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Schnipp-Schnapp: Risotto mit Möhren, Radicchio und Maronen

Freitag, 11. Februar 2022

 

Yoga lehrt, dass zwar alle Menschen Bauch-Beine-Po uswusf. haben - aber eben sehr unterschiedliche. Eine meiner Yogalehrerinnen weißt gerne darauf hin, dass sie mit T-Rex-Armen ausgestattet ist - weshalb ihr manche Assanas leichter und andere schwerer fallen. Ich bin das gegenteilige Team, ich bin #Team Orang-Utan-Arme. Jetzt habe ich auch lange Beine, so dass ich meine Arme nicht hinter mir herschleifen muss (keine Sorge, ich komme damit zurecht). Doch manchmal würde ich schon gerne die Ärmel einer Jacke oder eines Pullis zurückkrempeln müssen - sieht doch gleich viel lässiger aus - eine Situation, in die ich nicht komme. Beispielsweise.

Und gerade beim Bäume-Schneiden bei sonnigen Vorfrühlingstemperaturen reichen mir meine langen Arme auch zum Vorteil. Gemeinsam mit einer Teleskop-Astschere - also einer Schere, die man stufenweise ausziehen und verlängern kann - ist meine Reichweite gar nicht schlecht. Schon kommt das *Aber*: wären da die Hebelkräfte nicht. Jetzt schreibe ich mich vermutlich schnell um Kopf und Kragen. Mein Physiklehrer, dessen letzte Klasse wir vor seiner Pensionierung waren, fand nach den vielen Jahren seines Unterrichtes zu dem Schluß, dass Mädchen Physik nicht verstehen. Sehr leider wurde mir die Glorie nicht zuteil, ihm vom Gegenteil überzeugen zu können. Ehrlich gesagt: mir kommt es vor, als hätte ich nie Physik gehabt.

Zum Thema Hebelkräfte dämmert mir etwas. Und die dürften nicht nur auf die *Spitze* meiner Astschere wirken, genauso ebenfalls auf die Breite meiner Arme, mit denen ich die Astschere schließe - sowohl in Bezug auf Hände wie auf Schultern, oder? (wer sich berufen fühlt zur Erhellung: salzkorn@email.de - ich lese mit Neugier!). Ein Eindruck, der sich direkt verstärkt, wenn ich die Astschere austausche durch die kleine Teleskop-Motorsäge (= schwerer). Bref: abends ziehen Bleigewichte an meinen Armen und sie schleifen doch am Boden. Definitiv kein Bedarf mehr an Chaturangas...

Und um noch kurz das Thema Baum-Schneiden zu streifen. Auch da gibt es zwei Lager. Das eine besagt, man müsse nach einem Rückschnitt einen Hut durch die Baumkrone werfen können (coucou Christiane). Das andere Lager - vertreten etwa durch Agrar-Rebell Sepp Holzer - postuliert die Meinung, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. Ich neige ja langsam, dem Sepp Recht zu geben. Gerade nachdem ich nun vor unseren geschnittenem Bäumen stehe und die mir demonstrieren, dass ich keinerlei Ahnung habe. So ein Ast eskaliert an der Schnittstelle völlig und unzählige Ästchen schießen in alle Himmelsrichtungen. Das Wort *Wildwuchs* erhält eine völlig neue Bedeutung, wenn man vor so einem Strubbelpeter-Baum steht. Und ich könnte aus dem (jetzt definitiv notwendigem) Schnitt dann schier eine Doktor-Arbeit machen. Eine Wissenschaft für sich. Sollte ein erfahrener Gärtnermeister im Baumrückschnitt in Südfrankreich mal Urlaub machen wollen... er wird erwartet!



 

Die Eingebung für dieses Risotto, das kurz davor ist ein Eintopf sein zu sollen, flog mir hingegen einfach zu - und von dort quasi in den Mund. Ausschlaggebend war der Radicchio im Garten, der sich eifrig anbietet. Es geht doch nichts über guten Samen (coucou Maria): diese robuste, italienische Sorte verbreitete sich selbstständig und eigensinnig - selbst an völlig anspruchslosen Standorten.

Das Bittere des Radicchio wird sehr schön von Karotten und Maronen ausgeglichen. Letztere Kombi findet sich übrigens im Bloguniversum auch in dieser Quiche wieder.


Zutaten 2P:

150g Risotto-Reis (m: Halb-VK)
1 rote Zwiebel
2 Karotten (ca. 200g), in 1/2cm Würfel geschnitten*
1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
1 TL Kreuzkümmel
1 Zweig Rosmarin, fein gehackt
100g Kastanien (m: eigene oder gekocht, vakuumiert)
1 TL Mandelmus
75g Radicchio, in feine Streifen geschnitten
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 Mandarine, Saft davon
2 TL Granatapfelsirup
Gemüsebrühe
Granatapfel-Kerne zur Deko
Olivenöl

 Zubereitung:

Die forte Zwiebel und den Knofi fein würfeln. Die Möhren schrubben und in kleine Würfel von ca 1/2cm schneiden.

Das Olivenöl in einem Topf erhitzen, die Zwiebel glasig dünsten. Dann Knofi und Kreuzkümmel sowie den Risotto-Reis kurz mitrösten. Rosmarin zufügen und Brühe anschütten, so dass der Reis gut 2cm damit bedeckt ist und bei schwacher Hitze und geschlossenem Deckel vor sich hinsimmern lassen - dabei  immer wieder umrühren, damit nichts anhängen kann. 

In d Mitte der Garzeit die gekochten Maronen unterziehen. Kurz vor Ende der Garzeit den in Streifen geschnittenen Raddicchio untermischen. Würzen mit Piment und dem Saft einer Mandarine. Salzen und peffern und mit dem Mandelmus cremig rühren (gegebenenfalls noch etwas Gemüsebrühe nachschütten).

Zum Anrichten auf dem Teller mit Granatapfelsirup beträufeln und mit Granatapfelkernen dekorieren.

Anmerkung m: die Karotten lassen sich prima auch durch Kürbis ersetzen - mein bevorzugter wäre wie eigentlich immer der Butternut/ Ich verwende Risotto-Reis demi-complet, der in der Garzeit etwas länger benötigt, aber auch keine ganze Stunde wie Vollkorn-Reis




Geld 1 - Pastinaken-Gnocchi mit geschmortem Radicchio

Donnerstag, 11. Februar 2021

 
 
Eines dieser großen Mysterien dieses Planeten ist für mich Geld. Wie abstrakt eigentlich, dass ein bißchen bedrucktes Papier schier alles bestimmt, oder? Vielleicht staune ich nochmals mehr mit offenem Mund, weil ich das Kind eines Bankkaufmanns bin. Sparkässler um genau zu sein. Tatsächlich gibt es Kinderfotos von mir, wo ich in eines dieser roten Shirts mit dem weißen Emblem gesteckt wurde! Schlimm, also echt: als wandelnde Werbe-Litfass-Säule für den Beruf vom Papa. Es war eben auch die Zeit, in der die Vater-Generation stets in ein und dem selben Betrieb arbeiten sollte - voller Hingabe opferten sie diesem ihre Lebenszeit und er schenkte ihnen im Gegenzug ihre ganze Identität. Nichts schlimmer als Rente, denn was blieb dann noch. Mein Vater saß selbst an Weihnachten im Anzug zwischen seiner Familie, die Sparkassen-Anstecknadel am Revers.
 
In jedem deutschen Dorf gab es eine Sparkassen-Niederlassung. Die Geld-Oma ging mindestens ein Mal wöchentlich zur Filiale - auch weil die dortige Leiterin (und einzige Angestellte) DER Umschlagplatz für allen Klatsch und Tratsch war. Wer von Isolde zurückkam, war anschließend besser als gut über die Zustände der einzelnen Gemeindemitglieder informiert.
 
Und - bien sûr - machte ich das komplette Grundprogramm mit: von Sparschwein, Weltspartag bis Mitgliedschaft im Knax-Club. Ach, damals schien die Welt noch in Ordnung. Man glaubte, dass das eigene Geld treusorgerisch verwaltet werden würde. Keiner wäre auf die Idee gekommen, dass dort Menschen um ihre Altersabsicherung gebracht werden, noch trübten ans Licht gekommene systematische  Betrugsmaschen das Verhältnis. Tja, damals gabs auf ein Sparbuch satte 5% Zins.
 
Und heute? Heute werden jene, die finanzielle Rücklagen bilden wollen, von vielen Banken bestraft mit einem Negativzins.  So à la: Was, Sie wollen Geld bei uns hinterlegen? Nicht mit uns! Soweit kommts noch! - Ist das irre? Und nix mehr mit Geld ist Geld. Schon gar nicht bei der Bank. Wenn man monatlich mehr als 50 Euro Münzgeld in der Bank abgeben will, dann verlangen viele dafür mittlerweile Gebühren (bis zu 7 Euro)  - problematisch beispielsweise für Bäckereien, bei denen traditionell viel Kleingeld zusammenkommt. Das muss man sich mal vorstellen! Wohin sind die Werte meiner Kindheit *Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert* oder *Spare in der Zeit, dann hast du in der Not* sowie das alte Straßennutten-Freiheitsmotto *Nur Bares ist Wahres* hin verschwunden?

Tja, und wie sieht der Dank der Banken an ihre Kunden aus? Hochriskante Spekulationsgeschäfte brachten zuletzt viele Geldhäuser in Schieflage - man erinnere sich an die letzte Finanzkrise 2008. Doch das Schöne für diese Institutionen ist: wer haftete nämlich für deren grandiose Misswirtschaft? Anleger und Steuerzahler. Bei der nächsten Krise, wenn wieder mehrere Banken gleichzeitig ins Wackeln kommen sollten, ob dann ein Einlagefond hält, was er verspricht? Und ob der Einzelanleger tatsächlich im Fall der Fälle so systemrelevant ist wie die Bankhäuser, die weltweit operieren...
 
Banken wie Börsen haben längst nichts mehr mit ihrer ursprünglichen Aufgabe als Dienstleister zu tun. Die Börse sammelt kein Geld mehr ein, um es Unternehmen zur Verfügung stellen zu können, sie ist zum Casino mutiert. Man braucht nur mal schauen, wer gerade die großen Profitöre dort sind: Pharma-Aktien (honi soit qui mal  pense) sowie die Technologie-Aktien! Amazon-Aktien konnten alleine letztes Jahr um 65% zulegen, der Kursgewinn von Tesla liegt gar bei 740% - völlig losgelöst von jedem realwirtschaftlichen Gegenwert. Doch nirgends sind Regulierungsbehörden zu finden, die Banken und Börsen Einhalt gebieten würden - im Gegenteil. Bitte, das MUSS man doch kurios finden, oder?

Also ich verstehs nicht! Henry Ford sagte *Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, dann hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh*. Und jetzt frage ich euch: was ist denn eigentlich falsch daran, wenn man erkennbar kritisch über ein solches System nachdenkt? Wer brandmarkt denn all jene zu Verschwörungstheoretikern und warum? Mit welchem Recht?
 


Pastinaken gelten als altes, unterschätztes Gemüse, wieso sie mir trotzdem nicht sonderlich schmecken. Ich griff nach ihnen auf dem Markttisch, um etwas Abwechslung ins Kohl-Geschäft zu bringen. Und auch, weil ich einem Rezept für Pastinaken-Gnocchi begegnet war - allerdings mit völlig schwammigen Mengenangaben: 4 Kartoffeln, 4 Pastinaken, Ruchmehl, Paniermehl... Letzteres ließ mich aufmerken. Das wollte ich probieren! Und Fazit: gerade in Kombination mit der bitteren Note des Radicchio gefielen mir diese Pastinaken-Gnocchi sehr gut. Meine Semmelbrösel sind eher dunkel, daher schmeckt man sie etwas aus den Gnocchi - was mich aber nicht gestört hat.

 
 
Zutaten 2P:
 
250g Pastinaken
250g Kartoffeln (mehlig kochend /m: Agria)
50-60g Mehl (m: D1050)
30g Semmelbrösel
Salz
Piment d'Espelette
Muskatnuss-Abrieb

1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 Köpfe Radicchio (ca. 300g)
Mandarine, Saft davon
1 TL Thymian
2-3 EL Balsamico-Reduktion
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
Olivenöl
2 EL Pinienkerne, geröstet 
etwas geriebener Käse (m: Tomme de Brebis)

Zubereitung:

Kartoffeln als Pellkartoffeln weich garen und schälen. Pastinaken schälen, klein schneiden und in etwas Wasser weich dämpfen. Die beiden zusammen noch warm miteinander gut verstampfen. Gewürze und Mehle untermischen und zügig zu einem homogenen Teig verarbeiten (der Teig sollte nicht mehr sehr kleben - gegebenenfalls etwas mehr Mehl verwenden). Im Kühlschrank etwas abkühlen lassen.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Den Teig in Stränge von ca. 1cm rollen und davon dann Gnocchi abschneiden (m: auf Hartweizengrieß bestreutem Küchenbrett), die Gnocchi nochmals leicht länglich rollen (oder in eine andere, gewünschte Form bringen). Ins Kochwasser geben und mit der Schaumkelle rausheben, wenn sie an die Wasseroberfläche steigen. Warm stellen.

Äußere Blätter des Radicchio entfernen, halbieren und den Strunk entfernen. Radiccio in 4 cm breite Spalten schneiden. Die Zwiebeln etwas gröber Würfeln, Knoblauch fein hacken. 

Olivenöl erhitzen und die Zwiebel darin zusammen mit dem Thymian glasig dünsten. Dann Radicchio zufügen und kurz anbraten und mit Mandarinensaft ablöschen. Salzen, pfeffern und mit Balsamico-Reduktion abschmecken und zugedeckt 2-3 Minuten schmoren.

Den Radicchio auf zwei Teller verteilen, Gnocchi darüber anrichten und Pinienkerne wie Käse zum Servieren darüber streuen.

Anmerkung m: ich mag die meisten Gnocchi lieber, wenn sie in einer Pfanne noch kurz angebraten werden und etwas Röstaroma erhalten. Das geht am besten dann, wenn man die Gnocchi auskühlen und dabei austrocknen hat lassen - am allerbesten sogar, wenn sie am Vortag gemacht wurden. Ansonsten liegt es an einer guten Pfanne, ob sie anhängen oder nicht.

 

Klavier - Mandarinen-Mandelkuchen mit Schokoglasur nach Ottolenghi

Sonntag, 17. Januar 2021


In meiner Kindheit gab es kein Möbelstück, das mehr einen Bildungsbürgerhaushalt repräsentierte als ein Klavier. Und es gab richtig viele von ihnen: in meinem Heimatdorf standen in vielen Wohnzimmern meiner Mitschüler eines. Ein Musikinstrument zu erlernen galt als unverzichtbare Früherziehung - und das klassischste Instrument dafür ist nun mal das Klavier.

Mit Grauen denke ich noch an meine fürchterlichen Klavierlehrer zurück - eine Assoziation, die ich in diesem Leben wohl nicht mehr positiv umkodiert bekomme. Viel Ehrgeiz und Fleiß zeigte ich nicht am Klavier und trotzdem schenkte mir das Klavierspiel manchmal süße Momente der Selbstvergessenheit - und sofort steigen mir wieder die beliebten Kinderszenen von Schumann ins Gehör.

Bei dem Habib ging die Begeisterung fürs Klavierspielen deutlich tiefer und er komponierte damals gar seine eigenen Stücke. Ach, Musik halte ich für eine der wunderbarsten Therapiemöglichkeiten dieses Planeten - wohl dem, der selbst Musik machen kann. Trotzdem führte uns unser beider Leben weg vom Selbermusizieren. Erhalten geblieben ist uns aber ein schönes, altes, hölzernes Klavier. Das wir nun gerne an jemanden abgeben würden, der es wieder bespielt.

Und dabei stellt sich heraus: kein Mensch will heute noch ein Klavier. Selbst auf dem Land nicht, wo die Wohnsituationen nicht so beengt sind wie in den Städten. Ein Klavier - totally out. Gut, jemanden bei den ersten Schritten zu begleiten, wenn er ein Musikinstrument erlernt, das ist für das Umfeld harter Tobak. Doch wohl weniger übel als ein Streich- oder Blasinstrument! Also dass ein Klavier mal zu einem derartigen Ladenhüter verkommt, damit hätten wir nicht gerechnet. Ob das irgendwie mit der amerikanischen Überbewertung von Sport zusammenhängt? Tatsächlich meldeten sich seither lediglich irgendwelche Fledderer, die bereit sind, die Elfenbein-Tasten herauszureißen um uns den restlichen Kadaver zu überlassen. Dabei ist das Klavier top in Schuß! Es müsste lediglich mal wieder gestimmt werden.

So drängt sich die Frage auf, ob in den momentanen Zeiten nicht mehr neu gestimmt werden müsste als unser Klavier.

 


Überhaupt nichts nachjustiert werden muss an diesem Kuchen von Ottolenghi, den ich von Susi aufgegriffen habe und der prima zur dunklen Jahreszeit passt. Von ihr habe ich die reduzierte Zuckermenge übernommen, aber den Kuchen dann auf eine 18er Form umgerechnet. Eine Winzigkeit habe ich dazwischengefummelt: ich habe den Kuchen lackiert mit Bitterorangen-Marmelade. Würde ich beim nächsten Mal genau so wiedermachen. Treue LeserInnen wissen: ich stehe auf speckige, saftige, Brownie-artige Kuchen, die jeden Tag nur besser schmecken! Von der Sorte gibts hier einige im Sortiment. Bei Nachfrage verlinke ich euch gerne den ein oder anderen!

 

Zutaten - 18er-Form:

150g Butter, weich
210g Zucker (m: Rohrzucker)
4 Mandarinen, Schale abgerieben, Früchte ausgepresst
1/2 Zitrone, Schale abgeriebene, Frucht ausgepresst
210 g gemahlene Mandeln
4 Eier, leicht geschlagen
75g Mehl (D630)
1 Prise Salz

Für die Schokoladenglasur:
60 g Butter
100 g Zartbitterschokolade, zerkleinert
½ EL Honig
½ EL Pomeranzenlikör (Grand Marnier...)
Orangenschale, in Streifen, zum Garnieren 

(m: Bitterorangenmarmelade)

Zubereitung:

Backofen auf 160° (Umluft) voheizen.

Den Boden eine 16cm Springform mit Backpapier auslegen und die Ränder buttern. 

Die Butter, 150 g Zucker (die restlichen 60g sind für den Sirup) und abgeriebene Zitrusschalen in einer Schüssel mischen mit Hilfe eines Gummihunds (so die Ottolenghi-Vorgabe, denn angeblick würde ein Mixer zu viel Luft in die Masse einarbeiten - ich habe trotzdem mit dem Handrührer gearbeitet und versucht, nur so viel als nötig zu rühren).

Zuerst die Hälfte der Mandeln unterrühren, dann nach und nach die Eier unterheben. Die restlichen Mandeln, Mehl und Salz einrühren, bis die Mischung glatt ist. Den Teig in die Form füllen und glattstreichen. 50 bis 60 Minuten backen - ein Spieß sollte ein wenig feucht herauskommen, wenn man einsticht (bei mir benötigte der Kuchen gute 60min).

Kurz bevor der Kuchen fertig gebacken ist, in einer kleinen Pfanne den restlichen Zucker und Säfte aus Zitrusfrüchten (maximal 90ml verwenden) erhitzen, einmal kurz aufkochen, dann vom Herd nehmen.

Den Kuchen aus dem Ofen nehmen, etliche Male einstechen und langsam mit dem heißen Sirup tränken. Abkühlen lassen. (m: an dieser Stelle habe ich den Kuchen noch mit erwärmter Bitterorangenmarmelade bestrichen).

Für die Glasur Butter, Schokolade und Honig in einem Wasserbad schmelzen. Likör zugeben und alles gut verrühren. Glasur über die Torte gießen, gleichmäßig verteilen, auskühlen lassen, mit den Zesten verzieren, servieren.

Quelle: Ottolenghi bzw. Susi aka Turbohausfrau


die Kohlverschwörung: Rotkohlsuppe vom Feinsten

Mittwoch, 12. Dezember 2018


Dieser verflixte Rotkohl hat sich gegen mich verschworen. Nicht von ungefähr einer der fiesesten deutschen Zungenbrecher: *Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid*. Wer den unfallfrei über die Lippen bekommt, muß einen Gendeffekt haben.

Ja, ich bin angefressen. *Schmeckt besser als es aussieht* war der häusliche Untertitel zum heutigen Teller. BÄM! - Treffer versenkt! Voll zentriert auf das Foodblogger-Ego! Ich bitte euch! Das geht doch gegen meine Foodie-Würde. Wenn man eines nach JAHREN der Foodbloggerei gelernt haben sollte, dann selbst Brekkies appetitlich zu verkaufen. Aber aus einer purpurnen Suppenschönheit keine Claudia Schiffer rauszuholen, sondern gar in eine Cindy von Marzahn zu verwandeln, ist schon wieder eine Kunst für sich. Findet ihr gar nicht so dramatisch? Mich schabts. Gmpfhhh... und ein solcher Downer direkt hintereinander weg. Man könnte glatt von *Krise* sprechen.

Zumal die Suppe wirklich köstlichst war. So wie eben ja das gedämpfte Rotkohl-Gemüse, aus dem diese Suppe hervorgeht. Jaja, denkt ihr, jetzt kommt der alte Fleischereifachverkäuferinnentrick: jetzt wird der Aufschnitt, der weg muss, angepriesen und schön geredet. Aber mir soll der kleine Finger abfallen, wenn ich lüge. Diese Suppe war ein Träumchen und sie wird es - wie ihr diese Woche noch sehen werdet - ohne Probleme in die *Hall of Fame* der Festtagsmenus schaffen. Dass mir seither keiner gesagt hat, dass Rotkohlsuppe derart gut schmeckt. Das soll euch nicht passieren.

Wenn ich für uns beide Rotkohl zubereite, dann nämlich immer gleich einen stattlichen Kopf im großen Schmortopf. Wissen doch alle, dass Rotkraut am nächsten Tag aufgewärmt viel besser schmeckt (dann etwa zu Haselnuss-Knöpfli oder Maronen-Spätzle). Exakt das macht das Geheimnis dieser Suppe - neben dem Holundersaft und den feinen Gewürzen. Wobei ich das Intensivieren multipliziert habe durch doppeltes Aufwärmen, denn sie entstand aus dem Rest vom Rest.


Zutaten 2P:

         mit Holunder und Birne*
1 Stange Zitronengras
2 kleine, lila Kartoffeln (m: vitelottes, ca. 150g)
100ml Sahne*
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
etwas Mandarinen und 
Zitronensaft

zum Verzieren 
etwas geschlagene Sahne
Frühlingszwiebelgrün oder frischer Koriander

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen, würfeln und in den Topf zum Rotkohl geben. Ebenso die angequetschte Zitronengrasstange (mit Hilfe des Messerrückens) zufügen - je nach Länge halbiert.

Gegebenenfalls noch etwas Wasser oder Brühe anschütten, Deckel auflegen und garen, bis die Kartoffeln gut weich sind. Zitronengras entfernen und feinst pürieren. Sahne angießen - und je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Brühe. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment und etwas Mandarinen- sowie Zitronensaft.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen, mit geschlagener Sahne (so wie bei mir nicht zu sehen ist) und etwas frischem Grün dekorieren. Mir hat das Frühlingszwiebelgrün sehr gut dazu gefallen - ich würde es gar als unverzichtbar bezeichnen.

*Anmerkung m: selbstverständlich kann man die Suppe auch auf direktem Wege zubereiten - ohne Umweg über das Rotkraut-Gemüse - es macht aber eigentlich keinen Sinn, weil man auf diese Weise auf einen Schlag zwei tolle Essen auf dem Tisch stehen hat.

Sahne lässt sich ebenfalls prima durch Kokos-Crème ersetzen.


Ahnungsvoll: Mandarinen-Törtchen

Donnerstag, 14. Dezember 2017


Meine Urgroßmutter doppelt mütterlicherseits kam mir gestern in den Sinn. Ich war dabei, Holz umzuschichten - wir haben das nächst greifbare direkt vor der Tür gut verbraucht und das füllte ich von dem Stoß etwas weiter entfernt nach. Meine Großmutter (folgerichtig mütterlicherseits) erzählte gerne über ihre Mutter, dass diese *ja Holz wie Streichhölzer setzen konnte.* Als Kind imponierte mir dieses Bild sehr und es fließt mir - eigentümlicherweise - wirklich stets durch die Gedanken, wenn ich selbst an dieser Arbeit bin.

Inès aka Mme Kaltmamsell fragte nach der Erwerbstätigkeit der Ahnen - mit großem Echo in Blogistan (= ich betone gerne, dass ich hierbei auf eine Wortschöpfung von eben jener zurück greife) ebenso unter ihren Kommentatoren.  Ich las mit großer Neugier mit. Im Mittelalter - so lehrte mich mein Mediävistik-Studium - sprich: vor der Verschriftlichung reichte die mündliche Überlieferung nur zwei Generationen zurück. Aber ich vermute dafür deutlich umfänglicher (also im Vergleich zu heute).

Das Wissen über meine Ahnen ist bestenfalls bruchstückhaft zu bezeichnen. Gerade wenn man bedenkt, dass man bei den Urgroßeltern schon unterscheiden können müßte zwischen vier Urgroßmüttern und vier Urgroßvätern. Regelrecht kurios finde ich, WELCHE Bruchstücke dann überdauern und im Gedächtnis der Nachkommen bleiben. Das Gedächtnis, tssss, welch verschlungene, rätselhaft selektive Pfade nimmt es. Über den Mann dieser Urgroßmutter - übrigens Küfer und Bauer von Beruf - entsinne ich mich einer weiteren Geschichte meiner Großmutter, im gleichen Maße losgelöst aus allen größeren Zusammenhängen. Wieder nur ein einzelnes Bild. Sie berichtete mir lachend, wie ihr Vater - *und wenn er in Unterhose am Frühstückstisch saß* - aufspringen konnte, sobald sein Regimentsmarsch im Radio lief, um dazu im Stechschritt um den Tisch zu marschieren. 

Mir dünkt, man hat zumeist kaum bis keinerlei Einfluß darauf, *WAS* einen an Dichtung und Wahrheit überlebt...

Diese Törtchen werden ganz bestimmt keine nennenswerte Existenz erreichen. Gerade wenn wir Gäste erwarten, stehe ich als Dessert sehr auf diese Art Törtchen. Denn außer etwas Wartezeit bedarf es bei der Zubereitung keinem aufwendigen Spektakel. Dafür wirken sie - zumindest für meine Verhältnisse - bereits schon fast nach Pâtisserie.

Zutaten:

Boden*
75g gemahlene Mandeln
75g Mehl
30g Puderzucker
60g Butter
1 Ei
Salz

weiße Kuvertüre

200g Quark
150g Sahne
30g Puderzucker
2 1/2 Blatt Gelatine
40ml Mandarinensaft

100ml Mandarinensaft (ca. 2 Stück)*
1 1/4 Gelatine
(optional: 1 EL Grand Manier)

Zubereitung:

Die Dessertringe von 5cm Durchmesser am unteren Ende fetten und mit Mehl bestäuben. Die Zutaten für den Boden zügig ohne zu langes Kneten zu einem homogenen Teig verkneten und 1 Stunde kühl stellen. Den Teig ausrollen, mit Dessertringen 4 Kreise ausstechen und zusammen mit den Ringen 30min in die Tiefkühle stellen.

Dann mit einer Gabel mehrfach einstechen und - ebenfalls in den Ringen - bei 170 (O/U-Hitze) etwa 25min backen. Währenddessen kontrollieren, dass sich die Böden nicht wellen - gegebenenfalls mit Hilfe einer Gabel wieder nach unten drücken.

Die ausgekühlten Böden mit über einem Wasserbad geschmolzener, weißer Kuvertüre bepinseln, abkühlen lassen und wieder in die Desserringe setzen.

Quark mit dem Puderzucker mischen. Die Gelatine in Wasser einweichen und gut ausdrücken. In dem Mandarinensaft erwärmen und auflösen - 2 EL Quark dazugeben, dann diese Mischung sorgfältig unter den restlichen Quark verquirlen (m: mit Handrührer). Die Gelatine etwa 10min anziehen lassen. Währenddessen die Sahne steif schlagen - diese dann unter die Quarkmasse mischen. Den Mandarinen-Quark auf die vier Desserringe verteilen. Etwa 30min (oder länger) kühl stellen.

Für die abschließende Fruchtschicht die Mandarinen auspressen. Die Gelatine einweichen, ausdrücken, in wenig Saft erwärmen und auflösen und mit restlichem Saft und Mus vermischen  - als Schlußschicht auf den nun fester gewordenen Quark gießen.

*Anmerkung m: der Teig für die Böden reicht für insgesamt 6 Böden - die Quarkmasse allerdings nur für 4 Törtchen/ das Kompott kann komplett mit Mandarinensaft ersetzt werden - wer mag, gibt für noch kleingeschnittene Mandarinen-Fruchtstücke dazu.