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Donnerstag, 15. Oktober 2015

Rezension fränkische Weiberwirtschaften

Vor rund 10 Jahren erschienen im Hädecke Verlag zum ersten Mal die "Bayerischen Weiberwirtschaften" und begründeten damit meine Lieblingsreihe für kulinarische Reiseführer. In fünf weiteren Regionen wurden engagierte Wirtinnen entdeckt und vorgestellt. Nach Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Südtirol ist nun Franken an der Reihe. Jetzt stellt sich sofort die Frage, Franken liegt doch auch in Bayern und müsste bereits in den "Bayerischen Weiberwirtschaften" enthalten sein? Ja, das ist so und in diesem Band sind gastronomische Betriebe aus allen bayerischen Regierungsbezirken enthalten. Allerdings ist die fränkische Gastro-Landschaft so umfangreich, dass sich daraus gut ein zweiter Band machen lässt.




Für die "Fränkischen Weiberwirtschaften" sind die Autorin Heidrun Gehrke und die Fotografin Angela Francisca Endress kreuz und quer durch Ober-, Unter- und Mittelfranken gereist. Entdeckt haben sie einen großen Fundus unterschiedlicher "Wirtschaften". Und alle sind Neuentdeckungen - keine der Wirtinnen wurde bereits bei den "Bayerischen Weiberwirtschaften" besprochen.

Sehr gut gefällt mir, dass auch bei diesem Buch die Größe, das Layout und der Aufbau genauso gestaltet wurde, wie bei den fünf Bänden vorher. Man kann also durchaus von einer Serie eines kulinarischen Reiseführers sprechen.

Gleich zu Beginn hilft eine kleine Karte, sich zu orientieren. Alle 30 Betriebe sind dort eingetragen. Dann geht es gleich los mit der Vorstellung der Gastgeberinnen und ihres Lokals. Auf einem ganzseitigen Foto können wir die Besitzerinnen der Weiberwirtschaften kennen lernen. Im Text werden sie und die Geschichte ihres Betriebs genauer vorgestellt. Ein kleiner Serviceblock auf der ersten Seite informiert über Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer, E-Mail und Homepage. Das ist hilfreich, wenn man sich während der Fahrt spontan entschließt dort zu essen. Einige Fotos ermöglichen einen visuellen Einblick in das Restaurant und ein Ausflugstipp in der näheren Umgebung hilft den Tag vernünftig zu planen. Abschließend finden wir noch ein bis drei Rezepte. Die Bandbreite ist groß und geht über einfach Brotzeit, bis zu exklusiven Gerichten, die nach dem Dichter Jean Paul interpretiert wurden. Auch die Freunde der Hausmannskost und der traditionellen fränkischen Küche kommen auf ihre Kosten.

Drei "Weiberwirtschaften" haben wir während unserer letzten Genussreise durch Deutschland besucht:

Mitten im Naturpark Frankenwald liegt die Bischofsmühle von Dorothea Strößner. Sie und ihre Mutter verwöhnen die Gäste in einer alten Wassermühle mit frischer Küche. Wir hatten das große Glück einen ganzen Zander aus Wildfang, in Mandelbutter gebraten, mit Sommergemüse und Salzkartoffeln zu bekommen. Da schmeckte auch noch die Mousse au Chocolat mit Bananensahne zum Dessert.
Im Würzhaus in Nürnberg kocht Diana Burkel mit viel Sinn für die saisonalen Produkte eine sehr kreative Karte. Auch die Weinbegleitung kann sich sehen lassen und der Service agiert sehr aufmerksam und liebevoll.

Wir freuten uns über ein Menü mit "Sülze von der Rinderschulter mit Meerretticheis", "Vichysoisse mit Blutwurst und Majoran", "Pfifferling mit Petersilienwurzel und -blatt" und "Kalbsrücken mit Radicchio und Liebstöckl".
Im Spessart steht das Forsthaus Echterspfahl von Gabi Ballmann. Bei ihr gibt es klassische Hausmannskost, die sonst kaum mehr zu bekommen ist. Gut geschmeckt haben uns die, mit Lauch und Schinken, gefüllten Kartoffelknödel mit Specksauce und der Sauerbraten mit Blaukraut und Kartoffeln.












Fazit:
Wer in Franken unterwegs ist und nicht irgendwo, irgendetwas essen möchte, für den sind die "Fränkischen Weiberwirtschaften" eine Pflichtlektüre. Für Freunde von Genussreisen bieten sie sehr viel Inspiration und Anregung.

Als besonderen Service hat der Hädecke Verlag auch noch eine google-map mit allen Stationen angelegt.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Genuss mit Zeit und Liebe im Biedermeier Schlössl Lerchenhof

Es gibt zwei Arten, das Biedermeier Schlössl Lerchenhof in Hermagor zu besuchen. Man kennt es und freut sich darauf, oder man fährt zufällig daran vorbei und muss sofort bremsen, weil es so eine Augenweide ist. Ich habe mich darauf gefreut, dass ich es, im Rahmen meiner Genussreise durch Kärnten, besuchen konnte.

Das „Schloss Lerchenhof“ wurde im Jahre 1848 als Herrschaftssitz des Industriellen Julius Wodley anlässlich seiner bevorstehenden Heirat erbaut. Noch vor der Heirat verstarb er durch einen Jagdunfall und vermachte das Haus seiner Verlobten. Durch Heirat gelangte das Schlössl in den Besitz der Familie Steinwender, die aus dem benachbarten Steinwender-Hof stammten. Die Aufteilung des Erbes führte 1928 zur Aufteilung an zwei Söhne der Steinwender. Das Schlössl übernahm der Großvater des heutigen Besitzers Hans Steinwender. Es gelang ihm, den Besitz zu bewahren und geschickt durch die schwierigen Zeiten des zweiten Weltkriegs zu steuern.

Heute ist das Biedermeier Schlössl Lerchenhof ein Restaurant und ein Hotel. Die Familie Steinwender legt größten Wert auf Herkunft und Qualität der Produkte. Vieles wird im Haus selbst produziert oder stammt von Bauern aus der Nachbarschaft. Damit die Regionalität der Zutaten von den Gästen nachvollzogen werden kann, gibt es in der Speisekarte Kilometer-Angaben. Die sagen aus, in welcher Entfernung vom Schlössl die Lebensmittel produziert wurden. Sehr oft ist "0 kmh" angegeben.



Gleich hinter dem Haus ist der Schweinestall, wo die Schweine ein paar Monate länger gehalten werden als üblich, damit der Speck besonders gut wird. Die Metzgerei ist gleich daneben und die Tiere haben keine lange Anfahrt und werden vor der Schlachtung nicht gestresst. Der Speck wird gepöckelt, geräuchert und kommt dann in den Reiferaum. Alle diese Verarbeitungsschritte passieren auf dem Grundstück des Schlössl.



Für die Küche zeichnet der Sohn von Hans Steinwender verantwortlich, der nach den Wanderjahren im Ausland, wieder in den Familienbetrieb zurückgekehrt ist. Es ist fast schon ein Pflichtprogramm, den Teller mit den verschiedenen Specksorten zu probieren: Wurzelspeck, Gailtaler Speck, Heuspeck und Weinspeck - schmecken tun alle vier ausgezeichnet.

Auf der Karte finden sich auch bodenständige Gerichte, wie Schweinebraten mit Sauerkraut und Knödeln oder Apfelringe zum Dessert. Alles wurde mit Liebe und Sachverstand zubereitet.


Mittwoch, 7. Oktober 2015

Brigitte Lugger - die Retterin der Lesachtaler Mühlen

Maria Luggau im Lesachtal ist ein bedeutender Wallfahrtsort mit einem Kloster und einem historischen Klostergarten. Auch heute noch ist der kleine Ort das Ziel von großen Wallfahrten aus Italien. Dann rücken alle zusammen, um die Pilger aufzunehmen. Beim Betrachten der Fotos denke ich mir wieder, Maria Luggau muss ein gesegneter Ort sein, so schön, wie es da ist. Das war eine besondere Station auf meiner kulinarischen Reise durch Kärnten.




Durch das neu renovierte Kloster führt Brigitte Lugger, die als Lehrerin nach Maria Luggau kam und dort ihren späteren Ehemann kennen lernte. Die Klosterführung ist Teil der Mühlenführung, bei der es auf einem Wanderweg weiter nach oben geht, wo die letzten fünf Wassermühlen stehen. Es ist Brigitte Lugger zu verdanken, dass wir sie heute noch erleben können.




Bei starken Unwettern vor 50 Jahren wurden die Mühlen zerstört und es gab im Ort wenig Interesse an einem Wiederaufbau. Brigitte Lugger und ihr Mann Leopold machten sich für den Erhalt der Mühlen stark und konnten immer mehr Nachbarn überzeugen. So klappern die wassergetriebenen Mühlenräder noch heute und treiben die Mahlsteine an, die das Korn zu Mehl vermahlen.




Es erklärt sich fast von selbst, dass die Menschen in diesem Hochtal autark sein müssen. Es gibt keine größeren Orte in der Nähe und auch die Einkaufsmöglichkeiten sind sehr beschränkt und so versorgen sich die Lesachtaler heute noch selbst. Die Bauern leben vom Vieh in ihren Ställen und vom Anbau auf ihren Feldern. Jeder Haushalt bäckt noch immer das eigene Brot. Das Lesachtaler Brot wurde von der UNESCO zum "immateriellen Kulturerbe" ernannt und Eiko Funada, eine japanische Ethnologin hat dafür gesorgt, dass in Tokio ein Brotbackhaus errichtet wurde. Seitdem wird auch dort das Lesachtaler Brot gebacken.

Wer das Lesachtaler Brot probieren möchte, kann es im Lesachtaler Bauernladen in Maria Luggau kaufen. Täglich bringen Bäuerinnen frisches Brot dort hin.

Montag, 5. Oktober 2015

Kaffee erleben bei San Giusto in Kärnten

Die große Leidenschaft von Helmut Thurner ist Kaffee und dabei zählen für ihn nur Qualität und Geschmack. Er orientiert sich nicht an Labels oder Auszeichnungen, sondern verlässt sich nur auf seine Erfahrungen und seinen Geschmack. Als Techniker für Gastro-Kaffeemaschinen bestimmt das Thema schon lange seinen Tagesablauf. Nun hat er das Rentenalter erreicht, ist aber immer noch unermüdlich, um den Kaffee-Genuss zu zelebrieren.

In Kötschach-Mauthen steht seine kleine Kaffeewelt San Giusto, für die er bereits weitere Expansionspläne hat. Auf meiner Genussreise durch Kärnten durfte ich ihn treffen und einen wunderbaren Espresso trinken. Auf dem Foto sieht man schon die perfekte Crema, vom Geschmack kann ich nur erzählen. Ich trinke nicht viel Kaffee, höchstens einmal einen Espresso oder Cappucchino. Selten schmeckt er mir wirklich gut, hier hat alles gepasst. So einen guten Espresso, habe ich bisher leider nur selten bekommen.


Hinter dem kleinen Café ist die Kaffeerösterei. Dort werden die Kaffeebohnen aus aller Herren Länder geröstet. Dabei lässt sich Helmut Thurner Zeit, er röstet sie länger und mit weniger Temperatur. So sind die Bohnen gleichmäßig geröstet und nicht verbrannt. Das lässt sich einfach prüfen, wenn man eine Bohne zerbricht. Dann darf sie nur außen dunkelbraun sein. Innen muss sie noch hell geblieben sein. Industriell geröstete Bohnen sind durch und durch dunkelbraun.

Bei der Kaffeezubereitung spielt neben der Kaffeebohne auch die Maschine eine entscheidende Rolle. Sie ist oft der Grund dafür, dass der Espresso in der Gastronomie säuerlich oder verbrannt schmeckt. Es gehört zum Service von San Giusto, dass bei Gastro-Kunden die Maschine einmal im Monat gewartet wird. Das übernimmt der Sohn, Christian Thurner. Also, Augen auf, beim der Kaffeebestellung in der Gastronomie und auf die rote Tulpe achten. Dann weiß man, dass man mit Genuss einen Kaffee trinken kann. Der Name San Giusto alleine genügt leider nicht, da es eine zweite Firma mit diesem Namen gibt. Es muss auch die rote Tulpe im Logo dabei sein.




Das Café und die Rösterei sind mit vielen alten Kaffeemaschinen und -kannen dekoriert. Helmut Thurner hat hier einen großen Reichtum an interessanten und optisch sehr attraktiven Stücken zusammen getragen. Er plant den Bau einer "Kaffeewelt", wo er seine Schätze besser präsentieren und interessante Führungen abhalten kann.




Genauso attraktiv, wie die alten Ausstellungsstücke, sind die Kaffeesäcke aus der ganzen Welt. Für mich war es eine kleine Zeitreise, weil ich Kaffeebohnen aus Äthiopien entdeckt und mich an die Zeremonie erinnert habe, bei der Frauen nach dem Essen eine kleine Menge Bohnen frisch rösten und sofort danach den Kaffee brühen. Das ist ein besonderes Erlebnis und den Duft habe ich nie vergessen. In der Rösterei San Giusto riecht es genauso wunderbar nach Kaffee. Ganz oben stand ein kleiner Sack aus Mocha. Das ist ein kleiner Ort am Meer im Jemen, wo angeblich der Mokka erfunden wurde und auch heute noch danach benannt ist.

Samstag, 3. Oktober 2015

Genuss und Information beim Schau-Bauernhof Gailtalbauer in Kärnten

Am zweiten Tag meiner kulinarischen Kärntenreise besuchte ich den Gailtalbauer in Kirchbach. Das ist ein Schau-Bauernhof mit angeschlossener Gastronomie. Im Zentrum steht natürlich die Tierhaltung von Schweinen und Kühen, die man im Rahmen einer sehr interessanten Führung besuchen kann.

Lustig ist es im Schweinestall, wo die ausgewachsenen Schweine zusammengekuschelt schlafen und die kleinen Ferkel herumspringen. Aus dem Schweinefleisch wird der berühmte Gailtaler Speck hergestellt und reift in Glasschränken, die von außen zu besichtigen sind. Da hängen die köstlichen großen Speckstücke, die leider wegen der Spiegelung des Glas auf dem Foto nicht zu erkennen sind. Die Kühe leben draußen und haben zusätzlich einen sehr großen Stall. Bei unserem Besuch ging gerade ein heftiger Regenschauer herunter und sie haben es vorgezogen, ins Trockene zu kommen. Dort bekommen sie ausschließlich Heu zu fressen, das aus der Umgebung stammt und im Stall mit Luft getrocknet wird. Besonders goldig waren natürlich die Kälbchen, die sich auch streicheln lassen. Die Milch der Kühe wird in der Schaukäserei zu verschiedenen Käse-Sorten verarbeitet.




Ein Highlight im Kuhstall ist der Melk-Roboter, von dessen Existenz ich vorher noch nie etwas gehört habe. Alle Kühe tragen ein Halsband mit Chip, auf dem ihre individuellen Daten gespeichert sind. Zusätzlich werden dort die Melkzeiten festgehalten. Die Kühe kommen freiwillig zur Melkstation, da sie dort auch ein Leckerchen bekommen. Der Trick bei der Sache ist, dass der Roboter weiß, ob die Kuh melkbereit ist und nur dann die kleine Köstlichkeit freigibt. Anfangs sind die Kühe oft vergebens gekommen, mittlerweile hat sich das eingespielt. Die Kühe stellen sich in den Melk-Roboter, der wirft das Leckerchen aus und die Kuh steht still und frisst. In dieser Zeit werden die Zitzen gereinigt und die Melk-Maschine angesetzt. Dann wird die Kuh kontrolliert gemolken. Auf einem Display ist genau zu sehen, aus welcher Zitze wie viel Milch gekommen ist. Dabei wird die Milch genau kontrolliert. Sollte irgend etwas nicht in Ordnung sein, wird diese Milch ausgesteuert und die Anlage automatisch gereinigt. Wenn die Kuh nichts mehr zu fressen bekommt, geht sie und hinter hier wartet schon die nächste. Die Kühe haben das sehr ruhig und entspannt gemacht, es war tägliche Routine für sie.




Im Hofladen können Speck, Käse, Brot und andere Produkte gekauft und verkostet werden. Man kann sich da auch einen Picknick-Korb zusammenstellen lassen. Der Gastraum ist sehr charmant mit unterschiedlichen Tischen und Stühlen ausgestattet und mit Küchenartikeln nett dekoriert. Im ersten Stock gibt es auch noch eine Puppenausstellung. Diese handgefertigten Puppen zeigen Alltagsszenen aus dem bäuerlichen Leben. Sehr witzig ist der Schaukasten mit prominenten Puppen. Wer wissen möchte, wie Arnold Schwarzenegger als Puppe aussieht, der sollte unbedingt vorbei schauen.



Draußen auf dem Freigelände ist ein wunderschöner Nutzgarten, den ein Koch angelegt hat. Es gibt Gemüse- und Kräuterbeete, Beerensträucher, ein Bienenhaus, eine Wurmanlage für den Kompost und die schönsten Sonnenblumen, die ich je gesehen habe. Wer essbare Pflanzen liebt, wird dort viele Anregungen finden und eine schöne Zeit verbringen. An Kinder wurde auch bestens gedacht, mit einem großen Spielplatz und einem Streichelzoo mit Ziegen, Ponys und Eseln. Der Gaitalbauer ist ein lohnendes Ausflugsziel für die ganze Familie, bei dem Lernen und Genuss im Vordergrund stehen.



Donnerstag, 1. Oktober 2015

Eine Reise in das köstlichste Eck Kärntens

Kärnten ist das südlichste Bundesland Österreichs und bietet aufgrund seiner abwechslungsreichen Landschaft viele Attraktionen für Urlauber. Die Berge verführen im Winter zum Skifahren und in den anderen Jahreszeiten zum Wandern oder Radfahren. Besonders im Sommer ist Kärnten mit seinen vielen und wunderschönen Gebirgsseen ein attraktives Ziel. Das durfte ich vor drei Jahren bereits bei einer kleinen Reise an den Ossiachersee entdecken. Damals haben wir auch die ersten kulinarischen Erkundungen gemacht. Was hat Kärnten dem kulinarisch interessierten Urlauber zu bieten? Wie sieht eine Genussreise nach Kärnten aus? Auf diese Fragen habe ich vor ein paar Wochen viele inspirierende Antworten bekommen. Auf Einladung von Kärnten Tourismus durfte ich eine Reise in das köstlichste Eck Kärntens unternehmen.

Dieses köstlichste Eck liegt im Südwesten und umfasst mit dem Gailtal und dem Ort Kötschach-Mauthen eine kleine Region, die aus kulinarischer Sicht eine ganz große ist. Die hohe Qualität des Angebots und die Leidenschaft der Menschen, die dies ermöglichen, haben dazu geführt, dass es dort die erste Slowfood-Travel-Destination geben wird. Wer die Organisation slowfood kennt, der weiß um die hohen Qualitätsanforderungen, die dort gestellt werden. An Österreich schätze ich sehr die ländlichen Strukturen, die es ermöglichen, dass Bauern und Manufakturen mit viel Sorgfalt erstklassige Produkte herstellen können. Das durfte ich auf einigen Reisen durch Österreich schon erleben. Trotzdem hat es mich sehr überrascht und begeistert, was das köstlichste Eck Kärntens auf kleinstem Raum zu bieten hat.




Nach einer vierstündigen Zugfahrt, die unkompliziert und angenehm verlaufen ist, kam ich im Landhaus von Sissy Sonnleitner an. Sie ist eine Haubenköchin, die immer schon sehr bewusst mit den Produkten aus ihrer Region umgegangen ist. Ihr Credo ist Genuss ohne Reue, deshalb setzt sie sich, zusammen mit ihrer Tochter Stefanie, für vegane Ernährung ein. Neben Gerichten aus der Alpe-Adria-Küche, die auch Einflüsse der Nachbarländer Slowenien und Italien aufnimmt, sind auf ihrer Speisekarte auch vegane Gerichte zu finden. Mit großem Engagement gibt sie ihr Wissen in Kochkursen weiter. Dafür steht im Haus die Genusswerkstatt, mit einer gut ausgestatteten Küche und einem einladenden Esstisch, zur Verfügung. Diese herzliche Gastfreundschaft spürt man im ganzen Haus, das mit alten Möbeln sehr individuell eingerichtet ist und viel Charme hat.
(Zum detaillierten Bericht bitte hier klicken.)




Nur ein paar Schritte vom Landhaus Sonnleitner entfernt wird Bier gebraut. Die Braumanufaktur Loncium wurde 2007 von Alois Planner und Klaus Feistritzer gegründet und der Erfolg gibt ihnen recht. Zu ihrer Palette handwerklich gebrauter Biere gehören nicht nur Craft Biere, wie IPA, sondern auch die Klassiker, wie Helles, Weißbier oder Bockbier. Die kleine Privatbrauerei wächst stetig, hat sich aber ihr Qualitätsbewusstsein und ihre Individualität bewahrt. Die alten Gebäude wurden restauriert und modern eingerichtet. Die gelungene Symbiose aus Tradition und Moderne sind in der Brauerei und im angrenzenden Bierhotel mit Restaurant besonders gut zu sehen. Dort finden Führungen, Brauseminare und spezielle Bier-Degustationen mit passendem Menü statt.




Auf unserer Fahrt zu einem ganz besonderen Bauernhof hatten wir genug Zeit, um auf den kleinen Straßen zu fahren und bei einem Gemüsebauern zu halten. Mitten auf dem Feld gibt es einen kleinen Verkaufsstand mit saisonalem Obst und Gemüse aus eigenem Anbau. Auch außerhalb der Geschäftszeiten kann man jederzeit frisch einkaufen. Dazu erntet man selbst und wirft das Geld in einen kleinen Kasten, genauso, wie es hier bei uns viele Blumenfelder gibt. Das wäre mir oft lieber, als die Felder mit verwelkten Blumen, die keine Abnehmer gefunden haben.




Mitten im Gailtal liegt der Gailtalbauer, ein moderner Schau- und Erlebnis-Bauernhof. Dort werden hauptsächlich Schweine und Kühe in einer sehr modernen Anlage gehalten. Die Kühe finden den Weg zum Melkroboter von alleine und die Milch wird in der Schaukäserei verarbeitet. Aus den Schweinen wird der berühmte Gailtaler Speck. Alle dort produzierten Köstlichkeiten können im Hofladen gekauft oder gleich im Restaurant verkostet werden. Auf dem großen Gelände kann man durch einen liebevoll angelegten Kräuter- und Gemüsegarten laufen oder Ziegen, Esel und Ponys im Streichelzoo besuchen. Über dem Restaurant befindet sich eine Puppenausstellung mit typischen Motiven aus der Region. Besonders für Kinder ist der Gailtalbauer eine tolle und lehrreiche Attraktion.
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Zum Mittagessen ging es in den Gasthof Grünwald in St. Daniel. Die Schwestern Ingeborg und Gudrun Daberer führen den Familienbetrieb bereits in der fünften Generation und sind bekannt für ihr Nudl-Kudl-Mudl. An diesen Tagen gibt es unzählige Varianten der Kärntner Nudel, die traditionell mit Kartoffeln, Topfen und Minze gefüllt wird. Besonders wichtig ist der gekrendelte Rand, damit die Nudel beim Kochen nicht aufgeht. In dem sehr gepflegten Gasthof werden alle Nudeln noch von Hand gemacht und das schmeckt man. Diese Nudeln sind ein schönes Beispiel, dass traditionelle Rezepte immer noch aktuell sind und für eine genussvolle Mahlzeit stehen.
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Im köstlichsten Eck Kärntens sind die Wege so kurz, dass es Sinn macht, für den Espresso nach dem Essen in die Kaffeerösterei San Giusto zu fahren. Mit seiner großen Leidenschaft für guten Kaffee betreibt Helmut Thurner in Kötschach-Mauthen ein kleines Kaffee mit angeschlossener Rösterei. Bereits vor der Türe macht der feine Geruch Lust auf eine gute Tasse Kaffee oder Espresso. Dafür braucht es verschiedene Faktoren, die richtigen Bohnen, das handwerkliche Röstverfahren und die regelmäßige Wartung der Maschinen. Auf alle diese Faktoren wird geachtet und das schmeckt man bei diesem exzellenten Espresso.
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Gut gestärkt ging es zu Herwig Ertl, der mit seiner Edelgreißlerei als köstlichster Punkt im köstlichsten Eck Kärntens gesehen werden kann. In Kötschach-Mauthen steht sein Feinkost-Geschäft, in dem er regionale Delikatessen von Produzenten zusammengetragen hat, die "bio" sind. Darunter versteht er nicht, dass sie biologisch erzeugt wurden, sondern von einem Produzenten stammen, für den sein Motto "bin in Ordnung" gilt. Somit gibt er die Verantwortung für Produkte dort hin, wo sie hingehört, zum Produzenten. Ein Produzent, der vom Verbraucher nicht akzeptiert wird, kann sein Produkt nicht mit Siegeln retten. Herwig Ertl gilt als Visionär, der sich mit ganzer Kraft für Genuss und die Region einsetzt. In seinem Laden bietet er eine beeindruckende Degustation an, bei der er Käse, Schinken, Öle, Essige, Chutneys, Senf, eingelegtes Obst und Gemüse zu köstlichen Gerichten kombiniert und mit Wein begleitet.
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Den nächsten Tag verbrachte ich im Lesachtal, wo das Brotbacken noch eine selbstverständliche Aufgabe in den Haushalten ist. In dem kleinen Wahlfahrtsort Maria Luggau lebt Brigitte Lugger, die als Lehrerin in den Ort kam und dort ihren künftigen Ehemann traf. Sie erkannte die Bedeutung der alten Mühlen und setzte sich für ihren Erhalt ein. Heute führt sie sachkundig und mit viel Charme Besucher durch das Kloster mit dem Klostergarten. Ihre Enkelin bringt die Gäste dann hinauf zu den Mühlen, wo ihr Ehemann schon wartet und das Mahlen von Getreide zeigt.
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Im Lesachtal werden die Tiere noch artgerecht gehalten. Das ist eine sehr gute Ausgangssituation für den Metzger Salcher, der selbst schlachtet und dem Fleisch genug Zeit gibt, um zu reifen. So entsteht der Lesachtaler Speck, für den die Schweine nach bestimmten Kriterien gefüttert werden müssen. In dem kleinen Laden in St. Lorenzen können die Köstlichkeiten gekauft werden.




Viele Menschen im Lesachtal versorgen sich noch selbst. Sie bauen Getreide, Obst und Gemüse an, sie halten Tiere und sie fischen. Das kulinarische Angebot der Bauernhöfe kann man am besten bei einem Hoffest kennenlernen. Diese Hoffeste, wie hier auf dem Peintnerhof in Niedergail, finden das ganze Jahr über statt. Zu Essen gibt es immer "Morende". Dies bedeutet ganz einfach, dass das angeboten wird, was auf dem Hof verfügbar ist. Auf dem Peintnerhof gab es neben Kaffee und Kuchen auch eine Ur-Forelle, die auf dem alten Holz-Ofen gebraten wurde.




Übernachtet habe ich in dem kleinen Berghotel in Liesing von Familie Egartner. Dort wohnt man sehr behaglich und ruhig in gemütlich eingerichteten Zimmer. Die Eheleute Egartner sind gelernte Köche und verwöhnen gerne die Gäste. Sandra Egartner ist Kräuter-Expertin und stellt aus Kräutern und Wildpflanzen Essige, Öle, Marmeladen, Salze, Liköre und vieles mehr her. Ihr Wissen gibt sie gerne in Kursen weiter.




Am nächsten Tag ging die Reise weiter nach Hermagor, in das wunderschöne Biedermeier Schlössl Lerchenhof. Auch hier wird Regionalität und Qualität ganz groß geschrieben und noch mit Geduld ergänzt. Hier dürfen die Schweine mit Zeit aufwachsen und werden später geschlachtet, als anderswo. Der Speck bekommt Zeit um zu pökeln und zu reifen. Die Wege vom Produkt auf den Teller sind so kurz, dass in der Speisekarte bei jedem Gericht Kilometer-Angaben gemacht werden. Sehr oft kann 0 Kilometer angegeben werden. Das Familienunternehmen wird seit 1880 von der Familie Steinwender sehr liebevoll geführt. Aktuell kümmern sich drei Generationen der Steinwenders um die Gäste.
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Letzte Station meiner Genuss-Reise sollte Klagenfurt sein. Am schönen Wörthersee, umgeben von einem großen Park, liegt das Seepark Hotel. Der moderne Bau ist architektonisch interessant gestaltet und sehr großzügig. Die Zimmer sind puristisch gehalten, wirken aber aufgrund der vielen Holzelemente nicht kühl. Auf dem großzügigen Balkon konnte ich den Blick in den Park und die letzten Sonnenstrahlen genießen.




In Bad Saag, direkt am Wörthersee, liegt das See Restaurant Saag von Haubenkoch Hubert Wallner. Es ist als einziges Restaurant Kärntens mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Für mich sind Lage und Atmosphäre des Restaurants sehr stimmig mit der Karte. Das Restaurant ist so nah am See, dass es über über einen eigenen Bootsanlegesteg verfügt und auch noch ein Seebad angeschlossen ist. Auf die Teller kommt hauptsächlich, wie könnte es anders sein, Süßwasserfisch. Auch bei den anderen Produkten achtet Hubert Wallner sehr auf die Regionalität und präsentiert eine moderne österreichische Küche mit internationalen Akzenten.
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Viele Informationen und Termine zum kulinarischen Kärnten sind hier zu finden.
Wer eine Genussreise nach Kärnten plant, dem hilft vielleicht meine Karte, auf der sämtliche Stationen eingetragen sind. Die Links zu dieser Karte und weiteren Karten anderer Genussregionen sind hier zu finden.

Freitag, 24. Juli 2015

Rezension:
Natalie Lumpp: Weingüter entlang der Autobahn

Es ist eine Frage der Einstellung, ob man in den Urlaub fährt oder eine Reise macht. Ich fahre nicht gerne in den Urlaub. Da habe ich immer das Gefühl die Anfahrt geht mir auf die Nerven und es ist eine verlorene Zeit. Wir machen sehr gerne eine Reise und die beginnt bereits, wenn sich die Autotüre schließt.  Die Autobahn lässt sich auch mit diesem Vorgehen kaum vermeiden, wenn man vorwärts kommen möchte. Auf jeden Fall vermeiden lassen sich Autobahnparkplätze und Raststätten. Für jede Pause suchen wir nicht diese ungastlichen Orte auf, sondern nehmen eine Ausfahrt. Wir möchten gerne sehen wo wir sind und die Region kennen lernen. Natürlich ist uns auch eine gute Küche wichtig.

Manchmal mache ich schon konkret eine Reiseplanung mit entsprechend ausgesuchten Zwischenstationen. Es kommt aber auch vor, dass wir losfahren und unterwegs entscheiden, wo wir abfahren. Dafür habe ich sehr gerne entsprechende Ratgeber dabei. Ich nenne diese Kategorie Bücher "kulinarische Reiseführer" und habe mittlerweile eine ganze Reihe davon. Meist sind sie regional aufgebaut und orientieren sich nicht am Verlauf der Autobahn. So ist unterwegs ein wenig Improvisationstalent gefragt.

Jetzt gibt es einen neuen "kulinarischen Reiseführer" von Natalie Lumpp: "Weingüter entlang der Autobahn". Mein Interesse war natürlich sofort geweckt.



Natalie Lumpps Liebe zum Wein begann bereits im Teenager-Alter. Sie machte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und übernahm dann Führungsverantwortung als Chef de Rang in den Spitzen-Restaurants im Schwarzwald, Traube Tonbach und Bareiss. Im Hotel Bareiss machte sie schnell Karriere bis zur Chef-Sommelière und lernte ihren ersten Mann, Claus-Peter Lumpp, kennen. Nach dem Bruch der Ehe war sie als Restaurantleiterin im Schlosshotel Bühlerhöhe tätig. 

Im Jahr 2000 machte sie sich mit "Wein erleben!" selbstständig und agierte als Weinberaterin, Autorin und Organisatorin von Weinseminaren und Reisen. Dies gelang ihr so erfolgreich, dass sie für verschiedene Magazine als Weinexpertin schreibt und regelmäßig in Sendungen von ARD und ZDF zu sehen ist. Als Jurorin der Sendung "Grill den Henssler" ist sie auch einem breiten Publikum bekannt.

Das handliche Buch mit dem Soft-Cover hat genau das richtige Format für die Handtasche oder das Handschuhfach. Wenig Gewicht hat es auch, falls man es auf den Ausflügen mitnehmen will. Das Cover lässt sich aufklappen und zeigt vorne eine Karte mit den Autobahnen. Dabei sind die Weinanbaugebiete mit unterschiedlichen Farben markiert und die Ausfahrten mit Ziffern markiert.  So kann man sich schnell einen Überblick verschaffen. Die hintere Klappe listet die Weingüter nach den Anbauregionen auf. Schön wäre es gewesen, wenn man hier den Farbcode übernommen hätte. Trotzdem kann man sich gut orientieren. Praktisch sind die Klappen auf jeden Fall und man kann sie auch als Lesezeichen verwenden.

In den Kapiteln sind mehrere Weinregionen zusammengefasst. Das ist sinnvoll, da die Übergänge manchmal fließend sind und es einen besseren Aktionsradius ermöglicht. Jedes Kapitel startet mit einer Aufzählung der relevanten Autobahnen und einer kleinen Karte der Region. Auf der Karte sind die einzelnen Ausfahrten nummeriert und die Lage der Weingüter markiert. Es fällt sofort auf, dass alle empfohlenen Ziele sehr nahe an der Ausfahrt liegen und so keine langen Wege auf sich genommen werden müssen. Danach folgt eine kurze und knackige Beschreibung über Wissenswertes zu den Regionen in diesem Kapitel. 

Zu jeder markierten Ziffer auf der Kapitel-Karte gehört ein Weingut. Dieses wird mit einem Foto und einem kurzen Text vorgestellt. Dazu gehören auch Adresse, Telefonnummer, Homepage und Öffnungszeiten. Besonders hilfreich ist die Angabe von Kilometern und Fahrtweg in Minuten ab der Ausfahrt. So kann man besser planen. Zusätzlich  gibt Natalie Lumpp Hinweise auf die Weine des Weinguts und empfiehlt "besondere Tropfen".

Damit auch Autofahrer die Weinprobe mitmachen können, werden zu jedem Weingut auch mindestens ein Restaurant und ein Hotel empfohlen. Neben einem kleinen Info-Text gibt es auch hier Adresse, Telefonnummer, Homepage und Öffnungszeiten. Alle Weingüter, Restaurants und Hotels sind mit einem Euro-Symbol gekennzeichnet, damit man sich über das Preisniveau informieren kann.

Üblicherweise besuche ich Empfehlungen aus kulinarischen Reiseführern, bevor ich das Buch hier vorstelle. Diesmal war das gar nicht nötig. Einige Weingüter, Restaurants und Hotels kenne ich bereits von früheren Besuchen und war davon sehr angetan. Daher kann ich auch einschätzen, dass hier nicht nur die "üblichen Verdächtigen" empfohlen werden, sondern auch kleine Perlen, die bisher unentdeckt geblieben sind. Ich freue mich über viele neue Adressen, die auf Reisen noch entdeckt werden können.

Diese Empfehlungen habe ich bereits besucht, bzw. kenne die Weine gut:

Rheinhessen: Domaine Mechtildshausen, Wasems Weinhotel und Weingut Wittmann
Pfalz: Netts Landhaus und Restaurant, Restaurant Bergel und Restaurant Deidesheimer Hof
Mosel: Hotel-Restaurant Bellevue, Hotel-Restaurant Alte Mühle Höreth und Weingut Lubentiushof
Franken: Weingüter Bickel-Stumpf und Meintzinger
Baden: Weingut Waßmer und Hotel-Restaurant Zum Ochsen
Pfalz: Weingut Martin Schneider

Fazit:
"Weingüter entlang der Autobahn" von Natalie Lumpp ist ein empfehlenswerter kulinarischer Reiseführer mit knappen, aber hilfreichen Informationen. Es bietet einen schnellen Überblick über kulinarisch interessante Ziele in kurzer Erreichbarkeit nach der Abfahrt von der Autobahn. Die Mischung der empfohlenen Adressen mit "Schwergewichten der Szene" und unbekannten "kleinen Perlen" stimmt.

Dienstag, 7. Juli 2015

Ein Besuch bei dem traditionellen Topf-Hersteller Lagostina am Lago d'Orta

Als ich Lagostina zum ersten Mal gehört habe, musste ich bei google nachfragen. Auf der Homepage erfuhr ich dann, dass es ein traditioneller italienischer Topfhersteller mit einer 100-jährigen Geschichte ist. So gefühlt, gibt es keinen italienischen Haushalt, in dem es nicht mindestens einen Topf von Lagostina steht. In den meisten Fällen wird es der berühmte Schnellkochtopf sein, der einen sehr interessanten Deckel hat. Auf Anhieb hat mir ein Risottotopf mit einem Holzdeckel am besten gefallen.

Ein paar Monate später schon durfte ich auf Einladung von Lagostina zwei Tage am Lago Maggiore verbringen und das Werk besichtigen. 

Nach einem kurzen Flug nach Mailand wurde unsere kleine Reisegruppe am Flughafen Malpensa abgeholt und ins Regina Palace Hotel nach Stresa gefahren. Unser Fahrer wählte ganz umsichtig den Weg am See entlang und fuhr nicht durch den Tunnel. Den Anblick des Sees und die Fahrt auf der Uferpromenade weckten gleich eine italienische Grundstimmung in mir.

Ein kleiner Spaziergang am See entlang brachte uns ins Restaurant L'Idrovolante, gegenüber der Isola Bella. Bei herrlichem Sonnenschein genossen wir auf der Terrasse ein paar Antipasti und Tagliatelle - selbstverständlich "fatto in casa".



Zurück im Hotel ließ ich erst einmal die ganze Pracht und wundervolle Landschaft auf mich wirken. Ich fühlte mich ein bisschen wie eine Zeitreisende in einem Schnulzenfilm der 60-er Jahre. Einschließlich flirtender Kellner, wie sich am nächsten Morgen beim Frühstück heraus stellte :-).


Danach besuchten wir den Show-Room von Lagostina in Omegna am Lago d'Orta. Dort wurden wir von Sébastien Alègre, dem Geschäftsführer, begrüsst und er machte uns mit der Marke Lagostina vertraut. In dem Show-Room waren alle Töpfe ausgestellt, die aktuell produziert werden. Zu meiner großen Freude stand dort auch der Risottotopf, den ich bereits virtuell bewundert hatte. 

Sehr interessant fand ich die Schnellkochtöpfe, die einen sehr dünnen Deckel haben, der in dem konisch zulaufenden Topf mit einer Hebelmechanik regelrecht eingespreizt wird. Diese Töpfe werden in viele Länder der Erde exportiert und deshalb gibt es sie in unzähligen Größen, damit sie immer auf die jeweils üblichen Größen der Herdplatten passen.


Vom Show-Room gelangt man nahtlos in das unternehmenseigene Museum. Lillia Massera, die Managerin General Affairs, erläuterte uns ausführlich anhand der zahlreichen Ausstellungsobjekte die Geschichte von Lagostina. Die begann vor über 100 Jahren mit der Produktion von Besteck. Dies wurde aus Metallbändern gefertigt, die um ägyptische Baumwoll-Ballen zur Befestigung geschlungen waren. Die Region war arm und es gab hauptsächlich Landwirtschaft. Lagostina war eine große Chance für die Bevölkerung und entwickelte sich zu einem sehr wichtigen Arbeitgeber.


Der Schnellkochtopf spielte schon immer eine große Rolle bei Lagostina und deshalb wurde ihm ein eigener Raum im Museum gewidmet. Die verschiedenen Modell muten heute fast schon abenteuerlich an, aber das Grundprinzip hat sich bis heute erhalten.



Besonders viel Spaß hatten wir an der Vorführung von drei kleinen Videofilmen aus vergangenen Tagen. Da musste man kein italienisch verstehen, der Charme dieser Werbebotschaften machte das wett. Eins dieser historischen Dokumente von Lagostina habe ich mitgebracht. In diesem Video ist das berühmte Strich-Männchen La Linea zu sehen.



Den Werksverkauf konnte ich gerade noch aus den Augenwinkeln erhaschen (leider) als unsere Gastgeber noch eine kleine Stadtbesichtigung mit uns machten. Das Örtchen Orta San Giulio liegt wunderbar am Hang des Lago d'Orta und ist sehr pittoresk.


Wir schlenderten durch die kleinen verwinkelten Gassen, immer auf der Hut auf dem Kopfsteinpflaster nicht unser gutes Schuhwerk zu ruinieren. Schließlich sollte im Anschluss das Abendessen in der Villa Crespi folgen. Bereits von weitem konnten wir den Turm der Villa bewundern und rätselten, ob er zu einer Kirche oder einer Moschee gehört. Beides falsch er gehört zu dem Restaurant Villa Crespi von Antonino Cannavacciuolo, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist. Über sein Menü berichte ich im nächsten Beitrag.


Der zweite Tag unserer kleinen Reise startete wieder bei Lagostina. Heute durften wir das Werk besichtigen und den Herstellungsprozess der Töpfe kennenlernen.

Bereits am Eingang gab es eine alte Maschine zu bestaunen, mit der früher Parmesanreiben hergestellt wurden. Das alte Backsteingebäude hat so viel Flair und zeigt, dass Fabriken auch schön sein können. Vieles hat mich an die Industriedenkmäler im Ruhrpott erinnert, nur mit dem Unterschied, dass es noch voll im Betrieb ist.


Im Konferenzraum wurden wir gleich von dem Werksleiter Fausto Milanesi in Empfang genommen. Mit Modellen erläuterte er, wie aus einer dicken Scheibe ein Topf und aus einer dünnen Scheibe ein Deckel wird. Danach wird mit 10.000 Tonnen Druck eine zweite Scheibe bestehend aus 18/0 Edelstahl und Aluminium aufgebracht. Dies ist der Sandwichboden, der für eine gleichmäßige Wärmeverteilung sorgt.  Alle anderen Teile des Topfs sind aus korrosionsfestem 18/10 Edelstahl. Dieser ist besonders säureabweisend, allerdings ist er nicht magnetisch. Deshalb muss der Boden eines Topfs aus 18/0 Edelstahl bestehen, damit er auch auf einem Induktionsherd benutzt werden kann.

Danach folgte ein Exkurs in Griffe. Es gibt welche, die angenietet werden und welche, die angeschweißt werden. Die genieteten sind robuster und halten mehr aus. Die geschweißten sehen gefälliger aus, da die Innenwand des Topfs glatt ist. 


Endlich durften wir in die Produktion. Nach einer Grundausstattung mit Ohrenstöpsel, gelben Warnwesten und Schutzkappen, die besonders über Ballerinas sehr apart aussehen, ging es los.

An unserem Besuchstag lag der Schwerpunkt der Produktion bei den Schnellkochtöpfen. Hier sieht man, wie die Deckel aus Metallscheiben gestanzt, poliert, gewaschen, kontrolliert und liebevoll von Hand in Seidenpapier gewickelt werden.


Mit dieser Presse kommen die Löcher in das Pastasieb. Das ist sozusagen ein Topf im Topf und wenn die Nudeln fertig sind, muss nur der obere Teil herausgehoben werden und die Nudeln tropfen ab.


Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie eine Scheibe in die Maschine eingelegt wird und dann rasen 10.000 Tonnen darauf zu und fertig ist der Topf. Diese Töpfe wandern dann über ausgeklügelte Wege zu den anderen Stationen, wo sie mit dem Sandwichboden versehen, gewaschen und poliert werden.

Immer wieder werden sie von Mitarbeitern manuell kontrolliert. Dieser Arbeiter schlägt innen mit einem dünnen Metallrohr in den Topf und am Klang kann er erkennen, ob der Sandwichboden sich vollständig über die ganze Fläche verteilt. Töpfe, bei denen das nicht ist, sortiert er aus.


So weit das Auge reicht: Töpfe, Töpfe und Töpfe und nochmal Töpfe.........

Viele Arbeiten, besonders im Bereich waschen, polieren und weiter transportieren, werden von Robotern übernommen. Ihre Bewegungen sind immer geschmeidig und synchron. Sie ähneln fast einem Ballett-Tanz, der dem Rhythmus der Fabrikgeräusche folgt.


Ein bisschen mutet das Ganze an, wie die Sendung mit der Maus. Heute: Schnellkochtopf!

Die gerade zulaufenden Töpfe müssen in einem gesonderten Arbeitsschritt konisch nach innen gebogen werden. Das ist notwendig, damit beim Kochen der Deckel darin verankert werden kann.


Je weiter fortgeschritten der Produktionsprozess ist, desto mehr manuelle Arbeiten sind notwendig. Jetzt können die Griffe angebracht werden, die ein Arbeiter in die Maschine, zusammen mit dem Topf einlegt. Kleine Unebenheiten an der Topfoberfläche klopft ein Arbeiter behutsam heraus. Die Deckel und die Ventile werden auf die Schnellkochtöpfe gesetzt und alle Töpfe werden in Kartons verpackt. So kommen sie dann in das Lager und von dort in die Haushalte.


Der interessante und lehrreiche Vormittag im Lagostina-Werk ging blitzschnell vorbei und so langsam mussten wir Abschied nehmen. Doch vorher gab es noch ein Picknick an einem herrlichen Fleckchen Erde, das Lillia entdeckt hatte. Von dort gab es einen wunderbaren Blick über den Lago Orta. Schöne Spezialitäten aus der Region hatte sie im Forum Cafè in Omegna besorgt.

Wir ließen uns Frittata, Reissalat aus Riso Nero Artemide, frisch gebackenes Brot, Salami, eingelegte Steinpilze und Artischocken schmecken. Ein besonderes Highlight waren auch die vier Käse von der Azienda Agricola Agrifolio: Toma Mottarone, Toma Mesma, Formaggella semidi di lino & curcuma und Ricotta fresca vaccina. Im Picknick-Körberl waren auch noch zwei Weine der Cantine Guidetti, mit denen wir zum Abschied noch anstoßen konnten.


Ein bisserl wehmütig trat ich die Heimreise nach München an und dort erwartete mich leider wieder Dauerregen und Kälte. Die wundervollen Tage in Italien habe ich sehr genossen und viel Freude daran gehabt. Mein herzlicher Dank geht an Lagostina für die Einladung und an Marie von Gourmet Connection für die perfekte Betreuung vor Ort.

Dienstag, 9. Juni 2015

Ein Besuch beim Rockstar unter den irischen Farmern

Vor dem Abschied von Irland stand noch der Besuch einer Milchfarm auf dem Programm. Wir besuchten Brian Cleary's Farm in Waterford, das direkt an der irischen Südküste liegt. Brian ist inzwischen genauso prominent, wie seine Farm, da beide im aktuellen Kerrygold-TV-Spot zu sehen sind. Den von kleinen Steinmauern begrenzten Weg, der im Spot zu sehen ist, sind wir auch gegangen. Er führt direkt zur Kuhweide, auf der die rund 70 Kühe von Brain stehen. Die Landschaft ist atemberaubend schön.




Diesen Ausblick haben Brians Kühe fast jeden Tag. Aufgrund des Golfstroms hat Irland ein ganz besonderes Klima. Es ist ziemlich konstant und wird nicht zu heiß und nicht zu kalt. Irische Kühe stehen rund 300 Tage im Jahr auf der Weide. Auch Nachts kommen sie nicht in den Stall, da auch die Nächte in Irland milde Temperaturen haben. Es ist ganz selbstverständlich, dass sie keine Silage zu fressen bekommen und damit ist die Milchqualität vergleichbar mit der Heumilch bei uns. Jede Kuh gibt täglich 25 Liter Milch. Die Bauern liefern die Milch an die Genossenschaft und von dort geht sie dann zu Kerrygold und wird zu Butter, Käse und diesem köstlichen Sahnelikör verarbeitet. Die Butter wurde bereits von Öko-Test mit "sehr gut" ausgezeichnet.




Wenn man Brian kennen lernt, versteht man, weshalb er auch schon das Fotomodell einer großen Werbe-Kampagne von Kerrygold in Deutschland war. Sein Foto ist in vielen Zeitschriften abgebildet und jetzt kann er auch noch im Fernsehen bewundert werden. Er ist sehr authentisch und mit Leib und Seele Milchbauer. Wenn er lacht, dann muss man einfach mitlachen. Auch seine Kühe lieben ihn heiß und innig. Sein größter Fan ist diese Kuh, die ihn während unseres Besuchs auf der Weide keine Sekunde von seiner Seite gewichen ist.





Die Farm ist bereits seit 130 Jahren in Familienbesitz und alle helfen mit. Brians Mutter hatte bereits einen besonders liebevollen Tee-Empfang für uns im Wintergarten vorbereitet. Es gab Scones mit Erdbeermarmelade, spotted dog - ein süßes Brot mit Butter, Kekse und Muffins. Dazu natürlich stilecht Tee. Alles war selbstgemacht und schmeckte sehr gut.




Wir konnten natürlich gar nicht anders, als hier eine längere Pause einlegen, wie geplant war. So beschlossen wir einfach das Mittagessen ausfallen zu lassen und genossen unsere Zeit bei der netten Familie.




Natürlich durften auch verschiedene Sandwiches nicht fehlen. Mein Favorit war das Eier-Sandwich.




Danach ging es direkt zum Flughafen in Dublin und es hieß leider Abschied nehmen von dem schönen Irland, seinen liebenswürdigen Menschen und unserer netten Reisegruppe. Ich möchte mich ganz herzlich für die Einladung, die schöne Zeit und die tolle Organisation bei Christina und Stephen von Kerrygold bedanken.

Und weil es so schön war, gibt es noch ein paar Impressionen von glücklichen Kühen:










Die Berichte der Kollegen:

Zorra von Kochtopf