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Mittwoch, 11. Oktober 2017

Rezension: Koch doch einfach! von Clare Lattin und Tom Hill, Rezepte aus dem Londoner Restaurant Ducksoup

Im Mai verbrachten wir eine sehr schöne Woche in Irland. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch keine Zeile darüber berichtet habe und das hoffentlich bald ändern kann. Zu den Highlights gehörte der Besuch des Ballymaloe Lit Festivals. Dort trafen wir Clare Lattin und Tom Hill bei ihrer Koch-Demonstration. Wir vom guten Geschmack ihrer Gerichte und der einfachen Zubereitung sehr angetan. Ihr "Ducksoup Cookbook" kam als Urlaubs-Souvenir mit nach Hause. Bereits damals spielte ich mit dem Gedanken, es hier vorzustellen. Zufällig entdeckte ich in der Verlagsvorschau von Knesebeck, dass sie die deutsche Lizenz "Koch doch einfach!" veröffentlichen. Jetzt stand einer Rezension nichts mehr im Wege.


Clare Lattin kommt eigentlich aus der Buchbranche und eine ihrer beruflichen Stationen war die Leitung der Presseabteilung für Kochbücher eines Verlagshauses. Sie beschäftigte sich in diesen 10 Jahren auch sehr intensiv mit der Restaurantszene und wurde zu einer leidenschaftlichen Hobbyköchin. Tom Hill liebte bereits als Kind die Arbeit in der Küche und wurde Profikoch. Gemeinsam betreiben sie seit September 2011 im Londoner Stadtteil Soho das Restaurant Ducksoup. Leider war ich noch nicht dort, aber es steht ganz oben auf meiner Liste, wenn ich wieder einmal nach London komme. Meine Bloggerfreundin Petra hat es schon besucht und auf ihrem Blog "Der Mut Anderer" davon berichtet.

Es ist für mich eine Premiere die englische Originalausgabe mit der deutschen Lizenzausgabe zu vergleichen. Schon beim Cover fällt auf, wie nah man sich an das Original gehalten hat. Sogar die Haptik mit der Leinenstruktur ist gleich. Ich darf es bereits vorweg nehmen, der größte Unterschied ist das Lesebändchen. Wie auf dem Foto zu sehen ist es breit und goldgelb. Das Original ist schmal und dunkelblau. Aus den Diskussionen mit Kochbuch-Liebhabern ist mir bekannt, dass oft das Original bevorzugt wird. Deshalb habe ich genau hingesehen und einige Seiten und Rezepte hintereinander aus beiden Büchern gelesen und verglichen. Die übersetzten Texte haben mir ausgezeichnet gefallen, da sie keine reine word-by-word-translation sind, sondern in angenehmer und gut zu lesender deutscher Sprache sind, ohne den Sinn des Textes zu verändern oder etwas wegzulassen. Die Anordnung von Fotos und Texten, sogar der Schrifttyp sind identisch. Die Fotos im deutschen Buch erscheinen mir etwas strahlender und gefallen mir sogar besser. Auch preislich spricht alles für die deutsche Ausgabe - ich habe für das englische in Irland 32 Euro bezahlt. Somit kostete es rund 2 Euro mehr.

Clare Lattin und Tom Hill bei ihrer Koch-Demonstration beim Ballymaloe Lit Festival 2017. Moderiert wurde dies
von der wunderbaren Darina Allen (links im Bild)

Dies sind einige Gerichte aus dem Kochbuch, die sie kochten. Bei den Koch-Veranstaltungen von Ballymaloe
werden die Gerichte auf der Bühne in einer kleinen Menge gekocht, damit man jeden Arbeitsschritt sehen kann.
Im Hintergrund kochen die Lehrer und Schüler der Ballymaloe Cookery School alle Gerichte in einer großen
Menge und jeder Zuschauer bekommt eine Probeportion von jedem Gericht. Daher weiß ich, wie gut es
geschmeckt hat.

Im Vorwort erklärt Clare Lattin ihre Koch-Philosophie und wie sie auf Reisen Lieblings-Zutaten und -Gerichte entdeckt hat, die sie für das Restaurant übernommen hat. Zwischen Vorwort und dem "Ducksoup Vorratsschrank" verstecken sich zwei Seiten, die sehr lesenswert sind, da sie wichtige Hinweise zum Kochen und zum Umgang mit den Rezepten geben.

Wer zur nicht seltenen Spezies der "Kochbuch-Käufer-und-dann-ärgern-weil-man-nichts-ausprobiert" gehört, kann diese Falle bereits mit den kurzen Erläuterungen zu "Unbehandelte Zitronen", "Nüsse" und "Griechischer Joghurt" umgehen. Bereits an dieser Stelle wurde mir klar, dass mir diese Küche deshalb so gut gefällt, da sie meiner Art im Alltag schnell zu kochen entspricht. Einiges, was da beschrieben wurde, mache ich seit Jahren genauso und trotzdem habe ich Neues gelernt und übernommen, wie die gegrillte Zitrone. Im Vorratsschrank stehen noch viel mehr Küchenschätze, die ich noch in Ruhe studieren werde.

Die Rezeptkapitel sind überschrieben mit:
- Schnelle Küche
- Vom Herd
- Etwas aufwändiger
- Mit Muße gekocht
- Nachspeisen
- Konservieren
- Getränke

Das Kapitel "Getränke" ist klein, aber sehr interessant, da die Herstellung von selbstgemachten Shrubs und Trinkessigen beschrieben wird. Im Kapitel "Konservieren" finden sich nicht nur Rezepte, sondern auch die Grundlagen-Beschreibung zu Einlegen, Fermentieren, Einsalzen und Pökeln. In allen anderen Kapiteln sind Gerichte mit Fisch, Fleisch oder vegetarisch zu finden. Auch bei der "Schnellen Küche" sind raffinierte Rezepte dabei, die man durchaus auch für Gäste auf den Tisch bringen kann.

Jedes Rezept hat einen Einleitungstext, der auf die Besonderheiten hinweist. Angegeben werden die Personenanzahl, die Zutatenliste und die Zubereitungsanleitung. Die meisten Rezepte haben auch ein Rezeptbild. Dafür muss man manchmal etwas blättern, weil es ein paar Seiten davor oder danach abgebildet ist. Die Texte sind sehr gut erklärt und man kann problemlos nachkochen.

Am Ende des Buchs gibt es noch Hinweise zur notwendigen Küchenausstattung. Sehr begeistert hat mich das umfangreiche alphabetische Register. Dort werden Zutaten aufgelistet und darunter stehen alle Gerichte, die man damit kochen kann. So macht ein Register Sinn und ein Kochbuch wird wirklich zu einem "guten Freund", das man immer in die Hand nimmt, wenn man eine Zutat hat und keine Idee zur Zubereitung.

Was habe ich gekocht und warum? Ich habe einfach im Buch geblättert und mich für die ersten zwei Rezepte entschieden, die mich am meisten "angelacht" hatten und die Zutaten aktuell erhältlich waren. Dann habe ich mich "gezwungen" mal wieder ein Dessert zu machen, da ich wirklich zu wenig davon hier vorstelle. Bei den beiden pikanten Gerichten war es notwendig auch noch zwei Rezepte aus dem "Vorratsschrank" zuzubereiten. Sowohl Tahini-Joghurt, als auch Labneh kenne ich gut und mache es seit Jahren. Der Tahini-Joghurt wurde ganz anders zubereitet, als ich es bisher gemacht habe und hat mir ausgezeichnet geschmeckt. Das werde ich künftig als Standard-Rezept übernehmen. Alle Gerichte habe ich in der angegebenen Menge gemacht und hatte so Reste für einen zweiten Tag. Das empfanden wir als besonders angenehm, da blitzschnell gutes Essen auf dem Tisch stand. Alle Gerichte haben auch kalt ausgezeichnet geschmeckt.


Wintergemüse, Tahini-Joghurt, Freekeh und gegrillte Zitronen

















Gebratene Wachteln, Labneh, Kohlrabi, Granatapfel und Dill


Gebratene Birnen, Mascarponecreme und Walnusskrokant













Fazit:

"Koch doch einfach!" von Clare Lattin und Tom Hill legt den Fokus auf sehr gute Zutaten und die richtige Methode, sie zuzubereiten. Die Rezepte des Restaurants Ducksoup zeigen, weshalb die ganze Welt auf die Londoner Gastronomie-Szene schaut. Trotzdem sind die Gerichte auf keinen Fall abgehoben und können in einer normal ausgestatteten Haushalts-Küche zubereitet werden. Da neben kreativen Rezept-Ideen auch Grundlagen erläutert werden, ist es für erfahrene Hobbyköche genauso geeignet, wie für Kochbegeisterte mit weniger Erfahrung. Das ist ein Kochbuch, das man in der Küche liegen und nicht im Regal verstauben lässt.

Dienstag, 27. Mai 2014

Rezension: Tender Obst und Tender Gemüse
von Nigel Slater

Nigel Slater ist ein sehr renommierter englischer Food-Journalist. Seit über 20 Jahren schreibt er eine Kolumne für den Observer und hat bei der BBC eine Kochsendung. Er hat keine professionelle Kochausbildung und versteht sich immer noch als Hobbykoch. Er lebt in London und bewirtschaftet mit viel Herzblut einen großen Garten. Alles was er dort anbaut, verarbeitet er auch in der Küche. Seine gesammelten Erfahrungen hat er in den beiden Büchern Tender Obst und Tender Gemüse veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung ist bei Dumont erschienen.

Beide Bücher interessieren mich sehr, da wir im Bürogarten einiges an Obst und Gemüse anbauen und in unserem sehr kleinen Garten daheim hauptsächlich Salat, Gemüse und Kräuter haben. Ich habe viele Standard-Rezepte in meinem Repertoire, aber immer wieder wünsche ich mir auch neue Inspiration und hier sind die Bücher für mich sehr hilfreich.

Nigel Slater stellt jede Obst- und Gemüsesorte nicht nur mit Rezepten zur Verwendung vor, er beschreibt auch seine Erfahrungen mit der Pflanze im Garten. Ergänzt wird beides mit anschaulichen Rezeptbildern und Fotos aus seinem Garten im Wechsel der Jahreszeiten. Abschließend gibt es ein Rezeptregister nach Rezeptarten. So können die Rezepte sowohl nach dem Produkt, als auch nach der Verwendung schnell gefunden werden.


Tender Obst

Im Band Tender Obst finden sich viele Anregungen zu Gartenarbeit und Verwendung in der Küche für Äpfel, Aprikosen, Birnen, Blaubeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Feigen, Haferpflaumen, Haselnüsse, Himbeeren, Holunder, Kirschen, Maronen, Pfirsiche und Nektarinen, Pflaumen, Quitten, Rhabarber, Rote Johannisbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren, Walnüsse, Weintrauben und Weiße Johannisbeeren.


Tender Gemüse

Das Tender Gemüse ist Nachschlagewerk für Auberginen, Blattsalate, Blumenkohl, Brokkoli und Sprossenbrokkoli, Chinesische Gemüse, Dicke Bohnen, Erbsen, Grünkohl und Cavolo Nero, Grünspargel, Karotten, Kletterbohnen, Knollensellerie, Kohl, Lauch, Mangold, Paprika, Pastinaken, Rosenkohl, Rote Bete, Speiserüben, Spinat, Staudensellerie, Steckrüben, Tomaten, Topinambur, Winter- und Riesenkürbisse, Zucchini und andere Sommerkürbisse und Zwiebeln.

Beide Bücher sind richtig dicke Wälzer, die sozusagen die gesammelte Erfahrung von Nigel Slater als Hobbygärtner und Hobbykoch widerspiegeln. Manche Rezepte muten ungewöhnlich auf den britischen Geschmack zugeschnitten an. Ich habe bei der Auswahl für das Nachkochen bewusst nach Methoden oder Aromen gesucht, die mir nicht geläufig sind. Bei der Umsetzung ist es mir leicht gefallen, die Zubereitungsschritte, die sehr gut und detailliert beschrieben sind, zu beachten. Beim Abschmecken hatte ich keine Vergleichswerte und konnte mich nur auf meinen eigenen Geschmack verlassen. Mir ist es ja immer wichtig, neue Gerichte sozusagen mit dem typischen Aroma kennenzulernen. Das fehlt mir etwas. Aber ich habe neue Erfahrungen gemacht, die auch übernehmen und weiter entwickeln werde.


Tender Gemüse:

Fränkische Bratwurst mit Lorbeer-Kartoffel-Püree, Thymian-Zwiebeln und Sauce
 Würstchen mit  Kürbispüree
Gebackene Zwiebeln















Tender Obst:

Salat aus Chicoree, Pecorino 
und Walnüssen


Makrele mit Rhabarber und
Sherry-Essig











Zitronenpudding mit Himbeeren











Die beiden Bücher Tender Obst und Tender Gemüse sind natürlich besonders geeignet für Hobbyköche mit eigenem Garten, bieten sich aber auch an, wenn man gerne auf dem Markt einkauft und saisonal kochen möchte. Die Rezepte sind alltags-tauglich und einfach zu kochen.


Bildnachweis: Ariane Bille

Mein Beitrag zur großen Rezensions-Woche der Foodblogger - Jeden Tag ein Buch.