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Ofen-karamellisierter Kohlrabi

Freitag, 7. November 2025


Für Einsteiger in die vegane Küche habe ich eine Faustregel: man nehme Soja-Sauce, Ahornsirup und Chili-Crisp und los gehts. Gefühlt benötigt man für die Mehrheit der Rezepte nicht sehr viel mehr als diese drei Gewürze. Zumindest auf Insta. Und dann gehört OBLIGATORISCH noch dieses Leute-ihr-könnt-euch-nicht-vorstellen-wie-köstlich-das-schmeckt-deshalb-mache-ich-noch-mein-Leckerlecker-Gesicht dazu. Et voilà: schon ist ein Reel für ein veganes Rezept fertig.

So, und ganz ohne Spott: man füge außerdem noch etwas Ingwer und Erdnussbutter hinzu und wirklich jeder kann easy vegan kochen. Stimmt ja soweit. Und diese im Ofen karamellisierte Kohlrabi finde ich richtig sensationell. Eines der besten Ideen für Kohlrabi. Und dabei eigentlich gar nichts Außergewöhnliches, alles irgendwie so ähnlich schon mal da gewesen und herrlich unkompliziert! Hier, der Miso-Sellerie etwa ist ein Blog-Geschwisterchen. Und in der Warteschleife erscheint hier ein weiterer Verwandter nämlich mit roter Bete. Und auf dem Foto habe ich dem Kohlrabi ebenfalls schon Butterrübchen an die Seite gestellt. Auch prima.

Als Begleitung hat mir Kürbis-Pü gut gefallen. Dann kann man noch ein schnelles Sößchen dazu machen. Oder aber ein Quinoa-Stew - wie ihr auf einem der Fotos seht - in welches das Kohlrabi-Grün und noch zwei Karotten reingewandert sind. Voilà! Schon habt ihr wieder schnell und gut gekocht!




Zutaten 2 P:

2 mittlere Kohlrabi 
....
Marinade:
2-3 EL Olivenöl
2 EL Tamari
1 EL Honig mit Chili (m: Kramer-Honig)
Salz, Pfeffer
1/2 TL Paprika-Pulver
1/4 TL Pimenton de la vera
....
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 TL Miso, dunkel
150ml Gemüsebrühe
1 TL Thymian
1 Spritzer Balsamico-Reduktion
1 TL Rübensirup
Olivenöl


Zubereitung:

Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen.

Die Zutaten für die Marinade mischen und rühren, bis alles homogen verbunden ist. Großes Extra hier ist der Honig mit Chili - eine tolle Kombi, auf die ich beim Kochen gerne zurückgreife! Grüße gehen hiermit raus an Astrid und Andy von Kramer-Honig!

Ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Die Kohlrabi schälen und in etwa 1,5cm - 2cm Scheiben schneiden - je dünner umso schneller sind sie fertig. Aber 1,5cm finde ich von der Dicke schon das Minimum. Die Scheiben von beiden Seiten mit der Marinade bepinseln.

Dann für ca. 20 min bei 200° in den Ofen schieben. Nach der Hälfte der Zeit die Scheiben drehen - wenn noch Marinade übrig ist, die bei der Gelegenheit darauf verteilen. Mit dem Messer eine Stichprobe machen, ob der Kohlrabi auch durch ist.

Nicht nötig - je nach weiterer Begleitung - macht während der Kohlrabi im Ofen ist, noch ein kleines begleitendes Sößchen. Dafür Schalotte und Knofi fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen, abloschen mit Gemüsebrühe, Miso zufügen, Rübensirup und Thymian. Bei sanfter Hitze ca. 10min köcheln lassen. Zuletzt abschmecken mit Balsamico-Reduktion und Pfeffer.


lebendiges Grün - Ras-el-Hanout-Stew mit Frühlingsgemüse

Montag, 1. Mai 2023

 

Wir kehren zurück von einem kurzen Aufenthalt aus drei deutschen Städten. Und jetzt, mit dem Übergang zum Mai, könnte der Kontrast dazu mit Blick ins Tal nicht größer sein. Während unserer Abwesenheit hat der Trieb der Pflanzen, der Vegetation, der Schub des Frühlings an Fahrt aufgenommen. Das Auge wird überspült von Grün in all seinen Nuancen, ein Grün, das unbändig, wild, maßlos, verschwenderisch, überwältigend ist. Alles strotzt nur so vor Kraft, vor Regeneration, vor Üppigkeit. Nachts singt die Nachtigall wieder, morgens die ganze Vogelschar und mittags zwitschern aus den Brutkästen die ersten kleinen Meisen, unterbrochen von einzelnen Kuckuck-Rufen oder einem besuchenden Wiedehopf. Überall wächst und gedeiht es, alles ist am Werden.

Wenn ich im Garten bin, verfliegen die Stunden. Was riecht das gut! Wie wohltuend ist es, die Luft tief einatmen zu können. Ja, wie wohltuend ist es, wieder zurück auf unserem Fleckchen Erde, in unserem kleinen Garten Eden zu sein, in unserer freiheitsliebenden Drôme. Das ist mein Biotop, das ist mein Ort, an dem ich sein und wachsen kann, das ist mein Therapie-Zentrum, das mir Raum schenkt, mich zu entspannen, mich wahrzunehmen, mich auszuweiten. Und ich könnte alles einzeln benennen, vom Spazieren gehen, über Blumenstrauß binden, Unkraut jäten, Waldwaten, Setzlinge in die Erde drücken, über Wiesen kugeln... das alles beschreibt nur hinlänglich, wie gut mir diese natürliche Umgebung tut, wie alles in mir mit diesem satten Grün mitauflebt, wieviel Energie ich mir aus *Grün* ziehe.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass ich nun wieder den Vergleich zum Stadtleben habe und selbst staune, in welchem Maße ich ausgewildert bin, wie sehr mir Leben in der Stadt fremd wurde.

Georg Simmels berühmtes Essay (bereits vor 100 Jahren geschrieben) kommt mir in den Sinn *Die Großstädte und das Geistesleben*. Und er beschreibt darin doch auch nichts anderes, als die Spaltung der Menschheit in zwei Gruppen - ganz so, wie es der Habib benennt. Die einen werden zu reinen Kopffüßlern, die anderen bewahren sich noch ein intaktes Gemüt - jeweils eine Adaption an ihre Umgebung.

Beides gleichzeitig geht nicht. Man hat immer die Wahl - gerade individuell. So ist Erde angelegt. Man hat sich zu entscheiden. Der Kopf jedoch (das darf man nicht vergessen) rückt die Dinge so lange hin und her, bis alles wieder passt. Und der Verstand glaubt, Vorteile gegen Nachteile gegeneinander abwiegen zu können - das Gefühl aber erhält keine Stimme. Ich habe eine schöne, kleine Beispielgeschichte dazu. Ich bin wieder mit der Mitfahrzentrale gefahren und unterhielt mich bei der Gelegenheit mit einem Studenten. Er wohnt in einem Studenten-Wohnheim, dessen Miete absolut unschlagbar ist, ein Mal die Woche kommt gar eine Putzfrau, ein Tiefgaragen-Parkplatz gibt es gratis obendrauf und zentrumsnah liegt es ebenfalls. Ein 6er im Stadt-Wohn-Lotto. Vermeintlich. Denn die Wände sind sehr dünn, das Wohnheim laut und das erste halbe Jahr konnte er trotz Ohrstöpsel kaum schlafen. Mein Student fühlt sich nicht wohl, jetzt wohnt er schon 2 Jahre dort, ein Zuhause ist es nicht, aber er hat sich damit arrangiert. Eine andere Wohnung mit ähnlichem Preis-Leistungsverhältnis ist nicht aufzutreiben. Was will man also machen. So bleibt er halt dort wohnen. Kurz: Verstand toppt Gefühl. Nicht, dass ich die Argumente nicht nachvollziehen kann. Und für eine bestimmte Phase kann man viel machen. Das Kunststück dabei ist, nicht abzustumpfen, taub zu werden, ledern...

Ich fühle gerade mit all denen, die von Beton eingesperrt und eingezwängt sind, *hinter tausend Wänden keine Welt*, während auf dem Land Kraftprotz Natur in seiner ganzen Lebendigkeit tobt. Ich wollte nicht tauschen, ich brauche den Mai mitten im Grün.




Und leichterdings kann man das Grün gerade ins Mittagessen integrieren. Das ist eine der unzähligen Varianten meines geliebten Stews, das es nahezu wöchentlich gibt. Das Stew ist ja so leicht abzuändern. Ich schaue immer, dass meine Mischungen insgesamt etwa 120g -130 g ergeben. Und los gehts mit dem Spielen...

Das Gemüse dazu ist Schwelgen in den ersten frischen Früchten, die die Erde wieder hergibt: Zuckerschoten, junge Mairübchen, grüner Spargel... Gutes Essen ist eigentlich immer unkompliziert!

 

Zutaten 2P:

40g Couscous
30g rote Linsen
30g Quinoa
30g Hirse
1 1/2 TL Ras el Hanout
1/2 TL Kurkuma
Kokosfett 
1 Lorbeer-Blatt
1 Stange junger Knoblauch (oder etwas Bärlauch)
Gemüsebrühe
eine handvoll frische Erbsen
1 EL Mandelmus
...
4 junge Mairübchen mit Grün (oder Butterrüben)
100g Zuckerschoten
200g grüner Spargel
1 Salz-Zitrone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1/2 Bund Bärlauch (oder Kerbel/ oder Estragon)
ein Schuß Noilly
Saft einer halben Orange
1-2 TL Ahorn-Sirup
 Olivenöl

 

Zubereitung:

Knoblauchstange fein hacken und zusammen mit dem Ras el Hanout und dem Kurkuma in Kokosfett kurz anbraten. Restlichen Zutaten zufügen und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig). Kurz vor Ende der Garzeit die Erbsen sowie das Mandelmus untermischen und im heißen Stew gar ziehen lassen 

Mairübchen von Grün trennen, bürsten und je nach Größe halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Das Grün in einer extra Schüssel ebenfalls klein machen - ca 2cm Breite. Zuckerschoten gipfeln und vom Faden befreien und in Streifen schneiden. Das untere Drittel des Spargel schälen und dieses Drittel längs in Stücke von etwa 1cm schneiden. Die Salzzitrone vierteln, das Fruchtfleisch herauslösen und entsorgen und die Schale in feinste Stücke schneiden.

Olivenöl in einer breiten Pfanne erhitzen und die Mairübchen sowie die Spargelenden-Stücke darin 4-5min wenden. Salzen und pfeffern. Die Salzzitrone zufügen. Mit Noilly ablöschen. Spargel-Spitzen zufügen. Bei kleiner Hitze Deckel kurz auflegen (ca. 5min) und garen lassen. Nun Mairübchen-Grün und Zuckerschoten untermengen, ebenso die frischen Kräuter der Wahl, den gepressten Orangensaft anschütten, Deckel nochmals auflegen und weitere 3 min kochen. Mit Piment würzen und mit Ahorn-Sirup abrunden. Zusammen mit dem Stew servieren.


Ehrenmann - Junge Mairübchen mit Knoblauch-Käse-Polenta

Sonntag, 22. Mai 2022


Bitte entschuldigt die kleine Pause, aber ich war damit beschäftigt, die Welt zu retten zu verbessern. Ihr staunt? Tja, man tut, was man kann. Und hätte ich gewußt, wie einfach das ist, ehrlich, ich hätte ja schon viel früher... Jetzt fragt ihr euch, ja WIE denn? Leute: einfach mal keine Bilder von fotographiertem Essen hochladen. That easy! Sagt einem ja keiner. Aber das sind doch Informationen, die ich brauche! Exakt genau dafür gibt es glücklicherweise Experten, Behörden, Erhebungen Minister. Und der Bundesdigitalminister heißt Volker Wissing. Eben jener wieß jüngst im Anschluß der Ministerberatung der G7-Industrienationen darauf hin, dass viele (zu viele) dazu neigen würden, Essen zu fotographieren: *Und wenn man sich die Zahl der Fotos von Essen anschaut weltweit, kommt man auf einen enormen Energieverbrauch.* Man müsse sich die Frage stellen, ob das wirklich notwendig sei. Eben. MUSS DAS SEIN!? Einfach mal nachdenken. Aber eben nicht zu lange darauf rumkauen. Und schon gar keine Fotos machen und die dann in Foodistan teilen wollen. Ist machbar, nich? Also ich habs jetzt locker ein paar Tage hingekriegt!

Und wieder einmal ist erkennbar, was alles möglich ist, wenn man von bezwingender Logik, der übergeordneten Wesensebene, spirituellen Werten, willkürlichen Details ausgeht! Sodele und mit dieser  eingesparten Energie sollten sich doch wieder mehr Panzer produzieren, Waffen in Kriegsgebiete liefern Wahrheitsministerien gründen, das Land mit ausreichend Energie versorgen schwierige, politische Entscheidungen abwägen lassen. Jeder Minister kann dabei ein bißchen mithelfen, wie wir jetzt wissen, will er denn die Ehrenverdienstmedaille fürs Vaterland in Gold, Silber, Bronze anstreben, sei es sich für seine Nation zum Krüppel zusammenschießen zu lassen, Haus und Hof Bomben zu opfern, Hab und Gut den Teurungen zu übergeben einfach mal drinne ein Pullover im Winter überzustreifen. Echt jetzt, das kann doch nicht zu viel verlangt sein. Dafür muss man doch kein Staatsdiener sein!

Es sind die kleinen Schritte von vielen. Dann, ja dann bin ich zuversichtlich, dass wir die Überflutung von den Niederlanden noch etwas hinauszögern, ein paar Tierarten retten, etwas Plastik aus dem Meer fischeln, besseres Wetter bekommen!

 


 

Eines meiner liebsten Frühlingsgemüse - dieses Jahr noch vor dem Spargel - ist das Mairübchen. Mairübchen kommen im Frühling nie alleine, sondern gebündelt mit anderen samt Grün. Sie sind noch so zart, dass man sie nicht schälen muss und mit Haut und Haar verschlingen kann. Dieses Gericht hatte ich eigentlich gar nicht vor zu verbloggen, es schmeckte mir dann aber derart gut, dass ich es für diese Zwecke einfach kurz darauf wieder auf den Tisch brachte. Zumal es bei den Augusttemperaturen meinen Bedürfnissen entgegenkam, nicht zu lange am Herd zu stehen.


Zutaten 2P:

125g Maisgrieß
250ml Gemüsebrühe
250ml Milch
2 Knoblauchzehen
2 Stangen frischer Knoblauch*
1 Mozzarella
Bergkäse*
Salz, Pfeffer
1 Prise Muskatnuss-Abrieb
 
1 Bund Mairübchen/ Navets (ca. 4 Stück)
1 TL Savora-Senf
etwas Gemüsebrühe
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
ein Stich Butter

Zubereitung: 

Mairübchen vom Grün trennen und beides waschen. Die Rübchen - je nach Größe - halbieren oder vierteln und in Scheiben schneiden. In Butter in einer Pfanne etwas Farbe annehmen lassen. Nach etwa 5 min das klein geschnittene Grün zufügen, ebenso etwa 100ml Gemüsebrühe. Mit Senf, Salz und Pfeffer sowie Piment würzen. Nicht völlig durchgaren - die Rübchen sollten noch etwas Biss haben. Warm stellen.

Milch und Brühe zum Kochen bringen zusammen mit den feingeschnittenen Knoblauchzehen und den Knoblauchstangen und die Polenta einrießeln lassen und je nach Packungsangabe kochen lassen (m: vorgekochte Polenta verwendet - die braucht nur 5 min Quellzeit). Dabei stetig rühren damit die Polenta nicht am Topfboden anhängt. Kurz vor dem Servieren den in Stücke geschnittenen sowie geriebenen Käse unterrühren und zum Schmelzen bringen. Darauf achten, dass die Polenta eine schön schlonzige Konsistenz hat. Gegebenenfalls noch etwas Flüssigkeit anschütten.

Zusammen mit den Mairübchen servieren,

Anmerkung m: die Polenta eignet sich hervorragend um Käsereste darin zu verbasteln. Ich hatte neben dem Mozzarella noch ein kleines Stückchen Tomme de brebis und etwas Comté. Die Drôme ist Knoblauchanbaugebiet - der junge Knoblauch bereits im ganz frühen Stadium (s. Foto als Stange) bereits eine kleine Delikatesse. Mittlerweile haben sich bereits kleine Knollen entwickelt und auch dann schmeckt der Knofi so gut wie nie! Ein Löffel Bärlauch-Pesto fügt sich geschmacklich sehr gut ein.


verquere welt - Kinderteller

Freitag, 8. April 2022

 

Wenn die Lehrerin morgens das Klassenzimmer betrat, fragte sie als erstes: *Wer ist der Erbfeind?* Und die Klasse sprang auf und brüllte im Chor: *Der Franzose!* Und die Lehrerin wieder: *Was ist der Franzose?* Und die Klasse dröhnte: *Der Erbfeind!*

Normaler Unterrichtsbeginn in Deutschland während der Schulzeit der Großmutter des Habibs, Oma Franziska. Und viel geändert hat sich seither nicht. Warum lernt der Mensch nichts dazu, hat mein Dokumentarfilmer das allwissende Orakel gefragt. Doch wer ganz genau hinschaute, konnte feststellen, dass der Frage das Fragezeichen fehlte. Es war eine Feststellung. Manches ändert sich nicht. Politik ist Politik und Krieg ein dreckiges Geschäft.

Nicht, dass ich denke, ich kann den Aggressoren dieser Welt erklären, dass man mit Waffen keinen Frieden schließen kann. Was schon Erich Maria Remarque nicht geschafft hat (wer nicht lesen mag, der kann sich in der Arte-Mediathek die gelungene Verfilmung von *Zeit zu leben, Zeit zu sterben* mit einer zauberhaften Liselotte Pulver anschauen), das vermag ich auch nicht. Ebenso unmöglich das kranke, pervertierte Narrativ der amerikanischen Filmindustrie, welches die Waffenindustrie nährt, gerade zu stellen, nämlich dass es soetwas wie einen guten Mörder gibt, jenen, den man dann zum Helden stilisiert, weil er *den Feind* eleminiert hat, weil er sich als Opfer verteidigen muss... Jene wachen wohl aus ihrer Verblendung nicht mehr auf. 

Aber ich habe hier die Möglichkeit auf die Aktion in der taz hinzuweisen, die bereits tausende Unterschriften gesammelt hat gegen die Hochrüstungspläne: wir sind viele, die für Pazifismus und Abrüstung stehen. Man darf sich das Gegenteil nicht einreden lassen. Nein, meine Söhne gebe ich nicht - eines dieser schönen, leisen Lieder von Reinhard Mey, das Steigbügelhalter macht, um mal entschieden Position zu beziehen: Nein, meine Einwilligung zum Gegeneinander gebe ich nicht! Und nein, ich werde den Teufel tun und mich in diesen Wahn mit hineinziehen lassen!

Die Welt verdreht sich eh zusehens. Und zwischen Lüge und Wahrheit scheiden zu können, kommt mehr und mehr der Aschenbrödelaufgabe gleich, Erbsen von Linsen trennen zu müssen. Allerorts Verwirrung und Desorientierung. Und selten zwischen all den Irrlichtern ein heller Moment. Heute einer mit Alice Schwarzer. Ich staunte sehr über mich, dass wir zwei, die Alice und ich, mal einer Meinung sind - und zwar in der Transgender-Diskussion (hier im *Stern*) die weltweit dauerbefeuert wird (warum eigentlich?).

Ich brauche sie ja nicht, die Emanzen. Das sind doch seit jeher immer diese bullenbeißrigen Brunhilde-Typen, die das here Schild der Gleichberechtigung vor sich tragen, aber denen es viel eher um Macht, Herrschaft, Unterwerfung, Wichtigkeit und Einfluß geht. Nichts, wofür ich je gekämpft hätte. *Emanzipation war für mich nie ein Wort*, pflegte meine Großmutter gerne zu sagen, kriegsverwitet wie sie war, Mutter von vier Kindern und obendrein einen bettlägrigen Vater pflegend. Die Freiheit, die ich meine, geht auch in Beziehung anders. Sorry, dafür brauche ich Emanzipation nicht. Und in der Gesellschaft, in der ich groß wurde, bin ich aufgrund meines Geschlechtes nie vor verschlossenen Türen gestanden. Das mag mit den Türen zusammenhängen, durch die ich treten wollte...

Aber ganz und gar mit Alice, die sich deutlich gegen die Mode-Erscheinung stellt, sein Geschlecht zu verändern, gerade wie es einem Jugendlichen in den Sinn kommt. Was nicht zu verwechseln ist mit der Thematik der kleinen Gruppe echter Transsexueller. Ein verquerer Hype - darin stimme ich mit Frau Schwarzer überein: *Bei dieser ganzen Debatte wird meiner Meinung nach Natur mit Kultur verwechselt. Ich gehöre zu den Menschen, die die kulturelle Geschlechterrolle abschaffen wollen [...]* Jetzt aber geht man plötzlich her und sagt: 'Das biologische Geschlecht muss geändert werden.' Wir können die Natur aber nicht abschaffen.*

Sehr gut gesagt! Was stimmt denn mit der Natur auf einmal nicht mehr? *Was machst du an der Welt, sie ist schon gemacht, Gott der Schöpfer hat alles bedacht... (Goethe). Für mich kulminiert genau darin die Problematik unserer Zeit, ja genau das ist DER Brennpunkt unserer Zivilisation: das Rumdoktoren an der Natur, die Hybris des Menschen, sich über seine Herkunft zu stellen, das Missachten natürlicher Grenzen, das Sezieren ohne Zusammenhang, das Vergiften des eigenen Biotops. 

 


Für mich sind diese mit Käse gefüllten Kartoffel-Plätzchen ein echter Kinderteller. Vielleicht weil ich selbst als Kind so gerne Schupfnudeln gegessen habe? Dazu etwas Rahmgemüse, das nahezu alle Kleinen mögen. Nun, wer weiß, nur weil die Kinder, die ich kenne, das mögen, sind deshalb ja nicht alle Kinder gleich. Vielleicht aber kocht ihr eure Zwuggel mit diesen Kartoffel-Plätzchen tatsächlich so appetitlich, wie ich mir das in meiner Phantasie vorstelle. Die kleinen, zufriedenen, satten Momente am Tisch - wie leicht ist sich daran zu erfreuen!


Zutaten 8 Stück:

450g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
1 Ei
50g Hartweizengrieß
50g Mehl (m: Einkorn-VK)
Salz, Pfeffer
1 kleine Zwiebel
1/2 Bund Petersilie (oder Bärlauch)
Saint-Nectaire, in Würfel geschnitten (oder ein anderer, schmelzender Käse)
Butter/ Öl


 Zubereitung:

Die Kartoffeln in ausreichend kaltem Wasser aufsetzen und als Pellkartoffel garen - dauert je nach Größe etwa eine halbe Stunde.

Die Zwiebel fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Kurz vor Ende die fein gewiegte Petersilie zufügen (jetzt im Frühling passt auch gut Bärlauch).

Die Kartoffeln schälen, etwas ausdämpfen lassen und noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Mit dem Grieß und dem Mehl mischen, Zwiebel und das Ei zufügen, gut salzen und pfeffern und daraus rasch einen homogenen Teig kneten (nicht zu lange kneten, sonst wechselt Teigkonsistenz in komisch- speckig).

Einen großen Eßlöffel der Masse auf die Hand geben, flach drücken, mit Käsewürfel füllen, dann die Teigenden darüberklappen und gut verschließen und so fortfahren, bis 8 Kartoffel-Plätzchen gefüllt sind. In etwas Sonnenblumenöl von beiden Seiten goldbraun anbraten.

 

Anmerkung m: Dazu passt jedes Rahmgemüse - bei uns gab es Erbsen und Möhren, die ich mit jungem Knoblauch und Zitronenschalen-Abrieb gewürzt habe. Alternativ macht sich auch Rahm-Kohlrabi dazu gut, Lauch oder die ersten, jungen Mai-Rübchen. Die Plätzchen schmecken selbst kalt gut.

 

Geschwister im Blog-Universum:

     ****   Herbst-Kartoffel-Calzone   ****

     ****   Mozzarella-Kartoffel-Schnitzel   ****

 

 

Das war eine zweite, *erwachsenere* Version mit Soja-Geschnetzeltem, Pilzen und Münster gefüllt

Rebelle - Sellerie-Maronen-Ragout mit Honigkuchen-Semmelknödel

Samstag, 9. Januar 2021

 

Unsere alleinstehende Nachbarin hat vergangenen Frühling ein schwarz-weiß geschecktes Katerchen mit etwas kurz geratenen Beinen bei sich aufgenommen, um die Einsamkeit während des ersten confinements besser zu ertragen. Sie taufte ihn *Rebelle*. Und seither laufen sie ganz einhellig zu dritt sapzieren: ihr pummeliger, ebenfalls extrem kurzbeiniger, weißer Terrier, der vor Energie strotzende Rebelle und die nun weniger einsame Héloise.

Wobei die Gesellschaft auf Rebellen ja grundsätzlich nicht gut zu sprechen ist. Doch geht das aktuell herrschende System unter, dann wendet sich das Blatt der Beurteilung radikal und Rebellen werden zu Helden stilisiert. Schon komisch, oder? Wie sich alles ins Gegenteil verkehren kann, wenn man nur die Perspektive wechselt? ( gerade ein Lieblingsthema von mir...).

Vielleicht färbt aber auch nur die Umgebung auf mich ab. Tatsächlich ist die Drôme eine Brutstätte der Rebellion und Frankreich weit bekannt für ihre Widerstandskämpfer während des 2. Weltkrieges. In den Höhlen des rauhen Hochvercors versteckten sich les réstistents, wo heute zu ihrem Gedenken das sehenswerte *Memorial départemental de la Résistence du Vercors* errichtet wurde. Und so abgeschieden unser Tal auch scheint, so wurde es dennoch zum Schauplatz des Krieges mit den Deutschen, worüber ein kleines, privates Museum im Nachbarort berichtet. Fahren wir zum Einkaufen nach Crest, dann passieren wir jedes mal die Gedächtnisstätte von Nancy Bertrand, die dem Widerstand als Nachrichtenübermittlerin diente, dabei erwischt und daraufhin von einem deutschen Offizier exekutiert wurde.

Wer in der Drôme lebt, lebt in Mitten von Zeugnissen der Rebellion. Doch nicht nur die der Vergangenheit - gleichzeitig auch die der Gegenwart. 

Der Autor des Artikels *Unter Bibern und Wölfen lebt es sich gut* in der FAZ (coucou Maria und Arthur) sieht eben in diesen historischen Wurzeln begründet, warum in der Brust der Dromois bis heute der Geist von Protest und Widerstand schlägt - aber nicht minder der von Solidarität und Toleranz. Tatsächlich machen hundert Gemeinden der Drôme mit sechsundfünfzigtausend Einwohnern als Ökorebellen von sich reden und zwar mit dem Pilotprojekt die Biovallée samt eigenem Qualitätslabel. Die Biovallée dient europaweit als Vorzeigemodell für Biolandwirtschaft und Nachhaltigkeit. Dieses Engagement schenkte der Drôme ihre heutige Wasserqualität und Bioversität, wofür die Assoziation in Australien 2005 den ersten Platz machten und den River Prize (den Weltpreis für Wassermanagmenet) gewannen - unter 450 Kandidaten aus 35 Ländern!

Schon jetzt werden bei uns vierzig Prozent der Äcker und Felder biologisch und im Einklang mit der Natur bewirtschaftet. Selbst unser Dorf Gigors et Lozeron wird ob der Schönheit seiner Landschaft in diesem Artikel namentlich erwähnt - da bin ich natürlich ziemlich stolz!

Und ich bin sehr zufrieden nicht nur in einem Naturschutzpark sondern zusätzlich in einem Biovallée zu leben (doppelter Naturschutz hält besser) - dank der Überzeugung und dem Starrsinn einzelner Visionäre! Bestimmt lässt sich jetzt leichter nachvollziehen, warum wir uns so ausdrücklich Naturliebhaber als Feriengäste wünschen - denn es wäre zu schade, wenn ein solcher Ort nicht entsprechend wertgeschätzt würde.

Grundsätzlich halte und stehe ich ja lieber für mich selbst. Aber müsste ich wählen zwischen Team *Ja-Sager, Mitläufer und Sich-in-der-größten-Gruppe-Verstecker*  und Team *Widerständler, Rebellen und Für-eine-Sache-Einsteher* dann würde mir die Entscheidung leicht fallen...

 

 

In letzter Zeit bin ich meinem Blogmotto *Sich das Leben etwas schöner zu kochen* SEHR treu geblieben. Ich freue mich darauf, euch die vielen köstlichen Ideen vorzustellen, die sich momentan in der Wartehalte sammeln. 

Dieses hier ist von Bettina Matthaei, die nicht nur erklärt eine meiner liebsten Kochbuchautorinnen ist, sondern auch bei mir ihr eigenes Label hat. Dieses Sonntagsgericht stammt aus ihrem tollen Buch *Gemüse kann auch anders*, aus dem ich schon die Möhrennudeln mit Linsen-Nuss-Sauce vorstellte (keine Empfehlung übrigens mehr für den Spirelli). Ich habe es etwas nach meinem Geschmack angepasst (Navets anstelle von Sellerie, mehr Sauce...). Für alle leidenschaftlichen Rezepte-SammlerInnen habe ich aber das Original belassen - damit niemand Angst haben muss, dass ihm durch meinen individuellen Dreh etwas entgehen könnte...


Zutaten 4P (m: 2P):

Ragout:

600g Sellerie (m: 400g Navets)
400g Gemüsebrühe (m: 350g)
1 Lorbeerblatt
300g Schalotten (m: rote Zwiebel)
4 Zweige Thymian
250g vorgegarte Maronen (m: 120g eigene)
Olivenöl
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
Cayenne (m: Piment d'Espelette)
Wattleseed (nach Belieben - m: nicht gehabt)
150ml Rotwein 
(m: 50ml Portwein, ein Schuß Rotwein, 1-2 EL Tamari-Sauce)
50g eiskalte Butter (m: Roux zum Binden)
Semmelknödel:
200g Chiabattabrot (m: eigenes, helleres Brot)
150g warme Milch

100g Honigkuchen (m: eigener Brioche plus 2 Spekulatius)*
100g Zwiebeln
1/2 Bund Petersilie
2 Eier
150ml Milch
20g Mehl
30-40g Semmelbrösel
Olivenöl

Zubereitung:

Mit den Semmelknödel beginnen. Brote fein würfeln und mit der warmen Milch übergießen - ab und zu umrühren Zwiebeln fein würfeln und in Olivenöl glasig dünsten. Petersilie fein hacken. Eier verquirlen und zu den Brotwürfeln geben, die Masse salzen und pfeffern, dann Zwiebeln und Petersilie untermischen. 20g Mehl und 30-40g Semmelbrösel zur besseren Formbarkeit dazugeben (m: meine Brote waren vom Vortag - gab nur etwa 1 EL Semmelbrösel aber eben auch die zerbröselten Spekulatius hinzu). 

Aus dem Teig 16 kleine Knödel formen und in gerade siedendes Salzwasser geben (m: über Wasserbad gegart). In 4-7min gar ziehen lassen. Sobald sie an die Oberfläche schwimmen, sind sie fertig. Mit der Schaumkelle herausheben, etwas ausdampfen lassen und mit dem Ragout anrichten.

Für das Ragout die Sellerie (m: gelbe Navets) schälen, in 2cm Würfel schneiden und zusammen mit dem Lorbeerblatt in der Brühe bei mittlerer Hitze ca. 15-20min kochen lassen. Abgießen, Brühe dabei auffangen.

Schalotten je nach Größe halbieren oder vierteln (m: rote Zwiebel in 1cm Würfel schneiden), Maronen ebenfalls wenn nötig etwas verkleinern. Zwiebel in Olivenöl mit Thymian glasig dünsten, Maronen und Sellerie (Navets) dazu und bei kleiner Hitze ca. 5min mitgaren. Würzen mit Salz, Pfeffer, Piment, Muskatnuss und (falls vorhanden) Wattleseed.

Ragout aus Pfanne nehmen, warm stellen. Rotwein und 150ml Brühe (m: sämtliche) zum Bratsatz geben, aufkochen, etwas einreduzieren lassen. Von der Herdplatte nehmen und nach und nach die kalte Butter unterschlagen bis die Sauce sämig ist (m: mit Roux gebunden). 

Anmerkung m: Hälfte der Semmelknödel für uns zubereitet

Quelle: *Gemüse kann auch anders* von Bettina Matthaei


From nose to tail: Hirse-Puffer mit jungen Mairübchen

Samstag, 30. Mai 2020


Das erste frische Gemüse des Jahres liegt in knackigen Bündeln auf den Markttischen: Radieschen machen den Anfang, gefolgt von Spargeln, Navets (Kohl- oder Mairübchen), Rote Bete, Kohlrabi und Karotten. Und wie man das als leidenschaftlicher Vegie so macht, versucht man das Grün nicht verkommen zu lassen. Im Zweifelsfall wird es in einen der wöchentlichen Eintöpfe mit reingeschnippelt. Das Karottengrün kann man zu Pesto verwandeln - wie eigentlich alles ungiftige, frische BioGrün mit Geschmack. Und für die Navets habe ich heute einen Vorschlag, womit ihr einen solchen Bund mit Haut und Haaren verspeisen könnt.

Die jungen Mairübchen sind so zart, dass die Versuchung groß ist, sie einfach so zu verdrücken. Sie erinnern an Kohlrabi, nur dass sie etwas schärfer sind, insbesondere dann, wenn man sie nicht schält. Was absolut nicht notwendig ist - sitzen doch die meisten Vitamine immer dicht hinter der Schale. Und die hobelt man ja schließlich nicht einfach runter, wenn man nicht zwingend muss.

Ansonsten heißt es mal wieder *Keep it simple* - ein weiteres Motto dieses Blogs - nicht nur, was die Alltagsküche betrifft. Dieses Essen war gar nicht geplant fürs Verbloggen. Dann hatte es mir aber - in seiner Einfachheit - so gut geschmeckt, dass ich es direkt zwei Mal hintereinander zubereitet habe. Und beim zweiten Mal habe ich es dann auch fotographiert, damit ich das Rezept hier festhalten kann. Ein wunderbares Gericht gerade für alljene, die täglich kochen...

... und apropo Puffer: da gäbs hier noch ein paar hauseigene Ideen... 


Zutaten 2P:

1 Schalotte
100 g Hirse
250 ml Gemüsebrühe
2-3 EL Mehl (m: Einkorn-Vollkorn)
Mairübchen-Grün*
2 junge Knoblauchzehen 
1 Ei
1/2 -1 TL Ras el Hanout*
1/2 Salzzitrone
(optional ca. 100g gewürfelter Käse)*

4 Mairübchen
2 Karotten
1 Stich Butter
Salz, Pfeffer
eine Prise Rohrzucker 

Zubereitung:

Das Grün von den Mairübchen abreißen (oder wegschneiden). Mairübchen schrubben, Grün waschen und trocken schleudern.

Das Grün fein schneiden und in etwas Öl kurz andünsten, bis es etwas zusammengefallen ist. Den Knoblauch fein hacken. Die Salzzitrone vom Fleisch befreien, das entsorgen und die Schale in feinste, kleine Streifen schneiden.

Die ebenfalls fein gewürfelte Schalotte in etwas Olivenöl anschwitzen, die Hirse zufügen und mit der Brühe übergießen, aufkochen und ca. 20 Min. bei schwacher bis mittlerer Hitze zugedeckt köcheln lassen, bis die Hirse weich und die Brühe eingekocht ist (aufpassen und nachschauen, dass zwischendurch nichts anhängt - gegebenenfalls etwas Brühe nachschütten). Haferflocken und Mehl unterrühren und alles auf der ausgeschalteten Herdplatte zugedeckt noch 10 Min. quellen lassen.
 
Mairübchen-Grün, Hirse, Ei, Knofi, Salzzitrone und Käse unter die Hirsemasse mischen. Diese salzen und pfeffern. Öl in einer Pfanne erhitzen. Aus der Hirsemasse mit feuchten Händen acht flache Bratlinge formen und in zwei Portionen im heißen Öl in je 5 Min. von beiden Seiten knusprig golden braten.

Parallel Mairübchen und Karotten sauber schrubben, in dünne Scheiben schneiden und so lange in einer Pfanne mit Butter dünsten, bis das Gemüse weich ist, aber nicht zerfält. Leicht würzen mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker.

*Anmerkung m: man kann das Ras el Hanout auch durch Curry austauschen. Wer nicht an solches frische Mairübchen mit Grün kommt, kann das Grün etwa durch 2-3 Frühlingszwiebeln ersetzen und die Schalotte dann aber rauskürzen. Die Käsewürfel sind eine prima Gelegenheit um Käserestchen aus dem Kühlschrank zu verarbeiten...


Hummelschwärmer an roter Spornblume

bises: Sahne-Linsen mit Knusper-Mozzarella

Donnerstag, 12. März 2020


In Frankreich verändert Corona bereits kulturelle Eigenheiten, nämlich die der Begrüßung. Man gibt sich keine bises, kleine Küßchen auf die Wange rechts und links, mehr. Das ist - da sind sich alle einig - so angebracht wie vernünftig. Aber es führt auch zu verlegenen Momenten, wenn man solche alteingebürgerten Rituale einfach fallen lassen muss. Das bises-Geben ist eine Geste der Nähe, des Entgegenkommens, des Vertrautseins miteinander, die man mit denen wechselt, mit denen man enger und weniger eng ist. 

Anfangs in Frankreich war mir das manchmal zusehr in meinem Tanzbereich (ihr kennt die Dirty-Dancing-Szene: *Das ist mein Tanzbereich und das ist dein Tanzbereich). Eben: Abstand, Baby. Bei Körperkontakt mit anderen bin ich seit jeher sehr eigen. Mais bon, ich hatte mich daran gewöhnt - Mensch gewöhnt sich ja an vieles. Faszinierend beim bises-Geben ist für mich, wieviel Zusatzinformationen man über Menschen erhält. Es fühlt sich mit jedem anders an. Ein Nachbar etwa, der beim Lachen mehr Zähne zeigt als die Mundwinkel nach oben zuziehen (wenn ihr versteht, was ich meine), hat Wangen aus Granit. Gletscher-Feeling total!

In die Feinheiten des französischen bises-Geben wird man nach und nach unterwiesen. Das ist VIEL komplexer als es scheint! So ist die Anzahl der bises regional unterschiedlich: hier in der Drôme beispielsweise wechselt(e) man drei, in Paris hingegen sind es nur zwei. Und ob man nun mit der linken oder rechten Wange beginnt, hängt ebenfalls davon ab, wo genau man sich gerade in Frankreich befindet.

Außerdem handelt es sich bei den bises mitnichten nur um eine reine Form der Begrüßung. Vielmehr weben sich um die bises ähnliche Legenden wie um die geheime Fächersprache. Naja, nicht umsonst gilt Frankreich als das Land, in dem AMOUR großgeschrieben wird. Und irgendwoher müssen die Patchwork-Familien ja herkommen. Fremdgehen gilt als Kavaliersdelikt. Ich erinnere an die Geschichte um den französischen Ex-Premier François Hollande, der mit der Vespa samt Croissant-Tüte am Lenker zu seiner Geliebten gefahren sein soll. Nicht, dass er eine Affaire hatte echauffierte die Gemüter der Fränzis, sondern dass er sich dabei erwischen ließ...

Anyway - derlei muss nun ohne Bises-Absprache vonstatten gehen. Damit komme ich noch gut zurecht. Wie das mit dem Rest aussieht, werden wir sehen...

Ansonsten bieten mir momentan die regelmäßigen Gespräche mit Christian Drosten, dem Leiter der Virologie der Berliner Charité eine Orientierungshilfe - ein ruhiger, sachlicher Mann, dem gut zuzuhören ist (inzwischen auch als Skript zum Nachlesen) - (und gen Ende des Jahres unterliegt Drosten für mich entschieden einer Entzauberung). Und dieses Interview mit Italiens bekanntestem Viruloge fand ich genauso erhellend wie die Darstellung in der SZ sich exponentielles Wachstum nochmals vor Augen zu halten: es hat die Form einer Hyperbel (via Kaltmamsell)!

Es gilt wohl momentan, das gesellschaftliche Leben auf kleinen Rahmen zu begrenzen - das sollte sich soweit rumgesprochen haben. Könnte schlimmer sein, oder (mein altes Madagaskar-Motto)! Man könnte sich beispielsweise etwas Feines kochen... so lange das noch so uneingeschränkt geht. Vielleicht schärft das nebenher das Bewußtsein wieder für die kleinen Freuden. Dann wäre schon etwas in dieser Misere gewonnen.
 
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Vermeiden sollte man allerdings als beliebtestes Small-Talk-Thema des Augenblicks über Corona zu reden. Zumindest nicht am Tisch. Zumindest nicht in Frankreich. Denn manche Dinge muss man sich bewahren - gerade in unruhigen Zeiten. Und Fränzis können es nicht ausstehen, wenn beim Essen Themen angesprochen werden, die den Appetit verhageln könnten. Wo kommen wir denn hin, wenn nicht einmal mehr in Ruhe das Essen schmecken darf.

Der cremig-knusprige, Fäden ziehende Mozzarella und die würzigen Linsen waren uns ein Fest - es lässt sich beim Verzehr nahezu alles Vergessen, was den Genuß beeinträchtigen könnte. Promis!

Zutaten 2P:

130g Linsen (m: grüne)
1 Karotte
1 Stück Sellerie
1 Stück Navets (Kohlrübchen)
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
2 Lorbeerblätter
1 Nelke
4 Stiele Petersilie
4 Stiele Koriander
Salz, Pfeffer
1 TL Savora-Senf
2 EL Sahne
1 EL Crème fraiche
Weißwein
Zitronensaft
Öl

1 Kugel Mozzarella
1 Ei
Semmelbrösel
Mehl
2 TL Thymian
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

2 Kartoffeln, am Vortag gegart
Salz, Pfeffer
Öl

(optional: Balsamico-Reduktion)

Zubereitung:

Sellerie und Kohlrübchen feinst würfeln (sollte je ca. 2 EL ergeben), ebenso die Karotte, die Zwiebel und den Knoblauch (vorher den Trieb entfernen). In etwas Öl anschwitzen, Linsen zufügen, einen guten Schuß Weißwein angießen, dann mit Wasser auffüllen, sodass alles gerade so bedeckt ist. Lorbeerblätter zufügen, in ein Stück Zwiebel die Nelke stecken und ebenfalls in den Topf geben, desweiteren die Stiele von Petersilie und Koriander. Aufkochen lassen und dann bei kleiner Flamme ca. 15-20min sanft köcheln lassen. Linsen in ein Sieb abschütten (etwas Kochwasser auffangen), Lorbeerblätter, Stiele und Nelke entfernen. Sahne, Crème, Senf und einen Schuß Wein im gleichen Topf cremig binden lassen, Linsen wieder dazugeben. Salzen, pfeffern und mit etwas Zitronensaft abschmecken. Gegebenenfalls für eine cremigere Konsistenz noch etwas Kochwasser zufügen. Warm stellen.

Parallel die Kartoffeln in kleine Würfel schneiden und in Öl golden und knusprig braten. Salzen, pfeffern.

Mozzarella auf Küchenpapier etwas entfeuchten, die Kugel halbieren, salzen und pfeffern. Semmelbrösel mit Thymian in einem Schüsselchen richten, in zwei weiteren verrührtes Ei (leicht gesalzen und gepfeffert) und etwas Mehl. Mozzarella wie ein Schnitzel erst in Mehl, dann Ei, dann Semmelbrösel wenden. Öl in einer Pfanne erhitzen (so lange bis das Fett heiß genug ist - Test: Bläschen, die sich an einem Holzlöffelstiel bilden) und von beiden Seiten golden und knusprig braten.

Linsen nochmals abschmecken und die fein gehackten Kräuter - Petersilie und Koriander - unterziehen. Linsen, Kartoffelwürfel und Mozzarella nacheinander gestapelt anrichten und servieren.

Inspiration: Astrid von Arthurs Tochter kocht



Paris ist weit weg III: Butterrüben-Risotto mit Falafel-Tofu

Mittwoch, 23. Oktober 2019


An Fynn - das wißt ihr - gefiel mir so einiges gut. Eigentlich wäre er auch ein Wunsch-Kandidat für meine #zu Tisch mit...- Reihe gewesen. Aber der Fynn ist ja so umtriebig, der hat ja nie Zeit...

In diesem Podcast mit Fynn erklärt er wirklich prima, wie Politik auf dem Dorf von statten geht - das scheint sich im ländlichen Raum überall sehr zu gleichen. Und zwar kann man sich wundern, dass in dem einen Dorf nahezu alle rechts wählen und im anderen Dorf alle grün - obwohl sie nur zwei Kilometer auseinander liegen. Als würde sich polititsche Gesinnung nach Ortschaft aufteilen und beieinander siedeln. Aber, so meint Fynn, hinter diesem Phänomen verbirgt sich meist eine einzige Familie, ein großen Hof (aus mehr besteht ein Dorf ja nicht ;), mit dem man es dann parteiisch hält. So von Gartenzaun über Gartenzaun...

Klar, logo, tendenziös gezeichnet, natürlich findet sich auch dörfliche Diversität, trotzdem offenbart sich gerade im Kleinen, wieviel Politik mit Stimmungsmache gemein hat. Und dass dieses Emotionalisieren von Menschen in beide Richtungen funktioniert: sowohl für mehr Miteinander oder mehr Gegeneinander.

Meine nächste Geschichte zum Thema *Paris ist weit weg aka französisches Landleben* spiegelt genau das. Der Umgang mit Jurten (für alle, die kein Bild vor Augen haben: hier der Jurte-Link) bietet nämlich ein anschauliches Beispiel. Jurten (übrigens ähnlich wie roulottes - Planwägen ) erfreuen sich hier auf dem Land zunehmender Beliebtheit. Aus dem einfachen Grund, weil Wohnraum (egal ob zur Miete oder Eigentum) immer teurer wird, ja zunehmend unbezahlbar für einige.

Jurten sind weder ein fixes Haus noch ein klassisches Zelt - bref: quelque chose entre les deux, irgendetwas dazwischen. Somit quasi gleichzeitig eine Art juristischer Graubereich. Ben, machen wir uns nix vor, sowas gibt es im (über)reglementierten Europa schon lange nicht mehr. Jurten sind also grundeigentlich verboten.

In Deutschland werden bei Gesetztesverstoß umgehend Vollstrecker ausgesendet, die solche Zuwiderhandlung wieder begradigen. Aber in Frankreich kommt es halt darauf an... Wie ich ja bereits schrieb: rechts und links findet der Fränzi gerne noch ein Schlupfloch. Ganz nach dem altbekannten Spruch: *Wo kein Kläger da kein Richter.* In einem Dorf zwei Täler weiter siedeln mittlerweile drei Jurten. Sie werden von der ganzen Gemeinde inklusive Bürgermeister toleriert - man lässt sie (wieder einmal stillschweigend) einfach gewähren. Keiner fühlt sich gestört - warum auch? Und von was? Einer Jurte?!

Hingegen die Jurte in einer Nachbarortschaft stand nur ein dreiviertel Jahr. Ich gebe es unumwunden zu: ihr Verschwinden war mir ein Ärgernis. Der Jurten-Bewohner ist vraiment un brave type, ein junger, wilder Naturbursche, hilfsbereit und freundlich, aus einer alteingesessenen, französischen Familie von hier, Mitglied der Jäger und des Fußballvereins, der auf eigenem Grund und gut versteckt seine Jurte aufgestellt hatte. Ich (so als Zugewanderte) dachte eigentlich, dass er damit (also Herkunftskarte samt den Mitgliedsausweissen) auf dem Land soetwas wie Diplomaten-Status hätte - immun und gefeit vor allem nachbarschaftlichem Unbill. Doch das téléphone arabe (die Flüsterpost)  munkelt, dass er mit seiner Jurte den Argwohn ausgerechnet der reichsten Familie des Dorfes auf sich zog - von denen keiner auch nur eine Woche in einer Jurte leben wollen würde (und bei der mir stets Hauffs *kalte Herz* einfällt). 

So wurde von deren Anhängerschaft mit viel Prass argumentiert, dass wir schließlich alle unsere taxe d'habitation (Haussteuer) und taxe fontière (Grundsteuer) zu zahlen hätten, die Jurte vermutlich noch nicht einmal mit einer richtigen Sanitäranlagen ausgestattet wäre und zuguterletzt schlicht illegal steht, wo sie steht. Diese eine Familie im Dorf reichte als Aufhetzer aus. Womit wir wieder bei dem ungerechten, irdischen Ungleichgewicht angekommen wären. Ein Unkräutlein im Topf und der ganze Inhalt kippt. Die (meine) Moral von der Geschicht': Bösartigkeit wurde noch gar nie dank der Freundklichkeit anderer kuriert (leider!). Und Toleranz beziehungsweise Intoleranz ist Charaktersache...


Erneut stelle ich euch begleitend einen Fusionsküchen-Teller vor (holt man den Fusion-Begriff überhaupt noch vor oder ist der schon voll old-school? Egal). Die Navets (Butterrübchen) gehören seit ich in Südfrankreich bin zu dem gängigen Sortiment auf den Markttischen. Ich kannte sie von zuhause aus nicht - schätze aber ihren Geschmack sehr. Gut erinnere ich mich, wie sie mir zum ersten Mal von unserer Pariser Nachbarin serviert wurden: mit Geduld einfach in der Pfanne golden geröstet. Ich hätte die komplette Portion alleine verdrücken können. So ähnlich werden die Navets auch zum Großteil für dieses Risotto zubereitet.

Das i-Tüpfelchen macht der Falafel-Tofu, für den ich mir wie so oft Inspiration von Susanne mitgenommen habe. Was bin ich froh, dass es *Magentratzerl* gibt - für mich ein steter Quell an erfrischender und ungeheuer breitgefächerten kulinarischer Muse! Das ergab als Topping für dieses Risotto einer der besten Tofu-Bratwürfel, die ich je zubereitet habe. Voll Top :)

Ach, und alleine für das wunderherrliche Granatapfel-Sirup lohnt sich die Reise in den wunderschönen Iran!

Zutaten 2P:

140g Rundkorn-Reis (m: Halb-Vollkorn)
5 Navets (ca. 450g Butterrübchen)
1 Schalotte
1 Schuß Noilly Prat
Gemüsebrühe
1 EL Tahini (Sesampaste) 
2 EL Petersilie, fein gehackt*
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft 
Sonnenblumenöl

100g Tofu
2 EL Sonnenblumenöl
1 Knoblauch, feinst gehackt
1/2 Kreuzkümmel
1/2 TL Koriander
1/2 TL Salz
1/4 TL Sumac
2 Msp Ras el Hanout
Chili

1 TL Reismehl
1 TL Speisestärke
1 EL Sesam
Sonnenblumenöl

Granatapfel-Sirup

Zubereitung:

Den Tofu zwischen Küchenkrepp setzen, beschweren und so die überschüssige Flüssigkeit herauszupressen (m: etwa 1 Stunde so stehen lassen). Den Tofu in 1cm Würfel schneiden. Eine Marinade aus Öl, Knoblauch, Koriander, Kreuzkümmel, Salz, Sumac, Chili und Ras el Hanout herstellen und die Tofu-Würfel darin marinieren (m: 2 Stunden - oder über Nacht).

Die Navets schälen. 2 Navets fein würfeln (ca. 0,5cm), Schalotte ebenfalls fein hacken. Schalotten- und Navetswürfel in dem Öl andünsten. Den Reis ebenfalls kurz mitbraten. Mit Noilly ablöschen. Dann Gemüsebrühe anschütten und unter Rühren stets soviel weitere Brühe zufügen wie sie das Risotto schluckt.

Parallel die restlichen Navets in dünne Scheiben schneiden und mit Geduld in etwas Öl Farbe annehmen lassen (dauert ca. 15-20min).

Gen Ende der Garzeit des Risottos die Tofu-Würfel in der Mischung aus Reismehl, Speisestärke und Sesam wenden. So lange in heißem Öl braten bis die Würfel außen knusprig sind.

Vor dem Servieren die seperat gebratenen Navets untermischen - zusammen mit der Tahini und der Petersilie. Abschmecken mit Salz und Pfeffer.

Zum Anrichten das Risotto in tiefe Teller geben, mit den knusprigen Tofu-Würfel toppen und mit Granatapfel-Sirup garnieren.

*Anmerkung m: die Tofu-Würfel stelle ich mir auch super zu dem Karotten-Pü vor!



Anarcho - Spaghetti mit Fourme d'Ambert und ofengerösteten Butterrübchen

Dienstag, 7. November 2017


Ich weiß gar nicht, wie Vivien Westwood wieder in mein Blickfeld geraten ist. Ich glaube, weil sie schon sehr lange ebenfalls einen Partner mit deutlichem Altersunterschied an ihrer Seite hat. Solcherlei kleine Gemeinsamkeiten lassen ja manchmal aufhorchen. Jedenfalls gefällt mir dieses Paar, das sich fast schon plakativ jedem Konformismus verweigert.

Womöglich geht das mit der Grundidee von Punk bereits einher. Die Punk-Bewegung habe ich bestenfalls gestreift. Und wenn dann nur minimal modischer Natur: ein Nietengürtel etwa. Und alles mit Leo-Druck verbinde ich - warum auch immer - ebenfalls gerne mit Punk. Ansonsten war mir die Punk-Musik in der Regel zu laut, zu wild, zu ungelenk und das Publikum dazu deutlich zu betrunken. Überhaupt hatten die Punks, die ich in meiner Jugend kannte, entschieden größere Probleme mit ihrem Elternhaus, gegen das sie eigentlich rebellierten, als mit dem Etablishment.

Etwas skurril finde ich es schon, dass Vivien Westwood mittlerweile in den Adelsstand gehoben wurde. Ich wundere mich nicht über diese Auszeichnung, ich wundere mich darüber, dass sie sie angenommen hat. Ja, es macht mich lächeln dieser Bruch, diese Inkonsequenz. Sehr treu hingegen ist sie sich geblieben, was knackige, politische Statments angeht, sei es as Umweltschutz-Aktivistin oder als überzeugte Gegnerin des Konsumwahn sowie der andauernden Zerstreuung, was ihr alles Greuel ist und wert zu bekämpfen.

Auf die Frage, ob sie sich für exzentrisch halte (eine Frage, die ich ihr genauso gestellt hätte) antwortete sie, dass ihr nicht darum ginge aufzufallen. Auch würde sie wie andere Künstler keinerlei Beobachtungen auf der Straße machen, die sie kreativ verarbeiten müsse: *Ich bin so mit meinen Kopfwelten beschäftigt, dass ich Augen für nichts und niemanden habe.* Selten habe ich eine bessere Definition für Exzentrik gelesen!

Selbstbezogen bewerte ich übrigens auch, dass Vivien beginnt Entwürfe an einer Puppe zu stecken, die ihren Maßen nach empfunden ist. Sie macht also ihre Mode durchaus für sich selbst. Das unterscheidet sie etwa zu Guido Maria Kretschmar, den Mode immer nur in der Hinsicht interessiert, andere damit zu kleiden.

Aber komme ich zurück auf die Beziehung, das Thema, das mich eigentlich interessiert. Denn wie ich auch nach dem Dokumentarfilm über sie feststellen muß, ist, dass ich ihre Arbeit nicht verstehe. Vieles davon - das meiste - finde ich schlicht untragbar. Aber sie als Person, als Mensch hat eine faszinierend junge Ausstrahlung, oder? Und die beiden, also ihr Mann Andreas Kronthaler und sie, wirken als Paar auf eigenartige Weise harmonisch. Sie sagt über ihn :*Er war mein Student, als ich in Wien Mode unterrichtete. Er ist das großartigste Talent, das mir jemals begegnet ist. Ich habe mehr von ihm gelernt als er von mir. Aber vielleicht spricht es für mich, dass ich es zugelassen habe, seine Schülerin zu werden.*

Und Andreas wiederum macht ihr eine - wie ich finde - wundervolle Liebeserklärung, für die man vielleicht eine ähnlich intensive Begegnung erlebt haben muß: *Wenn ich ein ultimatives Urteil brauche, dann bespreche ich es mit Vivienne, dann weiß ich, was zu tun ist. Vertrauen klingt beinahe banal, aber ist in Wirklichkeit etwas Großartiges. Wenn man eines Tages, irgendwann erkennt: Ich kann das tatsächlich, einem anderen Menschen vertrauen.* 

Dieses Essen würde Vivien bestimmt nicht gefallen: zu fettig (geht in der Modewelt ja gar nich), zu viel Getreide (beansprucht zuviel Energie in der Produktion) und den Käse mag sie als Britin am Schluß auch nicht. Aber ich, ich brauche solche schlonzigen Spaghetti-Gerichte zwischendrin - da halte ich mit meinem rebellischen Kopf dagegen. Zumal dieser Teller hier hat auch eine ordentliche Portion Gemüse versteckt!

Zutaten 2P:

180g Spaghetti
ca. 500g Navets (= Butterrübchen)
1 TL Thymian-Blättchen
50ml Sahne
100g Fourme d'Ambert
100ml Milch
1 Schuß Noilly Prat
Salz, Pfeffer
1 Msp Piment, gemahlen
Piment d'Espelette 
Olivenöl

(optional: frische Kräuter wie Basilikum)*

Zubereitung:

Den Backofen auf 190° Umluft vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Die Kohlrübchen/ Butterrübchen schälen, halbieren und in 2-3mm dicke Scheiben hobeln. Die Navet-Scheiben dachziegelartig auf das Backblech schichten, mit Öl bepinseln, salzen und pfeffern und für etwa 20-25min in den Ofen schieben. Wer mag, schiebt die Navets gegen Ende noch kurz unter den Grill, um ihnen dunkle Ecken zu zaubern.

Parallel dazu die Spaghetti in reichlich Salzwasser al dente kochen und die Sauce zubereiten. Für die Sauce den Käse würfeln und alles zusammen - Milch, Sahne, Käse und den Schuß Noilly - aufsetzen und bei geringer Hitze den Käse schmelzen lassen. Ebenfalls optional ist, die Sauce mit einer kleine Roux zu binden. Würzen mit Piment, salzen, pfeffern.

Die fertig ofengegarten Kohlrübchen aus dem Ofen nehmen, nochmals etwas kleiner schneiden, damit sie sich besser unter die Sauce ziehen und Gemüse, Sauce und Spaghetti miteinander vermengen. Gegebenenfalls die Schlonzigkeit noch erhöhen mit etwas aufgefangenem Pastawasser.

*Anmerkung m: frische Kräuter als Garnitur machen sich hier eindeutig prima.