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Cake aux Crumbles, fruits et kéfir

Donnerstag, 4. September 2025


Ein guter Bekannter setzt sich zu uns an den Tisch im Café. Wir nennen ihn immer den Ingenieur. Er hat wie der Habib viel im Ausland gearbeitet hat - eine gemeinsame Schnittmenge an Erfahrung verbindet. Er fragt, wie es geht, wie man das so macht in Frankreich, und wartet kaum die Gegenfrage ab, bevor die ganze Geschichte schon aus ihm hervorbricht: das Haus der Schwiegereltern ist vor einigen Tagen abgebrannt. Die Worte sprudeln nur so aus ihm hervor. Zwischendrin entschuldigt er sich immer wieder für seinen Redeschwall. Er sucht keinen Rat oder Hinweise: er will sich den Schock von der Seele reden. Michael Endes *Momo* fällt mir ein, die alle aufgesucht haben, um mit ihr zu reden: weil sie so gut zuhören konnte...

Traumatisierte Menschen wollen erzählen, was ihnen widerfahren ist. Das ist zumindest die Erfahrung von Trauma-Expertin Maggie Schauer (Sternstunde der Philosophie SRF Kultur): *Da können wir uns zu nutzen machen, dass Menschen so angelegt sind, Geschichten zu erzählen. Es gibt Forscher, die sagen der Mensch ist nicht ein homo erectus sondern ein homo narrans. Wir sind storyteller. Wir erzählen natürlicherweise Geschichten. Jeder will eigentlich seine Lebensgeschichte erzählen.*

Dem steht allerdings die menschliche Vermeidungsstrategien gegenüber, dass man die dunklen Kapiteln des Lebens nicht gerne Revue passieren läßt. Dabei wäre es so wichtig, sich seiner *Wunden* (Traumata) bewußt zu sein - um sie nicht weiterzugeben. Oder weiter gefasst: um als Gesellschaft sozialkompetent miteinander umgehen zu können. Kaum ein Nachkriegskind hatte eine schöne Kindheit - spricht Elke Heidenreich für eine ganze Generation. Gedemütigte, geschlagene Kinder, nicht gewollt und nicht gesehen. Und dieses Sich-gegenseitig-Wunden-schlagen hört nicht von alleine auf. Es wiederholt sich und wiederholt sich in ähnlichen und unterschiedlichen Melodien. Das Ergebnis bleibt sich gleich: beziehungsunfähige, liebesunfähige, friedensunfähige Menschen. Das Bewußtsein dafür müßte doch mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein, weil es unsere Gesellschaft zu der Gesellschaft formt, die sie ist.

Es ist immer die Kindheit, alles andere sind Fußnoten*, betont Maggie Schauer. Die Kindheit legt den entscheidenden Boden, wie psychisch gesund jemand ist, wie ich *Leben* seelisch verarbeite. Beziehungsweise eigentlich die Kindheit der Eltern, der Großeltern, wie die Mutter schwanger mit mir war, dann meine eigene Kindheit (das sind die vererbbaren Traumata). Wir brauchen mindestens 2 Generationen vorher, um zu verstehen, wie vulnerabel oder resilient wird da ein Mensch.

Das Beste, was passieren kann, ist Emanzipation. Wohl dem, der es schafft, die Opferrolle zu verlassen ohne dabei selbst wieder zum Täter zu werden. Wohl dem, der diese Spirale zu durchbrechen vermag, der seine Vorgeschichte kennt und diese zum Nährboden macht für Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung.

Ich glaube sehr, an die heilende Kraft des Gesprächs: Was ist erquickender als das Licht? Das Gespräch! (Goethe). Nichts verbindet Mensch mehr, als sich einander zuzuwenden und zuzuhören. Ein offenes Ohr, ein mitfühlendes Herz. GROSSES Pflaster für verletzte Gefühle. Und nirgendwo geht das besser, tiefer, vertrauter, zarter, begleitender, anhaltender, zugewandter als in einer Beziehung. Je mehr ein Paar miteinander im Gespräch ist, umso glücklicher sind sie miteinander. Du kannst dich nicht als Paar aus den Augen verlieren, das Interesse kann nicht einschlafen, die Vertrautheit nicht weichen, wenn man im Gespräch bleibt. Nichts heilt wohl so sehr wie eine Liebesbeziehung.

Dabei ist uns allen bestimmt klar, dass es Grausamkeiten gibt, die sich auch mit Therapie oder guten Gesprächen nicht wieder auslöschen lassen. Da reichen ein paar Stichwörter: Hiroshima (hält die Arte-Doku zum 80. Jahrestag jemand aus?). Gaza. Sklaverei. Konzentrationslager. Guantanamo. Da will man sich nicht hindenken. Da scheint bereits das Zuhören unerträglich.

Komischerweise hat mich die Einschätzung der australischen Ureinwohner (in *Sand-Talk*) getröstet. Die Aborigines halten die Menschen für eine aggressive Spezies. Männer wie Frauen. Regelrecht erfrischend, das so nüchtern zu lesen. Endlich spricht es mal jemand aus. Und dann, ja dann erwartet man gar nicht mehr viel von anderen. Dann muss man nicht mehr irgendwie *dagegenhalten*. Dann kann man nur positiv überrascht werden.



So ernste Themen hier immer, oder? Wer liest das mit? Nun, mit dem Habib zusammen von unserem Adlernest sich die Welt genauer anzuschauen, das geht ganz gut. Aus Neugier. Auf der Suche nach Klarheit, Wahrheit, Urteilsfähigkeit. Und der Habib hat zudem so viel gesehen von der Welt, so viel wertvolle Lebenserfahrung. Solche Beobachtungen machen mein Leben reicher, tiefer. Aber je ernster man es meint mit der Welt, umso mehr Konsequenzen hat es...

Zu sauren Themen gibt es Süßes. Es ist ein Feigenjahr. Die Bäume tragen der Trockenheit zu Trotz über und über und die Früchte sind süßer denn je. Hier hat jeder einen Feigenbaum im Garten stehen. Wer keine Feigen hat, kann auch Zwetschgen stattdessen verwenden. Oder Brombeeren. Oder Himbeeren/ Blaubeeren aus der Tiefkühle....


Geschwister im Blog-Universum:


Zutaten - Kastenform 25cm:

200g Butter, weich
140g Zucker (m: Rohrzucker)
1 Pr Salz
4 Eier
260g Mehl
2 1/2 TL Back-Pu
160ml Kefir
3 EL Mohn, gemahlen
1 Limette, Abrieb davon
...
Streusel:
45g Mehl
15g Haferflocken
25g Haselnüsse
30g Zucker
40g Butter
1/2 TL Sugar Spice
...
300g Frucht (m: 250g Feigen/ 50g Brombeeren)
Zubereitung:


Zuerst die Streusel zubereiten. Dafür alle Zutaten miteinander verkneten und kalt stellen.

Ofen auf 180° (O/U-Hitze) aufheizen.

Butter mit Zucker hell cremig aufschlagen, Limettenschale zufügen und die Pise Salz. Dann ein Ei nach dem anderen unterrühren. Dann abwechselnd Mehl/ Backpu und Kefir untermischen. Teig halbieren. In die eine Hälfte den Limettensaft untermischen, in die andere den gemahlenen Mohn

Form mit Backpapier auslegen..

Die beiden Teige abwechselnd in die vorbereitete Kastenform füllen und mit einem Holzstab durchmäandern. Die Früche darauf setzen und leicht eindrücken. Zuletzt den Streusel darauf verteilen.

Den Kuchen in den heißen Ofen schieben - insgesamt für ca. 55min backen. Stäbchenprobe.

Schmeckt (mir) am besten, wenn die Aromen im Kühli über Nacht durchziehen durften.

Anmerkung m: damit der Teig-Swirl besser zu Geltung kommt, habe ich in der Zutatenliste die Dosis erhöht. Ich bekomme hier im Outback keinen gemahlenen Mohn zu kaufen und habe daher ganzen verwendet. Gemahlenen Mohn aber würde ich bevorzugen...


Vermählung: Früchte-Nussknacker

Samstag, 23. Dezember 2023

 

Rückblickend schüttle ich über mich selbst den Kopf! Selbst als #Team Romantik der ersten Stunde (jaja, auch hier) war es doch sehr kindlich naiv, davon auszugehen dass alle Paare den gleichen Werdegang durchlaufen, ähnlich diesen Hüpfkästchen aus Straßenkreide, indem der Parcours klar vorgegeben ist: verliebt-verlobt-verheiratet. Heute fallen mir nicht mal eine handvoll Paare ein, die ich anschmachte ob des liebenswürdigen Umgangs miteinander. Eher im Gegenteil: in unseren Breitengraden scheint das mit der Paarbeziehung kaum einer hinzukriegen. Warum verlieren wir so schnell das Interesse aneinander, reden nicht mehr, suchen keinen Austausch?

Dabei wird derart Hosiana auf die freie Wahl der Liebe gesungen. Und? Im Ergebnis scheint das Modell wenig erfolgverprechend und eher ernüchternd. Zumal: so lange gibt es das freie Aufspielen in der Liebe noch nicht.

Schaue ich mir meine Familiengeschichte an, so paarte sich die Generation meiner Großeltern während dem Krieg. Ich kenne nur die weibliche Sicht, die Großväter lernte ich nie kennen. Die eine Oma schrieb mit zwei Soldaten, beide fielen. Später heiratete sie dann einen deutlich älteren Mann, an den sie nie ihr Herz verlor. Die andere Oma lernte ihren künftigen Mann ebenfalls als Soldaten kennen, schnelle Heirat, keine großen Gefühle ihrerseits, zudem ständig getrennt, in den kurzen Fronturlauben dann die schnelle Zeugung von Kindern und irgendwann, Jahre später, kehrte er zurück aus der Gefangenschaft, verdreckt, verlaust, verwanzt und traumatisiert. Romantik geht definitiv anders.

Die Elterngeneration, die mussten noch heiraten, um überhaupt das Elternhaus verlassen zu können. So wollte es die Zucht und Ordnung. Und ich hätte für mich die Hand nicht ins Feuer legen wollen, ob ich nicht genauso die erstbeste Möglichkeit ergriffen hätte, um dem Elend zu entkommen. In der Not frißt der Teufel Fliegen. Nur, das könnt ihr einer Fachkraft glauben: Liebesgeschichten beginnen anders.

Dann kam die Pille, die Wohngemeinschaften und nun ging der wilde Reigen erst richtig los. Mit der einhergehenden Ernüchterung in Folge der meine Generation recht bald feststellen mußte, dass Sex noch keine Liebe und dass der Glimmstängel der Leidenschaft schnell runtergeraucht ist.

Obwohl die Beziehungen nicht länger halten als früher, wird immer noch kräftig geheiratet - möglicherweise der Kinder wegen. Also Hochzeit ist überhaupt nicht meine Veranstaltung. Alleine diese unmöglichen Brautkleider-Sendungen, in denen die Mädels vor dem Spiegel stets totally ergriffen von sich selbst sind, wenn sie *ihr* Kleid gefunden haben, maximal egozentrisch, völlig selbstverliebt, ganz so als wollten sie sich selbst heiraten. Schlimm! (Wobei es diesen Firlefanz mit Selbst-Heirat ja sogar gibt - was soll man über die Verwirrtheit der Menschen noch sagen?). Für ein Kleid für einen einzigen Tag, für ein einziges Fest so viel Geld auf den Tisch zu legen - nee, sorry, verstehe ich nicht, das leuchtet mir nicht ein. Sowieso mal wieder ganz mit Goethe: *Man feiere nur, was glücklich vollendet ist; alle Zeremonien zum Anfang erschöpfen Lust und Kräfte, die das Streben hervor bringen und uns bei einer fortgesetzten Mühe beistehen sollen. Unter allen Festen ist das Hochzeitsfest das unschicklichste; keines sollte mehr in Stille, Demut und Hoffnung begangen werden als dieses.*

Ob die von Eltern eingefädelten Ehen zwingend schlechter sein müssen als die der freien Wahl? Diese Doku schaute ich mir an, in der u.a. eine arrangierte Hochzeit im Himalaya verfolgt wird: Becoming women in Zanskar (ca. min 40).  Die Eltern der Braut wählen für ihre Tochter einen Bräutigam, ganz so, wie es die Tradition will, ganz so wie sie verbunden wurden. Sie erzählen, die Zuneigung füreinander würde mit der Zeit schon wachsen, wenn man sieht mit wieviel Arbeit, Einsatz und Fleiß sich für die Familie engagiert wird - notwendigerweise in dieser rauhen Gegend, man braucht sich und ist aufeinander angewiesen. Aber was fließen bei allen die Tränen während der Vorbereitung auf die Brautentführung: ihr kleines Mädchen würde das Haus für immer verlassen. Da schniefe ich synchron mit - angefasst und ein wenig neidisch - weil diese offensichtliche Verbundenheit so rührt, weil die Familienbande derart außergewöhnlich innig sind. 

Da frage ich mich dann schon: wie beziehungsfähig sind wir eigentlich, wie liebesfähig - gerade wenn man den Vergleich so vor Augen gestellt bekommt. Tja, und bei der freien Partnerwahl kann man von Eigenverantwortung nicht frei gesprochen werden, schon Richtung: dir geschieht nach deinem Glauben. Wovon hast du denn geträumt? Wonach hast du denn gesucht? Denn mir fällt wenig ein, dass ähnlich entscheidend für die Vita ist, mit WEM man gemeinsam durchs Leben geht. Werte brauchen ein entsprechendes Gebenüber. 

Gute Gelegenheit mal wieder auf James French zu verweisen, der auf so phantastische Weise demonstriert, dass erst auf der Basis von Frieden, Vertrauen und Freiheit der Weg zueinander geöffnet ist. Und dass wir uns über das Gefühl verbinden und nicht über den Verstand, Intellekt, Worte oder andere Konstrukte. Dann, ja dann ist Beziehung der Paradeort, die beste aller Möglichkeiten um Werte erfahren, leben und üben zu können - in Ernsthaftigkeit, in Wahrhaftigkeit. Das Üben von Miteinander statt Gegeneinander, freiwillige Kooperation, fruchtbarer Austausch, gemeinsames Wachsen. Was wäre wünschenswerter für diesen Planeten und seine Lebewesen als das?!



Eine ganz klassische, kulinarische Vermählung zu Weihnachten sind Dörrfrüchte mit Nüssen. Diese Früchte-Nussknacker sind eine super Sache für alle Kurzentschlossenen noch auf den letzten Metern vor Weihnachten schnell  den Plätzchenteller mit Selbstgemachten zu füllen. Sie halten sich im Froster locker 3 Monate und im Kühlschrank mehrere Tage. Ich habe die Rollen einfach in der Tiefkühle gelassen und je nach Bedarf für uns Scheibchen abgeschnitten - selbst dann lassen sie sich direkt essen.


Zutaten - 2 Rollen/ca. 50 Stück:

100g Datteln
70g Dörr-Pflaumen
80g Dörr-Aprikosen
50g Rosinen
50g Dörr-Preiselbeeren
50g Kürbiskerne
75g Walnüsse, gehackt
75g ganze Mandeln, geröstet
40g Sesam (Teil davon für Deko)
20g Pinienkerne (m: Pistazien)

Zubereitung:

Datteln, Pflaumen, Rosinen, Aprikosen und Cranberries getrennt voneinander mit kaltem Wasser übergießen und etwa 15min ziehen lassen.

Walnüsse fein hacken. Ganze Mandeln in einer Pfanne ohne Fett rösten.

In einer Schüssel Walnüsse, Mandeln, Kürbiskerne, Sesam und Pinienkerne zusammenschütten. 

Auf einem Brett 2 Bahnen Klarsichtfolien vorbereiten.

Dörr-Früchte abgießen. Rosinen und Cranberries zu den Nüssen geben. Aprikosen klein schneiden. Datteln und Dörrpflaumen entkernen und in einem Mixer zu Mus pürieren. Nun alle Zutaten mit behandschuhten Hände gut vermengen.

Die Hälfte der Masse auf eine der Folien setzen, erst mit den Händen etwas länglich formen dann in der Folie rollen. Wenn die Rolle schön und fest geformt ist, wieder etwas aufwickeln und den Sesam vor und hinter die Rolle streuen und erneut rollen - auf diese Weise die Rolle im Sesam wälzen. Mit der 2. Hälfte genauso verfahren. Enden gut verknoten und Rollen für 2 Stunden in den Froster legen.

Dann mit einem scharfen Messer in gewünschte Stücke (m: ca. 1cm Breite) abschneiden.

Quelle: YT - fantastische Rezepte

 



  Ein harmonisches und friedliches Weihnachten euch!

*

    **** wieder mit Verweis auf die Weihnachtsbotschaft meines Habibs ****

 *

 

zwischendurch: süße Obst-Schnittchen

Donnerstag, 7. September 2023

 

Das Leben lenkt mich ab - zum Bloggen findet sich gerade einfach nicht so richtig das Zeitfenster. Hingegen gekocht, gebacken und gegessen wird weiterhin konstant. Ganz so eben wie der Körper es in seiner Stetigkeit verlangt. Und so stapeln sich die Rezepte, so dass ich heute schaue, dass ich eines wieder festhalte... für mich... für euch.

Noch nie habe ich so viele verschiedene Pflaumensorten gesehen und entdeckt wie dieses Jahr - in allen Farben von gelb, orange, lila, rosa, rot, blau und in allen Größen - von kugelrund bis oval. Und alle verschieden süß, manchmal mit mehr oder weniger Säure. Ich wußte gar nicht, dass es derart viele verschiedene Pflaumen gibt. Selbst die wilden Pflaumen tragen so sehr, dass sich die Zweige biegen.

Aber meine Schnittchen bieten Boden für vielerlei Obst: Himbeeren oder Pfirsiche, Zwetschgen, Brombeeren - ihr werdet meine vorgeschlagene Süßigkeit schon nach eurem Gusto und Angebot abgewandelt bekommen.

Ich habe unseren Kuchen *einfranzösischt* mit Ziegenfrischkäse, Verveine und diesen süßen, wilden Pflaumen in orange-rot

 


Zutaten: 

125g weiche Butter
50g Rohrzucker
1/2 TL Kardamom
1 Prise Salz
2 Eier (Gr. M)
200 g Weizenmehl (m: T65)*
1 TL Backpulver
120 g weiße Schokolade*
etwas Butter für die Form
 
Frischkäse-Swirl:
250g (Ziegen-)Frischkäse
50g Crème fraîche 
50 g Zucker
1 EL Verveine, fein gehackt 
1 Ei 
1 TL Stärke
400g Pflaumen
 
Zubereitung:
 
Backblech von ca. 28cm x 23cm (von der Größe cirka halbes Backblech).
 
Die weiche Butter mit den Zucker, Kardamom und Salz cremig aufschlagen. Nach und nach Eier unterrühren. Mehl mit dem Backpulver vermengen und unterrühren. Weiße Schokolade hacken und ebenfalls unter den Teig heben. Teig in die Form geben und glatt streichen.
 
In einer separaten Schüssel Frischkäse, Zucker, Ei und Stärke verquirlen. Den fein geschnittenen Verveine untermischen. Die Masse auf den Teig in die Backform geben und mit einer Gabel oder einem Messer marmorieren. 
 
Die Pflaumen halbieren, entsteinen und vierteln. Die Pflauemn-Schnitze auf den marmorierten Teig legen und leicht eindrücken. Blondies im vorgeheizten Backofen ca. 40 Minuten backen.  
 
Anmerkung m: die Schokoholics können die Schoko-Dosis auf 200g anheben/ anstelle von 250 Ziegenkäse und Crème könnt ihr auf Frischkäse ausweichen/ und das nächste Mal nehme ich die Hälfte Einkorn-Vollkorn - das passt hier gut. 
 


 

 

 

 

Alltagsfreuden: fruchtiger Lavendel-Sandkuchen

Donnerstag, 6. Juli 2023


Was habe ich mich über das Füllhorn an Kommentaren zu meinem 12. Blog-Geburtstag gefreut! Das kam so völlig unerwartet, denn eigentlich habe ich mich ja eingerichtet, dass ich in die uferlose Matrix ausatme... und kein Echo höre. Aber WIE viel schöner ist es, ein Feedback zu erhalten !!! Vielen Dank nochmals für die Blumen! Jetzt bin ich versaut, jetzt hätte ich das gerne öfters... ein kurzes Innehalten von euch, um mir zwei-drei Worte zu hinterlassen, ein Zurückwink-Zeichen, ein *ich-fühle, was-du-meinst*,  ein *Ich-hab-den-Ball-gefangen*, ein *Hier-bin-ich-wieder-und-lese-mit*, ein kleines *lecker*... es muß nicht viel sein, aber das hilft mir doch sehr, mich mit Lust an die Tastatur zu setzen!

*Alltagsfreuden* war ein Feedback, das ich herausgreife, weil es SO ein schönes Wort ist. Ich bin ja ein überzeugter Verfechter, sich das alltägliche Leben so bewußt schön zu gestalten, wie es nur geht - zwischen allen Pflichten und Zwängen.

Da habe ich es bestimmt mit meinem sehr freiheitlichen Leben etwas leichter, weil morgens hier nicht der Wecker klingelt. Und freiwillig vor 6 Uhr (im Sommer ;) aufzustehen, ist wieder eine ganz andere Kiste, als das zu müssen. Tatsächlich - unabhängig davon, dass ich bei den Foodblogs mitmischle - halte ich das Essen für eine ganz wichtige Alltagsfreude. Das erste, große Glas Quellwasser aus der Leitung trinke ich mit Genuß, ebenso wie unseren morgendlichen Tee aus gesammelten Kräutern, das herrliche Obst im Porridge... nun, ich muss nicht alles minutiös aufzählen... ihr wißt, was hier gegessen wird. Aber ja, genau deshalb koche und backe ich regelmäßig: weil es den Alltag entschieden verschönert.

Heutzutage halten sich ja viele an das Außergewöhnliche (eben fernab vom Alltäglichen), es muss *sensationell* sein, *legendär*, *noch-nie-dagewesen*, *galaktisch*, *spektakulär*... Das kann man als Überflieger ja alles mal machen - aber doch nicht ständig. Sonst droht nämlich die Gefahr, dass man abstumpft und taub wird für die kleinen Alltagsfreuden. Und dann haben wir den Salat - dann nimmt man sich *le top du top*: die Spitzen im Kleinen!

Ich habe in mir viel Bewahrendes, Erhaltendes, schätze eine gewisse Beständigkeit in den Unruhen des Lebens, die einen eh hin-und herschaukeln. Wenn ich etwas *gut* finde, dann bleibe ich dabei. Der Habib belächelt mich manchmal, wie beharrlich ich stets zu meinen gleichen Ständen auf dem Markt tigere. Aber wenn ich gut behandelt werde, die Ware gut ist... echt, warum sollte ich mich anderweitig umschauen? Nach *noch besser*? Gut reicht mir völlig, mit gut bin ich zufrieden.

 


Zu meinen Alltagsfreuden zählt als Landmädchen eindeutig auch das Draußensein in der Natur. Nachts mit offenem Fenster schlafen, morgens die Türen zum Garten weit aufmachen, barfuß laufen, die Wäsche in der Sonne trocknen, Wildkräuter suchen... Ich glaube, bei Insta ist das mein häufigster Hashtag #draußenistschöner. Das Sammeln der kleinen Walderdbeeren ist zwar ein Unterfangen, bei dem man artig gebückt am Waldboden kraucht - ich empfand es keine Sekunde als mühselig. Die Blätter rascheln, der Waldboden duftet... das Leben ist gut. Und Walderdbeeren sind köstlich.

Die Blondies von letztem Jahr zum 11. Bloggeburtstag habe ich direkt mit der ersten Beute nachgebacken. Mit einem Teil des nächsten Jagdgutes habe ich den bewährten und geschätzten  Apfel-Sandkuchen nach Lafer umgemodelt und als Basis verwendet. Wer keine Walderdbeeren hat, nimmt hierfür normale Erdbeeren. Oder Himbeeren. Oder Aprikosen. Oder Pfirsische. Oder Pflaumen... Ich finde, dass zu dem Sommerobst ganz wunderbar Kräuter wie Thymian, Lavendel oder Rosmarin passen. Das ist hier in Südfrankreich regelrecht eine Passion geworden, keine Gelegenheit zu verpassen, sie in süßem Gebäck zu verstecken! Und ausnahmslose alle - inklusive Skeptiker - mochten das Geschmackserlebnis gerne. Jawohl!

 

Zutaten - Springform Ø 20cm/ Brownieform 28x18cm:

Mürbeteig:
80g Butter, weich
30g Rohrzucker (zu Staubzucker gemahlen)
1 kleine Tonka-Bohne
150g Weizenmehl (m: 100g 630/ 50g Einkorn-VK)

Sandmasse:
2 Eier
Prise Salz
150g Butter, weich
120g Rohrzucker (m: mit Vanille)
 2 TL Thymian, getrocknet
2 EL Lavendelblätter
130g Weizenmehl (m: D630)
1 TL Backpulver (m: Weinstein)
50g Mandelblättchen, geröstet, gehackt

Belag:
200g Walderdbeeren
oder 250-300g Himbeeren

Zubereitung:


Den Backofen auf 180°C Ober-Unterhitze (160°C Umluft) vorheizen und eine Springform Ø 20cm oder eine Brownieform mit Backpapier auslegen.

Für den Mürbeteig Butter, Puderzucker, Gewürze und Mehl mit dem Knethaken oder per Hand zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig in die Form geben und mit einem Löffel oder der Hand gleichmässig verteilen und glatt streichen. Die Form in den Kühlschrank geben.

Nun die Äpfel schälen, viertel, das Kerngehäuse entfernen. Die Oberseite mehrmals mit einem Messer fein einschneiden.

Für den Sandkuchen die Eier trennen. Das Eiweiß mit einer Prise Salz aufschlagen, zur Seite stellen. Die Butter mit dem Zucker schaumig schlagen, dann die Eigelbe nacheinander unterrühren. Ebenso die feingehackten Kräuter. Mehl und Backpulver vermengen und auf die Masse sieben und zusammen mit den feingehackten Mandeln unterrühren. Nun ein Drittel des Eischnees per Hand unterrühren, den Rest vorsichtig unterheben. Die Form aus dem Kühlschrank holen und die Sandmasse auf dem Mürbeteigboden verteilen.

Die Früchte gleichmässig auf der Sandmasse verteilen und leicht andrücken. Wer größere Früchte nimmt wie Pfirsiche/ Aprikosen/ Plfuamen.. kann noch etwa 25g Butter für den Belag zerlassen und die halbierten Früchte damit bepinseln. Zucker über dem Kuchen verstreuen, optional auch ein paar Mandelblättchen.

Den Kuchen im Ofen für etwa 45 min. backen, bis er goldbraun ist, Stäbchenprobe machen. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen und dann aus der Form holen. Auf einem Gitter komplett auskühlen lassen.

Anmerkung m: anstelle der Walderdbeeren kann man 4-5 Pfirsiche verwenden (die ich mit der Schale nach unten in die Sandmasse setzen würde), 5-6 Aprikosen, 250g Himbeeren, Pflaumen... wird alles gut schmecken!


Blog-Buster: Obst in der Konserve

Montag, 10. September 2018


Unsere Nashi-Birne hat wunderbar getragen. Das bekommen auch direkt sämtliche Vögel und Ameisen mit. Gerade letztere sind bei uns im Garten unsere größten Fressfeinde. Nicht im Sinne ihrer Körpergröße, sondern der Menge, die sie wegtragen. Erdbeeren etwa - ein gemeinsames Lieblingsobst. Mehr als mit Schnecken müssen wir mit Ameisen teilen. Die nagen - jetzt im Falle der Nashi-Birne - zusammen mit den Wespen Löcher und schon sind auch Bienen und Hornissen zur Stelle. Wir teilen ja gerne. Iss ja gar nicht so. Aber eine Provision fürs Anbauen und Pflegen hätten wir schon gerne. Nur hält gerade sehr zuckeriges Obst ein Mal geerntet leider nicht lange.

Am liebsten essen wir sämtliche Früchte morgens zu unserem Porridge. Nur so viel verbraucht sich dabei nicht auf einen Schlag. Gut, dass ich mich für die Birnen eines Blog-Busters erinnerte. Ihr wißt, Nicole Stich ist für mich die große Schwester des Foodbloggens! Das läßt sich wunderbar an ihrem ersten Kochbuch *Delicious Days* demonstrieren, dessen Foodfotographie wie Rezepte nicht zu altern scheinen - wie *das kleine Schwarze*, das man einfach im Schrank hängen haben sollte und zu jeder Gelegenheit passt. Und wie lange ist sonst heute die Halbwertszeit eines Kochbuchs? Ich fürchte, der allgemeinen Schnellebigkeit angepasst...

Aus diesem Buch ist ihr Rezept der Birnen in Safran-Vanille-Sirup schon von Blog zu Blog gehüpft. Die sonnenblumengelben Birnen sehen zu verführerisch aus. Allerdings bin ich nicht der weltgrößte Fan des Geschmacks von Safran - daher habe ich die Dosis etwas reduziert. Ich wollte eigentlich nur die Farbe (bedenke: weniger Safran macht allerdings auch weniger leuchtend Gelb). Außerdem habe ich die Birnen gleich eingeweckt (auf meine bewährte Weise), so dass ich die Birnen nur kurz im Sud aufköcheln ließ und dann in den vorbereiteten Gläsern konservierte. Einen weiteren Teil der Birnen machte ich in einem Karamell-Vanille-Sirup ein. Vor Fressfeinden gerettet und im Vorratsregal für einen späteren Zeitpunkt gesichert!


Zutaten für 4-6 Personen:

250 g Zucker
1 Vanilleschote
1 Limette
etwa 1/2 TL Safranfäden
6 festere Birnen (m: Nashi)*

Zubereitung

600 ml Wasser und den Zucker unter gelegentlichem Rühren bei starker Hitze in einem weiten Topf zum Kochen bringen. Dann die Hitze zurücknehmen, so dass der Sirup nur noch leicht köchelt. Die Vanilleschote der Länge nach aufschneiden, Mark mit dem Messer herauskratzen und samt Schote zum Zuckersirup geben. Limette auspressen und den Saft sowie die Safranfäden ebenfalls zugeben.

Die Birnen entweder halbieren oder vierteln, dann entkernen und schälen, zum Sirup geben. Abgedeckt darin je nach Größe in bis zu 30 Minuten weich köcheln lassen, dabei die einzelnen Birnenstücke ab und zu behutsam mit zwei Löffeln umdrehen. Sie sind fertig, wenn man beim Hineinstechen mit der Messerspitze kaum noch Widerstand spürt (sie sollen aber auch nicht zerfallen).

Birnenstücke vorsichtig in ein hohes Gefäß geben (Einmachgläser eignen sich gut) und mit dem Sirup übergießen, bis alle Früchte bedeckt sind. Abkühlen lassen, dann abgedeckt im Kühlschrank mindestens über Nacht durchziehen lassen – erst dann nehmen sie die sonnengelbe Farbe des Safrans richtig gut an. Je länger man die Birnen im Safran-Vanille-Sirup ziehen lässt, desto ausgeprägter wird ihr Aroma. 

Anmerkung m (Ende Sep'18): das erste Glas geöffnet und die Birnen für absolut köstlich befunden - die Nashi-Birnen werden nun jedes Jahr derart konserviert !!

Quelle: Nicole Stich - Delicious Days bzw. Küchengötter


Und wenn wir schon mitten im Thema sind: einen großen Schwung Karamell-Zwetschgen habe ich außerdem wieder eingemacht. Die sind im Winter eine echte Bank. Ob zu Vanille- oder Crème-Fraîche-Eis, zu Grießflammerie oder einem ordinären Grießbrei, zu Vanille-Pudding oder einer Mousse - egal. Ich finde es ein hinreißendes Gäste-Winter-Dessert. Ja, eigentlich sind die Karamell-Zwetschgen der Mme Ziii ein DUBB - die mache ich nun bereits zum dritten Mal. Aus voller Überzeugung!


DUBB: Streuselkuchen

Donnerstag, 30. August 2018


Tarte brioche aux prunes, mirabelles et crumble - würde die heutige Zuckerbäckerei ins Fanzösische übersetzt heißen. Die eigentliche Ausgangsbasis bleibt der Streuselkuchen. Für mich ein urdeutscher Kuchen - selbst wenn die Herkunft nicht ganz einwandfrei geklärt ist... möglicherweise schlesisch?

In meiner Geschichte zählen Blechkuchen mit Obstbelag zu den Süßigkeiten, die ich wenn möglich verschmäht habe. Alleine beim Wort *Blechkuchen* war ich draußen. SEHR trocken habe ich sie in Erinnerung. Selbst das saftigste Obst konnte den totgebackenen Boden nicht retten und meist waren die Ränder dunkelbraun verbrannt. Ich aß - wenn nötig und nicht zu umgehen - ein Stück aus Anstand.

Eben solche Vorurteile schob ich vor mir her bis mich Stefanies Streuselkuchen eines besseren belehrte. Für mich eindeutig und unangezweifelt das beste Rezept für Streuselkuchen on this earth. Jawohl. Oder in meiner Bloggersprache: DUBB! Daher backe ich ihn nun schon zum xten Mal - stets mit dem gleichen Ergebnis: kaum einigermaßen ausgekühlt kann ich die Finger nicht davon lassen. Abwandelbar ist er nach Lust und Laune. Soll hießen: entweder man backt ihn ganz pur als Streuselkuchen und bestäubt ihn dann anschließend mit Puderzucker. Oder man legt noch - wie ich jetzt - eine Portion Obst dazwischen. Und da passen Aprikosen genauso rein wie Äpfel oder Birnen. Ganz nach Saison oder Phantasie. Ein weiteres Plus macht seine Frischhaltequalität. Welcher Hefekuchen schmeckt am nächsten Tag noch? Dieser hier dank Vorteig!

Den Boden habe ich zusätzlich mit meinem eh gleichfalls DUBB-würdigen Pflaumenmus bestrichen (das ich gerade wieder in der Kardamom-Version in großem Schwung einkochte) und in die Streusel mein geliebtes Sugar-Spice eingearbeitet. Ich sage nur *Zuckerklebefalle*!


Zutaten für ein Blech Streuselkuchen:

Pâte Fermentée:
175g Dinkel 630
125g Wasser
2g Hefe
3g Salz


Teig:
Pâte Fermentée 
325g Mehl Dinkel 630
175g Milch
3g Salz
10g Hefe
50g Zucker
100g Butter
 
Zum Bestreichen:
ausreichend Pflaumenmus
(ca. 5 EL)

Pflaumen und Mirabellen
(ca. 1kg)*

Streusel:
320g Dinkel 630
30g Dinkelflocken
50g gehobelte Mandelblättchen
250g Butter
200g brauner Zucker 

Zubereitung:

Die Zutaten für den Pâte fermente miteinander verkneten und 1 Std. bei Raumtemperatur gehen lassen. Danach für mindestens 12 Stunden im Kühlschrank fermentieren. 

Alle Zutaten bis auf die Butter für 5 min auf langsamer Stufe in der Küchenmaschine kneten. Dann weiter 7 min auf mittlere Geschwindigkeit kneten. Zuletzt die Butter hinzufügen und weiterkneten, bis sie komplett in den Teig eingearbeitet ist. (m: etwas kürzer geknetet)

Den Teig 1 Stunde gehen lassen.

Währenddessen die Zutaten für die Streuel zu einem bröseligen Teig verkneten. Wenn der Teig sich nicht zu dickeren Bröseln verkneten lässt, ein wenig Wasser hinzufügen.

Den Teig auf Backblechgröße ausrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit Pflaumenmus bestreichen und etwa 1 Stunde gehen lassen.

In der Zeit das Obst entsteinen und klein schneiden. Nach dieser Gehzeit den Boden mit dem Obst belegen und mit den Streuseln bedecken.
Rechtzeitig den Ofen auf 180°C vorheizen.
Den Kuchen bei 180°C für ca. 50 min mit Dampf backen - nach 10min den Dampf ablassen.

*Anmerkung m: mit Obst belegt braucht der Kuchen etwa 15min länger im Ofen! Die Obstmenge in Gramm/Kilo kann ich nicht mehr genau sagen - ich habe einfach dicht an dicht belegt...

Quelle: ein echtes DUBB-Rezept - Stefanies Streuselkuchen aka Hefe und mehr

... Edit: heute entdeckt: ein nahezu eineiiger Zwilling im Blog... Ist mir dieses Jahr bereits mit den Schoko-Sablés passiert: auch ein doppeltes Lottchen. Sollte ich mir Sorgen machen?!


Brüche: Zwetchgenkuchen mit Hefeteig vom Blech

Sonntag, 3. September 2017

Menschlichen Lebensläufen und Brüche gehören untrennbar zueinander. Manche bereut man und manche nicht. Manche hat man selbst zu verantworten, durch andere wird man unfreiwillig gepresst. 

Eine Vielzahl von Brüchen prägt meine Biographie. Nach knapp zwei Jahren Schneiderlehre schmiß ich hin - aus voller Überzeugung. Langer Faden - faules Mädchen. Die Sitzerei den ganzen Tag, das Gefissel en miniature, die unsinnigen Änderungen an Klamotten anderer, das war ganz und gar nicht mein Ding. Den Berufswunsch *Kostümbildnerin* verbrannte ich gleich mit. Schön geht anders, denn zu gut erinnere ich mich, wie mich die Ratlosigkeit im selben Moment, was danach kommen sollte, schier panisch machte. Um nur eine kleine Anekdote herauszugreifen. 

Darauf komme ich, weil ich mir gerade überlegte, welche Bücher mir einfallen, die ich irgendwann abgebrochen habe. Tendenziell beiße ich mich nämlich eher durch. Auch beim Lesen. SO viele Bücher kommen deshalb gar nicht zusammen. Gerade habe ich von Emil Zola *Germinal* aufgegeben. Wie grauenhaft die Plagerei der Kohlearbeiter unter Tage geschildert wird, das Elend ihres kärglichen Daseins, die Schufterei, die dennoch nicht annähernd eine menschenwürdige Existenz ermöglicht, konnte ich nach hundert Seiten nicht länger ertragen; das machte mich fertig. Toll geschrieben, aber zu harter Tobak!

Hemmingways *Inseln im Storm* - getauscht auf den Philippinen - las ich ebenfalls nie zu ende. Aus jeder Zeile atmet der Alkohol, ja die Sprache selbst ist bereits hochprozentiges Destillat. Ich fands unzumutbar flach, banal, versoffen. Genauso wie *Stiller* von  Max Frisch. Auch wenn Frisch an der Uni Teil meiner mündlichen Abschlußprüfung war, widerte mich die Hauptfigur in *Stiller* regelrecht an. Ich konnte mich nicht aufraffen, dieser Geschichte bis zur letzten Seite zu folgen. Oder *Bonjour Tristesse* von Françoise Sagan zählt ebenfalls zu den bekannten Beispielen. Du meine Güte, wie jung und abgefuckt kann man sein. Ich sah keinerlei Gründe, ein Buch auszulesen, das mich so missmutig stimmt.

Wie gut, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind. Keiner muß alles mögen. Und ein Hoch auf die Vielfalt!

Spannend wird es, wenn sich ein Urteil wieder dreht. Äh, nein, Nähen habe ich nicht wieder angefangen. Und auch nach den letzten drei aufgezählten Büchern werde ich wohl nicht mehr greifen. Aber mein heutiger Kuchen, der ist exakt eine solche Umdrehung. Für mich der volldoofste Kuchen der Welt seit Kindheit eben dieser: lieblose Obstverwertung auf großem Blech gebacken mit staubtrockenem, geschmacksneutralem Hefeboden. Doch wie lehrt mich die Erfahrung in der Küche: meist liegt die Schuld nicht bei den Zutaten sondern beim Rezept. Et voilà: mit Stefanies Butterhefeteig verfeinert durch fermentiertem Vorteig drehte sich meine Haltung zu dem Kuchen, zu dem ich eine immense Abneigung hegte und bei dem mich bereits der Rezeptetitel abschreckte, ins glatte Gegenteil: das hier, meine Damen und Herren, ist ein Zwetschgenkuchen zum glücklich Schlemmen! Und ja, mit Hefeteigboden und vom Blech!!!

Zutaten für ein Blech Streuselkuchen:

Pâte Fermentée:
175g Dinkel 630
125g Wasser
2g Hefe
3g Salz


Teig:
Pâte Fermentée 
225g Weizen (m: T45)
100g Dinkel 630
175g Milch
3g Salz
10g Hefe
50g Zucker
100g Butter
 
1 gutes Kilo Zwetschgen
(oder Pflaumen)
150g Crème fraîche
2 EL brauner Zucker
(m: mit Vanille versetzt)

Streusel:
200g Mehl Type 550 
120g Mehl  Type 450 (m: t45)
40g Dinkelflocken
40g gehobelte Mandelblättchen
250g Butter
200g brauner Zucker
(1 TL frisch geriebener Zimt
2 Zacken Sternanis
Kerne von 2 Kardamomkapseln
1/2 TL gemahlener Ingwer
1gr MSP gemahlene Nelke)

Zubereitung:

Die Zutaten für den Pâte fermente miteinander verkneten und 1 Std. bei Raumtemperatur gehen lassen. Danach für mindestens 12 Stunden im Kühlschrank fermentieren (m: dieses Mal über 24h).

Alle Zutaten bis auf die Butter für 5 min auf langsamer Stufe in der Küchenmaschine kneten.

Dann weiter 7 min auf mittlere Geschwindigkeit kneten. Zuletzt die Butter hinzufügen und weiterkneten, bis sie komplett in den Teig eingearbeitet ist.
Den Teig 1 Stunde gehen lassen.

Währenddessen die Gewürzmischung herstellen und die Zutaten für die Streuel zu einem bröseligen Teig verkneten. Wenn der Teig sich nicht zu dickeren Bröseln verkneten lässt, ein wenig Wasser hinzufügen (m: ist nicht nötig, wenn die Butter etwas weicher ist). Streusel kalt stellen.

Den Teig auf Backblechgröße ausrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Zudecken und eine Stunde gehen lassen. 

In der Zwischenzeit den Ofen auf 180°C vorheizen und die Zwetschgen entsteinen und je nach Größe halbieren oder vierteln. 

Den gegangenen Boden mit Crème fraîche bestreichen, mit Zwetschgen belegen und mit Streuseln bestreuen. 
Den Kuchen bei 180°C für ca. 40-45 min mit Dampf backen.


Brommelbeeren-Pflaumen-Chutney samt Spezial

Freitag, 1. September 2017

Zu Chutney fällt mir immer Frau Bushcook ein. Und zwar erinnere ich mich (tsss, wie seltsam selektiv Gedächtnis funktioniert... ), wie Buschi zusammen mit Heike, diese eine Kochsendung gewonnen hatten (zurück ergoogelt: Topfgeldjäger - und hey, schon stolze 6 Jahre her... apropo Gedächtnis). Nun, das einzige Detail, das sich dazu in meinem Ultralangzeitgedächtnisbereich verankerte, das war Buschis Antwort auf die Frage, was sie denn mit der Siegerprämie anstellen würde. *Einen Pacojet kaufen* erwiderte sie. Wofür sie dieses Profigerät denn brauchen würde? Sie koche jedes Jahr viele Kilos Chutney ein, gab sie zurück. Um meinen Kopf segelten viele verständnislose Fragezeichen. Was bitte ist ein Pacojet? Und wer braucht eimerweise Chutney?

Chutney und ich, wir sind so gar nicht dicke miteinander. Ich erwähnte es bei dem einzigen Chutney, das man meiner nach Meinung braucht, dem Mango-Paprika-Chuntey (s. auch hier). Nun, heute kommt ein weiteres dazu. Eigentlich eine Zufallsproduktion aus Pflaumenresten. Das schmeckte mir dann aber so gut, dass ich doch drei weitere Gläschen einweckte. Ich finde, das Pflaumen-Brombeer-Chuntey paßt hervorragend - so wie Preiselbeeren, nach denen ich auch fünf Mal im Jahr greife - zu Pilzen oder deftigen Saucen.

Als Goodie gibts obendrauf ein Brombeer-Pflaumen-Spezial. Hervorheben mag ich mein geliebtes Schlecksel, den Brombeer-Balsamico und die Karamell-Zwetschgen der Mme Ziii - alles tolle Rezepte für den Vorrat!  Äh, und nein, einen Pacojet brauche ich dafür nicht, whatever das auch sein soll...


Zutaten 3 kleine Gläser:

400g Pflaumen
200g Brombeeren
1 Stück Ingwer, doppelte Nussgröße
1 Sternanis
4 Lorbeerblätter
2 kleine Schalotte
4 EL Cassis (m: selbst gemacht)
4 EL Balsamico-Reduktion
4 EL Portwein
6 EL Orangensaft, frisch
5-6 TL Rohrzucker (m: mit Vanille angesetzt)

Zubereitung:

Die Pflaumen entsteinen und klein schneiden. Sämtliche Zutaten in einen Topf geben und etwa 15min einköcheln lassen - dabei immer wieder rühren und aufpassen, dass die Fruchtmasse nicht anhängt. Lorbeerblätter und Sternanis aus dem Chutney fischeln und in 3 sterilisierte Gläser füllen. Ich habe die Gläser eingeweckt auf meine Standartweise: heiß abgefüllt in einen Topf mit köchelndem Wasser stellen und komplett mit Wasser abdecken - Deckel auflegen und ca. 20min weiter köcheln lassen. Im Topf abkühlen lassen.

*Anmerkung m: Der Zucker-und Essiggehalt reicht nicht aus, dass sich die Gläser lediglich heiß geschlossen lange konservieren. Wer länger Freude daran haben will, muss sie einwecken. Dieses Chutney ist in erster Linie fruchtig - ihr könnt an Süße und Säure nach eurem Dünken gerne schrauben...




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ein spontaner, ein lackierter, ein doppelter und doch ein armer Edelmann

Sonntag, 6. Oktober 2013

Zwei Ideen, zwei herrliche Ideen habe ich für euch, wenn ihr von den letzten, süßen Zwetschgen profitieren wollt. Zwei Mal unkompliziert, zwei Mal so gut, dass es nun jede Zwetschgenzeit wiederholt wird,  wiederholt werden muß. Hach, was liebe ich diese schlichten, einfachen Rezepte, die das Leben versüßen! Gartenküche at its best!

Für das erste halbe Kilo Zwetschgen hat uns spontaner und sonniger Besuch geholfen und ich zwinkere verschwörerisch Richtung Wiesbaden - und gleichzeitig schicke ich ein Coucou zur ida-umsonnten Susanne, dank der ich genau wußte, was zu tun ist. Ein Griff in die Tiefkühltruhe zu meinem Blätterteig (einer Edition mit Einkorn anstelle von Dinkel) und einer *lackierten* tarte aux quetsches war der Weg geebnet. Ihr ahnt es: MIT etwas geschlagener Sahne.

Ein weiteres halbes Kilo mußte gestern vom Markt mit, nachdem mich Petra mit ihrer Schwärmerei ganz hippelig machte. Und klar, schließe ich mich ganz und gar an: der karamellisierte Zwetschgenröster der Mme Ziii ist ein Gedicht. Flux kredenzt und ebenso schnell ist damit ein Dessert gezaubert. Ich habe völlig unaufwendig eine Brioche aus meiner Lieblingsbäckerei mitgenommen und daraus wurde anstelle des armen Ritters ein echter Edelmann. Das funktioniert ebenso gut mit selbstgemachtem Brioche, diesem Buttertoast oder Paules geliebtem Schuedi. Oder ihr kombiniert den Edelmann zu anderer Frucht - aber ums Eck denken könnt ihr ohne mich, n'est-ce pas?

Wobei der feine Zwetschgenröster schon für sich alleine der pure Genuß ist. Ich glaube, sollte ich morgen nochmals an Zwetschgen vorbei kommen, dann wird direkt die zweite Edition nachproduziert.
Zutaten:

für die lackierte Tarte 4P:

1 Portion Blätterteig (m: 400g mit Einkorn)
400 g Zwetschgen
2 EL Vollrohrzucker
2 TL frich geriebener Zimt

100g Zwetschgen
40g Zucker

für den armen Edelmann 2P:

1 Brioche
1 Ei
30ml Milch
1 Pr Salz
1 EL braune Butter
etwas Puderzucker

500g Zwetschgen
70g Zucker
1/2 Zimtstange (m: eine meiner abgeriebenen)
einen Schuß Cognac
Zubereitung:

Tarte: Den Ofen auf 180° (Umluft) vorheizen.

Für die Tarte den Blätterteig ebenso auftauen lassen, dass er sich gut auswellen läßt. Rechteckig ausrollen, ringsherum einen Rand von 1cm abschneiden, die Ränder mit einem Pinsel anfeuchten und die 1cm breiten Ränder aufkleben. Anschließend mit etwas Sahne bepinseln.

Den Zimt auf der Raffel reiben und mit dem Vollrohrzucker vermischen. Die 400g Zwetschgen halbieren, entsteinen und in feine Scheiben schneiden. Die Hälfte des Zimt-Zuckers auf dem Tarteboden streuen. Die Zwetschgen dicht an dicht dachziegelartig darauf verteilen. Den restlichen Zimt-Zucker darüber geben und die Tarte etwa 30 min bis sie schon goldbraun ist backen

Währenddessen die 100g restlichen Zwetschgen entsteinen und klein schneiden und zusammen mit dem Zucker solange köcheln lassen, bis die Zwetschgen gut Saft abgegeben haben. Die Glasur durch ein feines Sieb geben und in ein kleines Marmeladenglas bereit stellen.

Die fertig gebackene, warme Tarte mit der leicht erwärmten Glasur lackieren und warm zusammen mit etwas geschlagener Sahne servieren.

Für den armen Edelmann

Zuerst den Zwetschgenröster herstellen. Dafür die Zwetschgen halbieren und vierteln. Den Zucker in einem Topf karamellisieren lassen, dann die Zwetschgen und die Zimtstange zufügen. Nicht davon irritieren lassen, dass der karamellisierte Zucker davon wieder fest wird, sondern warten bis die Zwetschgen zu saften beginnen und achten, dass diese nicht anhängen. Etwa 5min köcheln lassen, dann den Cognac dazufügen, unterrühren und etwas abkühlen lassen.

Das Ei mit der Milch und der Prise Salz gut verrühren. Den Brioche in Scheiben schneiden (dabei gilt: je frischer der Brioche umso dicker die Scheibe - sonst droht Bruchgefahr). In einer Pfanne die braune Butter erhitzen, den Brioche in die Eiermilch tauchen und zwar so, dass er sich vollsaugt, dabei aber nicht auseinander fällt.

Die Brioche-Scheiben von beiden Seiten goldbraun braten. Mit Puderzucker bestäuben und zusammen mit dem Zwetschgenröster servieren.