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Jenseits von Eden: Kokos-Tofu mit Zitronengras-Curry

Mittwoch, 20. August 2025

 

Es heißt, eine Begegnung oder ein Buch komme immer zur rechten Zeit. Und ja, ich bin der festen Überzeugung, dass jeder, der Fragen hat, auch Antworten erhält. Jeder, der sucht, ist bereits auf dem Weg. Manchmal erhält man schneller eine Antwort, manchmal muss man mit viel Geduld in die Beantwortung hineinleben (Rilke).

Ich leide darunter, dass mir von immer mehr Menschen die Notwendigkeit von Krieg erklärt wird. Ich dachte, das hätten wir hinter uns. Da werden dann für die Verteidigung der höchsten Werte wie Freiheit die niedersten aller Mittel nämlich Mord gerechtfertigt. Und dann wird mir etwas erzählt von zwei Macht verblendeten Autokraten, denen man die Welt nicht überlassen könne, und die Redner merken gar nicht, wie sie sich selbst in ihren Parolen das Todschlagen zum geistigen Eigentum gemacht haben, wie das Böse in ihnen bereits Nährboden findet. Bitterkeit steigt in mir auf.

Warum kehrt der Mensch immer wieder dahin zurück? Ich verstehe es nicht. Und dann bog Cornelia Funke um die Ecke samt ihrer Buchempfehlung *Jenseits von Eden*. Als ich das Buch in Händen hielt, war ich etwas schockiert: ein Wälzer von über 600 Seiten. Aber es hat sich SO gelohnt. John Steinbeck denkt sich tief ein in die Bibelgeschichte von Kain und Abel, dem Ursprung der christlichen Menschheitsgeschichte. Mir war nicht mehr im Gedächtnis, dass Kain und Abel die Kinder von Adam und Eva sind. Das hat mich peinlich berührt. Wie konnte ich vergessen, dass die Bibel erzählt, dass das Menscheitsgeschlecht aus einem Brudermörder hervorgeht? Es ist mir ein Rätsel.

Vielleicht weil man als Erwachsener mit dem Rumplagen von alltäglichen Dingen bereits völlig ausgelastet ist? Hingegen in der Kindheit ist der Kampf zwischen Gut und Böse der Schauplatz des echten Lebens. Kinder gucken sich die großen Fragen ja alle noch an, während wir uns als Erwachsene so gerne vor denen drücken. Kinder nehmen das Leben noch sehr viel ernster. Sie fragen: wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? sagt Cornelia Funke in einem Interview. Eines ist mir mit der Lektüre von *Jenseits von Eden* klar geworden. Nicht Licht und Schatten sind die eigentlich Polarität - im Mittelalter hat man die Gegensatzpaare noch als Einheit gedacht - sondern dem gegenüber steht *das große Einerlei*. Vergessen und verdrängt sind alle Grundprinzipien der Erde.

John Steinbeck fürchtet sich nicht, das Böse im Menschen genauer anzusehen. Das haben der Habib und ich auch getan in den letzten Jahren. Und Steinbeck zweifelt nicht, dass es abgrundtief schlechte Menschen gibt. Er nennt sie geistige Missgeburten. Wie Mensch so tief fallen kann, bleibt ein ungelöster Abgrund. Deren Samen lebt in einer weiteren Gruppe Menschen, in deren Innerem das Böse und Gute miteinander wettstreitet. Diese Menschen ringen mit sich, zweifeln an sich, straucheln. Das Böse als menschliche Veranlagung, das versucht, verführt und verwirrt. Diese Keimzelle liegt in uns allen. Sie zeigt sich im Lügen und (Selbst)Betrügen, im Manipulieren und sich besser dünken - das Böse in jedem von uns und eben nicht fernab in einzelnen, menschlichen Monstern.

Grundeigentlich behandelt *Jenseits von Eden* nichts anderes als die transgenerationale Weitergabe von Traumata - ein Thema, das mich eh seit langem fasziniert. Alles dreht sich um den Widerstreit, den jeder Mensch in sich trägt: was ist stärker, dein mitgebrachtes Erbe im Sinne von Familiengeschichte, Charakter, Temperament oder der freie Wille. Unterliegst du vorbestimmten Abläufen oder kannst du dich mit der Kraft deines Willens, deines Wünschens, deiner Sehnsucht dagegenstemmen? Ein episches Ringen, in dem leider oft den vorgegebenen Mustern und Mechanismen unterlegen wird. 

Ich würde gerne das Gegenteil behaupten, aber ich habe keine Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, die als Testimonial erhalten könnten. Der freie Wille ist somit eine verheißungsvolle Tür und das Wunder der Selbstüberwindung die einzige Möglichkeit in eine neue, bessere Welt - wohin jeder ganz alleine zu streben hat.

Vieles könnte ich aus *Jenseits von Eden* herausziehen. Die Ode auf das Individuum hat es mir besonders angetan:

Unsere Gattung ist die einzige mit Schöpferkraft begabte, und sie besitzt nur ein einziges Werkzeug für diese Kraft: den individuellen Geist und Verstand des Menschen. Nie ist etwas von zwei Menschen geschaffen worden. Produktive Zusammenarbeit gibt es nicht, weder in der Musik noch in der Mathematik, weder in der bildenden noch in der Dichtkunst, geschweige in der Philosophie. Wenn sich das Wunder der Schöpfung einmal vollzogen hat, dann ist die Gruppe imstande, sie auszubauen und auszubreiten, aber niemals erfindet eine Gruppe etwas. Die kostbare Kraft liegt allein im Geist des Einzelmenschen.

                                                      (John Steinbeck, Literaturnobelpreisträger, 1952) 



Je länger ich koche, umso mehr muss ich feststellen, dass man auch mit wenig Zeit in der Küche lecker kochen kann. Es gibt keine Ausreden, warum man sich das Leben nicht ein Quäntchen schöner kochen sollte.

Dieses Gericht habe ich nun mehrfach auf den Teller gebracht: köstlich, schnell zubereitet, variabel und vegan! So simpel - so gut!


Zutaten 2P:

1 Tofu (200g/ m: Feto von Taifun - fermentierter Tofu)*
Tamari-Sojasauce
Kokosraspeln, getrocknet
Maisstärke
...
1 gelbe Paprika (oder grüne)
1 kleiner Pak Choi
Erbsen (ca. 100g)
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 cm Ingwer
1 Stange Zitronengras
1 1/2 TL Curry
150ml Kokosmilch
Kokosfett
Limettensaft
Salz, Pfeffer
Sesam-Öl
...
Reis
Topping: Sprossen/ Frühlingsgrün...

Zubereitung:

Reis aufsetzen (m: ca. 140g) und gar kochen (m: immer mit 2 Lorbeer-Blättern)

Dann die Sauce auf den Weg bringen. Dafür Zwiebel und Knofi feinwürfeln, ebenso die Zitronengrasstange.

Gemüse putzen und klein schneiden (m: Paprika mit dem Sparschäler schälen = bessere Bekömmlichkeit), Pak Choi in Streifen schneiden - dabei das Weiß der Stangen und das Grün der Blätter etwas separieren (wegen der unterschiedlichen Garzeit).

Zwiebeln, Knofi und Zitronengras in etwa 1/2 EL Kokosfett anschwitzen, kurz vor Ende das Curry mit rösten. Dann Paprika und das Weiß des Pak Choi zufügen sowie den fein geriebenen Ingwer. Gemüse kurz anbraten. Nun Kokosmilch anschütten, salzen, pfeffern und Deckel auflegen. Etwa 10 min auf sanfter Hitze köcheln lassen. Zum Schluß das Blattgrün vom Pak Choi untermischen, außerdem die Tiefkühl-Erbsen und mit Limettensaft abschmecken.

Parallel den Tofu zubereiten. Dafür den Block der Länge nach in 3 Scheiben schneiden. 2 tiefere Teller richten, einen mit Soja-Sauce einen anderen mit hälftig Maisstärke und Kokosraspeln. Die Scheiben nacheinander in der Tamari-Sojasauce wenden, dann anschließend in dem Kokos-Gemisch. 

In Öl (m: Sesam-Öl) den panierten Tofu von beiden Seiten knusprig braten. Auf Reis und Gemüse anrichten.


Anmerkung m: für die Gemüse-Einlage hat man die freie Wahl: grüne Böhnchen machen sich auch gut .- bereits getestet. Oder Zucchini. Der fermentierte Tofu (Feto) von Taifun hat sich bewährt, weil die Konsistenz etwas fester ist - und damit ideal zum Panieren.


Abk. : Kokoskuchen mit Rhabarber und Lavendel

Sonntag, 4. Juni 2023

 

Genau genommen handelt es sich um ein Kokosblechrührkuchen mit Rhabarber und Johannisbeeren, weißer Schokolade, Orange und Lavendel. Aber das ist wie im richtigen Leben: zu viel Details schrecken ab. Es reicht eine kleine Überschrift, eine Einordnung, eine kurze Zusammenfassung - damit ist man doch meist schon bedient. *Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest* (Rilke). Vielleicht macht man es sich manchmal zu kompliziert. Bestimmt, da bin ich mir sicher, sollte man jede Form von Grübeln unterlassen. Das tut nicht gut, das führt zu nichts außer Kopfzerbrechen. Was (mir) nicht immer einfach fällt. Sehr oft erhält man nämlich keine Antwort vom Leben auf drängende Fragen. An mir kann das schaben. Wieder fällt mir Rilke dazu sein..., der sagt, dann habe doch einfach die ungelöste Frage selbst lieb... ich hatte es davon. Wäre nur der harte Reifen mit der Geduld nicht. Gut, in einem Rezept kommt spätestens mit der Zutatenliste sowieso alle Infos, die man benötigt.

Die Johannisbeeren etwa könnt ihr gut rauskürzen, wenn ihr schönen Himbeer-Rhabarber bekommt. Die gebe ich oft der Farbe zuliebe hinzu. Oder aber ihr mengt noch ein paar Himbeeren unter - auch super. In Südfrankreich bin ich froh, wenn ich überhaupt Rhabarber auftue. Auf dem Markt seltenst. Und bei uns im Garten habe ich die Hoffnung gesteckt, nach mehreren Versuchen ihn bei uns anzubauen. Er will nicht.

Mach dich rar und du wirst zum Star, sagt man. Das trifft bei mir und meinem Verhältnis zu Rhabarber den Nagel auf den Kopf. Als er noch als Riesen-Trumm im elterlichen Garten wuchs, wollte ich von Rhabarber nix wissen. Aber gerade im Frühling gelüstert mich hier im Süden wenigstens ein Mal im Frühjahr nach einem Kuchen mit Rhabarber.

Um dem Kuchen einen regionalen Twist zu verleihen, habe ich mit Lavendel *parfümiert*. Und unsere Feriengäste haben bestätigt: das darf man ruhig machen, selbst wenn es ungewöhnlich klingt - es schmeckt! Auf Lavendel im Essen reagieren ja viele skeptisch. But I do my very best um gegen diese Vorurteile anzuarbeiten. Naja, hänge ich es etwas tiefer auf: anzukochen.

 


 Zutaten:

1 1/2 kg Rhabarber (m: 1 kg Rhabarber, 250g Johannisbeeren)
250g Butter, weich
160g Rohrzucker (plus etwas mehr)
4 Eier
1 Pr Salz
300g Mehl (m: D630)
3 TL Back-Pulver
100g geriebener Kokos (und etwas plus)
3 EL Lavendel, fein gehackt
180g weiße Kuvertüre
1 Orange, Schale und Saft

 

 Zubereitung:

Rhabarber putzen und in 2 cm breite Stücke schneiden. Von der Orange 2 Tl Schale fein abreiben. 100 ml Saft auspressen. Kuvertüre hacken.

Butter, Zucker, 1 Prise Salz und Orangenschale mit den Quirlen des Handrührers mind. 5 min. schaumig schlagen. Eier nacheinander jeweils 30 Sek. unterrühren. Dann Mehl und Backpulver sowie Kokos mischen und abwechselnd mit dem Orangensaft unterrühren. Die Hälfte der Kuvertüre, sowie die Hälfte des fein gehackten Lavendel unterheben.


Teig auf ein gefettetes Backblech (40 x 30 cm) streichen, mit zusätzlichen Kokosflochen bestreuen und den Rhabarber und die Johannisbeeren darüber verteilen, außerdem dem restlichen Lavendel darüber streuen sowie 2-3 EL Rohrzucker. Im heißen Ofen bei 190 Grad (Umluft 170 Grad) auf der mittleren Schiene 20 min. backen. Restliche Kuvertüre auf den Kuchen streuen und weitere 15 min. backen. Auf dem Blech abkühlen lassen und in Stücke schneiden. 

Anmerkung m: wer keinen Kokos mag, kürzt ihn raus und nimmt insgesamt 400g Mehl

 

Transrapid: Malai Kofta

Donnerstag, 2. Februar 2023

 

Als wir in China waren - genau genommen in Shanghai - sind wir mit dem Transrapid gefahren. Das stand jetzt nicht auf meiner Bucket-Liste. Vorneweg deshalb, weil ich keine Bucket-Liste besitze. So etwas benötigen meiner Meinung nach nur Spakken, die dann nachher auch in einer Stau-Schlange am Gipfelgrad des Mount Everest stehen. Selber schuld - kein Mitleid. Die Motivation dahinter verschließt sich mir. Das ist doch getrieben vom gleichen Spirit wie Klo-Kritzeleien à la *I was here*. Warum macht man das? Ich finds strange. Meinen Lieblingsklo-Spruch habe ich, glaube ich, hier sogar schon mal festgehalten. Unten an einer Klotür, die nicht ganz zum Fußboden schloß sondern einen Spalt offen ließ, stand: *VORSICHT  LIMBOTÄNZER!* Finde ich bis heute witzig; der Spruch bleibt mir ewig...

Und jetzt mal in der Magnetschwebebahn gesessen zu haben, hat wenig nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Weder spürt man die Beschleunigung noch die Geschwindigkeit besonders, noch rauscht die Landschaft so krass an einem vorbei, wie ich mir das vorgestellt hatte. Sensationen gehen defintiv anders. Jedes Fahrgeschäft auf der Kirmes geht mehr ab. Aber ich bin wohl für dergleichen auch nicht die richtige Zielgruppe. Warum man sich in irgendwelchen Karusells bis zur Übelkeit durchschwenken läßt, erschließt sich mir ebensowenig. Oder Bungee jumping? Kitzel für Scheintote. Augenblick-Kicks sind nicht mein Junk. Vielleicht weil nach meinem Erleben die schönsten und tiefsten Momente wie zufällig entstehen und sich nicht inszenieren lassen. Aber bitte, wer meint. Paragleiten würde ich hingegen mal ausprobieren...

Anyway, jetzt habe ich eine große Schleife gedreht, um bei meinem heutigen Rezept rauszukommen, den Malai Kofta, dem indischen Tomaten-Curry mit Kartoffel-Küchlein. Eigentlich esse ich sehr gerne indisch, meistens ist es mir dann aber für die tägliche Alltagsküche zu viel Gedöns, die Zutatenliste zu lange, die Vorbereitungen zu ausufernd... Und dann bleibts beim *eigentlich*.

 

 

Jetzt habe ich diese Malai Kofta schon zigfach zubereitet - ein Zwischenseufzer für die herrliche Kardamom-Note - und es auf diese Weise umgemodelt, dass ich von einer Version Malai Kofta - Transrapid sprechen möchte, eine abgekürzte und abgespeckte Variante: eben unkomplizierter und ohne Frittieren. Das mag dann vielleicht nicht mehr original sein, aber who cares. Das ist meine Linzertorte auch nicht und die ist trotzdem le top du top. 

Und dieses-mein Malai Kofta schmeckt uns einfach super. Das ist der Grund, warum ich es derart oft auf den Tisch gebracht habe. Und (bien sûr) weil sie easy zu kochen sind. Die indischen Kartoffel-Küchlein funktionieren sowohl mit (selbstgemachtem) Paneer, mit Ziegenkäse und mit Tofu - alles ausprobiert. Up to you.

Mit Blick ins hauseigene Bloguniversum könnte meine Malai Kofta der exotische Bruder von diesem Teller sein...


Zutaten 2P:

250g Ofentomaten*
100ml Kokos-Crème
150ml Wasser*
3 Knoblauchzehen
1 Zwiebel
2 Nelken
3 Kardamom-Kapseln
1 1/2 TL Garam Masala
1 Stück Zimt
Chili (m: Harissa)
Ingwer, ca. 2cm
Salz, Pfeffer
Rohrzucker 
Kokosfett
...
350g Kartoffeln (als Salzkartoffeln gekocht)
100g Paneer (m: Ziegenfrischkäse)
1 1/2 EL Speisestärke
80g Erbsen
1 Karotten (ca. 100g, geraspelt)
1 kleine handvoll Rosinen
1 Stück Ingwer
1 Knoblauchzehe 
2 EL Petersilie oder frischer Koriander, gehackt
Salz, Pfeffer
1/2 TL Koriander, geschrotet
1/4 TL Kreuzkümmel
1/4 TL Kardamom
Ghee/ Kokosfett/ Pflanzenöl
 

Zubereitung:

Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser aufsetzen und gar kochen.

Parallel die Sauce zubereiten. Dafür Zwiebeln und Knofi fein würfeln. In Kokosfett anschwitzen. Zimtstange, Nelke und angequetsche Kardamom-Kapseln in ein Teebeutel geben und mit Küchengarn zubinden. Zusammen mit dem Garam Masala und dem geschälten, klein geschnittenen Ingwer ebenfalls ein wenig mitrösten. Tomate, Wasser und Kokoscrème anschütten. Salzen, pfeffern, eine Prise Zucker zufügen sowie etwas Harissa und bei kleiner Flamme etwa 15 min einköcheln lassen. Teebeutel entfernen, die Sauce mit dem Zauberstab pürieren und nochmals abschmecken.

Die gekochten Kartoffeln abschütten, etwas ausdämpfen lassen. Knofi und geschälten Ingwer fein würfeln. Karotte bürsten und grob raspeln, Alle Zutaten für die Kartoffel-Küchlein miteinander vermengen und zu flachgedrückten Kugeln formen - ergibt14 Stück à ca. 50g. Je nach Wunsch in Ghee/ Kokosfett oder einem anderen Pfanzenöl von beiden Seiten golden backen. Die fertigen warm stellen, bis alle gebraten sind.

Sauce in tiefe Teller geben, ein wenig Kokosmilch darüber ringeln und dann die Kartoffelküchlein in die Sauce setzen. Wer mag dekoriert mit etwas Petersilie.

Anmerkung m: die Ofentomaten und das zugefügte Wasser kann man ersetzen durch 400g passierte Tomaten/ Es ist reichlich Sauce im Verhältnis zu den Küchlein, aber ich finde das eine gelungene Kombi/ 7 Kartoffel-Küchlein erscheinen viel für eine Person - wir bewältigen das gut/ Und: coucou Stephanie - vielen Dank für die Anregung und die Idee mit den Erbsen und Karotten in den Küchlein!

Inspiration: Cook with Manali

 

DUBB: Maries *gâteau de pauvre*

Sonntag, 21. August 2022


Marie hört man auf dem Markt schon von Weitem lachen. Sie lacht viel und oft, ist eigentlich immer fröhlich und heiter. Und das, obwohl sie viel arbeitet und sehr fleißig sein muss. Manchmal sieht man ihr an, dass sie müde ist. Viele bleiben an ihrem Markttisch stehen, auch ohne etwas zu kaufen. Man will nur ein paar Worte mit ihr wechseln und dabei - ganz unbewußt - ein wenig die Seele an ihr wärmen wie klamm gewordene Finger an einem Holzofen. Bei Marie kann man *good energy to go* mitnehmen: ein gemeinsames Lachen ist immer drin.

Wenn man wie Marie auf Madagaskar geboren ist, dann haben fast alle den gleichen Traum: man will eine Existenz, ein Auskommen. Denn damit erst gelangt man zu Freiheit und Wahl. Armut nimmt die Würde. Und Marie hat ihre Chance ergriffen, als sich ein Franzose in sie verliebte und sie mitnahm auf seinen Bauernhof in die weitentfernte Drôme. Der Anfang war nicht leicht und wenig romantisch. Ganz wie ihre Kindheit - nur auf andere Art und Weise: das Getuschel hinter ihrem Rücken, sie hörte es wohl, die Blicke, die Ausgrenzungen, Herabsetzungen - die Bösartigkeit der anderen verletzte sie tief. Ihre Schwiegermutter aber hielt zu ihnen und stüzte ihren Sohn: *Lass sie reden! Was zählt ist, dass ihr beide euch versteht.* Und das taten sie, treu einander verbunden, durch die Widrigkeiten im Außen umso mehr. Ihre zwei Buben - gerade im besten Frischlingsalter - legen bestes Zeugnis ab, beide absolut wohl geraten. Was rührte mich die kleine Anekdote über ihren Schwiegervater, der sich viele Jahre später an Marie wenden sollte: *Marie*, meinte er, *ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich hatte zu Beginn Vorurteile und weiß jetzt, ich habe dir Unrecht getan. Du hast ein gutes Herz.* Mir trieb diese Geschichte Tränen der Rührung in die Augen. Selten, oder, dass Menschen Fehler einsehen, diese bekennen und um Vergebung bitten. Marie war nicht nachtragend ihm gegenüber. Aber über den Charakter mancher Menschen läßt sie sich trotzdem nicht mehr blenden - dafür hat sie zuviel erlebt.

Nein, Marie hat zwar wie als Gabe ein ungewöhnlich sonniges Gemüt. Aber sie ist nicht eine Frohnatur, weil alles easy bei ihr läuft, sondern weil sie das Gegenteil nur zu gut kennt. Ich finde sie wunderhübsch!

Gute Gelegenheit auf den Blogartikel zu *Fremdelei* zurückzuverlinken!

 


 

Dieses Rezept stammt also aus Madagaskar *le gâteau de pauvre* (der Kuchen der Armen) und wurde mir von Marie weitergeben. Alles fing damit an, dass sie uns diese Kekse zum ersten Mal schenkte und der Habib ganz verrückt danach war. Es ist ihre Schlichtheit, die sie so gefällig machen. Man kann sich an ihnen einfach nicht satt essen. Zudem sind sie nicht zu süß, angenehm mürb und werden mit der Zeit nur besser. Sie sind einfach die perfekte Alltagsbegleitung zu Kaffee oder Tee.

Insgesamt 5 Mal habe ich sie schon zubereitet. Das Formen hat mir Probleme bereitet, weil ich zu kompiziert dachte. Weniger ist mehr, dann klappts auch mit den madegassischen Keksen.

Marie meinte, man könne das Rezept leicht variieren: einen Teil des Mehls mit Kokosflocken ersetzen, ebenso spielen mit dem Verhältnis von Orangensaft und Kokosfett, Orangenschalen-Abrieb untermischen... Mein Habib aber findet, man solle an perfekten Keksen nicht rumdoktern. Und so verschwinden die *Kekse der Armen* immer nach dem gleichen Rezept aus der Keksdose wie von alleine. Ein DUBB-Rezept also.

Ich bekam die Zutaten von Marie als Tassen-Rezept, für euch (und für mich) habe ich sie in Zahlen übersetzt.

 

Zutaten - ein Blech/ ca. 30 Stück:

150ml Orangensaft (frisch gepresst)
150ml Kokosfett, flüssig
75g Rohrzucker
300g Mehl (m: T65/ D630)
1TL Backpulver
 

Zubereitung:

Orangensaft und Kokosfett in eine große Schüssel geben. Ebenso den Zucker. Mehl mit Backpulver mischen und mit einem Holzlöffel so lange vermengen, bis der Teig homogen wird (dauert nicht lange).

Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Herd auf 180° (Umluft) vorheizen.

Dann mit einem Eßlöffel je eine Portion abnehmen und zwischen den Händen länglich rollen (eher von einer Hand in die andere - das bekommt ihr schon raus), bis die Oberfläche dadurch glatter wird und dann die Kekse mit ein wenig Abstand auf das Backblech setzen.

Im heißen Ofen ca. 25-30min goldbraun backen. Auskühlen lassen, danach in einer Keksdose aufbewahren.


derart geflochtene Schachteln ist Kunsthandwerk aus Madagaskar

kleine, wilde Horde - Rote Bete Kugeln mit Grünkern und Salzzitrone

Donnerstag, 11. August 2022

 

Wenn die Stadtmaus im Sommer für eine Landpartie aufbricht und ihre gewohnte Umgebung verläßt, dann tut sie das mit vielen romantischen Vorstellungen im Gepäck: sie träumt vom Barfußlaufen, davon, auf der Terrasse zu frühstücken oder mit offenem Fenstern zu schlafen, von frischer Luft und Stille, Grillengezirpe und Sternschnuppen.

Ja, nickt, die Landmaus, alles richtig, genau so isses, richtig ausgemalt - es wurde lediglich das Prinzip des Ausgleichs vergessen. Denn diesem Planet liegt das Schöpfungsmodell der Polarität zugrunde. Harmonie und Idylle offenbaren sich nur punktuell. Damit einem bei den warmen Temperaturen nicht zu wohlig wird, schwärmt eine Heerschar von kleinen bis winzigen Wilden aus, die alle schwererziehbar sind: Fliegen, die mit bewundernswerter Präzision und gleicher Beharrlichkeit, sich wieder und wieder auf ein und die selbe Stelle setzen können (beim Kochen in der Küche gerne irgendwo an der Wade), Ameisen, die ihre Kolonien in Strassen durch die Wohnung schicken, der Sierenenton von Stechmücken, der direkt auf die Großhirnrinde zielt, Kellerspinnen, die in Waschbecken stranden, Wespen, die Angriffe fliegen, sobald das erste Marmeladenbrot gestrichen ist, im Dachgebälk ein nacht- und hyperaktiver, polternder Siebenschläfer, Teddybär-äugig, der auf Großwild macht, Hornissen, Spinnenläufer, Schlangen uswusf...

Davon wird die Stadtmaus überrascht und fühlt sich schnell sehr gestört. Das kennt sie so nicht mehr, darauf war sie nicht vorbereitet, das hatte sie sich anders vorgestellt. Hmm, nickt wiederum die Landmaus, die das Szenario samt Unbehagen bereits kennt, ja, wie darin eingeschlossen - bien sûr - die ganze einschlägige Kleinplage, aber so geht nun mal Sommer: die Natur lebt. Es bleibt nur, sich damit zu arrangieren. Die Alternative wäre, mit der Chemiekeule zurückzuschlagen. Oder mit dem ein oder anderen Life-Hack, der mal besser, mal schlechter funktioniert. Backpulver gegen Ameisen einzusetzen etwa - klappt bei mir nicht. Eine saubere Küche ist noch immer der beste Schutz vor ihren Autobahnen. Oder Moskitonetze: sie halten effektiv die Blutsauger ab - und gleichzeitig jeden frischen Windhauch. Sehr erheiterte uns mal das entdeckte KO-Spray gegen Schlangen, das in einer Apotheke verkauft wurde. Schlangen sieht man wirklich äußerst selten und wenn, dann sind sie schneller weg, als man gucken kann. Aber Angst ist halt ein gutes Geschäftsmodell, das wurde uns unlängst ja in aller Deutlichkeit vorgeführt... Wovor man sich zu schützen versucht, in dem man sich nachts von innen hier en pleine campagne einschließt, das habe ich allerdings noch nicht herausgefunden.

Ein Life-Hack wußte mir dieses Jahr zu imponieren. Er wurde uns in einem kleinen Resto demonstriert. Und zwar gibt man drei bis vier Löffel Kaffeepulver in ein feuerfestes Behältnis (z.B. Aschenbecher), zündet ein Streichholz an und legt es zu dem Pulver. Der Kaffee fängt nicht an zu brennen, er glimmt lediglich vor sich hin. Der entstehende Rauch mit seinem intensiven Geruch hält die Wespen fern. Funktioniert!

Wir benötigen einen solchen Kniff nicht, denn wir haben direkt neben unserem Terrassentisch ein Hornissennest. Bester Wespenausbremser überhaupt. Leider aber schlemmen die sonst so friedlichen Hornissenkameraden, mit denen ich regelmäßig zusammenstoße, weil wir ja um in den Garten und wieder zurückzugehen  den gleichen Weg benutzen, das reife Obst unserer Obstbäume und fressen viele Früchte an bis auf. Ohne je gestochen worden zu sein, damit alle Mutmaßungen ausgeräumt wären, das muss ich bestimmt dazu erwähnen. Bref,  ich sags ja: es hat alles eine Kehrseite. Oder um wieder auf den Sommmer zurückzukehren: irgendetwas kitzelt, kribbelt, krabbelt und schwirrt immer.

 

 

Das heutige Gericht passt zu den heißen Temperaturen. Aber Vorsicht: schmeckt gesund! Also das kann man schon mal machen, Bälle zu formen anstelle daraus Bratlinge zu basteln, aber ich sags lieber gleich dazu. Wir sind doch Gemüse-Frikadellen deutlich mehr gewohnt (ein Ei darunter gezogen, Patties geformt und dann ab in die Pfanne zum Anbraten) - ich vermute daher, dass uns die gewohnte Version besser gefallen hätte.

So aber war es tatsächlich ein leichter, frischer Sommerteller mit buntem Salat - in der Art der Raffaello-Werbung, ihr wißt schon, alles ganz luftig und unbeschwert. 


Zutaten - ca. 10 Kugeln*:

eine rote Bete (m: mittlere Größe aber mit Grün)
1 Karotte
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1/2 Salzzitrone, die Schale davon
2 Zweige Rosmarin
1 TL Kreuzkümmel
100g Grünkern-Schrot
1 EL geschroteter Leinsamen
1/4 TL Pimenton de la verra
Kräutersalz
Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl 
150ml Gemüsebrühe

Sauce:
300g Zucchini (m: hellgrün-schalig)
wenig Gemüsebrühe
50ml Kokos-Crème (nicht -milch)
Kokosfett
Raz-el-Hanout
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Zwiebel und Knofi fein würfeln. Rote Bete schälen, Stiele und Grün waschen und trocken schleudern, die Karotte bürsten, die Rosmarinnadeln von den Stielen entfernen und fein wiegen. Rote Bete sowie die Karotte in einen Hexler geben. Das Fett in einem Topf erhitzen und die Zwiebel mit dem Knofi darin glasig braten. Das Gemüse zufügen und kurz mitrösten.

Dann den Grünkernschrot und außerdem die Gewürze und den Leinsaat (außer der Salzzitrone) zufügen, die Gemüsebrühe anschütten und alles bei aufgelegtem Deckel ca. 15min sanft köcheln lassen. Dabei immer wieder umrühren. Gegen Ende aufpassen, dass die Masse nicht anbrennt (gegebenenfalls noch etwas Flüssigkeit zufügen). Die richtige Konsistenz ist erreicht, wenn alles beginnt anzuhängen - dann noch ein bißchen weiter kochen lassen.

In eine Schüssel umfüllen und etwas auskühlen lassen, kleingeschnittene Salzzitrone untermischen. Nochmals würzig abschmecken. Dann etwa 10 Kugeln daraus formen und wer mag wälzt sie noch in einer Saaten-Nuss-Mischung (brauchts aber nicht wirklich).

Nebenher die Zucchini-Sauce zubereiten. Dafür das Kerngehäuse der Zucchini entfernen, das Zucchinifleich kleiner schneiden und im Kokosfett zusammen mit dem Raz-El-Hanout anbraten. Dann Brühe samt Kokoscreme angießen und bei kleiner Hitze und geschlossenem Deckel gar kochen. Pürieren und abschmecken

Anmerkung m: 3 Kugeln pro Personen reichen, um sich satt zu fühlen.

Inspiration: Syl  Gervais - Blog

 

vom anderen Trupp: der Hummelschwärmer, der Bruder vom Taubenschwänzchen

Gastbeitrag: Rhabarberkuchen von Hannah

Freitag, 10. Mai 2019


Für mich hat alles als Gast-Bloggerin begonnen, so freue ich mich sehr, wenn ich nun umgekehrt mal Gelegenheit zum Bäumchen-Wechsel-dich-Spiel bieten kann - umso mehr, da es sich um meine treue Leserin Hannah handelt. Der Tarteboden - so ungewöhlich er daherkommt - ist eine Entdeckung! Und das weiß ich aus erster Hand:


Fügung: Rhabarberkuchen für Micha und Fried

Manchmal passieren Dinge im Leben schneller als gedacht. Dann greift ein Rädchen ins andere, die Dinge passen und fügen sich, und so saßen unverhofft bald Micha und Fried bei uns am Tisch.

Neben der Freude über den Besuch, das Kennenlernen im „Echtleben“ war bei mir – ich gebe es zu – auch ein wenig Aufregung dabei: Was backe ich, wenn Micha, meine erklärte Küchenmuse, zu Besuch kommt? Auf ein erprobtes Micha Rezept zurückzugreifen wäre natürlich die „sichere Bank“ gewesen, aber irgendwie schien das mir in diesem Falle doch etwas zu bequem. Micha was aus ihrem Blog vorbacken? – Nee…  Nun ist der April ferner obsttechnisch ja nicht gerade der üppigste Monat, jedoch beginnt die Rhabarbersaison – strenggenommen ist das Knöterichgewächs ja ein Gemüse, aber bei mir doch eher in der „Obstecke“ einsortiert und unmittelbar mit dem Gedanken an Rhabarberkuchen verbunden. Für den Rhabarberkuchen anlässlich des Besuchs von Micha und Fried fügt sich eine ordentliche Schicht fruchtig säuerlicher, dezent gesüßter Rhabarber zwischen einen klassischer Eier-Schmand-Guss, wie ihn meine Oma schon machte, und einen „Freestyle Teigboden“. Letzterer entstand ursprünglich mal in dem Bestreben mein Mehlsammelsurium zu dezimieren (deswegen das Reismehl) und einem spontanbackbedingten Buttermangel (deswegen Kokosöl und Quark). Das Ergebnis wurde damals schon für gut befunden und noch etwas weiterentwickelt und ist vielseitig verwendbar, so auch diesmal. 

Gelobt wurde er der Kuchen. Große Erleichterung und Freude auf meiner Seite. Freude aber besonders darüber mit diesen beiden Menschen Zeit verbringen zu dürfen, sich auszutauschen, zu hören, zu sehen und zu fühlen. Manchmal fügt es sich einfach.

Danke auch, Micha, für deine Einladung hier auf deinem wunderschönen Blog einen Gastbeitrag leisten zu dürfen.

Ich habe den Kuchen ursprünglich in einer 26er Springform gebacken. Nachdem ich der Gastblogeinladung gefolgt bin, habe ich zum 1. Mai für uns und die Fotos kleine Tartes in einem Muffinblech gebacken. Geht auch wunderbar. Die angegebenen Zutaten und Backzeiten beziehen sich aber auf die 26er Springform. 

Während die Rhabarbertartes im Ofen buken, wurden im Sandkasten eifrig weitere Kuchen fabriziert. Das Rezept dazu ist selbsterklärend.


Zutaten - Tarteform 26cm

Teig:
90 g Vollkornreismehl
90 g Haferflocken, gemahlen
60 g Mandeln, gemahlen
35 g Kokosblütenzucker
knapp ½ Zitrone, Abrieb
1 kleines Ei

4 EL Ahornsirup
80 g Quark
70 g Kokosöl, flüssig erwärmt

Belag:
Ca. 700 g Rhabarber, geschält und geputzt gewogen, entspricht ca. 1 kg ungeschältem Rhabarber (ohne Blätter)
3 EL Rohrzucker

Guss:
2 Eigelb
1 EL Speisestärke
200 g Crème fraîche (Schmand oder Saure Sahne gehen sicher auch)
1 Msp. Vanille
2 Eiweiß, mit 1 Pr. Salz zu steifem Schnee geschlagen

Zubereitung:

Für den Boden alle trockenen Zutaten vermengen. Dann Ei, Quark, Ahornsirup und flüssiges Kokosöl schnell unterkneten. Einen flachen Fladen formen und in Frischhaltefolie mindestens eine halbe Stunde, gerne auch über Nacht, kühl stellen.

Den Rhabarber putzen und schälen und in ca. 2 cm lange Stücke schneiden. Sehr dicke Stengel der Länge nach halbieren. Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen, ein Sieb einhängen und hierdrin je eine Handvoll Rhabarber in dem kochendem Wasser 40-60 Sekunden (nicht länger) blanchieren. Die Stücke müssen noch fest und roh sein. In einem großen Sieb mindestens eine halbe Stunde abtropfen lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will (wie ich diesmal) lässt ihn über Nacht abtropfen, denn gerade der frühe Rhabarber ist sehr saftig und schnell ist ein Teigboden dadurch durchweicht. Alternativ könnte man auch Zwiebackbrösel oder gemahlene Mandeln auf den Teigboden legen. Wollte ich aber nicht. Also eben gut abtropfen lassen. 

Ofen auf 190 Grad (O/U Hitze) vorheizen.

Boden einer Springform mit Backpapier auslegen, Ränder fetten.

Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche auf etwas mehr als 26 cm auswellen und in die Form einlegen. Wem das nicht gelingt (mir), halbiert den Kreis, legt zwei Halbkreise ein und fügt die Nahtstelle liebevoll zusammen.

Rand auf ca. 2-3 cm Höhe begradigen.

Rhabarberstücke auf den rohen Kuchenteig verteilen.

Im vorgeheizten Ofen im unteren Drittel 25-30 Minuten backen. Gegen Ende dieser Backzeit den Guss vorbereiten: Eigelb mit Stärke, Crème fraîche und Vanille gut verrühren. Eischnee unterziehen.

Nach der ersten Backzeit 3 EL Rohrzucker über den ¾ gebackenen Rhabarberkuchen verteilen und dann sofort den Guss drübergießen. Auf mittlerer Schiene, diesmal bei 175 Grad weitere 15-20 Minuten backen, bis der Guss ganz zart bräunt.

In der Form eine Stunde abkühlen lassen. Erst dann öffnen.

Erdbeereis passt sehr gut dazu.


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.

Aus dem Hut - Curry mit geröstetem Gemüse, Zitronengras und Kurkumawurzel

Freitag, 9. Februar 2018


An der Werkstatttür zu den Bühnenplastikern der Berliner Oper hing ein kleines Comic bestehend aus zwei Bildern: auf dem ersten Bild ist ein großer, unbehauener Block zu sehen samt einem Bildhauer im Overall, der davor steht. Auf dem zweiten Bild hat der Bildhauer den Block bereits seit einer Weile mit seinen Werkzeugen bearbeitet und das Tier mit seinem unverwechselbaren langen Rüssel, den großen Ohren und den mächtigen Plattfüßen ist deutlich zu erkennen. Neben dem Bildhauer steht nun ein kleines Mädchen, dass ihn verdutzt anschaut und fragt: *Und woher wußtest du, dass da ein Elefant drin versteckt war?*

Tja, und an manchen Tagen schaue ich auf die gleiche Weise  wie das Mädchen den Bildhauer unser Gemüse an und frage interessiert nach: *Und was steckt in euch? Irgendwelche Ideen? Tendenzen?* Die hochgeschätzte und ebenso vermisste Frau Hedonistin postulierte gerne, dass wenn sie ratlose Kreise in der Küche dreht, sie nur damit begonnen müsse, Zwiebeln anzuschwitzen. Mit dem Geruch in der Nase entwicklen sich die Dinge am Herd zum Selbstläufer.

Gleiches gilt, wenn man eine Fuhre kleingeschnittenen Gemüses einfach in den Ofen schiebt. Irgendetwas Essbares kommt bestimmt bei raus. Das hat sich hier schon vielfach bestätigt. Mit Pasta geht derlei Gemüse prinzipiell oder halt ganz schlicht, oder als Ottolenghi Klassiker (der gab der Ofenrösterei schließlich den Startschuß) mit Blumenkohl - in zig Varianten - mit Fenchel... Und mit Zucchini oder Tomate fange ich in der Aufzählung erst gar nicht an... da würde ich ja gar nicht mehr fertig. Ein paar wahllos herausgegriffene Beispiele - nur um euch zu zeigen, wie man mit diesem Trick auch ohne jeden Musenkuss ein Kanninchen aus dem Zylinder zaubert. Und bei Suppe samt Ofengemüse sind wir gar bei zwei Karnickeln!


Zutaten 4P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Paprika, rot
1 Paprika, gelb
1/4 Blumenkohl
100g 
Champignons*
2 Karotten
1 Süßkartoffel
1 Stange Zitronengras
2 Kefirlimettenblätter
(wer hat)
1 Stück Kurkumawurzel (ca. 5cm)
400ml Kokosmilch
150ml Gemüsebrühe
2-3 EL Öl (m: Raps)
Salz, Pfeffer
etwas frischer Koriander
Curry

Zubereitung:

Ofen auf 200° vorheizen.

Die Zwiebel schälen und mittelfein würfeln. Den Knoblauch fein hacken. Die beiden Paprika entkernen, mit dem Sparschäler schälen und in Streifen schneiden. Die Blumenkohlröschen in kleinere Stücke teilen. Die Pilze säubern und vierteln. Alles in einer Schüssel mit dem Öl und einem kleinen Teelöffel Salz vermengen. In eine ofenfeste Form oder das Backblech setzen und im heißen Ofen ca 25min garen - zwischendurch 2-3 Mal das Gemüse wenden.

Die Süßkartoffel in 1cm Würfel schneiden. Die Karotten putzen, der Länge nach vierteln und in kleine Stücke schneiden (so paßt das dann zusammen mit der Garzeit). Das Zitronengras mit dem Messerrücken klopfen (so öffnen sich die Fasern) und halbieren. Die Kurkuma fein reiben (Vorsicht: färbt Finger wie Reibe). Vom Koriander Grün und Stiele von einander trennen. In einer großen Pfanne die restlichen Zutaten: Gemüsebrühe, Kokosmilch, Curry, Zitronengras, Kefirlimettenblätter, Korianderstiele. Kurkuma, Karotten und Süßkartoffeln erhitzen und etwa 10min köcheln. Das ofengeröstete Gemüse untermengen und weitere 2min garen. Nochmals abschmecken, Zitronengras, Kefirlimettenblätter und Korianderstiele entfernen. Zum servieren mit dem klein gehackten Koriander bestreuen!

*Anmerkung m: wer mag ersetzt die Champignons hälftig durch Sithake-Pilze und läßt diese in der Brühe mitkochen... 

Raubtier-Granola

Dienstag, 19. Januar 2016

Mein letztes Buch wußte mich zu überraschen: ich dachte, mich erwartet (warum auch immer) eine ähnlich erotische Geschichte à la *Salz auf meiner Haut* (an das ich mich nur höchst nebulös erinnere). Aber nein (lediglich periphär), in dem Buch mit dem poetischen Titel *Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins* folge ich dem klaren, tiefen Blick Milan Kunderas, der sich wahrlich viele spannend-kluge Fragen stellt. Etwa, ob die nicht vorhandene Aufmerksamkeit des Menschen gegenüber Zufällen nicht einhergeht mit einer Blindheit für die Dimension der Schönheit. Ist das ein nicht ein funkelnder Gedanke?

Solche Überlegungen verflicht er mit einem ansonsten recht ernüchterten Menschenbild . *Die wahre menschliche Güte kann sich in ihrer absoluten Reinheit und Freiheit nur denen gegenüber äußern, die keine Kraft darstellen. Die wahre moralische Prüfung der Menschheit, die elementarste Prüfung (die so tief im Inneren verankert ist, dass sie sich unserem Blick entzieht) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen des Menschen gekommen, zu einem so grundlegenden Versagen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen*. Eine Verbesserung der Verhältnisse könnte Milan Kundera 30 Jahre später wohl nicht feststellen – im Gegenteil. 

Aber wie sagte bereits Abraham Lincoln:* Du willst den wahren Charakter eines Menschen kennenlernen? So gib ihm Macht!* Es fällt uns – ob der drückenden Notwendigkeit – nichts anderes ein, als uns mehr und mehr dem pflanzlichen Essen zuzuwenden – bei weitem mehr als uns dazu Appetitlichkeit oder Geschmack veranlassen. 

Diese Granola entdeckte ich als Beispielrezept eines Arztes am Ende seines Vortrags zu den Vorzügen einer veganen Ernährung. Meine letzte ausprobierte Granola ließ sich wie eine Süßigkeit knabbern – war aber ebenso zuckrig wie fettig. Diese hier zeigt, dass eine knusprige, leckere Granola weder das eine (Zucker) noch das andere (Fett) braucht. Im Glas trocken aufbewahrt hält sie sich hervorragend. Die weckt den Leoparden in euch – promis  :)
Zutaten:

500g Haferflocken
100g Hirseflocken
(m: 30g davon Amaranth, gepoppt)
100g Kokosflocken
100g gehackte Mandeln

150g Aprikosen, getrocknet
100g Feigen, getrocknet (m: eigene)
50g Datteln
250ml Wasser

Zubereitung:

Die trockenen Zutaten miteinander vermengen. Die Trockenfrüchte grob schneiden, mit heißem (m: kochendem) Wasser übergießen und 15min ziehen lassen - dann fein pürieren.

Das Fruchtmus mit der Haferflockenmischung zusammen fügen und ein Mal gründlich händisch durchkneten. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und 90-100min bei 100° (Umluft) trockenen lassen. Dabei alle 30min wenden.

In einem gut verschlossenen Glas hält sich die Granola sehr lange.