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Fangebaren: Tagliatelle mit cremiger, flambierter Maronen-Pilz-Sauce

Dienstag, 24. Januar 2023


Was kann man nicht permanent Gesellschaftstudie betreiben. Mein wahres Studium bleibt der Mensch, da bin ich ganz Goethe-Schülerin. Im Netz so gut wie im echten Leben. Frisch am Wochenende bin ich phänomenologisch mal wieder ins Straucheln gekommen.

Bei meinen Teilnehmer der ... zu Tisch mit # schaue ich in unregelmäßigen Abständen nach dem Rechten. Hey, ich bin schließlich Fan-Girl, obendrein habe ich prinzipiell ein treues Naturell. Bei Guido flachte sich die Begeisterung deutlich ab, weil der lang nicht mehr so erfrischend erheiternd ausdünstet wie zu Beginn meiner seiner Entdeckung, mais bon... Mady macht ihr Ding hingegen nach wie vor super, finde ich. Ich stehe seltener mit ihr auf der Matte, da ich längere Einheiten vorziehe. Aber die wuppt zusammen mit ihrem Freund alleine das Unternehmen *Morrison* und das machen die entschieden gut. Immer um das Prinzip *Good vibes only* bemüht. Gerade wenn ich das vergleiche mit einem anderen Yoga-Pärchen, bei dem ich ab und an vorbeisehe, die nun einen ganzen Mitarbeiterstab für ihre Ich-AG beschäftigen. Da ist mir die Mady sympathischer in ihrem Geschäftsgebaren, die es zudem schafft, ihre Privatsphäre privat zu halten - ohne dass ihr das schaden würde.

Nun hatte sie vor einem Vierteljahr ihre erste Merch-Klamottenserie herausgebracht, die binnen einer Stunde ausverkauft war. Und jetzt am Sonntag erging es ihr mit der Nachproduktion nicht anders. Schöne, selbstentworfene Teile - das Moon-Shirt hätte ich jederzeit spazieren getragen. Kurzum: ein sensationeller Erfolg! Im Vorhinein hatte Mady stets erklärt, dass diese Produktion natürlich ihre Grenzen hat, nachhaltig produziert, 2-Personen-Unternehmen ectpp... Alles leicht nachzuvollziehen.

So, nun kommt der Stolperstein: weil viele Anhänger ihrer Community erneut leer ausgingen, wurde Mady überschüttet mit Hass-Nachrichten. Ist das strange? Okay, man ist enttäuscht, weil man sich vielleicht auf einen Pulli gefreut hat, aber das triggert dann ein solches Verhalten? Verstehe ich nicht! Man ist Fan, man will sich mit Mady-Fan-Artikel kleiden und das der ganzen Welt zeigen - und dann dreht sich das von einer Sekunde auf die andere... Ich hätte ja nix dagegen, wenn die allgemeine Frustration-Grenze genauso tief sitzen und umgehend Reaktionen hervor rufen würde, wenn es um Krieg und Frieden geht. Aber wegen Klamotte?

Das gruselt mich dann doch. Eben noch Hosianna und bums, schon wird man fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Direkt fällt mir eine andere kleine Anekdote von unterwegs ein, die ganz gut in den Zusammenhang passt. Ein junger, katholischer Pfaffer wurde gefragt, wie er sich denn seine berufliche Zukunft vorstellt im Hinblick auf die rasanten Kirchenaustritte. Seine Antwort beeindruckte mich nachhaltig: Nun war die Geschichte von Jesus auch keine Erfolgsgeschichte. Wer blieb denn am Ende unterm Kreuz übrig?

 Schon irgendwie es fürchte die Götter das Menschengeschlecht



Kommen wir zu erfreulicheren Dingen. Frische Pasta. Mit frischer Pasta koche ich mich zuverlässig glücklich. In mir müssen irgendwo italienische Gene schlummern. Alleine in der Warteschleife stapeln sich wieder mehrere Rezepte mit frischer Pasta - nicht von ungefähr: die Kategorie *Pasta* ist im Blog-eigenen Universum gut gefüllt! Pastateig habe ich schon derart oft zubereitet, den schüttel ich euch aus dem Handgelenk! Mit verbundenen Augen! Mit der rechten Hand auf den Rücken gebunden! Mindestens!

Diese Sauce, die mit Cognac flambiert wird, erinnert mich an ein simples aber wirkungsvolles Rezept mit Schweine-Filet, Zwiebeln und Äpfeln, das ebenfalls mit Cognac flambiert und dann mit Sahne abgelöscht wird. Das bekam ich vor Äonen mal als Gast serviert und hinterließ schicken Eindruck allein durch die kleine Show-Einlage mit dem Flambieren. Fleisch bereite ich uns schon lange nicht mehr zu, aber gegen das Flambieren spricht nix. Herausgekomme ist ein echtes Sonntagsessen, das ich zu Zorras Event Nummero CXCIII *Happy Bubble - Koch dich glücklich* beisteuere, das Maria aka das Landmädel dieses Mal ausrichtet. Mit Happy-Garantie!


Zutaten 2P:

Tagliatelle:
150g Kamut-VK
50g Dinkel 1050
2 Eier
1 EL Olivenöl

Sauce:
1 große, rote Zwiebel
1 Knoblauchzehe
250g Champignons
200g Maronen*
2 Lorbeer-Blätter
1 TL Thymian, getrocknet
70ml Cognac
150ml Sahne
ca. 100ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1/2 Zitrone, etwas Saft und Abrieb davon
Olivenöl
zum Bestreuen: Petersilie/ Schnittlauch


Zubereitung:
 
Die Pasta wie hier beschrieben verarbeiten, zu Stufe 6 von 7 auswellen - dabei immer mit Hartweizenmehl arbeiten (das verhindert das Kleben der Nudeln aneinander und später im Kochwasser), auf der Arbeitsfläche noch etwas dünner rollen und schließlich zu Tagliatelle schneiden. Auf einem sauberen Küchentuch ausbreiten und mit einem weiteren abdecken. 
 
Die rote Zwiebel schälen, in 1cm Stücke würfeln und in einer breiten, tiefen Pfanne in Olivenöl mit Geduld golden rösten. Parallel die Pilze putzen, und je nach Größe halbieren und in Scheiben schneiden. Die Pilze und den feingehackten Knofi zu den Zwiebeln geben, mit Salz und Pfeffer würzen und ca. 10min weiterbraten.
 
Den Cognac angießen und flambieren (anzünden, idealerweise mit einem langen Streichholz). Pilzmischung garen, bis der Alkohol verkocht und die Flamme erloschen ist.

Thymian, Lorbeerblatt, Maronen, Sahne und Gemüsebrühe dazugeben und verrühren. Etwa weitere 10 min eindicken lassen.

Zitronenabrieb und 1 TL Zitronensaft untermengen, gegarte, abgetropfte Pasta untermischen und zum Servieren mit gehackter Petersilie bestreuen.
 
Anmerkung m: ich habe halb selbstgeschälte Maronen halb gekaufte, gegarte Maronen verwendet - eigene schmecken schon deutlich besser/ eine halbe, in kleine Stücke geschnittene Birne macht sich in der Sauce als Variante bestimmt gut
 

verquere welt - Kinderteller

Freitag, 8. April 2022

 

Wenn die Lehrerin morgens das Klassenzimmer betrat, fragte sie als erstes: *Wer ist der Erbfeind?* Und die Klasse sprang auf und brüllte im Chor: *Der Franzose!* Und die Lehrerin wieder: *Was ist der Franzose?* Und die Klasse dröhnte: *Der Erbfeind!*

Normaler Unterrichtsbeginn in Deutschland während der Schulzeit der Großmutter des Habibs, Oma Franziska. Und viel geändert hat sich seither nicht. Warum lernt der Mensch nichts dazu, hat mein Dokumentarfilmer das allwissende Orakel gefragt. Doch wer ganz genau hinschaute, konnte feststellen, dass der Frage das Fragezeichen fehlte. Es war eine Feststellung. Manches ändert sich nicht. Politik ist Politik und Krieg ein dreckiges Geschäft.

Nicht, dass ich denke, ich kann den Aggressoren dieser Welt erklären, dass man mit Waffen keinen Frieden schließen kann. Was schon Erich Maria Remarque nicht geschafft hat (wer nicht lesen mag, der kann sich in der Arte-Mediathek die gelungene Verfilmung von *Zeit zu leben, Zeit zu sterben* mit einer zauberhaften Liselotte Pulver anschauen), das vermag ich auch nicht. Ebenso unmöglich das kranke, pervertierte Narrativ der amerikanischen Filmindustrie, welches die Waffenindustrie nährt, gerade zu stellen, nämlich dass es soetwas wie einen guten Mörder gibt, jenen, den man dann zum Helden stilisiert, weil er *den Feind* eleminiert hat, weil er sich als Opfer verteidigen muss... Jene wachen wohl aus ihrer Verblendung nicht mehr auf. 

Aber ich habe hier die Möglichkeit auf die Aktion in der taz hinzuweisen, die bereits tausende Unterschriften gesammelt hat gegen die Hochrüstungspläne: wir sind viele, die für Pazifismus und Abrüstung stehen. Man darf sich das Gegenteil nicht einreden lassen. Nein, meine Söhne gebe ich nicht - eines dieser schönen, leisen Lieder von Reinhard Mey, das Steigbügelhalter macht, um mal entschieden Position zu beziehen: Nein, meine Einwilligung zum Gegeneinander gebe ich nicht! Und nein, ich werde den Teufel tun und mich in diesen Wahn mit hineinziehen lassen!

Die Welt verdreht sich eh zusehens. Und zwischen Lüge und Wahrheit scheiden zu können, kommt mehr und mehr der Aschenbrödelaufgabe gleich, Erbsen von Linsen trennen zu müssen. Allerorts Verwirrung und Desorientierung. Und selten zwischen all den Irrlichtern ein heller Moment. Heute einer mit Alice Schwarzer. Ich staunte sehr über mich, dass wir zwei, die Alice und ich, mal einer Meinung sind - und zwar in der Transgender-Diskussion (hier im *Stern*) die weltweit dauerbefeuert wird (warum eigentlich?).

Ich brauche sie ja nicht, die Emanzen. Das sind doch seit jeher immer diese bullenbeißrigen Brunhilde-Typen, die das here Schild der Gleichberechtigung vor sich tragen, aber denen es viel eher um Macht, Herrschaft, Unterwerfung, Wichtigkeit und Einfluß geht. Nichts, wofür ich je gekämpft hätte. *Emanzipation war für mich nie ein Wort*, pflegte meine Großmutter gerne zu sagen, kriegsverwitet wie sie war, Mutter von vier Kindern und obendrein einen bettlägrigen Vater pflegend. Die Freiheit, die ich meine, geht auch in Beziehung anders. Sorry, dafür brauche ich Emanzipation nicht. Und in der Gesellschaft, in der ich groß wurde, bin ich aufgrund meines Geschlechtes nie vor verschlossenen Türen gestanden. Das mag mit den Türen zusammenhängen, durch die ich treten wollte...

Aber ganz und gar mit Alice, die sich deutlich gegen die Mode-Erscheinung stellt, sein Geschlecht zu verändern, gerade wie es einem Jugendlichen in den Sinn kommt. Was nicht zu verwechseln ist mit der Thematik der kleinen Gruppe echter Transsexueller. Ein verquerer Hype - darin stimme ich mit Frau Schwarzer überein: *Bei dieser ganzen Debatte wird meiner Meinung nach Natur mit Kultur verwechselt. Ich gehöre zu den Menschen, die die kulturelle Geschlechterrolle abschaffen wollen [...]* Jetzt aber geht man plötzlich her und sagt: 'Das biologische Geschlecht muss geändert werden.' Wir können die Natur aber nicht abschaffen.*

Sehr gut gesagt! Was stimmt denn mit der Natur auf einmal nicht mehr? *Was machst du an der Welt, sie ist schon gemacht, Gott der Schöpfer hat alles bedacht... (Goethe). Für mich kulminiert genau darin die Problematik unserer Zeit, ja genau das ist DER Brennpunkt unserer Zivilisation: das Rumdoktoren an der Natur, die Hybris des Menschen, sich über seine Herkunft zu stellen, das Missachten natürlicher Grenzen, das Sezieren ohne Zusammenhang, das Vergiften des eigenen Biotops. 

 


Für mich sind diese mit Käse gefüllten Kartoffel-Plätzchen ein echter Kinderteller. Vielleicht weil ich selbst als Kind so gerne Schupfnudeln gegessen habe? Dazu etwas Rahmgemüse, das nahezu alle Kleinen mögen. Nun, wer weiß, nur weil die Kinder, die ich kenne, das mögen, sind deshalb ja nicht alle Kinder gleich. Vielleicht aber kocht ihr eure Zwuggel mit diesen Kartoffel-Plätzchen tatsächlich so appetitlich, wie ich mir das in meiner Phantasie vorstelle. Die kleinen, zufriedenen, satten Momente am Tisch - wie leicht ist sich daran zu erfreuen!


Zutaten 8 Stück:

450g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
1 Ei
50g Hartweizengrieß
50g Mehl (m: Einkorn-VK)
Salz, Pfeffer
1 kleine Zwiebel
1/2 Bund Petersilie (oder Bärlauch)
Saint-Nectaire, in Würfel geschnitten (oder ein anderer, schmelzender Käse)
Butter/ Öl


 Zubereitung:

Die Kartoffeln in ausreichend kaltem Wasser aufsetzen und als Pellkartoffel garen - dauert je nach Größe etwa eine halbe Stunde.

Die Zwiebel fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Kurz vor Ende die fein gewiegte Petersilie zufügen (jetzt im Frühling passt auch gut Bärlauch).

Die Kartoffeln schälen, etwas ausdämpfen lassen und noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Mit dem Grieß und dem Mehl mischen, Zwiebel und das Ei zufügen, gut salzen und pfeffern und daraus rasch einen homogenen Teig kneten (nicht zu lange kneten, sonst wechselt Teigkonsistenz in komisch- speckig).

Einen großen Eßlöffel der Masse auf die Hand geben, flach drücken, mit Käsewürfel füllen, dann die Teigenden darüberklappen und gut verschließen und so fortfahren, bis 8 Kartoffel-Plätzchen gefüllt sind. In etwas Sonnenblumenöl von beiden Seiten goldbraun anbraten.

 

Anmerkung m: Dazu passt jedes Rahmgemüse - bei uns gab es Erbsen und Möhren, die ich mit jungem Knoblauch und Zitronenschalen-Abrieb gewürzt habe. Alternativ macht sich auch Rahm-Kohlrabi dazu gut, Lauch oder die ersten, jungen Mai-Rübchen. Die Plätzchen schmecken selbst kalt gut.

 

Geschwister im Blog-Universum:

     ****   Herbst-Kartoffel-Calzone   ****

     ****   Mozzarella-Kartoffel-Schnitzel   ****

 

 

Das war eine zweite, *erwachsenere* Version mit Soja-Geschnetzeltem, Pilzen und Münster gefüllt

Ottolenghis Süßkartoffel-Gratin mit Salbei

Sonntag, 27. Juni 2021


Auch wenn es schon viele Wochen zurückliegt, dass ich dieses Gratin (coucou Christiane) fotographiert habe, passt es gerade prima in die Zeit. Grund genug, es heute vorzustellen. Es ist ohne viel Aufwand zuzubereiten und während es im Ofen gart, kann man sich eine mächtige Schüssel Salat dazu richten. Es gilt lediglich zu beachten, dass die Garzeit des Gratins eine ordentliche Stunde beträgt - damit kein Stress aufkommen kann, weil man nur schnell... Es braucht halt seine Zeit im Ofen.

Aber dann besticht dieses Süßkartoffel-Gratin direkt mit dem ersten Bissen. Ich mag ausgesprochen gerne den entschiedenen Einsatz von Salbei: nicht kleckern - glotzen. Und die Süßkartoffeln können das sehr gut ab!

Wir genießen derweil diese Tage der Sommerfrische, wie es nur der junge, aufblühende Sommer kann, mit klaren, reinen Morgen und kühlen Nächten, die einen besonders tiefen Schlaf versprechen. Ich staune immer, wie tief ins Unterbewußtsein mich solche Nächte tragen können und was dort dann an überraschenden Botschaften für mich warten. Das Tagesbewußtsein - wie der Name bereits verrät - würde diese in mir schlummmernden Geschichten wohl nicht zu Tage bringen. Umso erhellender in solchen Nächten Schlaf geschenkt zu bekommen, der einen wie einen Kieselstein tiefer und tiefer fallen läßt.

Und das rund um die längsten Tage des Jahres - bizarre, n'est-ce pas? Jetzt haben wir den Zenit bereits wieder überschritten. *Wir sind doch noch gar nicht soweit*, meinte ich heute beim Frühstück zum Habib seufzend. *Tja*, antwortete er stoisch, *darauf kann das Universum keine Rücksicht nehmen.* Kümmern wir uns halt derweil ums Essen:



Zutaten 4-6P:

6 mittelgroße Süßkartoffeln (ca, 1,5kg)
5 EL groß gehackter Salbei (plus mehr zum Garnieren)
6 Knoblauchzehen,zerdrückt
Salz, Pfeffer
250g Sahne*

Zubereitung:

Den Ofen auf 200°C vorheizen. Die Süßkartoffeln ungeschält (m: geschält) in 5mm dicke Scheiben schneiden - mit Gemüsehobel oder Messer.

Alle Zutaten in einer großen Schüssel mischen. Nun die Süßkartoffel-Scheiben in einer Gratinform mit hohem Rand setzen - mit der Hand nimmt man ganze Pakete und setzt sie aufrecht in die Form, parallel zum Rand (m: Schichtung runder Form angepasst). Zuletzt drückt man die Scheiben mit der flachen Hand etwas nach unten. Die in der Form vergessenen Knofi-und Salbeireste auf dem Gratin verteilen. Die Gratinform dicht mit Alufolie schließen (m: vorher abgedeckt mit Backpapier, da Alufolien-Skeptikerin) und für 45min in den Ofen schieben.

Nun Alufolie entfernen, Sahne anschütten und für weitere 25min unabgedeckt in den Ofen schieben. Die Sahne sollte nun eingedickt sein und die Süßkartoffeln mit einem Messer leicht durchzustechen - also gar - sein. Mit etwas in Streifen geschnittenem Salbei bestreuen und servieren. 

Anmerkung m: ich habe die Sahne etwas verschlankt, indem ich sie mit teils mit Milch aufgegossen habe und dafür ein wenig Kartoffelstärke in die kalte Milch mischte, damit die Flüssigkeit beim Garen auch gut andickt.

 

 

Pasta-Maniac: Cavatelli mit sahnigem Zitronen- Zucchini

Dienstag, 29. September 2020


Bei dem umfassenden Thema *frische Pasta* bin ich ja äußerst empfänglich für sämtliche Inspirationen. In meiner Welt kann man sich nicht verlässlicher das Leben ein Quäntchen schöner kochen als mit selbstgemachten Nudeln. Ja, ihr wißt es: ich bin ein Pasta-Maniac!

Hinzu kommt, dass ich außerdem Handwerkerin bin. Das Schöne für mich am Kochen ist, dass alles wie in der Bildhauerei durch die Hände geht - was ist das haptisch, was ist das sinnlich! Ganz klar, so weit es mir möglich ist, mache ich am liebsten alles von Hand und verzichte auf Strom. Als Susanne das tönende Loblied auf die Cavatelli-Maschine Demetra anstimmte, mußte ich mir die auf jeden Fall genauer anschauen. Und ehe ich das noch konnte, überraschte mich der Habib - der Wind davon bekommen hatte - damit als Geschenk.

Nun zählen zu meinen Besitztümern, mit denen Pasta herzustellbar ist - neben klassischem Nudelholz und Holzbrett, Gnocchibrett, Raviolibrett, Spätzle-Brett, Knöfli-Sieb, Ravioli-Ausstecher, einer Marcato und der Regina - also neuerdings die hübsche Cavatelli-Maschine.

Und um mein Urteil vorweg zu nehmen: sie macht Spaß, aber man braucht sie nicht im Fundus. Warum? Ich finde sie zu teuer, dafür dass man im Prinzip mit ihr nur eine Sorte Pasta - Cavatelli - machen kann. Das heißt, wer sich diesen Apparat anschafft, sollte großer Fan von eben dieser Nudelform sein. Gut, wenn man sie auseinander fummelt, dann sind es Orcchiette - aber die mache ich vermutlich fast schneller von Hand, da hatte ich den Bogen wirklich schnell raus. Weiteres Minus: für den Preis erwarte ich, dass sie mit einer (kleinen) Gebrauchsanweisung ins Haus kommt und nicht mit fünf langweiligen, italienisch-sprachigen Rezepten, die man eh direkt wegwirft. Fakt ist: ich musste mich im Inet über die Handhabung schlau machen. 

Dann steht die Maschine auf meinem Untergrund nicht richtig fest - ich werde mal noch versuchen, den Boden etwas anzufeuchten, vielleicht hilft ja das. Aber wenn die Maschine wackelt, dann fehlt eine dritte Hand. Denn mit einer hält man bereits den Teigstrang und mit der anderen betätigt man die Kurbel. Größtes Manko: gerät der Teig etwas zu feucht, dann verklebt die Walze - und das Putzen davon gestaltet sich fürchterlich, weil man den Apparat nicht auseinander nehmen kann. Mit einem Schaschlik-Spiß war ich genötigt, länger darin rumzustochern, als ich Geduldsspiele lustig finde.

Jetzt ist die Demetra aber nun mal in meinem Sortiment - und ich werde in Zukunft darauf achten, dass ich den Nudelteig eher etwas zu fest knete als zu weich. Dann purzelt die filigrane Pasta wirklich schnellgemacht auf den Tisch. Und ihr werdet wohl nun öfters Gerichte mit Cavatelli hier präsentiert bekommen. Aussehen tun sie doch super, oder?

 

Der Einstieg mit der Demetra lief problemlos. Die Schwierigkeiten hatte ich dann beim zweiten Mal mit dem zu weichen Teig, just als wir Gäste erwarteten. Wie gut, dass ich ein erfahrener Hase bin und mit Nerven aus Drahtseilen (also fast) in der Not auf Maltagliat, was soviel bedeutet wie die schlecht geschnittene Nudel, umschwenkte und das gemeinsame Essen sowie meine Foodie-Ehre retten konnte.

Bei diesem Teller zeigt sich, wie wenig es braucht, um mit frischer Pasta kulinarisch glücklich zu machen. Zumindest mich. So einfach - so gut!

 

Zutaten 2P:

100g Hartweizenmehl
70g Kamut-Vollkorn, fein gemahlen
90ml Wasser

200g Buschbohnen (m: gelb/ grün)
200g Zucchini (m: gelb)
2 Knoblauchzehen
2 TL Thymian*
1 Salz-Zitrone
1 Zitrone, Schale davon
Noilly Prat
100ml Sahne*
150ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer 
Piment d'Espelette 
Olivenöl
Parmesan, gerieben 

 


Zubereitung:

Für die Pasta das Mehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte machen und das Wasser angießen.  Langsam Mehl und Wasser vermischen, und den Teig gut kneten: er soll nicht kleben und schön elastisch sein. Wenn nötig, nach etwas mehr Wasser einarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und bei Zimmertemperatur mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen (m: meinen Teig im Kühlschrank 2 Stunden ruhen lassen).

Dann die Pasta zu Teigsträngen von ca. 1,5cm Durchmesser rollen und durch die Demetra-Walze kurbeln. Auf einem sauberen Küchenhandtuch auslegen.

Buschbohnen gipfeln, in kürzere STücke schneiden und in Salzwasser al dente garen. Mit kaltem Wasser abschrecken und zur Seite stellen.

Knoblauch fein hacken, Zucchini in kleinere Stifte schneiden. In Olivenöl beides zusammen mit dem Thymian anschwitzen. Von der Salz-Zitrone das Fruchtfleisch auslösen, entsorgen und nur die Schale in feinste Streifchen schneiden. Von der Zitrone die Schale abreiben. Mit Noilly die Pfanne ablöschen. Sahne und Brühe angießen, beide Zitronenschalen zufügen, ebenso die Bohnen. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen. Mit aufgelegtem Deckel ca. weitere 5min sanft köcheln lassen - die Zucchini sollte noch Biss bewahren. Wer mag gibt zuletzt etwas Zitronensaft dazu und kann die Sauce zusätzlich etwas sämiger machen mit einer Roux (kleiner Mehlschwitze, die man klümpchenfrei in die köchelnde Sauce einrührt).

Parallel die Pasta in reichlich Salzwasser al dente garen und abschütten (je länger Zeit die Pasta zum Trocknen hatte, um so länger braucht sie später beim Kochen). Diese unter das Gemüse mischen. Nochmals abschmecken und zum Servieren mit Parmesan bestreuen.

*Anmerkung m: schmeckt auch gut nur mit Zucchini oder nur mit Bohnen/ Thymian läßt sich prima mit Bohnenkraut austauschen/ wers sahniger mag, darf die Sahnemenge nach oben schrauben.

 

Dazu spiele ich euch noch das passende Gute-Laune-Lied ein:


Gastbeitrag: Hannahs Kerbelsuppe

Donnerstag, 23. April 2020


„Grün, grün, grün, sind alle meine Kleider, grün, grün, grün ist alles was ich hab‘. Darum lieb‘ ich, alles was so grün ist, weil mein Schatz ein Gärtner, Gärtner ist.“  Natürlich singen wir „Gärtner“ und nicht „Jäger“, wie es meist heißt, einfach, weil uns die Gärtner viel näher sind als die Jäger. Bei einem Gärtner kann sich auch unsere dreijährige Tochter sehr gut vorstellen, was der so macht – dasselbe was sie auch mit Begeisterung tut. Was ein Jäger so macht, das war noch nie Thema, und ehrlich gesagt weiß ich selbst es auch gar nicht sooo genau und reduziere es wahrscheinlich zu sehr auf das Töten von Tieren und alle jagdbegeisterten Leser können mir wiedersprechen. Wie dem auch sei – nach meinem bisherigen Erleben gehören auf jeden Fall die Gärtner – ähnlich wie die Ornithologen - mit zu den angenehmsten Zeitgenossen. Und mit „Gärtner“ meine ich nicht die Gestalten, die mit Laubbläsern herumrennen, Sträuchern den „Hausmeisterschnitt“ verpassen und Granitstelen statt Hecken pflanzen.  „Gärtner“ sind für mich die Menschen, die leuchtende Augen bekommen, wenn die ersten Knospen schwellen, deren Händen man die Arbeit ansieht, in deren Gesichtern sich die Jahreszeiten eingekerbt haben. Menschen, die vor zarten Pflanzen andächtig in die Knie gehen, um sie zu bestaunen, Menschen, die sich sehnlichst Regen wünschen, wenn alle anderen vom „schönen Wetter“ schwärmen. Menschen, die in dem Verständnis leben, dass Pflanzen auch ein Wesen innewohnt. Menschen, die raunen: „Der Kerbel steht so schön – wann machen wir mal wieder Kerbelsuppe?“ Und genau diese Suppe essen wir dann mit großem Genuss.


Zutaten:

2 sehr große Gärtnerhände voll Kerbel (wer ihn nicht im Garten hat, sondern kaufen muss: 2 Bund)
1 Stange Lauch
500 g Kartoffeln
¾ l Gemüsebrühe
¼ l Weißwein *
1 Zitrone, Saft zum Abschmecken
150 – 250 ml süße Sahne (je nachdem wie kerbelbetont / sahnig man die Suppe mag)
Rapsöl zum Andünsten
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
Optional: 2 Eigelb **

Zubereitung:

Kerbel waschen und verlesen, dabei die dickeren Stengel abknipsen, die dünnen Verzweigungen zwischen den Blättern kann man ruhig dran belassen.
Kartoffeln schälen und in kleine Stücke schneiden, Lauch putzen und in Ringe schneiden.

Lauch in Rapsöl andünsten, Kartoffelwürfel und die Hälfte des Kerbels dazugeben. Kurz mit dünsten dann mit Weißwein ablöschen und mit Brühe aufgießen. Zugedeckt köcheln lassen bis die Kartoffeln gar sind. Dann den restlichen Kerbel dazugeben und alles pürieren. Nun mit Salz und Pfeffer sowie Zitronensaft abschmecken. Die süße Sahne mit etwas geriebener Muskatnuss sowie einer Prise Salz würzen und dann leicht anschlagen. Unter die Suppe ziehen.

* Da bei uns kleine Gärtner(innen) mitessen, ersetze ich den Weißwein durch mehr Brühe plus ein Schluck Weißweinessig. Weißwein ist aber schon feiner.

** Um aus der Suppe eine richtige Festtagssuppe zu machen (und wer Verwendung für zwei übrige Eiweiß hat) kann sie mit 2 Eigelb legieren. Diese dazu einfach verquirlen und nach dem Pürieren in die Suppe rühren. Dann nicht mehr kochen!


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.

Malerischer Schmaus: Rote Bete Knödel mit Bleu

Mittwoch, 4. Dezember 2019


Dreierlei Eigenschaften lassen sich von meiner Zeit, in der ich mich am Theater und später an der Akademie mit Kunst beschäftigt habe, auf meine jetztige Küchen-Tätigkeit übertragen:

* das sinnliche Erlebnis, das jedes (Kunst)Handwerk mit sich bringt (Bildhauerei und Kochen auf jeden Fall sehr)
* die Freude am Gestalten - denn jedes Handwerk transformiert Materie in ein neues Gewand
* sowie meinen Hang zur Schöngeisterei

Gerade letzter Punkt zeigt sich besonders dann,  wenn ich für Gäste koche. Jeder Teller soll gefällig aussehen. Optisch. Farblich. Das Auge soll direkt nach der Nase als erstes verführen. Sämtliche Sinne sollen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, schon bevor man nach Messer und Gabel greifen könnte. Wunschdenken jedes ambitionierten Kochs vermutlich.

Also versuche ich dann in der Küche nicht *Malen nach Zahlen* sondern *Malen mit Zutaten* zu spielen. Ist glatt übertrieben, klaro, aber so als grobe Richtungsvorgabe... ihr versteht...

Ganz schnell kommt bei derlei Pinselei mein Feinliebchen Rote Bete auf den Tisch. Dieses Rot! Eine intensivere Farbe kann man sich kaum wünschen. Als ich diese Knödel bei Susanne entdeckte, war der Nachkoch-Implus direkt aktiviert. Ich finde, diese Knödel sehen hyper delicieux aus. Ein echtes Sonntags-, Feiertagsessen! Der Teig war im Vergleich zu anderer Knödelmasse relativ weich und ließ sich nur mit feuchten Händen bei mir formen. Deshalb garte ich sie vorsichtshalber über Dampf. Ihre Konsistenz auf dem Teller wiederum ist dafür eher etwas fester. Vorbereiten lassen sie sich prima (wenn man sie später dann einfach halbiert und kurz in der Pfanne röstet) - ein weiteres, wichtiges Kriterium um in meinen Menu-Vorschlägen wieder aufzutauchen. Und soviel sei verraten: diese Knödel werden es!

Der zarte, sahnige Lauch hat mir als Begleitung ebenfalls super gefallen. Fehlt nur noch als letzter Hinweis: sucht euch einen Bleu mit Charakter aus - er soll schließlich im Knödel vorzuschmecken sein! Bref: ländliche Festtagsküche wie ich sie liebe!


Zutaten 2P:

125g Knödelbrot (m: gewürfeltes Baguette vom Vortag)
1 Schalotte
Sonnenblumenöl zum Braten
100g gekochte Rote Bete
2 Eier
70g Bleu (m: bleu de brebis)
1-2 EL Mehl (m: Dinkel 1150)
1/4 TL Koriander, gemahlen
Salz
2 EL gehackte Petersilienblättchen

zum Servieren:
Parmesan, frisch gerieben
Kresse


Zubereitug:

Das Baguette in Würfel von etwa 1cm schneiden.

Schalotte schälen und fein hacken. Etwas Öl in einer kleinen Pfanne erhitzen, die Schalotte darin glasig andünsten. Zum gewürfelten Brot in die Schüssel geben.

Die gekochte Roten Bete schälen, würfeln und zusammen mit den Eiern pürieren. Käse in kleine Würfel schneiden. Rote-Bete-Püree, Käse, Petersilie und Mehl zum Knödelbrot geben, alles mit den Händen gut durchmischen und mit Salz abschmecken. 30 min durchziehen lassen. 

Aus der Masse nun mit feuchten Händen ca. 5 kleine Knödel formen. In einem weiten Topf reichlich Salzwasser erhitzen und die Knödel darin für ca. 15 min garen. Das Wasser soll simmern, nicht sprudelnd kochen, sonst zerfallen die Knödel leicht. Wer befürchtet, dass die Knödel nicht halten, kann sie auch in einem Dämpfeinsatz über kochendem Wasser garen - m: ich habe sie über Dampf gegart. 

Die Knödel mit einem Schaumlöffel herausnehmen und gut abtropfen lassen und auf den gegarten Rahm-Lauch setzen. Zum Servieren mit geschmolzener Butter, frisch geriebenem Parmesan und gehackter Petersilie anrichten.



Verveine oblige: Glace au Verveine

Donnerstag, 10. Oktober 2019


Natürlich stellt sich auch in eher ungewöhnlichen Berufen Routine ein. Die Führung durch unseren Garten mache ich mit sämtlichen Neuankömmlingen, die zum ersten Mal bei uns urlauben - was für mich bedeutet, dass ich den Rundgang jede Saison oft begleite und meist ähnlich gestalte. Am allerliebsten zeige ich unseren Garten im Frühling, wenn ich nur mit Mühe meine stolzgeschwellte Brust im Zaum halten kann (und nicht nachdem ein staubtrockener und knochenheißer Sommer die Pflanzen in den Überlebensmodus getrieben hat).

Regelmäßig stehe ich dann mit unseren Frischlingsferiengästen auch vor unseren Verveine-Sträuchern und stimme ein kleines Loblied auf ihn an. Ich bin großes Fan-Girl - ich liebe Verveine von der ersten Begegnung an sehr! 

Zitronen-Verbene ist hier in Südfrankreich der klassische tissane (Kräutertee), den man vorzugsweise angeboten bekommt, wenn man Lust auf ein heißes Kräutergetränk hat. Doch mit Verveine lässt sich überhaupt wunderbar parfümieren - etwa Obst. Er hat ein unvergleichbares, zartes, frisches Aroma, das an Zitronenmelisse erinnert aber deutlich lieblicher ist. Die Quote all unserer Feriengäste, die nach einem Aufenthalt bei uns mit einem Verveine-Pflänzchen nach hause zurückkehren, ist dementsprechend hoch. Wer einmal frischen Verveine kennengelernt hat, kann ihm eigentlich nur verfallen. Ich habe Verveine sogar als Parfüm. Ich kann mich an Verveine weder satt riechen noch daran übertrinken.

Bevor ich unsere Sträucher ein letztes Mal stutze, bot sich als süßer Abschluß ein Eis an, das auch gut zum herrschenden Altweibersommer passt. Schon ein Mal bereitete ich ein Eis aus Verveine zu - damals mit Hilfe eines Sirups. In dieser Variante habe ich die Milch aromatisiert. Es freute mich sehr, dass der feine Verveine-Geschmack im Eis von meinen Verkostern erkannt wurde.


Zutaten:

175ml Milch 
50g Mascarpone
200ml Sahne, geschlagen
50g Honig (etwa Akazie)
20g Rohrzucker
ca.3 große Zweige Verveine (etwa 7g)
2 sehr frische Eigelb

Zubereitung:
  
Von dem Verveine-Blättern die Mittelachse herausschneiden, fein schneiden und zusammen mit dem Rohrzucker in einem Mörser fein zerreiben. Die Milch zusammen mit dem Verveine zum Kochen bringen, etwa 5min sanft köcheln lassen, dann die Mascarpone darin glatt  rühren und über Nacht ziehen lassen.

Am nächsten Tag die Milch nochmals erhitzen und durch ein Sieb streichen. Den Honig in einer Metallschüssel flüssig werden lassen, die Eigelbe dazugeben und beides schaumig aufschlagen. Die heiße Milch nach und nach unterrühren. Die Masse über einem heißen Wasserbad unter Rühren aufschlagen, bis die Masse dickflüssiger wird (Fachchargon: zur Rose aufschlagen). Achtung: Nicht zu heiß werden lassen, sonst gerinnen die Eigelbe.
  
Die Masse in eine Schüssel mit Eiswasser stellen und kalt rühren. Die Sahne steif schlagen und unter die Eismasse heben. Das Verveine-Eis in der Eismaschine gefrieren lassen (ersatzweise im Gefrierfach in 4-5 Stunden fest werden lassen, dabei häufig und gründlich durchrühren).


Locus amoenus - Blitz-Erdbeereistörtchen

Donnerstag, 4. Juli 2019


Ich bin umgetopft und ausgewildert, sage ich über mich selbst gerne. Und das ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ohne Natur um mich kann ich nicht atmen. Zumal ich das Glück habe, an einem Kraftort zu leben, einem locus amoneus quasi, einem Ort voller guter, klarer Energie. Im Sommer gibt es obendrein noch locus amoneus II (ich berichtete... mehrfach und wiederholt) wo ich immer wieder hautnah erlebe, wieviel Kraft in purer Natur steckt und wie alleine das Verweilen an solchen Orten wie eine kleine Therapie wirken kann. Man kann das Einfühlen und damit Erkennen solcher Orte üben. Der Habib und ich machen uns einen Spaß daraus, uns gegenseitig auf solche Orte hinzuweisen. Umgekehrt - mit viel bad energy - die gibt es ebenfalls massig. So arbeitet man sich von großen Unterschieden zu immer feineren Nuancen vor.

Bei Menschen bin ich mittlerweile auch gut darin zu erkennen, wer welche Ausdünstung um sich verteilt, wie sie wirken, aufspielen, blenden, antäuschen (Mimikry halt). Die Mechanismen gleichen sich verblüffend. Da verdanke ich der Homöopathie viel, beziehungsweise dem tiefen Verständis meines Habibs davon.

Was kann man sich nicht alles draufschaffen - so lange es keine Gabe ist! Gut, was die Sinneswahrnehmung angeht scheidet der Mensch im Vergleich mit Tieren äußerst bescheiden ab. Jede Fledermaus orieniert sich besser, jeder Hund riecht mehr, jeder Elefant hat ein besseres Gedächtnis uswusf. Nur mit Maß und Zahl können Tiere nichts anfangen. Immerhin lassen sich die Sinne bei manchen Menschen zumindest schärfen - bei stumpfen Rettichen ist wohl nichts mehr zu machen (*Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen*). Aber nehmen wir etwa Musiker: die besitzen oft ein deutlich besseres Gehör als andere. Oder ein ganz banales Beispiel: als ich aufs Land zurückgezogen bin, musste ich das Riechen erst wieder üben. In der Stadt hatte ich es mir nahezu abgewöhnt, weil der Gestank einfach überwog.

Oder eine Geschichte, die mich sehr faszinierte, erzählte uns unserer Osteopath. Ein guter. Sein Können machte eine Operation - die mehrere Ärzte angeraten hatten - unnötig. Während seiner Ausbildung lernte er mit seiner Hand Blockaden aufzuspüren. Er trainierte diese Fähigkeit, in dem er unter ein Blatt Papier ein Haar legte und die Lage nur mit der Hand, die er darüber gleiten ließ, aufspürte. Als er das konnte, wurde von seiner Lehrerin ein zweites Blatt Papier darübergelegt und das Üben ging weiter. Ist das toll?! Was alles erlernbar ist - wenn man es will, wenn man sich übt, wenn man dranbleibt. Schon echt toll, was Mensch alles an Können entwickeln kann!


Mit dieser kleinen Süßspeise habe ich es mir einfach gemacht - einfach, weil die Mara du bois, die Königin unter den Erdbeeren, keinen großen Hofstaat braucht. Hier gilt es lediglich den richtigen Moment abwarten, den das Törtchen zum Antauen braucht (bei uns in der Wärme etwa 5min - dann geht ein Messer ganz leicht durch). Etwas Schlagsahne dazu.... njami!

Natürlich könntet ihr das Törtchen auch leicht (im Sinne von vorhandenen Rezepten - jedoch nicht was den Zeitaufwand angeht) raffinierter machen: ihr füllt das ultimative Erdbeer-Eis in die Förmchen oder sucht euch etwas aus dem reichhaltigen Erdbeer-Fundus zu den Beeren aus ...


Zutaten - 4 Förmchen à 125ml Füllmenge:

250g Erdbeeren
125g Sahne
150g Quark (m: Faiselle) 
50ml Holunderblüten-Sirup
10g Vanillezucker (m: eigener)

150g Sahne

Zubereitung:

125g der Erdbeeren fein pürieren, mit Quark, Zucker und Sirup mischen. 125g Sahne schlagen und untermischen. Die Masse auf die vier Förmchen verteilen und kalt stellen - am besten über Nacht.

Zum Servieren weitere 150g Sahne schlagen, die restlichen 125g Erdbeeren klein schneiden, ebenfalls mit Holunderblüten-Sirup marinieren. Zusammen auf einem Teller anrichten. Die Törchten vor dem Servieren unbedingt (!) etwas antauen lassen (sonst sind sie nämlich durch die Eiskristalle zu fest gefroren zum Verzehr).



Prinzipien: Petersilien-Kartoffelknödelchen mit Rahm-Porree

Sonntag, 24. Februar 2019


Gerade wurde ich gefragt, welche Erkenntnis ich im Bezug auf Kulinarik weitergeben kann. Eine schöne Frage, denn nachdem ich nun bald 8 Jahre blogge, fühle ich mich berufen, dazu etwas sagen zu können. 8 Jahre... tsss. Und bald 14 Jahre Seite an Seite mit dem Habib.

*Zeit* - was ein Mysterium! In der Schule konnten sich je nach Fach und Lehrer 5 Minuten wie die Begegnung mit der Ewigkeit anfühlen. Oder wie monatelang hinter Gitter. Festgeklebt an einen Stuhl. Tja, und jetzt bald 8 Jahre Foodbloggerei. *Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät*. Zumindest weiß ich, wer schuld ist. Der Habib, der alte Zeitbeschleuniger - das hatten wir ja schon.

Aber zurück zu dem, was ich gelernt habe über das Kochen und Essen. Es ist heute ein Konglomerat aus mehreren, schlichten Komponenten, die alle aufeinander abgestimmt sein wollen - etwas, worin sich unser Landleben, die Zufriedenheit, das Zurückgezogene, beziehungsweise das französische *Savoir vivre* wiederspiegelt:

  • Weniger gut gemacht, ist besser als immer noch eins obendrauf setzen zu wollen!
  • Koche schlichte Gerichte gut und variiere sie immer wieder etwas!
  • Setze dich zum Essen hin – gerne in Gesellschaft - und nimm dir dafür großzügig Zeit! 
  • Schalte deine Sinne an!
  • Führe gute und friedevolle Gespräche!

Wer zwischen den Zeilen liest, dem erzählen die Rezepten auf dem Blog nichts anderes. Alltägliche Ernährung kann auf diese Weise lust- und hingabevoll bleiben. Wie frisch verliebt - die Kür am Herd quasi. Wirklich, auf diese Weise erhalte ich mir die Freude am Kochen und ganz nebenbei auch an der Bloggerei.

Diese Petersilien-Kartoffelknödelchen samt dem Rahm-Porree sind ein Spitzen-Beispiel, denn Kartoffelknödel sind in Süddeutschland vom Teig her dem Bubenspitzle/ Schnupfnudeln art- bzw. teigverwandt. Wie allseits bekannt zählen Schupfnudeln zu einer meiner Leibspeisen - daher bereite ich sie gerne und häufig zu (s. Archiv - auch unter Knödel und Gnocchi = alles Spielarten). Logo, brauche ich für sie längst auf kein Rezept mehr schauen. Die mache ich - wie der Fränzi so hübsch sagt - par cœur.  Für das Blog aber habe ich mir eine Waage dazu gestellt.

Für dieses Mal also formte ich sie rund - das gibt im wahrsten Sinne des Wortes einen neuen Dreh. Ähnlich wie bei Pasta - die je nach anderer Form anders zu schmecken scheint - schmecken Knödel einfach anders als kleine Bubenspitzle. Kartoffeln-Knödel-Varianten gibt es wiederum sehr viele - jede Region scheint ein eigenes Rezept zu haben. Wir mögen sie so - mit etwas Biss und angebraten - einfach seit jeher am liebsten.


Zutaten:


350g Kartoffeln, am Vortag gekocht
1 Ei
80g Mehl (m: D1050)
1 Schalotte
2 EL Petersilie 
1 EL Schnittlauch
Salz, Pfeffer
1 Stich Butter
Rapsöl

4 Stangen Lauch (ca. 500g)
20g Butter
150ml Gemüsebrühe
100ml Sahne
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
(optional: etwas Zitronenabrieb oder Meerrettich)

Veggie-Jus

Zubereitung:

Petersilie fein hacken, Schalotte ebenfalls. Schalotte in der Butter glasig dünsten, kurz vor Ende die Petersilie zufügen und kurz mitbraten. Kartoffeln schälen, fein pressen, mit dem Mehl vermengen. Restliche Zutaten sowie die Schnittlauch-Röllchen untermischen und kräftig abschmecken (Kartoffel braucht entsprechend Salz). Aus dem Teig 10 Knödel formen. Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen und die Knödelchen darin garen - fertig sind sie, wenn sie an die Wasseroberfläche steigen. Abschöpfen und abkühlen lassen.

Den Porree putzen, waschen und in Ringe schneiden. Butter in einer großen Pfanne erhitzen und den Porree darin anschwitzen. Mit Gemüsefond und Sahne aufgießen, salzen und pfeffern und die Prise Zucker zufügen. Bei milder Hitze weichgaren - mit einer kleinen Roux binden.

Vor dem Servieren die Knödel halbieren und in Öl von der Schnittseite knusprig braten. Rahm-Porree mit den gebratenen Knödel anrichten - mit etwas Sauce garnieren.

Anmerkung m: Wer mag, würzt den Lauch noch entweder mit Zitrone oder Meerrettich. Ein Schüßchen Noilly Prat schadet in meinem Universum auch nie. Ich habe ihn schlicht und lieblich belassen - der Kontrapunkt machte hier ca 2 EL Veggie-Jus pro Teller
 

Schicksalstag: Schneewittchen-Torte

Montag, 1. Oktober 2018


Was ist Wahrheit? Was ist Liebe? Was Schicksal? Was Zufall? Was Gott?

Das sind eigentlich alles keine Fragen, die als Diskussionsgrundlage dienen könnten. Es kommt halt drauf an...

Einer meiner *zu Tisch mit...*-Erlesenen, Moritz Bleibtreu, gab dieses Jahr in einem Interview folgende Antwort: *Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Allerdings verachte ich die Kirche. [...] Ich habe unlängst mit meinem neunjährigen Sohn über Gott geredet. Und da sagte ich ihm, dass ich es toll fände, wenn jeder für sich seinen eigenen Gott definieren würde. Da wäre doch die Welt viel schöner und bunter. Da könnten wir uns doch alle untereinander austauschen.*

Mir hat sofort gefallen, dass Moritz seinen eigenen Weg sucht und sich nicht an Vorgaben oder Trampelwegen orientiert. Exakt mein Ansatz, nämlich der der Individualität und damit der Freiheit. So nur dürfen andere anders sein. Überhaupt bin ich fest davon überzeugt, dass genau das der Schlüssel zu nahezu allem ist: die höchstpersönliche, individuelle Erfahrung. Die eigene Neugier. Ohne die fehlt einem das nötige Erlebnis und die damit einhergehende Einsicht. Ohne eigene Erfahrung kann einem - ganz wie es etwa die Esoterik so hübsch betreibt - jeder alles erzählen. Es reicht einfach nicht, über die Liebe ein Buch gelesen zu haben. Es braucht die Erfahrung. Bon, vermutlich muß man dennoch kategorisch zwischen zwei Typen Mensch unterscheiden. *Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder oder so als wäre alles ein Wunder*, sagt Einstein. Nicht alle Türen stehen allen offen.

Die Begegnung mit dem Habib war mein Kismet. Maktub. Eine feste Säule. Die große Wende. Ich wußte es sofort, weil mir das erste Zusammentreffen den Atem nahm. *Du bist atemberaubend* - das habe ich nur ein einziges Mal in meinem Leben erlebt. Und ich bin SO froh, dass auf meine Sinne Verlaß war. Keinen Wimpernschlag zögerte ich, alles Vertrauen auf diese eine Person zu setzen. Man hielt mich damals für verrückt.

Selbst wenn ich versuchen kann, Erklärungen zu finden, nötigt mich meine eigene Geschichte immernoch zum Staunen. Eben weil ich erlebt habe, dass es eine viel größere Weisheit gibt, als die, die ich nur erahnen kann, die des Magnetismus. *Magnetes Geheimnis, erkläre mir das! / Kein größer Geheimnis als Lieb und Haß* (Goethe). Wie konnte es sein, dass ich mich in den Habib verliebte? Hinweg über die Konvention, dass man sich einen Partner ungefähr gleichen Alters sucht. Ihr entschuldigt, aber auch dafür lasse  ich mir wieder helfen. *Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe (Goethe). Herz zieht mit Kopf am gleichen Tauende.

Was lasse ich mir gerne Kennenlerngeschichten erzählen. Sie sind so vielfältig, so unendlich unterschiedlich, so schicksalshaft, so unerklärlich. Zwei sich kreuzende Wege, die für zwei Menschen Epoche machen. Märchenhafter Zufall. Oder wie nennt ihr das?

Logisch, dazu braucht es einen süßen, ebenfalls märchenhaften Support: die Schneewittchen-Torte, die so rot wie Blut, so weiß wie Schnee und so schwarz wie Ebenholz ist. Es ist eine Torte für Einsteiger, eine Torte für Unambitionierte, für Blender, für Angeber ohne viel Können - also die perfekte Torte für jemanden wie mich. Ich hob sie mir auf, für eine kleine deutsche Kuchentafel hier in Frankreich. Wohlwissend, dass die Fränzis die *Kaffee-und-Kuchen-Exotik* sowieso nicht zu schätzen wissen. Den Boden kennt ihr ähnlich bereits: es ist eine Abwandlung von diesem Blog-Buster-Marmorkuchen. Eine grundsolide, geschichtete Kombi, machbar selbst mit zwei linken Händen und ohne eine einzige Tülle aber mit Effekt auf dem Teller. Wer mag mit Assoziation zur legendären Schwarzwälderkirsch...



Zutaten - Springform /Tortenring:

150g Mehl
1 TL Back-Pluver
1 Pr Salz
125g Butter
125g Zucker
3 Eier (klein, oder 2 große)
60ml Sahne
2 EL Nutella
1 EL Kakao
50g gehackte Schokolade (70%)
Tonka-Bohne
1 Msp Nelke, gemahlen
1/2 TL Kardamom
1 Glas Sauerkirschen
1 EL Kirsch

200g Sahne
400g Quark
50g Mascarpone
50g Puderzucker
5 Blatt Gelatine
4 EL Orangensaft, frisch

250ml Kirschsaft (von Kirschen im Glas)
1 Päckchen roter Tortenguß

Zubereitung:

Ofen auf 175° (O/U-Hitze) vorheizen.
Kirschen abschütten und gut abtropfen lassen. Saft auffangen und für später zur Seite stellen. Wer mag mariniert die Kirschen mit 1-2 EL Kirsch-Schnaps.

Mehl, Backpulver und Salz durchsieben und beiseite stellen. Schokolade hacken. Eine Springform von 26cm Durchmesser buttern und mehlen.

Butter, Zucker und Tonkabohne schaumig rühren. Eier nacheinander einrühren bis die Masse hellcremig ist. Sahne einrühren. Mehlmischung gerade so lange einrühren, bis ein homogener Teig entstanden ist.

Den Teig auf 2 Schüsseln aufteilen. In die eine Hälfte das Nutella, das Kakao-Pulver, die Schokoladenstückchen und den Kardamom sowie die Prise Nelkenpulver einrühren.  In die Springform zuerst den hellen, dann den dunklen Teig einfüllen - zuletzt die Kirschen darauf verteilen und die Oberfläche glatt streichen (dabei die Kirschen etwas in den Teig drücken). Etwa 35-40 Minuten backen. Auskühlen lassen.

Den Kuchen auf eine Platte umsetzen und mit einem Springring versehen. Die Gelatineblätter in Wasser einweichen. Die Sahne steif schlagen. Quark mit Mascarpone und Puderzucker verrühren. Die Gelatine ausdrücken und mit dem Orangensaft auf kleiner Flamme in einem kleinen Topf auflösen. Zuerst mit 2-3EL Quark gut vermengen, dann mit dem restlichen Quark. Zuletzt die Sahne untermischen.

Nun nur noch nach Packungsanweisung den roten Tortenguß mit dem Kirschsaft herstellen, etwas abkühlen lassen, dann mit einem Eßlöffel auf der Quarkmasse verteilen und glatt streichen. Kühl stellen - am besten über Nacht. Um den Tortenring zu lösen, mit einem Messer daran entlang fahren. Zum Aufteilen der Kuchenstücke habe ich ein entsprechendes Kuchengitter auf den ausgekühlten Torgenguß gedrückt.

Inspiration: CK