Posts mit dem Label Wien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 16. Dezember 2017

Rezension: Vegetarische Winterküche von Paul Ivic

Die vegetarische Küche ist längst über eine Modeerscheinung hinausgewachsen. Immer mehr Menschen möchten sich vegetarisch ernähren. Vegetarische Gerichte sind auch für Fleischliebhaber interessant, die gerne Fleisch essen, aber weniger davon essen möchten und lieber auf die Qualität achten. Profi-Köche haben Freude daran, die Gäste mit kreativen Gemüsegerichten zu verwöhnen, da dort viel mehr Kreativität gefragt ist, als bei Fleischgerichten. Vegetarische Küche ist salonfähig und sogar mit Michelin-Sternen ausgezeichnet. Rechtzeitig zur kalten Jahreszeit ist nun das neue Kochbuch von Paul Ivic - "Vegetarische Winterküche" erschienen.



Mit starkem Willen und viel Fleiß engagierte sich der Tiroler Paul Ivic in den Küchen verschiedener Spitzenhotels in Österreich, Deutschland, Schweiz und Spanien. Er geriet in eine gesundheitliche Krise und änderte, auf Anraten des Arztes, seinen Lebensstil und entdeckte die vegetarische Küche für sich. Im Jahr 2011 bekam er von Christian Halper ein Angebot als Küchenchef für das Wiener Restaurant Tian. Er wollte dort ein vegetarisches Spitzen-Restaurant ins Leben rufen. Dieser Plan gelang und Paul Ivic ist der einzige vegetarische Koch in Österreich, der mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Dabei ist er selbst kein Vegetarier und isst immer noch Fleisch, allerdings in Maßen.

Die "Vegetarische Winterküche" ist sein zweites Buch. Vor zwei Jahren ist die "Vegetarische Sommerküche", ebenfalls bei Brandstätter erschienen. Bei diesem Buch haben mich die Optik und die Rezept-Ideen sehr angesprochen. Mit der praktischen Umsetzung war ich leider nicht glücklich. So etwas tut mir immer sehr leid, da ich das Engagement und die Arbeit aller Beteiligten bei einem Kochbuch sehr schätze. Ganz besonders schätze ich den Brandstätter Verlag, die sich mein "Magengrummeln" immer mit viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung anhören. Mit dieser kleinen Vorgeschichte im Gepäck war ich sehr gespannt auf das neue Kochbuch.

Nach meiner Erfahrung gehört es zu den spannendsten Aufgaben die Rezepte eines Spitzenkochs für den Hobbykoch aufzubereiten. Profis verwenden Rezepte als Inspiration und lassen sich nicht gerne in ein Korsett zwängen. Hobbyköche lieben die Sicherheit eines funktionierenden Rezepts und genau an dieser Schnittstelle braucht es eine Art "Übersetzer". Es ist meine tiefe Überzeugung, dass ein Profi "bessere" Rezepte entwickelt, als ein Laie, aber er kann sie nicht so gut aufbereiten. Wenn sich hier zwei finden, die sich verstehen, dann kann sich der Leser über feine und funktionierende Rezepte freuen, so wie in diesem Buch.

Die besondere Stimmung im Winter wurde mit sehr stimmungsvollen Fotos, die genau die Lichtstimmung zu dieser Jahreszeit wiederspiegeln, eingefangen. Nach ein paar persönlichen Worten von Paul Ivic zu seiner Philosophie geht es gleich los mit den 70 Rezepten. Unterteilt sind die Gerichte in die Kapitel "Winter-Highlights", "Suppen & Eintöpfe", "Wintersalate", "Fingerfood", "Hauptspeisen", "Süßes & Drinks", und "Homemade".

Für mich war es sehr spannend, über die Rezepte nachzudenken und, wenn ich sie mit einem knappen Begriff beschreiben müsste, dann fällt mir nur "dark horse" ein. Das beschreibt ein Understatement, bei dem man auf den ersten Blick nichts besonderes erkennt. Sobald man aber näher hinschaut, merkt man die Qualität. Rezepttitel, Anrichtweise und Foto zeigen eine gepflegte Alltagsküche. Umgang mit den Zutaten und Geschmack deuten ganz klar auf eine Spitzenküche hin. Der Spagat ist hier sehr gut gelungen.

Die Rezepte präsentieren sich ganz klassisch auf einer Doppelseite, wobei eine Seite für das Foto des fertigen Gerichts reserviert ist. Auf der gegenüber liegenden Seite finden sich Zutatenliste, Personenanzahl und der Zubereitungstext. Für den schnellen Blick gibt es noch Hinweise, ob ein Gericht auch vegan, gluten- oder laktosefrei ist.

Im Kapitel "Homemade" geht Paul Ivic auf die Qualität der Lebensmittel und die Vorratshaltung ein. Ausführlich vorgestellt (mit Schritt für Schritt-Fotos) werden Blätterteig, Germknödel und eingelegte Gemüse. Eine große Herausforderung der vegetarischen Küche sind Fonds. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein Fisch- oder Fleischfond viel Geschmack in ein Gericht bringt. Für die vegetarische Küche braucht es da Alternativen und Paul Ivic verrät seine Fond-Rezepte, wie er sie auch im Restaurant Tian kocht.

Sehr gut gelungen ist das alphabetische Register am Ende des Buches. Es listet die Rezepttitel, aber auch alle möglichen Zutaten mit den passenden Rezepten auf. So wird man schnell fündig, wenn man noch etwas im Vorrat hat.

Zum Nachkochen habe ich mir zwei sehr unterschiedliche Rezepte gesucht. Die Kartoffeln mit dem Kürbistatar lassen sich, mit ganz normal erhältlichen Zutaten, sehr gut am heimischen Herd kochen. Die Raffinesse liegt in dem sorgfältigen Umgang mit den Produkten. Natürlich könnte man die Kartoffeln ganz normal im Salzwasser kochen. Bei Paul Ivic kommen sie mit Walnussöl, Zitronenthymian, Lorbeer und Salz/Pfeffer in den Ofen. Das Kürbistatar verdankt den intensiven Geschmack der Säure der Limetten und belebt die Kartoffeln.  Der Saft lässt sich ziemlich einfach pressen und schmeckt ganz hervorragend.


Überbackene Kartoffeln mit Kürbistatar
Muntermacher

Ein Saft aus 400 gr. Papaya mit Kernen, 400 gr. Ananas, 10 gr. Ingwer, 80 gr. Staudensellerie und einer Limette.














Fazit:
Das Kochbuch "Vegetarische Winterküche" von Paul Ivic ist für Hobbyköche interessant, die großen Wert auf Geschmack legen und bereit sind, dafür ein paar Minuten mehr Zeit und Sorgfalt zu investieren. Die Zutaten sind im normalen Lebensmittelhandel gut erhältlich und es braucht keine spezielle Küchenausstattung zum Nachkochen. Wer Wert auf eine sehr gepflegte Alltagsküche legt, oder vegetarischen Gästen etwas Besonderes servieren möchte, wird an diesem Buch seine Freude finden. Auch für Profis bietet das Buch gute Anregungen, kreative vegetarische Gerichte auf die Karte zu nehmen.


Ende November kam der sympathische Paul Ivic in den Münchner Ableger des Restaurants Tian, um sein Kochbuch persönlich vorzustellen. Ich habe Euch ein paar Impressionen der Pressekonferenz mitgebracht
























Donnerstag, 17. November 2016

Rezension: Love Kitchen von Eschi Fiege

Vor zwei Jahren machte ich die Bekanntschaft von Eschi Fiege, leider nur über ihr Kochbuch "Mittagstisch - Leidenschaftlich vegetarisch". Da habe ich in Erfahrung gebracht, dass sie Freunde von Freunden leidenschaftlich gerne zum Mittagessen einlädt. Dann weht ein Geschirrtuch, wie eine Fahne, über den Naschmarkt. Meine Chancen zu so einem Mittagessen sind gar nicht so schlecht. Ab und zu bin ich in Wien und zum Thema "Freunde von Freunden" fällt mir etwas ein. Es wäre mir eine große Freude und eine Ehre von ihr bewirtet zu werden. Selbstredend war ich auch auf ihr neues Kochbuch "Love Kitchen" sehr gespannt.




Eschi Fiege ist Künstlerin, Filmemacherin und begeisterte Köchin. Praktischerweise lebt sie in Wien direkt am Naschmarkt und hat so die Inspiration jeden Tag vor Augen. Der Name ihres privaten Restaurants "Love Kitchen" war der Titelgeber für ihr neues Kochbuch.

Liebhaber der Kochbücher aus dem Brandstätter Verlag, können sich darüber freuen, dass es die fast schon "klassische" Größe und Ausstattung hat. Wer auf dem Foto die Lesebändchen vermisst, den kann ich beruhigen. Es gibt zwei, sie stecken nur noch im Buch, in den Farben rosa und hellblau.

Die beiden Lesebändchen weisen schon drauf hin, es ist ein besonders liebevolles Kochbuch mit Rezepten für zwei Personen. Es soll anregen, kleine und feine Menüs zu zweit zu genießen oder auch schon gemeinsam zu kochen. So folgen die Kapitel auch dem klassischen Menü-Aufbau von "Vorspeisen", über "Hauptspeisen" zu den "Nachspeisen". Ergänzend finden wir auch noch "kleine Geheimnisse" und "Drinks".

Für jedes Rezept ist eine Doppelseite vorgesehen. Auf einer Seite das stimmungsvolle Rezeptbild, auf der gegenüber liegenden Seite die Zutatenliste mit der Rezeptbeschreibung. Die Rezepttexte sind sehr detailliert und gut zu verstehen. Die Zutaten für die Gerichte sind in gut sortierten Supermärkten erhältlich zum Nachkochen genügt eine normal ausgestattete Haushaltsküche. Für das schnelle Finden der Rezepte gibt es ein alphabetisches Register, in dem nicht nur die Rezepttitel, sondern auch einzelne Zutaten aufgelistet sind.

Ausprobieren wollte ich viele Rezepte, da mich der Stil sehr angesprochen hat. Ich mag feine Gerichte, die einfach aussehen und gerade in dieser Einfachheit liegen Charme und Herausforderung. An solche Gericht erinnert man sich noch länger und bei einem Menü für einen besonderen Menschen sollte das auch so sein. Völlig fasziniert war ich von "Jakobsmuscheln mit Blumenkohlcreme und schwarzen Johannisbeeren", aber die Saison der schwarzen Johannisbeeren war schon lange vorbei. Das werde ich nächstes Jahr kochen, da mich sehr interessiert, wie die schwarzen Johannisbeeren sich in diesem Gericht machen. So entschied ich mich für ein Lammgericht, für das man viel Salbei braucht, da der Salbei im Garten in voller Pracht steht. Zusätzlich probierte ich die feine Variation eines typisch elsässischen Aperitifs aus. Den dafür nötigen Picon habe ich schon lange hier stehen. In der Küche hat alles wunderbar geklappt und bei Tisch hat es uns sehr gut geschmeckt.




















Rebel without a cause - Amer Bière

Der klassische Bier-Aperitif aus dem Elsass, aufgepeppt mit Orange.
















Fazit:
"Love Kitchen" von Eschi Fiege ist ein sehr schönes Kochbuch, mit vielen liebevollen Details und regt nicht nur zum Nachkochen, sondern auch zum schmökern an. Hobbyköche, die Inspirationen für Menüs suchen, die sie auch gut bewältigen können, finden darin viele Anregungen.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Rezension: Rose, Schwein und Feigenblatt
von Margot Van Assche

Der Kochbuchmarkt entwickelt sich so schnell, dass es sogar mir schwer fällt den Überblick zu bewahren. Auffällig für mich ist, dass manche Themen so gehypt werden, dass es schon gar keine Freude mehr macht, sich mit neuen Kochbüchern in diesem Segment zu beschäftigen. Da fiel mir das Kochbuch "Rose, Schwein und Feigenblatt" wohltuend auf, da es ein eigenes Konzept verfolgt.


Die Autorin Margot Van Assche ist Ärztin und führt in Wien eine Praxis für Naturheilkunde. In ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kochen und führte fünf Jahre lang einen Supperclub und hielt Kochkurse ab. Sie experimentiert gerne mit neuen Aromen und gemeinsam mit fünf Freundinnen entwickelt sie die Rezepte zu neuen Gerichten.

Die Fotografin Maryam Yeganehfar, die auch zum Team der fünf Freundinnen gehört, wurde in Teheran geboren, wuchs aber in Wien auf. Nach einem Marketing Studium gründete sie eine Eventagentur. Neben dem Kochen gehört ihre Leidenschaft der Fotografie.

Das großformatige Buch widmet sich 12 verschiedenen Zutaten und stellt 100 Rezepte vor. Nach einer kurzen Einleitung, in der die Autorin ihr Konzept und ihre Zutaten (mit Hinweisen zu Varianten bei Laktose- oder Gluten-Unverträglichkeit) vorstellt, startet der Rezeptteil mit der Holunderblüte. Die Rezepte haben jeweils eine Doppelseite zur Verfügung. Auf einer Seite finden wir einen kleinen Einführungstext, die Zutatenliste und die Anweisungen für die Zubereitung. Oft gibt es noch Hinweise für Varianten bei Allergien, Resteverwertung oder allgemeine Tipps. Die gegenüberliegende Seite illustriert das Gericht mit stimmungsvollen Fotos. Bei vielen Rezepten sind sogar mehrere Fotos vorhanden, um einzelne Zubereitungsschritte besser zu erklären. Neben der Holunderblüte sind die weiteren Zutaten: Maiwipfel, Feigenblatt, Liebstöckl, Heu, Fenchelblüte, Rose, Safran, Passionsfrucht, Chipotle, Yuzu und Tapioka.

Sehr hilfreich ist das alphabetische Rezeptregister im Anhang. Bei jedem Rezept ist gekennzeichnet, ob es milch- oder glutenfrei ist. Wenn sich die beiden Allergene einfach ersetzen lassen, ist auch dies angegeben. Zusätzlich sind in einem alphabetischen Index die einzelnen Zutaten der Rezepte und weitere Fachbegriffe aufgelistet. Auch an eine kleine "Übersetzungshilfe" Österreichisch und Deutsch wurde gedacht. Wer keinen Zugang zu den ungewöhnlichen Zutaten hat, dem hilft eine Liste mit online-Bezugsquellen.

Die Auswahl des Rezepts zum Nachkochen war gar nicht so einfach, weil mich sehr viele Gerichte angesprochen haben und ich neugierig war, wie sie schmecken würden. Besonders erwähnen möchte ich, dass in diesem Buch Rezepte enthalten sind, wie man sie so nicht kennt und nicht das Gefühl hat, sie bereits in mehreren Büchern gesehen zu haben. Als große Liebhaberin von Zitrusaromen und weil ich noch ein Fläschen Yuzu im Kühlschrank hatte, fiel meine Wahl auf ein Selleriegericht. Das Rezept war klar und deutlich formuliert und ich bin sehr gut damit zurecht gekommen. Bei ein paar Kleinigkeiten hätte ich es anders gemacht. Geschmacklich hat es genau meine Vorlieben getroffen und das werde ich wieder einmal kochen - in meiner Version.


"Rose, Schwein und Feigenblatt" ist ein optisch sehr ansprechendes und inspirierendes Buch. Die Gerichte sind interessant und neu und lassen sich auch von Hobbyköchen mit normalem Equipment und Fertigkeiten nachkochen. Die größte Herausforderung dürfte die Beschaffung der besonderen Zutaten sein. Dafür steht eine Liste mit Bezugsquellen zur Verfügung.

Freitag, 10. Juli 2015

Halbfinale in Wien zum Patissier und Koch des Jahres

Heuer wird zum dritten Mal der Wettbewerb Koch des Jahres ausgetragen. Und zum ersten Mal können sich auch die Vertreter der süßen Kochkunst dem Wettbewerb stellen und den Patissier des Jahres ermitteln. Weshalb finden solche Wettbewerbe statt?

Ziel ist es, den Koch-Nachwuchs zu fördern und talentierte Köche ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Dazu braucht es jede Menge Unterstützer, die die ganze Veranstaltung auf die Beine stellen. Eine Jury bewertet die Gerichte der Kandidaten und die ist in diesem Fall sehr hochkarätig besetzt. Rund um den Wettbewerb lassen sich interessante Produkte entdecken und auf der Bühne stellen Spitzen-Köche ihre Ideen und Gerichte vor. So gleicht es einer Art Messe mit Koch-Wettbewerb und Rahmenprogramm.

Am ersten Tag standen die Patissiers im Mittelpunkt und die meisten Wettbewerbs-Teller waren bereits fertig und von der Jury verkostet, als ich in Wien angekommen bin.

Die Bewerber müssen Rezepte einreichen, die dem umfangreichen Regelwerk entsprechen müssen und von der hochkarätigen Jury beurteilt werden. Gefordert waren ein 3-Komponenten-Dessert, ein Freestyle-Dessert und eine Freestyle-Praline. Wer zum Halbfinale eingeladen wird, darf einen Assistenten mitbringen und hat 5 Stunden Zeit für die Zubereitung. Danach müssen die beiden Desserts mit 6 Portionen und 15 Stück von der Praline fertig sein. Jeweils zwei Teller werden ausgestellt und die anderen vier gehen an die Jury zur Verkostung. Ja, Jury müsste man sein.

Die Jury wählt unter allen Teams zwei aus, die sich damit für das Finale in Köln, anlässlich der Anuga, qualifizieren.

Einen Blick auf die Kreationen, die an einem langen Tisch aufgebaut wurden, konnte ich erhaschen. Naschen war leider nicht erlaubt.



Auf der Bühne demonstrierte René Frank, der Patissier des La Vie in Osnabrück, den Umgang mit Soja, Tofu & Co. im Dessertbereich. Besonders gut gefallen hat mir die Idee, Eis nicht zur Nocke abzustechen, sondern mit einem Holzstempel zu einer Art Scheibe zu formen. Das ist eine sehr gute Alternative für mein nicht vorhandenes Nocken-Talent. Er und seine Kollegen richteten auch noch viele Probierportionen an und zu meiner großen Freude habe ich eine erwischt. Das Padanusblätter-Eis war wunderbar.


Mit dem nächsten Star der "süßen Szene" ging es auf der Bühne weiter. Andy Vorbusch vom Sööt in Düsseldorf präsentierte unter dem Titel "Beyond the Edge" seine Gedanken und Ideen zur Entwicklung eines Desserts. Und so entstand ein Meeresfrüchtesalat als Dessert.


So langsam wurde es Zeit für die Sieger-Ehrung und die Moderatoren Miguel Contreras und Marcus Hannig baten die Jury auf die Bühne: Christian Hümbs (Haerlin), René Frank (La Vie), Andy Vorbusch (Sööt), Dominik Fitz (Hangar 7), Matthias Mittermeier (Pfersich Trendforum) und Thomas Naderer (Landhaus Bacher).



Bei den Wettbewerbs-Teilnehmern war die Spannung zu spüren, als alle Zweiter-Teams auf der Bühne standen. So langsam wurden sie erlöst. Der Chef-Patissier des Central in Sölden, Raffaele de Luca und sein Assistent Michael Köffler haben mit den Kreationen "Der Tiroler Wald", Mohn-Marillenbaum mit Kaffee, Schüttelbrotpraline und Vom Minzsprössling bis hin zum After Eight den zweiten Platz belegt.

Gewonnen haben Enrico Christ (Chef-Patissier vom Restaurant Atelier im Bayerischen Hof in München) und Joshua Ellermann mit Asiatischer Frühling, Shiso-Avocado-Sesam, Mohn/Kaffee/Marille, Macaron/Heidelbeer-Veilchen-Joghurt und Granny-Smith-Praline.




Der zweite Tag gehörte den Köchen, die nun die Finalisten für den Wettbewerb Koch des Jahres suchten. An diesem Tag hatte ich mehr Zeit und konnte mich über die Aussteller besser informieren. Da ich meist ohne Frühstück aus dem Haus gehe, war ich froh, dass ich die neuesten Rezeptideen von iSi probieren konnte. Es gab knuspriges Schwein auf kaltem Erdäpfelschaum und Espuma vom Apfelstrudel auf Nusskrokant in einem kleinen Cornetto.



Die roten Messer von Dick verfolgen mich ja schon lange. Sie gefallen mir sehr gut und würden auch perfekt zu meiner rot-grauen Küche passen. Einziger Nachteil: ich habe seit über 20 Jahren Dick-Messer und die gehen einfach nicht kaputt.



Am zweiten Tag war ich deutlich früher bei der Veranstaltung und der Wettbewerb war bereits in vollem Gange. Auch die Köche haben sich an die Wettbewerbs-Regeln zu halten. Sie müssen in fünf Stunden ein 3-Gang-Menü kochen. Dabei muss das Gesamtgewicht der Speisen pro Person zwischen 500 - 600 Gramm liegen und der Wareneinsatz darf 16 EUR pro Person nicht übersteigen. Dabei starten die Teams immer mit 25 Minuten Abstand, damit die warmen Teller auch gestaffelt bei der Jury ankommen.


Hochkonzentriert verkostet die Jury das Menü der Teilnehmer: Thomas Bühner (La Vie), Oriol Castro (Compartir und Disfrutar), Sebastian Frank (Horvàth), Silvio Nickol (Palais Coburg), Oliver Scheiblbauer (Chef's Table), Andreas Senn (Senns Restaurant), Lisl Wagner-Bacher (Landhaus Bacher) und Sebastian Zier (Einstein).


Für die Besucher der Veranstaltung gab es reichlich Gelegenheit sich an verschiedenen Köstlichkeiten satt zu essen.



Die erste Bühnenshow gestaltete Alex Theil vom Restaurant Mercado in Wien. Unter dem Titel "Latin Inspired Market Cuisine" servierte er mehrere Kostproben. Besonders begeistert haben mich die zitrusmarinierten Meeresfrüchte mit peruanischer Chilipaste und das Maya-Hühnchen mit Brokkoli und Maisgries. Ich war sehr überrascht über den feinen und würzigen Geschmack. Bisher konnte ich der lateinamerikanischen Küche nicht viel abgewinnen. Hier wurde ich vom Gegenteil überzeugt.



Im Mittelpunkt des Vortrags von Thomas Bühner stand das Getreide. Auf einem Tablett wanderten Produktproben durch das Publikum. Thomas Bühner erläuterte, wie er eins seiner signature-dishes im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat. Das Rezept für das Gemüse-Müsli ist schon in seinem ersten Kochbuch, dem Kochschätzchen, enthalten. Bei unserem Besuch im La Vie wurde uns das damals auch serviert und ich habe mich sehr gefreut, dass ich eine der Probierportion bekommen konnte.


Sebastian Frank vom Restaurant Horvàth in Berlin stellte seine "Emanzipatorische Küche" vor.



Im vierten Vortrag stellte Oriol Castro unter dem Titel "Spanien: Neue Wege der Gastronomie" signatur dishes aus seinen Restaurants Disfrutar und Compartir vor. Er war viele Jahre Küchenchef bei Ferran Adria im El Bulli und hat, nach der Schließung, mit zwei seiner bisherigen Kollegen die neuen Restaurants eröffnet.




Vor der Siegerehrung konnten sich die Besucher an verschiedenen Kochstationen stärken. Da ich bei den Bühnenshows so viel Glück mit den Probierportionen hatte, war ich gar nicht mehr hungrig. Deshalb wollte ich eigentlich gar nichts mehr essen, aber unbedingt Roman Wurzer begrüßen, den ich vor zwei Jahren in seinem damaligen Restaurant Prado in Graz kennengelernt habe. Vor lauter Wiedersehensfreude hat er mir gleich einen Teller in die Hand gedrückt und ich habe vergessen ihn zu fotografieren. Die Lachsforelle mit Gurke, eingelegter Zuckermelone und Gin-Tonic-Gelee war ausgezeichnet und schön frisch. Wer wissen will, wie er aussieht, muss im Babenbergerhof in Wien-Mödling vorbei schauen.




Jetzt wurde es endlich Zeit für die Siegerehrung und das Ticket für die Teilnahme am Finale in Köln. Mit dem Menü "Gurke | Wasabi | Brot", "Schweinebauch | Koriander | Wurzelgemüse" und "Mandel | Zitronengras | Pergamot" erreichte der Chef-Patissier des Reinstoff in Berlin, Jens Hildebrandt mit seinem Assistenten Michael Hummel den zweiten Platz.

Gewinner des Halbfinales wurde Simon Stirnal vom Schloss Loersfeld in Kerpen. Er und seine Assistentin Julia Komp servierten der Jury "Tomate im Zwiebelbeet mit Brunnenkresse", "Filet von der Nordsee Seezunge, Gartenerbsen, Pilze, Speck, Hummer-Tonkabohnen-Bisqué" und "Erdbeere | Buttermilch | Petersilie".

Mit einem Abschiedsblick auf das Teilnehmerfoto fällt nochmal auf, das bei beiden Wettbewerben sehr wenig weibliche Köche dabei waren. Und die zwei, drei Köchinnen waren auch nur als Assistentinnen dabei. Da hoffe ich doch sehr, dass in den nächsten Jahren sich auch einmal ein paar Damen qualifizieren können, um der Jury ihr Können zu zeigen.


Dienstag, 2. September 2014

Rezension:
Eschi Fieges Mittagstisch leidenschaftlich vegetarisch

Schon wieder ein vegetarisches Kochbuch, war mein erster Gedanke, als ich "Mittagstisch leidenschaftlich vegetarisch" von Eschi Fiege in der Hand hielt. Dann begann ich mich mit dem Buch und vor allem der Autorin auseinander zu setzen.

Eschi Fiege ist eine Wiener Künstlerin, die Kunst studiert, in der Werbebranche tätig und Filme gemacht hat. Ihre große Liebe gehört dem Kochen und mit noch größerer Leidenschaft bekocht sie Menschen. Passenderweise ist ihre Wohnung am Wiener Naschmarkt und ich empfehle jedem Besucher den Blick auch einmal nach oben zu richten. Wenn es bei Eschi Fiege Mittagessen gibt, dann hißt sie ein rot-weiß-kariertes Tischtuch wie eine Fahne vom Balkon. Jetzt wäre es gut, wenn man jemand kennt, der jemand kennt, der Eschi kennt. Sie lädt zweimal in der Woche Freunde, Freunde von Freunden und deren Bekannte zu einem 3-gängigen Mittags-Menü ein.

Für ihr erstes Kochbuch "Mittagstisch leidenschaftlich vegetarisch" konnte sie natürlich aus dem Vollen schöpfen und verrät ihre liebsten vegetarischen Rezepte.





Das gebundene Buch ist in der bewährten Qualität und Ausstattung, wie man es vom Brandstätter Verlag kennt. Ein liebenswertes Detail ist neu. Das Buch hat eine Art "Bauchbinde" und wenn man die abnimmt und auseinander faltet, dann bekommt man ein rot-weiß-kariertes Papiertischtuch. So kann man sich ein bisserl fühlen, wie ein Gast an Eschi Fieges Mittagstisch.

Nach einer kurzen Einleitung, bei der wir auch einen Blick in Eschis Wohnung werfen dürfen, geht es gleich mit dem Kapitel Vorspeisen los. Da ist alles dabei: Suppen, Salate, Gemüsegerichte, Hülsenfrüchte und das quer durch alle Jahreszeiten. Viele Rezepte lassen sich ganzjährig zubereiten.

Auf die Hauptspeisen legt Eschi ein besonderes Augenmerk und sieht sie als Herzstück des Menüs. Die Gerichte sind vielfältig und bunt. Sie haben ihre Wurzeln in Österreich, Italien, Asien, aber auch in Deutschland und der Schweiz. So sind eben auch Älplermagronen und Bohnentopf mit Birnen zu finden.

Die Desserts sind mit Torten, Kuchen, Eis, Cremes und Obst ebenso fantasievoll, wie die anderen Gerichte. Abschließend gibt es noch einige Grundrezepte, konkrete Menüvorschläge und ein alphabetisches Rezeptregister.

Jedes Rezept wird auf einer Doppelseite, mit einem ganzseitigen Foto auf der einen Seite und Zutatenliste und Beschreibung der Zutaten auf der anderen Seite, vorgestellt. Oft gibt es noch eine "Spielanleitung" mit Alternativ-Vorschlägen oder Ergänzungen von Eschi.

Zwischen den Rezepten stecken noch Menüempfehlungen und kleine Hinweise von Eschi, um zu verstehen, was sie antreibt. Meine Lieblingsstelle ist ihre Ausführung zum Thema Rezepte. Unbedingt lesenswert und mit viel Humor geschrieben. Sie fordert uns auf: "Machen Sie auch mit meinen Rezepten, was immer Sie wollen. Ich nehme es als Kompliment."

So eine freundliche Einladung lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen und das Menü "Pack die Badehose ein!" ist mir besonders ins Auge gesprungen. Aus dem Bürogarten hatte ich frische Gurken, Zucchini und Auberginen. Zu der Zeit, als ich es gekocht habe, gab es gerade noch die letzten Erdbeeren und die ersten reifen Pfirsiche. Da konnte ich nicht widerstehen und wenn ich Eschi richtig verstanden habe, sollte man so einer Laune auch nachgeben.


Gartengurke mit kühler Ingwersauce:
Ein ganz tolles Gericht mit Gurke, das ich noch gesondert vorstellen werde.

 

Gemischte Parmigiana:
Ein klassisches italienisches Rezept bei dem hier Zucchini mit den Auberginen kombiniert werden. Ansonsten macht es etwas Arbeit mit dem Braten und Schichten der Gemüsestreifen, schmeckt aber so lecker, dass es jeden Aufwand wert ist.




Weingartenpfirsiche im Orangensirup:
Die Pfirsiche und Erdbeeren werden in Zuckersirup mariniert, der mit Zitrone und Pomeranzenblütenwasser aromatisiert ist. Eschi Fiege schreibt, dass sie sich trauen würde dazu eine leicht angeschlagene Sahne mit etwas Sahne-Gorgonzola vermengt, zu servieren. Ich habe mich getraut und es schmeckte wunderbar.



Fazit:

Die Rezepte sind sehr fantasievoll und lassen sich zum größten Teil mit dem Standard-Repertoire eines Supermarkts nachkochen. Grundkenntnisse des Kochens sollte man haben, dann steht nichts mehr im Wege, Gäste zum Mittagstisch einzuladen. Die Rezepte, die ich ausprobiert habe, waren sehr gut nachzukochen und gelingsicher. Geschmeckt haben sie ebenfalls sehr fein. Mein Rezept für die Parmigiana ist fast identisch, Eschi ergänzt noch mit Zucchini. Die Pfirsiche im Orangensirup und die Gurke mit der Ingwersauce haben uns begeistert und das wird es künftig in der Saison öfter geben weil es auch schnell gemacht ist.

Wer auf der Suche nach alltagstauglichen vegetarischen Rezepten mit Pfiff ist, der findet in Eschi Fieges "Mittagstisch leidenschaftlich vegetarisch" viele schöne Anregungen.

Und ich hoffe, dass ich bis zu meinem nächsten Wien-Aufenthalt jemand kennengelernt habe, der Eschi kennt.

Sonntag, 1. Juni 2014

Rezension: Wilde Beeren
von Luzia Ellert und Gabriele Halper

In meiner Kochbuch-Sammlung befinden sich sehr viele Kochbücher der beiden erfolgreichen Autorinnen Luzia Ellert und Gabriele Halper. Die beiden Wienerinnen arbeiten nun schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich zusammen. Luzia Ellert zeichnet für die künstlerischen und sehr ästhetischen Fotos verantwortlich. Sie gilt als eine der renommiertesten Food-Fotografen überhaupt und hat auch die Fotos für Bücher von Johanna Maier, Johannes King, Dieter Müller, Alexander Herrmann, Kolja Kleeberg, Christian Jürgens und Tim Raue gemacht.

Gabriele Halper, deren Eltern ein Altwiener Wirtshaus führten, machte eine Ausbildung zur Köchin und ist seit 1999 als Foodstylistin und Rezeptautorin tätig. Ich bin ein großer Fan ihrer Rezepte, die sich vor allem durch sehr gute Umsetzbarkeit und das "gewisse Etwas" auszeichnen. Von ihren Büchern, die in der Collection Rolf Heyne erschienen sind, besitze ich alle und habe auch schon einiges daraus gekocht. Die Rezepte funktionieren sehr gut und das Ergebnis ist immer sehr schmackhaft.

Rechtzeitig zum Start der Beeren-Saison ist nun das neue Buch des Erfolgs-Duos Halper/Ellert erschienen: Wilde Beeren.


Wilde Beeren
Luzia Ellert nimmt uns mit sehr stimmungsvollen Aufnahmen zu einer Reise aufs Land mit. Da wo wir die wilden Beeren frisch und reif von den Sträuchern zupfen können. Mit viel Liebe zum Details fotografiert sie den Wandel der Natur, die die einzelnen Jahreszeiten bringen und erntet Beeren, die zu den unterschiedlichsten Köstlichkeiten verarbeitet werden. Ergänzt werden die Bilder mit Anekdoten, die uns in die Lage versetzen, die Wochenend-Stimmung in einem hübschen Ferienhaus zu verspüren.

Wilde Beeren ist kein ausschließliches Kochbuch, sondern ein Bildband zum Schmökern, Staunen und Träumen. Wir können es zu jederzeit in die Hand nehmen und den Verlauf des Jahres mitverfolgen. So sind die Kapitel auch nicht nach unterschiedlichen Speisen oder Beeren gegliedert, sondern beschreiben kleine Alltags-Geschichten wie "Noch so ein Sommertag", "Letzte Ernte" oder "Wenn der Garten aufgeräumt".

Das macht es natürlich schwer Rezepte zu finden. Dies wurde sehr gut mit einem alphabetischen Rezeptregister und einem Register nach Beeren ausgeglichen. Die Rezepte zeigen die Vielfältigkeit von Beeren. Da gibt es natürlich Desserts, Eis und Kuchen und viele Ideen, um die Schätze für die beeren-lose Zeit haltbar zu machen, aber auch pikante Gerichte sind vertreten.

Wenn es ein Rezept von Gabriele Halper ist, dann weiß ich, dass ich mich darauf verlassen kann. Deshalb war ich so mutig und habe die Erdbeer-Mandel-Torte mit Holunderblütencreme als Dessert für ein Menü für 26 Personen ausgewählt, ohne es jemals vorher ausprobiert zu haben. Das hat natürlich bestens funktioniert, obwohl ich die Menge erhöht und es auch noch glutenfrei gestaltet habe. Den Fliedersirup wollte ich gerne machen, um es mit meinem lange bewährten Rezept zu vergleichen und der Salat bot sich als schnelles Abendessen an.


Fliederblütensirup

Gebratene Hendlbrust auf Rucola-Himbeer-Salat
mit Himbeeressig














Erdbeer-Mandel-Torte mit Holunderblütencreme











Wilde Beeren ist ein Buch für Liebhaber von schönen Bildern, schönen Geschichten und schönen Rezepten. Es ist mehr als ein Kochbuch und ich kann es mir auch als sehr schönes Geschenk vorstellen. Es hat auf jeden Fall die Chance öfter als ein reines Kochbuch aus dem Regal genommen zu werden, da man es sich damit auch einfach so auf der Couch gemütlich machen können.

Wenn ich das Interesse jetzt an den Rezepten von Gabriele Halper geweckt habe, dann empfehle ich besonders die Bände der Kulinarischen Bibliothek (Tomate, Kartoffel, Citrus, Chili, Schokolade, Ingwer) und das Buch Fleischeslust.



Bildnachweis: Ariane Bille

Mein Beitrag zur großen Rezensions-Woche der Foodblogger - Jeden Tag ein Buch.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Jenseits von Grinzing - Heuriger im 10er Marie

Grinzing, Weinseeligkeit, das kennt der Tourist. A Stückerl von Wien, aber muß der Tourist es unbedingt erlebt haben. Mit 16 war ich mit der Schule auf Abschlußfahrt in Wien und in Grinzig. Lustig wars, die Lehrerin war nervös und viel mehr Erinnerung habe ich nicht mehr. Deshalb wollte ich es unbedingt noch einmal erleben.

Der von mir sehr geschätze Beppo Beyerl schreibt in seinem mehr als empfehlenswerten Wien-Führer, daß in Grinzing die Piefke laut schmettern: "Warum ist es am Rhein so schön?". Davor fürchte ich mich schon im Rheinland - in Wien brauche ich das noch weniger.

Aus taktischen Gründen sind wir an einem Wochentag Mittags mit der Bim nach Grinzing gefahren. Eigentlich ist es sehr schön und hat viel Charme. Das gastronomische Angebot entspricht nicht so unserem Geschmack.  Aber, oben auf dem Cobenzl, da verschlägt es dem Tourist den Atem. Ganz Wien liegt ihm zu Füßen. Für mich ein ganz wichtiger Programmpunkt.

Das war jetzt Grinzing in alternativ, aber ein Heuriger wäre doch noch schön. Dem braven Tourist hilft da immer der Zufall und die Bim bringt ihn einfach hin. Das ist überhaupt mein ultimativer Tip für Städtereisen aller Art. Wenn man müde ist und nicht mehr laufen mag, einfach in eine Straßenbahn einsteigen. Da kann man sich ein bisserl ausruhen und sieht trotzdem was. Auf dieser Fahrten haben wir die 10er Marie entdeckt. Die hat von außen schon so entzückend ausgesehen, da muß man einfach einkehren.


Auf dem Platz davor gibt es viele Bänke und ganz viele ältere Menschen sind da gesessen und haben sich unterhalten. Da dachte ich noch, toll, ein Platz der Begegnung. Die 10er Marie öffnete ihr grünes Tor und schlagartig sprangen alle auf und stürmten in den hübschen Innenhof. Das wollten wir doch genauer wissen.

Fast alle Tische sind reserviert, der Profi findet jetzt heraus, wo die Tische mit den spätesten Reservierungszeiten sind. Besonders begehrt sind die mit 3 bis 3 1/2 Stunden Zeit. Zwei Stunden geht so zur Not....


Man beachte die Weinkrügerl mit den eingesteckten Zetteln - da steht die Reservierungszeit drauf. Nachmittags findet sich ein Plätzchen. Wer abends hingehen will, bitte reservieren....

Für den Hunger gibt es eine Theke mit diversem Gebratenem und Frittiertem und Salaten. Da kann man sich holen, worauf man einfach Lust hat. Und es schmeckt!

Schweinebraten mit Kartoffelsalat

 Kümmelbraten mit Gurkensalat

Als Münchnerin, die die Biergarten-Tradition liebt und nur das Bier nicht mag, ist die 10er Marie mein persönlicher Nockerberg. Auch wenn das jetzt keiner versteht :-).

Wer Wien ungezwungen und so erleben möchte, wie es für ihn passend ist, dem empfehle ich nochmals den Wien-Führer von Beppo. Und ich bin sehr glücklich darüber, daß er sich Zeit genommen hat und uns über den Zentralfriedhof geführt hat. Ein Wien-Besuch ohne Zentralfriedhof, ist wie ein Wien-Besuch ohne Heurigen. Und mit Beppo in Fleisch und Blut oder in Wort und Bild wird's gleich noch a bisserl spezieller.




Montag, 29. Oktober 2012

Meierei, Wien - bestes Frühstück der Stadt

Frühstück ist die Mahlzeit des Tages, auf die ich am leichtesten verzichten könnte. Meistens verzichte ich auch und gehe ohne etwas aus dem Haus. Am liebsten buche ich Übernachtungen ohne Frühstück. Diese Frühstück-Buffets sind mir ein Graus. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich bei Frühstück schrecklich kompromisslos. Wenn es nicht ganz großes Kino ist, dann lieber gar nichts.

Wir waren in Wien nur dreimal frühstücken und auf dieses habe ich mich besonders gefreut. So geht Frühstück - nur so!!!!

In der Meierei am Rand des Stadtparks kann man auch so einen Frühstücks-Muffel wie mich begeistern. Man kann wählen zwischen Meierei-Frühstück, Stadtpark-Frühstück und Steirereck-Frühstück. Zusätzlich gibt es auch noch Ergänzungen auf der Karte oder man pickt sich einzelne Gerichte heraus.

Herr bushcook entschied sich für das Meierei-Frühstück:


Buttermilchcreme mit Himbeeren

Käseomelette Meierei und gebeizter Wildlachs

Drei große Käse aus Österreich

Warmer Milchrahmstrudel mit Holunderröster


Für mich sollte es das Steirereck-Frühstück sein.



Saiblingstatar mit Gurke und Feigen mit Steinpilzen

Bauernei im Glas mit Rahm und gehobelter Gänseleber

Beinschinken mit Kren und Weizenknusper

eingelegter weißer Pfirsich mit Walnußkeks