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Sonntag, 5. Juli 2020

fine dining in Österreich: Harald Irka, Saziani Stuben in Straden, Steiermark

Wenn man viel "echtes Leben" hat und trotzdem noch versucht seiner Leidenschaft für gutes Essen und gehobener Kochkunst nachzugeben, dann kommt es manchmal dazu, dass man nicht so ganz "auf der Höhe der Zeit" ist. So geht es mir mit diesem Artikel. Auch in den Zeiten wirklich extremer Arbeitsbelastung haben wir immer nach Auszeiten gesucht und uns letzten Herbst eine kleine Reise nach Österreich mit vielen Höhepunkten gegönnt. Zeit, um diese Reise auch im Blog vorzustellen hatte ich keine mehr.

Jetzt bin ich eigentlich froh, dass ich noch schöne Momente für den Blog habe, da durch die Corona-Pandemie wir natürlich auch wesentlich weniger reisen und essen gehen konnten.

Zu meinen schönsten Erlebnissen letztes Jahr zählte ein Besuch im Weingut Neumeister in der Steiermark. Damals war noch der Ausnahmekoch Harald Irka für die Küche verantwortlich. Im Dezember hat er sich verabschiedet und bei Tom Riederers Pfarrhof eine neue kreative Heimat gefunden. Für die Saziani Stuben konnte Walter Triebl als neuer Küchenchef gewonnen werden. Auf unserer damaligen Reise konnten wir ihn noch in der Geniesserei in Graz erleben.

Der Aufenthalt hat uns ganz besonders gefallen, da die Kombination aus Küche, Ambiente, Gastfreundschaft, Gastzimmer und Landschaft mehr als gelungen ist. Wir möchten auf jeden Fall noch einmal hinfahren.


Auch das Frühstück war herausragend


Saiblingshaut, Salzzitrone, Oxalis
Goldrübe, Sonnenblume, Ricotta
Urkarotte, Orangenblüte, Mohn
Gurke, Grapefruit, Sesam
Stradener Feige, Frischkäse, Feigenblatt
Räucherfischpastete, Petergrün, Kren, Senfkaviar
Zucchini, Hendlleber, Pfirsich, Kreuzkümmel
Honigmelone, Erdnuss, Koriander

Saibling
Kohlrabi, Duftrose, Graumohn

Melanzani
Erdnuss, Pimpernelle, Kakao

Das Huhn, sein Futter und das Ei
Knuspriges Getreide, Sommertrüffel, Baumspinat

Wiener Schnecke
Kopfsalat, Petergrün, Fenchel


Milchkuh, X.O. BEEF
Rote Rübe, Holunder, Sellerie

Frisch Saftig Steirisch
Bio Gravensteiner, Haselnuss, Kokos, Topinambur

Sterz
Maitz Kaffee, Waldheidelbeeren, Steinpilzthymian


Donnerstag, 7. Juni 2012

Glückliche Sonnenschweine vom labonca Biohof in der Steiermark

Grausam hat der Wecker um 6.00 Uhr geklingelt. Um 7.30 Uhr sollte ich schon am vereinbarten Treffpunkt sein. Glücklicherweise habe ich das gut geschafft und gleich die Gruppe der Genußliebenden entdeckt. Katharina und ich haben uns gleichzeitig erkannt. Alles gut. Aus einem Taxi sprang der Web- und Sängermeister mit einem großen Karton in der Hand.  So eroberten wir unseren Bus. Es war alles top vorbereitet. Außer der arme Busfahrer, der war nicht auf uns vorbereitet. Alle hatten Getränke dabei, dabei hatte er doch gekühlte Getränke an Bord. Als Katharina liebevoll die wunderbaren warmen Topfengolatschen der Bäckerei Gragger verteilte, geriet seine Welt etwas aus den Fugen. Zumindest wurde die Devise ausgegeben: "Es wird bitte in die Tüte gebröselt!" Die Stimmung an Bus war ausgelassen und heiter. Katha machte uns näher bekannt und schwupps waren wir schon vor dem Laden von labonca.




Dort trafen wir Franz Wirth, den Koch der beiden Initiatoren. Zusammen mit Norbert Hackl, einem Biobauern, ging er einen sehr konsequenten Weg, um Schweine artgerecht zu halten, in Würde zu schlachten und komplett zu verwerten. Sie sind angetreten, um uns zu zeigen, wie Schweine früher geschmeckt haben. Keine Mangalitza-Schweine sollten es sein, sondern die Sonnenschweine, eine Kreuzung aus Duroc und dem Schwäbisch-Hällischen. Die Tiere leben auf einer großen Weide, angrenzend an ein Naturschutzgebiet. Sie können dort frei laufen, wühlen, sich suhlen, fressen, wenn sie Hunger haben. Die Ferkel werden ebenfalls im Freien geboren und haben genug Platz um zu spielen. Wer einmal fröhlich springende Ferkel sehen will, der muß unbedingt mal einen Besuch machen. Nähere Infos dazu findet Ihr auf der Homepage von labonca.

Gemeinsam ging es auf die Weide zu den Sonnenschweinen, die uns fröhlich begrüßten. Die hatten ja keine Ahnung, daß keine Vegetarier an Bord waren. Vor Ort erklärte uns Franz Wirth genau das Konzept und die Lebensbedingungen der Tiere. Es ist ein schlüssiges und eigentlich ganz simples Konzept. Artgerechte Haltung, möglichst stressfreie Schlachtung, vollständige Verwertung und gesunder Genuss für die Verbraucher. Labonca verfügt über die gesamte Kompetenz: Landwirt, Metzger, Koch!

Um diesen Gedanken noch konsequenter zu verfolgen ist der Bau eines Weideschlachthauses geplant. Um dies zu unterstützen können Genußscheine bei labonca erworben werden.















Nach diesen Erlebnissen, bin ich noch stärker überzeugt, lieber weniger, dafür nur gutes Fleisch zu essen. In Deutschland ist es kaum möglich die labonca-Produkte zu bekommen, alternativ stehen mir die Herrmannsdorfer Landwerkstätten zur Verfügung. Eine kleine Chance bleibt mir noch, da die Produkte auch beim Salzburger Heimatwerk erhältlich sind.

Wir hatten sehr viel Spaß mit den Schweinen auf der Weide und ich muß gestehen, daß sich trotzdem alle auf die bevorstehende Verkostung gefreut haben :-).

Labonca bietet nicht nur das rohe Fleisch der Tiere an, sondern hat eine breite Palette an Wurst, Schinken, Schmalz und Fleischaufstrichen im Programm. So kann jedes Schwein komplett verwertet werden. Auch hier wird sehr auf Qualität und biologischen Anbau der Zutaten geachtet.

Franz Wirth erklärte uns jedes Produkt genau und dann wanderte der Probierteller durch die Reihen. Wie Ihr an den Fotos sehen könnt, saß ich ganz hinten. Alles war unbeschreiblich köstlich, aber auch die letzte Reihe bekam noch eine Kostprobe ab. Jeder Teller ging leer zurück, das fand sogar Franz Wirth bemerkenswert.

Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir noch zwei Informationen von Franz Wirth:
- Schmalz soll nie in Plastik aufbewahrt werden, da sich die Weichmacher lösen
- Koriander kann mit Olivenöl und Salz zu einer Paste verarbeitet und eingefroren werden.





Völlig richtiges Verhalten: Katha schnuppert genussvoll





Schmalz mit Hanf

Schmalz mit Grammeln und Koriander

Fleischaufstrich mit Brennessel und Ingwer

gewürztes Rillette mit Brioche

weißer, geräucherter Speck

Käswurst

Schinken

Salametti

Fenchelsalami

Luftgetrockneter Edelschopf (Nacken)




Ganz herzlich möchte ich mich noch bei Hubert bedanken, der mir einige besonders schöne Fotos (darunter das von Katha) zur Verfügung gestellt hat.