen.

Nun die Lasagneblätter grob brechen und in die Sauce stecken (wenn möglich schauen, dass die Stücke nicht aneinanderkleben, sondern immer etwas Sauce dazwischen ist. Deckel auflegen und bei kleiner Hitze etwa 20min köcheln lassen.

Den Mozzarella in Scheiben schneiden auf der Bruch-Lasagne verteilen und die Pfanne zum Gratinieren kurz unter den Grill im Ofen schieben. Zum Servieren mit Basilikum bestreuen.

Anmerkung m: man kann einen Teil der Tomaten auch durch etwas Gemüsebrühe ersetzen - intensiver wird die Pasta mit Tomate pur/ Veganer lassen den Mozzarella weg und bestreuen die Pasta zum Servieren mit gerösteten Pinienkernen und etwas Balsamico-Reduktion



fishing for good vibes: arabischer Eintopf

Freitag, 6. Oktober 2023


Wir leben ganz selbstgewählt so, wie wir leben: auf dem Land, mit viel Himmel und viel Weite, großem Garten, Quellwasser aus dem Wasserhand, in Stille und am Dorfrand. 

Manchmal müssen wir möglicherweise aufpassen, nicht einen Hang zu *Waldorf und Stratler* von der Muppet Show zu bekommen. Dank dem Verständnis von homöopathischen Menschenbilder und dem damit einhergehenden noch tieferen Verständnis der Unterschiedlichkeit von Geist, lebt sich weniger im schönen Schein als viel mehr in der nüchternen Realität. Hinzu kommt, dass unser Zuhause ein sehr purer Ort ist und nicht viele Möglichkeiten bietet, sich hinter Maquilage zu verstecken. So kommt es, wie es kommen muss: *Man spürt die Absicht und ist verstimmt*. Man erkennt Motivation und Beweggründe recht leicht selbst hinter Süßholzraspelei.

Aber Täuschungsversuche bleiben dafür eben oft nur Versuche. Für mich ein großer Schatz, wenn ich Lug und Trug erkennen darf - und es bleibt gleichzeitig immer ein Streben. Ich will in Wahrheit und Wahrhaftigkeit leben, dementsprechend zieht mich meine Sehnsucht und mein Beten in diese Richtung. Aber es nimmt dem Tand dieser Welt definitiv das Lametta. Also schüttelt man den Kopf und grandelt notabene halt hin und wieder. Schon gar nicht darf man den Fernseher anstellen oder Nachrichten im Internet lesen - das bewirkt automatisch den *die zwei Alten vom Balkon-Effekt*.

Dabei mag ichs gerne schön. Schön friedlich, schön harmonisch, schön miteinander. Zwischendurch bastle ich mir - in guter Pippi-Tradition - solche kleinen Momente. Ganz unkompliziert, denn ich bleibe eine entschlossene Verfechterin der ganz bewussten Wertschätzung dessen, was gut ist. Oder einfach dessen, was mir gefällt. Aus Self-Care-Gründen. Beim Einkaufen in einer meiner Lieblingsbäckereien, wo eines meiner Lieblingsbaguettes gebacken wird (gar nicht so einfach, sich hier festzulegen: jedes Dorf hat seine Handwerksbäckerei und es gibt eine GROSSE Auswahl guter Baguettes und Croissants) fiel mir die Frisur der jungen Verkäuferin auf: sie hatte sich so zwei Marusha-Dutts auf der Stirn gedreht (in Youtube-Tutaorials heißen die heute bestimmt anders) und das verlieh ihrem runden, gutmütigen, eher schlichten, rotbackigen Gesicht etwas Freches. Es stand ihr wirklich gut. Und das sagte ich ihr dann auch. Ja, findste, liächelte sie etwas unsicher. Und ich nickte lachend. Und die Kundin hinter mir lachte auch und freute sich mit am Moment. *BLING*  - good vibes only. Überhaupt nicht schwer.

Kein Mensch redet von dieser amerikanischen *oh my god-really-amazing-great-fantastic*-Attitude. So viel Zuckerwatte bleibt einem ja im Hals stecken. Aber dazwischen - zwischen Schleimerei und der kompletten Ignoranz seines Gegenübers - ist ja noch jede Menge Spielraum für ein Gramm Komplimente to go. Und gerade wir Mädels können uns gegenseitig leichterdings ein wenig schmeicheln über den kreativen Spaß an Mode.

Hey, wir haben alle unsere Sorgen! Wer kennt die Tage nicht, an dem einen so eine kleine, freundliche Bemerkung über den Tag rettet weil innerlich beladen. Und dann kommt ein wenig Aufmunterung von außen genau richtig, selbst wenn sie scheinbar oberflächlich sind. Entscheidend sind die glitzernden Augen - you can't start a fire without a spark (und die nächste Zeile wandle ich stets ab ins VIEL Schönere *this comes from higher* ;)

 



Wir sind im 2. Jahrtausend angekommen, irgendwie mitten in Sience-Fiction-Zeiten. So viel Zukunft hat die Menschheit nicht mehr. Und wir ahnen alle, wie die Menschheitsgeschichte endet. Und miemen Vogelstrauß, was will man machen. Im Heldenweltrettertum verfängt man sich gedanklich besser nicht.

Boliviens Präsident Louis Arc kritisierte auf der UN-Vollversammlung treffend: „Das grausame System der kapitalistischen Ausbeutung stellt die Produktion und Reproduktion des Kapitals über den Schutz des Lebens der Menschen und der Existenz des Planeten“. Bis April 2023 habe die Welt mehr als 2,24 Billionen US-Dollar in Waffen und die Kriegsindustrie investiert, die besser in den Frieden und die Entwicklung der Länder investiert worden wären. Aussagen, die ich hier gerne nochmals hochhalte. Tja, die alte Sybille-Berg-Leier, es ändert sich halt nix.

Hmmm, ihr merkt mir an: man könnte doch dezent frustrieren  Der Garten mit seiner staubtrockenen Dauer-Trockenheit, seiner Endlos-Sonne und Durchschnitts-26Grad, der mir sonst verlässliche Therapie bietet, lenkt mich gerade nicht ab, sondern verströmt: Sommer im Oktober macht keinen Spaß. Also daddle ich im WWW nach Eskapismus. Und bringe euch dieses Fundstück mit: die Brautkleid-Strickreise einer jungen Frau bis zu ihrer Hochzeit. Beides überhaupt nicht mein Thema, aber Kika ist derart *normal-freundlich*, dass man ihr gerne zuguckt - am Ende transportiert immer die Sympathie zwischen Menschen eine Geschichte.

Das Wetter suggeriert zwar anderes, aber mir war noch Wohlfühl-Eintopf. Mit oder ohne zusätzlichem Reis/ Fladenbrot ein köstlicher Teller. Sehr gut gefiel mir, Karoffeln und Auberginen im Ofen zu garen, bevor sie in den Schmortopf wandern.

 

Zutaten 4-6P: 

200g rote Linsen 
2 Auberginen (ca. 600g)
2 Kartoffeln (ca. 500g)
1 Zwiebel (ca. 250g) 
6 Knoblauchzehen
Olivenöl
Salz, Pfeffer
 je EL Kreuzkümmel, Koriander, Paprika
Harissa
1 TL Kurkuma
2 EL Tomatenmark
3 Tomaten (ca. 350g)
2 EL Butter (m: Kokosfett)
frischer Koriander zum Bestreuen

Zubereitung:

Die Linsen waschen und 30 Minuten einweichen. DieAuberginen sowie die Kartoffeln in mittlere stücke (ca. 3cm) würfeln. Die Auberginen- und Kartoffelwürfel auf einer mit Backpapier ausgelegte Backform verteilen. 

Olivenöl darüberträufeln und mit Salz, schwarzem Pfeffer, Chilipulver und eine fein gehackte Knofi (oder Knofi-Pulver) würzen. 30 Minuten bei 200 °C (Umluft) backen. In einem  Schmortopf die fein gehackte Zwiebeln und fünf geriebene Knoblauchzehen anbraten. Mit Kreuzkümmel, Koriander, Chilipulver, schwarzem Pfeffer und Kurkuma würzen. Etwas heißes Wasser, Tomatenmark, die gewürfelten Tomaten und Harissa hinzu. 

Die eingeweichten Linsen dazugeben und mit heißem Wasser bedecken. Bei mittlerer Hitze 30 Minuten kochen lassen. Dann die gebackenen Auberginen und Kartoffeln sowie wenn nötig zusätzlich heißes Wasser hinzufügen. 10 Minuten köcheln lassen, dann gehackten Koriander untermischen. In einer kleinen Pfanne zwei Esslöffel Butter (30 Gramm/ m: Kokosfett) mit einem Teelöffel Chilipulver oder Paprika schmelzen. Die Buttermischung über die Linsen gießen und mit Koriander garnieren. Mit Brot oder Reis servieren. Genießen!

Quelle: your yemeni kitchen (YT) 

Anmerkung m: ich habe mit den Mengenangaben etwas gespielt - hat dennoch gut gepasst und geschmeckt /reicht für 4-6 Personen plus Reis oder Fladenbrot!

 

heißes Eisen - mediterrane Schmorsauce mit Tomaten-Gnocchi

Freitag, 4. August 2023

 

Warum begegnen mir so viele unerzogene Kinder? Ja, ich weiß, das anzusprechen ist ein heißes Eisen. Aber hey, als mittelalte (oder mitteljunge - wie ihr wollt) Kinderlose schreibe ich einfach ein paar Beobachtungen runter. Warum können Kinder nicht mehr *Guten Tag* und *Auf Wiedersehen* sagen? Das wäre doch die kleinste aller sozialen Gesten, die niemandem weh tun. Wir Dorfkinder hatten noch alle zu grüßen, die älter waren. Wo steckt das kindliche *Bitte* und *Danke* fest, die Grundregeln des Benimm? Warum quatschen Kinder gnadenlos dazwischen, ganz egal ob sich zwei gerade unterhalten? Warum haben die keinerlei Tischmanieren mehr? Warum muss ich so oft Zeuge werden, wie Kinder ihren Kopf durchsetzen, je unangenehmer, lauter und gewalttätiger sie werden? Ja, warum geben heute Kinder den Ton an und nicht mehr die Eltern? Das ist doch verdreht - ohne die Eltern wären die Kinder gar nicht überlebensfähig. Ist den orientierungslosen Eltern bewußt, was sie ihren Kindern mit dieser Führungslosigkeit für ihr weiteres Leben antun? Warum ordnen die Kinder sich nicht ein? Warum lassen sich Eltern so schlecht behandeln? In Frankreich ist man drauf und dran die Elternhaftung zu verschärfen - das kann es doch nicht sein. Warum sehe ich so viele Väter wie ein dummes Anhängsel neben Frau und Brut - warum lassen die sich das gefallen? Ja, wo ist denn da das harmonische Miteinander, die *freiwillige Kooperation* (auf die ich immer wieder zurückkomme)?

Meine Erziehung war noch sehr autoritär und vorallem durch Angst und Schrecken gekennzeichnet. Das kann keiner (mehr) wollen, das nimmt einem Menschlein die Kraft, um innerlich zu wachsen. Aber das Gegenteil kann auch keiner wollen, wenn durch keinerlei Vorgaben, Kinder egozentrische, hochmütige und herrische Eigenschaften ausbilden. Wie sollen die je beziehungsfähig werden?

Für alle, deren Ideal wie für mich der selbstbestimmte Mensch ist, der sich aufgrund einer eigenen Haltung und innerer Werte selbst zu führen weiß, ist die Freiheit immer begrenzt (alles andere ist Chaos und Willkür). Als Erwachsener habe ich mir den Rahmen selbst zu geben, als Eltern habe ich diese Begrenzung für meine Kinder zu ziehen. Und diese Art *Sandkasten* geben dem Kind dann die Möglichkeit, sorglos zu sein: andere kümmern sich um die Details. Innerhalb dieser roten Linien darf man sich frei ausprobieren, aber das Übertreten von ihnen birgt Konsequenzen. So ist die Welt nun mal angelegt...

Und ob später für sich als Erwachsener oder als Erzieher sollten die Regeln des Miteinanders von Vernunft und Anstand geprägt sein. Denn ich bleibe eisern dabei: ohne Wahrhaftigkeit, ohne Ehrlichkeit, ohne Offenheit - ob innerhalb einer Familie oder auch gegenüber anderen - ist kein Glück und keine Zufriedenheit möglich. Sowas kommt von sowas. Gegenseitig Schandtaten zu übersehen oder zu decken, damit ist gerade auf Dauer niemandem geholfen.

Ist es nicht der viel größere Liebesdienst, sich ab und an jemanden in den Weg zu stellen, den Kopf zu schütteln und zu fragen: was treibst du denn da? Dabei rührt mich dieses Reinhart Mey-Lied zutiefst, indem sich Eltern schützend vor ihr Kind stellen, selbst wenn es Dummheiten treibt, selbst wenn es von der Gesellschaft verurteilt wird - man hält als Familie zusammen. Und ich verstehe sehr wohl, dass die Familienbande oft mit tief gefühlten Verpflichtungen einhergehen - ich hatte es davon. Doch wie überall im Guten hat auch das seine Grenzen, nämlich dann wenn dabei gegen die oberste aller Verantwortungen sich selbst gegenüber verstoßen wird: die eigene Würde.

Nun, eigentlich brauche ich mir keine Gedanken darüber zu machen, stimmts? Es sind eure Kinder und nicht meine. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit langem meinen Birk mal wieder gesehen habe. Mittlerweile nun mit seinen insgesamt drei blondschopfigen Geschwistern. Und für dieses Mal hatte ich besondere Freude an der ungekünstelten, fröhlichen, warmherzigen Mutter dieses Wawuschel-Trupps, die die Nase kräuselt, wenn sie lacht.

 


Heute wird hier wieder mehr gekocht, als sich nur *Essen gemacht*. Obwohl - wenn man die Gnocchi gegen Nudeln austauscht, ist das schnelle, simple Landküche. Die Gnocchi (auch ohne Tomate und Parmesan) sind gerade meine liebsten: aus dem Froster geholt und aufgetaut, lassen sie sich wunderbar anbraten und haben einen schönen Biss.

Die Sauce besticht durch die Qualität der Tomaten: coeur de boeuf wären ideal dafür. Alles zusammen im heißen Ofen schmurgeln lassen, ergibt eine schlonzige Sauce, die bestimmt mit Pasta nicht minder schmeckt.

 

 Zutaten 2P:

1kg Coeur de boeuf (m: rot, gelb, orange)
1 mittlere Aubergine
3 Knoblauchzehen
2-3 EL schwarze Oliven
4 Zweige Rosmarin
2 TL Thymian
1 TL Rohrzucker*
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
Olivenöl
1/2 Rezept Tomaten-Gnocchi
geriebener Parmesan

 

Zubereitung:

Den Ofen auf 220° Umluft vorheizen.

Aubergine in Würfel von ca. 2-3cm schneiden und auf einer mittleren Gratinform geben. Darauf die Oliven verteilen. Leicht salzen und pfeffern.

Dann fein gehackten Knoblauch und Rosmarin darüber streuen.

Die Tomaten überbrühen, entstrunken und enthäuten und in mittlere Stücke geschnitten auf die Auberginen setzen. Mit Thymian und Zucker sowie Piment würzen, salzen und pfeffern und mit ordentlich Olivenöl beträufeln.

Für 30-35min in den heißen Ofen schieben. Zwischendrin sanft umrühren, damit auch alle Aubergine-Stücke von Tomantensaft durchgegart werden.

Zusammen mit den Gnocchi und dem Parmesan servieren.

(Gnocchi auftauen lassen und in Olivenöl anbraten).

Anmerkung m: die Menge des Zuckers richtet sich etwas nach der Reife (und damit Süße) der Tomaten.

 

la beauté - Auberginen-Türmchen mit Kartoffel-Pü

Freitag, 9. September 2022


Je nach Jahreszeit bieten sich die unterschiedlichsten Aktivitäten an. Die Drôme ist malerisch - jedes Tal hat seinen eigenen Reiz, Möglichkeiten über Möglichkeiten. Nie zuvor wurde die Drôme von mehr Touristen frequentiert als 2022 - ob ich das gut finden soll, weiß ich noch nicht. Im Frühling gibt es besonders viel für Botaniker und Ornithologen zu entdecken, im Sommer wird viel gebadet und allerorts gefeiert (jetzt nach 2 Jahren Pause endlich wieder - wir Mädels vom Land tanzen doch so gerne) und der Herbst lockt mit seinen üppigen Markttischen und ist für mich die schönste Zeit zum Wandern.

Etwas, das man aber immer machen könnte - definitiv eine der TOP-Qualitäten, die diese Landschaft hier zu bieten hat - , wird viel zu wenig umgesetzt. Also zumindest wenn es nach mir geht. Irgendwie kriegen das die allerwenigsten hin (coucou Monique und Ruben). Nämlich sich einfach in eine Wiese zu legen, alle Viere wie Tentakeln von sich zu strecken und Fühlung aufnehmen. Auf einem Grashalm kauen, in den Himmel schauen, im Grünen vor sich hinbummeln. Ich habe dafür meine speziellen Plätze, viele davon haben eine weite Sicht - das liebe ich - und gerade wenn ich merke, dass ich innerlich nicht rund laufe, tut mir das besonders gut. Anschließend bin ich immer geerdeter, klarer, einfacher. Es ist die wirkungsvollste, schnellste und simpelste Therapie, die es gibt: man ist wieder Erdenkind im Jetzt und hier, eingebunden in große, uneinsehbare Zusammenhänge als kleines Geschöpf unter so vielen...

Aber wenn unsere Feriengäste zu uns kommen, dann sind sie zumeist extra nach Südfrankreich gefahren, dann wollen sie ja auch was sehen von der Gegend, dann haben sie einen ganze Liste mit Dingen, die auf jeden Fall mitgenommen werden wollen. Und bevor sie sich versehen, ist die Woche vergangen, aber der Moment fürs Nixtun in der Wiese - ganz so, als wäre man ein Ziegenhirte, der es sich erlauben kann, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen - der Moment hat sich nicht gefunden als Programmpunkt.

Vielleicht braucht es dafür bereits schon eine gewisse Grundruhe, eine Art Basisgechilltheit, um dann noch ein Stückchen weiter runterzufahren. Dabei ist genau diese Stimmung der Ausgangspunkt um sich selbst näher zu rücken und von dort aus Brücken schlagen zu können von einem Herz zum anderen - s. James French.

 


Ideal passt dazu das freundliche Sommerlied *Vois la beauté en moi* (s. unten), das mir zugeschickt wurde (coucou Monique), welches auffordert, die Schönheit in dem anderen zu finden, die manchmal versteckt ist. Vom guten Trupp (nein, ebent kein Ritterschlag für alle, man kann wahrlich nicht alle in einen Topf werfen) blitzt dann die eigentlich wahre Natur hervor: das Beste und Besondere im Inneren. Sehr gut gefällt mir in dem kleinen Musikfilm, dass ausgerechnet die, die sich selbst gar nicht hübsch findet, die hübscheste Austrahlung hat. Und ganz nebenbei kommt hervorragend zur Geltung, dass die Autos der französischen Campagne mit besonders viel Charme vermüllt sind - ich hatte es davon, ihr erinnert euch vielleicht.

Also, heute eine Aufforderung, das Schöne nicht an sich vorbeiziehen zu  lassen, sondern sich genau dafür Zeit zu nehmen, ruhig, langsam, achtsam... für das Schöne in sich und um sich herum... Lächeln garantiert!

 

 

Gefühlt gab es jeden Tag diesen Sommer entweder Zucchini, Aubergine, Tomate oder die drei irgendwie kombiniert miteinander. Und wenn ich auch wirklich bereit für den Herbst bin, das Sommergemüse habe ich noch nicht satt.

 

 Zutaten 2P:

2 mittlere Augerginen
2 Knoblauchzehen
1/2 TL Paprika-Pulver (edelsüß ;)
Salz, Pfeffer
Thymian
ca. 5 EL Olivenöl
2 Eier-Tomaten, in dünne Scheiben geschnitten
etwas Ofentomaten (oder gewürzte Tomaten-Passata)
1 Mozzarella, in dünne Scheiben geschnitten
etwas Comté


Zutereitung:

Auberginen in Scheiben von 1/2cm Dicke schneiden.

Eine Marinade aus dem Knofi (durch die Presse gedrückt), Paprika-Pu, Thymian mischen - salzen und pfeffern.

Backofen auf 180°C vorheizen.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen, mit Olivenöl bepinseln, die Auberginen-Scheiben nebeneinander darauf auslegen und dann mit der Marinade einpinseln. Für 20 min in den heißen Ofen schieben.

Nun die Stapel richten: Auf die unterste Auberginen-Scheibe etwas Ofentomaten, Mozzarella, wieder eine Aubergine, Ofentomaten, Mozzarella und die dritte Schicht dann beenden mit etwas Comté. Mit etwas Olivenöl besprenkeln. Für weitere 15-20 min im Ofen backen.

Anmerkung m: bei uns gabs dazu Kartoffel-Pü, klassisch mit Butter und Sahne - ich kann aber auch die Variante mit Olivenöl sehr empfehlen oder die mit Pinienkernen, Basilikum und getrockneten Tomaten - den Oldie-Blog-Buster. Einen bunten Tomatensalat gabs außerdem.


 

Für Faule: überbackene Ofen-Auberginen

Montag, 1. August 2022

 

Die Hitze und Trockenheit nimmt mir meine Blogzeit - morgens, wenn die Welt ruhig und still liegt, schreibe ich am liebsten. Diese Zeit aber gehört nun dem Gießen. Dabei komme ich mir vor wie Don Quichotte - ich kämpfe vergebens gegen etwas an, das größer ist. Einige unserer Pfanzen sind bereits vertrocknet - das ganze Ausmaß der Verluste wird erst später sichtbar. Man darf gerade gar nicht daran denken, wieviel Arbeit, Leidenschaft und ja, auch Geld in den Garten geflossen ist.

Garten hat noch nie so wenig Sinn gemacht. Aber ich liebe unseren Garten und habe die Hoffnung, dass dieser Sommer ein Ausreißer bleibt und nicht zur Regel wird.

Um nicht völlig aus dem Rhytmus zu kommen, wird heute ohne viel Erzählung einfach ein Rezept veröffentlicht. Derer warten ganz viele auf ihren Moment. Nur sind sie ebenfalls weder eingetippt noch die Fotos bearbeitet. Es braucht halt doch ausreichend *Nebenherzeit* zum Bloggen. Oder einfach meine frühen Morgenstunden....

Heute stelle ich euch überbackene Auberginen vor - ein Gericht für faule Kocher, den das Gemüse gart im Prinzip alleine im Ofen vor sich hin. Der Sommer in Südfrankreich gehört der Aubergine, den Zucchini und den Tomaten - ganz wie für den Rest des Jahres Kohl und Rüben das Regiment übernehmen.

Für Auberginen habe ich mittlerweile viele tolle Rezepte gesammelt, probiere aber immer auch gerne neue aus. Für dieses Gericht habe ich ein richtig, stattliches Exempar gewählt - nimmt man pro Person eine kleinere, funktioniert es ebenso. Unkomplizierte, leckere Gemüseküche.

 


Zutaten 2P:

1 Aubergine (m: ca. 300g)
70g Hirse
2 Lorbeerblätter
1 Eiertomaten
1 rote Paprika
1 EL Tomatenmark
1 Frühlingszwiebel
2 Knoblauchzehen
1/2 TL Paprikapulver
1 Pr geräuchertes Paprikapulver 
Harissa
1 handvoll frischer Basilikum
Oregano 
Salz, Pfeffer
70g Hirse
2 Lorbeerblätter 
Ziegengauda
Semmelbrösel
Olivenöl

Zubereitung:

 Ofen auf 220°C vorheizen.

Aubergine halbieren, in eine ofenfeste Form mit der Schnittkante nach oben setzen. Schnittkante mit Olivenöl bestreichen und salzen und für 25 min in den Ofen schieben. (bei kleineren Auberginen schält man lediglich ein gutes Drittel der schwarzen Haut mit dem Sparschäler ab und verfährt weiter wie bei einer großen - dann allerdings reicht eine niedrigere Temperatur 200° und eine kürzere Zeit im Ofen 20min).

Währenddessen die Hirse zusammen mit den Lorbeerblättern und etwas Kräutersalz gar kochen. Paprika mit dem Sparschäler schälen (der besseren Bekömmlichkeit zuliebe) und Paprika, Tomate sehr klein schneiden (geht auch für ganz Faule kurz in Hexler zu werfen). Knofi und Frühlingszwiebel  sowie Basilikum ebenfalls fein hacken.

Die gegarte Hirse (Lorbeerblätter entfernen) mit dem klein geschnittenen Gemüse und den Kräutern mischen. Tomantenmark und Gewürze zufügen und würzig abschmecken. Sollte die Masse zu feucht sein, einen Löffel Semmelbrösel untermischen.

Die Aubergine aus dem Ofen nehmen - Ofen auf 200°C runterdrehen - und der Länge nach 2-3 Schnitte setzen, ohne dass die Haut am Boden beschädigt wird, lediglich mit der Absicht die Aubergine dadurch etwas breiter aufzufächern.

Die Füllung auf beide Auberginen-Hälften verteilen. Mit Käse toppen und mit Semmelbrösel und Oregano bestreuen. Einen ordentlichen Schwung Olivenöl darüberträufeln und nochmals für ca. 20 min in den Ofen schieben.

Anmerkung m: Wers käsiger mag, gibt bereits in die Füllung Käse - und Mozzarella oder ein anderer schmelzender Käse eignet sich (logo) ebenfalls/ man kann für die Füllung anstelle von Hirse 2-3 Scheiben kleingeschnittenes, altbackenes Brot verwenden/ Petersilie statt Basilikum... up to you


Barbusig: mediterrane Auberginen-Frikadellen

Sonntag, 3. Juli 2022

 

Der Mistral machte dieser Tage seinem Namen als alpinem Fallwind alle Ehre und bescherte uns Mädels einen fröstelnden Markttag in unseren auf einen Windstoß viel zu dünnen Sommerkleidchen.

Umso mehr wurde dabei mal wieder offensichtlich, dass die südfranzösischen Mädels hier auf dem Land* eine BH-Sperre haben. Altersunabhängig. Größenunabhängig. Formenunabhängig. Nicht nur die jungen, prallen, runden Apfelbrüste läßt man frei. Brustwarzen auf sämtlichen Ebenen des Oberkörpers drücken sich durch den Stoff und es fällt dabei unweigerlich auf, dass grundeigentlich keine Brust einer anderen gleicht. Warum hüpfen hier die Tittis so ungebändigt? Genau darüber habe ich mir Gedanken gemacht.

Bestimmt hängt das mit der Emanzipation zu tun: Frau kann, Frau macht. Wer soll es ihr verbieten? Als Ausländer fällt einem vermutlich die berühmt-berüchtigte französische Erotik ein. Daran wurde die ganze Welt ja wieder spätestens während dem confinement/ Lockdown erinnert: in Deutschland war das Klopapier ausverkauft und in Frankreich die Kondome. C'est la difference! Fremdgehen ist ein Kavaliersdelikt ein französisches Hobby - das Patchwork-Modell ist ja nicht einfach so vom Himmel gefallen (und dabei erinnern wir uns an die ebenfalls weitbekannt gewordene am Vespa-Lenker mitfahrende Corissanttüte). Doch, ihren selbstverliebten Ruf wissen die Fränzis definitiv zu streuen. Aber das alleine kanns auch nicht sein. Selbst wenn ich jetzt nicht ausschließen will, dass die ein oder andere verwegene Omi ohne Büstenhalter bereit ist *aller aux fraises* (schöner, alter Ausdruck für den ebenfalls schönen alten Ausdruck *Schäferstündchen haben*) - durchaus möglich. 

Allerdings - jetzt kommt ein Widerspruch - sind Französinnen ausgesprochen prüde, wenn es um Nacktheit geht. Das muss doch erstaunen, oder? In der Sauna werden schön die Badesachen anbehalten. Und selbst am Bach sieht man die wenigsten oben ohne liegen. FKK-Anhänger gibt es schon überhaupt nahezu keinen einzigen. Hättet ihr das gedacht?

Also wird mit den Reizen nur gespielt. Die kleine Andeutung von Nacktheit kitzelt sogar vielleicht  mehr die Phantasie als alles zu zeigen. Es verleiht den Mädels definitiv eine frivole, freiheitsliebende Ausstrahlung, wenn sie so ungeschminkt zu ihrer Weiblichkeit stehen. Und ungeschminkt deshalb, weil mir hier noch nie eine gemacht-getunte Hupe begegnet wäre. Alles schön naturbelassen. Die wenigsten Brustwarzen schauen gen Himmel - die Mehrheit guckt frech-bescheiden gen Boden. Lauf der Dinge: die Mädels werden weiterhin früh Mutter. C'est la vie. Mit Fassadengedöns haben sie es hier nicht so - siehe Autos. Das läßt sich wohl auf den Busen übertragen. Wobei - das gilt es ebenfalls in diesem Zusammenhang zu erwähnen - sämtliche Körperhaare entfernt werden. Buschige Achseln oder Beine gelten als grobe Verwahrlosung (à la Charles Aznavour) - zu öksig für die französische Ästhetik und die Grenzen des Hippietums wären damit zweifelsfrei ausgelotet.

Meiner Überlegung nach ist das Hauptmotive Bequemlichkeit. So ein BH drückt, presst, spannt und engt ein. Das muss ja nicht sein. Über allem in Südfrankreich liegt das Motiv des *laissez faire*: die Seele einfach baumeln lassen. Und der Rest baumelt halt dann mit. 



Je weniger häufig ich blogge, umso begeisterter greife ich auf meinen eigenen Fundus zur Anregung zum täglichen Kochen zurück. Auberginen-Frikadellen mag ich sehr, aber das Rezept muss passen. Diese unkomplizierte, vegane Idee, die ich euch heute vorstelle, ist eine Kombi aus diesen Buletten und den Brotlingen. Ein Puffer egal welcher Art wertet eine Veggie-Teller immer auf - also zumindest in meinem Gemüse-Universum. Auf dem Teller ebenfalls zu sehen: ein Rest von etwa diesem Nudelsalat und einem same-same-but-different Nasi Goreng. Und klar, was Frisches: die ersten Tomaten und Gurken - ganz schlicht dazu.


Zutaten 8 Stück:

1 Aubergine (ca. 300g)
100g Brot, altbacken (mindestens 4 Tage alt)
2 EL Semmelbrösel
1 Zwiebel, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gewiegt
3 Zeige Rosmarin, fein gewiegt
1 TL Thymian, getrocknet
1 TL Oregano, getrocknet
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
optional: 1 TL Tapenade 
Olivenöl
 
 
Zubereitung:

Auberginen etwa 1/2 cm große Würfel schneiden und in Olivenöl bei mittlerer Hitze mit Geduld garen. Kurz vor Ende Zwiebeln, Knofi und Kräuter zufügen und weiterbraten, bis die Zwiebeln glasig sind.

Brot in einer Schüssel mit kochendem Wasser übergießen, so dass es bedeckt ist und ca. 5min einweichen lassen.

Das eingeweichtes Brot in einem Sieb abgießen und so gut es geht ausdrücken - also soviel Wasser wie möglich ausdrücken und in eine Schüssel geben. Auberginen-Zwiebeln-Mischung zufügen, ebenso die Semmelbröseln unter die Brot-Auberginen kneten. Mit Salz, Pfeffer und den restlichen Gewürzen pikant abschmecken. Wichtig ist, dass die Masse nicht zu feucht ist und gut formbar. Nach Bedarf mehr Semmelbrösel dazugeben. Zu Brotlingen formen (mit eingeölten Händen) und in einer Pfanne mit reichlich Öl von beiden Seiten knusprig braten.
 
 
*Anmerkung m um sämtlichen Missverständnissen vorzubeugen: ich erzähle *tendenziös* und zwar für mein Zuhause der Drôme, dem Einfallstor zur Provence)
 
 

vorgesorgt: veganer Auberginen-Brotaufstrich

Donnerstag, 26. August 2021

 

Ich komme nicht hinterher, meine Rezepte zu verschriftlichen. Aber schließlich blogge ich auch, um für mich selbst festzuhalten, was ich wiederholungswürdig finde. Was will ich machen: die Rezepte stapeln sich nur so. Nach Jahren der Bloggerei hat sich verselbstständigt, dass ich gerne neue Dinge ausprobiere. Ich hoffe, dass ich bald wieder mehr Zeit für das Blog finde.

Herausgegriffen für heute habe ich den veganen Brotaufstrich aus Aubergine, um euch einen kleinen Einblick in meine Sommer-Vorräte für den Winter zu geben - vieles kennt ihr bereits, ich bleibe meinen Eichhörnchen-Anlagen treu (auf dem ersten Foto zu sehen sind außerdem: Kompott, Ofentomaten und confierte, eingeweckte Kirschtomaten). Es liegt Herbst in der Luft. Wer erst jetzt ans Einmachen denkt,  ist spät dran...

Wir machen noch immer Intervallfasten - allerdings nicht mehr so streng wie letzten Sommer. An manchen Abenden essen wir noch ein Brot. Und da hatte gerade der Habib Gefallen an einer gekauften Auberginenpaste gefunden. Logo, wollte ich die nachmachen, sobald es wieder Auberginen-Zeit ist. Nun geht diese bald ihrem Ende entgegen, ich muß mich also ranhalten, damit ihr bei Lust und Laune nachziehen könnt.

In meinen Anfangsjahren in Südfrankreich konnte ich mit Aubergine nicht viel anfangen. Was mit Sicherheit damit zusammenhängt, dass die Aubergine als Gemüse in meiner Kindheit nicht existent war - ich erinnere mich an kein einziges Gericht damit. Nun liebe ich diese Frucht der südlichen Länder sehr, habe mittlerweile auch viele tolle Rezepte zusammengesammelt und bin froh, dass sie bei uns im Treibhaus so gut wächst.

Der Brotaufstrich besteht aus ähnlichen Zutaten wie das berühmte Baba Ganoush, das hier in der Ottolenghi-Version auf dem Blog zu finden ist (und bei der man wirklich sehr gut, die Gurke rauskürzen kann). Wichtig war mir, dass die Paste schön streichfähig wird. Und voilà, voilà, der Habib befindet seinen neuen Brotaufstrich für gelungen - womit er zukünftig einen Platz in meiner Speiß ergattern konnte. So eine Brotstulle mit Tomätchen und Gurke ist aber auch was Feines... Einfache Gartenküche ganz nach grain-de-sel-Art!




Zutaten - 5 Gläser à ca. 100ml:

2-3 große Auberginen (1kg)
200g Räuchertofu
3 Knoblauchzehen
3 EL Tahini-Paste
2 EL Olivenöl
Salz
1 Limette, Saft davon
2 EL Granatapfelsirup
1 -2 EL Tamari
(optional 1/2 Bund Petersilie)
2 EL Kichererbsenmehl 

 

Zubereitung:

Den Backofen auf 220°C vorheizen. Die Auberginen ringsherum mit einer Fleischgabel oder einem spitzen Messer einstechen und in eine ofenfeste Form geben. Je nach Größe ca. 30min in den Ofen schieben, bis die Aubergine durchgegart ist.

Etwas auskühlen lassen, halbieren und mit einem großen Löffel das Fruchtfleisch rausschaben. In ein Sieb geben und gut ausdrücken (m: mit den Händen). 

Alle Zutaten (außer dem Kichererbsenmehl) in einen Mixer geben, fein pürieren und leicht überwürzen - das braucht die Pasta um ihre Würzigkeit als Aufstrich auf dem Brot nicht zu verlieren (sonst droht, dass er zu fad schmeckt).

Ich habe die Masse dann in einen Topf gegeben, erhitzt und dabei das Kichererbsenmehl untermischt. Es gilt, dabei immer zu rühren, sonst hängt der Aufstrich am Topfboden an. Dann zügig arbeiten und die Auberginenpaste in Gläser füllen und einwecken, wie ich es für meine Ofentomaten beschrieben habe - wer eine andere zuverlässige Einweck-Methode kennt, darf auf diese zurückgreifen. Da ich  mit meiner gut fahre, bleibe ich bei ihr.

 

landscape of fear - Lasagne aus ofengerösteten Tomaten und Auberginen

Sonntag, 8. August 2021

 

*Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?* spielten wir in meiner Kinheit oft. Kennt ihr das noch? *Niemand*, brüllt die Gruppe zurück, doch alles rennt, wenn er kommt. (Das soll hier keine Mohrenkopf-Diskussion werden - bei mir darf jeder die Wörter benutzen, die er will, so lange sie nicht getragen werden von einer gehässigen Gesinnung.)

Für mich stellt der schwarze Mann das Stellvertreterprinzip dar für das Andere/ Unbekannte/ Fremde/ Gefährliche. Bref: das Leben. Dem Leben, welchem die Jugend mit aller Erwartung, Spannung und Neugier gegenüberstehen sollte, voller brennender Gier, Ungeduld und Hoffnung auf all das, was vor ihnen liegt. Doch auf unterschiedlichste Arten drücken sich die meisten, bevor es richtig losgeht, durch einen Seitenausgang, um dem Leben auszuweichen und um sich nicht stellen zu müssen. Sei es Alkohol oder andere Drogen, das Vergraben in einem Beruf, exzessiver Sport, Sexsucht oderoder... alles unwesentliche Nebenschauplätze um sich rauszupissen, nicht versetzungsrelevante Nebenfächer, in denen man in Dauerschleife dann auch hängenbleibt.

Sehr oft liegt diesem Ducken irgendwelche Ängste zugrunde. Alle eint, dass sie sich einem rationalen Zugriff entziehen: ob diffuse Lebensängste wie konkrete Phobien vor Spinnen oder Schlangen, vor Höhe oder Tiefe... Auch das Resultat dieser inneren Ängste gleicht sich: sie engen den Menschen ein, blockieren ihn und er nimmt sich damit (bewußt oder unbewußt) ganze Erfahrungsräume.

Meinem Erleben nach findet sich auf diesem Planeten keine bessere Medizin, um sich dem Trüben in seiner Seele zu stellen, als sich aufzumachen und auf Weltentdeckung zu gehen. *Komischerweise ist es beim Reisen gerade das, was nachher wie Junk die Blutgefäße durchströmt: die Ungewissheit! Denn ja, ich komme immer wieder darauf zurück, weil es für die individuelle Weiterentwicklung nur eine Richtung gibt - there is no way out than trough: die Selbstüberwindung - eine der mächtigsten, menschlichen Waffen, um sich von inneren Hindernissen, seinem inneren Feind nicht den Weg abschneiden zu lassen; allerdings auch eine, die schwer in der Handhabung ist.

Über das Leitmotiv Angst habe ich mir - wie die Links zeigen - schon viel Gedanken gemacht. Aber immer besonders spannend, wenn man einen neuen Faden dazu weben und den Gedankenteppich weiterspinnen und größer werden lassen kann. Die Forschung der Wissenschaft ist auf folgendes faszinierendes Phänomen gestoßen, was sie *the landscape of fear* getauft hat: Ein Ökosystem gerät dann aus den Fugen, wenn die wichtigsten Fressfeinde fehlen. Dann entsteht ein Ungleichgewicht und die Bioversität verschwindet. Faktor Angst als Symbol für eine gesunde, intakte Artenvielfalt.

Wie etwa in dem Rewilding-Projekt in Mosambik zu beobachten ist, wo durch anhaltende Bürgerkriege ein Großteil des Tierbestands ausgerottet wurde. Die Ökologin Justine Atkins erregte dort mit ihrer Arbeit, wie sich "Landschaften der Angst" zu "Landschaften der Furchtlosigkeit" entwickelten, viel Aufmerksamkeit. Nun zum Nationalpark erhoben konnten sich die Grasfresser sehr vermehren, weil es keine Raubtiere mehr gab. Was verschiedene Folgen nach sich trug. Denn die Antilopen veränderten daraufhin ihr Verhalten. Sie streiften jetzt durch das offene Grasland, wo es besonders nahrhafte Pflanzen gab, an die sie sich früher nicht herangetraut hatten. Abgesehen davon, dass sie dadurch größer und dicker wurden, bedrohten sie nun die regionale Fauna. Und es zeigte sich, dass sich Spezies gegenseitig Futtergründe streitig machten, die sich in einem natürlichen, gesunden Biotop gar nicht in die Quere gekommen wären. (s. dazu auch  Arte Doku wiedererstarkte Wildnis - Mosambik und wiedererstarkte wildnis - Neustart in Tswalu).

Das ist doch phänomenologisch ein astreiner Superfund! Angst formt nicht nur den Einzelnen, Angst formt ganze Landschaften! Und zwar maßgeblich und essentiell!  Sinnlose Panik hat in der Evolution noch nie einen Vorteil gebracht. Begründete Vorsicht dagegen schon. (SZ - Ökosysteme, wo die Angst regiert). Heißt doch zusammengefasst. *Know your enemi!* Auf den Menschen übertragen ist das etwas schwierig, weil er sich schon zu lange für die Krone der Schöpfung hält. Da hilft es leider auch nicht viel, wenn Papst Franziskus schwer zurückrudert. Ein Mal die Nase zu hoch gehalten, erzählen sämtliche griechischen Sagen wie der verblendete Held seinem Ende entgegen schreitet. Wer ist also der schwarze Mann, den der Mensch wirklich fürchten sollte?

Denn ja, Fressfeinde hat der Mensch keine. Wovor also sich in acht nehmen? Geht es dabei nicht viel mehr um die mögliche, freie INNERE Entwicklung eines Menschen? Ich lande bei diesem Gedankenspiel direkt bei  homo homini lupus - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf  (Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist). Oder wie Remarque es so gut ausdrückte: *Eine Hyäne ist immer eine Hyäne. Ein Mensch hat mehr Variationen.*

Der heutige Zeitgeist hat uns in eine Phase geführt, die man sich im Mittelalter nicht im Ansatz hätte vorstellen können, und die ich *das große Einerlei* nannte. Uns Menschen ist die Fähigkeit abhanden gekommen, urteilsfähig zu sein. Wir verweigern uns, zu einem Schluß zu kommen, wir verweigern uns dem Sinn des Lebens: der Erkenntnis. Aber wie kommt ein Mensch dahin, dass er sich zutraut ein Urteil über andere seiner Art zu fällen?

Ich behaupte, das ist nur möglich über folgenden Vierklang:

* der Mensch braucht in sich selbst einen festen Stand, einen Maßstab (Werte, denen er sich verpflichtet und freiwillig unterstellt), 

* er benötigt scharfe, klare, verlässliche Sinne (*Der Irrsinn beginnt da, wo du deiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kannst*),  

* er benötigt eine funktionierende Selbstreflektion (Schillers Schlüssel: Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben, Willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz) und 

* er braucht einen inneren Kompaß (*Du musst immer wissen wo du bist und wo du hinwillst, sonst gehst du tot* ermahnt der Abenteurer). 

Zu viel verlangt? Über den Tisch gezogen worden und zum Futtertier dekradiert von anderen mit keinen guten Absichten? Tja, Pech für Egon, selber schuld - nicht aufgepasst!




Was ich kulinarisch überzeugend finde, dekliniere ich genauso durch, wie all das, was mich geistig fasziniert. Wenn ich mit ofengeröstetem Gemüse begonnen habe, ist noch immer was Köstliches bei rausgekommen. Und ich weiß nicht, ob ihrs wußtest: aber ich LIEBE frische Pastagerichte!


Zutaten 2P:

Lasagneblätter:
50g Kamut-Vollkorn
50g Hartweizenmehl (Semolina)
1 Ei
1 EL Olivenöl
2 TL Thymianblättchen, getrocknet
1 Pr Salz
 
600g Kirschtomaten
3-4 Knoblauchzehen
1 TL Thymian, getrocknet
1/2 TL Rohrzucker
Salz, Pfeffer
4-5 EL Olivenöl
 
1 Aubergine (ca. 450g)
Olivenöl
Salz, Pfeffer
1 EL Rosmarin, gehackt
 
etwas geriebenen Parmesan
1 Mozzarella 
Thymian
Olivenöl

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter* passend für meine 1kg-Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Ofen auf 210°C (Umluft) vorheizen.

Die Kirschtomaten halbieren, in eine ofenfeste Form setzen, klein gehackten Knofi ebenso wie Gewürze darüber streuen, würzen und mit Olivenöl beträufeln und für ca. 25min in den Ofen schieben.

Aubergine in ca, 3mm dicke Scheiben hobeln, auf zwei mit Backpapier ausgelegten und mit Olivenöl bestrichenen Backpapieren auslegen, nochmals mit Olivenöl bepinseln, würzen und ebenfalls für 25min in den Ofen (geht möglicherweise zusammen mit den Tomaten, wenn man es geschickt macht - dann zwischendurch die Feuchtigkeit immer wieder rauslassen aus dem Ofenraum).

Ofen auf 200°C runterschalten.

Die Lasagne schichten. Form mit Olivenöl auspinseln, beginnen mit etwas Tomate, Nudelblatt, Tomate, Aubergine, ein wenig Parmesan, Nudelblatt, Tomate... abschließen mit Lasagneblatt, etwas Tomate, den in Scheiben geschnittenen Mozzarella. Mit Olivenöl beträufeln und würzen und ab in den Ofen für weitere 20-25min.

Anmerkung m: ich habe für diese Lasagne lediglich 4 Nudelblätter verwendet - dann war meine 1kg-Kastenform samt Gemüse bereits voll gefüllt

 

    ****    Geschwister im Blog-Universum: mediterrane Lasagne    ****

 

Hype: das vegane Steak von Gordon Ramsay

Donnerstag, 8. Juli 2021


Gordon Ramsay scheint ein dicker Fisch im englisch-sprachigen Raum zu sein. Auf jeden Fall erzeugt seine Idee für ein veganes Steak einen beeindruckenden Widerhall - zumindest in meinem Internet. Wohl mit deshalb, weil Mister Ramsay sonst eher wegen seines überzeugten Fleischkonsums bekannt ist denn für seinen Hang zur veganen Küche.

Dabei zeigt sich, dass die Inszenierung dieses Steaks alles ist. Das gelingt in der filmischen Version (bref. bei Youtube) Merle O'Neal am besten. Bei ihr sieht die sehr lange im Ofen gegarte Aubergine ähnliche attraktiv aus wie das Foto auf Gordon Ramsays Blog. 

In der Mehrheit - und gebt den Rezeptenamen mal in eure Suchfunktion (oder YT) ein - erinnert das zubereitete Endprodukt eher an einen Küchenunfall: eine im Ofen vergessene und verkohlte Aubergine.

Meine Geduld ein hübsches Foto zu knipsen, ist ja bekanntermaßen gerade bei warmen Gerichten sehr begrenzt, da ich nicht einsehe, nur weil ich blogge, meine Speisen kalt zu essen. Also drei-vier Mal auf den Foto gedrückt: das muss reichen. So gebe ich freiraus zu, dass mein Foto nun in diesem Wettbewerb ebenfalls nicht weit vorne liegen wird. Aber hey, meine Fotos stehen für Real-Life, für das old-school (und zunehmend überholte) Motto von Foodblogs: you get, what you see! Wenn ich mich heute aber umsehe auf Foodblogs, dann sind die Fotos enorm überarbeitet, was gerade an den völlig übertriebenen Farben zu erkennen ist. Aber *normal* reicht heute wohl nicht mehr aus, es muss *over the top* sein. Sonst fällt man halt nicht mehr auf.

Bitte, das dürfen die anderen. Ich bleibe meinem Style trotzdem treu, weil für mich damals - als Kochanfängerin - genau diese Echtheit und vielleicht auch Bescheidenheit Foodblogs erst derart glaubwürdig und hilfreich, ja und vor allem verlässlich machten. Mir fällt bei der Gelegenheit der Spruch ein, den der Habib von seiner Maurerlehre bewahrt hat,  und zwar wenn die Jungs an ihrer Baustelle eine totally getunte Alte vorbeilaufen sahen: *Die gehört mal nackig an den Haaren durchs kalte Wasser gezogen!* Witzig, oder?! Mais bon, andere Zeiten. Und auch heute gibts ja noch einen Markt, der *pur und natürlich* vorzieht gegenüber *gemacht und künstlich*. Anders kann ich mir meine Leserschaft sonst nicht erklären ;)

 



Zu dem Auberginen-Steak von Gordon Ramsay komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis wie Merle: auf einer Skala von 1-10 gibt sie eine 2 was die Ähnlichkeit zu einem Steak angeht (*it is an eggplant!*) aber eine 9 für das Geschmackserlebnis. Und ja, die Aubergine schmeckt gut - deutlich besser als sie zumindest auf meinem Foto den Eindruck erweckt (das hat bei uns am Küchentisch übrigens die Kategorie *schmeckt besser als es aussieht*), aber den Aufwand dafür finde ich doch vergleichsweise enorm.

Ich hatte mir, bevor ich in die Küche ging, den Zeitablauf auf der Zubereitung nicht genauer angesehen und war dann doch leicht schokiert, dass ich grundeigentlich mindestens eine Stunde früher hätte beginnen müssen, wenn wir denn zu unserer üblichen Zeit hätten essen wollen. Insbesondere wenn man wie ich die Auberginen zum Schälen nicht über der Gasflamme röstet sondern in den Ofen schiebt. Das dauert alles und dauert.

Und ob ich jetzt gerade Gästen etwas servieren würde, was nicht direkt dem Auge *yummiyummi* suggeriert... ich weiß es nicht. Sicher ist aber, man wird eingefleischte Fleischis mit dieser Aubergine nicht neidisch machen - aber SEHR neugierig.

Ich habe das Rezept nach meinen Gegebenheiten abgewandelt - das Original habe ich euch zum Vergleich ja verlinkt. 

 



Zutaten 2P:

2 mittelgroße Auberginen, frisch und drall (je ca. 350g)*

 
Marinade:
1 TL Kreuzkümmel, frisch geschrotet
1 TL Senfsamen, frisch geschrotet
1 TL Pfeffer, frisch geschrotet
2 TL Pimenton dela vera (geräuchertes Paprikapulver)
1 TL Gemüsebrühe (m: eigene)
2 TL feinst geschnittener Knoblauch*
1 TL Pilzpulver
2 TL Rosmarin, feinst gehackt
etwas Piment d'Espelette
halb Rotwein/ halb roter Portwein 
Olivenöl

Sauce:
250ml Rotwein
250ml Jus
250ml Gemüsebrühe
3 EL kalt gerührte schwarze Johannisbeer-Marmelade
2 Zweige Rosmarin
1 Lorbeer-Blatt
2 TL Thymian-Blättchen
1 TL schwarze Miso-Paste
2 TL Tamari
2 TL Worcestershire
2 TL Kokos-Crème

Zubereitung:

Ofen auf 220°C vorheizen. Die Auberginen mehrfach mit einer Fleischgabel einstechen, mit Öl bepinseln und für gute 30min in einer ofenfesten Form in den Ofen schieben, dabei 1x umdrehen. Abkühlen lassen und die schwarze Haut abschälen und wegwerfen.

Währenddessen die Marinade zubereiten, dafür alle Zutaten miteinander vermengen.

Den Ofen auf 200°C runterschalten.

Die Auberginen in eine Gratinform setzen, in die sie gut passen. Runderherum salzen und mit der Gewürzmarinade würzen. Mit etwas Olivenöl beträufeln und dann soviel Rotwein (m: halb Portwein) übergießen, dass der Boden der Backform leicht bedeckt ist. Für gute 30min in den Ofen schieben und dann vorsichtig mit Hilfe eines Pfannenwenders die Auberginen wenden und für weitere 30min im Ofen garen.

Währrenddessen die Sauce zubereiten: Rotwein, Jus und Brühe mit Lorbeer, Rosmarin, Thymian und Miso in einem weiteren Topf lebhaft zum Kochen bringen und auf  300ml einköcheln lassen. Vom Herd nehmen und mit Tamari und Worcestershire, salzen und pfeffern und die Kokoscreme einrühren.

Ofen auf 150°C runterdrehen und die Auberginen immer wieder mit der Sauce bepinseln: *Continue to roast eggplant, basting periodically with jus until tender, slightly dehydrated and eggplant begins to resemble a steak* - also etwa 20min von der einen Seite, dann wenden und etwa weitere 15min damit fortfahren (kann möglicherweise - wie bei Merle -auch etwas länger dauern).

*Anmerkung m: ich rate zu wirklich frischen Auberginen, damit sie im Ofen nicht matschig zusammenfallen/ Knoblauchpulver habe ich nicht - ich verwende immer frischen/ ich habe den Jus zum Bepinseln der Auberginen gleichzeitig zubereitet als Sauce für unser Essen und nicht - wie Gordon Ramsay - zweierlei Saucen gekocht/ die Idee, rote Bete-Saft zu verwenden, finde ich spannend, habe aber auf meinen eigenen Jus zurückgegriffen/ es braucht auf jeden Fall noch eine sog. Sättigungsbeilage - wie etwa Kartoffelstampf, bei uns gabs außerdem Tomaten-Salat und einen grünen Salat dazu.

Quelle: Gordon Ramsay

 

12-Monate-Durchsteher: Basilikum-Tagliatelle mit Auberginensauce

Donnerstag, 5. November 2020


Unsere Siebenschläfer im Rollladenkasten haben längst Ruhe gegeben. Da rappelt gar nichts mehr im Karton. Und Feriengäste können es bestätigen: sonst rein gar nichts los, aber während ihrer kurzen, wachen Phase im Sommer drehen sie täglich fünf Minuten so richtig am Rad. Das hört sich an, als ob eine ganze Gnu-Herde den Dachstuhl durchquert - und nicht etwa eine Sippe knopf-äugiger, extrem ortsanhänglicher Nager. Mich erinnert ihr lärmender Bühnenmoment immer an den legendären wie erfrischenden Hildegard Knef Ausspruch, die auf die Frage, wie sie sich jung halten würde, antwortete: *Ich habe ein einfaches Rezept, um fit zu bleiben - ich laufe jeden Tag Amok!*

Tja, aber nach ihrem Blitz-Gastspiel ist ihr Pulver auch direkt wieder verschossen. Die angefutterte Fettreserve muss schließlich für länger halten. Da muss man mit seiner Energie haushalten: Füße still halten, nicht zu oft blinzeln und tief durchatmen. Tatsächlich schlafen Siebenschläfer nicht wie man ob des Namens ableiten könnte, sieben sondern sogar acht Monate. Es dünkt einen an einem grauen, nebeligen, kalt-feuchten Novembertag jetzt nicht als das schlechteste aller Lebenskonzepte. Nicht das abenteuerlustigste, gut, stattgeben, auch nicht das energetischste, aber ja, gerade mal für länger Abtauchen...

Andererseits würde man dann so grandiose Monate wie den Februar verpassen. Und auf den fiebert doch die Menschheit in diesen Breitengarden schon jetzt - ein viertel Jahr vorher - entgegen. Ein weiterer Monat ohne nennenswerte Farbe, entsprechende Lichteinstrahlung und Hoffnung auf bald wieder sprießende Natur. Mein persönlicher Wonnemonat... Man könnte sich dieses Jahr an Fasching als Siebenschläfer verkleiden. Für die Kracher-Party mit einem weiteren Haushalt. Nur so eine Idee... Wenn Traditionen zwei Jahre hintereinander aussetzen, kann man die dann als endgültig erledigt aus dem Kalender streichen? Es bleibt spannend. Vielleicht stellt die Menschheit ja in Kürze fest, dass *Kür* keiner mehr braucht und *Pflicht* völlig ausreicht für einen gesunden Überlebenswillen. Ach, alles so ein bißchen am Wackeln momentan...

Bevor einen durch Wetter- oder Pandemiefühligkeit wiederkehrende Vogel-Strauß-Momente übermannen - hey, Kopf in Nacken, wie sind Homo sapiens, wir sind 12-Monate-Durchsteher, jammern ist was für Winterschläfer - halten wir uns an Frauen mit Erfahrung. Wie die Pasta Grannies. Die wissen, dass eine Portion frisch hergestellte Pasta wieder rosige Wangen zaubern können. So einfach erweckt man seine Sinnesfreude für den Augenblick! Nicht erst beim Essen bereits beim Auswellen der Nudeln - und nebenbei wird der Sommer ein wenig auf den Teller zurückgeholt!


Beim Nudelteig habe ich mich an mein Rezept gehalten: pro Person und 100g Mehl ein Ei. Ganz simpel. Der entscheidende Tipp für alle Pasta-Frischlinge ist, zum Verarbeiten von frischer Pasta Hartweizenmehl zu verwenden: dann verklebt die Pasta weder beim Auslegen auf dem Küchentuch noch während dem Kochen im Salzwasser! Merke!

Auch bei dem provola affumicata (einem geräucherten, mozzarella-ähnlichen Käse) mußte ich improvisieren, denn an den war natürlich in Frankreich nicht zu kommen.

Besonders spannend finde ich hier, wie die Auberginen gebraten werden. Da habe ich sofort Gefallen gefunden:  auf diese Weise zubereitete Auberginen nennt man auf Italienisch auch funghetto, das bedeutet 'wie ein Pilz'!


Zutaten 2P: 
 
Pastateig:*
100g Mehl (m: D1050)
100g Hartweizen
2 Eier
2-3 EL gehackte Basilikum
1 EL Olivenöl

Sauce:
1 Aubergine
250g Tomaten-Sugo*
1 Kugel provola affumicata*
2 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer

einige Basilikum-Blätter
etwas geriebener Parmesan 


Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Pastateig einen homogenen, nicht klebenden Teig kneten und 30min abgedeckt ruhen lassen.

Auberginen schälen und in 2cm große Würfel schneiden. Leicht salzen und für 30min in einem Sieb Wasser ziehen lassen. Das Salz dann abspuülen und die Würfel anschließend trocken tupfen. 

Etwas Pflanzenöl in einer großen Pfanne bei eher höherer Hitze erwärmen und die Auberginenwürfel darin derart anbraten, dass sie dabei nebeneinander und nicht übereinander liegen - gegebenenfalls portionsweise. Dabei achten, dass die Auberginen nicht anbrennen: sie sollen goldbraun werden. Kein weiteres Öl hinzufügen, sonst werden die Auberginenwürfel matschig (was wir nicht wollen - s.o Pilze!)

Wer kein Tomaten-Sugo vorrätig hat, bereite es jetzt zu (s. Anmerkungen).

Nun den Pastateig dünn auswellen (m: Marcato) und in Tagliatelle von 1cm Breite schneiden. Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen, Nudeln darin etwa 2min kochen. Dann die Pasta zusammen mit dem gewürfelten Käse, den Auberginen unter die Tomatensauce mischen (wenn nötig, die Sauce mit etwas Pastawasser flüssiger machen).

Auf Teller verteilen und mit Basilikum-Blätter und Parmesan bestreuen.

Anmerkung m: die Pasta Granny verwendet hier auf 400g Mehl 3 Eier und 3 EL Mehl, aber ebenfalls halb Hartzweizenmehl

wer kein Tomatensugo wie ich griffbereit hat, der kann eine kleine Zwiebel würfeln, in Olivenöl anschwitzen und mit gehackten, stückigen Tomaten und einigen zerrupften Basilikum-Blätter dickflüssig einkochen lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker.

Als Ersatz für provola affumicata wird scamorza empfohlen - ich habe improvisiert und einen Mozzarella und etwas Saint Marcellin verwendet.

Inspiration: Pasta Grannies