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Unbegrenzt: Cremiger Wirsing mit Orcchiette

Dienstag, 24. März 2020


Das allzu menschliche Sankt Florian-Prinzip weht durch die Gassen. Möge dieser Kelch an einem vorüber gehen. Wer kann, versucht sich klein zu machen und wegzuducken. 

Ganz im Gegenteil zur Politik, die genau in dem Moment, in dem ein Großteil der Bevölkerung schwer mit existentiellen Sorgen abgelenkt ist, jeden Bezug zu Maß und Zahl verliert. Es wird mit fulminaten Worten und Zahlen hantiert. All die uferlosen Zusagen scheinen Geld in Papier und Worte in Seifenblasen zu verwandeln. *Unbegrenzt* ist das neue, viel gebrauchte Lieblingswort. 

Unbegrenzt im Sinne von *grenzenlos*? Oder gibt es noch andere Bedeutungen für dieses Adjektiv?

Es sei die umfassendste und wirksamste Hilfestellung und Garantie, die es in Deutschland je gegeben habe, so Wirtschaftsminister Altmaier, samt einer unbegrenzten Zusage für Liquiditätshilfen: an fehlendem Geld solle es nicht scheitern.

Finanzminister Scholz betont zeitgleich, das Kreditvolumen sei unbegrenzt. Wenn die jetzt zur Verfügung gestellte Summe nicht ausreiche, werde man nachlegen. Das jetzt wäre * die Bazooka* [...] und was wir an Kleinwaffen brauchen, sehen wir später.*

Die EU legt mit einem einzigartigen Schritt nach und setzt erstmals Schulden- und Defizitregeln vorübergehend aus. Parallel will die Fed (US-Notenbank) unbegrenzt Anleihen kaufen.

Ihr habt bei diesem vollmundigen Fachchinesisch böhmische Dörfer vor Augen?

Voilà, nichts ist anschaulicher wie abstrakte Inhalte in Bilder zu verwandeln. Und in derlei Zusammenhängen zückt der Habib gerne eine kleine Schätzfrage, die da lautet: Wie groß muss ein Koffer sein, in den eine Million Euro passt? Eine Idee? Fast jeder lag seither mit seinem Tipp daneben. Für dieses Spielchen muss man wissen, wie hoch ein Stapel von einer Million im größten Euroschein von 500 Euro überhaupt ist. Und wenn schon dabei, hat der Habib die Höhe bzw. Länge von 500er Stapeln mal gelistet - anhand der Größe der Stapel wird der Unterschied etwa von Million zu Billion erst richtig deutlich, beeindruckend (!) deutlich:

1.000.000 - eine Million - (in 500 Euroscheinen):     (pupsige) 22cm
10.000.000 - zehn Millionen - (in 500 Euroscheinen):     220 cm
100.000.000 - hundert Millionen - (in 500 Euroscheinen):     2200 cm= 22m
1.000.000.000 - eine Milliarde - (in 500 Euroscheinen):     22.000 cm
10.000.000.000 - zehn Milliarden - (in 500 Euroscheinen):     220.000 cm
100.000.000.000 - hundert Milliarden - (in 500 Euroscheinen) 2.200.000 cm = 22 km
1.000.000.000.000 - 1 Billion - (in 500 Euroscheinen):    22.000.000 cm  = 220 km

4.000.000.000.000 - vier Billionen - (in 500 Euroscheinen):    88.000.000 cm 
10.000.000.000.000 - zehn Billionen - (in 500 Euroscheinen):     220.000.000 cm = 2.200km

Soweit die Basics, was die Nullen betrifft.

Bedeutet für Amerika, dessen Staatsschulden sich im Moment auf ca. 24.000.000.000.000 USD belaufen - wir reden von einer Strecke von über 5.000 km gestapelter 500 Euro Scheinen (etwa von Berlin nach Novosibirsk)... Oder: die deutschen Staatsschulden liegen bei: 2.032.000.000.000 Euro - wobei der gesammte Staatshaushalt, über den Deutschland für das Jahr 2019 verfügte, 343.000.000.000 Euro betrug. Und von diesen Zahlen wird ständig mit der sogenannten "schwarzen Null" abgelenkt - der Vertuschung zuliebe.

Ist das fancy? Und jetzt also ein Hilfspaket in Billionenhöhe. Wer ist im Kopf noch dabei? Wer rechnet noch mit? Rechenschieber raus, jetzt kommen wir ans Eingemachte: wo soll das hinführen? Wo kommt das Geld her? Wie soll das je zurückbezahlt werden?...


Zum dritten Mal habe ich nun schon diese Orcchiette zubereitet, seitdem ich sie bei Susanne entdeckte. Man hat den Bogen - im wahrsten Sinne - schnell raus, wie man die kleinen Öhrchen fertigt. Nebenher dient die Zubereitung dieser frischen Pasta obendrein ganz wunderbar der Entspannung in diesen unruhigen Zeiten, da bin ich ganz bei Susanne: *das Formen von Orecchiette macht mir nicht nur Spaß, sondern wirkt auch nervenberuhigend.* Ausprobieren - so ist es wirklich!

Zutaten 2P:

140g Hartweizenmehl
30g Einkorn-Vollkorn
ca 85ml Wasser

1 Wirsing
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 TL Kümmel, fein geschrotet
1 TL Thymian
1 EL Mascarpone
1 Stich Butter
1 EL Mehl
200ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
1 Zitrone, Abrieb davon
1 Schuß Noilly Prat
Öl

Deko: Parmesan, frisch gerieben
Chili-Öl

Zubereitung:

Für die Pasta das Mehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte machen und das Wasser angießen.  Langsam Mehl und Wasser vermischen, und den Teig gut kneten: er soll nicht kleben und schön elastisch sein. Wenn nötig, nach etwas mehr Wasser einarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und bei Zimmertemperatur mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen.

Den Ofen auf 210° vorheizen. Wirsing halbieren, vom Strunk befreien, äußere Blätter wenn nötig entfernen, und den Wirsing in kleine Streifen und dann in kleine Rauten schneiden. In eine große Auflaufform (tiefes Backblech...) mit dem Öl vermengen und ca. 15min in den heißen Ofen schieben - zwischendurch wenden. Es sollten sich dunkle Spitzen zeigen (Röstaromen).

Für das Fertigen der Orcchiette (s. diesen kleinen Film) oder den Teig zu fingerdicken Würsten beliebiger Länge rollen. Dabei die Arbeitsfläche nicht bemehlen. Die Würste im rechten Winkel zum eigenen Körper legen. Mit einem simplen, zart geraffelten Tafelmesser ca. 1 cm dicke Scheiben abschneiden. Sobald das Messer auf der Unterlage ankommt, es Richtung Körper kippen und auf den Körper zu über den Teig ziehen. Mit der freien Hand das Öhrchen festhalten, wenn es hinter dem Messer hervor kommt, dann über einen Finger umstülpen. So entsteht die typische Öhrchen-Form und die Pasta bekommt die typische angeraute Oberfläche auf der Innenseite. Die fertigen Orecchiette jeweils mit etwas Mehl bestäuben, damit sie nicht zusammenkleben.

Für den Wirsing die Zwiebel fein würfeln, ebenso den Knoblauch und in etwas Öl anschwitzen. Zuletzt den Kümmel kurz mitrösen. Wirsing und Thymian zufügen, die Brühe anschütten und bei geschlossenem Deckel weich garen (etwa 10min). Dann abschütten und Sud auffangen. Butter schmelzen und zusammen mit dem Mehl zu einer Roux verrühren. Sud anschütten, dabei mit einem Schneebesen rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Wirsing wieder zurück in den Topf geben. Mit einem Schuß Noilly würzen. Mascarpone und Zitronenschale unterrühren, salzen und pfeffern.

Orcchiette in reichlich Salzwasser al dente garen - dauert frisch etwa 3-4min, abschütten. Wirsing in zwei Teller verteilen, Orcchiette darauf setzen, mit Parmesan betreuen und mit etwas Chili-Öl besprenkeln. Servieren.

*Anmerkung m: Ich habe die Orcchiette auch schon völlig getrocknet - dann braucht sie zum Garen deutlich länger etwa 12-15min

Inspiration: Susanne von Magentratzerl


Parcours de vie: Wirsing-Lasagne mit Pilzen

Mittwoch, 4. März 2020


Dieser Tage kürzte ich einen Vorhang. Und dabei kam alles wieder hoch, was ich am Nähen hasse. Mit voller Überzeugung hatte ich damals im zweiten Schneiderlehrjahr meine Ausbildung abgebrochen. Dabei lief es gar nicht mal so schlecht - das erste Lehrjahr in der Industrie als Bekleidungsnäherin absolvierte ich als Beste von Baden-Württemberg.

Der Master-Plan nach dem Abi lautete nach beendeter Schneiderlehre Kostümbild zu studieren. Nicht, dass ich vorher je genäht hätte. Aber mir fiel einfach nix anderes ein. Was habe ich Jörg* aus meiner Klasse beneidet, dem in der 5. Klasse schon klar war, dass er Arzt werden würde. Hey, und ich habe ihn gegoogelt - er ist heute Arzt. Ich wußte damals nur, dass ich die Schnauze gestrichen voll hatte von all der Theorie.

Aber dass es in der Praxis dann derart hart kam. Keiner hatte mich beispielsweise vorher aufgeklärt, dass Bügeln unabdingbar zum Nähen gehört. BÜGELN!!! Ach und diese Hockerei und diese Mini-Mikroskop-Fummelei - ich fands Horror. Genauso wie das Hinwerfen. Das war auch Horror. Weil ein Plan B fiel natürlich zeitgleich nicht vom Himmel.

Und doch war das eine wertvolle Zeit - rückblickend. Selbst wenn sich solche Brüche in der *Karriere* nicht zwingend schmuck machen. Ich wollte sie nicht missen. Im Gespräch mit meiner Freundin Florence, deren berufliche Vergangenheit hauptsächlich aus Schleifen - allerdings erfolgreichen - zu bestehen scheint, fiel das Wort *parcours de vie* für Lebenslauf. Ach, das gefiel mir sofort. Das ist doch viel bildhafter: das Leben als Trimm-Dich-Parcours.

Ohne weitere Umschweife fiel ich gedanklich zurück in meine Reiterferien als Teenie, in denen ich im Haupt-und Landesgestüt mein Reitabzeichen machen wollte. Den Reiterpass hatte ich bereits in der Tasche. Und Herbstball, mein brauner Wallach mit dem weißen Stern und ich schwangen schnell in Harmonie durch die Dressur, nich (für alle Pferdemädchen), so wie in Avatar, wo die Na'vi ihren Zopf mit dem Pferdeschweif verbinden. Genau so. Nur beim Springen schien Herbstball irgendwie kaputt zu sein. Wir ritten in gerader Linie auf das Hindernis zu, wo er im letzten Moment einen zackigen Schlenker drumherum machte. So beharrlich, dass irgendwann der Reitlehrer aufstieg, um mal nachzusehen, wo die Bremse hängt. Und siehe da: mit einem eleganten Sprung flog mein Herbstball samt Reitlehrer über den Oxer. 

Ich hatte nicht zugeben wollen, dass ich - trotz Reiterpass - noch nie gesprungen war. Und üblicherweise hüpft man anfangs erst einmal über ein paar Balken in Bodennähe und nicht gleich über richtige Hindernisse. Herbstball hatte mich völlig richtig verstanden. Springen war mir wie Bügeln. Oder so

Vielleicht kann man sagen, dass je bunter und unterschiedlicher ein Feld mit *Schikanen* aller Art in einer Biographie aufgebaut ist, umso vielfältier sind die Erfahrungen, die man daraus gewinnen kann!? Mit absoluter Sicherheit aber geht das mit deutlich mehr Mühen vonstatten als das Lesen dieses Satzes. Sowieso sieht man mittendrin die Chancen weniger bis überhaupt nicht. Ich war damals tief enttäuscht, als das mit dem Reitabzeichen nichts wurde, hatte aber mit Abbruch der Schneiderlehre erlebt, dass es stimmt, dass wenn man eine Tür schließt, sich eine andere dafür öffnet.

Mein weiser, weitgereister, lebenskluger und wachsamer Habib prophezeit mir, dass ich irgendwann in der Lage sein werde - so wie er - Ereignisse wie Perlen auf eine Kette zu fädeln, die dann auf einmal einen Zusammenhang erkennen lassen und nicht vereinzelt in der Landschaft stehen. Der berühmte rote Faden - es gibt ihn wirklich: *Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören* (Goehte *Wahlverwandtschaften*). Darauf lebe ich hin.

Um zurückzufinden zu meiner Gardine: ich brauchte endlos. Fürchterlich! Ich konnte mir selbst kaum zusehen - es handelte sich ja schließlich nicht um einen Plissée-Rock sondern lediglich um ein pupsiges Stück Stoff. Und zu aller Schmach ist mein Vorhang noch nicht einmal gerade geworden. Selbstverständlich werde ich verschweigen, dass ich es war, die ihn gekürzt hat. Und eine Schneiderlehre werde ich ebenfalls nie erwähnen, wenn ich mit irgendjemand vor diesem Fenster stehe.

(*Name von der Reduktion geändert)


Zu diesem Text gehört eindeutig Pasta, oder?! Eine Lasagne. Dann wird das Leben fast wie automatisch weniger kompliziert wie das Kürzen eines Plissée-Rocks...

Zutaten 2-4P:

60g Einkorn-VK
40g Hartweizenmehl
1 Ei
1 EL Öl

400g Wirsing
50ml Gemüsebrühe
1/2 TL Kreuzkümmel
2 EL Sonnenblumenöl

150g Champignons
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
40g getrocknete Tomaten
1 EL Rosmarin, fein gehackt
1 TL Thymian, getrocknet
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl

35g Butter
1 1/2 EL Mehl
1 Schuß Weißwein
50ml Sahne

120g geriebener Käse (m: Tomme de Montagne)

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 6 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Den Wirsing in mittelfeine Stücke schneiden, mit dem Sonnenblumenöl mischen und mit dem Kreuzkümmel würzen - bei 200° für ca. 15min in den Ofen schieben, zwischendurch wenden. Dann die Gemüsebrühe anschütten und für weitere 5min im Ofen garen. Salzen und pfeffern.

Die getrockneten Tomaten mit kochendem Wasser übergießen und 15min ziehen lassen. Die Tomaten kleinschneiden - das Einweichwasser aufbewahren. Die Zwiebel fein würfeln, den Knoblauch von seinem Trieb befreien und ebenfalls fein würfeln. Die Pilze in Scheiben schneiden (je nach Größe vielleicht noch etwas kleiner). Die Zwiebel in wenig Olivenöl glasig dünsten, Pilze zufügen und mit den Tomante, dem Knoblauch und Rosmarin sowie Thymian weiter braten. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen. Alles zur Seite in eine Schüssel geben. Die Pfanne zurück auf die Flamme stellen und den Bratansatz mit einem guten Schuß Weißwein lösen. Zusammen mit dem Einweichwasser der Tomanten kurz aufkochen lassen. Vom Herd ziehen.

In einem kleinen Topf die Butter schmelzen lassen, das Mehl darin rösten und mit dem Einweichwasser (insgesamt ca. 100ml) und der Sahne zu einer cremigen Béchamel-Sauce rühren. Salzen und pfeffern. Die Pilzmischung unterrühren.

Backofen auf 200°C Umluft vorheizen.

Nun das Schichten beginnen in eine gefettete Auflaufform (beginnend mit etwas Pilzsauce auf den Boden der Form):  Lasagane-Blatt/  Pilzsauce/ Wirsing/ Käse - beenden mit einem Pastablatt etwas Pilzsauce und ordentlich Käse

Im heißen Ofen ca. 30min knusprig golden gratinieren lassen.

Inspiration: Essen und Trinken


Ni lard ni cochon: Zuppa frantoiana

Donnerstag, 21. November 2019


Ein echter Erwachsener - also jetzt nicht altersmäßig beurteilt - strebt Richtung Bewußtheit und Eigenverantwortung. Der Freiheit zuliebe. Bref: die Welt des Erwachsenen ist die Welt der einsamen Entscheidungen - abgewogen vor dem eigenen Gewissen.

*Ach*, seufze ich innerlich, *lasst sie doch noch ein wenig in Ruhe Kind sein*, wenn ich wieder einmal beobachte, wie die Kleinen in der Bäckerei auf den Arm hochgehoben werden, und das Spiel losgeht: *Was hättest du denn gerne: willste lieber dies oder das? Oder doch das?* Schlimm! Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert... Denn das eigentlich Schöne am Kindsein sollte der verwirklichte Werbe-Slogan sein: *Lebe einfach, andere kümmern sich wohlwollend an deiner Stelle um die Details.* Mit existenziellen Lebensfragen muss man sich schließlich früh genug auseinandersetzen. Und so zieht man lediglich Anspruchsdenken hoch.

Entscheidungen zu treffen, macht den wenigsten richtig Spaß. Zum einen bedeutet jede Entscheidung für etwas, dass man sich gleichzeitig gegen vieles entscheidet. Zum anderen geht eine Entscheidung zwangsläufig mit Konsequenzen einher. So ist der Planet nunmal eingerichtet. Nicht immer direkt, manchmal auch zeitverzögert, aber an jeder Entscheidung hängt ein Rattenschwanz. Oder anders gesagt: ein Rosinenbrötchen gibt es halt nur zusammen mit dem Brötchen. Sehr oft kann man das Gesamtpaket anfangs nämlich gar nicht ganz einschätzen. Die Kehrseite der Medaille kommt erst nach und nach zu Tage.

Aber egal wie man es dreht und wendet - selbst wenn man versucht, sich um Entscheidungen zu drücken - dann ist selbst das eine Haltung, für die man sich (unentschlossen) entschied. Man kommt nicht umhin, vom Leben genötigt zu werden, vor die Wahl gestellt zu werden, an Weggabelungen zu stehen und eben entweder nach rechts oder links einschlagen zu müssen. Bewußt oder unbewußt. Zweifelsfrei oder voller Zweifel. Abgelenkt oder fokusiert. Optimistisch oder realistisch... All das zieht entsprechende Qualitäten im Schlepptau mit sich, weil soetwas von sowas kommt.

Tja, there is no way out than trough wirft die englische Lebenshilfe als Allrounder ein, wenn irgendjemand danach fragen sollte....


Kleine Verschnaufpausen bietet das wachsweiche Zwischenreich des Halbgaren: zwischen Tür und Angel, Baum und Borke, nichts Halbes nichts Ganzes, nicht Fisch nicht Fleisch (neither fish nor fowl), mi-figues mi-raisin (Halb-Feige, Halb-Rosine)... Festlegen folgt erst noch. Genau so, wie bei dieser Art Eintopf, der weder nur cremig noch nur stückig ist sondern beides zugleich.

Montag ist bei uns Eintopf-Tag. Ritualisiert. Und wieder einmal gebe ich Byung-Chul Han recht: Rituale verzaubern den Alltag. Wir freuen uns schon auf die GROSSE Portion Gemüse-Topf, den ich stets vegan zubereite. Ebenfalls aus Gewohnheit.

Überraschend lange habe ich gebraucht, bis ich verstanden habe, dass genau das einen Eintopf erst so richtig herrlich schlonzig-köstlich werden lässt, wenn man eine Hälfte püriert, einen Teil aber als Einlage vorher herausnimmt (oder getrennt zubereitet). Es gibt endlose Möglichkeiten, auf diese Weise einen klassischen Gemüse-Eintopf zu variieren. Und sie werden alle toll. Umso mehr hat mich natürlich entzückt, als eine liebe Leserin (coucou Helga) mir dieses toskanische Aus-Versehen-Vegan-Rezept zukommen ließ. Andere kennen diesen Trick also auch. Es wurde umgehend zubereitet - wie immer mit ein bißchen Reinfummelei meinerseits (in Klammern findet ihr die Original-Mengenangaben). Ein heißer Teller voller Gemüseglück:

Zutaten 2-4P:
Gemüse-Kräuter-Suppe

100g gekochte, weiße Bohnen (originial: 100g getrocknete)
ca. 900ml Gemüsebrühe (o: 1,5l)
je 2 Zweige Rosmarin, Oregano, Salbei
(m: ein Stück Kombu-Alge)
2 Lorbeerblätter
450g Kürbis (o: 400g)
1 Zwiebel
4 Knoblauchzehen
1 Möhre
1 Stange Staudensellerie
1 Stange Lauch
je 100g Wirsing, Radicchio, Spinat und Mangold
1 Hand voll Kräuter (Basilikum/ Borretsch/ Petersilie)
4 EL Olivenöl
1 Schuß Weißwein
Salz, Pfeffer

Zubereitung: 

Die Bohnen am Vortag mit Wasser bedecken und über Nacht quellen lassen. Am nächsten Tag kalt spülen und mit der Brühe zum Kochen bringen. Die Kräuter samt Alge in einen Teebeutel geben, verschließen und dazugeben. Während einer guten Stunde bei halb aufgelegtem Deckel weich kochen.

Kürbis schälen und in Würfel schneiden, zu den Bohnen geben und weitere 20min köcheln lassen, bis der Kürbis gar ist.

Währenddessen Zwiebel und Knoblauch fein hacken. Sämtliches Restgemüse (Möhre, Lauch, Sellerie sowie das Blattgemüse Spinat, Mangold, Radicchio) klein schneiden (m: den Wirsing habe ich getrennt kurz gekocht und blanchiert, damit er seine grüne Farbe behält).

Zwiebel, Knoblauch, Möhre, Sellerie und Lauch im Öl etwa 5min anbraten. Dann das übrige Gemüse zufügen und weitere 5min dünsten. Zuletzt klein geschnittenen Kräuter untermischen und mit etwas Wein ablöschen. Salzen und pfeffern.

Den Kräuter-Teebeutel aus den Bohnen ziehen. Dann den Topfinhalt pürieren. Pfanneninhalt zufügen und unterrühren und den Eintopf weitere 5-10min köcheln lassen. Nochmals abschmecken und servieren-

Anmerkung m: Das Einlage-Gemüse lässt sich nach Lust und Vorrat sehr gut variieren - der Eintopf ist aber nach Rezept sehr schön ausgewogen und vielfältig!

Quelle: Helga


Alt trifft neu: mediterrane Wirsing-Tarte

Freitag, 29. März 2019


In Frankreich lacht im diesem Frühling die Sonne im März, als wollte sie bereits Mai sein - und das noch dazu unaufhörlich. Regen meidet uns beharrlich. Alles ist mindestens drei Wochen früher dran als sonst. Der Habib fühlt sich erinnert an Sri Lanka, als er auf 2000 Meter Höhe die altangelegten englischen Gärten rund um die Kolonial-Villen der Tee-Plantagen-Besitzer bestaunte: alles blühte dort gleichzeitig, die Sonnenblumen neben den Schneeglöckchen samt sämtlichen Blumen dazwischen. Das hat in der Drôme gerade ähnliche Tendenzen: die ersten Glyzinien blühen bevor die Magolien verblüht sind (für die wissenden Botaniker). Das ist echt bizarre! Gänseblümchen und die erste Wildorchidee sind hingegen nur ein wenig verfrüht. Ihr werdet mir nachsehen müssen, wenn die nächsten Rezepte unweigerlich mit Blüte garniert werden. Gartenküche-Fetisch quasi!

Und während alles duftet und zwitschert, lenkt die Natur eigentlich nur davon ab, dass gerade draußen nicht viel zu holen ist. Ganz im Gegenteil: die Beete werden abgeräumt, um der neuen Aussaat Platz zu machen. Außerdem fängt das letzte, übriggebliebene Gemüse nun nach und an zu schießen an.

Also bastle ich schnell noch eine Tarte aus dem Wirsing. Durch  etwas Tapenade ziehe ich ihn Richtung Frankreich, den Kreuzkümmel gebe ich der besseren Bekömmlichkeit dazu. Und damit der Frühling trotzdem noch mit auf dem Tisch steht, habe ich uns wieder etwas Pesto gemixt und in den begleitenden Salat gemengt. Voilà - fertig ist ein alltagstaugliches Saison-Gericht!



Zutaten 2P:

100g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 1050
100g Butter
1 EL Quark
1 TL Thymian, getrocknet
Salz, Pfeffer
1 Schuss Essig
kaltes Wasser

500g Wirsing
Raps
2 Eier
100g Crème fraîche
Piment d'Espelette
1 EL grüne Oliven-Tapenade
1/2 TL Kreuzkümmel
Salz, Pfeffer
150g Fourme d'Ambert


Zubereitung:

Die Butter in kalten Flöckchen unter das Mehl arbeiten, würzen, Quark, Essig und kaltes Wasser unterarbeiten und zügig zu einem homogenen Teig verkneten. In Folie wickeln und eine gute Stunde in gute Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Wirsing halbieren, vom Strunk befreien, waschen und die großen Rippen der großen Blättern rausschneiden. Dann den kompletten Wirsing in grobe Stücke schneiden. In einem Schmortopf den Wirsing in dem Rapsöl auf heißer Flamme anrösten bis man es ihm ansieht. Ablöschen mit ein wenig Gemüsebrühe, würzen mit Kreuzkümmel, Herd kleiner stellen, Deckel auflegen und weich garen - dabei sollte die Gemüsebrühe völlig verdampfen. Mit dem Zauberstab grob pürieren.

Auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig aufwellen und eine Form (  22cm) mit hochgezogenem Rand auskleiden. Den Boden mit einer Gabel mehrfach einstechen. 

Ofen auf 210° (O/U-Hitze) vorheizen.

Eier mit Crème verqurilen. Tapenade untermischen, ebenso den in Würfel geschnittenen Fourme d'Ambert. Wirsing dazu geben. Würzig abschmecken. Die Füllung auf den Boden der Tarte geben und glatt streichen und die Tarte auf die 2.Schiene von unten in den Ofen schieben.

20min bei 210° backen, dann runterschalten auf 190° und in weitere 40min fertig backen.


Bonuszeit: Lasagne mit Wirsing und Kürbis-Béchamel

Donnerstag, 10. Januar 2019


Ob die früher jeden Tag ein paar Stunden extra bekommen haben? Wie so eine Art Bonus-Track? Aber nur für aktive Nutzung. Pffffhhh, bißchen Blog schreiben, bißchen Kolumne. Was einst allein Brieffreundschaften gepflegt wurden. Von vielen mit vielen. Personalisierte Texte! (Gut, vielleicht haben sie Absätze übernommen, wer weiß, also ich hätte das bestimmt gemacht). Etwa zu Goethezeiten. Forschung-Reisen-Schreiben. Dabei reiste es sich noch deutlich langsamer und es schrieb sich lediglich von Hand. Wann haben die das alles gemacht und wie unter einen Hut gebracht?

Genau das dachte ich wieder bei der Lektüre meines Buchgeschenk zu meinem letzten Geburtstag: *Mein Weg durch Himmel und Hölle* von Alexandra David-Néel. In dem gelungenen Vorwort von Thomas Wartmann heißt es: *Sie versuchte, sich täglich zwanzig Wörter aus vier verschiedenen Sprachen zu merken, und rechnete sich aus, dass sie auf diese Weise 7300 Wörter pro Sprache in ihr multilinguistisches Vokabular aufnehmen kann.*

Ähäm, finde nur ich das sehr ambitioniert? Oder rede ich mir nur mein Spatzenhirn auf Normalgröße? Allein für die Motivation braucht es doch bereits eine Hochbegabung, oder?

Die taffe, eigensinnige, klare, neugierige, abenteuerlustige, kleinwüchsige Mme David-Néel in ihrem Buch auf ihrer wilden Reise durch Tibet zu begleiten, machte mir auf jeden Fall großes Vergnügen. Schon vor hundert Jahren gibt sie Beispiel, wie man Feminismus lebt und setzt dabei so hübsche Werbesprüche wie *Just do it* oder *Geht nicht, gibts nicht* einfach in die Tat um.  

Alexandra David-Néel, geboren 1868 bei Paris, studierte als erste Frau an der Sorbonne orientalische Sprachen (Sanskrit und Mandarin) sowie vergleichende Religionswissenschaften. Ab 1888 verbrachte sie, nur unterbrochen von Lehraufträgen in Paris und Vortragsreisen, ihr Leben in Asien, vor allem in Indien und Tibet. Dort wurde sie als erste Europäerin in den Stand eines Lamas (*Lampe der Weisheit*) erhoben. Der Welt wird sie vorallem als französische Reiseschriftstellerin und Forscherin zur Orientalistik in Erinnerung behalten und mir mit ein paar Zitaten, die ich bestimmt bei passender Gelegenheit zücken werde.

Nun, heute benötigt man bereits unerwarteten Freiraum, wenn man mal wieder so Leckereien wie hausgemachte Lasagne zubereiten will. Eingeschneit mit den richtigen Vorräten sollte sich doch ein Zeitfenster öffnen. Die Belohnung folgt auf dem Fuß: Schöner leben mit frischer Pasta!


Zutaten 2P:

120g Dinkel-Vollkorn
1 Ei
1 TL Tomatenmark
Chili-Flocken
1 EL Öl
Salz

300g Wirsing
Muskatnuss
5 Salbei-Blätter
Salz, Pfeffer
Olivenöl
 
250g Kürbis (m: Butternut)
1 Stück Butter
Gemüsebrühe
Noilly Prat
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 Pr Curry
1 Stück Ingwer
1 EL Mehl
50ml Sahne

100g Tomme de Montagne, gerieben
2 EL gehackte Kürbiskerne

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 6 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Den Wirsing waschen, von seinen Rippen befreien und in ca. 1-2cm dicke Streifen schneiden. In Salzwasser etwa 8min garen, blanchieren und gut abtropfen lassen. Die Salbeiblätter in feine Streifen schneiden und zusammen mit dem Wirsing in dem Olivenöl kurz schwenken. Salzen, pfeffern und zur Seite stellen.

Den Kürbis schälen und würfeln. In der Butter kurz anbraten, das Curry ebenfalls kurz mitrösten, mit Noilly ablöschen, dann knapp mit Gemüsebrühe bedecken und zusammen mit dem Stück Ingwer und aufgelegtem Deckel gar kochen. Ingwer entfernen. Pürieren. Sahne angießen und mit einer Roux binden und nochmals etwas köcheln lassen. Abschmecken, salzen, pfeffern und Prise Zucker zugeben. Die Konsistenz sollte einer schönen, cremigen Béchamelsauce entsprechen.

Die Kastenform (24cm) buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von der Béchamelsauce, Lasagneblatt, Wirsing, Béchamel, etwas geriebener Käse, Lasagneblatt... wiederholen bis alles aufgebraucht ist - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas geriebenem Käse, gehackten Kürbiskernen und etwas Olivenöl. Salzen, pfeffern Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.
Vor dem Anschneiden kurz etwas abkühlen und festigen lassen.


Happy New Dog: Kastanien-Pfannkuchen mit Ras-el-Hanout-Wirsing

Samstag, 17. Februar 2018


In der Knospenzeit habe ich mir viele T-Shirts selbst gestaltet. Eines schwebte mir lange Zeit im Kopf - eigentlich bis heute - kam aber nie zur Ausführung: *Gegen Geduld*. Meine größte Untugend. Ich HASSE es, wenn sich die Dinge langsam entwickeln. Warten - der Graus in Wort und Tat. Ich mache gerne alles schnell. Deswegen habe ich auch gerne in der Disse hinter der Bar gearbeitet. Da muß es kleppern. Definitiv lieber wirbeln als die Zeit tot schlagen. Schach? Nicht mein Spiel - da schlafe ich zwischen den Zügen ja ein. Überhaupt: lange auf einem Stuhl sitzen... genau mit deswegen schmiß ich einst die Schneiderlehre.

Hinzu kommt mein Dickschädel. Es wundert mich selbst oft, wie wenig Hüte mir passen wollen. Nicht, dass ich Hüte tragen würde, aber wenn, dann wären mir die meisten zu klein. So weiß ich doch oft, wie ich was gerne hätte und wenn mir das Leben da einen Strich durchzieht, dann kann ich das persönlich nehmen. Man durchkreuzt also besser nicht meine Pläne. Nur überhört die Welt nur zu gerne meine Marsch-Route. Bref, um mich zu prüfen, reicht es, wenn sich die Dinge um mich (scheinbar, eingebildet oder tatächlich) zäh entwickeln. Hach, prompt bin ich aus dem Tritt, nirgendwo mehr Fluß und Flow und ich merke, wie sich meine Unterlippe schmollend verspannt. Schlimm. Und ich bin mir so gar nicht sicher, ob sich derlei Baustellen mit dem Älterwerden bessern. Aber wie haut eine Freundin raus, wenn Plattitüden dringend gefragt sind: Life is a rollercoaster. So siehts aus.

Was Balsam auf die geschundene Seele, wenn die angezogene Handbremse gelöst wird und sich dazwischen ein Moment schiebt, in dem so gar kein Sandkörnchen im Getriebe den Ablauf stört. Das zählt dann unbestritten in die Rubrik #was schön war.

Seit Donnertag Abend wird das neue Jahr eingeläutet - drei Tage lang. Nach chinesischem Kalender beginnt nun das Jahr des Erd-Hundes. Um uns wird geknallt, geopfert, gebetet und gefestelt. Und ausgerechnet ich, die Königin aller Sylvester-Muffel feierte einen Neujahrs-Moment, der mir für die Ewigkeit bleibt.

Ein Moment, der vom Himmel fiel: unerwartet, plötzlich, spontan. Dazu eine Nacht, die klarer, stiller, wolkenloser, wohl temperierter nicht hätte sein können. Bei gänzlicher Windstille funkelten die Sterne wie poliert am Firmament. Und da standen wir zu viert, zusammengewürfelt und doch irgendwie zusammengerufen, ohne viel Worte zu verlieren, aber dabei doch so beredt wie man sprachlos nur sein kann, ganz eingespielt, jeder fand direkt seinen Platz, jeder kleine Handgriff saß. Alles folgte wie von alleine einer natürlichen Selbstverständlichkeit (seufzz, wenn doch Leben immer... aber lassen wir das).

So standen wir also - dank Bent und Marianne - jeder an seiner Ecke des hauchzarten Lampions aus Pergamentpapier, hielten sanft unseren Zipfel, während Bent die Flamme anzündete, öffneten alle im gleichen Moment unsere Finger - als die Wärme den Lampion aufblusterte wie eine sich entfaltete Blüte - und schauten zu, wie unser Licht schwebend höher und höher und höher stieg, in leicht geschwungener Linie, so hoch bis es sich unter seinesgleichen einfügte, kaum unterscheidbar unter dem Sterneglizzern nur rötlicher in der Farbe, so weit flog unser Licht, bis jeder einzelne unserer Wünsche mit Gewißheit oben angekommen war. Ein kleiner Augenblick, der Gänsehaut erzeugte. Ein Moment schlicht, makellos, nicht wiederholbar.

Nahezu perfekt - immerhin - sind auch diese Kastanien-Pfannkuchen mit dem orientalischen Wirsing. Ich mochte die Kombination der Aromen sehr. Und  für alle Zuckermäuler lege ich die Kastanienpfannkuchen auch in einer süßen Variante ans Herz - mit Schokocrème und Bananen zum Beispiel dürften euch eure Kinder diese Crêpes nur so aus der Hand reißen.


Zutaten 2-4P*:

für ca. 6 Stück
120g Kastanienmehl, gesiebt
2 Eier
150ml Mineralwasser (evt. plus)
50ml Milch
Salz
Öl zum Braten

1 kleiner Wirsing
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 guten Schuß Noilly Prat
100ml Kokosmilch
150ml Gemüsebrühe 
1/2 TL Kreuzkümmel
1 1/2 TL Ras el Hanout
Salz, Pfeffer
30g Raddicchio
(optional: getrocknete Feigen/ Aprikosen/ Rosinen)
Rapsöl

Zubereitung:

Den Wirsing halbieren, entstrunken und in mittel-feine Würfel schneiden. Den Ofen auf 180° (Umluft) vorheizen. Den Wirsing in eine Schüssel mit 1-2 EL Öl und dem Kreuzkümmel vermengen. Etwa 20min im Ofen rösten bis sich die ersten gebräunten Stellen zeigen, dabei zwei Mal wenden.

Die Zutaten für die Kastanien-Pfannkuchen zu einem homogenen Teig verquirlen und ca. 15min quellen lassen - evtuell dann noch einen Schluck Mineralwasser zufügen.

Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln. Beides in wenig Öl glasig dünsten. Gen Ende das Ras el Hanout kurz mitrösten. Mit Noilly ablöschen. Kokosmilch, Gemüsebrühe gemeinam mit dem Wirsing in den Topf untermischen, Deckel auflegen und bei kleiner Flamme etwa weitere 10min köcheln lassen, bis der Wirsing gut gar ist. (Wer mag gibt hier klein gewürfeltes Trockenobst dazu).

Parallel nacheinander die Kastanien-Pfannkuchen backen (m: in Pfanne von 20cm Durchmesser) und warm stellen. Vorsicht: die Kastanien-Pfannkuchen sind etwas brüchiger als die üblichen Pfannkuchen. Daher nicht ZU dünn ausbacken und die erste Seite vor dem Drehen gut knusprig backen.

Zusammen mit dem Wirsing servieren.

*Anmerkung m: ganz sicher, für viele Personen die Rezeptmenge reicht, bin ich mir hier nicht. Uns haben die Kastanienpfannkuchen gut gesättigt - möglich, dass andere gut und gerne jeweils zwei davon verputzen.


Menschenskinder: Maroni-Wirsingpfanne in Pilzcrème

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Jeder Blogger schielt hin und wieder zu den Aufrufzahlen. Ich auch. Aber ganz ehrlich: wenn ich vor dem Bildschirm sitze, dann macht diese Zahl beim Schreiben für mich keinen Unterschied. Ob ich mich nun an einen Leser wende oder an mehrere Tausend. Wie früher (Tagebuch) schreibe ich nicht an ein Gegenüber, sondern irgendwie an mich. Klingt komisch, oder? Ja, aber ich muß ja zuerst selbst verstehen, was ich in Worte fassen will. Sag' ich es mal so: ich schreibe unter anderem für mich. Klar, auch für euch - aber dieses *euch* ist eben eine verschwommene Vorstellung von *jemand*. Ihr versteht, was mich meine?

Will heißen: SO wichtig ist eine trockene, nichtsagende Zahl nicht. Nicht für mich, weil ich sie nicht brauche als Referenz für PR aller Art. Das hier ist ein freier Blog, ein Guerilla-Blog, MEIN Blog. Fühlt sich suppi an! Vielleicht deshalb kommt mir das Bloggen bis jetzt nicht als Pflicht vor. Ohhh, darauf reagiere ich mimosenhaft: *Pflicht* - herje, zitternd schrecke ich zurück. Da trinke ich lieber direkt einen *Trotzkaffee* (wäre unter meinen Vorschlägen gewesen für das Wort des Jahres - nur so am Rande). Das ungezwungene Leben in F hat mich wohl nach aller Regel der Kunst versaut.

Was ich aber als alte Reisende sehr gerne inspiziere ist die Publikumsfunktion: aus welchen Ländern verirrt sich ein Menschlein auf meinen Blog. Und dann jauchze ich dem Habib zu: *Stell' dir vor, heute hat jemand von *Botsuana*/ *Chile* / *Island* / *Pakistan*/ *Japan*/ *Myanmar*/*Südkorea*/ *Barbados*/ *Ruanda*/ *Finnland*  usw. auf das Blog zugegriffen*. Zugegeben: *Cote d'Ivoire* mußte ich googeln - noch nie gehört. Je kleiner das Land und je weiter weg umso faszinierender für mich. Sind wir auf Reisen, dann ist von außen betrachtet das kleine Deutschland winzig - ein Ameisenhaufen!

Eigentlich ist es ein bißchen unfähr meinen treuen Lesern gegenüber aus dem deutschsprachigen EU-Raum. Uns verbindet eben die deutsche Muttersprache, wieso die meisten von dort aus aufrufen (wie ich ja selbst vorrangig Blogs aus diesem Raum lese). Und laut Aufrufzahlen meines Blogs müssen von jenen richtig viele in Portugal leben (einen dicken Gruß nach Portugal!). Ebenso wie in Amerika -  Deutsche stellen in den USA Einwanderungsland Nummero 1 dar (das wußte ich aber). Seltsam in den letzten Tagen allerdings diese großen, sehr auffälligen Aufrufspitzen mal aus China, mal aus Russland, dann aus den USA (das sind doch Maschinen, oder? Ich meine diese seltsamen Spitzen, nicht die Länder ;). Übrigens an dieser Stelle noch ein Kuriosum: Nimmt man die Bevölkerungszahl Europas im Vergleich zu anderen Saaten, dann gibt es lediglich zwei Völker (Indien und China), wo mehr Menschen wohnen als hier. Erstaundlich, nicht?

Nach der sensationellen Entdeckung, wie ich die Maroni sauberst geschält bekomme, gab es dieses Jahr sehr viel Kastanien. Abends einfach mal eine Handvoll zum Knabbern. Oder gerne zum Essen. Wieder ein Gericht inspriert vom Kochquartett, wieder gleichzeitig mit Kathi nachgekocht. Und mein Fazit schließt sich Kathis an: absolut festtagstauglich. Wieso es auf meiner Menu-Zusammenstellung gelandet ist. Als Beilage gabs Bubenspitzle aka Schupfnudeln (in dieser Variante) - seit Kindheit an *Alltimefavorit*!
Zutaten 4P:

300 g frische geschälte, gehäutete Maroni
(entspricht etwa 4 Stück pro Person)
80 g Butter
20 g Zucker
300 ml Gemüsebrühe
300 g Wirsing
2 Karotten
1/2 kleine Sellerieknolle
1 Gemüsezwiebel
7 halbe, getrocknete Tomaten
70ml Sahne
1 kleiner EL Crème fraîche
20 ml weißer Portwein
Piment d'Espelette
1 TL, gehäuft, Pilzpulver
etwas Öl
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
Zitrone

Zubereitung:

Frische Kastanien schälen wie hier beschrieben. Dann ähnlich weiterverarbeiten wie hier: dafür 30 g Butter mit dem Zucker im Topf erhitzen, bis der Zucker leicht zu karamellisieren beginnt. Maroni dazugeben und leicht darin bräunen. Anschließend mit Gemüsebrühe gerade so bedecken und bei kleiner Hitze 15 Minuten köcheln, bis die Maroni gar sind und der Fond fast einreduziert ist. 

Parallel den Wirsing entstrunken und in unregelmäßige, 2–3 cm große Blätter schneiden, in Salzwasser blanchieren, danach im Eiswasser abschrecken, damit er die schöne grüne Farbe behält, gut abtropfen lassen. 

Karotten, Sellerie, Zwiebel schälen und in Scheiben schneiden, die getrockneten Tomaten in feine Streifchen schneiden. Zwiebelscheiben in restlicher Butter ohne Farbe anschwitzen, dann die rohen Karotten, die getrockneten Tomaten und den Sellerie dazugeben, ein wenig Gemüsebrühe anschütten und so lange dünsten, bis das Gemüse gar ist. Dann den blanchierten Wirsing, das Pilzpulver und die glacierten Maronen dazugeben. Mit Sahne angießen, die Crème unterrühren und leicht köcheln, Portwein zugeben, mit Salz, Muskatnuss, Pfeffer aus der Mühle und einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. (wer mag, streckt die Sauce wie Kathi es getan hat)

Dazu gabs die Schupfnudeln in der mediterranen Variante aber auch schlichte Pellkartoffeln würden toll dazu schmecken. 

Wirsing-Wickel - zwischen Herbst und Frankreich

Sonntag, 18. September 2016

Als Kind hatte ich eine kleine Plastikschildkröte zum Aufziehen für die Wanne. Die machte genau die gleiche Bewegung mit ihren Flossen wie die frisch geschlüpften Schildkröten vom Strand Richtung Meer (wer kennt die Bilder nicht). Aber wie wenige von ihnen erreichen je das Wasser? Eine Heerschar von Vögeln lauert in der Luft genau auf dieses Ereignis. Wie wenige von ihnen erreichen überhaupt je das sagenumwobene Schildkrötenalter von über 200 Jahren?

Die Evolution ist verschwenderisch. 

Wieviele der Kaulquappen entwickeln sich je zu Fröschen? Wieviel Störe bringen ihren Kaviar durch? Wieviel Vogelkinder ziehen nach dem ersten Sommer mit in den Süden? Wieviel Schmetterlinge leben lange genug um sich zu paaren? Wieviel Samen muß man ausbringen, damit eine Pflanze Früchte hervorbringt? Die Evolution ist verschwenderisch.

NATÜRLICH sind wir dementsprechend stolz wie Bolle, wenn einer unserer Zöglinge sich zu einem richtigen Prachtkerl mausert. Ich erinnere mich sofort an unsere riesige Cœur-de-Bœuf Tomate deren Gewicht von angeberischen 700g  uns beinahe einen Auftriff im hiesigen Ortsblättchen eingebracht hätte.... hätten wir die Tomate nicht vorher gegessen. Oder jetzt dieser Wonneproppen-Wirsing. 

Ich bekam ihn eben so noch hochgehalten. Mit einer Hand. (Gut, bei solchen Garten-Legenden mutiert man wohl zum Angler). Aber ganz ohne Untertreibung ernährt ein solcher Wirsing mehrere Fußballmanschaften! Beginne ich mit den Wickeln, die herbstlich anmuten mit den Champignons, gerne ersetzt durch Waldpilze (darauf freue ich mich schon - mit dem Regen geht die Pirsch wieder los), während die Füllung dank der Salzzitrone französisch-sommerlich-anmutig bleibt.
Zutaten:

8 Blatt Wirsing
250g weiße Bohnen, gekocht
(m: Dose)
70g Bulgur, gekocht
30g Tomate, confit
1/2 Salzzitrone, fein geschnitten
1/2 Bund Thymian
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Gemüsebrühe
Öl

300g Champignons
1 Schalotte
Noilly Prat
Kokosmilch (oder Sahne)
100ml Gemüsebrühe
1 TL Pilzpulver
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl
Petersilie, fein gehackt

Zubereitung:

Den Bulgur und doppelter Menge Wasser aufsetzen und ca. 10min köcheln lassen. Deckel abnehmen und etwas ausdampfen lassen. Die Schalotte und den Knoblauch fein würfeln. Zusammen mit dem Thymian in Ölivenöl glasig dünsten. Die Bohnen abspülen und abropfen lassen In einem kleinen Topf die Bohnen grob anpürieren. Mit dem Couscous, den Schalotten und der Salzzitrone vermengen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment und Tomaten-Confit.

Die Wirsingblätter in reichlich kochendem Wasser ca. 5min garen und mit kaltem Wasser abschrecken (blanchieren). Die dicken Blattrippen glatt schneiden. Die Blätter mit einem Küchentuch trocken tupfen. Jeweils einen guten Eßlöffel Füllung auf das untere Ende des Kohlblattes setzen. Die gegenüberliegenden Seiten der Blätter etwas einschlagen und zur Roulade rollen. (Wer mag, fixiert nun mit Küchengarn - es geht aber auch ohne).

Öl in einer Pfanne erhitzen und die Rouladen zuerst mit der Nahtseite nach unten anbraten, dann ringsherum. Etwa 50ml Gemüsebrühe angießen und bei geschlossenem Deckel und leichter Hitze gut 10min garen lassen.

Währenddessen die Pilzsauce zubereiten. Dafür die Pilze von den Stielen trennen und die Köpfe in Scheiben schneiden. Bei großer Hitze die Pilze ohne Fett in einer Pfanne braten. Die Schalotte fein würfeln, ebenso die Stiele. Die fertigen Champignons in eine Schüssel geben und in der gleichen Pfanne bei reduzierter Hitze die Schalotte gemeinsam mit den fein gehackten Pilzstielen braten. Mit Noilly Prat ablöschen. Etwas Gemüsebrühe  anschütten. Das Pilzpulver untermischen. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen. Die gebratenen Pilze zufügen und nochmals kurz köcheln lassen (wer mag bindet die Sauce etwas sämiger). Zum Servieren mit etwas feingehackter Petersilie garnieren.