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Montag, 4. Juli 2016

Ein glückliches Fleckchen Erde:
Ballymaloe in Irland und das LIT Festival 2016

Dank des Ballymaloe LIT Festivals war ich letztes Jahr zum ersten Mal in Irland und bin restlos begeistert wieder nach Hause gekommen. (Bericht vom letzten Jahr). Mir wurde schnell klar, da will ich wieder hin und noch mehr Zeit auf dem Festival verbringen. Das habe ich in die Tat umgesetzt und noch mehr Koch-Demonstrationen besucht, als letztes Jahr. Auch diesmal habe ich viele Impressionen von diesem wunderschönen Flecken Erde mitgebracht.


Das Wetter hat es heuer nicht so gut mit uns gemeint und zwischendurch kam es zu heftigen Regenfällen. Wenn sich die Sonne hat blicken lassen, dann waren es perfekte Sommertag. Das Ballymaloe LIT Festival wurde wieder am Freitag mit dem großen Scheunenfest eröffnet. Man kommt ganz zwanglos zusammen und holt sich, nach Lust und Laune, Essen und Getränke bei den Ständen.


Der zweite zentrale Platz des Festivals ist, neben Ballymaloe House, die Ballymaloe Cookery School von Darina Allen. Glücklicherweise hat sich dort nichts verändert. Im Shop gibt es immer noch alle möglichen Küchen-Accessoires, frisch geerntetes Obst und Gemüse, frische Lebensmittel wie Fleisch, Milchprodukte und Gebäck, eingemachte Lebensmittel und Kochbücher. Auch die Hühner laufen noch immer frei herum und zeigen, wie gut es Ihnen geht.


In der Ballymaloe Cookery School finden alle Koch-Demonstrationen statt. Vorher gibt es eine kleine Stärkung mit hausgemachtem Gebäck und Kaffee / Tee.


Den Auftakt machten Eric Werner und Mya Henry, die auf der Halbinsel Yucatan das Restaurant Hartwood betreiben. Die beiden sympathischen Amerikaner gaben eines Tages ihre Jobs in New York auf, um in Mexiko ein völlig neues Leben zu starten. Eric kochte vorher in einem Restaurant, um berufliche Praxis zu bekommen. Das Hartwood Restaurant liegt am Strand und es gibt dort nur offenes Feuer. Sie arbeiten eng mit Bauern aus der Region zusammen und verarbeiten nur Lebensmittel, die sie vor Ort bekommen können. Ihre Rezepte haben Sie im Kochbuch "Hartwood" veröffentlicht. Viele der Zutaten sind bei uns nicht zu bekommen, aber ihre Idee, das zu verwenden, was vor der Haustüre ist, kann sehr gut für die heimische Küche übernommen werden. Mich hat es dazu angeregt, die Kräuter aus meinem Garten noch konsequenter einzusetzen.

Sie zeigten die Zubereitung von Pequin-Chili-Lamm mit Tomatillo-Sauce (Tomatillo ist das Grüne ganz oben links im Bild), Gebackene Süßkartoffeln mit Kamille, Honig und Kürbiskernen, Ceviche de Aguja mit Ingwer und Mezcal und Agave-Schweinebauch mit gegrillten Ananas.

Es ist Tradition bei diesen Koch-Demonstrationen, dass von den Lehrern und Schülern der Kochschule alle Gerichte in einer großen Menge parallel gekocht werden. So kann jeder Teilnehmer hinterher alle Gerichte verkosten. Das hilft mir immer sehr, wenn ich weiß, wie es schmecken soll. Besonders begeistert war ich von der Tomatillo Sauce und der Ceviche, die ich bereits nachgekocht habe.


Alle Köche haben sich begeistert über die Qualität der Zutaten geäußert. Es ist schon etwas besonderes mit frischem Gemüse zu kochen, das am Morgen noch in der Erde steckte. Für die Gäste liegen auch kleine Kostproben bereit.


Gut gestärkt ging es mit dem Shuttle-Bus zurück zu Ballymaloe Haus. In einer Scheune, die während des Festivals zum "Drinking Theatre" umfunktioniert wird, besuchte ich den Workshop "Irish Whiskey and The Role of Wood". Moderatoren waren Kevin O'Gorman von der Midleton Distillery und Dave Broom, einer der führenden irischen Autoren zu diesem Thema.

Unter seiner fachlichen Anleitung verkosteten wir Whiskeys aus verschiedenen Fässern: American Bourbon Barrel, Sherry Butt, Redbreast 12 Years old (Jameson Destille), Green Spot Chateau Leoville Barton und Midleton Dair Ghaelach. Es hat mir großen Spaß gemacht, wie unkompliziert Dave die Sache anging. Besonders begeistert war er von dem Redbreast, den er begeistert mit "Erdbeertarte" umschrieb. Da passt auch der Name Rotkehlchen sehr gut dazu. Den Green Spot empfahl er besonders für Grillfeste, wenn man schon Rotwein getrunken hat, Lust auf einen Whiskey bekommt und die Gläser nicht wechseln möchte. Der Green Spot würde das verzeihen. Vermutlich stimmt das sogar, denn das Weinfass war gut zu schmecken.



Für den Abend hatten wir uns einen ganz besonderen Programmpunkt ausgesucht. Wir besuchten das Pop-Up Restaurant von Mews. Das Menü wurde in einem der Vortragssäle der Kochschule gekocht und serviert. Zum Empfang gab es Cider und ein Amuse mit Topinambur und Ricotta.


In Baltimore, dem südlichsten Dorf Irlands eröffneten Robert, Lukas und James das Restaurant Mews. Sie verwenden nur Zutaten aus Irland, was nicht besonders schwierig ist, da es in Irland alles in bester Qualität gibt. Durch ihre Lage an der Atlantikküste stehen ihnen auch Fisch und Meeresfrüchte zur Verfügung.

Alle Gerichte wurden im family-style pro Tisch serviert. Auch die Getränke waren, bis auf eine Ausnahme, aus Irland. Spannend war besonders der Gin Tonic mit Austernwasser und Algen. Den Auftakt machten Muscheln mit Spargel. Im Zwischengang wurde Steinbutt auf einem Bett von verschiedenen Algen serviert. Der Hauptgang bestand aus Mangalitza Schwein geschmort und gebraten, Kartoffeln, Kohlrabi, jungem Gemüse und jungen Zwiebeln. Den süßen Abschluss bildete Rhabarber, Ginstereis und Kuchen mit Süßdolde.


Am nächsten Morgen war frühes Aufstehen angesagt, da der Tag mit dem absoluten Highlight starten sollte. Eine Koch-Demonstration mit Yotam Ottolenghi und Ramael Scully. Sie präsentierten Gerichte aus ihrem Restaurant Nopi in London. Die Rezepte sind auch im gleichnamigen Kochbuch "Nopi" veröffentlicht worden.

Hier prasselte ein Feuerwerk an Ideen und Witz auf die Zuhörer nieder. Die Stimmung war bereits vorher großartig und alle waren ganz aufgeregt die beiden zu treffen. Meiner Meinung nach war es die umfangreichste, lustigste und spannendste Koch-Demonstration, die ich besucht habe. Entsprechend begeistert fielen auch die Reaktionen des Publikums aus.


Probieren konnten wir hinterher: gebrannter Frühlingszwiebel-Dip mit Grünkohl, junge Karotten mit Mungbohnen und geräuchertem Labneh, Knoblauch-Kichererbsen-Pfannkuchen mit Butterbohnen-Püree, gewürzter Buttermilch Kabeljau auf Urid-Dhal, gebratene Entenbrust mit Haselnuss-Bier-Butter und Ricotta-Nocken mit Cassis-Sauce.


Nach einem kleinen Spaziergang durch die Gärten von Ballymaloe Cookery School stand am Nachmittag eine zweite Koch-Demonstration auf dem Plan. Nicolaus Balla und Cortney Burns von der Bar Tartine in San Francisco zeigten das Fermentieren. Beide haben ost-europäische Wurzeln und das Konservieren von Lebensmitteln haben sie bereits von ihren Großmüttern gezeigt bekommen. In ihrem Restaurant verwenden sie hauptsächlich Produkte von umliegenden Farmen. Vieles davon konservieren Sie für das Restaurant und sie gelten als Experten für Fermentation. Ihre Rezepte sind auch in dem Kochbuch "Bar Tartine" zu finden.


Die Küche der beiden ist sehr aromenreich und kräftig gewürzt. Besonders überzeugt haben mich die glutenfreien Käse-Dumplings, die ich unbedingt daheim noch ausprobieren möchte. Diese Gerichte wurden vorgestellt: Bauernkäse mit Brot und Paprikapaste, glutenfreie Käse-Dumplings in Pilz-Brühe, Linsen-Kroketten mit Kefir und Kresse, grünes Chili-Fisherman's-Stew, geräucherte Kartoffeln mit schwarzem Knoblauch und fermentiertem Bärlauch und Grünkohlsalat mit Sonnenblumen-Tahini und Joghurt.


Die Tage in Irland waren rundum gelungen und zur guten Erholung trug vor allem unser wunderschönes Bed and Breakfast "Wisteria House" in Cloyne bei.


Arta und Albert sind besonders herzliche und aufmerksame Gastgeber. Deshalb plane ich schon wieder den Aufenthalt für das nächste Jahr. Dann möchte ich länger in Irland bleiben und es besser kennen lernen.


Freitag, 24. Juni 2016

Old-fashioned Rhabarber-Kompott nach Myrtle Allen

Für einen Leistungssportler ist die richtige Ernährung genauso wichtig, wie das Training. Nach diesem Grundsatz kocht Holger Stromberg für unsere Fußball-Nationalmannschaft. So ist es fast schon ein guter Brauch geworden, dass Peter zum Foodblog-Event aufruft. Diesmal gilt das Motto "EuropaKochen 2016" und die Zusammenfassung ist aufgebaut, wie der Spielplan. Erste "Ergebnisse" sind schon zu lesen. Wer passend zum Spiel kochen will, findet hier viele Anregungen.

Meine letzte kulinarische Reise nach Irland ist gerade einen Monat her und ich habe wundervolle Tage auf dem Ballymaloe Lit Festival verbracht. Mit dieser Erinnerung habe ich mich spontan für Irland entschieden.

Ballymaloe ist untrennbar mit dem Namen Myrtle Allen verbunden. Sie ist inzwischen 92 Jahre alt und lebt immer noch dort. Man kann sagen, dass sie die irische Küche revolutionierte. Sie hat verstanden, dass die beste Qualität durch kurze Wege erzielt werden kann. Viele Zutaten, die sie in ihrem Restaurant auf den Teller brachte, stammten von der eigenen Farm. Dort wurden schon immer Gemüse, Obst, Salat und Kräuter angepflanzt. Auch Nutztiere leben dort und das Meer ist nicht weit, sodass auch Fisch und Meeresfrüchte schnell in der Küche waren. Für ihre kulinarische Leistung hatte sie auch einen Michelin-Stern.



Als ich wieder daheim war, konnte ich nicht widerstehen und habe mir antiquarisch ihr Kochbuch "Cooking at Ballymaloe House" gekauft. Darin habe ich ein Rhabarber-Kompott entdeckt über das sie schreibt, dass sie den Rhabarber immer von einer Pflanze erntet, den ihr Großvater schon vor über 100 Jahren gepflanzt hat. Unser Rhabarber ist nicht so alt, aber er hat schon einiges erlebt. Zwei Jahre hintereinander ist er jedes Jahr im Frühjahr umgezogen und tapfer wieder angewachsen. Leider kenne ich die Sorte nicht, aber wir haben einen Rhabarber, bei dem man sofort versteht, weshalb er ein Obst, sondern Gemüse ist. Die Stangen werden sehr breit, er ist grün und sauer. Deshalb eignet er sich auch gut für pikante Gerichte.

Myrtle Allen empfiehlt den Sirup mit Hollunderblüten zu aromatisieren. Das hat gut gepasst, weil hier in der Gegend unzählige Hollerbüsche in schönster Blüte stehen und ich beim Nachbarn ein paar abschneiden durfte.

Wenn das deutsche Team ein Spiel gewinnt, dann gibt es hinterher Eiscreme zur Belohnung. Vielleicht gibt es für das irische Team ein Rhabarber-Kompott nach einem Rezept von Myrtle Allen. Verdient hätten sie es auf jeden Fall.




500 gr. Zucker
500 ml Wasser
3 große Holunderblüten
1 kg Rhabarber

Schlagsahne
Zucker
1 große Holunderblüte

Aus dem Zucker und dem Wasser einen Läuterzucker kochen. Dazu beides in einen Topf geben und sprudelnd aufkochen lassen, bis sich der Zucker gelöst hat. Dann den Herd abschalten und die Holunderblüten (den großen Stiel vorher entfernen) hineingeben und umrühren. Den Sirup ungefähr 30 Minuten ziehen lassen.

In der Zwischenzeit den Rhabarber schälen und in Stücke schneiden. Den Sirup durch ein Sieb in einen großen Topf gießen und die Rhabarberstücke zugeben. Den Rhabarber für 6 bis 10 Minuten sanft dünsten lassen. Er sollte weich sein, aber seine Form noch behalten. Abkühlen lassen und bei Raumtemperatur oder gekühlt mit Schlagsahne servieren.

Von der letzten Holunderblüte nur die kleinen Blüten abzupfen und über Rhabarberkompott und Sahne als Deko streuen.



Mein Beitrag zum Blog-Event "EuropaKochen 2016"


Blogevent EuropaKochen 2016 - Wir kochen uns durch Europa

Dienstag, 9. Juni 2015

Ein Besuch beim Rockstar unter den irischen Farmern

Vor dem Abschied von Irland stand noch der Besuch einer Milchfarm auf dem Programm. Wir besuchten Brian Cleary's Farm in Waterford, das direkt an der irischen Südküste liegt. Brian ist inzwischen genauso prominent, wie seine Farm, da beide im aktuellen Kerrygold-TV-Spot zu sehen sind. Den von kleinen Steinmauern begrenzten Weg, der im Spot zu sehen ist, sind wir auch gegangen. Er führt direkt zur Kuhweide, auf der die rund 70 Kühe von Brain stehen. Die Landschaft ist atemberaubend schön.




Diesen Ausblick haben Brians Kühe fast jeden Tag. Aufgrund des Golfstroms hat Irland ein ganz besonderes Klima. Es ist ziemlich konstant und wird nicht zu heiß und nicht zu kalt. Irische Kühe stehen rund 300 Tage im Jahr auf der Weide. Auch Nachts kommen sie nicht in den Stall, da auch die Nächte in Irland milde Temperaturen haben. Es ist ganz selbstverständlich, dass sie keine Silage zu fressen bekommen und damit ist die Milchqualität vergleichbar mit der Heumilch bei uns. Jede Kuh gibt täglich 25 Liter Milch. Die Bauern liefern die Milch an die Genossenschaft und von dort geht sie dann zu Kerrygold und wird zu Butter, Käse und diesem köstlichen Sahnelikör verarbeitet. Die Butter wurde bereits von Öko-Test mit "sehr gut" ausgezeichnet.




Wenn man Brian kennen lernt, versteht man, weshalb er auch schon das Fotomodell einer großen Werbe-Kampagne von Kerrygold in Deutschland war. Sein Foto ist in vielen Zeitschriften abgebildet und jetzt kann er auch noch im Fernsehen bewundert werden. Er ist sehr authentisch und mit Leib und Seele Milchbauer. Wenn er lacht, dann muss man einfach mitlachen. Auch seine Kühe lieben ihn heiß und innig. Sein größter Fan ist diese Kuh, die ihn während unseres Besuchs auf der Weide keine Sekunde von seiner Seite gewichen ist.





Die Farm ist bereits seit 130 Jahren in Familienbesitz und alle helfen mit. Brians Mutter hatte bereits einen besonders liebevollen Tee-Empfang für uns im Wintergarten vorbereitet. Es gab Scones mit Erdbeermarmelade, spotted dog - ein süßes Brot mit Butter, Kekse und Muffins. Dazu natürlich stilecht Tee. Alles war selbstgemacht und schmeckte sehr gut.




Wir konnten natürlich gar nicht anders, als hier eine längere Pause einlegen, wie geplant war. So beschlossen wir einfach das Mittagessen ausfallen zu lassen und genossen unsere Zeit bei der netten Familie.




Natürlich durften auch verschiedene Sandwiches nicht fehlen. Mein Favorit war das Eier-Sandwich.




Danach ging es direkt zum Flughafen in Dublin und es hieß leider Abschied nehmen von dem schönen Irland, seinen liebenswürdigen Menschen und unserer netten Reisegruppe. Ich möchte mich ganz herzlich für die Einladung, die schöne Zeit und die tolle Organisation bei Christina und Stephen von Kerrygold bedanken.

Und weil es so schön war, gibt es noch ein paar Impressionen von glücklichen Kühen:










Die Berichte der Kollegen:

Zorra von Kochtopf

Montag, 8. Juni 2015

Das Kerrygold Ballymaloe Literatur Festival
of Food and Wine

Ballymaloe ist ein kulinarischer Hot-Spot in der irischen Region Cork. Seine Geschichte ist untrennbar mit der Familie Allen verbunden. Seit 1964 lenkt die Familie die Geschicke des Anwesens. Gestartet wurde mit einem Restaurant und später mit einem Hotel ergänzt, damit Gäste auch übernachten konnten. Der Küchenchefin Myrtle Allen gelang es in den Jahren 1975 bis 1980 für ihre moderne irische Küche mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet zu werden. Damals achtete sie bereits auf frische und regionale Lebensmittel, die überwiegend von der eigenen Farm kamen. Daraus kochte sie einfache, aber sehr feine und geschmackvolle Gerichte.

Ende der 60er stellte sie die junge Köchin Darina ein, die später ihre Schwiegertochter wurde und 1983 die Ballymaloe Cookery School gründete. Darina Allen ist mittlerweile eine prominente irische Köchin, Kochbuch-Autorin und Pionierin der Slowfood-Bewegung in Irland. Sie lebt die Idee "from farm to table" und Ballymaloe bietet mit der großen Bio-Farm, auf deren Gelände das Restaurant, das Hotel und die Kochschule liegen, die besten Voraussetzungen um hochwertige Lebensmittel in Bio-Qualität zu erzeugen und mit Koch-Kompetenz den Gästen wunderbares Essen zu servieren.

Die Kochschule von Darina Allen gilt als eine der besten weltweit. Man kann dort nicht nur Kochkurse zu den unterschiedlichsten Themen belegen, sondern auch eine dreimonatige Koch-Ausbildung machen. Claudia von Fol for Food hat vor fünf Jahren dort die Kochausbildung gemacht und in einer Serie sehr eindrücklich darüber berichtet. Diese Berichte findet Ihr hier.

Heuer fand bereits das dritte Mal das Kerrygold Ballymaloe Literatur Festival of Food and Wine statt. Wie der Name schon sagt stehen Literatur und Kulinarik im Mittelpunkt und es treffen sich viele Küchenchefs, Produzenten, Autoren und kulinarisch interessierte Menschen zu einem genussvollen und fröhlichen Event.

Auf Einladung von Kerrygold durfte ich heuer an diesem schönen Festival teilnehmen. Es war meine erste Reise nach Irland, auf die ich mich sehr gefreut habe. Mir wurde klar, dass ich über Irland nur sehr wenig weiß. Das Stichwort "Irland - die grüne Insel" spuckte in meinem Kopf herum und ich erinnerte mich dunkel an Erzählungen von Freunden, die dort in Urlaub waren. Egal, meine Vorfreude und Neugierde waren riesig und ich darf es schon einmal vorweg nehmen: es war noch viel schöner, als ich mir vorgestellt hatte. Jetzt bin ich sehr großer Irland-Fan, besonders der Weg zu nachhaltiger Landwirtschaft und Genuss, den Irland eingeschlagen hat, hat es mir sehr angetan.

Gleich nach der Landung in Dublin ging es schnell zum Bus, da unser Flieger aus München etwas Verspätung hatte. Die Fahrt nach Cork bestätigte schon einmal meine rudimentäre Information, dass Irland eine grüne Insel ist. Wir fuhren durch eine sattgrüne Hügellandschaft, die eher ländlich geprägt war und auch die ersten Kuh- und Schafherden konnten wir entdecken.

Im Hotel Castlematyr angekommen, blieb keine Zeit das schöne Haus zu entdecken. Ich mochte sofort die Stimmung, da gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Elegante Gäste standen in kleinen Gruppen in den historischen Räumen und tranken ihren Aperitif. Wir durften gleich weiter zur Eröffnung des Litfestivals auf dem Gelände der Farm. Wir mischten uns unter die Festgäste und zu unserer Freude konnten wir den bekannten amerikanischen Blogger David Lebovitz kennen lernen. Sehr angetan war ich auch von dem Sahnelikör (den ich über 10 Jahre nicht mehr getrunken hatte) und den kleinen Bärlauch-Tartelettes. Darina Allen hielt die Eröffnungsrede und begeisterte mit ihrer Liebe zu nachhaltigen regionalen Produkten. Da merkte man schon, dass sie das liebt, was sie tut.



Auf dem Weg in die große Scheune zum Abendessen entdeckten wir schon die ersten charmanten Motive. Diese liebevollen Dekorationen und der Vintage-Chic waren überall zu entdecken und gaben dem Festival gleich eine entspannte Stimmung. Ich habe mich von der ersten Sekunde an sehr wohl gefühlt und das hat die ganzen schönen Stunden in Irland angehalten.



In der großen Scheune spürte man den Geist des Festivals und viele Leute sind zusammen gekommen, um gemeinsam gut zu essen und zu trinken und eine schöne Zeit zusammen zu verbringen. Für unsere nette Reisegruppe war schon eine große Tafel vorbereitet und dann kamen unzählige Schüsselchen und Tellerchen auf den Tisch. Darauf waren tolle Gerichte, die aus den hochwertigen Lebensmitteln der Farm gekocht waren. Es gab Pizza aus dem Holzofen, Gemüsechips und geräucherten Lachs auf selbstgemachtem Brot gegen den ersten Hunger. Danach probierten wir uns durch eine bunte Auswahl: Vietnamesisches Pork Stew, Marokkanisches Gemüse mit Cous Cous, Fisch Stew mit Butterbohnen und Majoran, Pommes mit Knoblauch-Aioli, Safran-Huhn mit indischen Gewürzen und Basmatireis und eine riesige Schüssel mit einem Buchweizensalat mit Granatapfel. Dazu tranken wir verschiedene Bio-Weine und ein ausgezeichnetes irisches Craft Cider.




Beim Dessert konnte natürlich auch niemand widerstehen. Aus der Marshmellow-Auswahl mochte ich die mit Zitronen-Ingwer-Geschmack am liebsten. Sehr fein war auch das Eis in der Waffel und für Käseliebhaber gab es eine Käse-Auswahl von Kerrygold. Überrascht war ich vom Blauschimmelkäse, der angenehm mild im Geschmack war.




Schweren Herzens verließen wir das Festivalgelände, aber wir wollten vernünftig sein, da auch am nächsten Tag ein umfangreiches Programm auf dem Plan stand. Am nächsten Morgen begrüßte uns Irland mit Sonnenschein. Ich nutzte das gleich und machte auf dem Weg zum Frühstück, in dem weitläufigen Hotelpark und im Hauptgebäude, ein paar Fotos.




Für den Samstag standen einige Workshops und Veranstaltungen auf dem Plan. Das Litfestival bietet nicht nur die Möglichkeit sich zu informieren, zu essen und eine gute Zeit zu haben. Man kann auch viele Produkte aus kleinen Manufakturen oder Gemüse- und Kräuterpflanzen kaufen. Das Interesse der Besucher ist sehr groß. Es gibt die Gelegenheit aus einem riesigen Angebot von Veranstaltungen auszuwählen und sich über alle möglichen Ernährungsthemen zu informieren. Die Referenten sind so hochkarätig, dass ich mich am liebsten geklont hätte, um alle meine Vorlieben zu bedienen. Manchmal tut es auch gut, wenn man sich fokussiert und ich habe mir drei sehr unterschiedliche Themen ausgesucht. Im Nachhinein habe ich ein sehr gutes Gefühl, die richtige Wahl getroffen zu haben.




Gleich um 9.00 Uhr morgens ging es los, mit einem Besuch der Ballymaloe Cookery School. Sie liegt ca. 4 km von dem Festivalgelände rund um Ballymaloe House entfernt und ist Versuchung pur. Bereits am Eingang gibt es ein Regal, in dem frisches Gemüse und Kräuter von der Farm angeboten wurden. Insgeheim begann ich meinen sehr kleinen Koffer zu verfluchen. Die Qualen gingen in dem Shop gleich weiter. Es gab Geschirr, Küchenartikel und frische Lebensmittel wie z. B. Joghurt, Wurst und herrliche Hühner. Meine Shopping-Laune stieg ins unermessliche, aber ich blieb vernünftig. Und so durften nur Tonkügelchen zum Blindbacken mitkommen. Sie werden mich immer daran erinnern, wie glücklich ich auf dieser Reise war.




Wir wurden sehr liebevoll mit heißen und kalten Getränken und selbst gebackenem Kuchen empfangen. Dann ging es in die Cooking Demonstration von April Bloomfield oder Allegra McEvedy. Ich wäre natürlich am liebsten bei beiden Köchinnen Zaungast gewesen, aber das war nicht möglich, da die Veranstaltungen zeitgleich waren. So hatte ich im Vorfeld beide Köchinnen recherchiert und mich mit meiner Freundin Zorra vom Blog Kochtopf abgestimmt, da wir möglichst viel Zeit zusammen verbringen wollten. Wir entschieden uns für April und die anderen Teilnehmer unserer Reise besuchten Allegra.




Darina Allen begleitete persönlich die Koch-Demonstration und beide Damen haben mich nachhaltig beeindruckt. Darinas Präsenz und Ausstrahlung haben mich gleich in den Bann gezogen. April hat mich mit ihrer Ruhe, ihrem Überblick und besonders mit ihrem Kochstil sehr begeistert. In dieser Demonstration (ich vermeide sehr stark den Begriff Koch-Show, denn das war es glücklicherweise nicht; es ging nur um die Vermittlung von Koch-Know-How und nicht um pseudo-witziges Getue) zeigte sie Gemüsegerichte aus ihrem neuen Kochbuch. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut, da sie das Gemüse im Eigengeschmack belässt und mit passenden Aromen ergänzt. Es ist keine vegetarische Küche, es ist Gemüse-Küche und damit geht es um Genuss und nicht um Dogma. Sie hat bei ihren Gerichten z. B. auch Anchovis und Bottarga benutzt.




In drei Stunden bezauberte April nicht nur das Publikum, sie zauberte auch jede Menge wundervoller Gerichte. Im Verlauf der Veranstaltung wächst natürlich beim Publikum das Interesse diese Köstlichkeiten nicht nur theoretisch zu erleben. Zu meiner großen Freude, konnte man sich am Ende der Vorführung mit einem Teller anstellen. Darina und viele ihrer Köchinnen sorgten blitzschnell dafür, dass man von jedem Gericht eine kleine, aber umfassende, Kostprobe auf dem Teller hatte. Nicht nur der Weg zu diesen Gerichten war sehr überzeugend für mich, auch der Geschmack war ein sehr feines Erlebnis. Geschmeckt hat mir alles. Im Moment stehen auf meiner Nachkoch-Liste ganz weit oben der "Gebratene und rohe Fenchelsalat mit Blutorangen und Bottarga" und "Gebratene Karotten mit Karottengrün-Pesto und Burrata". Sehr gut gefallen haben mir auch die "Würz-Karotten mit Joghurt", die "im Topf gerösteten Artischocken", der "im ganzen gebratene Blumenkohl mit Tomaten und Anchovis" und die "Tagliatelle mit Spargel und Parmesan". Es gibt also noch viel für mich zu tun und ich bin froh, dass wir ein sehr umfangreiches Rezeptheft bekommen haben.




Nach dem Kochkurs erkundeten Zorra und ich die Umgebung rund um die Kochschule. Wir entdeckten verschiedene Gärten, die mich an französische Schloßgärten erinnert haben. Am höchsten schlägt mein Herz aber für Küchen-, Kräuter- oder Obstgärten. Und auch das hat ganz viel Platz auf Ballymaloe. Glückliche Hühner und Gänse haben wir auch noch entdeckt. Wobei wir uns nicht so sicher waren, ob die Gänse glücklich waren. Die machten den Eindruck, als ob sie Eheprobleme hätten..... 





Das Herumlaufen in den weitläufigen Gärten hat uns durstig gemacht und wir fuhren zurück auf das Festival-Gelände. So sieht eben perfekte Event-Planung aus, wenn als nächstes eine Irish Craft Cider-Verkostung auf dem Plan steht. Unter der Leitung des renommierten Wein-Journalisten Leslie Williams probierten wir verschiedene Cider und diskutierten mit den Produzenten. Ich trinke gerne mal einen Cider im Sommer, wenn es heiß ist. Eine neue Erkenntnis für mich war, dass Cider in Irland als der neue Wein angesehen wird. Eigentlich ist das nur konsequent, da der Weinbau dort nicht existent ist. Vor einigen Jahren habe ich einen großen Rhabarberwein-Produzenten aus Norwegen kennengelernt. Rhabarber wird dort im großen Stil zu Obstwein vergoren und im Sinne von Regionalität ist das auch der richtige Ansatz. Cider, der aus Äpfeln gemacht wird, gefällt mir allerdings viel besser. 




Ein klein wenig Zeit ist uns geblieben, um noch über das Festival-Gelände zu schlendern und die vielen tollen Stände zu entdecken. Ich hatte ja immer noch meinen kleinen Koffer im Gedächtnis und hielt mich sehr zurück. Mein Tipp für Euch wäre auf jeden Fall mit Koffer-Freiraum zu reisen, falls ihr einmal das Festival besucht. Es gibt wirklich sehr viele tolle Dinge zu kaufen. Mein Interesse an Kulinarik besteht schon seit vielen Jahren und ich habe viele kulinarische Festivals, Messen und Events besucht. Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man das Gefühl hat, alles gesehen zu haben. Das war hier ganz anders. Da habe ich so viele schöne und neue Dinge entdeckt.




Der dritte Programmpunkt von Zorra und mir war der Besuch des Fermentations-Workshops bei der britischen Kochbuch-Autorin Charlotte Pike. Sie zeigte uns Muffins und Fladen mit Sauerteig-Starter. Zusätzlich demonstrierte sie die hohe Qualität des lokalen Joghurts und veredelte ihn mit Kräutern und Olivenöl zu einem libanesischem Labneh. Zu trinken gab es Kefir mit verschiedenen Aromen, wie Beeren oder Ingwer, verfeinert. Diesmal waren wir nicht im "Koch-Hörsaal", sondern in einer der Profi-Küchen. Auch hier war die Persönlichkeit von Darina Allen zu spüren und es waren wieder kleine liebevolle Details, wie ein frischer Blumenstrauß, zu finden.




Nach einer kleinen Verschnaufpause im Hotel ging es zurück zu Ballymaloe House. Ich war mittlerweile seit 1 1/2 Tagen in Irland und bewegte mich auf einer glückseligen Wolke von kulinarischen Highlights. Jetzt war der Zeitpunkt für das Gala-Dinner, in den Räumen des berühmten Restaurants, gekommen. Von der ersten Sekunde an mochte ich einfach alles. Das alte Haus mit der riesigen Glyzinie, das Licht, der Blick vom Balkon über die Gärten und Gewächshäuser, den festlich gedeckten Tisch, das Strahlen in den Augen der Gäste und die magische Stimmung von diesem besonderen Ort.




Überall und zu jedem Zeitpunkt verspürt man ihre Hand: Darina Allen. Es war mir eine ganz besondere Ehre, dass ich sie kennen lernen durfte. Ihre kleine marokkanische Handtasche lag ausgerechnet auf meinem Stuhl, als sie die Gäste begrüßte und das Menü vorstellte. Vielleicht ein ganz kleines Zeichen der Verbundenheit.

Danach erzählte der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney. wie er in der Schule gelernt hatte, dass Irland keine Bodenschätze besitzt. Heute sieht er das anders. Irland kann aus dem Vollen schöpfen, seine Ressourcen liegen im Boden, seinem milden Klima und seinen Menschen, die mit Begeisterung die neuen Potentiale nutzen. Das Land entwickelt sich immer stärker zu einem Produzenten hochwertiger Lebensmitteln und einer Genussregion.

Für das Menü durften wir innerhalb der einzelnen Gänge wählen. Mein Tischherr Uwe und ich ergänzten uns perfekt mit unterschiedlicher Menü-Wahl und gegenseitiger "Essens-Fotografiererei".




Zum Auftakt konnten wir zwischen einem Duft-Geranien-Sorbet und einer Frühlingzwiebel-Suppe wählen. Bei der Vorspeise standen Rinder-Carpaccio mit junger Rote Bete und Meerrettichsauce und Hummer mit Majoran und Zitrone zur Wahl. Der Hummer wird frisch vor Ort gefangen und nicht weit transportiert. Es ist ein seltenes Glück so frischen Hummer zu bekommen und so hat er auch geschmeckt.



Im Hauptgang entschieden sich fast alle für das Lamm mit jungen Karotten, Frühlingszwiebeln und Minz-Bearnaise. Danach wurden das Käsebrett mit einer Auswahl von Kerrygold Käse und selbst gebackenen Crackern und der große Dessertwagen serviert. Darauf befanden sich nur Traditionsdesserts des Hauses, die seit 50 Jahren den Gästen angeboten werden. Es war ein unglaublich schöner und inspirierender Tag, der mit diesem Gala-Menü seinen perfekten Abschluss fand.


Wer mich kennt, der kennt auch meine Liebe zu den Kochbüchern und meine ganz große Begeisterung für signierte Kochbücher. Dementsprechend schwer war auch mein Koffer und ich möchte Euch hier meine passenden Kochbuch-Empfehlungen geben:

April Bloomfield:
A Girl and Her Pig
A Girl and Her Greens

Allegra McEvedy:
In 120 Rezepten um die Welt

Darina Allen:
Ballymaloe Cookery Course

Charlotte Pike:
The Hungry Student Cookbook



Die Berichte der Kollegen bieten weitere Informationen und schöne Fotos:
Uwe von Highfoodality
Thomas von Omoxx
Tanja von Foodistas