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Gruppenspiele: Erdäfpelnidei mit Radicchio-Gemüse

Donnerstag, 11. November 2021

 

Um Toussaint (Allerheiligen) wird ein Aspekt der Geschichte meiner neuen Heimat der Drôme stets gut sichtbar: die einst kleinteilige Spaltung von Katholiken und Prorestanten sowohl in der Gegend wie bereits in einem einzigen Dorf. Da letztere als *Ungläubige* nicht auf geheiligter Erde begraben werden durften, haben die Hugenotten ihre Angehörigen auf ihrem Privatgrundstück bestattet. Dort sind dann oft mehrere Gräber zusammen - erhalten bis heute - wie mitten auf dem Acker, oft gekennzeichnet durch eine (mittlerweile) stattliche Zypresse. Für Toussaint werden die Gräber geschmückt mit großen Töpfen von bunten Chrysanthemen - so will es die hiesige, christiliche Tradition. Sowohl auf den Friedhöfen wie auf den Hugenottengräbern. In der Blumenwahl zu Allerheiligen demonstriert man Einigkeit.

Freunde im Habib-Alter, die hier geboren sind, lassen die Vergangenheit mit ihren Geschichten wieder aufleben. So erzählte einer, wie es in seiner Jugend in Crest (die nächste Kleinstadt) noch zwei weiterführende Schulen gab: eine für die Katholiken, eine für die Protestanten. Und nicht nur das: es gab auch zwei Apotheken. Eine für die Katholiken und eine für die Protestanten. Ich schüttelte nur mit dem Kopf: *Kann man das glauben?!

Doch der Habib bestätigte ebenfalls, dass noch für seine Elterngeneration eine Heirat zwischen Personen aus den unterschiedlichen Religionen völlig undenkbar war. Als katholisch erzogenes Kind schlich sich der Habib mal in einen evangelischen Gottesdienst (große Mutprobe: was, wenn er dabei erwischt würde?): Doch seine Neugier war zu groß: Was genau für Ungeheuerlichkeiten dort wohl geschehen? 

Im Französischen wird dabei selbst in der Sprache sauber getrennt: eine protestantische Kirche ist keine église, das ist ein *temple*. Und die feiern dort auch keine Messe sondern einen *culte*. Ob verbale Spitzfindigkeiten helfen etwa für einen Hindi oder Moslem die eklatanten Unterschiede der zwei Strömungen des Christentums zu verdeutlichen? Tsss, Menschen!

Unvorstellbarerweise ist dieser Graben, der sich deshalb durch die Gesellschaft zog, erst einen Wimpernschlag her. Anhand von welch lächerlichen Kriterien bilden sich Menschen anscheindend ein Urteil über andere, oder? Wer gibt das vor? Was verschattet derart das Herz? Was macht denn einen guten Menschen aus? Einen guten Freund? Einen guten Nachbarn? Eine gute Schwester, Kollegen...?

Nach der damaligen Auffassung kam ein Evangele nicht in den Himmel und heute kommt halt ein Ungeimpfter nicht zum Arzt (in die Uni, ins Café, Resto...) oder ein Autofahrer nicht in die Innenstadt. Manche Dinge ändern sich nie. Oder wie stellte der einzig wahre deutsche Kabarettist Volker Pispers fest: *Wenn du weißt, wer dein Feind ist, dann hat der Tag Struktur.*

Tja, Kinners, it's all about perspective! Wie leicht ändert sich eine Betrachtung, wenn man Dinge alleine im Raum dreht. Nehmen wir das neue Imperium-Zeichen von Facebook, das nun in Meta umgewandelt wurde. Erst sieht das Logo aus wie eine liegene Acht, doch in 3D ergibt sich aber ein ganz anderes Symbol. 

Oder man nehme den Zeitfaktor dazu, mit dem sich grundlegende Maßstäbe ändern können. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die Biographie des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski (der mir lebensbegleitende Gedanken zur Freiheit und zum Christentum schrieb): er wäre heute am 11. November 200 Jahre alt geworden.

Als junger Mann begeisterte er sich in einem Lesezirkel für revoulitonäre (u.a. sozialistische) Ideen. Wegen dieser 'staatsfeindlichen' Aktion wurde er zum Tode verurteilt. Es kam zu einer Scheinhinrichtung bei der er im letzten Moment auf dem Schafott zu 4 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien begnadigt wurde. In dem sibierischen Zuchthaus unter sog. Schwerverbrechern schrieb er:

*'Wer weiß? Diese Menschen sind vielleicht überhaupt nicht in dem Maße schlechter als jene Übrigen, die dort, jenseits der Gefängnismauern, geblieben sind.’ Ich musste selbst den Kopf schütteln über diesen Gedanken, dabei – mein Gott! hätte ich damals nur gewusst, wie wahr er ist!

Aus diesem Grund, quasi für einen besseren Überblick, verlinke ich heute hier den offenen Brief des ARD-Redakteurs Ole Skambraks, der sich mit der Berichterstattung zu Corona seines (jetzt ehemaligen) Senders nicht wohl fühlt - und er erklärt warum. Immer schön die Gegenseite auch zu Wort kommen lassen...  Parameter zur Beurteilung können sich sehr schnell verändern... in Raum und Zeit... das wird uns doch gerade sehr veranschaulicht. Denn - nochmals mit Dostojewski:

*Auf eigene Weiche falsch zu liegen ist besser als auf fremde Weise richtig zu gehen.*

 

 

Garniert wird heute mit tiroler Hausmannskost. Mit Kartoffelgerichten kann ich an Tisch bei uns meistens punkten. Ganz so leicht wie ich es mir vorstellte, ließen sich die Nidei nicht formen, denn der Teig ist sehr weich. Möglicherweise werde ich das Rezept auch mal nur mit einem Ei ausprobieren. Nur mit großzügigem Einsatz von Hartweizengrieß ließen sich (unförmige) Rollen formen, wie es die Zubereitungsweise vorschreibt. Geschmeckt haben die buttrigen Kartoffelstückchen zu dem süß-bitter begleitenden Gemüse natürlich ganz unabhängig von dem Weg dorthin. Definitiv etwas für Hausmannskostliebhaber wie mich!

 

Zutaten 4 P:

600g mehlige Kartoffeln
2 Eier
2 1/2 EL doppelgriffiges Mehl (m: feiner Hartweizengrieß)
etwas Muskatnuss
Butterschmalz

eine große Zwiebel (ca. 400g)
1-2 Radicchio (ca. 200g)
1 Knoblauchzehe
1 Birne
eine Prise Rohrzucker
Balsamico-Reduktion
1/2 TL Fenchelsaat, geschrotet
1 TL Thymian, getrocknet 
Salz, Pfeffer
etwas Blauschimmel zum Garnieren (m: Bleu de Brebis)
Olivenöl
 

Zubereitung:
 
Die Kartoffeln in der Schale in ausreichend Wasser weich kochen und ausdampfen lassen. Dann schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken.  

Mit Eiern, Mehl, Salz und Muskatnuss rasch verkneten und zu fingerdicken Rollen formen. Zwei bis drei Zentimeter große Stücke abstechen, mit dem Daumen leicht flach drücken und die Nidei in Butterschmalz beidseitig goldbraun braten. Die Nidei warm stellen.  
 
Die Zwiebel in feine Streifen schneiden und den Knoblauch fein hacken. Zusammen mit dem Thymian und der Fenchelsaat in Olivenöl bei gemäßigter Hitze langsam goldgelb anrösten.
  
Inzwischen den Radicchio in Streifen schneiden. Die Birne schälen, entkernen und in feinere Streifen schneiden. Beides zum Radicchio-Gemüse geben und fünf Minuten andünsten.

Nun mit Balsamico-Reduktion, Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken und auf Teller verteilen. Die Nidei darauf anrichten und mit Blauschimmel bestreut servieren. 

Inspiration: Servus
 

Knecht Ruprecht: Gnocchi mit Gorgonzola-Sauce

Sonntag, 6. Dezember 2020


Dieses Jahr - im Dezember kommt man ja so langsam in den Rückschau-Modus - saß ich mit einem Mann am Tisch, der mir erzählte, schon mit Michael Schanze Musik gemacht zu haben. Und mir saß ein anderer Mann gegenüber, der mir totally unverfroren in den Ausschnitt starrte - was deswegen schon befremdlich ist, weil meine Tittengröße das nicht hergibt und mir dergleichen dementsprechen selten bis nie widerfährt (und was ich übrigens seither auch nicht vermisst habe). Und dann war da noch dieser Moment an unserem Tisch, als ein Mann seine Frau (die neben ihm saß) als manisch-notorische Besserwisserin offenlegte. Alles strange Situationen in einem ohnehin seltsamen 2020.

Kennt überhaupt noch jemand Michael Schanze? Der, der die Quizshow für Kinder im Zweiten moderierte, hier extra rausgesucht: 1,2 oder 3 - sieht nicht nur aus wie aus einem anderen Jahrhundert IST auch aus einem anderen Jahrtausend. Die Ratekids sprangen dabei auf drei aufblinkenden Feldern hin und her, die für die Antwortmöglichkeit standen, bis der Moderator  *1, 2 oder 3, letzte Chance… vorbei!* rief. Aufgelöst wurde dann mit: *Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht*

Kinners, was ist das symbolisch, oder? Bis halt das Licht angeht. Doch mittlerweile (man wird ja älter und erfahrener) denke ich: *Oder auch nicht!* Dieses so oft gehörte *Ach, das wußte ich ja gar nicht?!* ist doch in den allerallermeisten Fällen Getue, Gemache, Scheinheiligkeit, Schmierentheater, Laienkasparei, simpelster aller Vertuschungsversuche, mit denen man sogar erfolgreich durchgewunken wird.

Die Wahrheit aber ist, dass wir meistens wissen, wenn etwas schwer schräg läuft. Die Frage ist: WILL man das wissen! 

Heute drückt in Frankreich wie in Deutschland die Gesellschaft niemanden mehr religiöse Muster auf. Jeder hat die Freiheit, sich freiwillig daraus etwas mitzunehmen - oder nicht. Die 10-Gebote etwa stehen für nichts anderes wie praktische Lebenshilfe: wer sich an diesen Geboten orientiert, wendet Unglück von seinem Leben ab. Dafür braucht es keinen Raketentechniker, keine längere Meditationssitzungen oder den Geistesblitz tieferer Erleuchtung - der gesunde Menschenverstand sollte zu dem gleichen Ergebnis finden: sowas kommt von sowas. Oder ganz schlicht zusammengefasst: *Was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.* So kompliziert ist es gar nicht.

Mehr und mehr schlußfolgere ich, dass viele (die Mehrheit), die wider diese natürlichen Gesetze handeln, das absichtlich tun. Ganz mit Trude Simonsohn: *Die Leute, die Unrecht tun, wissen, dass sie Unrecht tun. Sie tun es trotzdem.*

Riesig beeindruckend finde ich in diesem Zusammenhang, wie Papst Franziskus manches in der katholischen Kirche versucht gerade zu rücken. Ich wüßte nicht, dass sich vor ihm schon ein anderer Papst im gleichen Maßstab bemühte. In seiner ersten Umwelt-Enzyklika "Laudato Si'" wirft er gar ein Dogma um. So weist Papst Franzikus darauf hin, dass es sich bei dem biblischen Auftrag *Macht euch die Erde untertan* um einen Übersetzungsfehler handelt, denn es müsse heißen:

Macht euch der Erde untertan

So gehen doch Sensationen! Da wundere ich mich sehr, dass eine derart wuchtige Aussagen nicht mehr mediale Aufmerksamkeit erhalten hat (gerade in Zeiten von Klimakrise, fridays for future oder greenwashing.... )

Weiter heißt es in seiner Enzyklika: "Wir sind in dem Gedanken aufgewachsen, dass wir ihre [der Erde] Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, sie auszuplündern." Zwei kleine Buchstaben, die ausgetauscht den Sinn komplett drehen: der Mensch, der sich nicht über die Erde zu erheben hat, sondern sich selbst zum Untertan der Erde machen soll. Aber auch hier gilt doch wieder gleiches: haben wir doch eigentlich gewußt, dass man sich als Mensch nur einzureihen hat wie alle anderen Lebewesen. Sämtliche indigenen Völker haben uns vorgemacht, wie man im Einklang mit der Natur lebt - um die Probleme zu verhindern, die wir heute im großen Stil haben.

Und - Hand aufs Herz - liegt die Ursache von all dem Übel tatsächlich an zwei falschen Buchstaben?

Hierzu passt wunderbar das Zitat von Gus Speth, der als Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Yale-Universität und Chefberater der Nationalen Umweltkommission gegen Ende seiner langen Karriere diese resignierte Bilanz zieht (via *Nachdenkseiten*):

Früher dachte ich, dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnte diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit, und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.”

 

 

Da habe ich leider ebenfalls keine Idee. Aber ich weiß, wie man nun schöne, haltbare Rillen dank Gnocchi-Brett (cocuou Hannah) in Gnocchi erhält! Juchhu! Eine würdige Veröffentlichung zum 2.Advent! Für mich nämlich ein echter Durchbruch an der Gnocchi-Front - und ich liebe Gnocchi! Ich bin so begeistert von dem neuen - wieder von den Pasta-Grannies inspirierten - Rezept, dass es bei uns ein Gnocchi-Gericht nach dem anderen gibt mit diesen Zier-Kartoffel-Gnocchi. Und mit ein Grund, wieso ihr hier direkt ein zwei- in-einem Rezept vorgestellt bekommt. Wichtig ist die verwendete Kartoffelsorte: unbedingt mehlig kochend - oder wie die Fränzis (hübscher) sagen: fondante (schmelzend).

 

Zutaten 2-4P*:

für die Gnocchi (4P):
500g Kartoffeln (mehlig kochend/ m: Agria)
200-220g feiner Hartweizengrieß (Semolina) oder Hartweizemehl
Salz
50g Ziegenfrischkäse
1 Eigelb
2 TL Thymian-Blättchen, getrocknet 

für die Sauce (2P):
100g Gorgonzola (m: Bleu de Brebis)
100ml Milch
50ml Sahne
50ml Gemüsebrühe
ein guter Schuß Weißwein (m: Rosé)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Walnüsse, geröstet, gehackt
Salbeiblätter, frittiert
300g Brokkoli, über Wasserdampf gegart (oder Spinat)*

Zubereitung:

Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen und noch warm durch die Presse drücken, zuerst mit dem Mehl (oder dem Hartweizengrieß) mischen, dann mit restlichen Zutaten. Den Teig nur so lange kneten, bis er homogen und nicht mehr klebend ist. 

WICHTIG: nicht überkneten, sonst wird der Teig speckig und immer schön mit Hartweizenmehl (oder Grieß) bestreuen, damit die ausgelegten Gnocchi sowie später die kochenden Gnocchi nicht aneinander kleben!

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Aus dem Kartoffelteig nacheinander Würste von etwa Fingerdicke rollen, 1cm-Stück abschneiden und diese über das Gnocchibrett rollen. Nebeneinander auf ein Küchentuch auslegen und abdecken bis alle fertig gestellt sind. Die Hälfte (für 2Personen) so lange kochen, bis sie nach oben steigen, dann sofort in kaltem Wasser abschrecken (soll helfen, dass Rillenmuster zu bewahren), gut abtropfen lassen und warm stellen.

Brokkoli über Dampf bissfest garen (oder Spinat waschen, hacken und in ein wenig Butter zusammenfallen lassen).

Ein Viertel des Gorgonzolas für die spätere Deko zur Seite legen. Ansonsten alle Zutaten für die Sauce miteinander erhitzen und glatt rühren - mit Mehlschwitze (roux) binden.

Den Brokkoli (oder Spinat) in die Sauce geben, nochmals abschmecken, Gnocchi unterrühren, mit frittierten Salbei-Blättern (auf dem Foto vergessen), restlichem Blauschimmel-Käse und etwas geriebenen Parmesan dekoriert servieren (bei Spinat anstelle des Salbeis geröstete Walnüsse verwenden).


*Anmerkung m: In meinem aufgegriffenen Rezept der Pasta-Grannies wird der Teig nur mit Kartoffeln und Hartweizenmehl zubereitet (ein Versuch wert). 

Die Menge an Gnocchi reicht für 4 Personen: ich habe daher die Hälfte nebeneinander liegend eingefroren und dann in eine Tüte umgefüllt. Die geforenen Gnocchi habe ich geforen in das kochende Wasser geworfen (sie brauchen deutlich länger bis sie gar sind - und verlieren daher auch etwas von ihrem Rillenmuster). Ich habe sie ebenfalls in kaltem Wasser abgeschreckt, warm gestellt, aber beim 2. Mal (mit Spinat) kurz in einer Pfanne angebraten bevor ich sie unter die Sauce gemischt habe. Saulecker!

Inspiration: Pasta Grannies


Voll ernst gemeint - Tarte aux ognions de Roscoff, fourme d'ambert et figues

Mittwoch, 23. September 2020


Meine Schreibanlässe finden sich von ganz alleine. Im Gespräch oder beim Lesen - stets dann, wenn in meinem Kopf etwas angestoßen wird. Dann rattert's, die Synapsen sind magnetisch aufgeladen und ziehen weitere zum Thema passende Puzzlesteine ins Kleinhirn. Dieses Mal steuert mir Herr Buddenbohm mit seinem finalen Satz: “Ihr werdet es euch ein Leben lang fragen, was ernst gemeint ist“ die passende Überschrift dazu bei.

Ich fände es ja bedeutend klüger, diesen seinen letzten Satz als Frage an sich selbst zu stellen statt sie ans außen zu richten. Und zwar immer wieder zwischendrin sich selbst mal auf die Füße stehend und penetrant nachspürend: *Meine ich das, was ich da sage/ arbeite/ schreibe/ lebe/ vorgebe wirklich ernst?* Wie sehr folgt man seinem Inneren, seiner Neugier, seinen eigenen Interessen, befriedigt seinen höchstpersönlichen Erlebnisdrang? Das ist die Schau nach innen. Umgekehrt, was die Außenperspektive betrifft, ist einem manchmal gar nicht mal bewußt, für was man den Stellvertreter macht, für was man Beispiel lebt.

Und um noch kurz auf das von Maximilian beschriebene vor Zorn explodierene Mädchen einzugehen, so finde ich ja spannend zu beobachten, warum ein Kind derart tobt. Und dabei lässt sich sehr gut unterscheiden, ob ihm etwas fehlt oder schmerzt. Oder ob ihm einfach nur etwas gegen den Strich geht und der Terror deshalb angezettelt wird, um sich aller Aufmerksamkeit gewiß zu sein und schlußendlich damit seinen Willen gegen die Eltern durchzusetzen. Ist gar nicht schwer. Und dann gibts noch eine kleine Gruppe der sogenannten Schwererziehbaren, bei der ich manchmal den Eindruck habe, dass die mit ihrem Betragen der Gesellschaft exakt diese Frage spiegeln: *Meint ihr das eigentlich ernst, was ihr uns da vorspielen wollt?* Doch, die Frage ist schon in beide Richtungen nicht schlecht.

Direkt klebte sich ein weiterer Mosaikstein ins Gesamtbild mit dem kleinen Beitrag im ZDF, in dem die Zirkus-Pädagogin Geraldine vorgestellt wird: als Schaustellerkind im Wohnwagen aufgewachsen und nach dem Abi unterwegs in der Welt als Reisende und Lebenskünstlerin. Nun lebt sie in einem Planwagen bei Freiburg mit ihrem Freund zusammen und sagt über sich selbst, dass das was sie durch ihre Arbeit gerne weitergeben möchte immer getragen sei vom gleichen Leitmotiv: *Gehe deinen eigenen Weg, finde eine eigene Art an die Dinge ranzugehen, lerne selbstständig denken, folge dem, was du magst und dich interessiert - auch wenn es so gar nicht zusammenpasst, versuche es trotzdem mal und verbiete dir nichts.* Hat mich beeindruckt.

Außerdem fiel mir in diesem Zusammenhang eine meiner Lehrerinnen ein. Frau Legeland: streng, kompetent, strukturiert, gefürchtet, klein, untersetzt, mit toupierter Föhnfrisur - eine unangefochtene Autorität. Sie unterrichtete Deutsch, Latein, Geschichte und Politik. Einige ihrer rot umrandeten Merksätze schafften es ins Ultralangzeitgedächtnis. Gerne hakte sie im Stehen eine Hand in der Knopfleiste ihres Kostüms ein - was sehr militärischer wirkte und irgendwie an Napoleon erinnerte. Selbst die Oberstufe spritze von den Stühlen hoch, wenn sie das Klassenzimmer betrat, um im Chor: *Guten Morgen, Frau Legeland* zu rufen. Ohne, dass das von ihr je so eingeführt worden wäre. Und sie war definitiv nicht die Type, deren Mund Sätze wie: *Das meine ich jetzt ganz ernst!* verließen. Ob man sie mochte oder nicht, aber ihre Haltung gab eine unmissverständliche Marschrichtung vor.

Zu meiner Freude kann ich am Schluß noch meinen Goethe hinzuziehen, denn in *Die Wahlverwandtschaften* findet sich doch zu allen Themen eine bereichernde Notiz: 

*Man nimmt in der Welt jeden, wofür er sich gibt; aber er muss sich auch für etwas geben. Man erträgt die Unbequemen lieber als man die Unbedeutenden duldet.*

 

 

Die Feigen sind mit der Hitze und Trockenheit gut zurecht gekommen - zumindest besser als die meisten anderen Bäume. Für all jene, bei denen keine Feigen vor der Haustür wachsen, können diese ersetzen durch Birnen-Schnitze. Was sich nicht einfach austauschen läßt, ist der großzügige Einsatz von Kräutern wie Thymian und Rosmarin (ersteren sammle ich hier wild auf den umgebenden Wiesen). Das gibt der Tarte erst diesen Schmelz, der mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Dazu einen großen Salat - franchement, wie Gott in Frankreich! Mir hat die Tarte ja derart gefallen, dass es bald darauf wieder eine gab. Für euch folgt dann also in Kürze ebenfalls die nächste.


Zutaten - längliche Tarteform oder Durchmesser von 24cm* - 2/3P:

70g Dinkel 1050 
80g Einkorn-Vollkorn
4 Zweige Rosmarin, fein gehackt
75g Butter, kalt, in Flöckchen
1 EL Crème fraîche
fleur de sel
Chili-Flocken
Muskatnuss-Abrieb
2 EL Parmesan, gerieben
etwas kaltes Wasser

500g rosa Zwiebeln (m: ognion de Roscoff)*
100g fourme d'Ambert (m: 25g davon ersetzt durch einen Bleu)
100g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
1 Ei
1 Bund Thymian, die Blättchen davon
1/4 TL Kreuzkümmel*
Olivenöl
weißer Portwein

einige Feigen

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Boden zügig einen homogenen Teig kneten, in Folie wickeln und mindestens eine halbe Stunde (oder gar Stunde) kühl stellen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn auswellen und eine gefettete Tarteform mit Rand auskleiden. Mit einer Gabel den Boden mehrfach einstechen. In eine Tüte packen und eine halbe Stunde in der Tiefkühle parken.

Die Zwiebeln schälen, halbieren und in dünne Streifen schneiden. In Olivenöl mit Geduld und dem Tyhmian schön glasig braten, so dass sie eben beginnen, leicht Farbe anzunehmen (dauert etwa 10-15min). Salzen, pfeffern, mit Kreuzkümmel würzen und kurz vor Ende mit dem Port ablöschen.

Ofen auf 200° vorheizen (m: Intensivbacken).

Den Käse klein schneiden. Ei mit der Crème verquirlen, mt Käse und den Zwiebeln mischen und auf den Tarteboden füllen und noch mit einigen Thymianblättchen bestreuen. Für 25min in den Ofen schieben. Dann den Ofen auf 180° runterstellen, die Tarte aus dem Ofen nehmen, die Feigenscheiben auf der Tarte verteilen, und für weitere 15-20m Minuten fertig backen.

*Anmerkung m: die Roscoff-Zwiebeln ist eine rosa-Sorte mit Anbaugebiet in der Bretagne. Der Kreuzkümmel hilft, die Zwiebeln etwas besser zu verdauen. 

Zu der Süße der Feigen ist ein Käse mit Charakter nötig. Der fourme d'Ambert passt prima. Aber auch ein Blauschimmelkäse harmonisiert in dieser Tarte gut. 


Feigen habe ich schon oft mit Käse gepart:

 

**** mit Gorgonzola in der Pasta

**** mit Raclette-Käse auf Kartoffel-Talern sogar schon 2 Mal

**** logo, mit Ziegenkäse

**** mit Mozzarella

**** mit Bleu auf Topfen-Blätterteig

**** und hier wäre Münster-Käse auch super


Neujahrsansprache: Kürbis-Quiche mit Radicchio, Bleu und Birne

Samstag, 4. Januar 2020


... und sie lebten glücklich und zufrieden* - so enden die meisten Märchen. Und daher erhoffe ich mir von 2020 für den Habib und mich *nur* Gesundheit und Frieden. Ansonsten nix. Wir sind ja ZU-frieden. Da muss nix mehr als Topping obendrauf: weder irgendwelche Lotteriegewinne, rauschende Sonderereignisse, Auszeichnungen und Ehrungen noch sonstige Spektakel. Alles gut wie es ist.

Was jedoch die Richtung angeht, in die unsere Gesellschaft mit viel Schwung driftet, bin ich alles andere als wunschlos. Ich weiß schier nicht, wo anfangen und wo enden. Egal woran ich ziehe: überall brennts.

Beginne ich mit dem Umgang mit Menschen und zwar im Speziellen mit der Kindererziehung. Sehr gut gefiel mit dieser Artikel im Dlf, dessen Hauptthese ist, dass eine Vielzahl an Kindern heute erziehungstechnisch völlig alleine gelassen werden mit der Konsequenz, dass 18jährige mit dem sozialem Reifegrad eines Kleinkindes ausgestattet sind. In dem leeren Raum - in dem Anarchie mit Freiheit verwechselt wird - wachsen Kinder ohne Bezugspersonen auf, die Werte vorleben und entsprechend Grenzen ziehen. Was aber zwingend von Nöten wäre, da sich viele wichtige soziale Kompetenzen nur dann entwickeln können, wenn sie von klein auf abverlangt und eingeübt werden (desweiteren siehe die Gedanken dazu hier).

Auch stimme ich der Kritik von Dirk Müller zu, dass die Kinder heute völlig unkontrolliert (und damit schutzlos) in den Weiten des WWWs unterwegs sind - spätestens im öffentlich angebotenen, kostenlosen WiFi. Und bei allen Vorteilen, die mit dem Aufwachsen von neuen Medien einhergehen, kann mir als Romantik-Beauftragte niemand erklären, dass da nicht etwas kaputt geht im jungen Gemüt, wenn vor dem ersten, unsicheren Kuß ein Porno steht. Gruselige Geschichte: Schüler tauschen Kinderpornographie über ihre Smartphone aus.

Lehrermangel bzw. allgemeiner Fachkräftemangel sind schon sehr lang bekannte Probleme. Allein: es wird nicht gehandelt und rechtzeitig entgegengewirkt. Nicht nur die Zustände in den Krankenhäusern offenbaren die Politik als einziges, großes Schmierentheater. Jeder, der in der letzten Zeit Patient in einem Krankenhaus war, kann Geschichten von eklatanten Defiziten erzählen. Ebenso wie die Ärzte oder das Pflegepersonal. Das sind menschenverachtende Bedingungen unter denen gearbeitet werden soll - ob Bildung, Heil oder Pflege betreffend: menschliches Miteinander rechnet sich nicht. Warum überhaupt müssen Krankenhäuser funktionieren wir ein Wirtschaftskonzern? Oder warum muss ein Altenheim Gewinne einfahren?
 
Warum sich nicht orientieren an Modellen, die optimalere Ergebnisse hervorbringen (meine Dauerfrage)?  Es gibt ja immer Beispiele, die aufzeigen, wie es besser ginge. Im Fall etwa eine effizienteren Vorsorge vor Operationen müssten wir nur ins Nachbarland Niederlande schauen. Oder für Impulse für ein besseres Bildungssystem finden sich in Neuseeland gute Angregungen. Deren Premierministerin führte by the way der ganzen Welt vor Augen, dass Argumente wie *politische Mühlen mahlen leider langsam* nichts anderes sind als Hinhalte-Taktiken im politischen Schmierentheater. Wo ein ECHTER politischer Wille da auch kurze Wege: Jacinda Ardern verbot in kürzester Zeit den Besitz von halbautomatischen Waffen.

Gehen wir weiter zu den Tieren. Muss ich noch etwas zu den Misständen in Massentierhaltungen sagen? Warum ist derlei Tierquälerei in dem heutigen, aufgeklärten Zeitalter überhaupt möglich? Das sind fühlende Wesen wie wir - wo sind wir gelandet, wenn man das erwähnen muss? Warum werden Betriebe durch Subventionen in eine derart falsche Richtung gelenkt? Warum wird Quantität gefördert und nicht Qualität kontrolliert? Und warum werden die Landwirte, die mit Geld in falsche Betriebsweisen getrieben werden, für die Konsequenzen (Nitrat belastetes Grundwasser, Pestizid verseuchte Böden...) an den Pranger gestellt und nicht die, die dieses System verursacht haben: Politiker samt Lobbyisten.

Als dramatischer Rundumschlag reicht ein Blick auf den Planeten als solchen - neben Artensterben und Abholzen der Regenwäldern finden sich hier ein paar erschreckende, aktuelle Zahlen, die jeden Optimist in einen Pessimist verwandeln müssen.

Es liese sich noch etwas anfügen zum Klima (habe ich ja schon) oder Verschmutzung der Meere, die Flüchtlingsströme, atomare Endlager...  - aber hey, ich muss keine weiteren Links sammeln. Für was?  Für wen? Es bedarf in keinster Weise einer journalistischen Meisterleistung nur um ein Mal den Kopf nach rechts oder links zu drehen. Wir WISSEN, was der Stand der Dinge ist. Und?

Nun ruft also die junge Generation *Hosiana, wir führen euch ins gelobte Land, wir lassen unseren Worten Taten folgen, halten dem herrschenden Kapitalismus unser Haupt entgegen, entsagen dem Konsum, bescheiden uns, kehren zurück zu Mutter Natur, pflegen ihre Geschöpfe und verhindern, dass wir dem Planeten beim Verrecken zuschauen.* Ich möchte es SO gerne glauben. Der Jugendpsychiater übrigens vom obig erst-verlinkten Artikel urteilt doch exakt über diesen Jugendlichen, er sei egozentrisch und lustorientiert: *Mit dem können Sie wunderbar reden, aber es hat sonst keine Konsequenzen.*

Klingt 2020 nicht mehr denn je nach Sience Fiction? Was seht ihr in eurer Glaskugel für die Zukunft? Seid ihr hoffnungsvoller als ich? Was sind eure Visionen, wenn ihr weiter in dieses Jahrtausend schaut?


Starte ich das kulinarische Bloggerjahr mit schöner, französischer Alltagsküche, mit einer Quiche. Mit ihr wärme ich eine alte -  einst von Bettina Matthaei inspirierte - Liebe auf, nämlich Obst in herzhaften Gerichten.

Zutaten - Tarteform 24cm Durchmesser:

Tarteteig:
70g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 630
70g Butter, kalt in Flöckchen
50g Quark
25g Sonnenblumenkerne, etwas kleinergehackt
Salz, Pfeffer
etwas kaltes Wasser


Füllung:
400-450g Kürbis
1 rote Zwiebel
50g Radicchio
1/4 Birne
70g Bleu
3 Eier
100g Creme Fraiche
Salz, Pfeffer
Piment
Thymian
Olivenöl

Pesto aus Rauke und Sonnenblumenkernen

Zubereitung:

Die kalte Butter in Flöckchen zügig unter das Mehl arbeiten und dann aus sämtlichen Zutaten zackig einen homogenen Teig kneten. In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Eine Tarteform buttern, Tarteteig auswellen und die Form mit Rand auskleiden. Mit einer Gabel mehrfach den Boden einstechen - und für ca. 15min in die Tiefkühle (verhindert, dass sich später beim Backen der Boden nach oben wellt)

Ofen auf 200°C (Umluft) vorheizen.

Die Zwiebel schälen, vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Den Kürbis (je nach Sorte) schälen (oder nicht) und in Scheiben von 1/2cm schneiden. In Olivenöl die Zwiebel glasig dünsten, dann den Kürbis ebenfalls etwa 5min mit braten. Kurz vor Ende den in Streifen geschnittenen Radicchio zufügen. Salzen und pfeffern.

Die Eier verquirlen, Crème untermischen, mit Piment und Thymian würzen, die Birne in kleinen Stücken dazu geben, 3/4tel vom Bleu in Würfeln und alles salzen und pfeffern.

Zwiebel-Kürbis-Mischung auf den Tarteboden verteilen (einige schöne Kürbis-Stücke hielt ich zurück, um sie als Deko über dem Eierguß ganz zum Schluß zu verteilen). Den Eierguß über alles gleichmäßig gießen - verlesene Kürbisspalten und restlichen Bleu darüber verteilen. Die Tarte für ca 30-40min backen.

In der Zwischenzeit ein Pesto mixen aus Rucola, Sonnenblumenkernen, Sonnenblumenöl, Salz und Pfeffer - dazu braucht es keine exakten Mengenangaben, das kann man aus der Lameng machen...

Inspiration: Essen und Trinken


Malerischer Schmaus: Rote Bete Knödel mit Bleu

Mittwoch, 4. Dezember 2019


Dreierlei Eigenschaften lassen sich von meiner Zeit, in der ich mich am Theater und später an der Akademie mit Kunst beschäftigt habe, auf meine jetztige Küchen-Tätigkeit übertragen:

* das sinnliche Erlebnis, das jedes (Kunst)Handwerk mit sich bringt (Bildhauerei und Kochen auf jeden Fall sehr)
* die Freude am Gestalten - denn jedes Handwerk transformiert Materie in ein neues Gewand
* sowie meinen Hang zur Schöngeisterei

Gerade letzter Punkt zeigt sich besonders dann,  wenn ich für Gäste koche. Jeder Teller soll gefällig aussehen. Optisch. Farblich. Das Auge soll direkt nach der Nase als erstes verführen. Sämtliche Sinne sollen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, schon bevor man nach Messer und Gabel greifen könnte. Wunschdenken jedes ambitionierten Kochs vermutlich.

Also versuche ich dann in der Küche nicht *Malen nach Zahlen* sondern *Malen mit Zutaten* zu spielen. Ist glatt übertrieben, klaro, aber so als grobe Richtungsvorgabe... ihr versteht...

Ganz schnell kommt bei derlei Pinselei mein Feinliebchen Rote Bete auf den Tisch. Dieses Rot! Eine intensivere Farbe kann man sich kaum wünschen. Als ich diese Knödel bei Susanne entdeckte, war der Nachkoch-Implus direkt aktiviert. Ich finde, diese Knödel sehen hyper delicieux aus. Ein echtes Sonntags-, Feiertagsessen! Der Teig war im Vergleich zu anderer Knödelmasse relativ weich und ließ sich nur mit feuchten Händen bei mir formen. Deshalb garte ich sie vorsichtshalber über Dampf. Ihre Konsistenz auf dem Teller wiederum ist dafür eher etwas fester. Vorbereiten lassen sie sich prima (wenn man sie später dann einfach halbiert und kurz in der Pfanne röstet) - ein weiteres, wichtiges Kriterium um in meinen Menu-Vorschlägen wieder aufzutauchen. Und soviel sei verraten: diese Knödel werden es!

Der zarte, sahnige Lauch hat mir als Begleitung ebenfalls super gefallen. Fehlt nur noch als letzter Hinweis: sucht euch einen Bleu mit Charakter aus - er soll schließlich im Knödel vorzuschmecken sein! Bref: ländliche Festtagsküche wie ich sie liebe!


Zutaten 2P:

125g Knödelbrot (m: gewürfeltes Baguette vom Vortag)
1 Schalotte
Sonnenblumenöl zum Braten
100g gekochte Rote Bete
2 Eier
70g Bleu (m: bleu de brebis)
1-2 EL Mehl (m: Dinkel 1150)
1/4 TL Koriander, gemahlen
Salz
2 EL gehackte Petersilienblättchen

zum Servieren:
Parmesan, frisch gerieben
Kresse


Zubereitug:

Das Baguette in Würfel von etwa 1cm schneiden.

Schalotte schälen und fein hacken. Etwas Öl in einer kleinen Pfanne erhitzen, die Schalotte darin glasig andünsten. Zum gewürfelten Brot in die Schüssel geben.

Die gekochte Roten Bete schälen, würfeln und zusammen mit den Eiern pürieren. Käse in kleine Würfel schneiden. Rote-Bete-Püree, Käse, Petersilie und Mehl zum Knödelbrot geben, alles mit den Händen gut durchmischen und mit Salz abschmecken. 30 min durchziehen lassen. 

Aus der Masse nun mit feuchten Händen ca. 5 kleine Knödel formen. In einem weiten Topf reichlich Salzwasser erhitzen und die Knödel darin für ca. 15 min garen. Das Wasser soll simmern, nicht sprudelnd kochen, sonst zerfallen die Knödel leicht. Wer befürchtet, dass die Knödel nicht halten, kann sie auch in einem Dämpfeinsatz über kochendem Wasser garen - m: ich habe sie über Dampf gegart. 

Die Knödel mit einem Schaumlöffel herausnehmen und gut abtropfen lassen und auf den gegarten Rahm-Lauch setzen. Zum Servieren mit geschmolzener Butter, frisch geriebenem Parmesan und gehackter Petersilie anrichten.



Anarcho - Spaghetti mit Fourme d'Ambert und ofengerösteten Butterrübchen

Dienstag, 7. November 2017


Ich weiß gar nicht, wie Vivien Westwood wieder in mein Blickfeld geraten ist. Ich glaube, weil sie schon sehr lange ebenfalls einen Partner mit deutlichem Altersunterschied an ihrer Seite hat. Solcherlei kleine Gemeinsamkeiten lassen ja manchmal aufhorchen. Jedenfalls gefällt mir dieses Paar, das sich fast schon plakativ jedem Konformismus verweigert.

Womöglich geht das mit der Grundidee von Punk bereits einher. Die Punk-Bewegung habe ich bestenfalls gestreift. Und wenn dann nur minimal modischer Natur: ein Nietengürtel etwa. Und alles mit Leo-Druck verbinde ich - warum auch immer - ebenfalls gerne mit Punk. Ansonsten war mir die Punk-Musik in der Regel zu laut, zu wild, zu ungelenk und das Publikum dazu deutlich zu betrunken. Überhaupt hatten die Punks, die ich in meiner Jugend kannte, entschieden größere Probleme mit ihrem Elternhaus, gegen das sie eigentlich rebellierten, als mit dem Etablishment.

Etwas skurril finde ich es schon, dass Vivien Westwood mittlerweile in den Adelsstand gehoben wurde. Ich wundere mich nicht über diese Auszeichnung, ich wundere mich darüber, dass sie sie angenommen hat. Ja, es macht mich lächeln dieser Bruch, diese Inkonsequenz. Sehr treu hingegen ist sie sich geblieben, was knackige, politische Statments angeht, sei es as Umweltschutz-Aktivistin oder als überzeugte Gegnerin des Konsumwahn sowie der andauernden Zerstreuung, was ihr alles Greuel ist und wert zu bekämpfen.

Auf die Frage, ob sie sich für exzentrisch halte (eine Frage, die ich ihr genauso gestellt hätte) antwortete sie, dass ihr nicht darum ginge aufzufallen. Auch würde sie wie andere Künstler keinerlei Beobachtungen auf der Straße machen, die sie kreativ verarbeiten müsse: *Ich bin so mit meinen Kopfwelten beschäftigt, dass ich Augen für nichts und niemanden habe.* Selten habe ich eine bessere Definition für Exzentrik gelesen!

Selbstbezogen bewerte ich übrigens auch, dass Vivien beginnt Entwürfe an einer Puppe zu stecken, die ihren Maßen nach empfunden ist. Sie macht also ihre Mode durchaus für sich selbst. Das unterscheidet sie etwa zu Guido Maria Kretschmar, den Mode immer nur in der Hinsicht interessiert, andere damit zu kleiden.

Aber komme ich zurück auf die Beziehung, das Thema, das mich eigentlich interessiert. Denn wie ich auch nach dem Dokumentarfilm über sie feststellen muß, ist, dass ich ihre Arbeit nicht verstehe. Vieles davon - das meiste - finde ich schlicht untragbar. Aber sie als Person, als Mensch hat eine faszinierend junge Ausstrahlung, oder? Und die beiden, also ihr Mann Andreas Kronthaler und sie, wirken als Paar auf eigenartige Weise harmonisch. Sie sagt über ihn :*Er war mein Student, als ich in Wien Mode unterrichtete. Er ist das großartigste Talent, das mir jemals begegnet ist. Ich habe mehr von ihm gelernt als er von mir. Aber vielleicht spricht es für mich, dass ich es zugelassen habe, seine Schülerin zu werden.*

Und Andreas wiederum macht ihr eine - wie ich finde - wundervolle Liebeserklärung, für die man vielleicht eine ähnlich intensive Begegnung erlebt haben muß: *Wenn ich ein ultimatives Urteil brauche, dann bespreche ich es mit Vivienne, dann weiß ich, was zu tun ist. Vertrauen klingt beinahe banal, aber ist in Wirklichkeit etwas Großartiges. Wenn man eines Tages, irgendwann erkennt: Ich kann das tatsächlich, einem anderen Menschen vertrauen.* 

Dieses Essen würde Vivien bestimmt nicht gefallen: zu fettig (geht in der Modewelt ja gar nich), zu viel Getreide (beansprucht zuviel Energie in der Produktion) und den Käse mag sie als Britin am Schluß auch nicht. Aber ich, ich brauche solche schlonzigen Spaghetti-Gerichte zwischendrin - da halte ich mit meinem rebellischen Kopf dagegen. Zumal dieser Teller hier hat auch eine ordentliche Portion Gemüse versteckt!

Zutaten 2P:

180g Spaghetti
ca. 500g Navets (= Butterrübchen)
1 TL Thymian-Blättchen
50ml Sahne
100g Fourme d'Ambert
100ml Milch
1 Schuß Noilly Prat
Salz, Pfeffer
1 Msp Piment, gemahlen
Piment d'Espelette 
Olivenöl

(optional: frische Kräuter wie Basilikum)*

Zubereitung:

Den Backofen auf 190° Umluft vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Die Kohlrübchen/ Butterrübchen schälen, halbieren und in 2-3mm dicke Scheiben hobeln. Die Navet-Scheiben dachziegelartig auf das Backblech schichten, mit Öl bepinseln, salzen und pfeffern und für etwa 20-25min in den Ofen schieben. Wer mag, schiebt die Navets gegen Ende noch kurz unter den Grill, um ihnen dunkle Ecken zu zaubern.

Parallel dazu die Spaghetti in reichlich Salzwasser al dente kochen und die Sauce zubereiten. Für die Sauce den Käse würfeln und alles zusammen - Milch, Sahne, Käse und den Schuß Noilly - aufsetzen und bei geringer Hitze den Käse schmelzen lassen. Ebenfalls optional ist, die Sauce mit einer kleine Roux zu binden. Würzen mit Piment, salzen, pfeffern.

Die fertig ofengegarten Kohlrübchen aus dem Ofen nehmen, nochmals etwas kleiner schneiden, damit sie sich besser unter die Sauce ziehen und Gemüse, Sauce und Spaghetti miteinander vermengen. Gegebenenfalls die Schlonzigkeit noch erhöhen mit etwas aufgefangenem Pastawasser.

*Anmerkung m: frische Kräuter als Garnitur machen sich hier eindeutig prima.

Blog-Buster: Honig-Nuss-Feigen-Tartelettes mit Bleu und Topfenblätterteig

Donnerstag, 14. September 2017

Was war ich mir sicher, dass Feige auch *die Honigfrucht* genannt wird. Aber kein Mensch und keine Suchmaschine wollten mich bestätigen. Ich fürchte, die Wette hätte ich verloren. Aber nich, ihr wisst, was ich meine? Gibt es eine Frucht, die honigsüßer schmeckt wie die Feige? Eben! Ich komme ja nicht einfach so auf solche Ideen...

Genau diese Lieblichkeit wollte ich verstärken durch das Topping: in Honig eingelegte Walnüsse. Dabei handelt es sich um das langgehütete Mitbringsel von lieben Feriengästen mit eigener Imkerei (coucou - wir freuen uns auf euch!) Honig - das Gold der Natur!

Jeden Morgen beginne ich mit einem Teelöffel Honig begleitend zu unserem Porridge (schon gut, ich verlinke es jetzt nicht schon wieder). Selbst beim klassischen Heilfasten wird der Tag mit einem Löffel Honig begonnen - zum einen als kräftigenden Start, zum anderen wegen seiner Heilwirkung! Und habt ihr diese hübschen, rotschaligen Walnüsse bemerkt. Kein Wunder, dass ich mir den Schatz zu einem besonderen Anlaß aufhob.

Feigen sind ja eigentlich fast ZU süß, also zuviel des Guten. Überzuckrig. Wieso ich Feige am liebsten ein salziges Widerlager gegenüber stelle: Käse. Einer der Klassiker dazu kennt jeder, den Bleu. Ich habe den *fourme d'ambert* gewählt, weil er mein liebster Blauschimmel-Käse ist. Zu guter letzt - neben Schärfe (Chili) und Kraut (Rosmarin) fehlt noch der Boden.

Gerade unter den Ösi-Foodies ist dieser eine olle Kamelle, und zwar eine extrem beliebt: der Blitz-Blätterteig oder auch Topfenblätterteig genannt. Katha hat dazu eine anschauliche Versuchsreihe unternommen, der rein nichts mehr hinzuzufügen ist. Und was ein derart beliebtes Rezept ist, das wird bei mir - ihr wißt es - Blog-Buster genannt. Nicht überraschend bringen solche Rezepte immer gute Ergebnisse. Meinen Blätterteig überflügelt er zwar nicht, aber er ist durchaus eine Alternative, wenn man sich nicht (warum auch immer) an richtigen Blätterteig traut.

Bref: setzt man hier alles zusammen, dann ergibt das eine wunderbare Vorspeise!


Zutaten 8-9 Stück:
Vorspeise für 4P

Topfenblätterteig aus
125 Mehl
125g Quark
125g Butter 
1/4 TL Salz

8 Feigen (je nach Größe)*
100g fourme d'Ambert
1 Chili
1 EL Rosmarin, fein gehackt
Pfeffer
8 Walnusshälften in Honig*

(begleitend: grüner Salat)

Zubereitung:

Die Butter mit der Reibe grob raspeln (oder händisch in kleine Stücke schneiden). Alle Zutaten - Mehl, Quark, Butter, Salz - zügig zu einem homogenen Teig verkneten. Eingewickelt im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen. Dann zwei Touren geben - s. Blätterteig

Den Ofen auf 200* Umluft vorheizen zusammen mit einem Backblech.

Den Topfenblätterteig etwa 0,5cm dick auswellen und Kreise von etwa 5cm Durchmesser ausstechen, auf Backpapier und ca.8min backen. Dann rausholen, mit dem gewürfelten Bleu belegen und mit Rosmarin bestreuen und weitere 7min backen.

Vor dem Servieren die Feigen-Scheiben darauf setzen, mit den Nüssen samt Honig krönen und mit Chili und Pfeffer würzen. Zusammen mit einem Salat servieren.

*Anmerkung m: unsere Feigen aus dem Garten ist eine kleine Frucht, die nicht geschält werden muß. Ihr wählt die Früchte, die euch in die Hände fallen - und paßt die Menge entsprechend ihrer Größe an




Hier in der Drôme steht fast in jedem Garten ein Feigenbaum - er gehört hier zum Landschaftsbild. Und Feigen schmecken nun mal wie die meisten Beeren direkt vom Baum am allerbesten. Außerdem finde ich, dass Feigen unglaublich fotogen sind. Nichts leichter, als ein Gericht mit Feigen zu fotographieren. Einer unserer Feigenbäume steht direkt vor dem Schlafzimmerfenster. Mit geschlossenen Augen erkenne ich deshalb leichterdings einen Feigenbaum: am papierneren Geraschel seiner Blätter. 

Für euch ein Bonus mit meinen liebsten Feigenrezepten:



http://salzkorn.blogspot.fr/2014/09/feige-ubersicht-zur-erinnerung.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2016/10/eingepackt-feigentarte-mit.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2015/08/optimierung-pasta-mit-feige-gorgonzola.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2013/09/beziehungsfahig-kartoffeltaler-mit.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2013/10/niemals-lakritze-aber-salat-mit-fenchel.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2015/09/purpurrotes-schlecksel.html
http://salzkorn.blogspot.fr/2013/10/ni-lun-ni-lautre-gepfefferte.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2012/09/feigensenf-zum-kase-oder-etwa-zum.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2012/10/bleib-noch-herbst-salat-mit.html

zurückgeblickt: Kichererbsen-Pasta mit Mangold, Kirschtomaten, Radicchio und Fourme d'Ambert

Montag, 28. Dezember 2015

Ich mochte 2015. Einem fruchtbaren Frühjahr folgte ein endloser, trockener Sommer. Dem ein oder anderen Rosenstöckchen reichten selbst die alten Wurzeln nicht aus um zu überstehen, der Blumenkohl gar wurde verdrießlich und ungenießbar mit seinem Sonnenbrand, doch die Obstbäume hingen voll. Und es wurde viel gebadet, im Schatten verweilt, auf kleinen Dorffesten getanzt, Menschen kennengelernt, die man gerne wieder sehen möchte und fast nur mit nackigen Füßen draußen im Garten verbracht. Schön luftig und frei wars.

Für mich bezeichne ich 2015 als das Jahr des Spechtes - noch nie habe ich diesen Vogel so oft gesehen... als wäre er ständig um mich. Auf dem Land fallen solche sich häufende Erscheinungen leicht ins Auge. Und man fragt sich: Was hat es wohl mit mir zu tun?

Als Abschluß meines kulinarschen Bloggerjahres schlage ich euch nochmals eine Pasta vor. Sie hat alles, um sie auch Gästen zu servieren: süßlich, säuerlich, herb, schlicht, raffiniert, Bekanntes und Ungewohntes miteinander vermengt. Ausdrücklich verlangt dieses Rezept nach fourme d'Ambert .- bereits ein Qualitätsmerkmal, weil er mein Liebling ist unter den Bleus!

Also, laßt es idyllisch ausklingen und in Gemütlichkeit, mein Spechtjahr und kocht euch das Leben in den letzten Tagen von 2015 ein Fünkchen schöner!
Zutaten 2P:

Nudelteig:
80g Weizenmehl
50 g Kichererbsenmehl
40 g Hartweizengrieß
1 Eigelb (und etwas von dem Eiweiß)
1 ganze Eier, groß
1Pr Salz
1 EL Öl

Sauce:
40 g Butter
1 EL Puderzucker
100 g Radicchio
120g junge Mangoldblätter
100 ml Gemüsebrühe
30 g gehackte Walnüsse, geröstet
300 halbierte Kirschtomaten (m: confiert)
Salz
Muskat
Pfeffer
60 g Fourme d’Ambert
Oliven- oder Limonenöl (m: ersetzt durch Orangenschalen-Abrieb*)  

Zubereitung:

Mehle sieben und alle Zutaten gut miteinander verkneten: es sollte ein homogener Teig enstehen, der nicht zu fest ist und nicht mehr klebt. 1–2 Stunden mit Folie abgedeckt kalt stellen.

Für die Sauce Hälfte der Butter zerlaufen lassen, 1 EL Puderzucker einstreuen. Radicchio in Stücke rupfen (m: grob geschnitten), hinzugeben, kurz schmoren. Dann die Mangoldblätter zugefügt. Gemüsebrühe aufgießen und leicht einreduzieren lassen. Mit restlicher Butter die Sauce binden. 

Mit Nudelmaschine den Pastateig auswellen und zu 2cm breiten Bandnudeln schneiden. In Salzwasser al dente kochen, abschütten und zur Radicchiosauce geben. 

Nüsse und Kirschtomaten hinzufügen, durchschwenken. Mit Salz, Muskat, Pfeffer abschmecken. Kurz vor dem Servieren den in feine Würfel geschnittenen Fourme d’Ambert untermischen. Mit ein wenig Oliven- oder Limonenöl abschmecken.

Sehr gut macht sich auch fein geschnittenes Basilikum, das man mit dem Käse unter die Nudeln zieht.  
Inspiration: SZ- Kochquartett