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Montag, 10. Oktober 2016

Huhn mit unreifen Weintrauben

Im Kochbuch "Mit einer Prise Orient" von Jacqueline Amirfallah sind viele Rezepte, die mich sofort angesprochen haben. An einem Rezepttitel bin ich sofort hängen geblieben - Huhn mit unreifen Trauben. Die Autorin erwähnt zum Rezept, dass diese unreifen Trauben nicht so einfach zu bekommen sind und sie im Frühjahr einen Winzer aufsucht, die Trauben kauft und einfriert.

Es war Hochsommer und ich hatte die unreifen Trauben im Garten. Erst vor ein paar Tagen hat mir Herr bushcook eine Rebe gepflückt und gefragt, ob ich etwas damit machen will. Sie waren sehr klein, sehr grün und sehr sauer. Ich beschloss sie den Vögeln zu überlassen. Gut, dass ich das Rezept nur wenige Tage danach entdeckte und sofort alles pflückte, was noch in der Pergola hing.

Die mit geschmorten Trauben verleihen dem Gericht eine schöne säuerliche Note. Wer diese Idee aufgreifen möchte, aber keine unreifen Trauben bekommt, der kann getrocknete Sanddorn-Beeren verwenden oder ganz zum Schluss halbierte Stachelbeeren in das fertige Gericht geben.

Im Originalrezept werden frische Tomaten, gehäutet und halbiert, verwendet. Das würde ich das nächste Mal nicht mehr machen. Auch in der Hochsaison waren mir die Tomaten nicht süß und reif genug. Da sind Dosentomaten die bessere Alternative und sie zerfallen auch besser in der Sauce.

Ansonsten ist das ein ganz tolles Rezept für ein geschmortes Huhn, bei dem mir besonders gut gefällt, dass ein ganzes Huhn verwendet und die Brust separat im Ofen gegart wird.

Als Beilage passt Reis perfekt dazu. Wer, wie ich, einen Induktionsherd hat, der sollte den Reis nicht auf der niedrigsten Stufe garen. Diese Rezeptangabe ist für andere Herde geeignet, bei Induktion ist die Hitze einfach zu gering. Damit der Reis die schöne Kruste, wie in der persischen Küche üblich, bekommt, darf es bei meinem Herd (AEG Induktionsherd) mindestens die Stufe 3 sein.

Meine Rezension zu "Mit einer Prise Orient" findet Ihr hier.


für 4 Personen

1 Huhn
Meersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 Lorbeerblatt
3 rote Zwiebeln
2 EL Butterschmalz
1 EL Tomatenmark
1 Msp. gemahlener Safran
2 EL unreife Trauben oder Sanddorn-Beeren oder Stachelbeeren
4 mittelgroße Dosentomaten
1 Prise Zucker

Die Keulen vom Huhn abtrennen, am Gelenk halbieren und die Haut abziehen. (Wer möchte, kann die Haut alleine knusprig braten und extra reichen.) Die Brüste auslösen.

Die restliche Karkasse in einen großen Topf geben. Eine Zwiebel schälen, in grobe Würfel schneiden und dazugeben. Alles mit kaltem Wasser aufgießen, Salz, Pfeffer und Lorbeer hinzufügen. Das Wasser einmal kurz aufkochen lassen und dann die Hitze reduzieren, dass die Suppe nur leicht simmert. Etwa eine Stunde so köcheln lassen.

Die beiden verbliebenen Zwiebeln schälen und in feine Würfel schneiden. Den Backofen auf 120 Grad vorheizen. Das Butterschmalz in einem weiten Topf erhitzen. Die Hühnerbrüste salzen und auf der Hautseite anbraten, bis sie goldgelb ist. Dann auf der Fleischseite anbraten. Die Brüste herausheben, auf ein Gitter legen und beiseite stellen.

Nun die Hühnerkeulen salzen und rundum anbraten. Ebenfalls herausheben und zur Seite stellen. Im verbliebenen Fett die Zwiebelwürfel anschwitzen und dabei leicht salzen. Das Tomatenmark hinzugeben und rösten. Dann mit 250 ml von der frisch gekochten Hühnerbrühe ablöschen und den Safran einstreuen. (Die restliche Hühnerbrühe kann anderweitig verwendet werden. Ich friere sie meist ein, dann habe ich einen Vorrat. Das gegarte Fleisch von der Karkasse zupfe ich ab und mache einen kleinen Geflügelsalat davon.)

Nun die gebratenen Hühnerkeulen und die unreifen Trauben in die Sauce geben und den Deckel so auflegen, dass während des Garens der Dampf entweichen kann. Nach 10 Minuten die Keulen wenden und die Brüste in den Ofen schieben. Die Keulen für weitere 15 Minuten bei kleiner Hitze schmoren.

Die Dosentomaten abtropfen lassen, halbieren, in den Topf geben und für 10 Minuten mit schmoren. Sie sollen zerfallen und der Sauce eine Bindung geben. Die Sauce mit Salz, Zucker und etwas Pfeffer abschmecken.

Nun sollten auch die Hühnerbrüste fertig sein - sie brauchen 25 Minuten bei 120 Grad im Ofen.

Anrichten:
Die Keulen mit der Sauce auf einen Teller geben. Die Hühnerbrüste in breite Streifen schneiden und darauf geben. Wer ein paar Trauben aufgehoben hat, kann sie als Deko verwenden. Dazu Reis servieren.


Samstag, 8. Oktober 2016

Rezension: Mit einer Prise Orient
von Jacqueline Amirfallah

Die orientalische Küche hat es mir schon seit vielen Jahren angetan. Ich liebe die würzigen Aromen und die Vielfalt. Lag mein Schwerpunkt bisher eher bei der arabischen Küche, so habe ich mich jetzt auch mit der persischen Küche angefreundet. Sehr gerne habe ich Rezepte, die die traditionelle Hausmannskost mit gutem Kochhandwerk verbinden. Deshalb war ich neugierig auf das neue Kochbuch von Jacqueline Amirfallah "Mit einer Prise Orient".


Jacqueline Amirfallah wuchs im Iran auf und kehrte im Alter von 20 Jahren nach Deutschland zurück. In den 80er Jahren studierte sie zuerst Soziologie und widmete sich doch lieber ihrer Leidenschaft, dem Kochen. Im Göttinger Restaurant Muskat machte sie die Ausbildung zur Köchin. Nach den Lehr- und Wanderjahren in verschiedenen Restaurants, übernahm sie 1998 in Göttingen das Gauß - Restaurant am Theater. 2011 eröffnete sie ihr zweites Restaurant, das Bistro Apex. Einem breiten Publikum ist sie durch ihre regelmäßigen Auftritte in der Sendung ARD Buffet bekannt.

In dem Vorwort zu "Mit einer Prise Orient" beschreibt Jacqueline Amirfallah ihre Liebe zur deutschen Küche ihrer Mutter und zur persischen Küche ihres Vaters. Diese beiden Küchen wollte sie verknüpfen und das ist ihr gut gelungen. Zusätzlich bringt sie natürlich auch noch ihre Expertise als Profi-Köchin mit. Für mich gewinnen traditionelle Rezepte, wie sie daheim gekocht werden, sehr an Raffinesse, wenn sie mit professionellen Kochmethoden aufgewertet werden. Das ist oft nur ein kleiner Kniff und schon schmeckt es besser und sieht attraktiver aus. Exemplarisch möchte erwähnen, dass bei dem Gericht, das ich nachgekocht habe, die Hühnerbrust nicht mitgeschmort, sondern extra gebraten wird. Dadurch gibt es eine krosse Haut und die zarte Hühnerbrust bleibt saftig. Zum Schmoren eignen sich die Keulen sowieso besser und sie geben auch genug Geschmack an die Sauce.

Die Rezepte sind nach Zutaten gegliedert. Das gefällt mir gut, so kann man sich ein Menü oder ein kleines Buffet für einen schönen Abend mit Freunden selbst zusammen stellen. Es finden sich Rezepte zu:
- Gemüse
- Reis, Bulgur & Couscous
- Hülsenfrüchte & Getreide
- Fisch
- Fleisch
- Süßes
Jedes Rezept ist auf einer Doppelseite vorgestellt. Auf einer Seite finden sich die Zutatenliste mit den Zubereitungsschritten. Auf der gegenüberliegenden Seite ist das Rezeptbild. Die Fotos sind sehr atmosphärisch und mit wenig Accessoires dekoriert. Trotzdem steht der fertige Teller im Fokus und die Anrichtweise lässt sich gut erkennen. Hilfreich ist es, dass bei jedem Rezept die Personenanzahl angegeben ist, für die diese Menge gedacht ist. Aufgelockert werden die Rezeptkapitel mit der Vorstellung von Zutaten, die typisch für die persische Küche sind. Auch hier ist jeder Zutat ein ganzseitiges Foto zugeordnet.

Im Anhang findet sich ein alphabetisches Register mit einer Kombination aus Zutaten und Rezepttiteln.

Wer die persische Küche kennt, wird sich darüber freuen, dass typische Aromen oder ganze Gerichte neu interpretiert wurden. Die Bandbreite der Rezepte ist groß. Es finden sich klassische deutsche und persische "Hausmannskost", die auch so angerichtet wurden, wie man das daheim macht. Die beiden Küchen werden aber auch gelungen kombiniert und es finden sich Ideen für das Anrichten, wie in der gehobenen Gastronomie. Das gefällt mir besonders gut, da es Möglichkeiten aufzeigt, die köstliche orientalische Küche elegant anzurichten. Ich habe öfters schon orientalische Menüs für Gäste gekocht und bin meist bei der traditionellen Anrichtweise geblieben. Jetzt habe ich neue Anregungen.

Für diese Rezension habe ich zwei Gerichte nachgekocht. Ich habe viele ganze Gewürze daheim und bei einer "Spezialzutat" kam mir der Zufall zur Hilfe. Ansonsten sind alle Zutaten gut im Supermarkt erhältlich. Das Rezept ist genau und verständlich beschrieben. Somit war das Ausprobieren kein Problem. Geschmeckt hat es uns sehr gut.


Huhn mit unreifen Weintrauben
und persischer Reis


















Fazit:
"Mit einer Prise Orient" von Jacqueline Amirfallah ist ein sehr schön gestaltetes und hochwertiges Kochbuch. Es interpretiert die persische Küche neu und gibt viele Anregungen für Hobbyköche, aber auch für Profis, die sich mit der Aromatik dieser Küche auseinander setzen wollen. Man sollte schon über etwas Kocherfahrung verfügen, um gerade die Rezepte aus dem Restaurant von Jacqueline Amirfallah auszuprobieren.